Entstehung von Mond- und Sonnenfinsternis
Die Entstehung einer Mond- oder einer Sonnenfinsternis ist zunächst
ganz einfach zu erklären:
Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn sich der Mond bei seiner Drehung
um die Erde so vor die Sonne schiebt, daß diese von der Erde aus
nicht mehr sichtbar ist.
Anders ausgedrückt: Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond
einen Schatten auf die Erde wirft.
Deutlich zu erkennen ist, daß es auf der Erde einen Kernschatten-
und einen Übergangsschattenbereich gibt (hier der Einfachheit wegen
als Halbschattenbereich gezeichnet). Im Kernschattenbereich ist von der
Sonne gar nichts zu sehen. In diesem Fall spricht man von einer totalen
Sonnenfinsternis. Da der Mond relativ klein, seine Entfernung zur Erde
dagegen relativ groß ist, erzeugt der Mond einen höchstens 200
km breiten Kernschattenbereich auf der Erde.
Im Übergangsschattenbereich ist dagegen noch ein Teil der Sonne
sichtbar. Wie groß dabei der sichtbare Teil der Sonne ist, hängt
davon ab, in welchem Bereich dieses Bereiches man sich befindet. Man spricht
von einer teilweisen oder partiellen Sonnenfinsternis.
Aufgrund der nicht immer gleich großen Entfernung zwischen Erde
und Mond kann es vorkommen, daß der Kernschattenbereich nicht ganz
bis zur Erde reicht. Da man dann von der Erde aus nur den äußeren
Rand der Sonne sehen kann, spricht man von einer ringförmigen Sonnenfinsternis.
Eine Mondfinsternis entsteht, wenn sich die Erde zwischen Sonne und
Mond schiebt, sodaß der Schatten der Erde auf den Mond fällt.
Eine Mondfinsternis kann von der gesamten Nachtseite der Erde aus betrachtet
werden. Sie dauert höchstens 1,5 Stunden.
Zu einer Sonnenfinsternis kann es wegen der notwendigen Konstellation
Sonne - Mond - Erde nur kommen, wenn wir uns in einer Neumondphase befinden,
zu einer Mondfinsternis kann es wegen der erforderlichen Konstellation
Sonne - Erde - Mond nur in einer Vollmondphase kommen (siehe: Entstehung
der Mondphasen).
Doch warum kommt es nicht bei jeder Neumondphase zu einer Sonnenfinsternis
bzw. bei jeder Vollmondphase zu einer Mondfinsternis?
Der Grund hierfür liegt darin, daß die Bahn des Mondes um
die Erde um etwa 5° gegenüber der Bahn der Erde um die Sonne,
der sog. Ekliptik, geneigt ist. (In der folgenden Skizze ist die Mondbahnebene
grün, die Ekliptik gelb eingefärbt. Der hellgrüne Teil der
Mondbahnebene befindet sich oberhalb, der olivgrüne Teil der Mondbahnebene
unterhalb derEkliptik.) Wegen dieser Neigung befindet sich der Mond
und damit auch der von ihm erzeugte Schatten meistens oberhalb bzw.
unterhalb der Ekliptik. Nur wenn sich der Mond nicht nur in seiner Bahn
um die Erde, sondern auch gleichzeitig in der Ekliptik befindet, kann es
demzufolge zu einer Finsternis kommen. Die Schnittpunkte der Mond- mit
der Erdbahn werden als Knoten bezeichnet. Sie sind in der folgenden Zeichnung
rot gekennzeichnet.
Die Skizze macht deutlich, daß es nur in zwei Fällen zu einer
Finsternis kommen kann.
Dies wiederum legt die Vermutung nahe, daß es immer zu gleichen
Zeiten im Jahr im Abstand von jeweils einem halben Jahr zu Finsternissen
kommen kann. Wie eine Auflistung der letzten beobachteten
und der kommenden Finsternisse zeigt, stimmt das aber nicht.
Dies ist darin begründet, daß die sog. Knotenlinie (darunter
versteht man die gedachte Linie durch die beiden Knoten und die Erde) nicht
immer in die gleiche Richtung zeigt, sondern sich entgegengesetzt zur Drehung
der Erde um die Sonne dreht. Innerhalb eines Jahres dreht sie sich dabei
um etwas weniger als 20°, für eine komplette Drehung um
360° benötigt sie 18,6 Jahre.
Wegen dieser Drehung der Knotenlinie kann es also an jeder Stelle der
Erdumlaufbahn, also zu jedem beliebigen Datum, zu einer Mond- oder Sonnenfinsternis
kommen.