Meine zehn absoluten Lieblingsplatten!

 

Ich weiß: Eigentlich darf man ja nur drei Alben mit auf die berühmte einsame Insel nehmen. Aber könnte ich damit überleben? Außerdem fiele mir die Wahl dann viel zu schwer. Schon auf der Seefahrt dorthin würde ich Rotz und Wasser heulen, wegen der sieben daheimgelassen Platten!

Hier sind also die Zehn Scheiben für das vollendete Glück:


 
 

Barclay James Harvest: Gone to Earth (1977)
 

Wer kann schon von seiner ersten selbstgekauften LP behaupten, dass er sie immer noch richtig gerne hört? Ich war damals 13 und fing an, BJH-Platten zu sammeln. Nicht nur "Gone to Earth" bietet unaufdringlich schönen Langsam-Rock, wie ihn heute niemand mehr produziert. Zugegeben, von dieser Gruppe gibt's aber auch etliche peinliche Nummern.


The Walkabouts: New West Motel (1993)
 

Ich mag das Unverbrauchte, Provinzielle an den frühen Walkabouts-Alben. Ihre Stil beweist: Folk muss eben nicht gleich nach Heimatabend klingen. Erfrischende Uptempo-Nummern wechseln sich ab mit Balladen, die auch Ecken zulassen und somit kitschfrei bleiben. Der ganz große Durchbruch ist ihnen nie geglückt.


Live: Throwing Copper (1994)
 

Obwohl "Throwing Copper" an einigen Stellen unfertig wirkt, ist es die stärkste CD in meinem Schrank. Wie die Songs sich aus dem Nichts heraus explosionsartig steigern; das haut mich auch beim x-ten Mal hören noch komplett aus den Socken. Live werden auch auf CD gepresst ihrem Namen gerecht, zumindest hier. Die neueren Alben sind übrigens sehr mainstreamig (auweia: Live waren schon mit Bon Jovi auf Tournee) - und trotzdem hörenswert.


The Smashing Pumpkins: Mellon Collie and the infinite Sadness (1996)
 

Das einzige Doppelalbum in dieser Top Ten ist ein Dschungel aus filigran gesponnenen Klangteppichen - und hinter fast jedem Baum lauert ein brachialer Gitarreneinsatz! Diese 120 Minuten sind spannender als ein Fußball-WM-Finale mit Verlängerung. 

Ich hatte das Vergnügen, die Pumpkins live während der Mellon-Collie-Tour in Hannover zu erleben. Obwohl Billy Corgan das Publikum beschimpfte und beleidigte ("Go home you motherfuckers!") und am Ende nur noch extrem lauten Trash spielte, lagen ihm alle zu Füßen... Manche nennen sowas Charisma.



Kula Shaker: Peasants, Pigs & Astronauts (1999)
 

So würden die überlebenden Rock-Dinos der 70er heute klingen, wenn sie in den letzten drei Dekaden wirklich etwas dazugelernt hätten. Da steckt so viel Melodie und Power drin, dass sogar eine Prise Ethno nicht weh tut. Kula Shaker lösten sich nach zwei Alben schon auf, fanden dann aber nach ein paar Jahren wieder zusammen.


Manic Street Preachers: Know your Enemy (2001)
 

Für mich sind sie Manics immer noch die größte britische Rockband der Gegenwart, auch wenn ihr intellektuell angehauchter Arbeiterklasse-Rock viel besser in die 1990er-Jahre gepasst hat! Dieses Album hat mich besonders gepackt, weil es ungezwungen und kraftvoll daher kommt, und sich die Band auch mal in anderen Stilrichtungen ausprobiert. 

 

Coldplay: A Rush of Blood to the Head (2002)
 

Auf dem Vorgängeralbum haben mich nur die Single-Auskopplungen beeindruckt. Hier zieht einen das ganze Album in seinen Bann. Coldplay gelten seit "A Rush of Blood..." als Fahnenträger eines neuen Stils, der mit klassischem Britpop nur noch wenig gemeinsam hat. Wunderschöne Melodiebögen, eine melancholische Stimme, gediegene Dramatik - das ist der Soundtrack für einen dunklen Herbstnachmittag... Coldplay auf der Rush of Blood-Tour live zu hören (in Münster), war eine ganz große Sache. Heute spielen sie in den Stadien, da würde ich nicht mehr hingehen.

 

Saybia: These are the Days (2004)
 

Im Kielwasser von Melancholikern wie Travis, Coldplay oder Keane schwimmen auch Saybia. Wer all die vorgenannten Gruppen schätzt, wird Saybia lieben. Jeder Song der Skandinavier ist eine Perle, nur der "Hidden Track" ufert am Ende etwas aus.

 

Voltaire: Heute ist jeder Tag (2006)
 

Wer die Kritiken bis hierher gelesen hat, wird die Gefahr erkannt haben: Ich verlerne auf der einsamen Insel meine Muttersprache. Also muss auch was Deutsches in die Plattenkiste. Voltaire machen Musik, die beim ersten Mal hören zündet, und an der ich auch selbst Spaß hätte, würde ich noch mal in einer Band spielen. Klassische Deutschrockelemente versetzt mit kantigem Pathos a la Radiohead und Texten, die sich von ihren Zeitgenossen Juli, Silbermond und co. doch deutlich abheben (das gilt zumindest für dieses Album). Blumfeld lassen grüßen. 

 

Foo Fighters: Echoes, Silence, Patience & Grace (2007)
 

Vom ersten Stück "The Pretender" mit seinem packenden Refrain an bis zu den letzten Klavierakkorden der Schluss-Nummer "Home" ist dies ein perfektes Rock-Album. Es strotzt nur so von Vitalität und Einfallsreichtum. Das wirkt wie ein Debut-Album einer ganz großen neuen Gruppe. Die Foo Fighters sind aber zum Zeitpunkt dieser Platte schon zwölf Jahre im Geschäft. Und schreiben dann noch solche Perlen. Besser geht's eigentlich nicht.

 


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