Dieser Artikel erschien am 14. August 1999 in den

  

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Schätzchen voller Überraschung

KÜ-Freunde beklagen Verschlechterung der Bausubstanz

Von Dietrich Harhues

Großes Bild Münster-Gelmer - Für Festtagsstimmung sorgt der Geburtstag des Dortmund-Ems-Kanals nicht überall. Denn mit der Wasserstraße feiert auch die Kanalüberführung Fuestrup bei Gelmer - vom Volksmund KÜ genannt - in dieser Woche den 100. Geburtstag. Doch das Denkmal traditioneller Brückenbau-Kunst fristet noch immer ein tristes Dasein. »Die Bausubstanz verschlechtert sich zusehends«, klagt Volker Jahnk vom Arbeitskreis KÜ. Die Organisation, in der sich die Fans des technischen Denkmals zusammengeschlossen haben, kritisiert: »Gerade im Kanal-Jubiläumsjahr hätten wir uns den KÜ in einem anderen Zustand gewünscht.«

Hilfe suchend wendet sich der Arbeitskreis mit einem Brief an den Regierungspräsidenten. Der hatte sich in dem Streit um die Restaurierung des historischen Bauwerks dafür stark gemacht, dass der KÜ saniert und geflutet wird.

Rückblende: 1994 wurde der Teilabschnitt an der Brücke trockengelegt, der Rest der Alten Fahrt ist weiterhin Anlaufpunkt für Schwimmer und Sonnenanbeter. 1996 verständigten sich Wasser- und Schifffahrtsdirektion und Bezirksregierung darauf, dass die gemauerte Badewanne wieder Wasser führen soll - sofern technisch und finanziell möglich.

Um diese nasse Lösung gibt es seither eine wahre Wasserschlacht. Der Ausgang ist noch offen. Die nächste Runde »diplomatischer Gespräche« wird im Herbst eingeläutet. Da treffen Bezirksregierung und Wasser- und Schifffahrtsdirektion abermals aufeinander, um zu verhandeln.

Der soll kein Trockendock bleiben, fordern viele Bürger. Der Erhalt des Bauwerks, durch das früher Kähne über die Ems geschippert sind, mache nur Sinn, wenn die alte Funktion deutlich werde. »Wir setzen wir uns weiter für eine nasse Lösung ein«, sagt Cord Wittkowski Sprecher der Bezirksregierung.

Ulrich Machens, Direktor der Wasser- und Schifffahrtsdirektion, bekundet guten Willen, pocht aber auf knappe Ressourcen. Dies beginne bei der Belastung seiner Behörde: »Der schlanke Staat hat uns schlank gemacht.« Folge der Diät: »Wir müssen Prioritäten setzen und Kanalausbau hat eindeutig Vorrang«, betont Machens gegenüber den WN.

Knapp seien aber auch Finanzmittel zum Erhalt des Denkmals. Wenn sich der KÜ in eine Wasserstraße zurückverwandeln soll, so schlage dies mit zusätzlichen Kosten von mindestens fünf Millionen Mark zu Buche.

Genaueres klären sollen erneut Untersuchungen an dem imposanten Mauerwerk. Fachleute prüfen gerade, wie sich ein neuer Betontrog in der alten Brückenkonstruktion unter Temperaturschwankungen verhält. »Das ist ein altes Schätzchen - und die stecken voller Überraschungen«, so WSD-Chef Machens.



Zusammengestellt von Volker Jahnk, letzte Änderung 15.08.1999  | Zum Anfang |