Nelson Mandela - Winnie Mandela

  von Kathrin Feldkamp

     Links zu den Abschnitten dieses Artikels:
     > Einleitung
     > Die erste Begegnung mit Nelson Mandela
     > Die Hochzeit
     > Hochzeitsgeschenke
     > Stationen einer Ehe
     > Folgenschwere Verhaftungen in Rivonia
     > Der Prozeß
     > Urteil: Lebenslänglich
     > Ein Leben ohne Nelson
     > Die Anklage gegen Winnie
     > Das Leben nach der Verurteilung
 

  Einleitung

  Winnie Mandela
  Winnie Mandela
  aus dem Internetangebot Encarta Online

  Winnie Mandela, Ex-Frau des südafrikanischen Staatspräsidenten
  Nelson Mandela, kam 1934 als ungewollte Tochter eines
  Lehrerehepaares zur Welt. In einer einfachen Wellblechkirche in
  Idutywa, einem Landflecken in der Transkei, wurde sie auf den
  Namen Nomzamo Zaniewe Winnifred Madikiziela getauft. Ihre Eltern
  riefen sie Ntombi, später in der Schule wurde sie Winnie genannt.
 

  Anfang der Seite
 

  Die erste Begegnung mit Nelson Mandela
  Winnie Mandela war die erste schwarze Sozialarbeiterin im
  medizinischen Bereich im Baragwanath African Hospital. Sie sah
  Nelson zum ersten Mal, als sie auf den Bus wartete und er in
  seinem Wagen vorüberfuhr. Eines Tages stellte ihr ihre Gefährtin
  aus dem Wohnheim, Adelaide Tsukudu, ihn als ihren Bekannten Nelson
  Mandela vor. Von dem braunen Hünen mit dem dicken, auf einer Seite
  gescheitelten Haarschopf und einem Lächeln, das sie auf eine Weise
  berührte wie nichts vorher in ihrem Leben, war Winnie wie
  geblendet.

  Schon bald sah sie Nelson häufiger. Er bot ihr an, sein Büro zu
  nutzen, falls sie einen ruhigen Platz zum Studieren brauchte und
  außerdem nahm er sie häufig mit zu seinen Freunden.

  Wenn Winnie über seine Gefühle zu ihr irgendwelche Zweifel hatte,
  dann wurden sie eines Nachts im Bantu-Bürgerzentrum zerstreut. Sie
  besuchten dort ein ANC-Solidaritätsfest, als plötzlich mit Messern
  geworfen wurde und Schüsse fielen. Winnie duckte sich unter einen
  Tisch, Nelson war sofort neben ihr, zog sie nach draußen und
  führte sie zu seinem Wagen. Daß er so um ihre Sicherheit besorgt
  war, zeigte ihr, daß er sie liebte.
 

  Anfang der Seite
 

  Die Hochzeit
  Nelson war von ganzem Herzen überzeugt, daß Winnie die Frau war,
  die er heiraten wollte. Nachdem er sich darüber absolut sicher
  war, war für ihn auch klar, sie seinen Freunden vorzustellen.
  Diese waren zu diesem Zeitpunkt alle in der Drill Hall versammelt,
  wo die Voruntersuchungen für den Hochverratsprozesses
  in vollem Gange waren. Als sie zur verabredeten Zeit dort
  erschien, sah Nelson sie sofort und stellte sie umgehend seinen
  Mitstreitern Häuptling Luthuli, Professor Matthews, Moses Kotane,
  Doktor Naicker, Walter Sisulu und Ismail Meer vor.

  1957 wurde die Scheidung von Nelsons Frau Evelyn amtlich und 1958
  bestellte er das Aufgebot für die Heirat mit Winnie. Als Winnie es
  ihrem ehemaligen Lebensgefährten Barney Sampson, mit dem sie fast
  das gesamte Jahr 1957 verbracht hatte, erzählte, war dieser
  schockiert. Er nahm eine Überdosis Medikamente und wurde ins
  Krankenhaus eingeliefert. Barney überlebte diesen
  Selbstmordversuch und mit der Hilfe Winnies kam er schließlich
  auch über die Enttäuschung hinweg.

  Nelsons Ex-Frau Evelyn
  Nelsons Ex-Frau Evelyn
  "Nelson Mandela" von Albrecht
  Hagemann, erschienen im Rowohlt
  Taschenbuch Verlag GmbH, 1995

  In Orlando fand dann die offizielle Verlobungsfeier mit Nelson
  Mandela statt. Der Champagner floß in Strömen und Winnie strahlte
  in ihrem hellgrünen Abendkleid, das Nelson ihr gekauft hatte.

  Geheiratet wurde in einer Kirche in der Suduke Missionsstation.
  Nach der Trauung fuhr die Hochzeitsgesellschaft zum
  Stammhaus, der Madikizielasippe, wo getanzt, gesungen und gefeiert
  wurde.

  Nelson und Winnie Mandela bei ihrer Hochzeit
  Nelson und Winnie Mandela bei
  ihrer Hochzeit
  aus dem Internetangebot Encarta Online

  Am späten Nachmittag fuhr die ganze Gesellschaft dann nach Bisan,
  wo man zum erstenmal den Gemeindesaal an einen Afrikaner vermietet
  hatte. Scrape Ntshona hämmerte auf dem Klavier den
  Hochzeitsmarsch, Braut und Bräutigam dankten und marschierten im
  Takt dazu ein. Danach wurden Reden gehalten und Nelson wurde für
  sein erstaunliches Engagement bewundert.

  Vom Kuchen wurden dreizehn Stücke, also soviel, wie Gäste da
  waren, angeschnitten. Das vierzehnte Stück bewahrte man auf
  wickelte es gut ein, damit die Braut es zum Vaterhaus ihres
  Gemahls in Tembuland mitnähme. Nelson sollte jedoch nie die
  Gelegenheit haben, mit ihr dorthin zu fahren, so ist das
  vierzehnte Stück bis zu seiner Entlassung aus dem Gefängnis am
  11.2.1990 eingewickelt geblieben.
 

  Anfang der Seite
 

  Hochzeitsgeschenke
  Als das Fest fünf Tage angedauert hatte, verabschiedeten sich
  Braut und Bräutigam, damit Nelson seine Bannauflagen erfüllen und
  wieder rechtzeitig in Johannesburg sein konnte. Kokani führte
  Tochter und Schwiegersohn in die Hütte, in der die Geschenke, die
  sie bekommen hatten aufbewahrt wurden. Darunter waren u.a.
  Grasmatten und Tontöpfe sowie sehr lebendiges und um sich
  schlagendes Kleinvieh und Federvieh, aufbewahrt wurde. Nelson
  jedoch wies die Geschenke zurück, da sie schließlich als
  Anerkennung für die Madikizielas gedacht waren. Zwei Hühner nahm
  er doch an, um seinen guten Willen zu zeigen.

  Ein paar Wochen später wurde Winnie offiziell und feierlich in den
  Stamm aufgenommen und erhielt den Namen Nobandla.
 

  Anfang der Seite
 

  Stationen einer Ehe
  Winnie und Nelson zogen in ein kleines Häuschen im Schwarzenghetto
  von Johannesburg, aber es blieben ihnen nur einige Wochen bis zum
  Beginn des Hochverratsprozesses am 1.8.1958 in Pretoria. In dieser
  Zeit trat Winnie der Frauenliga des ANC und der gemischtrassischen
  Föderation südafrikanischer Frauen bei. Sie wurde bald in den
  Vorstand beider Organisationen gewählt und beteiligte sich an
  Protestmärschen. Bei einem dieser Märsche für die Rechte der
  Frauen wurde sie verhaftet und mußte für einen Monat ins
  Gefängnis. Eine erste schreckliche Erfahrung für die schwangere
  Winnie.

  Nelson Mandela
  Nelson Mandela
  aus einem Internetangebot

  Im Februar 1959 kam dann ihre erste Tochter Zenani auf die Welt.
  Sie wurde in eine schwierige Zeit hineingeboren. Der Prozeß gegen
  Nelson zog sich hin und mit ihm das ewige Pendeln zwischen
  Johannesburg und Pretoria. Nelsons Anwaltspraxis kümmerte vor sich
  hin, die Miete für das Büro war hoch, doch von Einkünften konnte
  kaum die Rede sein. Als Zenani 5 Monate alt war, fing Winnie
  wieder an zu arbeiten. Sie ertrug das Hausfrauendasein nicht
  länger und wurde als Sozialarbeiterin bei der Johannesburger
  Jugendfürsorge eingestellt.

  Kurz darauf wurde sie wieder schwanger, doch sie erlitt eine
  Fehlgeburt. Eine darauffolgende dritte Schwangerschaft verlief
  dagegen glücklicher und Winnie bekam im Jahre 1960 eine zweite
  Tochter namens Zindzi.

  Am 29.März 1961, fünf Jahre nach Prozeßbeginn, wies das Gericht
  die Klage gegen Nelson Mandela ab und er war frei. Aber schon nach
  wenigen Wochen wurden Winnies Hoffnungen auf ein normales
  Familienleben wieder zerstört. Während Nelsons letzte Wochen
  außerhalb der Gefängnismauern begannen, geriet auch Winnies
  Familie immer tiefer in den Strudel der Ereignisse. Ihr Vater
  kämpfte nicht auf ihrer und Nelsons Seite, sondern er bekämpfte
  all das, wofür sie beide lebten. Es kam zu blutigen Überfällen in
  ihrer Heimat und ihr Vater entging nur knapp einem Mordanschlag.

  Winnie war hin - und hergerissen in ihren Gefühlen. Sie liebte
  ihren Vater aber seine Politik lehnte sie ab. Sie erinnerte sich
  an früher und wie schön es war und gleichzeitig wurden in ihrem
  Haus Pläne gegen ihn geschmiedet.

  Aber noch hatte sie als Stütze und Stärke Nelson neben sich.
  Allerdings sollte sich das schon bald ändern. Nelsons Kampf gegen
  die Apartheid trat schon Ende Mai in eine entscheidende Phase.
  Nelson wurde zum Generalsekretär des Nationalen Aktionsrates
  gewählt und damit beauftragt, Massendemonstrationen und Streiks zu
  organisieren. Das hieß für ihn die Familie zu verlassen und in den
  Untergrund abzutauchen, denn was er tat war illegal.
 
  Im Haushalt der Mandelas war von nun an die Polizei ständiger
  Gast. Sie suchten Nelson, der aber jeden Kontakt zu seiner Familie
  vermied. Am 5.August 1962 wurde Nelson verhaftet. Winnie erfuhr es
  am Tag darauf auf ihrer Arbeitsstelle, wo ihr jemand die
  Tageszeitung zeigte.

  Der Schock traf sie tief, aber es war ihr noch nicht wirklich
  bewußt, daß sie ihren Gatten tatsächlich verloren hatte, daß ihre
  Töchter selbst Kinder haben würden, während er immer noch im
  Gefängnis saß.

  Während der Untersuchungshaft durfte Winnie ihren Mann noch
  besuchen, aber später, auf Robben Island, wurde er in Einzelhaft
  gesteckt und von der Außenwelt völlig isoliert. Winnies Hoffnungen
  auf ein Wiedersehen mit ihm wurden immer wieder zunichte gemacht.
  Im Januar 1963 wurde Winnie unter Bann gestellt. Sie hatte eine
  schwere Verantwortung zu tragen, denn es galt, die Kinder zu
  versorgen. Sie tat wirklich alles was sie konnte und war dankbar
  dafür, daß sie einen Job und ein geregeltes Einkommen hatte. Den
  ganzen Tag über lächelte sie tapfer - nachts war das eine andere
  Geschichte. Manchmal hatte sie das Gefühl, sie müßte vor
  Einsamkeit verrückt werden. Zenani und Zindzi blieben die
  tragischen Veränderungen, die sich in der Familie zugetragen
  hatten, noch verborgen, den älteren Kindern aus Nelsons Ehe mit
  Evelyn, waren sie allerdings bewußt.
 

  Anfang der Seite
 

  Folgenschwere Verhaftungen in Rivonia
  In der Nacht vom 11. auf den 12.Juli 1963 wurde eine
  Untergrundaktion von der Polizei entdeckt und alle Anwesenden
  wurden verhaftet. Darunter war auch Walter Sisulu, ehemaliger
  Generalsekretär des ANC, hinter dem die Polizei seit mehreren
  Monaten her war.

  Alle, die man in Rivonia gefangengenommen hatte, hielt man
  aufgrund des 90-Tage-Gesetzes fest. Zwei Gefangenen gelang während
  dieser Zeit die Flucht aus dem Gefängnis, gegen zwei weitere wurde
  die Klage fallengelassen. Die restlichen Angeklagten
  identifizierte man als Mitglieder des Oberkommandos und des
  Umkhonto we Sizwe.

  In der zweiten Anklageschrift wurde der Prozeß als "In Sachen des
  Staates gegen Mandela und andere" bezeichnet. Man beschuldigte sie
  der Sabotage und des Versuchs, in Konspiration mit gebannten
  Personen und Organisationen und unter Mithilfe militärischer
  Einheiten aus dem Ausland in der Republik Südafrika eine
  gewaltsame Revulotion in Gang setzen zu wollen.

  Der Prozeß, den man "In Sachen des Staates gegen das Nationale
  Oberkommando" oder auch "Nelson Mandela und die anderen neun"
  nannte, wurde am 9. Oktober 1963 im Justizpalast in Pretoria
  eröffnet. Nelson war Hauptangeklagter.

  Das einzig Positive, welches der Prozeß mit sich brachte, war,
  daß Nelson im Gericht Familienangehörige und Freunde wiedersah.
  Doch er vermißte Winnie, die sich wegen ihres Bannes für den
  Besuch des Gerichts eine Sondergenehmigung beantragen mußte. Doch
  die verweigerte man ihr. Als sei es damit noch nicht genug,
  durchsuchte die Polizei ihr Haus und verhaftete einen jungen
  Verwandten, der bei Winnie wohnte.
 

  Anfang der Seite
 

  Der Prozeß
  Der Prozeß begann, doch Winnie besaß noch immer keine Genehmigung.
  Deshalb reichte sie ein persönliches Gesuch beim Premierminister
  ein. Er lenkte ein, drohte aber gleichzeitig an: "Sollte Ihre
  Anwesenheit oder Ihr Auftreten im Gericht, sei es durch die Art
  Ihrer Kleidung oder auf irgendeine andere Weise, zu einem
  Zwischenfall von Ihnen oder anderen Anwesenden hervorgerufen
  werden, wird diese Genehmigung sofort zurückgezogen."

  Als der Prozeß am 14. April fortgesetzt wurde, war Winnie, in
  unaufdringlicher europäischer Kleidung, anwesend. Nelson konnte
  sich nur stillvergnügt darüber amüsieren, wie sehr das bloße
  Erscheinen seiner Frau das System ins Schleudern brachte, seinen
  Gedanken hingegen gab ihre körperliche Anwesenheit enormen
  Auftrieb. Während der Verhandlungspausen hatte man Zeit, einander
  zu berühren und zu erfahren, was es in der Familie Neues gab.
  Winnie erkannte deutlich, daß Nelson auf Rat eines Arztes viel
  abgenommen hatte.
 

  Anfang der Seite
 
 

  Urteil: Lebenslänglich
  Das endgültige Urteil am, das am 11.Juni verkündet wurde, lautete
  "schuldig". Die Angeklagten hatten dies erwartet und lächelten
  noch unbekümmert. Doch als Richter de Wet mit ruhiger Stimme
  sagte: "Das Urteil lautet für die Angeklagten in allen Punkten auf
  lebenslängliche Haft!", war das Schweigen, das daraufhin im
  Gerichtssaal folgte, eine fast totengleiche, bewegungslose Stille.
  Sie durchzog auch noch den Augenblick, als die Frauen, Verwandten
  und Freunde die acht verurteilten Männer zum letzten Mal sahen,
  während diese aus dem Gerichtssaal geführt wurden.

  Die Frauen, die in ihren schwarzen und grünen Uniformen vor dem
  Gerichtssaal ruhig und fast gelangweilt warteten, wurden durch die
  Rufe der ersten Zuschauerin aus dem Palast gestört.

  Die Bewegung, die durch die Menschenmenge ging, als sie heraustrat
  - Winnie Mandela. Das Urteil "Lebenslänglich" wurde von einem Ohr
  zum anderen weiter geflüstert, wie in einem Film.

  1964, kurz nach Nelsons Urteil, durfte Winnie ihren Ehemann
  besuchen. Zwei Wochen später wurde sie mit einem zweiten Bann
  belegt, der ihr vorschrieb, Orlando nicht zu verlassen. Schlimmer
  war jedoch, daß ihr beim Jugendwohlfahrtsamt gekündigt wurde.

  Nelson und Winnie Mandela
  Nelson und Winnie Mandela
  aus einem Internetangebot

  Nelson quälte die Verfolgung Winnies. Zenani und Zindzi mußten nun
  des öfteren die Nähe der beiden Elternteile entbehren, und er
  machte sich Sorgen, wie sich das wohl auf sie auswirken würde. Er
  war wegen Winnies Isolation und Einsamkeit, des Verlustes ihrer
  Arbeitsstelle und auch darüber beunruhigt, daß sie auf Freunde und
  Verwandte verzichten mußte. Er konnte sie nicht vor der Polizei
  und den Schlägern schützen, die ihr Leben bedrohten, und das war
  ein qualvoller Zustand für ihn. Um so dankbarer war er jenen, die
  ihr in dieser harten Zeit beistanden.

  Die schwerste Last, die Nelson in den ersten vier Jahren seiner
  Haft zu tragen hatte, war der Tod seiner Mutter Nosekeni Mandela.
  Ihr Begräbnis im Oktober 1968 stand im krassen Gegensatz zu ihrem
  sonst bescheidenen Leben. Man erteilte Winnie die Genehmigung, zum
  Begräbnis in die Transkei zu fahren. Sie brach am Grab zusammen
  und weinte bitterlich. Neuigkeiten aus erster Hand über die
  Krankheit seiner Mutter und das Begräbnis erhielt Nelson erst drei
  Monate später, als er von Winnie besucht wurde. Zwei Jahre sollten
  vergehen, bevor sie sich wiedersahen, denn Winnie würde man wenige
  Monate später verhaften und für fast anderthalb Jahre in
  Einzelhaft stecken. Ihre Familie wurde auf eine harte Probe
  gestellt. Solange der Bannspruch Gültigkeit hatte, beschuldigte
  man Winnie im Durchschnitt mindestens einmal pro Jahr, sie habe
  gegen seine Auflagen verstoßen, und zweimal wanderte sie wegen
  formaler Verstöße ins Gefängnis.

  Robben Island, wo Nelson Mandela 28 Jahre seine Lebens verbrachte Robben Island, wo Nelson Mandela 28 Jahre seine Lebens verbrachte
  Robben Island, wo Nelson Mandela 28 Jahre seine Lebens verbrachte
  (beide Bilder)
  aus einem Internetangebot (beide Bilder)
 

  Anfang der Seite
 

  Ein Leben ohne Nelson
  Für Winnie erwies sich ein Überleben ohne Nelson nur dadurch als
  möglich, daß sie so handelte wie er. Sie stürzte sich in
  politische Aktivitäten, machte Opfer von politischer Verfolgung
  ausfindig und ging daran, Unterstützung für sie zu organisieren.
  An der Ausübung ihres Berufes gehindert, arbeitete sie ohne
  Bezahlung und konzentrierte sich dabei auf die, die ihre Hilfe
  besonders nötig hatten. Sie zog eine Arbeitsgruppe an sich heran
  und nahm mit anderen politischen Aktivisten Verbindung auf.
  Emissäre erschienen mitten in der Nacht und gaben bekannt, wo die
  Flugblätter versteckt lagen, die verteilt werden mußten. Kuriere
  wurden nie ausgefragt, ihre bona fides (ihre Echtheit) als
  selbstverständlich vorausgesetzt.

  Selbst wenn Winnie sich dazu entschieden hätte, sich aus der
  Politik herauszuhalten, hätte der Staat sie nicht in Ruhe
  gelassen. Als Gebannte stand sie unter ständiger polizeilicher
  Überwachung, egal ob das nun geschah, weil man sie für besonders
  unfallgefährdet hielt oder weil sie einfach nur die Frau des
  Mannes war, den sie am meisten fürchteten, auf jeden Fall wurde
  sie auf Schritt und Tritt beobachtet.

  Die Polizei versuchte ihr sogar einmal Ehebruch anzuhängen, doch
  Winnie kam aus der Sache heil und mit intaktem Ruf wieder heraus.

  Am 9.Juli 1966 sollten sich die Mandelas zum zweiten Mal im
  Robben-Island-Gefängnis sehen. Nach einigen Problemen mit dem Paß
  von Winnie war es so weit, sie durften sich nach zwei Jahren zum
  ersten Mal wiedersehen.

  Nach dem Treffen verfolgte die Polizei Winnie zum Flughafen, von
  wo sie nach Johannesburg abfliegen wollte, und verlangte von ihr
  ihren Namen und ihre Anschrift. Irritiert gab sie zurück, die
  wüßten sie bereits, wie sonst hätten sie sie erkannt. Man legte
  ihr zur Last, sie habe sich geweigert, sich gegenüber der Polizei
  auszuweisen, und sich bei ihrer Ankunft in Kapstadt nicht
  gemeldet. Für den ersten Anklagepunkt erhielt sie einen Monat, für
  den zweiten ein volles Jahr Gefängnis. Das Urteil  wurde jedoch,
  bis auf vier Tage, auf Bewährung ausgesetzt und Winnie schließlich
  gegen eine Kaution von 20 Rand auf freien Fuß gesetzt. Die
  Berufung, die ihr Anwalt veranlasste, verlor sie aber und mußte
  die besagten vier Tage absitzen.

  In der Zwischenzeit fand sie einen Job als Sekretärin an einem
  Fernlehrinstitut, doch mit dem Argument, ihre Bannauflagen
  gestatten ihr keine Beschäftigung an einer Bildungseinrichtung,
  zwang die Staatsgewalt ihren Arbeitgeber sie zu entlassen.

  Zwischen 1966 und 1969 klagte man Winnie dreimal an und hielt sie
  insgesamt 491 Tage lang in Gewahrsam.

  Die Bannsprüche zwangen sie dazu, allein zu leben. 1972 brachen
  zwei Männer in ihr Haus ein und versuchten, sie im Bett zu
  erdrosseln. Ihre Schreie riefen jedoch die Nachbarn herbei, und
  die Angreifer flohen.

  Wenige Monate später wurde ihre Garagentür aufgebrochen und die
  Scheiben ihres Wagens zertrümmert. 1976 zerschnitten Randalierer
  die Telefondrähte, warfen die Fensterscheiben ein, traten die Tür
  ein und luden regierungsfeindliche Flugblätter in ihrem Garten ab.

  Der Bannspruch war für Winnie nicht nur ein Bannspruch, sondern
  eine staatliche Strategie für dauernde Schikanen.

  1977 verbannte die Regierung Winnie Mandela, die sich während des
  Schüleraufstandes von Soweto 1976 an die Spitze einer
  Elternvereinigung gestellt hatte, nach Brandfort/Oranje-Freistaat.
  Sie konnte erst 1985 aus der Verbannung nach Soweto zurückkehren.
  Weltweit war sie nun hochgeachtet, eine eigenständige
  Persönlichkeit, die den Kampf ihres Mannes fortsetzte. Der
  Ehrentitel "Mama Wetu", Mutter der Nation, war Ausdruck dieser
  Achtung.

  Winnie Mandela mit ihrer ältesten Tochter Zenani
  Winnie Mandela mit ihrer ältesten
  Tochter Zenani
  aus einem Internetangebot

  Doch sie geriet immer häufiger in die Kritik, wenn unbedachte
  Äußerungen, die Schwächen ihres Politikverständnisses offenbarten
  und so zu einer Belastung für den schwarzen Widerstand wurden. So
  zum Beispiel, als sie öffentlich die Hinrichtung von schwarzen
  Spitzeln mittels brennender Halskrausen guthieß, oder die
  Sowjetunion "das Ziel all ihrer Hoffnungen und Sehnsüchte" nannte.
 

  Anfang der Seite
 

  Die Anklage gegen Winnie
  Im Februar 1989 kam der Verdacht auf, daß das von Winnie
  gegründete "Mandela United Football Team", dessen Mitglieder ihr
  als Leibwächter dienten, in Fälle von Entführung,
  Körperverletzung, Vergewaltigung und Mord verwickelt war. Abu
  Baker Asvat, ein mit den Mandelas befreundeter Arzt, der die
  gefolterten Kinder behandelt hatte, wurde im Januar 1989
  erschossen aufgefunden. Die Bevölkerung von Soweto und der ANC
  verwehrten Winnie zunehmend ihre Unterstützung. Aus Protest
  steckte man ihr Haus an und es gab Stimmen, die ihr das Tragen des
  Namens Mandela verbieten wollten. Symbolisch von der Presse fast
  schon zu Grabe getragen, kehrte Winnie im Februar 1990 noch einmal
  auf die politische Bühne zurück, nun an der Seite ihres Mannes
  Nelson, der nach seiner Freilassung am 11.2.1990 Winnie ein
  glanzvolles Comeback ermöglichte.

  Im Februar 1991 begann der Strafprozeß gegen Winnie Mandela wegen
  Mißhandlung von vier schwarzen Jugendlichen in ihrem eigenen Haus
  in der Schwarzensiedlung in Soweto. Angeblich wußte sie nichts von
  den tagelangen Folterungen vom 29. bis 31.12.1988, sie habe nie
  einen Mord an einem jungen Schwarzen, geschweige denn von dem
  prominenten Arzt Abu Baker Asvat angeordnet. Behauptet hatten dies
  insgesamt fast 70 Stunden lang, 38 Zeugen, darunter namhafte
  Politiker, Geistliche und unbescholtene Familienväter, die bis
  heute ihre Söhne vermissen. Der Trainer des Fußballklubs "Mandela
  United", Jerry Richardson, hatte zugegeben, insgesamt sechs Morde
  im Auftrag von Frau Mandela verübt zu haben. Mehrere Zeugen
  erklärten, sie seien von ihr brutal geschlagen worden. "Das ist
  lächerlich, es ist kein Wort wahr, und wer so etwas behauptet ist
  ein Lügner!", sagte Winnie im Zeugenstand der südafrikanischen
  Wahrheitskomission.

  Der Strafprozeß endete im Mai 1991 mit der Verurteilung Winnie
  Mandelas zu sechs Jahren Haft ohne Bewährung. Sie legte Berufung
  ein, blieb gegen Kaution auf  freiem Fuß und konnte im Juni 1992
  an der Johannesburger Universität die Abschlu0prüfung im Fach
  Sozialanthropologie ablegen. Das oberste Berufungsgericht
  bestätigte 1993 die Verurteilung, veränderte aber das Strafmaß in
  eine hohe Geldstrafe und eine auf fünf Jahre Bewährung ausgesetzte
  Haftstrafe.

  Bereits 1992 war Winnie von ihren ANC-Funktionen zurückgetreten.
  Aus der ANC-Frauenliga wurde sie suspendiert und im April des
  gleichen Jahres erklärte Nelson Mandela die Trennung von seiner
  Frau.
 

  Anfang der Seite
 

  Das Leben nach der Verurteilung
  Ende 1993: Wahl zur nationalen Vizepräsidentin der "Civics" und
  wiederholt zur Präsidentin der ANC-Frauenliga.

  April 1994: Wahl zur stellvertretenden Ministerin für Kunst,
  Kultur, Wissenschaft und Technik im neuen Kabinett.

  Februar 1995: Rücktritt von elf der 25 Vorstandsmitgliedern der
  Frauenliga wegen des "undemokratischen und selbstherrlichen
  Führungsstils" der Präsidentin Mandela.

  März 1995: Nelson Mandela entlässt seine von ihm getrennt lebende
  Frau aus der Regierung. Ihr wird vorgeworfen, Bestechungsgelder
  entgegengenommen zu haben.

  November 1995: Nelson Mandela übernimmt die Schulden seiner Frau
  in Höhe von 505.000 Rand.

  März 1996: Winnie und Nelson Mandela werden nach 38 Ehejahren
  offiziell geschieden.

  Das Ehepaar konnte wegen der Verhaftung Nelsons nur sieben Jahre
  gemeinsam verbringen.

  November 1997: Erneute Anhörung vor der Wahrheitskomission, bei
  der es um Morde und Folterungen der ehemaligen Leibwächter Winnie
  Mandelas geht. Sie wird u.a. beschuldigt, Morde befohlen zu haben.
 

  vgl.: "Nelson Mandela - Stimme der Hoffnung" von Fatima Meer,
        erschienen im Wilhelm Heyne Verlag, München,
        Berliner Morgenpost vom 5.12.1997,
        Munzinger - Archiv/Internationales biographisches Archiv -
        Personen Aktuell,
        FAZ vom 13.2.1989
 

  Anfang der Seite