Im Internet fand ich "The Nuovo Falcone FAQ", frei übersetzt: Die häufigsten Fragen
    zur Nuovo Falcone. Ein freie Übersetzung möchte ich Euch nicht vorenthalten.
    (wer das englische Original schätzt: www.devce.demon.co.uk/falcone/falcfaq.htm)

    Martin Kraut (Mkraut@t-online.de)
 

Falcone-FAQ

Was ist das?

Ein 500er Single. Es ist ein weicher Viertakt-Dampfhammer, gebaut als Folgeserie der
früheren Falcone-Modelle. Der Zylinder liegt horizontal und der Motor zeichnet sich
durch eine sehr große und schwere Schwungscheibe aus, verkleidet durch ein Alugehäuse.

Wieviel macht sie?

Höchstgeschwindigkeit um 130 Kilometer, 0-100 in ca. 10 Sekunden

Also nicht so schnell?

Das ist nicht wichtig. Es ist ein Tourenmotorrad mit einem faszinierenden Auspuffklang
und einem ausgeprägten Charakter. Man stelle sich einen großen englischen Einzylinder vor,
der nicht kaputt geht und kein Öl unter sich läßt, der Bremsen hat und dessen Licht funktioniert,
das ganze mit einem Aussehen aus den 30ern.

Wann wurden sie gebaut?

Von 1969 bis 1974.

Sind sie selten?

Nicht auf dem Kontinent, aber hier in England sind sie nicht üblich. Sie wurden nie offiziell
nach England importiert. Aber Moto Guzzi hat sie massenweise für die heimatliche und
europäische Polizei und das Militär hergestellt.

Sind sie wertvoll?

Nein, aber auch nicht gerade billig. Man kann sie für etwa 1600 bis 2600 Pfund
bekommen (etwa 5000 bis 8000 Mark, Anm. d. Übers.)

Ist es ein Klassiker?

Nein, und bestimmt nicht bei den Italienern. Der Klassiker-Status ist den älteren Modellen
vorbehalten. Das macht eine Falcone nicht so wertvoll und sie bleibt günstig im Unterhalt.

Was ist dann der große Reiz?

Es ist die letzte einer langen Reihe von Guzzi-Einzylindern, aus der Periode, als man
bei Guzzi noch Unverwüstliches baute. Man hatte ja für lange Zeit ernstliche
Qualitätsprobleme bei Guzzi, aber die Nuovo Falcone ist der letzte Vertreter der
berühmten robusten Guzzis.
Falcone fahren bedeutet, für wenig Geld das Gefühl eines klassischen Motorrades
zu erfahren. Die Nuovo Falcone ist massiv, ist ein Langläufer und ist ausdauernd.
Meine hat 79.000 km auf der Uhr, hat immer noch gute Kompression und springt gut an.
Das Motorrad ist häßlich, aber auf die gleiche Weise, wie eine Planierraupe oder ein
Kran häßlich sind: Sie sind für harte Arbeit gebaut, für einfache Wartung und um
nicht kaputt zu gehen.

Brechen große Einzylinder einem nicht das Bein?

Die Übung: Motor kalt? Choke voll geöffnet, Gas geschlossen. Motor warm?
Kein Choke, Gas wenig öffnen (das führt den am Lenker montierten Choke und den
feststellbaren Gasgriff vor). Mit dem Kickstarter den Motor auf den Kompressions-
punkt bringen. Du hast ihn gefunden, wenn Du auf dem Kickstarter stehen bleibst
und nichts passiert. Ziehe den Dekompressionshebel und führe den Kolben leicht
über den Totpunkt. Zündung an. Treten (kräftig und gleichmäßig). Der Motor zündet
und läuft. Kein Rückschlagen, keine gebrochenen Füße.

Warum gibt es zwei Schalldämpfer?

Italienisches Styling. Man beachte die Verwendung der doppelten Menge an Metall,
die doppelten Kosten, wenn man Ersatz braucht, und das ganze, damit es klingt
wie ein einzelnes offenens Rohr.

Ist das ein Zündmagnet?

Nein, der große schwarze Zylinder oben auf dem Motor ist eine Auto-Lichtmaschine, angetrieben
von einem Keilriemen. Es wird eine konventionelle Batteriezündung mit Kontakten verwendet.

Ist es schwer, Ersatzteile zu bekommen?

Nein, eher leicht.

Warum ist der Schalthebel rechts?

Das ist italienisch.

Warum sieht sie so aus?

Sie wurde für die italienische Polizei und das Militär gebaut. Nebenbei, Guzzi geht
immer eigene Wege ...

Mick Walker sagt, sie taugen nichts
(Mick Walker ist ein bekannter britischer Autor mit Schwerpunkt italienische Motorräder.
Anm. d. Übersetzers)

Mick Walker ging in seinem Buch über Moto Guzzi mit der Nuovo Falcone sehr
hart um. Er sagt, daß die Einlaßventilschäfte aufgrund mangelhafter Ölzufuhr rosten, daß die
Auslaßventilsitze herausfallen und daß sich die Ölfiltergaze auflöst. Der Einlaßventilschaft wird
nicht gut geschmiert, und wenn allgemein der Motor so weit verschlissen ist, daß der Öldruck
nicht ausreicht, dann leidet der Ventiltrieb.
Sonst gibt es hier keine Probleme.
Beispielsweise wird beim Militär oft ein schlechtes Benzin verwendet. Wenn der Motor
klingelt und heiß wird, dann kann auch der Ventilsitz herausfallen. Mit gutem Superbenzin läuft
der Motor prima. Eine gute Vorsorge ist es auch, den Motor auf Bleifrei umzustellen. Man
sollte die Leute in der Werkstatt darauf hinweisen, daß die Ventilsitze zum Herausfallen neigen,
und daß sie sie gut einsetzen sollen.
Ein tatsächlich vorhandene Schwäche ist das altmodische Gaze-Olfilter. Besonders die alten
aus Metall sind empfindlich und brüchig und stellen eine Gefahr für den Motor dar. Die neueren
aus Plastik sind unproblematisch.
Man kann die Ölzufuhr verbessern und stabilisieren. Dazu muß die Buchse auf dem Ende des
Kurbelwellenzapfens gegen einen Dichtring ausgetauscht werden. Das erhält den Öldruck trotz
Verschleiß bei anderen Teilen.
Wenn jemand eine gute Modifikation kennt, um eine bessere Schmierung des
Einlaßventilschaftes zu gewährleisten, soll er es mich wissen lassen.

Wie fährt sie sich?

Kurz übersetzter erster Gang, so daß man auch bei langsamem Fahren die Füße oben
lassen kann. Die schwere Schwungscheibe und die niedrige Kompression sorgen dafür,
daß man mit Leerlaufdrehzahlen fahren kann. Krachende Schaltung? Es ist oftmals besser,
im zweiten anzufahren, als zu riskieren, wieder den Leerlauf zwischen erstem und zweitem
Gang zu erwischen. Doppeltes Auskuppeln hilft.
Schnelle Beschleunigung, wenn man das Gas bei geringer Geschwindigkeit aufreißt.
Andere Verkehrsteilnehmer bekommen sofort Respekt, wenn man Gas gibt. Das Motorrad
ist laut, aber mit einem freundlich ballernden Ton. Der Auspuffton beim Beschleunigen
an einer Ampel läßt Autofahrer das Steuer verreißen.
Wunderbarer Tourer. Bundes- und Landstraßen sind optimal. Fahrwerk und Reifen sind
dem Motor überlegen, so daß es auch in scharfen Kurven keine bösen Überraschungen
gibt. Die Bremsen funktionieren auch.
Witzlos auf der Autobahn. Man wird von jedem Auto überholt. Hinter schnellen Lastern hängt man
fest und kann sich die Landschaft ansehen. Wenn man schnell große Entfernungen zurücklegen
will, kauft man sich was anderes.
Wunderbar erfreulicher Auspuffklang. Das tolle Ballern verleitet einen zu Gangwechseln,
nur um das Echo von den Hauswänden zu hören. Man muß es erfahren, daß das Vorankommen
auf einer Falcone sehr befriedigend ist. Es ist kein Sport-Motorrad, so erfordert das Aufrechterhalten
hoher Schnitte einige Mühe.
Hatte ich eigentlich schon den tollen Klang erwähnt?
 
 

    Der Autor der Falcone FAQ ist Paul Friday aus Großbritannien. Ich empfehle jedem,
    seine Homepage zu besuchen! Linkadresse siehe oben.  Er hat einen "Virtuellen
    Falcone-Club"  eingerichtet.
    Wir veröffentlichen diesen Text mit seiner Zustimmung. K.L.
 

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