Münster (SMS) In seiner neuen Videoinstallation „Aufruhr 500“ rückt das „Kollektiv des guten Willens“ die deutschen Bauernkriege und die Konstruktion von Geschichte in den Fokus. Ab Freitag, 30. Januar, präsentiert das Kulturamt Münster diese im Krameramtshaus (Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6-7). Unter Leitung des münsterischen Regietrios Mareike Fiege, Peter Maria Volkhardt und Max Wigger entstand eine Drei-Kanal-Installation. Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenfrei.
Die Bauernkriege waren die erste unvollendete soziale Revolution auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Bäuerinnen, Bauern und Leibeigne erhoben sich sowohl gegen die weltlichen Fürstentümer als auch gegen die Macht der Kirche, deren Reichtum sich aus der Ausbeutung speiste. 1525 kulminierte der Aufstand in der Schlacht im thüringischen Bad Frankenhausen, wo zehntausende Menschen unter der Regenbogenflagge des Predigers Thomas Müntzer gegen Feudalherrschaft und Leibeigenschaft kämpften. 500 Jahre später hat das „Kollektiv des guten Willens“ die Schlacht gemeinsam mit Statistinnen, Statisten und Live-Action-Role-Play-Gruppen in Begleitung von drei Kamerateams am historischen Ort neu inszeniert.
Entstanden sind drei Filme, die in der Ausstellung im Haus der Niederlande auf drei Projektionsflächen gezeigt werden. „Aufruhr 500“ entzieht sich bewusst einer historischen Darstellung. Stattdessen setzen die Filme sich inhaltlich und formal mit der Konstruktion von Geschichte auseinander. So sind unter anderem Zeitreisende zu sehen: Jakobiner, SED-Funktionärinnen und -Funktionäre, Occupy-Wall-Street-Protestierende und Freelancerinnen und Freelancer aus dem Kulturbereich, die sich in ihrem Handeln auf die Bauernkriege und ihr Erbe beziehen. Das „Kollektiv des guten Willens“ ist ein freies Netzwerk aus Kunstschaffenden. Seit 2020 arbeitet es projektbasiert an der Schnittstelle zwischen bildenden und darstellenden Künsten.
Bürgermeister Klaus Rosenau wird die Ausstellung am Donnerstag, 29. Januar, um 18 Uhr offiziell eröffnen. Im Anschluss findet ein Gespräch von Merle Radtke, Leiterin der Kunsthalle Münster, mit dem Regie-Trio statt. Alle Interessierten sind zur Veranstaltung eingeladen.
Die Ausstellung ist montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
Rahmenprogramm mit Lesungen und Performancekunst
Verschiedene Programmpunkte flankieren die Ausstellung. Am Samstag, 7. Februar, um 11 Uhr stellt die Autorin Kathrin Röggla in Lesung und Gespräch ihren prämierten Text „Bauernkriegspanorama“ vor. Daran schließt sich die Lecture Performance des Künstlers Peter Maria Volkhardt an, der sein Werk „Einmal Tragödie, Einmal Farce“ präsentiert. Am Donnerstag, 26. Februar, lädt das Kollektiv des guten Willens um 18 Uhr zu einer szenischen Lesung zu „Aufruhr 500“ ein. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist kostenfrei.
Hintergrund zur Ausstellung
Die Ausstellung wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Münster, den Freunden der Kunstakademie Münster, der Kunsthalle Münster, den Freunden der Kunsthalle Münster sowie der Sparkasse Münsterland Ost. Sie ist in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus entstanden.
Das Kulturamt der Stadt Münster präsentiert im Wechsel mit dem Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster Ausstellungen im Zunftsaal des Krameramtshauses. Regelmäßig nutzen Künstlerinnen und Künstler aus Münster den historischen Ort als Ausstellungsraum.
Foto: Die Ausstellung „Aufruhr 500. Drei Projektionen für Münster“ im Krameramtshaus widmet sich der 500-jährigen deutschen Geschichte von sozialen Revolutionen. Mareike Fiege und Peter Maria Volkhardt sind Teil des Regietrios vom „Kollektiv des guten Willens“, das für die Ausstellung die Bauernschlacht von 1525 filmisch und künstlerisch neuinsenzierte. Foto: Stadt Münster. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.
