Die Frage nach dem Sinn ist eigentlich immer vorhanden, alles dreht sich um sie, doch versuche ich sie in den Blick zu nehmen, entschwindet sie. Es eine sehr allgemeine Frage. Doch sie ist die grundlegendste Frage, die gestellt werden kann. Und ich denke, daß sie die anthropologische Grundfrage der Gegenwart ist. Menschen leiden unter dem Verlust von Sinnerfahrungen. Trotz oder gerade wegen des enormen Konsums in unserer Zeit fragen Menschen nach dem Sinn ihres Daseins. Die Sinnfrage wird sicherlich nicht von jedem jeden Tag gestellt. Wer sie stellt, dem ist die Möglichkeit schon begegnet, daß alles sinnlos sein könnte. Ja diese Frage begegnet uns erst, wenn unerwartetes den normalen Alltag sprengt. Obwohl ich so wissenschaftlich und objektiv wie möglich mit dieser Frage umgehen möchte, so kann und möchte ich nicht verschweigen, daß es eine sehr private Frage ist, die mich selber angeht. Ich möchte diese Frage dennoch nicht allgemein oder privat stellen, sondern sie in Beziehung zu meinem künftigen Beruf als Sozialarbeiter setzen. Ich werde in dieser Arbeit den Begriff Sinn nicht inhaltlich füllen können, aber ich möchte Strukturen aufzeigen, in denen Menschen sinnvoll leben können. Bedingungen der Möglichkeit sinnvollen Lebens sind darzustellen. Füllen muß diese Strukturen jeweils der einzelne Mensch. Meiner Meinung nach sehnt sich der Mensch nach Sinn. Ich möchte zeigen warum diese Sehnsucht nach Sinn gefährdet ist, und wo Sozialarbeit ihren Platz hat, an der Verwirklichung dieser Sehnsucht mitzuarbeiten. Ich möchte nicht den Standpunkt verschweigen, von dem aus ich diese Frage angehe. Als Christ glaube ich, daß Gott der letzte Sinngeber ist. Gott hat mir das Leben zur Aufgabe gegeben. An mir ist es die Fragen, die Gott mir durch das Leben stellt, zu beantworten. Den Sinn meines Lebens kann nur ich allein finden. Bei dieser Suche weiß ich mich im letzten von ihm getragen. Aber ich erlebe auch die Gefährdung dieses Getragen-Werdens, ich erlebe sie bei mir und bei anderen, ich erlebe wie Leben scheitert oder zu scheitern droht, ich erlebe Menschen, die sich, haltlos geworden, in immer neue Abhängigkeiten stürzen. Ich sehe meine Gefährdung und die anderer und ich frage: Warum? Hat das alles einen Sinn? Ist das alles sinnlos? Oder worin liegt der Sinn, worin könnte Sinn liegen? Ist Sinn wiederauffindbar, wenn er verloren ist? oder kann ich ihn mir neu schaffen? Ich kann nicht nach jedem Aufstehen nach dem "Warum" meines Lebens fragen. Aber manchmal läßt sich das Leben kaum noch ertragen und dann muß ich mir Rechenschaft geben. In dem Beruf als Sozialarbeiter werde ich es manchmal mit Menschen zu tun haben, die ihr Leben nur schwer ertragen können und die nach dem "Warum" von all dem fragen. Sie fragen sicherlich nicht direkt nach dem Sinn des Lebens. Aber ihr Fragen deutet auf die tiefste aller Fragen hin. Und um diese Frage herauszuhören aus einem Berg von unterschiedlichen Informationen muß ich sie mir zunächst selber stellen und mich mit den vielfachen Variationen dieser Frage vertraut machen. Zudem gilt es, sie in Beziehung zu beruflichem Handeln zu setzen. Ein Beitrag dazu soll diese Arbeit sein.