Urdruck Dokumentation:

Neues Vergütungssystem für die Diakonie

© ÖTV 1999

Der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) hat sich von einem »Institut für Sozialplanung, Management und Verwaltung GmbH« mit Sitz in Berlin und Bielefeld eine Expertise für ein neues Entgeltsystem für diakonische Betriebe erstellen lassen. Das Institut kann als ausgesprochen arbeitgebernahe bezeichnet werden. (Der Leiter des Instituts, Dr. Hegner, bereitete bei vier Arbeitgeberverbänden die Tarifausschüsse auf Tarifverhandlungen vor und begleitet im Hintergrund die Verhandlungen.)

Wir dürfen also davon ausgehen, daß das neue VdDD-Vergütungssystem einseitig die Arbeitgebervorstellung widerspiegelt. Und wir können vermuten, daß die Arbeitgeberseite jetzt versuchen wird, möglichst viele von ihren Vorstellung umzusetzen. Sie will dies nicht durch faire Verhandlungen und Kompromißbildung mit arbeitnehmerseitigen Vorstellungen für einmodernes Tarifrecht erreichen, sondern auf dem kircheneigenen Dritten Weg mit Hilfe Arbeitsrechlicher Kommissionen, der ein Übergewicht der Arbeitgeberseite zur Grundlage hat.

Damit jede/r Beschäftigte in den Einrichtungen des VdDD weiß, was auf sie/ihn zukommt, wenn die Arbeitgebervorstellungen umgesetzt werden, haben wir deren Auswirkungen stichwortartig zusammengefaßt, soweit aus den häufig noch nebulösen Ausführungen der Expertise als Tendenz erkennbar.

Dagegengesetzt haben wir ÖTV-Eckpunkte für ein modernes Tarifrecht in der Diakonie. Diese sind ausführlich dargestellt in der ÖTV-»Eckpunkte für tarifliche Regelungen im Bereich des privaten Gesundheitswesens, der Kirchen und der Wohlfahrtsverbände«, sowie im tarifpolitischen Programm der ÖTV. Im Falle von Tarifverhandlungen werden konkrete Forderungen von einer »Tarifkommission VdDD« beschlossen.

© ÖTV 1999

Das will der VdDD

Das will die ÖTV

Grundvergütung Grundvergütung
Eingruppierung richtet sich ausschließlich nach dem Wert der zu verrichtenden Aufgaben für das Unternehmen Eingruppierung richtet sich nach Schwere und Komplexität der Tätigkeit sowie nach der Qualifikation der Mitarbeiter/innen.
Zuordnung zu den Vergütungsgruppen überwiegend im einzelnen Betrieb

Wirtschaftlichkeit steht im Mittelpunkt

Zuordnung zu den Vergütungsgruppen überwiegend durch Flächenregelung

Arbeit steht im Mittelpunkt

Abschaffung von Lebensalters- und Dienstaltersstufen

Abschaffung von Bewährungs- und Zeitaufstiegen

Verringerung der vorhandenen Stufen und Aufstiege
Abschaffung von familien- und kinderbezogenen Vergütungsbestandteilen Einbeziehung des Ortszuschlages und der allgemeinen Zulagen in die Grundvergütung

Einheitliche soziale Komponente (Kinderzuschlag)

Abschaffung von Weihnachts- und Urlaubsgeld Erhalt von zusätzlichen Zuwendungen
Leitungsaufgaben werden besser honoriert, ausführende und einfachere Aufgaben dagegen schlechter bezahlt Einen gerechten Lohn für eine gute Arbeit muß es für alle geben
Spaltung der Belegschaft wird vertieft Solidarische Lohnpolitik mit sozialen Komponenten statt Entsolidarisierung
   
Leistungslohn Leistungslohn
Gesamtvergütung wird aufgeteilt in Grundvergütung und Leistungsvergütung; beides zusammen ergibt bisheriges Vergütungsniveau

Wer Leistungskriterien nicht erfüllt (egal aus welchen Gründen), verdient deutlich weniger als bisher, andere dagegen mehr

Leistungslohn ist zusätzlich zu zahlen
möglichst hoher Anteil der Gesamtvergütung soll als Leistungskomponente gezahlt werden Leistungskomponente soll nur geringe Marge im Vergleich zu Gesamtvergütung darstellen
Leistungslohn als »Nasenprämie« (Beurteilung durch Vorgesetzte)  
Leistungslohnvergabe durch Leitung Einkommen ist Existenzgrundlage und darf nicht angetastet werden
Betriebsrisiko wird auf Beschäftigte verlagert (Betriebsverluste müssen von Beschäftigten mitgetragen werden)  
   
Gesamtsystem Gesamtsystem
Zusatzversorgung ist gefährdet Zusatzversorgung ist zu erhalten
Leistung wird nur noch erbracht, wenn es sich geldlich lohnt Arbeitsleistung darf sich nicht nur am Geld ausrichten: gute Arbeitsbedingungen, sinnvolle Arbeitsinhalte, Betriebsklima, Teamarbeit sind mindestens ebenso wichtig
Leitbild »Markt« wird in den Betrieb hineingeholt Solidarität, Eintreten für Schwächere sind diakonische Leitbilder auch im Betrieb.

Text und Tabelle: © ÖTV 1999


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