>> Auszug aus dem Westfalen-Reporter 1/1998 <<

Sportlicher Wettbewerb
statt beinharter
Konkurrenz.

Zwei Münsteraner beim Vier-Stunden-Rennen.

Die beiden Biker aus Münster sind kaputt, aber glücklich. Vom Motorradrennen im südfranzösischen LeLuc hat Mark Monhof eine Sehnenscheiden-Entzündung und Josef Schürjann heftigen Muskelkater mit nach Hause gebracht. Aber ebenso die Gewissheit, dass sie den ersten Probelauf bewältigt haben und nun die Serie von fünf Rennen in halb Europa in Angriff nehmen können.

SAFETY FIRST
Die beiden Münsteraner sind bereits seit vielen Jahren begeisterte Fans der heißen Öfen. So hob der 35 jährige EDV-Kaufmann und Schlosser Josef Schürjann 1981 in Münster-Kinderhaus den Motorradverein "MOT-Treff Kotten" aus der Taufe, der heute noch die überregional bekannten "Motorradtage Münster" ausrichtet. Darüber hinaus leiten Schürjann und der 26jährige Verlagskaufmann Mark Monhof an den Wochenenden als "Fachübungsleiter Motorrad" Schulungen und Sicherheitstrainings für Biker. Dort werden Motorradfahrer im Umgang mit Gas, Bremse, Lenker und dem eigenenm Körper gebrieft. "Wir wollen unseren Beitrag leisten, dass trotz steigender Motorradverkaufszahlen die Unfallfrequenz in diesem Bereich sinkt", formuliert Schürjann ihren Anspruch.

EINE BRANDNEUE HONDA
Im Herbst vergangenen Jahres verfielen die beiden Freunde auf die Idee, zusammen ein Rennen zu fahren. Gesagt, getan. Schürjann legte sich eine brandneue, 600 Kubik große und 180 Kilo schwere Honda zu. Die beiden entschieden sich für die Teilnahme an der "Klasse-6-Serien-Maschinen-Trophy" (SMT), besser bekann als "Vier-Stunden-Rennen". Eine disziplin, in der sich Josef Schürjann schon erste Sporen verdient hatte.
An das Fahrzeug mussten die beiden Rennfahrer in spe wenig Hand legen: "Weg mit der Original-Verkleidung und ab auf die Piste!", flachst Mark Monhof. Ungleich mehr Aufwand erfordert die Teilnahme an der Serien-Trophy: Sie besteht aus fünf Langstrecken-Rennen im Jahr; jedes dauert vier Stunden nonstop, alle 30 Miniten wechseln sich die beiden Fahrer am Lenker ab. Im April startete die diesjährige Trophy im französischen Val de Viennes, später im Jahr folgen Renn auf dem Nürburgring, im belgischen Zolder und im französischen Magny Cours, bevor schließlich in Oschersleben, nahe dem Werk Wanzleben der Westfahlen AG, die Reifen beim Finale qualmen.

REIBUNGSLOSER BOXENSTOP
"Der reibungslose Boxenstop ist einer der wichtigsten Aspekte beim Vier-Stunden-Rennen", weiß Josef Schürjann. In einer Box am Rande der Rennstrecke wird die Maschine betankt, während die Fahrer wechseln.
Dafür sind außer den Fahrern noch zwei weitere Helfer nötig. Sie versehen Wartungsarbeiten während der Rennen, z.B. Bremsbeläge wechseln, und halten den Fahrer mit Informationen auf Tafeln auf dem laufenden, z. B. über die Rundenzeiten oder wann der nächste Fahrerwechsel stattfindet. Ein eingespieltes Team ist hier notwendig, damit alles wie am Schnürchen abläuft und unnötige Wartezeiten vermieden werden. "Zwei Freunde arbeiten als feste Boxenstopper für uns", berichtet Monhof. Natürlich ebenso wie die Fahrer aus reinem Spaß am Hobby Motorradsport. "Bezahlte Kräfte könnten wir uns gar nicht leisten."
Die Durchschnittsgeschwindigkeit während der Trophy liegt zwischen 120 und 140 Stundenkilometern bei einer Sesamtstrecke von rund 500 Kilometern. "Gefahren wird beim Vier-Stunden-Rennen nicht voll Stoff, sondern immer einen Schritt langsamer, damit man's auch druchhält", berichtet Schürjann. "Die Devise lautet: Kontinuierliches Durchfahren und sicheres Ankommen". Dennoch: Vier-Stunden-Rennen sind ein echter Konditionssport, Muskelkater inbegriffen. Für den pausierenden Fahrer ist es umso wichtiger, zu entspannen. "Ruhig werden, trinken, aufs Klo gehen", umreißt Monhof das Arbeitspensum.

DABEISEIN IST ALLES
Monhof und Schürjann verstehen das Vier-Stunden-Rennen mehr als lockeren, im eigentlichen Sinne sportlichen Wettbewerb denn als beinharte Konkurrenz. Schließlich gibt es keine Preisgelder zu gewinnen, sondern nur einen Pokal. Und für jedes Rennen müssen die beiden summa summarum von den Startgeldern bis zum Transfer zur Rennstrecke 2.500 Mark aufwenden.
Das Wichtigste für die beiden ist ohnehin, die so gesammelten Rennsport-Erfahrungen bei späteren Sicherheits-Lehrgängen weiterzugeben. "Die Trophy ist kein Selbstzweck", meinen Schürjann und Monhof. Ihr Ziel ist es - Debütanten hin oder her - bei der Vier-Stunden-Trophy im oberen Drittel zu landen. Und für das kommende Jahr haben sich die beiden vorgenommen, an der deutschen Langstrecken-Meisterschaft oder am 24-Stunden-Rennen teilzunehmen.

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