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Neue Tarife in der Diakonie


Informationspapier der ÖTV: Neues Vergütungssystem für die Diakonie


Neue Tarife in der Diakonie

Kirchliche Arbeitgeber streben neues Entlohnungssystem an und stellen dabei das Kirchenpapier in Frage.

von Richard Bercanay

Der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) plant ein neues Entgeltsystem für seine Arbeitnehmer. Hierzu ließ er eine Expertise von einem Arbeitgebernahen Institut erstellen. Die Gewerkschaften haben das Papier bereits scharf kritisiert und vor der drohenden Entsolidarisierung gewarnt, falls dieses Vorhaben umgesetzt wird.

In der Tat sehen die geplanten Änderungen erhebliche Verschlechterungen für das pflegende Personal vor. So soll die Vergütung sich nicht mehr nach dem Arbeitsaufwand für den einzelnen Arbeitnehmer richten, sondern nach dem Wert für das Unternehmen. Statt flächeneinheitlichen Tarifen sollen Haustarife die Bezahlung der Angestellten in den diakonischen Betrieben regeln.

Eine Eingruppierung der Arbeit nach dem Wert für das Unternehmen ist aus dem Grunde schon verwerflich, weil es die Arbeit an pflegeintensiven Patienten nicht nur schlechterstellt, sondern den Mitarbeiter, der es in erster Linie mit schweren Pflegefällen zu tun hat, finanziell dafür abstraft. Die Folge wird sein, daß besonders pflegebedürftige Patienten vom Personal als besondere Belastung empfunden werden, und darunter die Pflege leiden wird.

Mit der Vorstellung, man könne die Arbeit nach dem Wert für das Unternehmen bewerten, wird die Pflege an sich diskreditiert. Sie erscheint als Hindernis auf dem Weg zu möglichst kostengünstigem Arbeiten. Der Wert der Fürsorge und der Pflege läßt sich geldlich nicht messen, schon deshalb ist eine gleichgewichtige Bezahlung aller Pflegekräfte geboten, gleichgültig welche Art von Patienten sie pflegen und wie zeitintensiv die Pflege ist.

Hinzu kommt, daß die Bewertung durch die Vorgesetzten vorgenommen wird. Dies bedingt, daß persönliche Animositäten eine stärkere Rolle spielen können, und der Arbeitnehmer im verstärken Maße vom Wohlwollen seines Vorgesetzten abhängig wird.

Des weiteren sollen Sozialleistungen wie das Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie familien- und kinderbezogene Vergütungselemente abgeschafft werden. Leitende Positionen sollen besser, einfachere Aufgaben schlechter bezahlt werden.

Die Vorhaben des VdDD stehen in einem deutlichen Gegensatz zum Kirchenpapier. Insbesondere der Versuch, marktwirtschaftliche und wettbewerbliche Elemente in die Pflege einzubringen, ist schon als zynisch zu bezeichnen, denn gerade im Bereich der medizinischen Versorgung gibt es bereits mehr wettbewerbliche Elemente als für das System zuträglich ist. Diese nun um wettbewerbliche Elemente bei der Pflege der Menschen ergänzen zu wollen, ist mit Blick auf das Kirchenpapier ein Scheitern an den eigenen Ansprüchen.

Richard Bercanay, 18. Juni 2000


Papier der ÖTV zu den Vorhaben des VdDD


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