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Howard Rheingold und electric minds


5 Auswertung der erhobenen Daten

Im Rahmen der Befragung zur Nutzung des Internet durch Studierende geistes- und sozialwissenschaftlicher Studienfächer an deutschen Universitäten wurden zwischen dem 29.11.1995 und dem 29.02.1996 insgesamt 141 für die Auswertung verwertbare Datensätze erhoben. Die Stichprobe umfaßt somit 141 Teilnehmer (n=141).

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Abb. 1: Stichprobe (n=141)

Jede dieser Personen hat den Fragebogen weitgehend vollständig ausgefüllt und angegeben, zum Zeitpunkt der Datenerhebung an einer deutschen Universität zu studieren (Frage 32.). Alle im folgenden vorgenommenen statistischen Auswertungen können sich nur auf diesen Personenkreis beziehen und sind somit nicht auf die gesamte Zielpopulation übertragbar. Ziel der Auswertung ist es, zu analysieren, wie die 141 Teilnehmer das Internet für ihr Studium einsetzen. Die Exploration erfolgt dabei in zwei Phasen: Vor allem über Häufigkeitsauszählungen findet zunächst eine Suche nach Auffälligkeiten statt. Eine zweite Phase knüpft an die erkannten Besonderheiten an. Dabei werden je nach Fragestellung einzelne Subgruppen näher betrachtet und unterschiedliche Variablen zueinander in Beziehung gesetzt. Die Antworten auf die offenen Fragen werden soweit es sinnvoll erscheint mit Hilfe einer Themenmatrix erfaßt. Zum Teil dienen sie jedoch auch dazu, im Einzelfall individuelle Gründe für die gegebenen Antworten zu erkennen. Die so gewonnenen Erkenntnisse bilden unter Einbeziehung aller Vorüberlegungen die Grundlage für die Entwicklung der Hypothesen.

Die Auswertung erfolgt computergestützt. Je nach konkreter Aufgabenstellung werden unterschiedliche Datenbank-, Statistik- oder Graphikprogramme eingesetzt.

5.1 Explorationsphase I: Häufigkeitsverteilungen und deren Besonderheiten

Komplexe statistische Auswertungsverfahren können in explorativen, also hypothesengenerierenden, Untersuchungen nur bedingt angewandt werden. Angesichts der geringen Fallzahl erscheinen Häufigkeitsauzählungen zunächst als ein gesicherter Weg, Auffälligkeiten zu entdecken. Die Reihenfolge der Auswertung wird anhand inhaltlicher Kriterien vorgenommen. So erfolgt z.B. zu Beginn der Auswertung zunächst die Bestimmung der Zusammensetzung der Stichprobe. Die entsprechenden soziodemographischen Fragen wurden in dem Fragebogen jedoch an das Ende gesetzt, um die Motivation der Teilnehmer nicht frühzeitig zu verringern.

5.1.1 Zusammensetzung der Stichprobe

Die Auswertung der soziodemographischen Daten gibt Aufschluß über die Zusammensetzung der Stichprobe. Von besonderem Interesse sind dabei die Angaben zu den Studienfächern, da hier deutlich wird, über welche Geistes- und Sozialwissenschaftler überhaupt Aussagen getroffen werden können.

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Abb. 2: Altersstruktur

Die Altersstruktur der Teilnehmer (Frage 30.) zeigt eine erfreulich hohe Streuung. Die Werte liegen in einem für Studierende typischen Bereich von 19 bis 35 Jahren. Sechs der 13 älteren Teilnehmer zwischen 31 und 35 Jahren geben als Studienziel Promotion an. Das Durchschnittsalter beträgt gerundet 26 Jahre (m=25,8 / sd=3,5).

Die Antworten auf die Frage nach der Geschlechtszugehörigkeit (Frage 31.) bestätigen die Ergebnisse anderer explorativer Untersuchungen zur Nutzung von Computernetzwerken, die sich in gleicher Weise an Männer und Frauen richteten: [ Bei Döring betrug der Frauenanteil 4,5%, bei der Trierer Studie 3,7% und bei Kneer 4,4%. Vgl. Döring, Nicola: Isolation und Einsamkeit bei Netznutzern? 1995. Online in Internet. a.a.O.. Spennemann listet eine Reihe von Ergebnissen amerikanischer Studien auf, in denen der Frauenanteil zum Teil zwar höher als in den genannten Arbeiten, in allen Fällen jedoch niedriger als 35% ist. Vgl. Spennemann, Dirk H.R.: Gender imbalances in computer access among environmental science students. School of Environmental and Information Sciences, Charles Sturt University, Albury. 1995. Online in Internet. URL: http://life.csu.edu.au/~dspennem/Publications/Gender_SEIS_95/Gender_SEIS_95.html (Stand 15.04.1996).] Die überwiegende Mehrheit der Befragten (84,4%) ist männlich.

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Abb. 3: Geschlechtszugehörigkeit

Ein Beispiel verdeutlicht jedoch die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen einer geschlechtsspezifischen Nutzung des Internet: In der am 24.05.1996 insgesamt 312 Teilnehmer umfassenden deutschen Mailing-Liste zur Soziologie betrug der Frauenanteil zu diesem Zeitpunkt 15%. [ Vgl. Rost, Martin: Bißchen Statistik zur Mailinglist. 24.05.1996. Online in Internet. Mailing-Liste SOZIOLOGIE <SOZIOLOGIE@VM.GMD.DE>.] Zwischen dem 19.01.1996 und dem 22.05.1996 zeigte jedoch nur jede vierte weibliche Teilnehmerin Aktivität in der Form von Produktion eines Beitrages an die Liste. Von den männlichen Teilnehmern äußerte sich dagegen jeder zweite. Eine wichtige Frage für weitere Studien lautet daher nicht nur, warum der Frauenanteil deutlich geringer ist als der entsprechende Anteil der Männer, sondern ob es Unterschiede gibt, wie weibliche und männliche Nutzer das Internet zielgerichtet einsetzen und wo die Ursachen dafür liegen.

Alle 141 Teilnehmer sind Studierende an einer deutschen Universität (Frage 32.). Die überwiegende Mehrheit (64,5%) strebt einen Magister- bzw. Diplom-Studienabschluß an (Frage 33.). [ Siehe dazu Abb. 14 ( Angestrebte Studienabschlüsse ) im Anhang dieser Arbeit.] Der Anteil der Teilnehmer, die auf eine Promotion hinarbeiten, liegt mit 15,6% deutlich über dem der Studierenden eines Lehramtsstudienganges für die Sekundarstufen I und II (6,4%). Durch die Möglichkeit von Direkt-Promotion können jedoch auch Studierende mit geringer Semesterzahl bereits eine Promotion als Studienziel nennen.

Die durchschnittliche bisherige Studiendauer der Teilnehmer beträgt acht Semester (m=8,1 / sd=4,2). Da der Erhebungszeitraum im Winter-Semester (WS) 95/96 lag, ist bei den ungeraden Werten ein höherer Wert erkennbar als bei den folgenden geraden Semesterzahlen. Insgesamt ist auch hier wieder eine erfreulich breite Streuung vom ersten bis zum 19. Semester erkennbar.

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Abb. 4: Bisherige Dauer des Studiums

Die Referenzpopulation der Studie läßt sich aufgrund der Selbstselektion der Teilnehmer nur aus den erhobenen Daten ermitteln. Die bisherige Auswertung hat bereits gezeigt, daß Studierende beider Geschlechter sowie aller typischen Semester- und Altersklassen erreicht werden konnten. Die als Zielpopulation genannte Gruppe der Geistes- und Sozialwissenschaftler war bisher jedoch nur unklar definiert und kann nun durch die Antworten der Teilnehmer näher spezifiziert werden.

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Abb. 5: Studienfächer

Zunächst ist positiv festzustellen, daß es Studierende zahlreicher geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge gibt, die versuchen das Internet für ihr Studium zu nutzen. Auf die Frage nach den Studienfächern (Frage 34.) werden 23 verschiedene Hauptfächer angegeben. Nur vier dieser Nennungen zählen nicht zu den Antwortvorgaben. Dabei handelt es sich um sehr spezialisierte Studiengänge, wie z.B. Stadtplanung.

Hinsichtlich der am häufigsten genannten Antworten können sechs Studienfächer hervorgehoben werden: 72,3% der Teilnehmer studieren im Hauptfach BWL/VWL (15,6%), Jura (14,9%), Soziologie (14,2%), Politikwissenschaft (10,6%), Kommunikationswissenschaft (9,9%) oder Psychologie (7,1%). Gleichzeitig bilden diese Fächer auch bei den insgesamt genannten Haupt- und Nebenfächern eine Spitzengruppe. Vor allem der hohe Anteil der Wirtschaftswissenschaftler kann nicht damit begründet werden, daß diese Gruppe durch die Art der Bekanntmachung der Befragung sehr gezielt angesprochen wurde. Dies bestätigen auch die offenen Antworten auf die Frage, wie die Teilnehmer auf die Befragung aufmerksam geworden sind (Frage 37.): Die Antworten reichen bei den Wirtschaftswissenschaftlern von den Hinweisen in den nicht fachbezogenen Newsgroups ‘de.alt.umfragen’ und ‘de.soc.studium’, über die verschiedenen Aushänge in Universitätseinrichtungen bis zu vorher nicht bekannten Hinweisen im World Wide Web und verschiedenen Mailing-Listen. In einem Fall wird sogar ein sogenannter Multi-User Dungeon (MUD), eine jener imaginären text- oder graphik-basierten Datenbankwelten, als Quelle genannt. Auch bei den vier Studienfächern, bei denen Befragungshinweise an eine fachbezogene Newsgroup oder Mailing-Liste geschickt wurden, gibt die Mehrheit der entsprechenden Teilnehmer diese Hinweise nicht als Informationsquelle an. Die Tatsache, daß nicht aktiv erbetene Links im World Wide Web genannt werden und daß Antworten wie „Email von einem Dozenten" auftauchen, zeigt, daß zwischen Bekanntmachung und Teilnahme zum Teil nicht gesteuerte und unvorhersehbare Kommunikationsprozesse stattgefunden haben. Dabei wurden, z.B. mit dem MUD, auch Medienanwendungen verwendet, deren Nutzbarkeit in diesem Kontext überrascht.

Auf die Frage nach den Nebenfächern werden auch einige eindeutig mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer (z.B. Informatik) angegeben. Ihr Anteil ist jedoch mit acht Nennungen sehr gering.

Insgesamt zeigt die Auswertung der soziodemographischen Daten eine heterogene Zusammensetzung der Stichprobe. Angehörige der ursprünglich nicht eindeutig festgelegten Zielpopulation konnten auf breiter Ebene erreicht werden.

5.1.2 Rahmenbedingungen der Internet-Nutzung: Zugangsformen, Kosten und Computerausstattung

Verschiedene Rahmenbedingungen beeinflussen unabhängig von den jeweiligen Gratifikationsbedürfnissen grundsätzlich die Möglichkeiten und Grenzen einer Nutzung des Internet. Dazu zählen vor allem die anfallenden Kosten, der genutzte Anbieter eines Zuganges zum Internet (z.B. die Universität), die technische Form des Zuganges (Dial-Up-IP oder Remote Login) und bei einer Nutzung von zu Hause die Ausstattung des privaten Computers.

Zugangswege und -formen

Die Auswertung der Vorstudie hat gezeigt, daß der Internet-Zugang für Studierende an deutschen Universitäten zwar sehr unterschiedlich gehandhabt, in der Regel jedoch grundsätzlich angeboten wird. Mögliche Alternativlösungen, z.B. der Zugang über einen kommerziellen Mehrwertdienst-Provider wie AOL, können jedoch bei intensiver Nutzung mit erheblichen Kosten verbunden sein.

Auf die Frage nach dem Provider (Frage 03.) geben 133 Teilnehmer (94,3%) an, den Zugang über die Universität zu nutzen. Für 111 der Studierenden (78,7%) ist die Hochschule dabei auch der einzige genutzte Provider. [ Siehe dazu Abb. 15 ( Genutzte Internet-Provider ) im Anhang dieser Arbeit.] Diese Werte zeigen, daß der kostenlose Service der Universitäten hohe Akzeptanz bei den Studierenden findet. Ob z.B. fehlende Finanzmittel für Ausstattung oder Personal dabei jedoch im Vergleich zu kommerziellen Providern zu größeren Behinderungen führen, kann im weiteren Verlauf eine Auswertung der offenen Frage nach den Hauptproblemen im Zusammenhang mit der Internet-Nutzung (Frage 39.) zeigen.

In bezug auf die von den Teilnehmern genutzten Zugangsformen zum Internet (Frage 04.) sind vor allem zwei Fragen von Bedeutung: Ist die Nutzung aller Medienanwendungen möglich? Ist die Nutzung an bestimmte Zeiten und Orte gebunden?

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Abb. 6: Genutzte Zugangsformen zum Internet

Die Antworten zeigen vor allem ein wichtiges Ergebnis: Fast ein Drittel der Teilnehmer (32,6%) nutzt das Internet ausschließlich in entsprechenden Einrichtungen der Universität (EDV-Pools, Bibliotheken etc.). Da dabei in der Regel keine Kosten entstehen kann die üblicherweise eher geringe finanzielle Ausstattung von Studierenden ein Grund für diesen hohen Anteil sein. Im Hinblick auf die Möglichkeiten der Nutzung bestehen hier die bereits dargestellten Nachteile: Je nach Internet-Anbindung der entsprechenden Hochschuleinrichtung können möglicherweise bestimmte Medienanwendungen überhaupt nicht oder nur mittels wenig komfortabel zu bedienender, textbasierter Software genutzt werden. Außerdem sind die Studierenden so an feste Zeiten und Orte gebunden. Spontane Nutzung (z.B. Recherche von Online-Quellen oder eine Nachfrage an den Autor eines Textes etc.) aus dem laufenden Arbeitsprozeß am heimischen Schreibtisch ist dabei nicht möglich.

Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer (64,8%) nutzt ausschließlich (14,9%) bzw. als einen von mehreren Wegen (49,9%) einen Zugang per Dial-Up-IP Verbindung von zu Hause. Den dabei vor allem durch Telefongebühren entstehenden Kosten stehen als Vorteile im Idealfall [ Technische, organisatorische oder auch persönliche Gründe können natürlich auch bei einer PPP/SLIP-Verbindung die Möglichkeiten der Nutzung im Einzelfall stark einschränken. ] zeitliche und örtliche Ungebundenheit, freie Wahl der Client-Software sowie die Möglichkeit der Nutzung aller Medienanwendungen gegenüber. Eine der Grenzen für eine kreative Nutzung des Internet ist damit für fast zwei Drittel der Befragten aufgehoben. Vor allem die von 60 Teilnehmern (48,5%) vorgenommene kombinierte Nutzung von zu Hause per PPP/SLIP und aus der Hochschule kann es ermöglichen, eine Balance zwischen Kostenaufwand und Nutzungsspielraum zu halten.

Kosten

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Abb. 6: Durch die Internet-Nutzung entstehende monatliche Kosten

In den Antworten auf die Frage nach den durch die Nutzung des Internet monatlich entstehenden Kosten (Frage 05.) sind extreme Unterschiede erkennbar. Während 47 Befragte angeben, daß überhaupt keine Kosten anfallen, nennen 22 Teilnehmer Summen um bzw. deutlich über 60,- DM. [ Siehe dazu Abb. 16 ( Teilnehmer mit monatlichen Kosten für die Internet-Nutzung von über 40,- DM ) im Anhang dieser Arbeit.] Der mit 300,- DM höchste Betrag liegt dabei um 150,- DM über dem nächstliegenden. Da sich der entsprechende Teilnehmer zu keiner der offenen Fragen geäußert hat, ist in diesem Fall eine Suche nach Gründen für die überdurchschnittlich hohen Kosten schwierig. Auch eine falsche Aussage oder ein Tippfehler beim Ausfüllen des Fragebogens können nicht ausgeschlossen werden.

Bei etwa der Hälfte der Befragten bewegen sich die angegebenen Summen in einem für Studierende tragbaren Rahmen: 48,2% der Teilnehmer nennen monatliche Beträge von unter 20,- DM. Bei einer wöchentlichen Nutzungsdauer von mehr als drei Stunden reicht diese Summe auch zur günstigsten Tarifzeit und im Ortsnetzbereich bereits nicht mehr aus, die Telefonkosten einer Einwahlverbindung vom heimischen Arbeitsplatz zur Universität zu decken. Damit wird erklärbar, warum bei mindestens 46,1% der Befragten die durchschnittlichen monatlichen Kosten für die Internet-Nutzung zum Teil deutlich über diesem Wert liegen.

Computerausstattung und -nutzung

Die Verwendung eines Computers ist in der Regel eine der Grundvoraussetzungen für eine Nutzung des Internet. Die bisherige Auswertung hat bereits gezeigt, daß fast zwei Drittel der Befragten das Internet ausschließlich bzw. unter anderem über eine PPP/SLIP-Verbindung von zu Hause aus nutzen. Die Hard- und Softwareausstattung des dazu verwendeten Computers setzt der maximalen Datenübertragungsrate sowie der Anwendbarkeit und Performance bestimmter Client-Software Grenzen.

137 Teilnehmer (97,2%) geben an, einen eigenen privaten Computer zu besitzen (Frage 29.). Ob dieser Prozentsatz ein Indiz für einen mittlerweile hohen Diffusionsgrad des technischen Mediums Computer unter Studierenden geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge darstellt, bleibt durch die fehlende Verallgemeinerbarkeit (Selbstselektion der Teilnehmer) unklar. [ In der Bundesrepublik Deutschland lebten 1995 insgesamt nur 19,3% der Bevölkerung in Haushalten, die über einen Personal Computer (PC) verfügen. Vgl. Media Perspektiven Basisdaten: Daten zur Mediensituation in Deutschland 1995. Frankfurt a.M. S. 66. Gemessen an diesen Daten ist der Ausstattungsgrad der 141 Teilnehmer mit Computern überdurchschnittlich hoch.] Interessant ist jedoch, daß immerhin 22 % der Befragten den Computer nur als ein Arbeitswerkzeug und die Beschäftigung damit nicht als ein Hobby betrachten (Frage 28.). Es ist eine reine Bewertungsfrage, ob dieser Anteil als hoch oder niedrig bezeichnet wird. In jedem Fall gibt es auch Teilnehmer, die das Internet für ihr Studium nutzen und die einen Computer rein zweckgebunden einsetzen, somit keinesfalls als ‘Computer-Freaks’ bezeichnet werden können.

108 Befragte (76,6%) besitzen ein zum Aufbau einer Dial-Up-IP Verbindung in der Regel verwendetes Modem (Frage 29a.). Etwa 9% der Teilnehmer erfüllen somit alle Voraussetzungen zur Nutzung einer Einwahlverbindung und machen dennoch keinen Gebrauch von dieser Möglichkeit. Vermeidung von Kosten oder fehlende Informationen können in diesem Fall Erklärungsgründe darstellen. 57,4% der Modem-Besitzer verwenden ein Modem mit einer maximalen Datenübertragungsrate von 14400 bps, weitere 20,4% nutzen ein Modem mit maximal 28800 bps. [ Siehe dazu Abb. 17 ( Verwendete Modems ) im Anhang dieser Arbeit.] 15 Teilnehmer verfügen zudem über eine ISDN-Adapterkarte. Die Möglichkeit einer Nutzung des Internet über ISDN hängt jedoch vom Angebot des jeweiligen Internet-Providers ab. Es handelt sich bei diesen Teilnehmern mit ISDN-Anschluß möglicherweise um eine Gruppe, die für technische Entwicklungen im Bereich der Telekommunikation besonders aufgeschlossen ist.

Bei den weiteren Fragen zur Computerausstattung fällt vor allem auf, daß nur 15 Teilnehmer angeben, daß die Leistungsfähigkeit des in ihrem Computer verwendeten Prozessors mindestens mit der eines 486er Prozessors der Firma Intel vergleichbar ist. Hier wird deutlich, daß es grundsätzlich schwierig ist, die Leistungsfähigkeit sehr unterschiedlicher Computersysteme zu vergleichen. Der Prozessor stellt dabei neben z.B. dem Bussystem, der Arbeitsspeicherausstattung oder der verwendeten Graphikkarte und Festplatte nur einen der notwendigen Indikatoren dar. Möglicherweise konnten oder wollten einige Befragte den geforderten Vergleich nicht anstellen. Es wäre sinnvoller gewesen, hier nach dem Alter des verwendeten Computers zu fragen. Entsprechen die gemachten Angaben jedoch nur etwa der tatsächlichen Prozessorleistung, so arbeitet die Mehrzahl der Teilnehmer mit einem Computersystem, das den Einsatz aktueller technischer Entwicklungen wie dreidimensionaler Benutzeroberflächen und Objekte (z.B. VRML) nur bedingt erlaubt. Die Verwendung vor allem der textbasierten Medienanwendungen wird jedoch durch die Performance des jeweiligen Computers kaum beeinträchtigt.

Auf die Frage nach dem verwendeten Betriebssystem (Frage 29b.) gibt etwa die Hälfte der Befragten (49,6%) an, ausschließlich mit MS-DOS und der darauf aufsetzenden Betriebssystemergänzung Windows der Versionsreihe 3.x der Firma Microsoft zu arbeiten. Weitere 25 Teilnehmer (17,7%) nutzen mit Windows 95 die nächste Generation des Systems dieses Unternehmens. Noch einmal 24 Befragte (17,0%) nutzen Windows 3.x und mindestens ein weiteres Betriebssystem (z.B. OS/2 der Firma IBM) parallel. Das an den Anwender höhere Anforderungen stellende Betriebssystem Linux, eine über das Internet entwickelte UNIX-Variante, wird dagegen nur von einem Teilnehmer ausschließlich und von weiteren zwölf Befragten neben anderen Systemen verwendet. Zehn Teilnehmer nutzen nur Mac OS, das Betriebssystem der Firma Apple, und zwei Befragte verwenden ausschließlich OS/2 von IBM.

Eine genaue Typologisierung einzelner Teilnehmergruppen bezüglich ihres Verhältnisses zum Computer und ihrer EDV-Kenntnisse kann durch die abgefragten Items kaum vorgenommen werden. Dies wurde jedoch auch nicht beabsichtigt. Der hohe Anteil der Windows- und der geringe Teil der Linux-Nutzer deutet dennoch darauf hin, daß es sich bei der Mehrzahl der Befragten eher um interessierte Anwender handelt, als um technisch versierte Personen mit tiefergehenden EDV-Kenntnissen, z.B. im Bereich der Programmierung. In bezug auf die Nutzung der verschiedenen Medienanwendungen stehen jedoch gerade unter Microsoft Windows eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsprogramme mit zum Teil auch für Anfänger einfach zu bedienender graphischer Benutzeroberfläche zur Verfügung.

5.1.3 Dimensionen studiumbezogener Internet-Nutzung: Erfahrungen, Probleme, Präferenzen und Konstellationen

Studiumbezogene wie auch generelle Nutzung des Internet sind nicht klar vordefiniert. In den bisherigen Überlegungen wurde der Gestaltungsspielraum für den einzelnen Nutzer vielfach deutlich. Das technische Medium Internet erlaubt die Verwendung von in bezug auf die jeweiligen Kommunikationskonstellationen sehr unterschiedlichen Medienanwendungen. Eine Annäherung an ein Kommunikationsmedium Internet erfolgt dabei zunächst über eine Betrachtung einiger Dimensionen der Nutzung. Die abgefragten Items können dabei nur einen subjektiv ableitbaren Ausschnitt der tatsächlichen Möglichkeiten darstellen. Im folgenden handelt es sich dabei um Nutzungsdauer- und häufigkeiten, um die Überwindung von Distanzen, um Beispiele der Aktivität zwischen Produktion und Selektion sowie um Veränderung von Kommunikationskonstellationen durch die kombinierte Verwendung von Medienangeboten.

Bisheriger Zeitraum der Nutzung eines Internet-Zuganges

Der bisherige Zeitraum der Nutzung eines Zuganges zum Internet kann, oberflächlich betrachtet, einen Indikator für Erfahrung im Umgang mit diesem Medium darstellen. Speziell im Hinblick auf eine studiumbezogene Verwendung des Internet erscheint ein solcher Zusammenhang, sollte er denn bestehen, weniger bedeutsam als individuelle Intensität der Nutzung angesichts aktueller Tendenzen: Das Internet ist einem stetigen Entwicklungsprozeß unterworfen; dies betrifft sowohl die technischen Funktionalitäten auf Anwendungsebene als auch die zum Teil mit den steigenden Nutzerzahlen verbundenen inhaltlichen Medienangebote.

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Abb. 8: Bisheriger Zeitraum der Nutzung eines Internet-Zuganges

Auf die Frage, wie lange bereits ein Zugang zum Internet genutzt wird (Frage 02.), gibt die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer (79%) einen Zeitraum von zwei Jahren oder weniger an. Bei denjenigen, die das Internet erst seit weniger als einem Jahr nutzen (38%), zeigt eine Betrachtung der exakten Monatsanzahl eine breite Streuung: Der durchschnittliche Zeitraum der Nutzung liegt hier bei sechs Monaten. Die Standardabweichung ist mit sd=2,79 relativ hoch. [ Siehe dazu Abb. 18 ( Monatszahl der Nutzung eines Internet-Zuganges bei einem bisherigen Gesamtzeitraum von weniger als einem Jahr ) im Anhang dieser Arbeit.] Die Zahlen spiegeln damit den im ersten Kapitel angedeuteten Popularitätsschub des Internet in den Jahren 1994 und 1995 wider.

Nutzungsdauer im Hinblick auf allgemeine und studiumbezogene Gratifikationsbedürfnisse

Studierende können das Internet auch aus einer nicht studiumbezogenen Motivation heraus nutzen. Denkbare Möglichkeiten entsprechen hier gängigen Gratifikationsdimensionen des Nutzen- und Belohnungsansatzes. [ Vgl. z.B. Renckstorf, Karsten: Kommunikationswissenschaft als sozialwissenschaftliche Disziplin. Theoretische Perspektiven, Forschungsfragen und Forschungsansätze. Nijmegen 1995. S. 44. ] Die Frage nach der wöchentlichen Nutzungsdauer trennt daher die Gesamt- von der studiumbezogenen Nutzung (Frage 06. und Frage 07.).

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Abb. 9: Wöchentliche Gesamtdauer der Internet-Nutzung

Nur 5% der Teilnehmer geben an, das Internet insgesamt eine Stunde oder weniger pro Woche zu nutzen. Gleichzeitig liegt der Anteil derjenigen, bei denen die wöchentliche Gesamtnutzungsdauer zehn Stunden oder mehr beträgt mit 20,5% relativ hoch.

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Abb. 10: Wöchentliche Dauer der studiumbezogenen Internet-Nutzung

Auf die Frage, wie viele Stunden das Internet pro Woche speziell für das Studium genutzt wird, geben nur noch 4,9% der Teilnehmer eine Dauer von zehn Stunden oder mehr an. Dafür steigt jedoch der Anteil derjenigen mit einer studiumbezogenen Nutzungsdauer von einer Stunde oder weniger um mehr als das Achtfache auf 41,8%. Dieser Wert ist bereits ein Indiz dafür, daß der studiumbezogene Anteil an der Gesamtnutzungsdauer zum Teil sehr gering sein kann.

Um die genannte Annahme zu überprüfen, kann jeweils der studiumbezogene Anteil für 94 Teilnehmer berechnet werden, die sowohl für Frage 06. als auch für Frage 07. einen eindeutigen Stundenwert von eins bis 15 angegeben haben. Die so gewonnen Werte ergeben für diese Gruppe einen durchschnittlichen Anteil der studiumbezogenen Nutzungsdauer von 49,4%. Die Standardabweichung ist dabei mit sd=27,0 jedoch sehr hoch: Jeweils 24 dieser 94 Teilnehmer nutzen das Internet zu 25% oder weniger bzw. zu 75% oder mehr speziell für ihr Studium. Eine Betrachtung von Einzelfällen zeigt zudem, daß zwei Teilnehmer das Internet pro Woche mehr als 15 Stunden insgesamt und weniger als eine Stunde für ihr Studium nutzen. Gleichzeitig geben auch zwei der Studierenden an, ihren Internet-Zugang wöchentlich mehr als 15 Stunden für ihr Studium zu verwenden. Bei einem dieser beiden Studierenden handelt es sich dabei um den Teilnehmer, der zuvor bereits die mit 300,- DM höchsten monatlichen Kosten genannt, leider jedoch keine der offenen Fragen beantwortet hat.

78,7% der Teilnehmer nutzen ausschließlich einen Zugang zum Internet, der über die Universität zur Verfügung gestellt wird. Die mit der Nutzung verbundenen Gratifikationserwartungen sind jedoch in sehr unterschiedlichem Maße konkret auf den jeweiligen Studiengang bezogen. Dabei bleibt im Einzelfall unklar, ob eine fachbezogene Nutzung gar nicht beabsichtigt wird oder ob für eine fachbezogene Kommunikation entsprechende Kenntnisse oder Aktivitätsrahmen bzw. selektierbare Medienangebote fehlen.

Nutzunghäufigkeit ausgewählter Medienanwendungen im Vergleich

Das technische Medium Internet ermöglicht theoretisch die Nutzung eines breiten Spektrums unterschiedlicher Medienanwendungen und damit ein komplexes Gefüge von wechselnden Kommunikationskonstellationen. Die Frage nach der Häufigkeit der Nutzung einzelner Medienanwendungen (Frage 08.) kann Indizien dafür liefern, mit welcher Intensität dieses Potential von den Teilnehmern ausgereizt wird.

Konkret abgefragt wurde die Nutzungshäufigkeit des World Wide Web, von Persönlicher Email, von Mailing-Listen, sowie von Telnet [ Hier muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß es sich bei Telnet um eine Terminal-Emulation handelt, die zur textbasierten Nutzung unterschiedlicher Medienanwendungen verwendet werden kann. Siehe dazu auch Kapitel 3.2 dieser Arbeit.] , Gopher, FTP und IRC. Nur neun positive Antworten auf die Frage, ob darüber hinaus noch andere über das Internet zugängliche Dienste für das Studium verwendet werden (Frage 09.), bestätigen, daß die gängigsten Medienanwendungen in Frage 08. erfaßt werden. Zudem handelt es sich bei den zusätzlich genannten Beispielen zum größten Teil nicht um Dienste, sondern um konkrete Medienangebote wie Archive, Datenbanken oder Bibliotheksausleihsysteme. Die Tatsache, daß keiner der Teilnehmer eine Verwendung eher breitbandiger Medienanwendungen wie Telephonie oder Video-Conferencing angibt, zeigt, daß solche Nutzungsformen aktuell keine bedeutende Rolle zu spielen scheinen. [ Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form z.B. die Ausweitung der Bandbreiten im WIN in den nächsten Jahren auch zu einer Etablierung neuer Formen studiumbezogener Internet-Nutzung führen kann. Die bereits angesprochene Möglichkeit von Weichenstellungen in bezug auf Regulation und Hilfestellung im universitären Kontext kann hier eine wichtige Rolle spielen. Siehe dazu Kapitel 3.1 dieser Arbeit.]

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Abb. 11: Häufigkeit der studiumbezogenen Nutzung einzelner Medienanwendungen

Bei den Antworten auf die Frage nach der Häufigkeit der studiumbezogenen Nutzung der genannten Medienanwendungen fällt zunächst auf, daß fast ein Viertel der Befragten (23,4%) täglich Email nutzt. Der ‘Blick in die Mail’ scheint damit für viele ähnlich selbstverständlich zu sein wie der morgendliche Gang zum Briefkasten. Als zweite zentrale Auffälligkeit bestätigt der hohe Anteil derjenigen, die das WWW täglich bzw. mehrmals wöchentlich für ihr Studium nutzen (68,8%), den häufig postulierten Zusammenhang von Popularitätsanstieg des Internet und der Entwicklung des World Wide Web. Ob mit der Verwendung dieser Medienanwendung jedoch auch ein besonders großer Nutzen für das Studium verbunden ist, vermag die Häufigkeit der Verwendung nicht zu belegen. Bei den Angaben zur Nutzung von Mailing-Listen fällt auf, daß einem mit 26,2% noch relativ hohem Anteil täglicher bzw. wöchentlicher Nutzer ein ebenfalls hoher Anteil von Teilnehmern (39,7%) gegenübersteht, die diese Anwendungsform noch nie benutzt haben. Um Indikatoren dafür zu finden, welche Medienanwendungen tendenziell einen größeren Nutzen für das Studium versprechen als andere, kann in der zweiten Explorationsphase überprüft werden, welche Dienste wie oft von denjenigen Teilnehmern genutzt werden, die den Gesamtnutzen des Internet für ihr Studium besonders hoch bewerten.

Obwohl das World Wide Web von den Befragten am häufigsten genutzt wird läßt sich das Internet nicht auf diese Medienanwendung reduzieren. Die Vorgehensweise bei der Vorab- sowie bei der Hauptbefragung hat gezeigt, daß die gewonnenen Erkenntnisse nur durch den kombinierten Einsatz mehrerer Dienste möglich wurden. Eine daher für jeden Teilnehmer vorgenommene Überprüfung der Anzahl von täglich oder mehrmals wöchentlich genutzten Diensten zeigt auffällige Unterschiede: Auf der einen Seite nutzen von den Befragten 21,3% keine bzw. 15,6% genau eine der Medienanwendungen mit dieser Intensität, und auf der anderen Seite verwenden 24,6% der Teilnehmer zwischen vier und sieben verschiedenen Diensten täglich bzw. mehrmals wöchentlich. [ Siehe dazu Abb. 19 ( Anzahl der mehrmals wöchentlich genutzten Medienanwendungen ) im Anhang dieser Arbeit.] Ob ein Zusammenhang zwischen der Breite des jeweils genutzten Anwendungspotentials und der Gesamtnutzenbewertung erkennbar ist, kann ebenfalls im Rahmen der weiteren Auswertung überprüft werden.

Problemfelder bei der Nutzung einzelner Medienanwendungen

Trotz einer zunehmenden Vereinfachung von Zugangsprozeduren und Benutzerschnittstellen kann die Nutzung des technischen Mediums Internet nach wie vor in viel stärkerem Maße durch Bedienungs- und grundlegende Verständnisprobleme beschränkt werden, als dies bei weniger komplex strukturierten Medien wie dem Fernsehen oder dem Radio der Fall ist. Auf die Frage nach Schwierigkeiten bei der Nutzung bestimmter Dienste geben 67 Teilnehmer (47,5%) an, Probleme gehabt zu haben bzw. noch zu haben (Frage 10.). Eine Auswertung der Antworten auf die hier angefügte offene Frage nach konkreten Beispielen ist angesichts der Vielfalt der genannten Schwierigkeiten nicht einfach. Grundsätzlich sind jedoch fünf zentrale Problemfelder erkennbar, wobei eine Lösung zum Teil nur indirekt bzw. gar nicht in der Hand des Nutzers liegt: [ Siehe dazu Dokument 11 ( Antworten auf die offene Ergänzungsfrage zu Frage 10.: Hatten oder haben Sie Schwierigkeiten, bestimmte, Ihnen über das Internet zugängliche Dienste zu nutzen? - Könnten Sie diese Schwierigkeiten kurz erläutern. ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit.]

  • Probleme bei der Einrichtung und Bedienung der lokal verwendeten Zugangs- und Client-Software,
  • Unzulänglichkeiten der lokal verwendeten Hardware (langsame Computer, Probleme bei der Konfiguration des Modems etc.),
  • Probleme auf Seiten des Providers (Unzuverlässigkeit oder Überlastung des Einwahlrechners, Abstürze von WWW-Servern etc.),
  • Probleme durch die technische Infrastruktur des Internet (z.B. je nach Ziel und Zeit z.T. lange Wartezeiten durch unterschiedliche Bandbreiten und Netzauslastung) und
  • Probleme beim Auffinden und bei der Selektion von Inhalten.

Die genannten grundsätzlichen Probleme werden in der späteren Auswertung der reinen offenen Fragen (Frage 38. bis 40.) näher berücksichtigt. An dieser Stelle sind zunächst die durch den Nutzer theoretisch lösbaren Probleme des Umganges mit den einzelnen Medienanwendungen von Interesse.

In keiner der 67 Antworten werden Bedienungsprobleme beim Umgang mit dem World Wide Web genannt. Schwierigkeiten sind hier immer inhaltlicher oder grundsätzlicher Art (Wartezeiten etc.). Im Gegensatz dazu nennen einige Teilnehmer Probleme bei der Handhabung der Dienste FTP und Telnet. Genaue Zahlen sind hier weniger von Interesse als das in einzelnen Aussagen erkennbare Bedürfnis nach mehr Information für Anfänger. Die Antworten von drei Teilnehmern machen dies besonders deutlich: „Von der Hochschule wurde eine zu knappe Broschüre für den Umgang mit den verschiedenen Diensten ausgegeben."; „Informationen hinsichtlich der Installation und Anwendung der Internetdienste sind schlecht aufbereitet, so daß ich als Anwender häufig den Eindruck habe, mich in einem Medium für Experten aufzuhalten."; „Am Anfang muß man sich allein zurechtfinden, da man an dieser Uni eigentlich auf Mund zu Mund Propaganda angewiesen ist.". Auch wenn diese Aussagen nicht verallgemeinert werden können, erscheint es sinnvoll, Informationen an den Hochschulen über eine studiumbezogene Nutzung des Internet auf das gesamte Anwendungsspektrum auszuweiten. [ Ohne dabei einen direkten Zusammenhang zu einer möglicherweise unzureichenden Beratung zu Fragen der Internet-Nutzung an deutschen Hochschulen herzustellen, kann an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß in den Antworten zur Einstiegsfrage (Frage 01.) nur 68 Teilnehmer angeben, durch Informationen an der Hochschule auf das Internet aufmerksam geworden zu sein. Die meisten Befragten (58,2%) bekamen dagegen Hinweise von Freunden oder Bekannten. Der von einem Teilnehmer genannte Aspekt einer Notwendigkeit von Mund zu Mund Propaganda beschreibt dies treffend. Siehe dazu Abb. 20 ( Antworten zu Frage 1: Wie sind Sie auf das Internet aufmerksam geworden? ) und Dokument 11 ( Antworten auf die offene Ergänzungsfrage zu Frage 10.: Hatten oder haben Sie Schwierigkeiten, bestimmte, Ihnen über das Internet zugängliche Dienste zu nutzen? - Könnten Sie diese Schwierigkeiten kurz erläutern. ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit.]

Ein Großteil möglicher Probleme (z.B. Bedienung und Konfiguration von Software) sind durch Hilfestellungen für den Nutzer selbst lösbar. 107 Teilnehmer (75%) geben in diesem Zusammenhang an, persönlich jemanden zu kennen, der ihnen bei auftretenden technischen Schwierigkeiten helfen kann. Fundiertes Spezialwissen scheint damit für den einzelnen nicht zwingend notwendig zu sein.

Sobald ein funktionierender Internet-Zugang und hinreichende Kenntnisse der Verwendung einiger Medienanwendungen vorhanden sind, bietet auch das Internet selbst eine Fülle von Möglichkeiten, um Hilfestellungen zu erhalten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (55,5%) gibt an, auf diesem Weg bereits Probleme gelöst zu haben. Auf die angefügte offene Frage, welche Medienanwendungen dazu genutzt werden, nennen 40 Befragte die Newsgroups, gefolgt von persönlicher Email mit 14 Nennungen. Die vorrangige Verwendung von Diensten, deren Funktionsprinzip kognitiv begründete Aktionen und aufeinander in beliebiger Form bezugnehmende und ebenfalls kognitiv begründete Reaktionen erlaubt, ist in diesem Zusammenhang nicht verwunderlich: Die Komplexität der technischen Probleme beim Umgang mit dem Internet erfordert häufig auch bei ausführlich dargelegten Ratschlägen ein Nachfragen. Der Vorteil bei der Verwendung der Newsgroups liegt darin, daß sich eine beliebig große Anzahl von Personen an der Problemlösung beteiligen kann und im Falle eines Erfolges alle davon profitieren, die dieses Problem in irgendeiner Form ebenfalls betrifft. [ An der Universität Münster existiert aktuell eine lokale Newsgroup, die hauptsächlich Probleme bei der Nutzung der PPP Einwahlverbindung zum Thema hat. Nicht zuletzt durch die engagierte Beteiligung des örtlichen Web- und News- Administrators führt in dieser rege genutzten Gruppe eine Anfrage häufig zu informativen Diskussionen.]

Überwindung räumlicher und hierarchischer Distanzen durch Email-Kontakte

Im Internet selektierte Medienangebote, z.B. ein Artikel in einer Newsgroup oder Mailing-Liste oder ein im World Wide Web publizierter Aufsatz, enthalten häufig die Email-Adresse des Autors. Zum Teil wird sogar mit Ausdrücken wie „Kommentare und Anregungen sind herzlich Willkommen" ein Feedback geradezu eingefordert. Für Studierende sind möglicherweise auch die Homepages der zahlreich im World Wide Web vertretenen Universitäten von Interesse. Zumeist findet sich dort irgendwo ein Verzeichnis der Lehrenden, wobei ebenfalls vorhandene Email-Adressen angegeben werden. Das Internet bietet somit theoretisch ein Potential, räumliche und hierarchische Distanzen zwischen Studierenden und Lehrenden zu verringern.

Insgesamt 62 Teilnehmer (44%) bejahen die Frage, ob bereits einmal im Zusammenhang mit dem Studium per Email direkt Kontakt zu einem Wissenschaftler oder Autor aufgenommen wurde (Frage 13.). Besonders interessant sind dabei die konkreten Antworten auf die offene Ergänzungsfrage, welche Funktion die so Kontaktierten innehaben: Das Spektrum reicht hier von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern an Universitäten in nahezu allen europäischen Ländern sowie in Japan, den USA und Australien, über Fachbuchautoren, Politiker, Journalisten, EDV-Entwickler bis zu Werbefachleuten oder Verlagslektoren. Dabei löst das Zustandekommen eines solchen Kontaktes zum Teil noch Verwunderung aus, wie die Antwort eines Teilnehmers auf diese Ergänzungsfrage verdeutlicht: „Professor in Japan ( wirklich! )".

Grundsätzlich hängt jedoch die Möglichkeit, für das Studium interessante Personen zu kontaktieren, von mehreren Faktoren ab:

  • Ist die Person grundsätzlich per Email erreichbar und ist die Adresse bekannt?
  • In welchem quantitativen Umfang wird die Person per Email kontaktiert?
  • Nach welchen Kriterien selektiert die Person möglicherweise, was ignoriert und was beantwortet wird?

Die erfolgreiche Anwendung der im Internet häufig sehr einfachen Möglichkeit, auf ein inhaltliches Medienangebot unmittelbar und ohne Wechsel des Mediums in einer one-to-one Kommunikationskonstellation reagieren zu können, kann durch steigende Häufigkeit der Nutzung dieser Möglichkeit beeinträchtigt werden. Ein Professor, der täglich über 100 Emails von Studierenden erhalten würde, könnte diese Fülle von Anfragen kaum mehr selbst beantworten.

Nutzung von Newsgroups und Mailing-Listen in der Form von Produktion und Selektion von Medienangeboten

Newsgroups und Mailing-Listen bieten theoretisch eine im Vergleich zum World Wide Web unkomplizierte Möglichkeit der Aktivität in der Form von Produktion eigener Medienangebote, die über eine one-to-one Kommunikationskonstellation hinausgehen. Solche Produktion kann als Aktion, z.B. durch eine Anfrage, eine Diskussionsanregung oder einen Literaturhinweis, sowie als Reaktion, z.B. durch die Beteiligung an einer Diskussion oder die Beantwortung einer Frage, erfolgen. Eine Grenze der Nutzung setzt hier lediglich die thematische Festlegung der Gruppen und Listen. Die bisherige Auseinandersetzung mit dem Nutzungspotential dieser Medienanwendungen hat jedoch gezeigt, daß der einzelne die Möglichkeit hat, die Einrichtung von Listen oder Gruppen mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten aktiv zu beeinflussen. Dazu kann jedoch im Einzelfall erheblicher Aufwand notwendig sein. Im Zusammenhang mit der Frage, wie die Teilnehmer Newsgroups und Mailing-Listen nutzen, interessiert daher weniger, für welche Fachrichtungen bereits entsprechende Diskussionsforen existieren, sondern vielmehr in welchem Verhältnis Produktion und Selektion von Medienangeboten die Aktivität bestimmen.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (53,2%) geben an, eine Newsgroup zu nutzen, deren Inhalt in direktem Zusammenhang zu ihrem Studium steht (Frage 15.). Bei den Antworten auf die offene Ergänzungsfrage, um welche Gruppen es sich dabei konkret handelt, fällt vor allem auf, daß vorrangig die wissenschaftlichen deutschsprachigen Gruppen der ‘de.sci’ sowie einige Gruppen der ‘de.soc’ Hierarchie und kaum ausländische Gruppen genannt werden. Eine Studentin der Romanistik nennt jedoch Newsgroups wie ‘soc.culture.french’ oder ‘fr.soc.divers’.

Immerhin nahezu die Hälfte (49,3%) der 75 Teilnehmer, die eine für das Studium relevante Newsgroup nutzen, haben dabei bereits einmal eine eigene Anfrage gestellt. In 28 von 37 Fällen wurde durch diese Aktivität in der Form von Produktion auch die gewünschte Gratifikation, also eine hilfreiche Antwort, erhalten. Die Erfolgsrate beträgt damit bei diesen Teilnehmern mehr als 75%.

Mit 43 Teilnehmern (30,5%) ist die Zahl derjenigen, die in einer Mailing-Liste eingeschrieben sind, deren Thema in direktem Zusammenhang zu ihrem Studium steht, deutlich geringer als die Zahl der entsprechenden Newsgroup-Nutzer. Mailing-Listen stellen möglicherweise gerade für Neulinge eine weniger bekannte Medienanwendung dar: Während nur 25% der Teilnehmer, die das Internet erst seit weniger als einem Jahr nutzen, in einer entsprechenden Mailing-Liste eingeschrieben sind, beträgt der Anteil bei denjenigen, die ihren Internet-Zugang schon zwei Jahre oder länger verwenden, 46%.

Die Antworten auf die offene Ergänzungsfrage, welche Mailing-Listen konkret genutzt werden, zeigen die häufig sehr enge thematische Festlegung: Genannt werden Listen z.B. zur Systemtheorie Luhmanns, zu Shakespeare, zu Fragen der Phonetik oder zum Werk des dänischen Theologen und Philosophen Sören Aabye Kierkegaard. Diese inhaltliche Spezialisierung, verbunden mit einem im Vergleich zu Newsgroups etwas höherem Aufwand (Einschreibung in die Liste) für eine Teilnahme, erklärt das in Mailing-Listen im Vergleich zu Newsgroups zumeist geringe Rauschen, also die Einsendung themenfremder oder unpassender Beiträge.

Der Anteil derjenigen, die bereits einmal eine eigene Anfrage gestellt haben, ist mit 44,9% ähnlich groß wie bei den Newsgroup-Teilnehmern. Diese 19 Personen erhielten jedoch ohne Ausnahme eine verwertbare Antwort und damit die erhoffte Gratifikation. Die Erfolgsquote beträgt bei diesen Teilnehmern 100%.

Insgesamt fällt bei den Antworten zur Nutzung von Newsgroups und Mailing-Listen auf, daß eine großer Anteil der Teilnehmer diese Foren nur in der Form von Selektion anderer Beiträge bzw. zumindest nicht in der Form von Produktion eigener Anfragen nutzt. Gerade diese Medienanwendungen existieren jedoch nur durch die produktive Beteiligung ihrer Nutzer.

Recherche in Datenbanken, Bibliothekskatalogen und Lexika als Beispiele der Selektion vorgefertigter Medienangebote

Als Beispiele der reinen Selektion vorgefertigter Medienangebote wurde im Rahmen der Befragung untersucht, ob und in welcher Form die Teilnehmer Datenbanken, Bibliothekskataloge und Lexika nutzen. Ein gemeinsames Merkmal besteht bei diesen Beispiele darin, daß in der Regel eine direkte Beteiligung anderer kognitiv reagierender Systeme nicht notwendig ist. Die dazu verwendeten Medienanwendungen sind in der Regel Telnet und das World Wide Web.

48 Teilnehmer (34%) geben an, bereits einmal auf eine wissenschaftliche Datenbank zugegriffen zu haben (Frage 17.). Die Vielfalt der Antworten auf die offene Ergänzungsfrage, um welche Datenbanken es sich dabei handelt, zeigen jedoch, daß der Begriff Datenbank nicht klar genug definiert wurde: Die Antworten reichen von „MIT-Literaturdatenbank" über „Juris (über T-Online)", „Zentralarchiv für empirische Sozialforschung", „Sociofile", „Universitätsbibliothekskataloge" bis zu „Psyclit" oder „Archiv der ‘Welt’". Der in einigen Fällen genannte Zugriff auf Bibliothekskataloge sollte mit dieser Frage eigentlich nicht erfaßt werden. Dennoch basieren auch diese Kataloge auf Datenbanken. Hier wurde somit ein Fehler gemacht. Ein Teilnehmer vermischt Nutzung

des Internet mit der Nutzung des Angebotes eines kommerziellen Mehrwertdienst-Providers. Es kann daher nicht ganz ausgeschlossen werden, daß solche Verwechslungen auch an anderer Stelle vorgekommen sind. Dennoch zeigen die konkreten Antworten, daß es eine Vielzahl fachlich verwertbarer Datenbanken gibt, auf die über das Internet zugegriffen wird. Eine inhaltliche Einordnung aller von den Teilnehmern genannten Beispiele ist jedoch ohne aufwendige Recherche nicht möglich. Insgesamt gesehen wäre es sinnvoller gewesen, anstelle dieser Frage nach der Verfügbarkeit fachbezogener Medienangebote im World Wide Web zu fragen.

Nur 21 Teilnehmer (14,9%) geben an, bereits einmal über das Internet auf ein elektronisches Nachschlagewerk zugegriffen zu haben (Frage 18.). ‘Encyclopedia Britannica’ und ‘Meyers Lexikon’ sind dabei die am häufigsten genannten konkreten Beispiele. Auch in diesem Fall wäre es sinnvoller gewesen, eine Frage zur konkreten Nutzung des World Wide Web zu stellen.

Eine überraschend geringe Zahl von nur 48 Teilnehmern (41,1%) gibt an, zur Literaturrecherche bereits einmal über das Internet auf einen Bibliothekskatalog zugegriffen zu haben (Frage 19.). Dieser Wert erscheint deshalb niedrig, weil Literaturrecherche völlig unabhängig vom jeweiligen Studiengang für alle Teilnehmer in gleicher Weise möglich ist: Es sind weder eine Beteiligung von anderen Nutzern mit ähnlichen Interessen noch konkret fachbezogene Medienangebote, z.B. im World Wide Web, notwendig. Es handelt sich lediglich um eine vereinfachte Recherche gedruckter Literatur, wie sie ansonsten auch in der Bibliothek erfolgen würde. Als konkrete Beispiele werden hier die Zentralkataloge zahlreicher deutscher Universitäten, Verbundkataloge wie der des Südwestdeutschen-Bibliothekenverbundes, aber auch Kataloge vieler ausländischer Hochschulen genannt.

Insgesamt muß der Fragenblock zur Selektion vorgefertigter Medienangebote kritisch beurteilt werden. Der Fragebogen sollte nicht mehr als 40 Fragen umfassen. Aufgrund persönlicher Erfahrungen wurde die Verfügbarkeit von fachspezifischen Medienangeboten im World Wide Web weniger stark berücksichtigt. Die drei Fragen dieses Fragenblockes hätten in einer Frage zusammengefaßt werden und so Raum schaffen können, einer absehbar hohen Zahl intensiver WWW-Nutzer gerecht zu werden.

Kommunikationskonstellationen im Rahmen der Selbstselektion zur Befragungsteilnahme

Die kombinierte Nutzung von durch unterschiedliche Kommunikationskonstellationen charakterisierten Medienanwendungen zu einem bestimmten Zweck kann über die im Rahmen der Untersuchung abgefragten Items nur schwer erfaßt werden. Die Darstellung der Befragungsdurchführung verdeutlicht jedoch, wie wichtig dieses Wechselspiel im Hinblick auf die Erfüllung eines bestimmten Gratifikationsbedürfnisses sein kann. Einen bereits genannten Indikator für eine breite Anwendung des Spektrums der Möglichkeiten stellt die Zahl der häufig verwendeten Medienanwendungen dar: Wer ausschließlich das World Wide Web für sein Studium nutzt, ist in seinem Gestaltungsspielraum stark eingeschränkt.

Auch die Selbstselektion zur Teilnahme an der Befragung kann in diesem Zusammenhang das zum Teil komplexe Geflecht von Kommunikationskonstellationen bei der Nutzung des Internet beispielhaft verdeutlichen. Durch die Art der Bekanntmachung konnten die Teilnehmer im Internet sowohl in Newsgroups, Mailing-Listen als auch im World Wide Web auf die Befragung aufmerksam werden. Eine Teilnahme war über die Medienanwendungen Email und World Wide Web möglich.

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Abb. 12: Wahrgenommene Befragungshinweise

135 Studierende haben über den Fragebogen im World Wide Web an der Befragung teilgenommen, wobei in 129 Fällen das Ausfüllen direkt online vorgenommen wurde (Frage 36.). [ Siehe dazu Abb. 21 ( Zur Teilnahme genutzte Medienanwendungen ) im Anhang dieser Arbeit.] Im WWW auf die Befragung aufmerksam geworden sind jedoch nur 40,4% der Teilnehmer, so daß für eine Mehrzahl der Befragten im Rahmen der Entscheidung teilzunehmen ein Wechsel der Medienanwendung notwendig wurde. Damit sind in diesen Fällen mindestens zwei verschiedene Kommunikationskonstellationen erkennbar (Frage 37.).

In den Antworten auf die offene Ergänzungsfrage, wie die Teilnehmer konkret auf die Befragung aufmerksam geworden sind, wird zudem deutlich, daß in vielen Fällen nicht die Bekanntmachungen des Fragestellers selbst, sondern Hinweise dritter Personen wahrgenommen wurden: Beispiele wie „Info einer Bekannten via E-Mail", „per Email von einem Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung", „durch eine Email von einem Dozenten" oder „Email von Berliner Studenten" zeigen dies.

5.1.4 Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung im Kontext der universitären Bedingungen

Eine Reihe von Möglichkeiten und Grenzen einer studiumbezogenen Nutzung des Internet stehen in einem engen Zusammenhang zu Bedingungen an der jeweiligen Hochschule. Dazu zählen u.a. die Akzeptanz der Verwendung von Online-Quellen in wissenschaftlichen Arbeiten, die Erreichbarkeit von Lehrenden per Email, Formen der Zusammenarbeit mit Kommilitonen bei Teamarbeiten oder die Möglichkeit, eigene Informationsangebote auf dem WWW-Server der Hochschule abzulegen. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, ob und wie das Internet aus verschiedenen Perspektiven in Fachseminaren inhaltlich thematisiert wird.

Verwendung von Quellen aus dem Internet in wissenschaftlichen Arbeiten

Im Vorwort dieser Arbeit wurde bereits verdeutlicht, daß eine Verwendung von Online-Quellen in wissenschaftlichen Arbeiten trotz aller Besonderheiten der Zitierweise grundsätzlich unter Beachtung einiger Regeln (Archivierung, Angabe des Versionsdatums etc.) möglich ist. Dennoch kann im Einzelfall die Weigerung eines Dozenten, solche Quellen zuzulassen, die Möglichkeiten der Nutzung des Internet deutlich einschränken.

Auf die Frage, ob sie schon einmal versucht haben, eine Online-Quelle in einer wissenschaftlichen Arbeit zu zitieren (Frage 14.), geben nur 33 Teilnehmer (23,4%) eine positive Antwort. Dabei bleibt natürlich offen, ob diejenigen, die bisher keine Online-Quellen verwendet haben, dies nicht wollten, ob sie keine verwertbaren Quellen finden konnten oder ob solche Quellen für ihr Fachgebiet überhaupt nicht existieren. Sieben der 33 Befragten, die diese Möglichkeit jedoch bereits nutzen wollten, stießen bei ihrem Dozenten damit auf Widerstand (Frage 14a.). Die in der offenen Ergänzungsfrage genannten Begründungen der Lehrenden für diese Ablehnung sind zum Teil schwer nachvollziehbar: „Erstens konnte er mir nicht sagen, ob es Zitierregeln gibt oder nicht, und zweitens meinte er, ich könne das auch im Economist oder sonstwo nachlesen - das könne er besser überprüfen."; „Recherche im Internet würde unnötige Zeit kosten, die besser für ein Bücherstudium zu verwenden sei; die Informationen im Netz seien nicht wichtig.". Die anderen Argumente beziehen sich auf die, wie beschrieben jedoch eigentlich lösbaren, Probleme der temporären Verfügbarkeit und potentiellen Veränderbarkeit. Grundsätzlich erscheint es zwingend notwendig, einen auf breiter Ebene akzeptierten Standard der Zitierweise von Online-Quellen zu etablieren.

Eine von einem Teilnehmer wiedergegebene Begründung seines Dozenten stimmt jedoch nachdenklich: „Der Aussagewert leidet, wenn aus Urteilsdatenbanken Rück- schlüsse auf die Häufigkeit der Zitierung bestimmter Aufsätze gezogen wurden.". Für einen Nicht-Juristen kann diese Aussage nicht eindeutig nachvollzogen werden. Sie wirft jedoch die Frage auf, ob z.B. im World Wide Web publizierten Aufsätzen durch Orientierung an hohen Zugriffszahlen möglicherweise eine Aufmerksamkeit zugemessen werden kann, die ihnen inhaltlich nicht gebührt. Dies würde jedoch eine mangelnde inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Problemgegenstand implizieren, die z.B. bei der reinen Orientierung an der Reputation eines Autors auch bei herkömmlichen Wegen der Veröffentlichung jederzeit gegeben sein kann.

Erreichbarkeit von Lehrenden per Email

Das Beispiel der Intranets zeigt, daß Kommunikation über das Internet nicht zwingend mit der Überwindung großer räumlicher Distanzen verbunden sein muß, sondern vielmehr teilweise von einem Gebäudeteil zum anderen erfolgen kann. In bezug auf die Kommunikation mit Lehrenden an der eigenen Hochschule sind eine Reihe von Situationen vorstellbar, in denen ein Verzicht auf die face-to-face Konstellation keine offensichtlichen Nachteile erkennen läßt: Wie oft wartet man Stunden vor dem Dienstzimmer eines Professors, um dann in weniger als einer Minute das geringfügige Anliegen klären zu können. Auch die Übermittlung eines Konzeptes oder Thesenpapiers, das in einer Sprechstunde diskutiert werden soll, erfordert nicht notwendigerweise den Gang zur Universität. Speziell während der Examenszeit werden unnötige Wege und Wartezeiten leicht zum Ärgernis, was auch durch die dabei möglichen Sozialkontakte nicht unbedingt ausgeglichen werden kann.

97 Teilnehmer (68,8%) geben an, daß es an ihrem Fachbereich auch Lehrende gibt, die über eine Email-Adresse verfügen und diesen Anschluß an das Internet auch nutzen. Immerhin 49 Befragte (34,8%) haben bereits einmal auf diesem Weg mit Lehrenden kommuniziert. Die Zahlen erlauben jedoch keine generellen Rückschlüsse auf die Erreichbarkeit von Lehrenden per Email. Persönliche Erfahrungen haben gezeigt, daß trotz der Nennung einer Email-Adresse auf den Informationsseiten des Fachbereiches im World Wide Web eine Erreichbarkeit der Lehrenden nicht immer gegeben ist: Der Posteingang wird zum Teil nur unregelmäßig kontrolliert. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß Fachinformationsangebote im World Wide Web in manchen Fällen von engagierten Studierenden erstellt werden, die das wahre Interesse der Lehrenden an einer Erreichbarkeit über das Internet überschätzen.

Zusammenarbeit mit Kommilitonen bei Teamarbeiten

In vielen Berufszweigen stellt Teamfähigkeit einen immer wichtiger werdenden Qualifikationsmaßstab dar. In der Praxis können sich an der Projektdurchführung beteiligte Teams aus Mitarbeitern räumlich verstreuter Abteilungen und auch unterschiedlicher Firmen zusammensetzen. Verteilung von Aufgaben, Koordination der Arbeitsschritte und Diskussion von Teilergebnissen können dabei für der Erfolg des Projektes mitentscheidend sein. Die gemeinsame Erstellung von Referaten oder Hausarbeiten in Arbeitsgruppen an der Universität bietet dabei Chancen, Anforderungen des späteren Berufslebens zu trainieren. Theoretisch bietet die Nutzung des Internet auch in diesem Bereich unterstützende Möglichkeiten.

Immerhin 42 Teilnehmer (29,8%) geben an, bei der Durchführung von Teamarbeiten an der Hochschule bereits über das Internet mit Kommilitonen zusammengearbeitet zu haben (Frage 24.). Einige Antworten auf die offene Ergänzungsfrage nach konkreten Formen der Kooperation zeigen, daß das technische Nutzungspotential, wenn auch zumeist nur in Einzelfällen, in breiter Form zu Kommunikationszwecken eingesetzt wird: „Entwurf eines Posters für eine internationale Konferenz in Japan mit ‘online voice & whiteboard contact’ zwischen USA und Deutschland"; „Gruppenhausarbeiten, bei denen Texte ausgetauscht werden; gegenseitiges Zuschicken interessanter Internet-Adressen; Chat-Programme zum Absprechen"; „Diskussion via Email; Austausch von Dateien; Veröffentlichung von Seminarunterlagen im World Wide Web"; „Projekterstellung an der vier Personen beteiligt sind; 60% der Kommunikation läuft über Email"; „Informationsaustausch, wenn nicht zusammen gearbeitet wird; Hinweis, was ich getan habe, welche Probleme aufgetreten sind, was der jeweils andere tun sollte; Terminabsprachen; Austausch von Dokumenten; Weiterleitung von erhaltenen Informationen (z. B. Artikel aus Mailing-Listen per Email)". [ Siehe dazu Dokument 12 ( Antworten auf die offene Ergänzungsfrage zu Frage 14.: Haben Sie schon einmal bei Teamarbeiten (Referate etc.) mit Kommilitonen an Ihrer Hochschule über das Internet kommuniziert? Können Sie bitte diese Art der Zusammenarbeit kurz erläutern. ) im Anhang (Begragungsunterlagen) dieser Arbeit.]

Die in den fünf Beispielen genannten Formen der Zusammenarbeit umreißen das Spektrum der gegebenen Antworten. Gleichzeitig darf jedoch nicht vergessen werden, daß mehr als zwei Drittel der Befragten solche Möglichkeiten überhaupt nicht nutzen. Hier wird deutlich, daß, wie im zweiten Kapitel dieser Arbeit bereits vermutet, kreative Formen der studiumbezogenen Internet-Nutzung der Mehrheit der Anwender möglicherweise nicht bekannt sind bzw. nicht praktikabel erscheinen. Von Interesse sind daher weniger die Häufigkeiten, sondern vielmehr die individuell praktizierten, konkreten Formen der Zusammenarbeit.

Neben Terminabsprachen für face-to-face Kontakte und dem Austausch von Dokumenten per Email erscheinen vor allem zwei der genannten Kooperationsformen besonders interessant: Synchrone Kommunikation über Sprache und Text sowie die gemeinsame Nutzung von Anwendungsprogrammen, das sogenannte application sharing. Bei der letztgenannten Form können zum Beispiel angefertigte Charts oder Thesenpapiere gemeinsam diskutiert und gegebenenfalls verändert werden. Ob und welche Kommunikationsbarrieren dabei entstehen, müßte in Experimenten näher untersucht werden. Ein Teilnehmer hat diese Nutzungsform jedoch scheinbar erfolgreich praktizieren können. Synchrone Kommunikation über Chat-Software erlaubt die Beteiligung beliebig vieler Teammitglieder. Für eine erfolgreiche Nutzung der Medienanwendung IRC in diesem Zusammenhang müssen jedoch alle Beteiligten über einen Internet-Zugang verfügen eine entsprechende Software verwenden, und die zeitliche Koordination solcher Online-Treffen muß funktionieren. Dabei können sicherlich eine Reihe von Schwierigkeiten auftreten, die ein persönliches Treffen eventuell doch ratsamer erscheinen lassen.

Produktion von Medienangeboten im World Wide Web

Zu den bereits beispielhaft angeführten Formen der Zusammenarbeit bei Teamarbeiten zählt in einem Fall auch die Veröffentlichung von Seminarpapieren im World Wide Web. Einer solchen Aktivität in der Form von Produktion eigener Medienangebote sind jedoch stärkere Grenzen gesetzt als der Veröffentlichung eines Beitrages in einer Newsgroup oder Mailing-Liste: Ohne ein Zugriffsrecht auf einen WWW-Server können bei dieser Medienanwendung keine eigenen Informationen publiziert werden. Die Ergebnisse der Vorabbefragung haben gezeigt, daß die Vergabe dieser Zugriffsrechte an deutschen Universitäten in sehr unterschiedlicher Form gehandhabt wird.

71 Teilnehmer (50,4%) geben an, daß sie an ihrer Hochschule die Möglichkeit haben, eigene Medienangebote im World Wide Web zum Abruf bereitzustellen (Frage 25.). Ein relativ hoher Anteil von 57,1% dieser 71 Studierenden nutzt diese Möglichkeit auch bereits. Es wäre sinnvoll gewesen, im Fragebogen noch danach zu fragen, welcher Art die so publizierten Inhalte sind: Handelt es sich um private, nicht studiumbezogene Informationen zur Person, zu Interessen etc. oder werden eigene Projekte bzw. Arbeitsergebnisse vorgestellt? Die dargestellte Form der methodischen Vorgehensweise zeigt jedoch beispielhaft, daß z.B. die Anfertigung dieser Arbeit gar nicht durchführbar gewesen wäre ohne eine Möglichkeit, im World Wide Web veröffentlichen zu können.

Im Laufe eines Studiums werden in der Regel zahlreiche Hausarbeiten und eine Abschlußarbeit angefertigt. Vordergründig wird damit das Ziel verfolgt, zu erlernen, in angemessener Form mit einer fachspezifischen Problemstellung umzugehen. Dennoch werden dabei gleichzeitig Jahr für Jahr Tausende inhaltlicher Fragestellungen in mehr oder weniger fundierter Form bearbeitet. Gelesen werden diese Arbeiten zumeist jedoch nur von einer Person: dem jeweiligen Dozenten. Vor- und Nachteile einer Veröffentlichung speziell der Magister- und Diplomarbeiten im World Wide Web werden sicherlich spätestens dann intensiv diskutiert werden, sobald Studierende diese Möglichkeit in massenhafter Form nutzen und andere Studierende darauf zurückgreifen. Weder Zensur noch die rigorose Ablehnung der Verwendung von Online-Quellen scheinen dabei eine sinnvolle Lösung darzustellen.

Thematisierung des Internet in Fachseminaren

Im Rahmen der Exploration von Möglichkeiten und Grenzen der studiumbezogenen Internet-Nutzung im universitären Kontext erscheint es auch sinnvoll, zu erfahren, ob und in welcher Form das Internet aus der Perspektive unterschiedlicher geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen inhaltlich thematisiert wird (Frage 22.). 42 Befragte (29,8%) geben an, daß an ihrem Fachbereich Seminare angeboten werden, deren inhaltlicher Schwerpunkt das Internet ist. Es überrascht wenig, daß es sich bei der Mehrzahl dieser Teilnehmer um Studierende der Soziologie (neun Teilnehmer), der Kommunikationswissenschaften (sechs Teilnehmer) der Rechts- und Betriebswirtschaft (jeweils fünf Teilnehmer) sowie der Politikwissenschaften (vier Teilnehmer) handelt: Bei einem Medium, daß von Millionen Menschen grenzüberschreitend genutzt wird erscheinen soziale, rechtliche, politische, ökonomische und kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen naheliegend. Die auf eine offene Ergänzungsfrage genannten konkreten Seminarthemen reichen von „Recht und Datenverarbeitung" über „Internet-Marketing", „Soziale Folgen moderner Kommunikationsmedien", „Datenautobahn und Demokratie" bis zu „Medien der Fernanwesenheit" und „Elektronische vermittelte Kommunikation". Von einigen Teilnehmern wurden jedoch auch eigentlich nicht in die Fragestellung einbezogene Einführungsveranstaltungen in die fachspezifische Nutzung des Internet genannt, wie z.B. „Internet für PolotologInnen" oder „Einführung in die Techniken des Internet". Die ermittelte Häufigkeit der inhaltlichen Thematisierung in Fachseminaren wird damit relativiert.

5.1.5 Beurteilung studiumbezogener Internet-Nutzung: Einstellungen und Gesamtbewertung

Mediennutzung erfüllt nicht in jedem Fall die an sie geknüpften Gratifikationsbedürfnisse. Nutzung des Internet muß nicht automatisch zu einem Nutzen für das Studium führen. Im Verlauf der bisherigen Auswertung wurden vor allem Rahmenbedingungen und Dimensionen wie Dauer, Häufigkeit und Formen der Nutzung untersucht. Um jedoch in einer zweiten Explorationsphase vorsichtige Bezüge zwischen Nutzung und Nutzen herstellen zu können ist es notwendig zu wissen, wie die Befragungsteilnehmer den Einsatz des Internet im Hinsicht auf ihr Studium bewerten.

Einstellungen und Prognosen

Bevor den Teilnehmern die Frage gestellt wurde, wie sie insgesamt den Nutzen des Internet für ihr Studium beurteilen, sollte ihnen das Spektrum von Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung durch die Bitte um Bewertung einiger Aussagen und Prognosen auf einer Skala von eins (volle Zustimmung) bis fünf (totale Ablehnung) noch einmal vergegenwärtigt werden.

1. Statement: "Die fachbezogene Informationssuche im Internet empfinde ich als mühsam!"

Die Struktur des Internet gilt vielfach als chaotisch. Aus diesem Grund wird in einem ersten Statement behauptet, die fachbezogene Informationssuche im Internet sei mühsam. Die Einschätzung dieser Aussage zeigt mit m=2,8 (sd=1,1) ein eher ausgeglichenes Meinungsbild mit leichter Tendenz zur Zustimmung: In der mit 32,2% am häufigsten genannten Antwort wird mittlere Zustimmung geäußert. Interessant ist, daß die 22 Hauptfach-Studierenden eines wirtschaftswissenschaftlichen Studienganges der Aussage mit m=2,4 (sd=1,1) wesentlich deutlicher zustimmen als die 20 Teilnehmer mit Hauptfach Soziologie durch ihre Bewertung mit m=3,3 (sd=1,2).

2. Statement: "Der Internet-Zugang erleichtert die Kommunikation mit Dozenten!"

An eine der Möglichkeiten der Nutzung in einem lokalen universitären Kontext erinnert das Statement, durch den Internet-Zugang werde die Kommunikation mit Dozenten erleichtert. Wie angesichts der Antworten auf die bereits zuvor gestellten entsprechenden Fragen zu erwarten war, stößt diese Behauptung mit m=3,7 (sd=1,3) eher auf Ablehnung.

3. Statement: "Je mehr Studierende meiner Fachrichtung das Internet nutzen, desto ergiebiger wird diese Nutzung für uns alle sein!"

Die Prognose, daß mit einem Anstieg der Zahl der Internet-Nutzer, die einen Studiengang der eigenen Fachrichtung studieren, die Ergiebigkeit der studiumbezogenen Nutzung ansteigt, stößt mit m=1,8 (sd=1,1) auf sehr breites Einverständnis. Nahezu die Hälfte der Teilnehmer (47,5%) stimmt diesem Statement vollkommen zu, während nur zwölf Befragte (8,5%) eine eher ablehnende Haltung einnehmen. Anders als bei klassischen Massenmedien, bei denen wenige Akteure Medienangebote für ein disperses Publikum bereitstellen, wird in dieser Bewertung die Bedeutung der Vielzahl möglicher Kommunikationskonstellationen im Internet deutlich: Jeder Nutzer kann Aktivität in der Form von Produktion zeigen, so daß mit einem Anstieg der Zahl der Nutzer mit einem bestimmten Interessenschwerpunkt auch die Zahl der potentiell möglichen Medienangebote zu diesem Themengebiet ansteigt.

4. Statement: "Die Bewertung von Informationen aus dem Internet ist schwierig!"

Das Internet bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, eigene Medienangebote anderen Nutzern zugänglich zu machen. In bezug auf das Studium ist dabei eine Publikation von Aufsätzen und Arbeiten möglich, ohne zuvor die gängigen Bewertungsinstanzen des Wissenschaftssystems (z.B. Redaktionen von Fachzeitschriften etc.) zu durchlaufen. In einem vierten Statement wird daher die Behauptung aufgestellt, die Bewertung von Informationen sei schwierig.

Die Antworten der Teilnehmer zeigen mit m=2,9 (sd=1,0) eine deutliche Konzentration bei einer mittleren Zustimmung zu dieser Aussage. Dies deutet auf eine differenzierende Haltung der Befragten hin und zeigt, daß die Bewertung von Informationen aus dem Internet nicht grundsätzlich als schwierig angesehen wird.

5. Statement: „Ich habe den Eindruck, daß nur wenige Geisteswissenschaftler das Internet nutzen!"

Die Antworten auf das dritte Statement zeigen, daß mit einem Anstieg der Zahl der fachlich interessierten Nutzer Hoffnungen auf eine individuelle Nutzensteigerung verbunden werden. In dem fünften Statement wird die Behauptung aufgestellt, daß aktuell nur wenige Geisteswissenschaftler das Internet nutzen. Mit einer Bewertung von m=2,5 (sd=1,3) stößt diese Aussage eher auf Zustimmung. Von der Tendenz her erwarten die Teilnehmer damit zukünftig eine wachsende Bedeutung des Internet für das Studium.

6. Statement: "Ich habe den Eindruck, daß viele Lehrende an meinem Fachbereich sich zur Zeit noch nicht mit dem Internet auseinandersetzen!"

Eine Reihe studiumbezogener Nutzungsmöglichkeiten des Internet erfordern neben dem Interesse der Studierenden auch die Bereitschaft der Lehrenden, sich mit diesem Medium auseinanderzusetzen: Verwendung von Online-Quellen, virtuelle Seminare, international angelegte Projekte, Publikation von Aufsätzen oder Vorlesungs-Mitschriften sowie Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden per Email sind hier nur einige der denkbaren Beispiele. In einem sechsten Statement wurde die Behauptung aufgestellt, das Möglichkeiten und Grenzen der studiumbezogenen Internet-Nutzung von vielen Lehrenden bisher ignoriert werden.

Eine deutliche Mehrheit von 108 Teilnehmern (76,6%) stimmt dieser Aussage voll (40,4%) bzw. überwiegend (36,2%) zu. Vergleicht man die Beurteilungen von Studierenden der häufigsten Fachrichtungen, so ist dabei eine auffällige Abweichung von der durchschnittlichen Bewertung m=1,9 (sd=1,0) erkennbar, die jedoch nicht überbewertet werden soll: Die mit m=1,5 (sd=0,6) höchste Zustimmung zu dem Statement äußern die 14 Hauptfach-Studierenden eines kommunikationswissenschaftlichen Studienganges.

7. Statement: "Ich glaube, daß die Zahl der Geistes- und Sozialwissenschaftler, die das Internet für Ihr Studium nutzen, in den nächsten Jahren stark zunehmen wird!"

Die Bewertung eines prognostizierten Anstiegs der Zahl der Geistes- und Sozialwissenschaftler, die das Internet in den nächsten Jahren für Ihr Studium nutzen werden, bestätigt mit m=1,9 (st=1,0) die bereits in der Beurteilung des dritten und fünften Statements erkennbaren Tendenzen: Der potentielle Nutzen einer Verwendung des Internet für das Studium kann zukünftig noch deutlich ansteigen.

8. Statement: "Durch den Internet-Zugang spare ich viel Zeit bei der fachbezogenen Informationssuche!"

Die Behauptung, eine Nutzung des Internet führe zu einer Zeitersparnis bei der fachbezogenen Informationssuche, wird von den Teilnehmern mit m=3,6 (sd=1,8) tendenziell abgelehnt. Bei der Gruppe der 22 Hauptfach-Studierenden eines betriebswirtschaftlichen Studienganges liegt die durchschnittliche Bewertung sogar bei m=4,7 (sd=2,3). Die Zahl von immerhin 13 Teilnehmern aus elf verschieden Fachbereichen, die dem Statement voll zustimmen, zeigt jedoch, daß Zeitersparnis nicht grundsätzlich unmöglich ist. Es ist anzunehmen, daß das jeweilige konkrete Gratifikationsbedürfnis hier eine entscheidende Rolle spielt.

Gesamtbewertung studiumbezogener Internet-Nutzung

Eine der zentralen Fragen der Studie zielt auf eine individuelle Gesamtbewertung des Nutzens der fachbezogenen Verwendung des Internet für das jeweilige Studium ab (Frage 27.). Alle 141 Teilnehmer haben diese Frage beantwortet.

Die Beurteilung erfolgt auf einer Skala von eins („sehr großer Nutzen") bis fünf („gar kein Nutzen"). Die durchschnittliche Nutzenbewertung fällt mit m=2,6 (sd=1,1) tendenziell positiv aus. Dennoch nennt eine Mehrheit von 79 Teilnehmern (56%) nur einen mittleren (34,8%), geringen (18,4%) oder gar keinen (2,8%) Nutzen für das Studium. Damit ist klar erkennbar, daß nicht nur Studierende erreicht werden konnten, die den Nutzen der Verwendung des Internet für ihr Studium besonders hoch einschätzen. Die breite Streuung der Nutzenbewertungen überrascht nicht: Im Rahmen der bisherigen Auswertung ist deutlich gewordenen, daß 141 Teilnehmer das technische Medium Internet in sehr unterschiedlicher Form als Kommunikationsmedium einsetzen bzw. einsetzen können.

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Abb. 13: Gesamtbewertung studiumbezogener Internet-Nutzung

Die vorgenommenen Nutzenbewertungen können ganz unterschiedliche individuelle Gründe haben. Daher wurde in einer offenen Frage darum gebeten, die Beurteilung zu begründen. 99 Teilnehmer haben hier zum Teil sehr ausführlich Auskunft gegeben. Diese Antworten bilden den Ausgangspunkt der zweiten Explorationsphase, in der im folgenden einige vorsichtige Bezüge zwischen Motivation, Nutzung und Nutzen aufgestellt werden.

5.2 Explorationsphase II: Bezüge zwischen Motivation, Nutzung und Nutzen

Gegenstand dieser Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit dem Internet, genauer mit der tatsächlichen Nutzung des Internet durch 141 Studierende geistes- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge. Ein Ausgangspunkt war, den theoretischen Überlegungen folgend, die Unterstellung einer Motivation für Mediennutzung. Wenn dabei die Frage nach dem Wie in den Mittelpunkt gestellt wurde, so muß die Antwort angesichts der bisherigen Auswertungsergebnisse sowohl als auch lauten: Als zentrale Auffälligkeit der vorwiegend über Häufigkeitsauszählungen realisierten ersten Explorationsphase ist eine breite Streuung der Antworten zu den einzelnen abgefragten Items erkennbar.

Es gibt sowohl Studierende geistes- und sozialwissenschaftlicher Studienfächer, die eine Vielzahl unterschiedlicher Medienanwendungen mit großer Intensität nutzen, als auch solche, die nur z.B. das World Wide Web und Email mit geringer Intensität verwenden und z.B. Mailing-Listen überhaupt nicht kennen. Ebenso gibt es solche, die als Aktivität in der Form von Produktion im WWW publizieren können und diese Möglichkeit auch nutzen. Andere wiederum verzichten darauf. Entsprechende Beispiele zu allen erfaßten Bereichen, von Zugangsformen, Kosten, Computerausstattung über Erfahrungen, Probleme, Präferenzen und Konstellationen bis hin zu den jeweiligen universitären Bedingungen könnten aufgelistet werden. Auf die Frage nach einer Gesamtbewertung der Internet-Nutzung, und damit nach der Erfüllung von Bedürfnissen, ist eine ähnliche Breite der Antworten festzustellen. Ziel dieser zweiten Explorationsphase ist es, Bedürfnisse zu konkretisieren und Indikatoren für Unterschiede in der Nutzung festzustellen zwischen solchen Studierenden, die gewünschte Gratifikationen erhalten, und denjenigen, bei denen dies nicht der Fall ist.

5.2.1 Qualitative Bezüge: Bewertungsbegründungen, Kreativität, Probleme, Wünsche

In den bisherigen Überlegungen ist eine Vielschichtigkeit der Internet-Nutzung in bezug auf konkrete Motivationen, Strategien und formale wie inhaltliche Einflußfaktoren vielfach deutlich geworden. Bei einer Betrachtung der Antworten auf die offenen Fragen zu Bewertungsbegründung (Frage 27.), kreativen Nutzungsformen (Frage 38.), Problemen (Frage 39.) und Wünschen (Frage 40.) können im folgenden auch kontextuelle Bezüge berücksichtigt werden. Mit der Exploration wird keine Überprüfung von Hypothesen, sondern die Formulierung konkreter Fragen auf Grundlage empirischer Basisdaten beabsichtigt. Um relevante Aspekte nicht durch eine ansonsten notwendige formalisierte Kategorisierung außer acht zu lassen, wurde weitgehend auf eine Übertragung in eine Themenmatrix verzichtet. Die Auswertung der Antworten auf die offenen Fragen erfolgt überwiegend beispielhaft und beschreibend.

Bewertungsbegründungen

Um einen Bezug zwischen Formen der Nutzung und gewünschten bzw. erhaltenen Gratifikationen herstellen zu können, wurden zunächst die 99 Antworten auf die offene Ergänzungsfrage zur Gesamtbewertung der studiumbezogenen Internet-Nutzung (Frage 27.) nach der jeweils vorgenommenen Bewertung (von „sehr großer Nutzen" bis „gar kein Nutzen") geordnet. [ Siehe Dokument 13 ( Antworten auf die offene Ergänzungsfrage zu Frage 27.: Wie beurteilen Sie, insgesamt gesehen, den Nutzen des Zugangs zum Internet für Ihr Studium?- Bitte erläutern Sie diese Beurteilung. ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit.]

23 Antworten stammen von Teilnehmern, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als sehr groß bewerten. Die Begründungen lassen sich mit fünf Kernbegriffen grob zusammenfassen: Thematisierung, Kontaktaufnahme, Qualifikation, Globalität und Aktualität. Fünf Teilnehmer geben an, daß sie das Internet selbst im Rahmen ihres Studiums thematisieren können. Aussagen wie „CMC - mein Hauptinteressengebiet" oder „Ich beschäftige mich mit soziologischen Auswirkungen von Netzwerken, wie dem Internet." sind, ebenso wie die gesamte Anfertigung dieser Arbeit, Indikatoren für eine Nutzensteigerung, wenn die Auseinandersetzung mit dem Internet selbst einen Gegenstand des Studiums darstellen kann. Einer Aussage Korings muß in diesem Zusammenhang zugestimmt werden: „Mit neuen Medien über neue Medien zu lernen ist zwar eine wichtige Aufgabe, unterläuft tendenziell das Problem, die bestehenden Netzstrukturen für beliebige fachliche Inhalte zu nutzen." [ Koring, Bernhard: Virtuelle Seminare. Geht die Universität ins Internet? Unveröffentlichtes Manuskript. Beta-Version 1.0. a.a.O.. S. 43.] Eine Antwort wie „Nutzen ist nicht so sehr Informationsbeschaffung, sondern Kommunikation (...)" umreißt einen weiteren Schwerpunkt der Begründungen: Kommunikation als Begriff für Aktivität, die nicht auf Selektion beschränkt bleibt. Dabei wird vor allem die Möglichkeit hervorgehoben, lokale räumliche Grenzen zu überwinden. Das Interesse kann z.B. eine (globale) Zusammenführung interessierter Personen, „die an dem selben Themenschwerpunkt arbeiten", sein, aber auch „Austauschmöglichkeiten mit anderen Kulturen" sowie die Chance, „die an der Uni nicht selten anzutreffende, erstaunliche Lust- und Ideenlosigkeit vieler Kommilitonen zu überwinden" bzw. „Leute vor Ort zu ‘kontakten’, ohne selbst dort zu recherchieren.". Hinsichtlich der Selektionsmöglichkeiten wird vor allem auf die globalen Strukturen des Internet und die mögliche Aktualität der Informationen verwiesen: „Da ich mich mit einem internationalen Thema befasse, bin ich auch auf internationale Literatur angewiesen."

Die Begründungen der 27 Teilnehmer, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als groß bewerten, bestätigen die für die erste Teilgruppe formulierten Kernbegriffe. Die Aspekte der Thematisierung und Kontaktaufnahme treten jedoch leicht gegenüber Globalität und Aktualität in den Hintergrund. Ein Teilnehmer begründet dabei anschaulich seine Umgehensweise mit selektierten Medienangeboten angesichts fehlender Vorauswahlinstanzen:

„Der Internet-Zugang ermöglicht den Zugriff auf einen breiteren Pool an kreativen Ideen zu unterschiedlichen Fragestellungen, der trotz der Notwendigkeit einer eigenen Beurteilung der erhaltenen Informationen (fehlender Review-Prozeß, wie er in wissenschaftlichen Zeitschriften zu einer Vorauswahl eingesetzt wird) zu schnelleren und besseren Ideen in Rahmen der Lösung studienrelevanter Problemstellungen (...) führen kann."

Insgesamt sind bei den Teilnehmern, die den Nutzen des Internet positiv bewerten, keine weitgehend übereinstimmenden Motivationen erkennbar. Auffallend ist jedoch, daß das Internet häufig als ein Kommunikationsmedium verstanden wird, welches die alternative Entscheidung zwischen Aktivität in der Form von Produktion und Selektion in einem globalen Rahmen bietet.

In den Antworten weiterer 28 Teilnehmer wird der Nutzen für das Studium eher neutral gewertet. In zahlreichen Begründungen wird das Internet dabei vornehmlich als Selektionsmedium begriffen: „Ich habe gelernt, aus Buechern zu recherchieren und wuesste auch gar nicht, wo ich im internet nach entsprechenden Stellen suchen sollte." oder „viele Infos = viel Nutzen". Während der Begriff „Kommunikation" nur vereinzelt in Aussagen wie „Kommunikation wird allerdings gefördert" auftaucht, wird hauptsächlich Kritik an selektierbaren Medienangeboten in bezug auf Suchmöglichkeiten, Strukturierung und Probleme der Bewertung geäußert. Vor allem das Fehlen fachbezogener Medienangebote wird beklagt: „Die traditionelle Literaturrecherche ist bei meinem Spezialgebiet effektiver". Die Möglichkeiten, durch eigene Aktivität in der Form von Produktion die fachbezogene Quellenlage zu verbessern wird dabei nicht in Betracht gezogen.

In den Antworten der 22 Teilnehmer, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als gering oder sehr gering einschätzen, werden zahlreiche Probleme deutlich. Zum Teil wird das Internet wiederum vornehmlich als Selektionsmedium begriffen, was in Aussagen wie „Bislang sind die Angebote auf geisteswissenschaftlichem Gebiet schlicht zu rar (...)" deutlich wird. Häufig wird jedoch auch fehlende Kenntnis möglicher Nutzungsformen angegeben: „Ich habe mich aber nur sehr halbherzig damit beschäftigt - kann sein, daß es viel mehr Möglichkeiten gibt, von denen ich nichts weiß. Meine Dozenten stellen sich unglaublich blöd an." oder „Ich habe viel zu wenig Ahnung über die Möglichkeiten, die sich mir über den Internet-Zugang für das Studium ermöglichen." Auch eine Technikfeindlichkeit der Geistes- und Sozialwissenschaftler wird beklagt: „Für die meisten Geisteswissenschaftler ist der Computer noch immer Teufelszeug und wird nur für die notwendigsten Aufgaben benutzt." oder „Wenn Geistes- und Sozialwisssenschaftler nur auf geduldigem Papier publizieren und den Computer aus kulturpessimistischer Sicht prinzipiell ablehnen, kann der studienunterstützende Effekt nicht besonders groß sein (...)".

Kreativität

Auf die offene Frage, ob sie für sich eine besonders nützliche Form der Verwendung des Internet für ihr Studium gefunden haben, die bis dahin in dem Fragebogen noch nicht explizit angesprochen wurde (Frage 39.), haben 26 Teilnehmer eine Antwort gegeben. [ Siehe Dokument 14 ( Antworten auf die offene Frage 38.: Haben Sie für sich eine Möglichkeit gefunden, Ihren Internet-Zugang besonders gewinnbringend für Ihr Studium zu nutzen, die in diesem Fragebogen bisher nicht angesprochen wurde? ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit.] Die Aussagen wurden wiederum nach der jeweiligen Gesamtnutzenbewertung (Frage 27.) geordnet. Es überrascht nicht, daß es sich bei der überwiegenden Mehrheit von elf bzw. sechs Teilnehmern um solche Studierende handelt, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als sehr groß oder groß einschätzen.

Diejenigen Teilnehmer, die den Nutzen als sehr groß bewerten, nennen in ihren Begründungen vor allem zwei Schwerpunkte, die sich auf Aktivität in der Form von Produktion beziehen: Publikation und Untersuchungsdurchführung. Beispielhaft können dazu Antworten angeführt werden wie „Ich biete Informationen an (WWW, Mailing-Listen) und warte auf Reaktionen. Das ist effektiver als passive Nutzung." und „Vorstellung der eigenen Studienschwerpunkte und des bisherigen Werdegangs (Publikation)" oder „Ich fuehre Untersuchungen im Internet durch : - )". Zwei Antworten beziehen sich auf die Möglichkeit, durch Kenntnisse im Umgang mit dem Internet als wissenschaftliche Hilfskraft an dem jeweiligen Institut arbeiten zu können, z.B. „Das Internet gab mir mein Magisterthema und die Möglichkeit, selber Seminare zum Thema anzubieten, da es bislang im Fachbereich keinen kompetenten Dozenten gibt.".

In den elf Antworten der Teilnehmer die den Nutzen des Internet als groß bzw. neutral bezeichnen, tauchen neben dem Aspekt der Publikation überwiegend Aussagen auf, die sich den für die Bewertungsbegründungen formulierten Kernbegriffen der Thematisierung und Kontaktaufnahme zuordnen lassen. Daneben fallen vor allem zwei Aussagen auf, die sich auf die Selektion praktisch im lokalen Universitätsalltag verwertbarer Medienangebote beziehen: „allgemeine Infos zum Studienort (Mensa-Plan, Termine, etc.)" und „Nutzung der Campus-Infodienste zur Abfrage aktueller Veranstaltungen, Adressen und Vorlesungsdaten etc."

In zwei der vier Antworten von Teilnehmern, die den Nutzen des Internet als gering bzw. sehr gering einschätzen, werden nicht direkt studiumbezogene Gratifikationen genannt, z.B. „Ich habe durch meine WWW-Homepage schon 2 Jobs bekommen, die mir Spass gemacht haben und wo ich gut verdient habe." In einem Fall wird auch der Aspekt einer möglichen Verbesserung von Sprachkenntnissen angesprochen: „Mein Englisch wird ein bißchen besser, aber nicht viel."

Zusammenfassend betrachtet sind die von den Teilnehmern genannten kreativen Nutzungsformen vor allem durch Aktivität in der Form von Produktion gekennzeichnet. Ein sich bereits in den Bewertungsbegründungen abzeichnender leichter Trend, daß Studierende, die das Internet nicht nur als Selektionsmedium verstehen, einen größeren Nutzen haben können, wird damit bekräftigt. Dies kann natürlich nicht generalisiert werden, da stets die individuelle Motivation den Ausgangspunkt jeder Nutzung bildet. Das Spektrum möglicher Strategien zum Erhalt von Gratifikationen wird jedoch durch Produktion im Vergleich zu reiner Selektion erheblich erweitert.

Probleme

Probleme bei der Nutzung des Internet wurden bereits in der ersten Explorationsphase im Zusammenhang mit Schwierigkeiten bei der Verwendung einzelner Medienanwendungen angesprochen. 105 Antworten auf die Frage nach den grundsätzlichen Hauptproblemen (Frage 39.) ermöglichen im folgenden eine differenziertere Betrachtung. [ Siehe Dokument 15 ( Antworten auf die offene Frage 39.: Welche technischen oder inhaltlichen Mängel behindern derzeit Ihrer Meinung nach am stärksten einen noch effektiveren Nutzen des Internet für ihr Studium? ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit. ] Die erneut nach der jeweiligen Gesamtbewertung (Frage 27.) geordneten Aussagen wurden häufig genannten Problembereichen zugeordnet. [ Siehe Tabelle 3 ( Hauptprobleme bei der Nutzung des Internet ) im Anhang dieser Arbeit.] Die ermittelten Häufigkeiten müssen angesichts der teilweisen Notwendigkeit einer Interpretation und Gewichtung unter Vorbehalt betrachtet werden. Die exakte Rangfolge genannter Schwierigkeiten ist jedoch auch von geringerer Bedeutung, da in erster Linie Fragen aufgeworfen werden sollen. Einige Trends werden dennoch deutlich.

Unabhängig von der Gesamtnutzenbewertung stellt eine zu geringe Geschwindigkeit der Datenübertragung die mit deutlichem Abstand am häufigsten thematisierte Problematik dar. In 49 Antworten erfolgt eine Schilderung dieses Aspektes dabei jedoch in unterschiedlich differenzierter Form. Ein Verständnis der im Zusammenhang mit dem Nutzungspotential des technischen Mediums Internet erläuterten globalen Strukturen wird häufig nicht explizit deutlich: Während z.B. Teilnehmer, die den Nutzen des Internet für ihr Studium gering bewerten, Aussagen treffen wie „Langsame Server" und „Die Leitungen sind noch viel zu langsam (Telefon)." ist in Antworten von einigen Teilnehmern mit sehr positiver Nutzenbewertung eine klare Differenzierung erkennbar, wie „Lange Übertragungszeiten bei interkontinentalen Verbindungen." oder „teilweise lange Lade- und Verbindungszeiten durch Netzüberlastung". Das grundsätzliche und sich bei steigenden Nutzerzahlen verschärfende Problem unterschiedlicher Bandbreiten und Netzauslastung in verschiedenen Teilnetzen des Internet ist offensichtlich. Die Kenntnis globaler Strukturen und eines breiten Spektrums potentieller Nutzungsformen kann jedoch, wenn auch nicht generell, im Einzelfall zur Verminderung solcher Schwierigkeiten führen: Viele selektierbare Medienangebote werden auf Servern in unterschiedlichen Netzwerken zum Abruf bereitgestellt; die Anzeige datenintensiver graphischer Elemente kann vermieden werden; verschiedene Teilnetze sind zu manchen Zeiten leichter erreichbar als zu anderen; über welche Medienanwendung auch immer aufgebaute Kontakte können zu alternativen Selektionsmöglichkeiten führen (z.B. Anfragen in Newsgroups oder Mailing-Listen). Eine Erfolgsgarantie ist damit allerdings keinesfalls gegeben. Bei der Nutzung von Persönlicher Email, Mailing-Listen und Newsgroups fällt das Problem der Datenübertragungsgeschwindigkeit durch die in der Regel räumliche Nähe des entsprechenden Servers weniger ins Gewicht als bei der Selektion von Medienangeboten auf ungünstig in die globalen Strukturen eingebundenen WWW-Servern.

Ein weiterer sehr häufig geäußerter Kritikpunkt ist die mangelnde selektierbarer Aktivitätsrahmen und Medienangebote Strukturierung im Internet. Aussagen wie „fehlende Ordnung", „Chaos des Internet" oder „schwierige Informationsfindung (‘Erblindung’ durch Info-Ueberflutung)" verdeutlichen dies beispielhaft. In direktem Zusammenhang dazu stehen eine Reihe von Antworten, die sich auf das Fehlen fachbezogener Medienangebote beziehen. Weiterhin wird wiederum von einigen Teilnehmern die Schwierigkeit beklagt, selektierte Medienangebote zu bewerten. Die genannten inhaltlichen Probleme decken sich damit weitgehend mit denen, die bereits in den Begründungen für eine eher negative Gesamtbewertung der Internet-Nutzung geäußert wurden.

Bei den nicht inhaltlichen Problemen werden neben der mangelnden Datenübertragungsgeschwindigkeit vor allem hohe Telefonkosten bei Dial-Up-IP Verbindungen beklagt: „zu hohe Kosten für die private Nutzung für ein durchschnittl. Studentenbudget". Konkret technische Probleme können überwiegend auf mangelnde finanzielle Möglichkeiten an den Hochschulen zurückgeführt werden: Am häufigsten werden eine zu geringe Zahl von Modem-Zugängen und damit zum Teil lange Wartezeiten bei der Einwahl von zu Hause sowie die schlechte technische Ausstattung vieler geistes- und sozialwissenschaftlicher Institute kritisiert. Aussagen wie „geringe Zahl an Modem-Ports (staendig besetzt)" oder „Sicherlich aber auch die teilweise mangelhafte technische Ausstattung geistes- und sozialwissenschaftlicher Institute in Deutschland." verdeutlichen dies.

Fehlende Beteiligung anderer Studierender der gleichen Fachrichtung sowie mangelndes Engagement der Lehrenden wird mit ähnlicher Häufigkeit (acht bzw. sieben Antworten) beklagt. Aussagen wie „Ich bin an meiner Uni wohl eher der einzige (Psychologe), der sich im Internet aufhält." und „Zu wenig Eigeninitiative, aber auch viel zu wenig Information/Aufklärung von Seiten der Uni/Fachbereiche." zeigen, daß einzelne Studierende sich an ihrem Institut in bezug auf Kontaktmöglichkeiten per Internet weitgehend isoliert fühlen.

Wünsche

Bei der Frage nach Wunschvorstellungen zu zukünftigen Nutzungsformen des Internet (Frage 40.) wurde bewußt darum gebeten, aktuell bestehende Beschränkungen jeder Art außer acht zu lassen. [ Siehe Dokument 16 ( Antworten auf die offene Frage 40.: Welche Angebote oder Informationsmöglichkeiten würden Sie sich, einmal ganz abgesehen von heutigen technischen Beschränkungen, für die Zukunft noch wünschen, damit Sie das Internet noch sinnvoller für Ihr Studium nutzen könnten? ) im Anhang (Befragungsunterlagen) dieser Arbeit.] Auf diesem Weg wurde versucht, Indikatoren für besonders ausgeprägte Bedürfnisse zu ermitteln, deren aktuell aus individueller Sicht scheinbar nicht mögliche Erfüllung auch Auswirkungen auf die Bewertung haben kann. Die 63 Antworten wurden erneut nach der Gesamtbewertung (Frage 27.) geordnet.

Es ist bemerkenswert, daß es sich bei den mit Abstand am häufigsten geäußerten Bedürfnissen nicht um realitätsferne technische Phantasien, sondern um die technologisch relativ leicht realisierbare Online-Verfügbarkeit ansonsten in Printform und in der Regel über herkömmliche Bibliotheken verfügbarer Publikationen handelt: 19 Teilnehmer wünschen sich im weitesten Sinne Möglichkeiten der Volltextrecherche in digitalisierten Versionen traditioneller, gedruckter Fachzeitschriften und Bücher über Online-Bibliotheken. Einige Aussagen verdeutlichen dies: „Mehr elektronisches Publizieren, hebt das Ärgernis von nur 2 Exemplaren eines Standardwerkes in der Bibliothek für 400 Studierende auf."; „publikationen umgehend ins netz"; „mehr richtige informationen (nicht nur haeppchen, die auf ein 45 dollar buch verweisen oder auf einen kostenpflichtigen zugangs-code)". Weitere 11 Teilnehmer aller Bewertungsgruppen fordern zudem mehr und bessere Datenbanken. Dabei bleibt jedoch im Einzelfall unklar, um welche Daten es sich dabei handeln soll: Ist beispielsweise eine Volltextdatenbank oder lediglich ein digitalisierter Katalog gemeint? Einige Juristen sprechen jedoch konkret von Gesetzesdatenbanken.

Grundsätzlich wirft die Forderung nach Online-Publikationen zahlreiche Fragen auf. Nicht wissenschaftliche Veröffentlichungen sollen dabei an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben. Die Probleme, die mit einer Online-Publikation von Diskursbeiträgen verbunden sind, können nur kurz angerissen werden. Ein Verzicht auf Print-Publikationen erscheint nicht wünschenswert, da damit ein Zwang zur Verwendung elektronischer Medien ausgeübt würde. Damit wäre ein online-publikationswilliger Autor jedoch auf eine Zustimmung des entsprechenden Verlages angewiesen. Der Aspekt der Reputation und wie man sie im Wissenschaftssystem gewinnt kann nur aus der Perspektive eines Außenstehenden beurteilt werden. Eine bedeutende Rolle scheint die Vorauswahl und Beurteilung von Diskursbeiträgen durch wissenschaftliche Redaktionen zu spielen. Eine Aussage von Rost im Rahmen seiner provokanten Kritik des Wissenschaftssystems verdeutlicht dies:

„Aus der Sicht eines wissenschaftlichen Autors besteht ein entscheidender Mangel des Internet darin, daß die Nutzung dieses Mediums keine im Wissenschaftssystem verwertbare Reputation abwirft. Dies liegt nicht am Medium selbst, und auch nicht daran, daß die Anwendung der Netztechnik über die Maßen kompliziert ist, sondern daran, daß Redaktionen mit hoher Reputation das Netz nicht als Vertriebsweg nutzen. Keine Zeitschrift kann sich dies bislang leisten, will sie ein im Zunftsystem geachtetes Publikationsmedium bleiben. Aber selbst wenn Redaktionen sich dem Netz zuwenden werden, ist noch lange nicht ausgemacht, daß sich die Kultusministerien bei Lehrstuhlberufungen von Publikationen im Netz beeindrucken lassen. Bislang kann das Internet von Wissenschaftlern allenfalls dazu benutzt werden, ihnen eine Art billige Sekundärverwertung von Publikationen zu ermöglichen, die bereits über die klassischen Medien verwertet wurden." [ Rost, Martin: Wissenschaft und Internet: Zunft trifft auf High-Tech. In: Rost, Martin (Hrsg.): Die Netzrevolution. Auf dem Weg in die Weltgesellschaft. a.a.O.. S. 170.]

Die im zweiten Kapitel dieser Arbeit mehrfach zitierte und zusammen mit dem Journal of Communication herausgegebene Sonderausgabe 4/95 ist in kompletter Form im Internet und ebenso in Printform in der Bibliothek des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Münster verfügbar. Dies zeigt, daß es einzelne Beispiele für parallele Online- und Print-Publikation gibt.

Neben dem Aspekt der Online-Publikation wird in sieben Antworten der Teilnehmer ein intensiverer intra- bzw. interuniversitärer Austausch, verbunden mit mehr Engagement der Lehrenden, gewünscht. Beispielhaft verdeutlichen dies Aussagen wie „Zentrale Erfassung von Informationen, die meinen Studiengang betreffen (z.B. welche Literatur wird an den einzelnen Unis gelesen, welche Themen werden in Seminaren an anderen Unis behandelt) - Dozenten sollten die Moeglichkeiten des Internet staerker fuer ihre Seminare nutzen (z.B. Newsgroup oder Mailing List einrichten (lassen))." oder „diskussionsgruppen (mailing-listen) zu den vorlesungen, zum austausch mit anderen kommilitonen. vorlesungen quer durch die universitaeten (evtl. auch in mehreren laendern), sozusagen internationale, interkulturelle austauschmoeglichkeiten." Die Überlegungen von Koring zu virtuellen Seminaren belegen, daß es auch in Deutschland Professoren gibt, die beginnen, über solche Möglichkeiten nachzudenken. [ Vgl. Koring, Bernhard: Virtuelle Seminare. Geht die Universität ins Internet? Unveröffentlichtes Manuskript. Beta-Version 1.0. a.a.O..]

Eher breitbandige Anwendungsformen unter Verwendung der Medientypen Audio und Video werden in sechs Antworten bis auf eine Ausnahme von solchen Teilnehmern genannt, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als sehr groß einschätzen. Dabei wird in zwei Fällen ein direkter Bezug zu gegenwärtigen Problemen in der universitären

Praxis hergestellt: „videovorlesungen, wenn die raeume zu klein, der andrang zu gross ist oder, wenn man ‘mal’ nicht kommen kann, so waere es einfach schoen wenn die vorlesung auch eine woche spaeter angeschaut werden koennte." und „Interaktive Vorlesungen, die zu einem individuelleren Lernen führen könnten, d.h. weg von den überfüllten Hörsälen, in denen die Professoren oft überfordert ihren Standard-Stoff ablassen und hin zu progressiveren, von der Universität erstellten Lehrprogrammen.".

Von technischen Schwierigkeiten einmal ganz abgesehen, sind bei solchen Anwendungsformen sicherlich eine Reihe von Problemen voraussehbar. Um nicht auf Spekulationen angewiesen zu sein, müßte jedoch in experimentellen Pilot-Projekten die Anwendbarkeit solcher Nutzungsmöglichkeiten praktisch erprobt werden. Der gegenwärtige Ausbau des WIN kann in jedem Fall theoretisch dazu beitragen, technische Barrieren für interuniversitäre Projekte zu vermindern. [ Siehe Kapitel 3.1 dieser Arbeit.] Praktisch hängt dies jedoch vor allem von bildungs- und hochschulpolitischen Entscheidungen ab. Als ein Einzelbeispiel kann in diesem Zusammenhang eine universitäre Lehrveranstaltung zwischen zwei Kontinenten via Internet genannt werden, die bereits im März 1995 durchgeführt wurde. Studierende am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien hatten dabei die Möglichkeit, mittels eines sehr einfachen Video-Konferenzsystems ein Interview mit Michael Mascha, einem Professor für interaktive Medien an der University of Southern California, zu führen. Resümierend bewertet der Projektleiter Manfred Bobrowsky den Erfahrungsgewinn durch dieses Experiment positiv:

„Video-Conferencing, Tele-Learning (Distance-Learning) und Tele-Teaching (Distance-Teaching) sind die neuen medialen Highlights einer zukünftigen Multimedia-Gesellschaft. Das ‘virtuelle Klassenzimmer’ wird fixer Bestandteil von Schulen, Universitäten, Verwaltungseinrichtungen und Fortbildungseinrichtungen werden." [ Bobrowsky, Manfred: Das virtuelle Klassenzimmer. 1995. Online in Internet. URL: http://www.univie.ac.at/Publizistik/Klassenzimmer.htm (Stand 17.03.1996).]

Gleichzeitig weist er jedoch auch auf Gefahren wachsender Wissenskluft und Reizüberforderung hin, die bei der Integration solcher Anwendungen in den universitären Lehrbetrieb bedacht werden sollten. [ Vgl. ebd..] Unabhängig von allen möglichen Vor- oder Nachteilen wurde in der ersten Explorationsphase deutlich, daß für die 141 Befragungsteilnehmer breitbandige Anwendungsformen gegenwärtig keine Bedeutung bei der tatsächlichen Nutzung des Internet haben.

Mehr Hilfe im Umgang mit dem Internet und seinen Nutzungsmöglichkeiten ist vor allem ein Wunsch von Teilnehmern, die den Nutzen des Internet für ihr Studium neutral oder gering bewerten. Die bereits im Zusammenhang mit den Hauptproblemen genannten Aspekte der mangelnden Strukturierung und der fehlenden Unterstützung durch die Hochschule stehen dabei im Vordergrund. In Aussagen wie „Zentrale Stelle, wo für sämtliche Dienste zusammen nach etwas gesucht werden kann (Stichwort eingeben, dann kommt so etwa: Sie finden was in newsgroup x und unter WWW-Adresse y und Herr z kann Ihnen auch noch was erzählen...)" bleibt jedoch unberücksichtigt, das ein Großteil des Nutzungspotentials des Internet direkt mit den dezentralen Strukturen verbunden ist.

Nur ein Teilnehmer spricht die derzeit nur theoretisch existente globale Verbreitung des Internet an und wünscht sich Verbesserungen auf diesem Gebiet: „Das wirklich viele Institutionen und Einrichtungen im Netz präsent sind und zwar überall auf der Welt. Ich meine damit vor allen Dingen Entwicklungsländer (Süden und Osten). Von dort ist es sehr schwer Informationen zu bekommen, was ich sehr nachteilig fuer beide Seiten halte. Daher: wirklich ein globales Netz, das nicht nur von Industrieländern bestimmt wird, sondern das alle gestalten".

Zusammenfassend muß nochmals betont werden, daß die Auswertung der Antworten auf die offenen Fragen unbedingt unter dem Vorbehalt einer teilweisen, jedoch kaum vermeidbaren subjektiven Interpretation und Gewichtung betrachtet werden muß. Die angeführten Aussagen wurden jedoch von den Teilnehmern in dieser Form getroffen und zeigen einige Trends. Einen aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht sinnvollen Anknüpfungspunkt für den nun folgenden letzten Auswertungsteil stellt dabei eine vermehrte Aktivität in der Form von Produktion dar, die sich in den Antworten von Teilnehmern andeutet, die den Nutzen des Internet für ihr Studium als sehr groß oder groß bezeichnen.

5.2.2 Quantitative Bezüge: Nutzenbewertung und Aktivität

Grundsätzlich hängt die Möglichkeit, eine konkrete Gratifikation durch Nutzung des Internet zu erhalten, immer von der individuellen Motivation ab. Studierende, deren zentrales Bedürfnis auf die Selektion eines konkret festgelegten Medienangebotes begrenzt ist, z.B. den Zugriff auf die Datenbanken des kommerziell betriebenen juristischen Informationssystems der Juris GmbH, können die Gratifikation nicht erhalten, solange das entsprechende Angebot nicht über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Gleiches gilt z.B. für die Selektion von Diskursbeiträgen, die nicht online publiziert werden.

Losgelöst von konkreten Inhalten sind jedoch in den bisherigen Explorationsschritten, ausgehend von den theoretischen Vorüberlegungen und den praktischen Erfahrungen bei der Anfertigung dieser Arbeit, Indikatoren für die Existenz von zwei allgemeinen Motivationssträngen erkennbar geworden: einerseits die Selektion bereits von anderen Nutzern produzierter Medienangebote und andererseits die Selektion bis dahin noch überhaupt nicht existierender Medienangebote. Die letztgenannte Motivation kann dabei nur durch die Produktion neuer Aktivitätsrahmen bzw. eigener Medienangebote zu einer Gratifikation führen: andere Nutzer können so möglicherweise zu einer Produktion als Reaktion motiviert werden, die daraufhin selbst selektiert werden kann.

Die bisherigen Überlegungen haben gezeigt, daß der Aktivitätsrahmen einzelner Nutzer in Abhängigkeit von der inhaltlichen Motivation durch zahlreiche Einflußfaktoren begrenzt wird. Als Beispiele sollen an dieser Stelle nur die individuellen Zugangs-, Kenntnis- und Kooperationsbarrieren genannt werden. Kooperation bezeichnet in diesem Zusammenhang den bereits genannten Grundsatz, daß Produktion und Selektion von Medienangeboten sich gegenseitig bedingen. Die bisherigen Auswertungsergebnisse deuten darauf hin, daß diejenigen Befragungsteilnehmer, die den Nutzen des Internet für ihr Studium positiv bewerten, das Aktivitätspotential des Internet in breiterer Form ausnutzen wollen bzw. können, als dies bei Teilnehmern mit negativer Gesamtnutzenbewertung der Fall ist.

Im folgenden werden einige quantitative Bezüge zwischen Nutzenbewertung und Aktivität hergestellt. Ausgehend von der Gesamtnutzenbewertung wird das Nutzungsverhalten von zwei Subgruppen anhand einiger ausgewählter Items verglichen: Bei den Teilgruppen handelt es sich auf der einen Seite um die 62 Teilnehmer, die den Nutzen des Internet für ihr Studium positiv bewerten und andererseits um diejenigen 30 Studierenden mit negativer Gesamtnutzenbewertung.

Nutzenbewertung (Frage 27.) und Produktion im World Wide Web (Frage 25.)

Aktivität in der Form von Produktion eigener Medienangebote im World Wide Web ist eine der Möglichkeiten, andere Nutzer zu Reaktionen zu bewegen. 34 der 62 Teilnehmer mit positiver Nutzenbewertung geben an, zu wissen, daß sich ihnen diese Möglichkeit an ihrer Universität bietet. Eine deutliche Mehrheit von 24 dieser 34 Studierenden macht von diesem Aktivitätspotential Gebrauch. Auch der Hälfte der 30 Teilnehmer mit negativer Gesamtnutzenbewertung ist es bekannt, daß sie über ihre Hochschule im WWW publizieren dürfen. Genutzt wird diese Möglichkeit jedoch nur von fünf Studierenden dieser Teilgruppe.

Nutzenbewertung (Frage 27.) und Newsgroup-Nutzung (Frage 15./16.)

36 der 62 Studierenden mit positiver Gesamtnutzenbewertung geben an, im Zusammenhang mit ihrem Studium eine Newsgroup zu nutzen. Eine Mehrheit von 23 Teilnehmern (64%) hat dabei bereits einmal Aktivität in der Form von Produktion eines eigenen Beitrages gezeigt. In 87% dieser Fälle konnte die gewünschte Gratifikation erhalten werden. Etwa die Hälfte (14 Teilnehmer) der 30 Studierenden mit negativer Gesamtbewertung nutzt ebenfalls eine Newsgroup. Der Anteil derjenigen, die sich durch Aktivität in der Form von Produktion beteiligen, liegt hier jedoch nur bei 27% (vier Teilnehmer). Die gewünschte Gratifikation konnte nur einer dieser vier Studierenden erhalten.

Nutzenbewertung und Nutzung von Mailing-Listen (Frage 20./21.)

Kein einziger der 30 Teilnehmer mit negativer Nutzenbewertung ist in einer Mailing-Liste eingeschrieben, deren Thema in einem Zusammenhang zum Studium steht. Von den 62 Studierenden mit positiver Gesamtbewertung nutzt dagegen genau die Hälfte (31 Teilnehmer) diese Medienanwendung für das Studium. Bisherige Aktivität in der Form von Produktion schildern 13 dieser Teilnehmer, die damit auch ohne Ausnahme die erhoffte Gratifikation erhalten konnten. Insgesamt nennen die 31 Studierenden 20 verschiedene Hauptfächer. Im Einzelfall bleibt jedoch unklar, ob die genutzte Mailing-Liste im Zusammenhang zu diesem Hauptfach oder zu einem der Nebenfächer steht. Die Tatsache, daß z.B. vier Studierenden eines betriebs- bzw. volkswirtschaftlichen Studienganges mit positiver Nutzenbewertung und Mailing-Listen-Nutzung sechs Teilnehmer dieser Fachrichtung mit negativer Gesamtbewertung und ohne Mailing-Listen-Nutzung gegenüberstehen, zeigt, daß hier nicht nur der jeweilige Studiengang, sondern möglicherweise auch individuelle Schwerpunkte berücksichtigt werden müssen. Ob im Einzelfall tatsächlich keine verwertbare Mailing-Liste vorhanden ist oder ob die Existenz eines entsprechenden Aktivitätsrahmens nur nicht bekannt ist, kann aus den abgefragten Items nicht ermittelt werden.

Nutzenbewertung (Frage 27.) und Email-Kontakte (Frage 13.)

Aktivität in der Form von Produktion durch Email-Kontaktaufnahme zu einem Wissenschaftler außerhalb der eigenen Hochschule zeigen insgesamt 34 der 62 Teilnehmer mit positiver Gesamtnutzenbewertung. Von den 30 Studierenden, die den Nutzen des Internet für ihr Studium eher negativ bewerten, geben weniger als ein Drittel (neun Teilnehmer) an, dieses Aktivitätspotential bereits einmal genutzt zu haben.

Nutzenbewertung (Frage 27.) und häufig genutzte Medienanwendungen (Frage 8.)

Die teilweise Notwendigkeit einer kombinierten Nutzung unterschiedlicher Medienanwendungen zum Erhalt einer studiumbezogenen Gratifikation ist z.B. in der Darstellung der Vorab- und Hauptbefragung zu dieser Arbeit deutlich geworden. Inwieweit die 141 Teilnehmer das Potential wechselnder Kommunikationskonstellationen zum Erreichen konkreter Ziele einsetzen kann aus den abgefragten Items nicht genau erfaßt werden. Die verschiedenen denkbaren Wege, durch Aktivität in der Form von Produktion und Selektion auf vorhandene fachbezogene Selektionsmöglichkeiten aufmerksam zu werden bzw. deren Entstehung selbst zu provozieren, [ Siehe Kapitel 3.2 dieser Arbeit.] zeigen jedoch, daß die Nutzung eines breiten Spektrums unterschiedlicher Medienanwendungen die Selektionswahrscheinlichkeit erhöhen kann. In der ersten Explorationsphase wurde bereits für alle Teilnehmer die Zahl der wöchentlich genutzten Medienanwendungen erfaßt. Unterschiede im Nutzungsverhalten der beiden hier untersuchten Teilnehmergruppen können damit ermittelt werden.

22 der 30 Studierenden mit negativer Gesamtnutzenbewertung nutzen nur eine oder auch gar keine Medienanwendung wöchentlich. Niemand in dieser Subgruppe verwendet fünf oder mehr Medienanwendungen mit solcher Intensität. Eine Betrachtung der im Gegensatz zum World Wide Web und Persönlicher Email insgesamt weniger genutzten Medienanwendungen zeigt, daß von den Studierenden dieser Teilgruppe 20 Mailing-Listen, 19 IRC, 14 Telnet, zwölf Gopher und immerhin zehn Newsgroups noch niemals genutzt haben. Vor allem Mailing-Listen bieten jedoch, falls entsprechende Angebote bis dahin noch nicht vorhanden sind, eine, z.B. im Vergleich zu Newsgroups, relativ leicht zu verwirklichende Möglichkeit, selbst einen sehr speziellen fachbezogenen Aktivitätsrahmen zu erschaffen. Nur elf der 62 Studierenden mit positiver Nutzenbewertung nutzen eine oder keine Medienanwendung wöchentlich. 25 Teilnehmer verwenden jedoch vier oder mehr Medienanwendungen mit dieser Intensität. Diese Daten bestätigen einen leichten Trend, daß das Ausschöpfen des Aktivitätspotentials des Internet eine Nutzensteigerung begünstigt.

1996 Ralf Taprogge.
Letzte Änderung am 31.12.1996.
Kommentare und Anregungen an: taprogg@uni-muenster.de
Verweise auf diese Arbeit bitte nur unter URL:
http://www.uni-muenster.de/Publizistik/MAG3/ifp/taprogg/

Vielen Dank an Andreas von MAG3 und Rainer vom URZ.


...und noch'n link:
electric minds
Howard Rheingold und electric minds

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