Prolog
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
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Harry schlenderte mit einem nie gekannten Hochgefühl durch die Gänge seiner Schule. Er steuerte den Turm von Gryffindor an. Gerade eben hatte er seine Strafe für unerlaubtes jugendliches Zaubern außerhalb des Geländes von Hogwarts entgegengenommen. Das Ministerium hatte die Strafe der Lehrerschaft seiner Schule überlassen. Die Hauslehrerin von Gryffindor, Professor McGonagall, hatte sich etwas ganz besonderes überlegt. Sie hatte Harry zum Aufbau einer Quidditch-Schulmannschaft verurteilt.

Harry, der irgend etwas wie das Putzen aller Hogwarts-Pokale unter der Regie von Argus Filch, dem widerwärtigen Hausmeister der Schule oder das Sortieren von Zaubertrank-Zutaten in ständiger Gegenwart von Professor Snape, dem verhasstesten Lehrer der ganzen Schule erwartet hatte, war aus allen Wolken gefallen. Nach einem Augenblick des ungläubigen Staunens begann eine Freude in ihm hoch zu steigen, dass er nicht wusste, ob er schreien oder lachen sollte.

Am Portrait der dicken Dame rief er fröhlich „Drachenstein!“, woraufhin das Bild zur Seite klappte und den Durchgang zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors freigab. Gryffindor hieß das Haus, in dem Harry beheimatet war. Die Schule hatte vier Häuser, Gryffindor, Slytherin, Ravenclaw und Hufflepuff, auf die die Schüler aufgeteilt worden waren, und die nach den vier Gründern der Schule benannt worden waren.

Harry kletterte durch das Loch in der Wand, das Portrait klappte wieder zurück und er schaute sich um. Es war menschenleer im Gemeinschaftsraum. Das war auch kein Wunder, denn Harry war mit seinen Freunden Ron und Hermine vor den ganzen Schülern angekommen. Sie hatten ein haarsträubendes Abenteuer in den letzten Wochen der Ferien erlebt und waren anders als sonst mit dem Auto angereist.

Der übliche Weg nach Hogwarts begann in London, am Bahnhof Kings Cross. Dort gab es einen Bahnsteig, genannt Gleis neundreiviertel, weil er zwischen dem Gleis neun und dem Gleis zehn lag, aber etwas näher an Gleis zehn. Für Muggel, also für Menschen, die nicht zaubern können, ist er nicht sichtbar. Man musste durch eine undurchdringliche Absperrung hindurch, förmlich durch eine Wand, und wer diesen Eingang nicht kannte, dachte niemals, dass hinter dieser Wand ein Zug losfahren könnte. Dieser Zug hatte einen besonderen Namen. Vorne auf dem Kessel der leuchtend rot gestrichenen Dampflokomotive war in kunstvollen Lettern „Hogwarts Express“ aufgemalt. Normalerweise herrschte am 1. September eines jeden Jahres unvorstellbarer Betrieb auf dem Bahnsteig, denn das war der Beginn eines neuen Schuljahres. Dann konnte man ängstliche Erstklässler und besorgte Eltern, rührende Abschiedsszenen und freudige Begrüßungen beobachten, dann freuten sich zumindest die höheren Semester auf das kommende Schuljahr in Hogwarts, der Schule für Zauberei.

In diesem Jahr hatte sich aber der Schulbeginn um zwei Wochen verschoben, weil es in der Zaubererwelt ein Ereignis gegeben hatte, das alle mit Sorge erfüllte, und das dafür verantwortlich war, dass Professor Dumbledore, der Schulleiter, eine wichtige Reise nach Rumänien unternehmen musste und erst zwei Wochen nach dem offiziellen Schulbeginn zurück erwartet wurde. Ein Brief war an alle Schüler geschickt worden, auch an die Erstklässler, in dem ihnen mitgeteilt worden war, dass sie sich erst am fünfzehnten September auf dem Bahnsteig von Gleis neundreiviertel einzufinden hätten.

Bei vielen hatte dieser Brief Freude ausgelöst, aber zwei Schüler hatten es nur mit Widerwillen zur Kenntnis genommen, und hätten sie nicht eine unglaubliche Reise gemacht, wären die zwei Wochen für sie zur Qual geworden. Der eine Schüler war eigentlich eine Schülerin. Sie hieß Hermine und war die Freundin von Harry Potter. Ihre Eltern waren Muggel, also Leute, die nicht zaubern konnten. Sie gingen einem ganz alltäglichen Beruf nach, denn sie waren Zahnärzte. Für Hermine waren die Ferien immer etwas langweilig, weil sie es liebte, zu lernen. Bücher, und besonders die Bücher der schuleigenen Bibliothek waren für sie das Spannendste auf der Welt. Manchmal schien es, als sei ihr einziger Lebenszweck, all das Wissen, was in den Büchern und den Gehirnen der Lehrer steckte, in sich aufzusaugen. Meist kannte sie die Bücher, die sie für das neue Schuljahr brauchten, und die den Schülern in einem Schreiben einige Wochen vor Ende der Ferien mitgeteilt wurden, schon am ersten September auswendig.

Der zweite Schüler hieß Harry Potter und mit ihm hatte es etwas besonderes auf sich. Er lebte bei seinen Verwandten, den Dursleys. Das wäre an sich nichts Schlimmes, wenn da nicht etwas gewesen wäre, was die Dursleys an Harry nicht mochten, ja, vor dem sie sogar eine Heidenangst hatten. Harry war der einzige Sohn von zwei Zauberern, von Lily und James Potter, selber einstmals Schüler von Hogwarts. Lily war die Schwester von Tante Petunia Dursley und die Dursleys betrachteten Lily als eine vollkommen missratene Verwandte. Die Dursleys wollten gar nichts mit der Zaubererwelt zu tun haben, denn sie waren Muggel. Als Harrys Eltern von einem schwarzen Magier namens Lord Voldemort umgebracht wurden, brachten Freunde Harry zu seinen Verwandten, bei denen er bis zu seinem elften Lebensjahr unter unvorstellbar schlechten Bedingungen gelebt hatte. Sein „Zimmer“ war ein Schrank, der unter der Treppe eingebaut war.

Liebe hatte er das letzte Mal erlebt, als seine Mutter ihn vor dem Angriff des bösen Zauberers schützen wollte und sich für ihn geopfert hatte. Harry war wie durch ein Wunder mit dem Leben davon gekommen. Er erhielt als ewige Erinnerung an den grauenvollen Tag eine blitzförmige Narbe, die sich mitten über seine Stirn zog. Lord Voldemort hatte bei dem Angriff fast sein Leben verloren, die Liebe von Lily Potter hatte nicht nur Harrys Leben gerettet, sondern auch den Todesfluch zurück auf Voldemort gelenkt. Viele Jahre war der dunkle Lord nahe am Rande des Todes dahin vegetiert, bis er am Ende des letzten Schuljahres sein Leben und seine Macht wiedererlangen konnte.

Das war auch der Grund, warum Professor Dumbledore auf eine so wichtige Reise gehen musste, denn er wollte eine Allianz bilden, um Voldemort und seine Anhänger zu bekämpfen.

Heute war also der fünfzehnte September und der Hogwarts-Express sollte etwa gegen 20 Uhr in einem kleinen Dorf namens Hogsmead, das unweit des Schlosses lag, ankommen. Dann würde sich eine große Schar von Schülern in die Hallen und Flure der Schule ergießen und für fast ein ganzes Jahr würde lautes und fröhliches Leben durch das Gemäuer wabern.

Als Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betrat war es erst etwa vier Uhr nachmittags. Die Sonne lachte durch die hohen Fenster herein und brachte noch ein wenig herbstliche Wärme. Im Kamin flackerte ein kleines Feuer und tat sein Übriges, eine angenehme Atmosphäre zu verbreiten. Harry durchschritt den Raum und ging auf eine Wandöffnung zu, hinter der eine steile Treppe hinauf in den Schlafsaal der Jungen aus Harrys Jahrgang führte. Er stieg die Treppe hinauf und ging zu seinem Himmelbett, das in der Nähe eines kleinen, geöffneten Fensters stand. Direkt neben seinem stand das Bett von Ron. Es war verwaist, nur ein ungeöffneter Koffer und eine Tasche waren achtlos darauf geworfen worden. Ron hatte sich wohl, nachdem Harry zum Empfang seiner Strafe aufgebrochen war, nach unten begeben und machte einen Spaziergang. Harry bedauerte es, die freudigen Neuigkeiten nicht direkt mitteilen zu können, aber er hatte auch keine Lust, hinunter zu laufen und Ron zu suchen.

Er legte sich auf sein Bett. Die Arme hinter seinem Kopf verschränkt starrte er auf das blaue Tuch, das sich wie ein Himmel über sein Bett wölbte, und ließ seinen Gedanken den freien Lauf. Noch vor kaum vier Wochen war er bei seinen Verwandten gewesen und hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass das neue Schuljahr begann, als er den Brief aus Hogwarts erhalten hatte. Onkel Vernon hatte sich aufgeregt und Harry einen nutzlosen Fresser genannt. Noch am gleichen Tag hatte Harry bemerkt, dass Lord Voldemort plante, ihn zu töten und er war panisch geflohen. In der Winkelgasse, der Straße in London, in der alle Zauberer Englands sich mit Zaubererutensilien versorgten, hatte der Zauberstabhändler Mr. Ollivander ihm geholfen unterzutauchen. Dabei kam eine schreckliche Neuigkeit ans Tageslicht, denn Lord Voldemort hatte sich einen neuen Zauberstab besorgt. Einen Stab, der nicht von Harrys Zauberstab beeinflusst wurde, wie der Alte, der wie Harrys Stab mit einer Phoenixfeder versehen war, sondern einen ganz besonderen Stab. Es war der von Salazar Slytherin, einem der vier Gründer von Hogwarts, und dieser Zauberstab hatte einen Kern aus dem Staub eines Drachensteins, was ihn nahezu unbezwingbar machte und Voldemort eine unheimliche Macht verlieh. Mr. Ollivander hatte Harry bei einem Freund versteckt, Henri Perpignan, der ein Landgut in der Nähe von Newcastle besaß. Hier waren Harry und Hermine, die nachgekommen war, in den geheimen Bund der Druiden aufgenommen und in eine Reihe von Geheimnissen eingeweiht worden.

Harry lächelte bei dem Gedanken an Henri, oder besser Henry, denn das war die englische Aussprache des französischen Namens, den ein Engländer nur schwer über die Lippen bekam. Henry hatte sich zu einem richtigen Freund entwickelt und Harry hegte den Wunsch, ihn in den Weihnachtsferien zu besuchen. Vielleicht konnte man ihm das ermöglichen. All die Zauber, die er von Henry gelernt hatte, halfen jedoch nichts gegen die neue Macht Voldemorts, der sie auf dem Landgut aufgespürt und die Villa angegriffen hatte. Wieder waren sie auf der Flucht und es stellte sich heraus, dass es nur helfen würde, wenn Harry sich einen  Drachenstein beschaffen würde. So wurde beschlossen, dass Harry und Hermine nach Rumänien reisen sollten, in der Hoffnung, dass Charly, ein Bruder von Ron oder vielleicht sogar Professor Dumbledore, der allem Anschein nach ebenfalls in Rumänien weilte, ihm dabei helfen würden, einen Drachen zu erlegen.

So führte ihn der Weg nach Durmstrang,. Harry kämpfte auch gegen einen Drachen, aber er konnte ihn nicht töten. Zu viele Skrupel trieben ihn, ein solch mächtiges und altes Geschöpf zu töten, und so stand er mit einem silbernen Speer in der Hand vor dem besiegten Wesen und musste mit Schrecken feststellen, dass er nicht zustoßen konnte. Glücklicherweise entdeckten sie in einer Höhle im Burgberg von Durmstrang ein Skelett eines schon vor langer Zeit gestorbenen Drachen und konnten ihm den Drachenstein entnehmen. Damit war Harry gerüstet, Voldemort entgegenzutreten, denn er konnte die Kraft des Steines nutzen,  und an dem Abend, als Voldemort und er sich in einer alten Klosterruine trafen, und Harry sich schon verloren glaubte, brachte es ein Zufall zu einem glücklichen Ende. Harry hatte den Stein im Kampf verloren. Der dunkle Lord hatte ihn gefunden und aufgehoben. Dabei war es aber zu einer Entladung der Kräfte gekommen und Voldemort hatte schwere Verwundungen davon getragen. Sein Zauberstab und die Kraft des Drachensteins wurden vernichtet und Voldemort blieb nichts anderes, als die Flucht. Das war erst vorgestern passiert und die Ereignisse lagen so klar vor Harrys Augen, als würden sie gerade geschehen. Außer einem toten aber wunderschönen Kristall war nichts geblieben, als die Erinnerung und die Erfahrungen, die er gesammelt hatte.

Es gab noch einen zweiten Grund für Harry, in den Ferien zu Henry zu fahren. Sirius Black, sein Pate, der aus Rumänien mit ihm zurück nach England gekommen war, hatte bei Henry Quartier gefunden. Henry hatte ihn eingeladen und ihm angedeutet, dass es kein sichereres und bequemeres Versteck für ihn geben könne. Nach all den Strapazen seit seiner Flucht aus Askaban hatte Sirius noch nicht viel Gelegenheit gehabt, sich von den schweren Jahren in der Haft und in der ständigen Gegenwart der Dementoren zu erholen. Im Gegenteil, er hatte seit dem Tag noch mehr abgenommen, war noch blasser geworden und es bestand die Gefahr, dass er ernsthaft krank werden würde.

Remus Lupin war auch eingeladen worden. Henry hatte es immer bedauert, dass er in dem herrlichen Haus außer seinen Dienstboten kaum eine Ansprache hatte. Die Gäste kamen ihm sehr gelegen, denn sie versprachen einige Abende mit unterhaltsamen und spannenden Gesprächen zu füllen.

Harry hoffte, wenigstens einmal zwei Wochen am Stück und ohne Gefahr und ohne noch zu bestehende Abenteuer mit Sirius zusammen zu sein. Sirius war so etwas wie ein Vater für ihn geworden, der erste Mensch, der ihn liebte, wie einen Sohn, und auch der erste Mensch, zu dem Harry Vertrauen gefunden hatte, wie zu einem Vater.

Harry reckte sich. Nun war er jedenfalls froh, wieder in dem schützenden Schoße von Hogwarts zu sein. Er freute sich auf das neue Schuljahr. Es war sein fünftes.

 

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