9. Johns Begabung
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
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Als Professor Dumbledore und Magister Baumann im tropfenden Kessel verschwunden waren, wandten Harry und Moody sich zu der Wand am hinteren Ende des Hofes, drückten den Ziegel hinein und stiegen durch das Loch, das sich öffnete, zurück in die Winkelgasse. Mit schnellen Schritten eilten sie zum Laden von Mr. Ollivander. Moody erklärte, dass er wieder vor dem Laden warten und die Umgebung beobachten wolle. Das kam Harry mehr als gelegen.

Er betrat das Geschäft. Die kleine Glocke, die durch einen Nagel in der Tür angestoßen wurde klingelte. Mr. Ollivander kam aus seinem Büro und sah sich erstaunt um. Da hob Harry seine Tarnung auf und sagte:

„Hallo Mr. Ollivander. Ich bin es nur.“

„Meine Güte, Harry, komm in mein Büro, wenn dich jemand sieht!“

Er schob Harry schnell durch den Vorhang hinter der Ladentheke.

„Setz dich Harry.“, sagte Mr. Ollivander und deutete auf einen Stuhl neben seinem Schreibtisch. Harry sah sich um. Im September waren auf dem Schreibtisch noch Stapel von Aufträgen gelegen, jetzt war er leer.

„Die Geschäfte laufen nicht gut, nicht wahr?“, fragte er.

„Nein, sie laufen nicht gut. Da hast du recht. Manchmal könnte ich diese Verrückten verfluchen. Sie wissen gar nicht, was sie alles kaputt machen. Wie geht es dir, Harry?“

„Danke. Mir geht es ganz gut. Die letzten Wochen waren ziemlich aufregend. Ich bin richtig froh, dass ich wieder in Hogwarts bin.“

„Henry hat mir auch schon etwas erzählt“, sagte Ollivander, „aber wir hatten nicht viel Zeit. Magst du mir berichten, wie es in Rumänien war?“

Harry begann zu erzählen. Er schilderte die Tage bei Henry und seine Augen leuchteten dabei. Er erzählte, wie Lord Voldemort das Anwesen angegriffen hatte, und wie sie geflohen waren. Mit Begeisterung berichtete er von der Reise nach Rumänien und von dem Besenritt, die Donau entlang. All die Bilder strömten wieder auf ihn ein, und als er von der Burg Durmstrang erzählte, war er fast wieder dort. Was hatte er alles in den paar Wochen erlebt!

Bei der Schilderung der Ereignisse in der Klosterruine wurde Ollivander besonders aufmerksam. Gebannt lauschte er, wie Voldemort in den Besitz des Drachensteins gekommen war und der Zauberstab vernichtet wurde.

„Das hätte ich nicht erwartet...“, murmelte er nachdenklich.

„Mr. Ollivander...“, begann Harry.

„Harry, nenn mich doch George, wie es unter Druiden üblich ist.“

Harry sah Mr. Ollivander etwas unglücklich an.

„Es fällt mir schwer...“, sagte er und nach einem Augenblick des Nachdenkens: „Ich will es versuchen... George, mit diesem Zauberstab...weißt du etwas über ihn? Ich meine, mehr, als wir herausgefunden haben?“

„Warum?“, fragte Ollivander und hob eine Augenbraue.

„Du sagtest gerade: Das hätte ich nicht erwartet!“

„Mich wundert es ein Wenig, dass du nachfragst. Der Zauberstab ist zerstört und kann dir nicht mehr schaden. Gibt es irgend etwas, was du mir noch nicht erzählt hast? Etwas Wichtiges?“

„Ja“, sagte Harry gedehnt. Er überlegte kurz, dann erzählte er von den Ereignissen, die sich in den letzten Wochen auf Hogwarts zugetragen hatten.

„Was hat diese Reliquie zu bedeuten? Ich meine, Gryffindor hat das Schwert, und die anderen Häuser haben bestimmt auch ihre ... ihre Reliquien. Heißt das, wenn das Schwert von Gryffindor zerstört wird, dann wird Gryffindor aussterben?“

Ollivander dachte nach, dann schüttelte er langsam den Kopf.

„Ich glaube nicht, dass es wirklich mit einer Reliquie zusammenhängt. Damals, als die Schule gegründet wurde, war das ganze Land noch eher auf der Seite der alten Götter. Ich bin mir sicher, dass die vier Schulgründer mit dem Christentum nicht allzu viel am Hut hatten. Und diese Reliquienverehrung ist doch eher eine Sache der Christen gewesen.“

Ollivander stand auf und ging langsam im Raum auf und ab.

„Weißt du, Harry“, fuhr er fort, „Damals, als Hogwarts gegründet wurde, waren die Druiden und die – ich sage mal – die ‚normalen’ Zauberer viel näher beieinander. In Urzeiten gab es nur den keltischen und davor den megalithischen Zauberkult, der noch sehr eng mit einer Art Naturreligion verknüpft ist. Die vier Gründer von Hogwarts gehörten einer Gruppierung an, die sich ‚Die neue Schule’ nannten. Das hatte nichts mit einer Schule zu tun, sondern es hieß, dass sie sich einer neuen, und vielleicht auch moderneren Lehre angeschlossen hatten, die nur wenige Jahrzehnte alt war.

Diese Lehre löste sich von der Naturreligion und damit ließ sich ein leichterer Weg gehen. Wenn sich Zaubern nur mit uralten Riten ausüben lässt, ist die Anforderung an die Ausbildung sehr hoch. Gryffindor und Slytherin hatten erkannt, dass es für Menschen, die die Fähigkeit in sich hatten oft zu schwer war, neben ihren alltäglichen Arbeiten ihr Zauberhandwerk zu erlernen. So sind viele, sicherlich begabte Zauberer im Nichts verschwunden, weil sie es nie lernen konnten.

 Und das war der Ansatzpunkt für die vier Gründer. Sie wollten auch einfachen Leuten den Weg zum Zauberertum ermöglichen, ohne dass die all den religiösen Kram zu lernen hatten. Dadurch konnte die Zahl der Zauberer erhöht und natürlich auch ihre Ausbildung um etliche Jahre verringert werden. Stell dir nur vor, was das für eine Erleichterung für die Zaubererfamilien waren.

Slytherin war allerdings nicht ganz so überzeugt von der neuen Lehre, wie die anderen Drei. Seiner Meinung nach sollte es einen gesunden Mix aus der alten und der neuen Lehre geben. Er war einfach überzeugt, dass die Zauberei, die auf den alten Methoden beruhte, mächtiger und nachhaltiger war. Die neue Methoden waren ihm zu oberflächlich und produzierten zwar eine große Masse an Zauberern, die aber bei weitem nicht die Fähigkeiten der alten Druiden hatten.“

Ollivander schwieg einen Moment lang. Er sah Harry an und überlegte. Harry hatte gebannt zugehört, jetzt schien er wie aus einem Traum aufzuwachen.

„War...war Slytherin ein Druide?“, fragte er.

„Hm, nein. Er war kein Druide. Ich sagte schon, er war ein Anhänger der neuen Lehre. Sie versprach einfach zu viele Vorteile. Aber er kannte eine Reihe von Geheimnissen, denn sein Vater war Druide. Du musst dir das als eine ganz normale Vater Sohn Beziehung vorstellen. Auch heute noch ist es so, dass Söhne gerne gegen ihre Väter aufbegehren, weil diese ihnen zu altmodisch erscheinen. Aber in der Druidenfamilie, in der Salazar aufgewachsen ist, wurden die Rituale in Ehren gehalten, und so erlangte er Kenntnis von Dingen, von denen Gryffindor und die Anderen keine Ahnung hatten.“

„Aber was hat das jetzt mit dem Zauberstab zu tun?“, fragte Harry, der den Sinn des Ausflugs in die Geschichte nicht ganz nachvollziehen konnte.

„Zunächst einmal gar nichts.“, sagte Ollivander. „Du hast sicher schon gehört, dass Slytherin mit den anderen Gründern von Hogwarts in Streit geraten ist.“

Harry nickte.

„Gut. Der Streit hat seine Wurzeln darin, dass Slytherin seine Herkunft eben nicht verleugnen konnte. Ravenclaw und Hufflepuff waren absolut von den neuen Lehren überzeugt. Sie hassten das alte System, besonders Helga, die für damalige Verhältnisse eine außerordentlich emanzipierte Frau war. Sie konnte es ihr ganzes Leben lang nicht akzeptieren, dass Frauen keinen Zugang zu dem Druidentum hatten.“

„Wusste sie denn von den Druiden?“, fragte Harry, der immer noch nicht verstand, was Ollivander ihm sagen wollte. „Ich meine, die Druiden, die sind doch ein Geheimbund. Wie konnte sie davon wissen, wenn sie kein Druide war?“

„Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung.“ Ollivander lächelte. „Weißt du, was die Kirche mit den Druiden gemacht hat? Die Kirche hat sich in Britannien etwa vor zwölfhundert Jahren rasant verbreitet. Die Kirchenfürsten konnten es nicht zulassen, dass die Druiden eine solche Machtstellung im Volk hatten. Sie metzelten alles nieder, was in ihren Augen nach Zauberei und Druidentum aussah. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns zu verstecken. So ist erst viele Jahre nach der Gründung von Hogwarts der Geheimbund entstanden.

Aber ich wollte dir noch etwas zu Slytherin erzählen. Der Streit führte damals dazu, dass Slytherin Hogwarts verließ. Es dauerte ein paar Jahre, bis sein Entschluss fest stand, aber in diesen paar Jahren hatte er immer schon eine Ahnung, dass es eines Tages zu einer Trennung kommen musste. In diesen Jahren bereitete er sein, nun ja, wie soll ich es nennen, sein Testament vor. Einen Teil scheinst du ja schon kennen gelernt zu haben. Die Kammer des Schreckens. Aber, soweit ich die Gerüchte kenne, und jetzt begebe ich mich auf den wackeligen Boden der Spekulation, ist die Kammer des Schreckens nicht sein eigentliches Testament. Ich vermute vielmehr, dass es der Zauberstab war.“

„Meinst du etwa, er hat, ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll...er hat den Zauberstab verhext?“

Ollivander lachte leise.

„Das hast du schön ausgedrückt. Vielleicht kann man es so sagen. Ich glaube, er hat damals die Verbindung zwischen seinem Zauberstab und dem Haus Slytherin geschaffen. Dann hat er dafür gesorgt, dass der Zauberstab für die nächsten Jahrhunderte verschwunden war. Vielleicht wurde er in seiner Familie von Vater zu Sohn, von Mutter zu Tochter weitergegeben, jedenfalls hat man bis zum Jahre 1976 nichts mehr davon gehört. In dem Jahr kam ein junger Mann in den Laden meines Vaters. Ich war damals noch sein Assistent und unterwegs, um Einhornhaare zu kaufen. Daher weiß ich nicht genau, wie es gewesen ist. Jedenfalls, er hat meinem Vater diesen Zauberstab verkauft. Ich weiß es noch genau, wie ich nach Hause kam und mein Vater mich in dieses Büro gezogen hat. Er holte dort aus dem Regal eine lederbezogene Schachtel, und als er sie öffnete und mir den Zauberstab zeigte, haben seine Augen geleuchtet. ‚Das ist ein ganz besonderes Stück, mein Sohn’, hat er gesagt, und mir dann erzählt, was für ein besonderes Stück es war.“

„Ich glaube, jetzt langsam verstehe ich.“, sagte Harry nachdenklich. „Genau! Der Phoenix! Ich habe geträumt, der Phoenix hätte mir gesagt, ich müsse den Erben von Slytherin finden. Kann es sein, dass, wenn ich den Erben gefunden habe, diese Geschichte mit Slytherin wieder in Ordnung kommt?“

Ollivander hob den Kopf und sah Harry prüfend an. Dann nickte er langsam.

„Das ist möglich...“, sagte er. Eine Weile schwiegen sie, jeder in seine Gedanken versunken. Dann ging auf einmal ein Ruck durch George Ollivander. Er sah Harry an und fragte:

„Meine Güte, was bin ich für ein unhöflicher Mensch! Möchtest du einen Tee?“

„Oh, ja, gerne!“, antwortete Harry. Er war froh, dass George das Thema gewechselt hatte. Die Gedanken an die Slytherins und den seltsamen Traum bedrückten ihn, und er dachte nur sehr ungern darüber nach. Dennoch hatte er die Geschichte von George mit äußerster Spannung verfolgt.

Ollivander verschwand kurz in seiner kleinen Teeküche, die in dem anderen Hinterzimmer seines Ladens lag und kehrte nach wenigen Minuten mit einem Tablett mit Tassen und einer bauchigen Teekanne zurück. Er stellte das Geschirr auf den Tisch und goss die Tassen voll. Harry hatte seit dem Frühstück nichts mehr getrunken, und als er den Tee vor sich stehen sah, brannte plötzlich ein immenser Durst auf seiner Zunge. Genüsslich ließ er das leicht bittere Getränk durch seine ausgetrocknete Kehle rinnen. Als er die Tasse wieder auf den Tisch stellte, fiel ihm John ein.

„Wie geht es übrigens John?“, fragte er. „Ich habe gehört, dass er sich nur langsam erholt. Haben sie ihn denn so fertig gemacht?“

„Ach John.“, seufzte George. „Nun ja, eigentlich ist er wieder ganz gesund. Die heutige Medizin ist ja sehr schnell. Aber er ist nicht mehr glücklich. Er hat wohl einen schrecklichen Schock erlitten, und davon hat er sich nicht mehr erholt.“

„Aber nächstes Jahr wird er doch nach Hogwarts kommen, oder?“

„Ich fürchte, das wird nicht möglich sein. Seine Mutter hat schon überlegt, ihn in Pflege zu geben. Weißt du, es ist so etwas wie eine seelische Krankheit. Im Moment kann ihm niemand helfen.“

„Wieso kann ihm niemand helfen?“, fragte Harry betroffen. „Ist er jetzt geisteskrank? Oder behindert?“

„Nein, so kann man es nicht sehen. Er ist nicht mehr krank in dem Sinne. Er versteht, was man sagt, und er antwortet auch, aber er ist in einer anderen Welt. Wie wäre es, wenn du ihn besuchst? Dann kannst du dir selber ein Bild davon machen.“

Harry machte ein betrübtes Gesicht. John tat ihm unendlich leid und er hatte ein schlechtes Gewissen.

„Das würde ich gerne machen. Er hat für mich sein Leben riskiert. Ich stehe in seiner Schuld.“

„Es freut mich, dass du so denkst.“, schmunzelte George. „Aber du kannst nichts dafür. Du bist nicht verantwortlich, was die Todesser machen.“

„Aber ich habe ihn gebeten, sie zu beobachten. Damit habe ich ihn in Gefahr gebracht. Du kannst mir viel erzählen, George. Ich habe zumindest einen Teil an der Schuld.“

In diesem Augenblick hörten sie die Glocke am Eingang klingeln. Fast automatisch tarnte sich Harry und stellte sich in eine dunkle Ecke des Büros. Als Ollivander gesehen hatte, dass Harry nicht mehr zu entdecken war, ging er nach vorne. Nach einem kurzen Moment wurde der Vorhang beiseite geschoben und Ollivander führte Dumbledore und die drei anderen herein.

„Es ist alles in Ordnung.“, meinte er mit Blick auf Harry, der sich nun wieder sichtbar machte. „Wir sprachen gerade von John. Ich habe Harry empfohlen, ihm einen kurzen Besuch abzustatten. Meint ihr, das ließe sich einrichten?“

„John?“, fragte Dumbledore. „Der Junge, der dieses Jahr in Hogwarts aufgenommen werden sollte?“

„Ja, Professor Dumbledore“, sagte Harry und blickte schuldbewusst zu Boden. „Ich schulde ihm etwas.“

„Ich denke, das können wir machen. Was meint ihr dazu?“. Dumbledore wandte sich an die drei Anderen. Diese nickten. Magister Baumann kannte jedoch die Geschichte noch nicht und fragte:

„Was ist mit diesem John?“

Dumbledore lächelte verständnisvoll und wandte sich an Harry.

„Möchtest du ihr kurz erzählen, was passiert ist?“

Harry nickte. Er begann, die Geschichte noch einmal zu erzählen, machte es aber kurz und ließ viele Dinge einfach weg. Magister Baumann nickte, als Harry geendet hatte.

„Ja, ich glaube, es ist eine gute Idee, wenn sie ihn besuchen.“, sagte sie. „Sollen wir alle mitkommen?“

Dumbledore sprach sich dafür aus.

„Ich denke“, meinte er, „dass wir dann von John aus abreisen sollten. Wir haben alles erreicht, was wir wollten, nicht wahr Hagrid?“

Hagrid schwankte leicht. Er hatte sich in den zwei Stunden, die sie im Hinterzimmer des tropfenden Kessels verbracht hatten, mehrere Humpen genehmigt und nun sah er aus, als hätte er einen leichten Schwips. Er grinste und sagte mit schwerer Zunge:

„Jawoll, Chef!“

Dumbledore ließ sich von Ollivander den Weg beschreiben. Als Harry sich dann von George verabschiedete, nahm dieser Harrys Hand, hielt sie einen Moment lang fest, und sah ihm in die Augen.

„Viel Glück bei deiner Suche.“, sagte er. „Wenn du Hilfe brauchst, dann schreib mir. Oder Henry, er weiß auch eine Menge über das Thema, über das wir vorhin gesprochen haben. Ach, was ich noch fragen wollte, kommst du in den Winterferien nach Perpignans Place?“

„Na klar! Ich freu mich schon riesig darauf. Endlich kann ich mal ein paar Tage mit Sirius verbringen, und auf Henry freue ich mich auch.“

„Nun“, lächelte George, „Vielleicht werde ich auch kommen. Und Llyr wird wohl auch da sein. Wir vier müssen uns dringend über deine Zukunft unterhalten. Ich glaube, Henry hat großes mit dir vor.“

„Was hat er vor?“, fragte Harry neugierig.

„Wart es ab. Es ist wegen, ..., du weißt schon was...“

Ollivander lächelte und Harry verstand. Es stand zu vermuten, dass Harry mehr über die Druiden erfahren sollte. Hoffentlich blieb noch etwas Zeit für Sirius, dann konnten sie mit ihm machen, was sie wollten.

„Dann bis zu den Ferien.“, sagte Ollivander und ließ Harrys Hand los. Sie tarnten sich wieder und machten sich auf den Weg. Vor Ollivanders Laden bogen sie rechts ab, folgten der menschenleeren Winkelgasse und bogen schließlich in eine kleine Seitengasse ein, die so schmal war, dass sie hintereinander gehen mussten. Inzwischen war es beißend kalt geworden. Schwere Wolken hatten sich über den Himmel geschoben und erweckten den Anschein, dass sie bald ihre Last über London abladen würden.

„Es wird Schnee geben.“, murmelte Hagrid, der hinter Harry ging.

„Ja, wir sollten zusehen, dass wir bald nach Hause aufbrechen.“, sagte Dumbledore leise von vorne. Am Ende der Gasse angekommen, standen sie vor einem heruntergekommenen, windschiefen Haus, aus dessen Schornstein sich ein dünner Rauchfaden in den Himmel zog.

„Hier muss es sein!“, sagte Dumbledore leise und blieb stehen. Er nahm den schweren Eisenring, der an der Tür hing und ließ ihn gegen das Holz fallen. Ein dumpfer Ton drang aus dem Haus wie ein Echo, dann herrschte Stille. Nach ein paar Augenblicken wurde eine kleine Klappe in der Tür geöffnet und eine Frauenstimme fragte, wer da sei.

„Erschrecken sie bitte nicht, wenn sie uns nicht sehen“, sagte Dumbledore mit freundlicher Stimme. „Wir mussten uns leider etwas tarnen, wegen der Leute, die hier im Viertel für Unruhe sorgen. Mein Name ist Dumbledore und ich bin der Schulleiter von Hogwarts. Ich würde mich freuen, wenn sie uns einlassen würden.“

„Wer sind die anderen?“, fragte die Frau hinter der Tür.

„Es sind Mr. Moody, ein Auror, Hagrid, unser Lehrer für magische Wesen, Miss Baumann unsere Lehrerin für Zaubertränke und schließlich unser Schüler Harry Potter.“

Die Klappe schloss sich wieder, es ertönte ein Scheuern an der Tür, als würden mehrere Riegel zurück geschoben, und dann öffnete sich die Tür einen Spalt.

„Wie kann ich ihnen trauen, wenn ich sie nicht sehen kann?“, fragte eine Frau mit verhärmtem Gesicht. Dumbledore sah sich um, ob niemand sie beobachtete, und als er sich sicher war, dass das nicht geschah, hob er den Schatten auf.

„Oh, sie sind es wirklich!“, sagte die Frau erfreut und öffnete die Tür, nachdem sie noch eine letzte Kette entfernt hatte. „Kommen sie herein. Was für eine Ehre!“

Sie betraten das Haus, und als die Tür wieder verriegelt war, machten sich auch die Anderen wieder sichtbar.

„Ich bin Mrs. Atado, Johns Mutter. Herzlich willkommen in meinem bescheidenen Heim. Es tut mir entsetzlich leid“, begann die Frau wieder, „aber das Haus ist so alt und kaputt. Ich...es ist mir so unangenehm, hier so hohen Besuch zu empfangen. Wissen sie, seit mein Mann nicht mehr lebt, fehlt es uns an allem. Da bleibt kein Geld mehr, um das Haus in Schuss zu halten...“

„Aber, das macht nichts, meine Liebe.“, sagte Dumbledore beruhigend. „Ich habe schon schlimmeres gesehen.“

Sie führte die Besucher eine steile Treppe nach oben. Innen sah das Haus fast noch schlimmer aus, als von außen. Zwar war es sauber, aber der Teppich, der auf der Treppe lag, war voller Löcher und hatte kaum noch etwas von seiner ursprünglichen Farbe. Die Tapete ließ an vielen Stellen den blanken Putz durchscheinen, und selbst dieser war bröckelig und hier und da bröselte er bereits herunter.

„Seien sie bitte vorsichtig, die vierte Stufe ist morsch, sie könnten durchbrechen.“, sagte die Frau mit sorgenvollem Blick auf Hagrid, der das enge Treppenhaus vollständig ausfüllte.

Oben öffnete sie in einem schmalen, mit Möbeln vollgestellten Flur eine Tür und führte die Besucher in das Wohnzimmer. Vor langer Zeit war es einmal ein gemütliches und sicherlich auch gut bürgerliches Zimmer gewesen, aber jetzt waren die Sessel und das Sofa abgenutzt und Wolldecken verbargen die Löcher in den Bezügen. Es war alles sehr sauber, aber man sah auf den ersten Blick, dass hier tiefste Armut herrschte.

Im Kamin schwelte ein spärliches Feuerchen, das den Raum mit viel Rauch und wenig Wärme füllte. In einem hochlehnigen Stuhl vor dem Kamin saß in mehrere Decken eingehüllt ein kleiner, elfjähriger Junge, blass und apathisch auf die Glut starrend. Als alle das Zimmer betreten hatten, bot die Frau ihnen einen Platz an.

„John, mein Junge.“, sagte sie liebevoll und ging zu dem Stuhl hinüber. „Wir haben Besuch. Du kennst doch noch den jungen Master Potter, nicht wahr? Und Professor Dumbledore und ein paar andere Lehrer aus Hogwarts sind gekommen. Sie wollen dich sehen.“

John hob langsam den Kopf. Dann drehte er ihn und ließ seinen Blick über die Besucher gleiten. Als er Harry sah, zog sich ein leises Lächeln über seine Mundwinkel, aber es erlosch sogleich wieder und wich einem ausdruckslosen Gesicht. Mrs. Atado drehte den Stuhl, damit er den Anderen zugewandt sitzen konnte, aber John wehrte sich.

„Nein, Mutter, ich will in das Feuer sehen.“, kam es leise und tonlos aus seinem Mund. „Es erzählt so schöne Geschichten...“

Traurig sah sie auf ihren Jungen nieder, dann gab sie sich einen Ruck.

„Darf ich ihnen eine Tee anbieten? Es ist nicht der beste, aber ich habe im Moment keinen anderen.“

Dumbledore machte ein betrübtes Gesicht, lächelte dann aber und sagte mit sanfter Stimme:

„Machen sie sich unseretwegen keine Mühe. Wir begleiten nur Mr. Potter. Er wollte John besuchen.“

„Das ist sehr freundlich von ihnen.“, sagte Johns Mutter und lächelte Harry an. „John freut sich sehr, aber er kann es nicht mehr sagen. Mein Gott, der arme Junge, er ist immer so weit weg von der Welt.“

Sie verschwand aus dem Wohnzimmer und kam kurz darauf mit ein paar Tassen wieder, die sie auf dem Tisch aufstellte. Dann ging sie wieder hinaus um den Tee zu kochen.

„Harry soll kommen.“, meldete sich plötzlich John vom Feuer her. Harry stand unsicher auf und ging zögernd zum Kamin hinüber.

„Hallo John“, sagte er. „Es tut mir so leid, was sie mit dir gemacht haben.“

John hob den Kopf und sah Harry an. Wieder flog ein zaghaftes Lächeln über sein Gesicht, nur um im nächsten Augenblick wieder hinter der Maske der Ausdruckslosigkeit zu verschwinden.

„Sie haben dein Autogramm nicht gefunden.“, flüsterte John und seine Augen glänzten für einen Moment ganz stolz. „Schau, ich habe es noch...“

Er öffnete seine Faust und rollte das Photo auseinander, das Harry ihm damals in Ollivanders Laden unterschrieben hatte.

„Ich habe es extra für dich geholt. Ich wusste, dass du heute kommst. Das Feuer hat es mir erzählt.“

Harry schluckte. Hilflos sah er sich um. Professor Dumbledore nickte ihm wohlwollend zu, als wolle er sagen: ‚Lass es heraus, es wird dir gut tun.’ Harry atmete tief durch.

„John, ..., John, ich möchte dir danken. Es tut mir so leid, was sie mit dir gemacht haben. Ich möchte, dass du weißt, das ich das nicht gewollt habe...“

„Es ist ok, Harry. Mir geht es gut. Ich habe nicht alles gesagt. Das meiste habe ich für mich behalten. Du hättest sehen sollen, wie ich sie geärgert habe.“

Johns Stimme war leise, aber sie drang mit einer seltsamen Klarheit durch den Raum, gerade so, als würde er in einer großen Halle sprechen. Es klang, als wäre er tatsächlich nicht hier, sondern an irgendeinem fernen Ort, irgendwo auf dieser Welt.

„Du hast mir ein schönes Geschenk gemacht, Harry.“, fuhr John nach einer Pause fort. „Ich kann jetzt hören, was mir die Flammen erzählen. Es sind so schöne Geschichten...“

Dann verstummte er, legte den Kopf zur Seite und es sah so aus, als würde er wieder den Stimmen zuhören, die aus dem Feuer sprachen. Harry berührte leicht seine Schulter, schließlich wandte er sich ab und ging mit betretener Miene zurück zu dem Sofa. Johns Mutter hatte inzwischen den Tee hereingebracht und eingeschenkt. Jetzt zog sie sich einen Stuhl herbei und setzte sich.

„Er sitzt den ganzen Tag vor dem Feuer.“, berichtete sie und schaute liebevoll in seine Richtung. „Manchmal ist es ganz seltsam. Dann scheint er wirklich zuzuhören, was ihm die Flammen erzählen. Leider kann ich nicht jeden Tag das Feuer anmachen, dann sitzt er aber trotzdem da und starrt auf den Kamin. An manchen Tagen ist es ganz schlimm, dann ist er richtig nervös und fragt mich, wann ich das Feuer anmache.  Und wenn ich ihm sage, dass ich kein Holz habe, dann regt er sich sehr auf. Aber es gibt auch Tage, an denen ist er schon fast wieder der Alte, so wie er früher war.“

„Darf ich fragen, wovon sie leben?“, fragte Dumbledore behutsam. Harry sah zu Hagrid hinüber und bemerkte, dass sich in seinen Augenwinkeln ein feuchter Glanz gebildet hatte.

„Ach, ich habe manchmal eine Arbeit. Nicht oft, aber es reicht, um das Nötigste zu kaufen. Viel ist es nicht. Ich müsste dringend etwas am Haus tun, aber ich kann es nicht selber machen und bezahlen ist auch nicht drin. Jetzt, wo John wieder da ist und ich ihn pflegen muss, habe ich eigentlich keine Zeit mehr, arbeiten zu gehen. Manchmal hilft mir meine Nachbarin, sie passt auf John auf, dann geht es.“

Dumbledore führte seine Tasse zum Mund, blies ein Wenig hinein, um den Tee abzukühlen, dann trank er einen Schluck.

„Sie sind Witwe, sagten sie?“, fragte er weiter.

„Ja.“, sagte sie, „John war noch ein Baby, als mein Mann schwer krank wurde. Er hatte eine gute Arbeit, im Ministerium, da war er Archivar, und wir konnten uns von seinem Ersparten dieses Haus hier kaufen. Keiner konnte ihm helfen, wir sind von Arzt zu Arzt gelaufen, bis er nicht mehr gehen konnte. Fast ein Jahr hat er dann gelegen und ist, als John gerade laufen gelernt hatte, gestorben. Er hatte nicht genug Jahre beisammen, so dass die Versicherung keine Rente gezahlt hat, es wäre auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. So habe ich halt versucht, für unsere kleine Familie zu sorgen.“

Hagrid schnaufte tief durch und wischte sich mit seinen riesigen Händen über die Augen.

„Was meinen den die Ärzte?“, wollte Dumbledore wissen, „Wird John im nächsten Jahr in die Schule kommen können?“

„Das kann ich ihnen leider nicht sagen. Die Ärzte schweigen sich aus. Angeblich ist er kerngesund, aber sehen sie ihn sich an. So kann er nicht nach Hogwarts. Und ich habe Sorge, dass es nicht besser wird. Was war er doch für ein lebhafter Junge...“

Mit einem Mal ging ein Ruck durch John. Harry hatte es nur durch die Augenwinkel gesehen, aber John hatte sich kerzengerade aufgesetzt. Er neigte seinen Kopf zum Kamin hin und lauschte. Dann drehte er sich um und ein einziges Wort kam über seine Lippen:

„Gefahr!“

„Was ist los John“, fragte seine Mutter milde lächelnd, „hast du wieder geträumt?“

„Gefahr!“, sagte John, und diesmal sagte er es so eindringlich, dass Moody aufmerksam wurde. Er sah John mit seinem gesunden Auge an und sein magisches Auge rotierte wie wild in seiner Augenhöhle.

„Was für eine Gefahr?“, fragte er leise.

„Sie kommen, Mr. Moody!“, antwortete John. „Sie wollen hierher...“

Dann wandte er sich wieder dem Kamin zu, sein Blick ging ins Leere und er lauschte.

„Woher kennt er dich?“, fragte Dumbledore verwundert. Ich habe dich ihm gar nicht vorgestellt!?“

Moody verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, die ein Grinsen darstellen sollte.

“Er weiß viel!“, sagte er. „Er hat das dritte Auge. Er wusste, dass wir hier her kommen, und er weiß auch, wer ihr alle seid. Und er weiß wer da kommt. John, kannst du mir sagen, wer da kommt?“

John wandte sein Gesicht zu Moody und starrte auf sein magisches Auge. Er nickte langsam.

„Er ist es, und einer, der nicht sein darf, der tot ist. Und ein Henker kommt mit, und ein großer Zauberer der Malfoy genannt wird. Sie kommen hierher...“

Jetzt war auch Dumbledore aufmerksam geworden. Er stand auf und trat näher an John heran.

„Wer ist ‚Er’?“, fragte er.

„Er...er, dessen Name nicht genannt werden darf. Er ist groß und schwarz, und seine Augen glühen!“

„John!“, sagte Dumbledore eindringlich und legte seine Hand auf Johns Schulter. „John, ist es wirklich so, dass Du weißt schon wer kommt? Woher willst du das wissen?“

Jetzt schaute John auf und sah Dumbledore mit klarem Blick ins Gesicht. Dumbledore begriff sofort, dass John sich nichts einbildete.

„Sie sind schon lange da. Sie beobachten mich. Sie wollen wissen, ob Harry Potter zurück kommt. Sie sitzen immer dort drüben am Fenster. Und so haben sie auch gesehen, dass ihr heute gekommen seid! Das Feuer sagt es mir...“

Dumbledore lächelte und klopfte John leicht auf die Schulter.

„Danke, John, dass du uns gewarnt hast. Alastor? Was meinst du dazu?“

Moody versuchte sein rotierendes Auge zu beruhigen. Sei Gesicht war zu einer finsteren Grimasse geworden. Magister Baumann hatte vor Aufregung seine Hand ergriffen. Moody nahm sie vorsichtig und löste sich vorsichtig aus ihrem Griff. Dann stand er auf, war mit zwei schnellen Schritten am Fenster und sah in die Gasse hinunter.

„Ich kann noch nichts entdecken. Vermute, unser kleiner John hat eine besondere Gabe. John, kannst du mir sagen, wo sie sind?“

John nickte. Jetzt war er in dieser Welt. Voller Aufmerksamkeit folgte er mit den Augen dem Auroren. „Sie werden gleich in unsere Gasse kommen. Bald sind sie da.“

„Was wollen wir machen?“, fragte Dumbledore ruhig. „Ich denke, es ist das Beste, wir nehmen Flohpulver. Das Feuer reicht aus, vielleicht machen wir es noch ein bisschen größer.“

„Wir können John doch nicht hier lassen!“, rief Harry empört. „Wenn er Voldemort in die Hände fallt, dann bringt er ihn um!“

Johns Mutter erschrak heftig, als der Name fiel. Hagrid stand auf. Er war schlagartig nüchtern geworden.

„Das stimmt, Professor. Wir nehmen die beiden mit!“

Dumbledore sah Hagrid fragend an.

„Wo sollen wir denn mit ihnen hin? Sicher, du hast recht, Rubeus, hier lassen können wir sie nicht, aber wir können sie auch nicht mit nach Hogwarts nehmen!“

„Was ist denn mit Hogsmead?“, fragte Harry aufgeregt. „In Hogsmead sind sie doch auch sicher. Sie könnten in der Heulenden Hütte wohnen, jetzt braucht sie doch keiner mehr! Und Henry kennt einen Zauber, mit dem man sie richtig schön herrichten kann. Und vielleicht kann Johns Mutter Madame Rosmerta in den drei Besen helfen!“

„Das ist vielleicht gar keine schlechte Idee... John könnte auf Hogwarts vielleicht etwas bessere Hilfe bekommen, bei Madame Pomfrey. Übrigens kenne ich auch einen Zauber, mit dem man die heulende Hütte in ein schmuckes kleines Häuschen verwandeln könnte. Also gut. Ich schlage vor“, und dabei wandte sich an Johns Mutter, „Sie packen schnell die wichtigsten Dinge zusammen. Vielleicht haben wir noch fünf Minuten.“ Und, um noch einmal deutlich zu machen, in welcher Situation sie sich befanden, fügte er hinzu:

„Sie befinden sich in höchster Gefahr. Beeilen Sie sich. Alles andere werden wir regeln, wenn wir in Sicherheit sind.“

Moody beobachtete weiter durch das Fenster die Gasse. Johns Mutter verließ das Wohnzimmer. Dumbledore kümmerte sich um den Kamin, in dem bald ein lustiges kleines Feuerchen brannte. Schließlich wandte er sich an Moody und fragte:

„Wie sieht es aus, Alastor?“

„Ich sehe sie.“, knurrte Moody und seine Stimme hatte einen seltsam drohenden Klang. Magister Baumann erschrak.

„Kommen sie hierher?“, fragte sie.

„Ja!“, knurrte Moody wieder. „Schätze, wir werden sie aufhalten müssen. Magst du, Albus?“

„Natürlich!“, sagte Professor Dumbledore und fingerte seinen Zauberstab aus dem Ärmel.

„Paralesa esperus!“; rief er und richtete seinen Stab auf die Gasse hinaus. Ein Flimmern zog sich mit einem Mal von einer Seite der Gasse zur anderen. Die schwarzen Gestalten, die sich auf dem Weg zum Haus befanden, verschwammen ein wenig, und dann zogen sich Wellen durch das Flimmern, als würde ein Stein in einen See fallen. Im Zentrum dieser Wellen wurden vier Punkte sichtbar, zuerst ganz klein, dann immer größer werdend, bis Harry erkennen konnte, dass sich vier ebenso schwarze Gestalten aus dem Flimmern schälten.

Harry hatte den Eindruck, dass es ein Spiegel war, denn die vier neuen Gestalten hatten ihnen den Rücken zugekehrt, schwebten fast bis zum Haus und nahmen dort in genau der Aufstellung Form an, wie die vier, welche die Gasse betreten hatten. Der einzige Unterschied war, dass sie wirklich, wie in einem Spiegel, die Seiten vertauscht hatten. Als sie ihre volle Größe erreicht hatten, begannen sie in genau dem gleichen Tempo und mit genau den gleichen Schritten auf das Flimmern zuzugehen.

Voldemort und seine Anhänger blieben stehen und beobachteten die vier Spiegelbilder, die nun ebenfalls stehen blieben. Der dunkle Lord gab seinem Nebenmann ein Zeichen, woraufhin der seinen Zauberstab hervorholte und auf sein Gegenüber richtete. Ein greller, schwarzer Blitz schoss aus der Spitze vor, traf das Flimmern und prallte daran ab. Es sah fast so aus, als hätte das Spiegelbild auch seinen Stab gehoben und hätte einen Fluch auf den Angreifer los gelassen. Voldemort hob nun blitzschnell seinen Stab und schleuderte einen Fluch, der den schwarzen Blitz traf und ihn in den Himmel ablenkte. Dann sprach er mit drohender Gebärde auf seinen Nebenmann ein.

„So, das wird reichen!“, sagte Dumbledore zufrieden und schob den Zauberstab wieder in den Ärmel. „Damit werden sie eine Weile beschäftigt sein.“

„Was ist das für ein Zauber?“, fragte Harry neugierig.

„Oh, das ist ein sehr netter Zauber. Es ist ein Spiegel, der nicht so leicht zu überwinden ist. Er verleitet den Angreifer immer nur auf sein Spiegelbild zu zielen, was den Effekt hat, dass dieser von seinen eigenen Flüchen getroffen wird. Er kann nur überwunden werden, wenn man sich selbst überwindet. Außer dem dunklen Lord halte ich keinen der Anderen für fähig, sich selbst zu überwinden. Und wenn der dunkle Lord es allein schafft dieses zu tun, werden sich die Spiegelbilder der anderen gegen ihn richten. Sie werden den Spiegel nur zerstören, wenn alle am gleichen Strang ziehen.

Johns Mutter kam wieder in das Wohnzimmer. Sie hatte einen alten, kleinen Koffer in der Hand.

„Viel Wertvolles habe ich nicht, aber seit diese Geschichte mit meinem John passiert ist, habe ich die wichtigsten Dinge immer griffbereit in diesem Koffer. Ich bin fertig, aber wie machen wir das mit John? Ich bin mir nicht sicher, ob er es allein schafft.“

„Ich werde ihn tragen.“, brummte Hagrid. Er ging zu dem Stuhl, auf dem John saß.

„Na, John, ist das in Ordnung?“

John lächelte.

„Du bist in Ordnung.“

Dann streckte er seine Arme aus und Hagrid nahm ihn auf seine riesigen Hände. Gelassen holte Dumbledore eine Dose aus seinem Umhang und öffnete sie. Er entnahm der Dose eine Fingerspitze des Flohpulvers, streute es in die Flammen und sagte zu Hagrid:

„Nun Rubeus, ich denke, du solltest zuerst gehen. Wir sehen uns dann bei Moody.“

Hagrid bückte sich tief hinunter, um in den Kamin zu kommen, dann rief er „Zu Moody!“ und verschwand in einem rauschenden Wirbel. Als nächstes ging Johns Mutter, dann war Magister Baumann an der Reihe.

„So, jetzt bist du dran, Harry!“, sagte Dumbledore. Harry trat in das Feuer und war, nachdem auch er „Zu Moody!“ gerufen hatte, einen Augenblick später in Madeye Moodys Wohnzimmer, in dem Hagrid, John und die beiden Frauen schon warteten.

 Dumbledore und Moody ließen sich noch etwas Zeit. Als sie jedoch durch den Kamin in das Wohnzimmer plumpsten, machten sie einen ausgelassen fröhlichen Eindruck. Sie hatten noch ein paar Minuten am Fenster gestanden und zugesehen, wie die Todesser versuchten, durch den Spiegel zu kommen. Erst als Voldemort, der den Zauber als erster durchschaut hatte,  seine Leute zur Raison gebracht hatte, konnten sie ihn überwinden. Dann war es aber höchste Zeit, zu verschwinden, denn Voldemort begann sofort mit einem Angriff auf das Haus.

„Wir sollten zusehen, dass wir jetzt nach Hause kommen.“, sagte Dumbledore, nachdem er seinen Bericht beendet hatte. „Meinst du, Alastor, du kommst alleine zurecht?“

„Mach dir mal keine Sorgen um mich.“, sagte Moody. „Ich habe mein Haus nach dem letzten Angriff durch Crouch noch einmal besonders gesichert. Es wird keine Probleme geben.“

Dumbledore nickte. Dann suchte er in seiner Umhangtasche nach dem alten Socken, der sie hergebracht hatte. Wenige Minuten später befanden sie sich auf der Heimreise und brachten zwei neue Bewohner für das Dörfchen Hogsmead mit. 

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