19.01.2026

Weniger Plätze, mehr Stabilität: Stadt will Kita-Ausbau an sinkende Kinderzahlen anpassen

Rat entscheidet am 25. März / Kita-Schließungen in Kinderhaus und Mecklenbeck geplant / Keine betriebsbedingten Kündigungen

Münster (SMS) Angesichts sinkender Kinderzahlen und freier Kita-Plätze will die Stadt Münster den weiteren Ausbau von Betreuungsplätzen zurückfahren und stärker stadtteilbezogen steuern. Bevor Neubauten beschlossen werden, soll künftig noch gezielter geprüft werden, ob es im Umfeld schon ausreichend Kapazitäten gibt. Als Folge der veränderten Versorgungssituation schlägt die Verwaltung vor, zwei Kindertageseinrichtungen in Kinderhaus und Mecklenbeck zum 1. August zu schließen. Zudem plant die Stadt befristete Finanzhilfen zur Stabilisierung der freien Träger.

Entsprechende Beschlussvorlagen bringt die Verwaltung Mitte Februar in die politischen Beratungen ein. Abschließend entscheidet der Rat der Stadt Münster in seiner Sitzung am 25. März über die Vorschläge.

Der bundesweite Trend rückläufiger Kinderzahlen wird auch in Münster sichtbar: Ende 2024 lebten in Münster 7.464 Kinder unter drei Jahren und 8.188 zwischen drei und sechs Jahren – deutlich weniger als prognostiziert. Bei den unter Dreijährigen lag die Zahl um 403 Kinder, bei den älteren Kindern um 98 unter den Erwartungen. Gründe sind sinkende Geburtenzahlen, der Wegzug von Familien sowie Bauverzögerungen bei geplanten Wohngebieten. Erstmals blieben dadurch im vergangenen Jahr in einzelnen Stadtteilen wie Coerde, Kinderhaus und Gremmendorf Kita-Plätze unbesetzt – auch, weil Eltern zunehmend Plätze außerhalb ihres Wohnbereichs in Anspruch nehmen.

„Nach Jahren eines flächendeckenden Platzmangels stehen wir jetzt vor der Aufgabe, Versorgungssicherheit und wirtschaftlich tragfähige Einrichtungen zugleich zu gewährleisten“, sagt Stadtdirektor Thomas Paal. „Da Landeszuschüsse und Elternbeiträge nach dem Kinderbildungsgesetz an belegte Plätze gebunden sind, führt eine Unterbelegung zu spürbaren finanziellen Einbußen für Träger und Stadt, auf die wir sowohl kurz- als auch langfristig reagieren müssen.“

Mögliche Schließungen in Kinderhaus und Mecklenbeck

Besonders deutlich zeigt sich die veränderte Versorgungslage in Kinderhaus. Dort bleiben zum Kita-Jahr 2026/27 nach aktuellem Stand insgesamt 338 Kita-Plätze unbesetzt. Allein in den fünf städtischen Einrichtungen im Stadtteil sind 50 U3- und 99 Ü3-Plätze frei. Die Verwaltung schlägt daher vor, die städtische Kita „Killingstraße“ zum 1. August zu schließen. Die 29 davon betroffenen Kinder können Plätze in der nahegelegenen Kita „Brüningheide“ erhalten. Alternativ haben Eltern die Möglichkeit, ihr Kind über den Kita-Navigator in einer anderen Einrichtung anzumelden.

„Wir wissen, dass es für Kinder und Familien belastend ist, die gewohnte Umgebung zu verlassen“, sagt Sabine Trockel, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien. „Dauerhaft freie Plätze und die damit verbundenen finanziellen Belastungen zwingen uns jedoch, die vorhandenen Kapazitäten effizienter zu nutzen.“ Um die Zahl der unbesetzten Plätze in Kinderhaus weiter zu senken und damit die Auslastung der anderen Kitas im Stadtteil zu verbessern, sollen die städtischen Kitas „Kinderhaus“, „Brüningheide“ und „Im Moorhock“ im Sommer mit jeweils einer Gruppe weniger starten.

Ebenfalls zum 1. August will die Stadt ihre Zwei-Gruppen-Kita „In der Alten Schule“ in Mecklenbeck schließen. Alle 24 verbleibenden Kinder können einen Platz in der wenige Hundert Meter entfernten städtischen Kita „Mecklenbeck“ erhalten oder über den Kita-Navigator in einer anderen Kita angemeldet werden. Grund für die geplante Schließung ist der hohe bauliche Sanierungsbedarf des rund 100 Jahre alten Gebäudes. Allein für notwendige Sicherheits- und Instandsetzungsarbeiten sowie Modernisierungen sind rund 750.000 Euro notwendig. Angesichts der freien Kapazitäten in der benachbarten Kita sind diese Investitionskosten aus Sicht der Verwaltung unverhältnismäßig hoch.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kitas „Killingstraße“ und „In der Alten Schule“ sollen möglichst in andere städtische Einrichtungen übernommen werden.

Befristete Finanzhilfen für freie Träger

„Die Situation zwingt uns zu einem Umdenken“, sagt Thomas Paal. „Auch in Coerde, Gievenbeck, Gremmendorf und Angelmodde gibt es eine Überversorgung. Wir schauen uns für jeden Bereich genau an, wie wir gegensteuern können.“ Als kurzfristige Maßnahme könnten etwa der vorgezogene Abbau von temporären Pavillons, die Reduzierung von Gruppen sowie eine gezielte Platzvermittlung helfen, die Auslastung der Kitas in den betroffenen Stadtteilen zu erhöhen.

Sollten diese Schritte nicht ausreichen, schlägt die Stadt in ihrer Ratsvorlage vor, freie Träger bei Unterbelegungen künftig über befristete Finanzhilfen zu unterstützen. „Träger können laufende Fixkosten wie Miete oder Nebenkosten bei stark unterbelegten Gruppen oft nicht mehr vollständig durch die Kinderpauschalen decken“, erklärt Sabine Trockel. „Mit den Hilfen wollen wir den betroffenen Trägern die notwendige Zeit geben, um langfristige Maßnahmen zur Stabilisierung umzusetzen.“ Die städtische Unterstützung soll ausschließlich existenzielle Fixkosten wie Miete und Nebenkosten abdecken. Personalkosten oder freiwillige Zusatzangebote sollen nicht übernommen werden.

Gibt ein Träger dennoch eine Kitaträgerschaft auf, soll künftig nicht automatisch neu ausgeschrieben werden. Stattdessen will die Stadt zunächst prüfen, ob ein bereits im Wohnbereich tätiger Träger die Einrichtung übernehmen kann, um bestehende Strukturen zu stärken.

Bei der Planung neuer Kitas soll aufgrund der neuen Situation die langfristige Auslastung und der bauliche Zustand der bestehenden Einrichtungen im Einzugsgebiet künftig noch stärker berücksichtigt werden. Bereits mit Baubeschluss versehene Kita-Projekte sollen fertiggestellt werden und bei Bedarf als Ersatzstandorte für Gebäude dienen, die langfristig zu hohe Kosten verursachen oder baulich nicht mehr geeignet sind.