von Kathrin Feldkamp
Links zu den Abschnitten
dieses Artikels:
> Einleitung
> Die erste Begegnung mit
Nelson Mandela
> Die Hochzeit
> Hochzeitsgeschenke
> Stationen einer Ehe
> Folgenschwere Verhaftungen
in Rivonia
> Der Prozeß
> Urteil: Lebenslänglich
> Ein Leben ohne Nelson
> Die Anklage gegen Winnie
> Das Leben nach der Verurteilung
Winnie Mandela
aus dem Internetangebot
Encarta Online
Winnie Mandela, Ex-Frau des südafrikanischen
Staatspräsidenten
Nelson Mandela, kam 1934 als ungewollte
Tochter eines
Lehrerehepaares zur Welt. In einer
einfachen Wellblechkirche in
Idutywa, einem Landflecken in der
Transkei, wurde sie auf den
Namen Nomzamo Zaniewe Winnifred Madikiziela
getauft. Ihre Eltern
riefen sie Ntombi, später in
der Schule wurde sie Winnie genannt.
Die erste Begegnung
mit Nelson Mandela
Winnie Mandela war die erste schwarze
Sozialarbeiterin im
medizinischen Bereich im Baragwanath
African Hospital. Sie sah
Nelson zum ersten Mal, als sie auf
den Bus wartete und er in
seinem Wagen vorüberfuhr. Eines
Tages stellte ihr ihre Gefährtin
aus dem Wohnheim, Adelaide Tsukudu,
ihn als ihren Bekannten Nelson
Mandela vor. Von dem braunen Hünen
mit dem dicken, auf einer Seite
gescheitelten Haarschopf und einem
Lächeln, das sie auf eine Weise
berührte wie nichts vorher in
ihrem Leben, war Winnie wie
geblendet.
Schon bald sah sie Nelson häufiger.
Er bot ihr an, sein Büro zu
nutzen, falls sie einen ruhigen Platz
zum Studieren brauchte und
außerdem nahm er sie häufig
mit zu seinen Freunden.
Wenn Winnie über seine Gefühle
zu ihr irgendwelche Zweifel hatte,
dann wurden sie eines Nachts im Bantu-Bürgerzentrum
zerstreut. Sie
besuchten dort ein ANC-Solidaritätsfest,
als plötzlich mit Messern
geworfen wurde und Schüsse fielen.
Winnie duckte sich unter einen
Tisch, Nelson war sofort neben ihr,
zog sie nach draußen und
führte sie zu seinem Wagen. Daß
er so um ihre Sicherheit besorgt
war, zeigte ihr, daß er sie
liebte.
Die Hochzeit
Nelson war von ganzem Herzen überzeugt,
daß Winnie die Frau war,
die er heiraten wollte. Nachdem er
sich darüber absolut sicher
war, war für ihn auch klar, sie
seinen Freunden vorzustellen.
Diese waren zu diesem Zeitpunkt alle
in der Drill Hall versammelt,
wo die Voruntersuchungen für
den Hochverratsprozesses
in vollem Gange waren. Als sie zur
verabredeten Zeit dort
erschien, sah Nelson sie sofort und
stellte sie umgehend seinen
Mitstreitern Häuptling Luthuli,
Professor Matthews, Moses Kotane,
Doktor Naicker, Walter Sisulu und
Ismail Meer vor.
1957 wurde die Scheidung von Nelsons
Frau Evelyn amtlich und 1958
bestellte er das Aufgebot für
die Heirat mit Winnie. Als Winnie es
ihrem ehemaligen Lebensgefährten
Barney Sampson, mit dem sie fast
das gesamte Jahr 1957 verbracht hatte,
erzählte, war dieser
schockiert. Er nahm eine Überdosis
Medikamente und wurde ins
Krankenhaus eingeliefert. Barney überlebte
diesen
Selbstmordversuch und mit der Hilfe
Winnies kam er schließlich
auch über die Enttäuschung
hinweg.
Nelsons Ex-Frau Evelyn
"Nelson Mandela" von
Albrecht
Hagemann, erschienen
im Rowohlt
Taschenbuch Verlag GmbH,
1995
In Orlando fand dann die offizielle
Verlobungsfeier mit Nelson
Mandela statt. Der Champagner floß
in Strömen und Winnie strahlte
in ihrem hellgrünen Abendkleid,
das Nelson ihr gekauft hatte.
Geheiratet wurde in einer Kirche in
der Suduke Missionsstation.
Nach der Trauung fuhr die Hochzeitsgesellschaft
zum
Stammhaus, der Madikizielasippe, wo
getanzt, gesungen und gefeiert
wurde.
Nelson und Winnie Mandela
bei
ihrer Hochzeit
aus dem Internetangebot
Encarta Online
Am späten Nachmittag fuhr die
ganze Gesellschaft dann nach Bisan,
wo man zum erstenmal den Gemeindesaal
an einen Afrikaner vermietet
hatte. Scrape Ntshona hämmerte
auf dem Klavier den
Hochzeitsmarsch, Braut und Bräutigam
dankten und marschierten im
Takt dazu ein. Danach wurden Reden
gehalten und Nelson wurde für
sein erstaunliches Engagement bewundert.
Vom Kuchen wurden dreizehn Stücke,
also soviel, wie Gäste da
waren, angeschnitten. Das vierzehnte
Stück bewahrte man auf
wickelte es gut ein, damit die Braut
es zum Vaterhaus ihres
Gemahls in Tembuland mitnähme.
Nelson sollte jedoch nie die
Gelegenheit haben, mit ihr dorthin
zu fahren, so ist das
vierzehnte Stück bis zu seiner
Entlassung aus dem Gefängnis am
11.2.1990 eingewickelt geblieben.
Hochzeitsgeschenke
Als das Fest fünf Tage angedauert
hatte, verabschiedeten sich
Braut und Bräutigam, damit Nelson
seine Bannauflagen erfüllen und
wieder rechtzeitig in Johannesburg
sein konnte. Kokani führte
Tochter und Schwiegersohn in die Hütte,
in der die Geschenke, die
sie bekommen hatten aufbewahrt wurden.
Darunter waren u.a.
Grasmatten und Tontöpfe sowie
sehr lebendiges und um sich
schlagendes Kleinvieh und Federvieh,
aufbewahrt wurde. Nelson
jedoch wies die Geschenke zurück,
da sie schließlich als
Anerkennung für die Madikizielas
gedacht waren. Zwei Hühner nahm
er doch an, um seinen guten Willen
zu zeigen.
Ein paar Wochen später wurde Winnie
offiziell und feierlich in den
Stamm aufgenommen und erhielt den
Namen Nobandla.
Stationen einer
Ehe
Winnie und Nelson zogen in ein kleines
Häuschen im Schwarzenghetto
von Johannesburg, aber es blieben
ihnen nur einige Wochen bis zum
Beginn des Hochverratsprozesses am
1.8.1958 in Pretoria. In dieser
Zeit trat Winnie der Frauenliga des
ANC und der gemischtrassischen
Föderation südafrikanischer
Frauen bei. Sie wurde bald in den
Vorstand beider Organisationen gewählt
und beteiligte sich an
Protestmärschen. Bei einem dieser
Märsche für die Rechte der
Frauen wurde sie verhaftet und mußte
für einen Monat ins
Gefängnis. Eine erste schreckliche
Erfahrung für die schwangere
Winnie.
Nelson Mandela
aus einem Internetangebot
Im Februar 1959 kam dann ihre erste
Tochter Zenani auf die Welt.
Sie wurde in eine schwierige Zeit
hineingeboren. Der Prozeß gegen
Nelson zog sich hin und mit ihm das
ewige Pendeln zwischen
Johannesburg und Pretoria. Nelsons
Anwaltspraxis kümmerte vor sich
hin, die Miete für das Büro
war hoch, doch von Einkünften konnte
kaum die Rede sein. Als Zenani 5 Monate
alt war, fing Winnie
wieder an zu arbeiten. Sie ertrug
das Hausfrauendasein nicht
länger und wurde als Sozialarbeiterin
bei der Johannesburger
Jugendfürsorge eingestellt.
Kurz darauf wurde sie wieder schwanger,
doch sie erlitt eine
Fehlgeburt. Eine darauffolgende dritte
Schwangerschaft verlief
dagegen glücklicher und Winnie
bekam im Jahre 1960 eine zweite
Tochter namens Zindzi.
Am 29.März 1961, fünf Jahre
nach Prozeßbeginn, wies das Gericht
die Klage gegen Nelson Mandela ab
und er war frei. Aber schon nach
wenigen Wochen wurden Winnies Hoffnungen
auf ein normales
Familienleben wieder zerstört.
Während Nelsons letzte Wochen
außerhalb der Gefängnismauern
begannen, geriet auch Winnies
Familie immer tiefer in den Strudel
der Ereignisse. Ihr Vater
kämpfte nicht auf ihrer und Nelsons
Seite, sondern er bekämpfte
all das, wofür sie beide lebten.
Es kam zu blutigen Überfällen in
ihrer Heimat und ihr Vater entging
nur knapp einem Mordanschlag.
Winnie war hin - und hergerissen in
ihren Gefühlen. Sie liebte
ihren Vater aber seine Politik lehnte
sie ab. Sie erinnerte sich
an früher und wie schön
es war und gleichzeitig wurden in ihrem
Haus Pläne gegen ihn geschmiedet.
Aber noch hatte sie als Stütze
und Stärke Nelson neben sich.
Allerdings sollte sich das schon bald
ändern. Nelsons Kampf gegen
die Apartheid trat schon Ende Mai
in eine entscheidende Phase.
Nelson wurde zum Generalsekretär
des Nationalen Aktionsrates
gewählt und damit beauftragt,
Massendemonstrationen und Streiks zu
organisieren. Das hieß für
ihn die Familie zu verlassen und in den
Untergrund abzutauchen, denn was er
tat war illegal.
Im Haushalt der Mandelas war von nun
an die Polizei ständiger
Gast. Sie suchten Nelson, der aber
jeden Kontakt zu seiner Familie
vermied. Am 5.August 1962 wurde Nelson
verhaftet. Winnie erfuhr es
am Tag darauf auf ihrer Arbeitsstelle,
wo ihr jemand die
Tageszeitung zeigte.
Der Schock traf sie tief, aber es war
ihr noch nicht wirklich
bewußt, daß sie ihren
Gatten tatsächlich verloren hatte, daß ihre
Töchter selbst Kinder haben würden,
während er immer noch im
Gefängnis saß.
Während der Untersuchungshaft
durfte Winnie ihren Mann noch
besuchen, aber später, auf Robben
Island, wurde er in Einzelhaft
gesteckt und von der Außenwelt
völlig isoliert. Winnies Hoffnungen
auf ein Wiedersehen mit ihm wurden
immer wieder zunichte gemacht.
Im Januar 1963 wurde Winnie unter
Bann gestellt. Sie hatte eine
schwere Verantwortung zu tragen, denn
es galt, die Kinder zu
versorgen. Sie tat wirklich alles
was sie konnte und war dankbar
dafür, daß sie einen Job
und ein geregeltes Einkommen hatte. Den
ganzen Tag über lächelte
sie tapfer - nachts war das eine andere
Geschichte. Manchmal hatte sie das
Gefühl, sie müßte vor
Einsamkeit verrückt werden. Zenani
und Zindzi blieben die
tragischen Veränderungen, die
sich in der Familie zugetragen
hatten, noch verborgen, den älteren
Kindern aus Nelsons Ehe mit
Evelyn, waren sie allerdings bewußt.
Folgenschwere
Verhaftungen in Rivonia
In der Nacht vom 11. auf den 12.Juli
1963 wurde eine
Untergrundaktion von der Polizei entdeckt
und alle Anwesenden
wurden verhaftet. Darunter war auch
Walter Sisulu, ehemaliger
Generalsekretär des ANC, hinter
dem die Polizei seit mehreren
Monaten her war.
Alle, die man in Rivonia gefangengenommen
hatte, hielt man
aufgrund des 90-Tage-Gesetzes fest.
Zwei Gefangenen gelang während
dieser Zeit die Flucht aus dem Gefängnis,
gegen zwei weitere wurde
die Klage fallengelassen. Die restlichen
Angeklagten
identifizierte man als Mitglieder
des Oberkommandos und des
Umkhonto we Sizwe.
In der zweiten Anklageschrift wurde
der Prozeß als "In Sachen des
Staates gegen Mandela und andere"
bezeichnet. Man beschuldigte sie
der Sabotage und des Versuchs, in
Konspiration mit gebannten
Personen und Organisationen und unter
Mithilfe militärischer
Einheiten aus dem Ausland in der Republik
Südafrika eine
gewaltsame Revulotion in Gang setzen
zu wollen.
Der Prozeß, den man "In Sachen
des Staates gegen das Nationale
Oberkommando" oder auch "Nelson Mandela
und die anderen neun"
nannte, wurde am 9. Oktober 1963 im
Justizpalast in Pretoria
eröffnet. Nelson war Hauptangeklagter.
Das einzig Positive, welches der Prozeß
mit sich brachte, war,
daß Nelson im Gericht Familienangehörige
und Freunde wiedersah.
Doch er vermißte Winnie, die
sich wegen ihres Bannes für den
Besuch des Gerichts eine Sondergenehmigung
beantragen mußte. Doch
die verweigerte man ihr. Als sei es
damit noch nicht genug,
durchsuchte die Polizei ihr Haus und
verhaftete einen jungen
Verwandten, der bei Winnie wohnte.
Der Prozeß
Der Prozeß begann, doch Winnie
besaß noch immer keine Genehmigung.
Deshalb reichte sie ein persönliches
Gesuch beim Premierminister
ein. Er lenkte ein, drohte aber gleichzeitig
an: "Sollte Ihre
Anwesenheit oder Ihr Auftreten im
Gericht, sei es durch die Art
Ihrer Kleidung oder auf irgendeine
andere Weise, zu einem
Zwischenfall von Ihnen oder anderen
Anwesenden hervorgerufen
werden, wird diese Genehmigung sofort
zurückgezogen."
Als der Prozeß am 14. April fortgesetzt
wurde, war Winnie, in
unaufdringlicher europäischer
Kleidung, anwesend. Nelson konnte
sich nur stillvergnügt darüber
amüsieren, wie sehr das bloße
Erscheinen seiner Frau das System
ins Schleudern brachte, seinen
Gedanken hingegen gab ihre körperliche
Anwesenheit enormen
Auftrieb. Während der Verhandlungspausen
hatte man Zeit, einander
zu berühren und zu erfahren,
was es in der Familie Neues gab.
Winnie erkannte deutlich, daß
Nelson auf Rat eines Arztes viel
abgenommen hatte.
Urteil: Lebenslänglich
Das endgültige Urteil am, das
am 11.Juni verkündet wurde, lautete
"schuldig". Die Angeklagten hatten
dies erwartet und lächelten
noch unbekümmert. Doch als Richter
de Wet mit ruhiger Stimme
sagte: "Das Urteil lautet für
die Angeklagten in allen Punkten auf
lebenslängliche Haft!", war das
Schweigen, das daraufhin im
Gerichtssaal folgte, eine fast totengleiche,
bewegungslose Stille.
Sie durchzog auch noch den Augenblick,
als die Frauen, Verwandten
und Freunde die acht verurteilten
Männer zum letzten Mal sahen,
während diese aus dem Gerichtssaal
geführt wurden.
Die Frauen, die in ihren schwarzen
und grünen Uniformen vor dem
Gerichtssaal ruhig und fast gelangweilt
warteten, wurden durch die
Rufe der ersten Zuschauerin aus dem
Palast gestört.
Die Bewegung, die durch die Menschenmenge
ging, als sie heraustrat
- Winnie Mandela. Das Urteil "Lebenslänglich"
wurde von einem Ohr
zum anderen weiter geflüstert,
wie in einem Film.
1964, kurz nach Nelsons Urteil, durfte
Winnie ihren Ehemann
besuchen. Zwei Wochen später
wurde sie mit einem zweiten Bann
belegt, der ihr vorschrieb, Orlando
nicht zu verlassen. Schlimmer
war jedoch, daß ihr beim Jugendwohlfahrtsamt
gekündigt wurde.
Nelson und Winnie Mandela
aus einem Internetangebot
Nelson quälte die Verfolgung Winnies.
Zenani und Zindzi mußten nun
des öfteren die Nähe der
beiden Elternteile entbehren, und er
machte sich Sorgen, wie sich das wohl
auf sie auswirken würde. Er
war wegen Winnies Isolation und Einsamkeit,
des Verlustes ihrer
Arbeitsstelle und auch darüber
beunruhigt, daß sie auf Freunde und
Verwandte verzichten mußte.
Er konnte sie nicht vor der Polizei
und den Schlägern schützen,
die ihr Leben bedrohten, und das war
ein qualvoller Zustand für ihn.
Um so dankbarer war er jenen, die
ihr in dieser harten Zeit beistanden.
Die schwerste Last, die Nelson in den
ersten vier Jahren seiner
Haft zu tragen hatte, war der Tod
seiner Mutter Nosekeni Mandela.
Ihr Begräbnis im Oktober 1968
stand im krassen Gegensatz zu ihrem
sonst bescheidenen Leben. Man erteilte
Winnie die Genehmigung, zum
Begräbnis in die Transkei zu
fahren. Sie brach am Grab zusammen
und weinte bitterlich. Neuigkeiten
aus erster Hand über die
Krankheit seiner Mutter und das Begräbnis
erhielt Nelson erst drei
Monate später, als er von Winnie
besucht wurde. Zwei Jahre sollten
vergehen, bevor sie sich wiedersahen,
denn Winnie würde man wenige
Monate später verhaften und für
fast anderthalb Jahre in
Einzelhaft stecken. Ihre Familie wurde
auf eine harte Probe
gestellt. Solange der Bannspruch Gültigkeit
hatte, beschuldigte
man Winnie im Durchschnitt mindestens
einmal pro Jahr, sie habe
gegen seine Auflagen verstoßen,
und zweimal wanderte sie wegen
formaler Verstöße ins Gefängnis.
Robben Island, wo Nelson
Mandela 28 Jahre seine Lebens verbrachte
(beide Bilder)
aus einem Internetangebot
(beide Bilder)
Ein Leben ohne
Nelson
Für Winnie erwies sich ein Überleben
ohne Nelson nur dadurch als
möglich, daß sie so handelte
wie er. Sie stürzte sich in
politische Aktivitäten, machte
Opfer von politischer Verfolgung
ausfindig und ging daran, Unterstützung
für sie zu organisieren.
An der Ausübung ihres Berufes
gehindert, arbeitete sie ohne
Bezahlung und konzentrierte sich dabei
auf die, die ihre Hilfe
besonders nötig hatten. Sie zog
eine Arbeitsgruppe an sich heran
und nahm mit anderen politischen Aktivisten
Verbindung auf.
Emissäre erschienen mitten in
der Nacht und gaben bekannt, wo die
Flugblätter versteckt lagen,
die verteilt werden mußten. Kuriere
wurden nie ausgefragt, ihre bona fides
(ihre Echtheit) als
selbstverständlich vorausgesetzt.
Selbst wenn Winnie sich dazu entschieden
hätte, sich aus der
Politik herauszuhalten, hätte
der Staat sie nicht in Ruhe
gelassen. Als Gebannte stand sie unter
ständiger polizeilicher
Überwachung, egal ob das nun
geschah, weil man sie für besonders
unfallgefährdet hielt oder weil
sie einfach nur die Frau des
Mannes war, den sie am meisten fürchteten,
auf jeden Fall wurde
sie auf Schritt und Tritt beobachtet.
Die Polizei versuchte ihr sogar einmal
Ehebruch anzuhängen, doch
Winnie kam aus der Sache heil und
mit intaktem Ruf wieder heraus.
Am 9.Juli 1966 sollten sich die Mandelas
zum zweiten Mal im
Robben-Island-Gefängnis sehen.
Nach einigen Problemen mit dem Paß
von Winnie war es so weit, sie durften
sich nach zwei Jahren zum
ersten Mal wiedersehen.
Nach dem Treffen verfolgte die Polizei
Winnie zum Flughafen, von
wo sie nach Johannesburg abfliegen
wollte, und verlangte von ihr
ihren Namen und ihre Anschrift. Irritiert
gab sie zurück, die
wüßten sie bereits, wie
sonst hätten sie sie erkannt. Man legte
ihr zur Last, sie habe sich geweigert,
sich gegenüber der Polizei
auszuweisen, und sich bei ihrer Ankunft
in Kapstadt nicht
gemeldet. Für den ersten Anklagepunkt
erhielt sie einen Monat, für
den zweiten ein volles Jahr Gefängnis.
Das Urteil wurde jedoch,
bis auf vier Tage, auf Bewährung
ausgesetzt und Winnie schließlich
gegen eine Kaution von 20 Rand auf
freien Fuß gesetzt. Die
Berufung, die ihr Anwalt veranlasste,
verlor sie aber und mußte
die besagten vier Tage absitzen.
In der Zwischenzeit fand sie einen
Job als Sekretärin an einem
Fernlehrinstitut, doch mit dem Argument,
ihre Bannauflagen
gestatten ihr keine Beschäftigung
an einer Bildungseinrichtung,
zwang die Staatsgewalt ihren Arbeitgeber
sie zu entlassen.
Zwischen 1966 und 1969 klagte man Winnie
dreimal an und hielt sie
insgesamt 491 Tage lang in Gewahrsam.
Die Bannsprüche zwangen sie dazu,
allein zu leben. 1972 brachen
zwei Männer in ihr Haus ein und
versuchten, sie im Bett zu
erdrosseln. Ihre Schreie riefen jedoch
die Nachbarn herbei, und
die Angreifer flohen.
Wenige Monate später wurde ihre
Garagentür aufgebrochen und die
Scheiben ihres Wagens zertrümmert.
1976 zerschnitten Randalierer
die Telefondrähte, warfen die
Fensterscheiben ein, traten die Tür
ein und luden regierungsfeindliche
Flugblätter in ihrem Garten ab.
Der Bannspruch war für Winnie
nicht nur ein Bannspruch, sondern
eine staatliche Strategie für
dauernde Schikanen.
1977 verbannte die Regierung Winnie
Mandela, die sich während des
Schüleraufstandes von Soweto
1976 an die Spitze einer
Elternvereinigung gestellt hatte,
nach Brandfort/Oranje-Freistaat.
Sie konnte erst 1985 aus der Verbannung
nach Soweto zurückkehren.
Weltweit war sie nun hochgeachtet,
eine eigenständige
Persönlichkeit, die den Kampf
ihres Mannes fortsetzte. Der
Ehrentitel "Mama Wetu", Mutter der
Nation, war Ausdruck dieser
Achtung.
Winnie Mandela mit ihrer
ältesten
Tochter Zenani
aus einem Internetangebot
Doch sie geriet immer häufiger
in die Kritik, wenn unbedachte
Äußerungen, die Schwächen
ihres Politikverständnisses offenbarten
und so zu einer Belastung für
den schwarzen Widerstand wurden. So
zum Beispiel, als sie öffentlich
die Hinrichtung von schwarzen
Spitzeln mittels brennender Halskrausen
guthieß, oder die
Sowjetunion "das Ziel all ihrer Hoffnungen
und Sehnsüchte" nannte.
Die Anklage
gegen Winnie
Im Februar 1989 kam der Verdacht auf,
daß das von Winnie
gegründete "Mandela United Football
Team", dessen Mitglieder ihr
als Leibwächter dienten, in Fälle
von Entführung,
Körperverletzung, Vergewaltigung
und Mord verwickelt war. Abu
Baker Asvat, ein mit den Mandelas
befreundeter Arzt, der die
gefolterten Kinder behandelt hatte,
wurde im Januar 1989
erschossen aufgefunden. Die Bevölkerung
von Soweto und der ANC
verwehrten Winnie zunehmend ihre Unterstützung.
Aus Protest
steckte man ihr Haus an und es gab
Stimmen, die ihr das Tragen des
Namens Mandela verbieten wollten.
Symbolisch von der Presse fast
schon zu Grabe getragen, kehrte Winnie
im Februar 1990 noch einmal
auf die politische Bühne zurück,
nun an der Seite ihres Mannes
Nelson, der nach seiner Freilassung
am 11.2.1990 Winnie ein
glanzvolles Comeback ermöglichte.
Im Februar 1991 begann der Strafprozeß
gegen Winnie Mandela wegen
Mißhandlung von vier schwarzen
Jugendlichen in ihrem eigenen Haus
in der Schwarzensiedlung in Soweto.
Angeblich wußte sie nichts von
den tagelangen Folterungen vom 29.
bis 31.12.1988, sie habe nie
einen Mord an einem jungen Schwarzen,
geschweige denn von dem
prominenten Arzt Abu Baker Asvat angeordnet.
Behauptet hatten dies
insgesamt fast 70 Stunden lang, 38
Zeugen, darunter namhafte
Politiker, Geistliche und unbescholtene
Familienväter, die bis
heute ihre Söhne vermissen. Der
Trainer des Fußballklubs "Mandela
United", Jerry Richardson, hatte zugegeben,
insgesamt sechs Morde
im Auftrag von Frau Mandela verübt
zu haben. Mehrere Zeugen
erklärten, sie seien von ihr
brutal geschlagen worden. "Das ist
lächerlich, es ist kein Wort
wahr, und wer so etwas behauptet ist
ein Lügner!", sagte Winnie im
Zeugenstand der südafrikanischen
Wahrheitskomission.
Der Strafprozeß endete im Mai
1991 mit der Verurteilung Winnie
Mandelas zu sechs Jahren Haft ohne
Bewährung. Sie legte Berufung
ein, blieb gegen Kaution auf
freiem Fuß und konnte im Juni 1992
an der Johannesburger Universität
die Abschlu0prüfung im Fach
Sozialanthropologie ablegen. Das oberste
Berufungsgericht
bestätigte 1993 die Verurteilung,
veränderte aber das Strafmaß in
eine hohe Geldstrafe und eine auf
fünf Jahre Bewährung ausgesetzte
Haftstrafe.
Bereits 1992 war Winnie von ihren ANC-Funktionen
zurückgetreten.
Aus der ANC-Frauenliga wurde sie suspendiert
und im April des
gleichen Jahres erklärte Nelson
Mandela die Trennung von seiner
Frau.
Das Leben nach
der Verurteilung
Ende 1993: Wahl zur nationalen
Vizepräsidentin der "Civics" und
wiederholt zur Präsidentin der
ANC-Frauenliga.
April 1994: Wahl zur stellvertretenden
Ministerin für Kunst,
Kultur, Wissenschaft und Technik im
neuen Kabinett.
Februar 1995: Rücktritt
von elf der 25 Vorstandsmitgliedern der
Frauenliga wegen des "undemokratischen
und selbstherrlichen
Führungsstils" der Präsidentin
Mandela.
März 1995: Nelson Mandela
entlässt seine von ihm getrennt lebende
Frau aus der Regierung. Ihr wird vorgeworfen,
Bestechungsgelder
entgegengenommen zu haben.
November 1995: Nelson Mandela
übernimmt die Schulden seiner Frau
in Höhe von 505.000 Rand.
März 1996: Winnie und Nelson
Mandela werden nach 38 Ehejahren
offiziell geschieden.
Das Ehepaar konnte wegen der Verhaftung
Nelsons nur sieben Jahre
gemeinsam verbringen.
November 1997: Erneute Anhörung
vor der Wahrheitskomission, bei
der es um Morde und Folterungen der
ehemaligen Leibwächter Winnie
Mandelas geht. Sie wird u.a. beschuldigt,
Morde befohlen zu haben.
vgl.: "Nelson Mandela - Stimme der
Hoffnung" von Fatima Meer,
erschienen im Wilhelm Heyne Verlag, München,
Berliner Morgenpost vom 5.12.1997,
Munzinger - Archiv/Internationales biographisches Archiv -
Personen Aktuell,
FAZ vom 13.2.1989