2. Begriffsklärung

In einem ersten Schritt gilt es zu klären, was wir eigentlich meinen, wenn wir vom "Sinn" sprechen. Es gilt die unterschiedlichen Bedeutungsnuancen vorzustellen, um dann zu entscheiden in welchen Bedeutungen der Begriff "Sinn" im Verlauf der Arbeit gebraucht wird.

2.1 Die ortsbezügliche Bedeutung In althochdeutscher Zeit als "sin" und auch heute als "Sinn" wird das Substantiv Sinn in der Bedeutung Verstand und Wahrnehmung gebraucht. Doch eine ältere Bedeutung weist auf das Verb sinnen hin, welches im Althochdeutschen "streben, begehren" ursprünglich aber "gehen, reisen" bedeutet. Die gesamte germanische Wortgruppe beruht auf der indogermanischen Wurzel "sent" "gehen, reisen, fahren" deren ursprüngliche Bedeutung "eine Richtung nehmen, eine Fährte suchen" war.3 Noch heute sprechen wir vom Uhrzeigersinn.

2.2. Die sinnlichkeitsbezügliche Bedeutung Wir Menschen nehmen durch unsere fünf Sinne wahr. Wir merken durch unsere Sinne. Wem die zuständigen Sinne fehlen, kann auch nichts merken. Wer also etwas merkt, der hat Sinn.4

2.3 Die verständlichkeitsbezügliche Bedeutung

Sinn hat etwas mit Verstehen zu tun. "Sinn hat, was verständlich ist..."5 Erinnert sei an einen Ausdruck wie "Schriftsinn" z.B. der Heiligen Schrift. In der hermeneutischen, phänomenologischen und soziologischen Sinndiskussion unseres Jahrhunderts regiert der verständlichkeitsbezügliche Sinnbegriff. Letztlich geht es darum, das Verständliche vom Unverständlichen abzugrenzen.6

2.4 Die emphatische Bedeutung "Sinn hat, was sich - gegebenenfalls absolut - lohnt (was wichtig ist, erfüllt, zufrieden, glücklich macht und nicht verzweifeln läßt, emphatisch - als ihr Wert und Zweck - bezogen auf das Menschenleben, die Geschichte, die Welt)."7

Die emphatische Bedeutung des Sinnbegriffs ist erst 100 Jahre alt. Wilhelm Dilthey bezweifelt in seiner "Einleitung in die Geisteswissenschaft" 1883 einen möglichen "Sinn des geschichtlichen Verlaufs." Erst Friederich Nietzsche bezieht die Sinnfrage auf das einzelne Individuum.8

2.5 Der teleologische Sinnbegriff

Im emphatischen Sinnbegriff ist der teleologische Sinnbegriff enthalten. Wir sprechen von Sinn, wenn etwas gerichtet ist auf ein Ziel hin. (Sinn des Lebens, Sinn der Geschichte etc.)9

2.6 Der Sinn als Gestalt

Wir nennen das Detail einer Gestalt sinnvoll, wenn es der gesamten Gestalt entspricht.10 Das Vorhandensein eines Steines in einer Mauer ist sinnvoll, wenn es dem Mauersein der Mauer dient.

2.7 Der semantische Sinn

Mit dem semantischen Sinn ist der hinweisende Bezug eines Zeichens auf das Bezeichnete oder auf seine Bedeutung gemeint. Als Beispiel will ich den Sinn des Händedrucks nennen.11

2.8 Der Einzelsinn - der Gesamtsinn

Sinn hat auch etwas zu tun mit Übereinstimmung. So soll die Ganzheit des Einzelnen übereinstimmen mit der Welt. Bernhard Welte sagt dazu: "Etwas hat Sinn, heißt also: es führt in die mögliche Übereinkunft meiner mit meinem Sein im Ganzen als einer Übereinkunft mit dem Seienden im Ganzen."12 Es reicht also nicht, daß sich der einzelne als Ganzheit, als mit sich selbst identisch, erfährt, er möchte auch "seinen" Platz in der Welt einnehmen.

2.9 Zusammenfassung

Die ortsbezügliche Bedeutung des Wortes "Sinn wird uns im Verlauf der Arbeit nur im übertragenen Sinn als "Weg des Lebens" begegnen. Auch möchte ich mich nicht den fünf Sinnen widmen. Der verständlichkeitsbezügliche Sinnbegriff wird uns insbesondere in der soziologischen Diskussion begegnen. Bei der emphatischen Bedeutung bewegen wir uns im Zentrum unseres Themas. "Hat denn das Dasein und also auch mein Dasein überhaupt einen Sinn." Diese Frage wird ausführlich in den unterschiedlichen Aspekten zu beleuchten sein. Ein Aspekt wird die Zielorientiertheit sein. Eine weitere Frage wird sein, was Sinn mit Ganzheit, Ganzsein, sowohl des einzelnen, als auch des einzelnen in der Gesellschaft zu tun hat.

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