Das Aramaeische ist zunaechst in Syrien nachweisbar,
breitete es sich nach und nach ueber den ganzen vorderen Orient und weiter
nach Osten aus. Bereits in assyrischer Zeit war es eine internationale
Sprache. Der Brauch der Assyrer, sich mittels des Aramaeischen mit anderssprachigen
Untertanen zu verstaendigen, wurde von den Achaemiden aufgenommen und das
Reichs-Aramaeische zur offiziellen Sprache der Kanzlei der Perserkoenige
gemacht.Es stellt eine weiterentwickelte und verselbstaendigte Form des
aeltesten Aramaeischen dar. Als Kanzleisprache hat es einen fossilen Rest
in den Idiogrammen des Pehlewi hinterlassen. Die aramaeisch geschriebene
Stuecke des AT bieten ebenfalls dieses Idiom. In seiner Art schliesst sich
das sog. West-Aramaeische am naechsten an die Formen des Reichs-Aramaeischen
an:
1- Das Nabataeisch-Aramaeische, die aramaeische
Schriftsprache eines arabischen Staates, der mit dem Zentrum in Petra wirtschaftlich
fuer den Weg nach Arabien wichtig und vom 4.Jh.v.Chr. bis ueber die Zeit
seiner Eroberung durch die Roemer (106 n.Chr.) hinaus bedeutsam war.
2- Das Palmyrenisch-Aramaeische, das ebenfalls
in einer Karawanenstadt geschrieben, wohl auch gesprochen wurde, die Petra
den Rang ablief.
3- Das Juedisch-Palaestinensische Aramaeisch
ist das Idiom, das das Hebraeische als gesprochene Sprache verdraengt hat.
Es war die Sprache Jesu („galilaeisch-aramaeisch“; in sie uebersetzte man
im Gottesdienst die hl.Schriften; in ihr ueber-lieferte man die aramaeischen
Teile des jerusalemischen Talmuds.
4- Das Samaritanisch-Aramaeische: Die
Absonderung Samarias in religioeser und politischer Hinsicht erklaert die
Entstehung eines solchen gesonderten Idioms.
5- Das Christlich-Palaestinensische ist
die Sprache der Melkiten in Palaestina; sie wurde ausser in Nordpalaestina
auch in Teilen des Ostjordanlandes gebraucht.
6- Das Neuwest-Aramaeische: In einigen
Doerfern des Antilibanon, in Malula, Bacha und Dschubb Adin hat sich das
Aramaeische des westlichen Typus bis in die Gegenwart erhalten.
Das Aramaeische des Zweistromlandes wird unter
der Bezeichnung Ost-Aramaeisch zusammengefasst. Es umfasst:
1-Das Aramaeische des babylonischen Talmuds
2-Das Mandaeische, die Sprache einer religioesen
Sekte, die sich am Schatt Al Arab und in Chusestan bis heute erhalten hat.
3-Das Syrische (in Ost- und Westsyrisch),
die Sprache des Staatskanzlei von Edessa, der Residenz der Koenige der
Osrhoene.
Das Aramaeische wird im Anschluss an die griechische
Benennung der Aramaeer „syrisch“ genannt. Mit dem Begriff „Syrer“ bezeichneten
die Griechen, seitdem sie Asien naeher kennen lernten, die Nation, welche
sich selbst „Aramaeer“ nannte. Das Syrische wird von den syrischen Kirchenvaetern
und den Orientalisten die „Edessenische“ oder „die Mesopotamische“ Sprache
genannt; sie wird auch als „aramaeisch“ bezeichnet, obwohl in christlicher
Zeit der Name der Aramaeer lieber gemieden wird, da dieser oft so viel
wie „Heiden“ bedeutete (Noeldeke, Th.). Das Syrische im engeren Sinne,
der Dialekt von Edessa, scheint den aramaeischen Dialekten der Tigrislaender
etwas naeher gestanden zu haben als denen des mittleren Syriens und Palaestina´s.
In Edessa wurde dieser Dialekt sicher schon lange vor Einfuehrung des Christentums
als Schriftsprache verwandt. Besondere Wichtigkeit erlangte er aber, seit
die Bibel in ihn uebersetzt war (wahrscheinlich schon im 2.Jh.) und Edessa
immer mehr die Hauptstadt der rein aramaeischen Christenheit wurde. Mit
dem Christen-tum drang die Sprache von Edessa auch ins persische Reich.
Schon im 4.Jh. dient sie, die nunmehr die „syrische“ schlechtweg, den christlichen
Aramaeern am Tigris als Schriftsprache.
Die Bluetezeit des Syrischen reicht bis ins 7.Jh.
Die Syrer gehoerten damals dem roemischen, teils dem persischen Reiche
an. Dazu kamen die kirchlichen Spaltungen, namentlich durch die unseligen
christologischen Auseinandersetzungen. Die persischen Syrer entschieden
sich meistens fuer die nestorianische, die roemischen fuer die orthodoxe
Lehre. Diese kirchliche Spaltung verhinderte die gleichmaessige Ausbildung
der syrischen Schriftsprache, die in zwei Dialekten, dem oestlichen und
westlichen, vorliegt. Die Eroberung der aramaeischen Laender durch die
Araber bracht eder herrschenden Stellung des Syrischen ein jaehes Ende.
Zwar blieb es in Edessa noch einige Zeit lebendig, und in abgelegenen Gegenden
erhielten sich aramaeische Dialekte lange, teilweise sogar bis auf den
heutigen Tag, aber das Syrische verlor rasch seine Stellung als Umgangssprache
der Gebildeten in weiten Laendern.
Die aelsteste syrische Schrift ist Estrangelâ,
aus der sich die der oestlichen Syrer (Nestorianer, Chaldaeer) und die
der westlichen Syrer (Orthodoxe, Maroniten und Katholiken), deren eigentlicher
Name Sertô ist.