Dieser Artikel erschien am 08. April 1999 in den

  

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Mehrkosten in Millionenhöhe

KÜ: Sanierung immer noch offen

Von Dietrich Harhues

Großes Bild Münster-Gelmer - Der stechende Geruch von Moder und stehendem Wasser mischt sich mit einem Hauch von Dieselabgasen. Neben der Kanalüberführung - von Münsteranern stets "die KÜ" genannt - dröhnen Motoren der Bagger, deren geballte Kraft dem Ausbau der Neuen Fahrt gilt. Wenige hundert Meter entfernt, an der Alten Fahrt mit dem historischen Brückenbauwerk über der Ems, herrschen dagegen Stillstand und jahrelange Trostlosigkeit. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Denn statt Betonmischern rücken abermals Gutachter dem Denkmal auf den Leib. Unabhängig von deren Ergebnissen gilt: Der KÜ trägt nicht vor dem Jahr 2001 wieder Wasser. Wenn überhaupt jemals wieder . . .

Die Kosten für die "feuchte Sanierung" schwappen nämlich springflutartig hoch. "Mehrere Millionen Mark zusätzlich verschlinge es, wenn das Denkmal nicht nur als Trockendock gesichert, sondern in seine ursprüngliche Funktion zurückversetzt werde.

Großes Bild Diese "Wasserschlacht" schien 1996 längst entschieden - mit der grundsätzlichen Einigung zwischen Bezirksregierung und Wasser- und Schiffahrtsdirektion, daß die 1994 trockengelegte Überfahrt wieder geflutet werden soll. Andernfalls, so argumentierte die Bezirksregierung, ergebe der Erhalt des technischen Denkmals keinen Sinn. Vorbehalt dieser Einigung mit der Wasser- und Schiffahrtsdirektion: Die Substanz des 100jährigen Bauwerkes müsse eine Sanierung mit einer Wanne in der Wanne erlauben. Das haben Gutachter der Karlsruher Bundesanstalt für Wasserbau Anfang 1998 bejaht. Seit dem ist viel Wasser im Morast der Alten Fahrt versickert.

Dennoch folgen auf dieses Gutachten nun weitere Gutachten. Bis zum Ende dieses Jahres klopfen Fachleute Beton und Bruchsteine der Brücke ab.Ihre Aufgabe lautet zu prüfen, ob es eine preiswertere Variante der Instandsetzung in Frage kommt, bei der dennoch das Plümpsen in der Wanne über der Ems gewährleistet wäre. Kein einfacher Job, Denkmalschutz und Freizeitfreude für wenig Geld zu ermöglichen.

Im Frühjahr 2000 wird das Schicksal der KÜ endgültig besiegelt, so der Terminplan in der Wasser- und Schifffahrtsdirektion. Sollten von dort die Betonmischer diesmal an die Alte Fahrt kommandiert werden, würde sich die Sanierung über ein weiteres Jahr erstrecken.


Angemerkt

Trauriges Ritual

Bleibt Kanalüberführung ein Trockendock

Traurig, aber wahr: Das trostlose Vermelden, daß es nichts Neues zu vermelden gibt, gerät zum Ritual. Mit jedem Frühling keimt der Hoffnungsschimmer, daß das triste Dasein des wasserlosen KÜ bald ein Ende haben könnte.
Und die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Erst war es die Frage der Bausubstanz, nun sind es die Kosten, die ein dickes Fragezeichen hinter den Erhalt einer echten Kanalüberführung setzen.
Die bloße Sicherung des Äquadukts ohne Wasser wäre unter Denkmalschutzgesichtspunkten absurd. Jedoch: Die Wasser- und Schiffahrtsdirektion - und damit der Bund - wird die Mehrkosten in Millionenhöhe nicht aufbringen, jedenfalls nicht allein. Die Behörde hat offenbar schon Mitfinanziers im Blick. Bei Gesprächen über das Schicksal des Bauwerkes sind meistens auch Vertreter der Bezierksregierung sowie der Städte Münster und Greven eingeladen. Vielleicht sind die flüssig genug, um das Wasser im KÜ zu bezahlen. Dietrich Harhues



Zusammengestellt von Volker Jahnk, letzte Änderung 10.04.1999  | Zum Anfang |