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Stadtarchiv / Stadt Münster
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Frauen, Männer, Kinder

• Arme Frauen: Armenhaus zum Busch
• Arme Männer: Zwölfmännerhäuser
• Arme Frauen und Männer: Armenhaus Jüdefeld
• Arme Kinder: Waisenhaus

Johannis-Kapelle an der Bergstraße, um 1925 [Bildnachweis]
Die Johannis-Kapelle gehörte zum Kloster der Johanniter, die auf ihrem Grundstück seit 1472 auch ein Armenhaus für acht Frauen unterhielten.
Von den verfügbaren Plätzen in den münsterischen Armenhäusern war weit mehr als die Hälfte für arme Frauen vorgesehen. Das größere Unterstützungsangebot für Frauen berücksichtigte einerseits den höheren Frauenanteil in der Stadt und andererseits das für Frauen größere Risiko, in Armut zu geraten. Verstarb der Ehemann, blieb die Witwe häufig mittellos zurück. Gelang es ihr nicht, durch eigene Arbeit oder mit Hilfe von Verwandten und Freunden selbständig zu wirtschaften, konnte sie in die Abhängigkeit der städtischen Armenfürsorge geraten. Die Armenhäuser wurden allerdings nicht nur von mittellosen Personen bewohnt, sondern zum Teil auch von vermögenden Bürgerinnen und Bürgern, die sich eine "Pfründe" (das Recht auf eine Versorgung) gekauft hatten und dort ihren Lebensabend verbrachten.
Kinder, die ihre Eltern verloren und keine Verwandten oder andere Personen hatten, von denen sie aufgenommen wurden, erhielten in den eigentlichen Armenhäusern keine Unterkunft. Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde für sie ein Waisenhaus gestiftet (1592).


Arme Frauen: Armenhaus zum Busch

Frauen vor dem Armenhaus zum Busch um 1925 [Bildnachweis]
Das bei der Martinikirche gelegene Armenhaus zum Busch wurde bereits 1337 gegründet. Es war eine von mehreren Einrichtungen, die ausschließlich weibliche Arme (bis zu 20) beherbergte. Nähere Einzelheiten über die Frauen, die im Armenhaus zum Busch Aufnahme fanden, sind nicht bekannt. Über ihren Lebensalltag weiß man nur, dass sie einen Teil ihrer Zeit mit der Herstellung von Kerzen für die benachbarte Martinikirche verbrachten. Das Armenhaus wurde 1759 bei der Beschießung der Stadt Münster im Siebenjährigen Krieg durch Brand zerstört. Der Neubau von 1799 bestand bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.
Neben dem Armenhaus zum Busch beherbergten zwölf weitere Häuser ausschließlich weibliche Arme: Armenhaus zur Aa (33 Frauen), Bischoping (8), Grotegese (5), Kohaus (5), Ludgeri-Kirchspielsgademe (4), Aegidii-Propsteiarmenhaus (2), Speckpfründe Ludgeri (12), Prussen (12), Warendorf (7), Wegesende (13), Wibbeke (5), Zurwesten (18)


Arme Männer: Zwölfmännerhäuser

Das Zwölfmännerhaus Überwasser um 1930 [Bildnachweis]
Es gab in Münster zwei Häuser, die ausschließlich Männer beherbergten und versorgten: Die beiden sogenannten Zwölfmännerhäuser im Kirchspiel Überwasser am Katthagen und im Kirchspiel Ludgeri am Hagedorn. Beide Einrichtungen lassen sich bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisen (1314, 1324).
Wie der Name zum Ausdruck bringt, boten sie jeweils zwölf Männern Platz. Die Aufnahme war allerdings einem speziellen Kreis von Personen vorbehalten. Das Haus im Kirchspiel Überwasser beherbergte bis zu zwölf alte Diener der Domherren. Das Zwölfmännerhaus Ludgeri bot zwölf alten Eigenhörigen der Höfe des Domkapitels (Gemeinschaft der Domherren) Unterkunft und Unterhalt. Das Domkapitel verfügte mit diesen beiden Häusern über eine Möglichkeit, seine Bediensteten im Alter zu versorgen. 1819 wurde das Haus in Überwasser erweitert und mit dem Zwölfmännerhaus Ludgeri zusammengelegt.
Neben den beiden Zwölfmännerhäusern gab es noch eine weitere Institution, die ausschließlich Männer aufnahm. Im Jahre 1590 hinterließ der Scherenschleifer Herman Zumbrock sein Haus im Kirchspiel Ludgeri als Armenhaus für drei alte Männer. Seine Testamentsvollstrecker eröffneten das Armenhaus vermutlich 1593 nach dem Tod der Witwe Zumbrocks.


Arme Frauen und Männer: Armenhaus Jüdefeld

Das Armenhaus Jüdefeld 1636 [Bildnachweis]
Reinert Jodefeld, der Amtmann des Überwasserklosters, ermöglichte im Jahre 1524 durch seine Stiftung die Gründung des nach ihm benannten Armenhauses im Breul gegenüber dem Buddenturm. Der Neubau auf dem zuvor gekauften Grundstück wurde 1542 fertiggestellt.
Schon bei der Planung und Errichtung der neuen Gebäude wurde daran gedacht, dass das Armenhaus sowohl Frauen als auch Männer aufnehmen sollte. Um die beiden Geschlechter getrennt unterbringen zu können, wurden zwei getrennte Gebäudeteile mit separaten Feuerstellen errichtet. Der zugehörige Hof, auf dem sich der Brunnen befand, wurde ebenfalls so eingerichtet, dass Frauen und Männer getrennt blieben.
Die Verwaltung des Armenhauses ging 1805 auf die städtische Armenkommission über. In den Jahren 1810 bis 1894 wurde das Gebäude als Kaserne benutzt, später als Wohnhaus.
Einrichtungen zur dauerhaften Beherbergung von Frauen und Männern waren das Antoniushospital (24 Plätze), das Magdalenenhospital (33) und die Armenhäuser Jüdefeld (21), Vendt (12) und Zurwieck (30)


Arme Kinder: Waisenhaus

Das Kinderheim St. Mauritz 1999 [Bildnachweis]
Die Eheleute Johan Verendorp und Margaretha Plate stifteten im Jahre 1592 ein Waisenhaus für zwölf ehelich geborene Bürgerkinder. Bis zu diesem Zeitpunkt verfügte die Stadt Münster zwar über diverse Häuser zur Beherbergung und Verpflegung bedürftiger und kranker Erwachsener, hatte aber keine vergleichbare Einrichtung für elternlose Kinder. Um diesem Missstand abzuhelfen, hinterließ das Ehepaar Verendorp "den armen wesekens" und kindere ihr Vermögen. Die Testamentsvollstrecker und der Rat wurden beauftragt, die Stiftung zu verwirklichen und zu verwalten. Der Rat wies bereits am Tage der Testamentseröffnung (6.4.1592) ein Haus in der Wegesende im Kirchspiel Martini als zukünftiges Waisenhaus aus.
Die aufgenommenen Waisen sollten von einem Ehepaar versorgt und betreut werden. Es war ihnen erlaubt, zu bestimmten Tageszeiten in der Stadt um Almosen zu bitten. Um ihnen den späteren Broterwerb durch Arbeit zu ermöglichen und "Bettlerkarrieren" zu vermeiden, sollten sie Unterricht im Lesen und Schreiben erhalten.
Nachdem die Frauen aus dem dem Waisenhaus benachbarten Armenhaus Wegesende 1644 im Armenhaus zur Aa untergebracht worden waren, konnte das Waisenhaus durch die Übernahme des freigewordenen Gebäudes vergrößert werden.
Nach 1800 ging die Verwaltung der von nun an auch als Bürgerwaisenhaus bezeichneten Institution auf die städtische Armenkommission über. 1886 zog das Bürgerwaisenhaus in die Schulstraße um. 1922 wurde es mit dem Waisenhaus St. Mauritz zusammengelegt, in dem auch die Unterbringung erfolgte.

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