Dieser Artikel erschien am 02. August 1997 in den

Badesaison am KÜ fällt ins Wasser

Sanierung von Münsters "größter Badewanne" läßt auf sich warten 
Kein Ergebnis der Betonproben

Von Dietrich Harhues 

Münster. Die Badesaison ist auf dem Höhepunkt, die beliebteste Badewanne aber weiterhin leer. Und um erst keine falsche Hoffnung aufkommen zu lassen: Der Kanalübergang (KÜ) bei Greven über die Ems bleibt trocken. Denn die Sanierung steht in weiter Ferne. Schlimmer noch: Nicht einmal die Vorarbeiten sind abgeschlossen. Die Ergebnisse der im März eingeschickten Betonproben lassen immer noch auf sich warten. "Wir haben schon in Karlsruhe nachgefragt", sagt der Leiter des Wasser- und Schiffartsamtes in Rheine, Günter Nogatz. Doch nicht einmal die Zwischenergebnisse hat die Bundesanstalt für Wasserbau vom Badischen nach Westfalen gesendet. 

Bei den Experten der zentralen Begutachtungsstelle liegen die Kernbohrungen auf dem Untersuchungstisch. Spezialbohrer hatten vor nunmehr fünf Monaten die Proben an 40 Stellen aus dem Innenleben der Brücke geholt. Bis zu 50 Zentimeter tief schälte sich die Diamant-Spitze in Brückenpfeiler, -widerlager und -bögen. 

Das sanft akupunktierte Denkmal harrt seitdem der Dinge, die da kommen mögen. 

Es kommt aber nichts. Dabei ist die KÜ-Sanierung ohnehin schon fast eine unendliche Geschichte: Im Februar 1992 verfügte der Regierungspräsident die Unterschutzstellung als technisches Kulturdenkmal. Später wurde diese ergänzt durch die klare Auflage, daß die einst von Kanalschleppern genutzte Überführung wieder geflutet wird. 

Davon ist das mächtige Aquädukt weit entfernt. Denn der Terminplan scheint sich zu strecken. Offenbar drängt auch das Wasser- und Schiffahrtsamt auf das Gutachten. Denn davon hängt ab, ob der verabredete Weg auch tatsächlich beschritten wird: Der KÜ soll ein neues Innenleben, eine Art Wanne in der Wanne, erhalten. Unbeantwortet ist aber die Frage, ob das Gewölbe diesen Betontrog überhaupt trägt. 

Sollte sich in Karlsruhe herausstellen, daß das betagte Bauwerk noch morscher ist als befürchtet, könnte dies eine bereits vor Jahren abgeschlossene Diskussion neu aufflackern lassen - die kreiste um das Wasser im KÜ. "Da muß man neu überlegen", hieß es in Rheine. Um die Bedingung, daß die Alte Fahrt wieder Wasser führen müsse, war aber heftig und lange gerungen worden. Das Ergebnis läßt sich in der Denkmalliste der Stadt Münster in der Fassung vom 30. Juli 1996 nachlesen: "In den Denkmalumfang wird auch die Führung von Wasser mit einbezogen, weil deren Verlust mehr als eine ästhetische Beeinträchtigung des Baudenkmals darstellt." 

Das Schiffahrtsamt in Rheine richtet sich nun darauf ein, im Herbst eine Klärung des Ist-Zustandes des 1899 von Kaiser Wilhelm II eingeweihten Aquädukts zu erhalten. Selbst wenn dann sogleich die Bauarbeiter anrückten, wäre auch die kommende Badesaison schon verloren. 

Die Sanierung des historischen Plümsbeckens werde sich Monate hinziehen. "Stellen Sie sich auf eine Jahresbaustelle ein", sagte Günter Nogatz auf WN-Anfrage.

 


Zusammengestellt von Volker Jahnk, letzte Änderung 11.11.1997  | Zum Anfang |