5. Die Schulmannschaft
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
Weiter gehts mit...

 

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Harry schlief schlecht in dieser Nacht. Eigenartige Träume ließen ihn immer wieder aus dem Schlaf hochschrecken. In einem Traum durchlebte er noch einmal die Szene auf dem Friedhof, als er und Cedric Diggory mit dem Pokal des Trimagischen Turniers in die Hände von Lord Voldemort geraten waren. Er träumte, er sei es gewesen, der einen Todesfluch auf Voldemort gesandt hatte und mit einem Mal stand dort anstelle des dunklen Lords Cedric.

‚Harry, warum hast du das getan?’, hatte Cedric noch gestöhnt, bevor er zusammengebrochen war.

Harry schreckte hoch und fühlte, dass ihm der kalte Schweiß auf der Stirn stand. Er begriff nicht, was geschehen war, wollte zu Cedric stürzen, rief seinen Namen. Erst langsam erkannte er, dass er in seinem Bett saß, und dass er nur geträumt hatte. Aber das Bild war wieder vor seinen Augen, das Bild, das er inzwischen fast verdrängt hatte. Nur noch selten dachte er über diesen Abend nach; zu viel hatte sich inzwischen ereignet.

Langsam ließ er sich in die Kissen zurückgleiten. Aber an Schlafen war erst einmal nicht zu denken. Jetzt wanderten seine Gedanken, wie schon lange nicht mehr, zu Cedric, zu Voldemort, zu seinen Eltern. Mit offenen Augen starrte er an den Himmel seines Bettes. Und dann hörte er es leise, ganz leise und weit weg. Ein glockenheller Klang schwebte durch die Luft. Harry hatte ihn schon einmal gehört, damals, als er in den geheimen Verließen unter dem Schloss auf Tom Riddle gestoßen war. Tom Vorlost Riddle, der ehemalige Schüler von Hogwarts, der viele Jahre später als Lord Voldemort seinen Vater und seine Mutter getötet hatte. Damals hatte er sich in einer auswegslosen Situation befunden, und der Klang, der Gesang des Phoenix, hatte ihm angekündigt, dass der Phoenix Fawks ihm zu Hilfe eilte.

Harry wunderte sich, dass er sogar im Wachzustand weiterträumte, dass er sogar Fawks hören konnte. Aber der Klang ließ sich nicht mehr ausblenden und setzte sich in seinem Ohr fest, wie das leise und andauernde Pfeifen, wenn man lange und laut Musik gehört hatte. Harry pulte in seinem Ohr, in der Hoffnung, dass er das Geräusch herausholen konnte, aber als er den Finger in die Ohrmuschel schob, verstummte es, und als er den Finger wieder herausnahm, war es wieder da. Es war Wirklichkeit, kein Traum. Und es wurde stärker, klarer und deutlicher. Fast hatte Harry den Eindruck, der Phoenix würde nach ihm rufen.

Unwillig setzte er sich auf und schüttelte dem Kopf. Was wollte Fawks von ihm? Gerade in dem Moment, als Harry aufstehen und hinaus in den Flur vor dem Gemeinschaftsraum gehen wollte, um zu hören, ob der Gesang dort lauter war, verstummte der Klang wieder. Verwundert horchte Harry in die Stille der Nacht. Außer den regelmäßigen Atemzügen seiner Bettnachbarn und dem leisen Pfeifen des Windes draußen vor den Mauern des Turmes war nichts mehr zu hören.

‚Ich werde es mir eingebildet haben.’, dachte er und legte sich wieder hin. Bald dämmerte er ein, aber er blieb in einem Zustand von Halbschlaf. Seltsame Traumbilder zogen vor seinem Auge vorüber. Unruhig wälzte er sich hin und her. Seine Beine waren unruhig. So sehr er sich bemühte, sie ruhig zu halten, nach wenigen Sekunden verspürte er immer wieder den Zwang, sie zu bewegen. Dann, irgendwann, schlief er doch wieder ein.

Diesmal träumte er von Draco. Er sah, wie Draco sich über das Bett seiner Mutter beugte. Sie sah totenblass und ausgezehrt aus und Draco hielt ihre kleine magere Hand. ‚Ma, verlass mich nicht!’, hörte er Draco flüstern. Dann wandte Draco ihm das Gesicht zu. Es war tränennass. Draco sah ihn mit einer Mischung aus Verzweiflung und Zorn an. ‚Sieh sie dir an!’, sagte er. ‚Du hast es getan!’ Die letzten Worte hallten lange nach.

‚Draco! Was machst du am Bett deiner Mutter?!’, dröhnte eine herrische Stimme von der Tür her. Gigantisch groß und bedrohlich schwarz stand Lucius Malfoy unter dem Türrahmen.

‚Hier ist er, Lord Voldemort!’, brüllte er nach draußen. Wenige Augenblicke später trat der dunkle Lord ein und die roten Augen glühten aus dem Schatten unter seiner Kapuze hervor.

‚Endlich!’, hörte Harry die unheilvolle und kalte Stimme von Lord Voldemort. ‚Da haben wir sie ja alle drei!’ Dann zog Voldemort den Zauberstab hervor, und Harry wusste, dass es der Zauberstab von Salazar Slytherin war. ‚Wie hat er ihn wiederbekommen?’, fuhr es Harry durch den Kopf. Er tastete in seiner Umhangtasche nach seinem Drachenstein, aber alles, was er fand, war großes Loch. Zischend lachte Voldemort, hob den Zauberstab und richtete ihn auf das Bett. ‚Avada Kedavra’, zischte er und ein schwarzer Blitz traf Dracos Mutter. Dann richtete er den Zauberstab auf Draco und wieder ertönte das zischende ‚Avada Kedavra’ und Draco brach über seiner Mutter zusammen.

‚Jetzt zu dir, mein Freund. Wenn ich mit dir fertig bin, steht mir nichts mehr im Wege. Dann bin ich der einzige Erbe von Salazar Slytherin!’ Voldemort hob den Stab. Harry wollte schreien, aber seine Kehle war wie zugeschnürt. ‚Nein!’, dachte er verzweifelt.

„Nein!“, platzte es aus ihm heraus. Er fuhr hoch. Noch einmal schrie er „Nein!“, dann, langsam, bemerkte er, dass es nur ein Traum war, und er in seinem Himmelbett im sicheren Turm von Gryffindor saß. Draußen war es hell geworden. Verwirrt starrte er in die Gesichter von Ron und Neville. Beim ersten Schrei waren sie aus ihren Betten gehechtet und Harry gelaufen. Jetzt standen sie davor, hatten den Vorhang des Bettenhimmels auf gezogen und starrten Harry entsetzt an.

„Du hast geträumt!“, sagte Ron erschrocken. „Mein Gott, wie hast du geschrieen!“

Harry war immer noch verwirrt und er starrte auf Ron, als wäre er sich nicht sicher, ob er nun seinen besten Freund oder vielleicht doch seinen ärgsten Feind vor sich hätte.

„Was hast du denn geträumt?“, fuhr Ron fort. „Ich habe schon eine ganze Weile gehört, wie du dich hin und her geworfen hast. Und gesprochen hast du auch, irgendetwas unverständliches, wie ‚Erbe’ oder ‚Draco’. Hast du von Draco geträumt?“

Harry nickte. Dann rieb er sich die brennenden Augen.

„Ja...“, murmelte er und zog die Stirn in Falten. „Voldemort war da, und Draco und seine Mutter. Ich glaub’, Voldemort hat Draco umgebracht...“

„Der doch nicht!“, meinte Ron. „Jeder weiß, dass Malfoy ein Anhänger von Du-weißt-schon-wer ist.“

„Nein!“, sagte Harry abwehrend. „Draco ist kein Anhänger von Voldemort. Erinnerst du dich an den Brief?“

„Glaubst du das, was darin stand? Die Malfoys lügen doch alle! Und wer weiß, ob Malfoy dich den Brief nicht absichtlich finden lassen wollte.“

„Ich glaub, ich will jetzt nicht darüber reden.“, sagte Harry bestimmt. Dann gähnte er, streckte sich und warf die Bettdecke zurück. Er stand auf.

Nach den mehr oder weniger trüben und ungemütlichen Tagen, die hinter ihnen lagen, lachte heute morgen die Sonne durch das Fenster. Einzelne Sonnenstrahlen ließen den Staub glitzern, der in der Luft schwebte. Ein wenig versöhnte das Harry mit der schlechten Nacht. Er war zwar immer noch sehr müde, aber die seltsamen Träume rückten in den Hintergrund, und als er sich im Waschraum einen Strahl eiskalten Wassers in das Gesicht spritzte, fühlte er sich gleich wieder besser.

„Ich habe echt einen Mist geträumt!“, meinte er beim Frühstück zu Ron. „Ich bin froh, dass es wieder Tag ist, und das alles wirklich nur Träume waren. Was haben wir heute?“

„Erste Stunde bei Hagrid.“, antwortete Ron. „Ich hoffe, die Slytherins streiken auch heute, dann gehen sie uns wenigstens nicht auf die Nerven. Erinnerst du dich noch an Malfoy, was für ein Theater er gemacht hat, als Seidenschnabel ihn verletzt hatte?“

„Hmhmm:“, mampfte Harry, der gerade herzhaft in einen gebutterten Toast mit Honig gebissen hatte.

„Ich bin mal gespannt, welche Monster er uns heute vorführt.“, sagte Hermine.

„Gut, dass wir die Knallrümpfigen Kröter schon hinter uns haben.“, sagte Harry, nachdem er geschluckt hatte. „Ich glaube, etwas schlimmeres kann es nicht geben.“

„Da kennst du Hagrid aber schlecht.“, meinte Ron. „Er hatte doch immer schon einen Faible für die schlimmsten Monster, die es gibt.“

„Lassen wir uns überraschen.“, sagte Hermine. Sie stand auf und griff nach ihrer Tasche. „Ich gehe noch mal kurz in die Bibliothek. Bis nachher.“

Hermine verließ den Saal. Die Anderen beendeten ihr Frühstück ebenfalls. Das die Slytherins auch heute nicht zum Frühstück erschienen waren, deuteten sie als gutes Zeichen. So konnten sie in aller Ruhe an Hagrids Unterricht teilnehmen. Wahrscheinlich dachte Hagrid genau so, wie sie. Als sie aus dem Saal in die große Halle gekommen waren, trafen sie auf Roger Davies. Roger war der Quidditch - Mannschaftskapitän der Ravenclaws.

„Hallo Harry!“, grüßte er freundlich.

„Hallo Roger!“, sagte Harry und streckte ihm die Hand hin. Roger nahm sie und drückte sie.

„Du, sag mal Harry“, begann er, „ich habe gehört, dass du eine Schulmannschaft aufbauen sollst?“

„Ja...“, antwortete Harry etwas verlegen, denn er war sich bewusst, dass er sich noch gar nicht darum gekümmert hatte. Außer der Reise nach London, die ja nun verschoben war, hatte er keinerlei Vorstellungen, wie er es anfangen sollte.

„Hast du schon wen gefragt?“, bohrte Roger.

„Nein, du...du weißt doch, im Moment ist hier die Hölle los. Ich bin noch nicht dazu gekommen. Außerdem hat Snape mir eine Hausaufgabe aufs Auge gedrückt, die mir diese Woche keine Zeit dazu lässt. Warum fragst du?“

„Ich wollte dich fragen, ob du mich aufnehmen willst...“

Harry überlegte kurz. Roger war ein guter Jäger, und wenn er sich so freiwillig anbot, dann brauchte er nicht so viel zu suchen.

„Ja, ist vielleicht keine schlechte Idee. Aber, lass uns nächste Woche noch mal darüber sprechen, ja?“

„Ach, ich sehe, sie Arbeiten schon an der Schulmannschaft, Potter!?“ Die Stimme von Professor McGonagall ließ Harry herumfahren.

„Ja...“, stotterte er.

„Und? Haben sie sich schon Gedanken über die Mannschaft gemacht? Davies ist keine schlechte Wahl, herzlichen Glückwunsch, Potter.“

„Ja...“, stotterte Harry verlegen.

„Aber sie denken doch auch daran, dass aus dem Haus Slytherin wenigstens ein Schüler mit macht, ja?“

„Äh, natürlich, Professor...“, beeilte er sich zu sagen.

„Gut.“, sagte Professor McGonagall freundlich. „Ich wusste, dass sie der Aufgabe gewachsen sind. Wann soll denn das erste Training stattfinden? Ich würde es mir gerne ansehen.“

„Das haben wir noch nicht festgelegt!“, sagte Harry schnell. „Wir müssen doch erst einmal die Mannschaft zusammenstellen...“

„Wenn sie Hilfe brauchen, Potter, dann wenden sie sich ruhig an Madame Hooch. Ich habe noch heute morgen mit ihr darüber gesprochen. Was halten sie denn davon, wenn wir sie heute am späten Nachmittag aufsuchen? Da wären ja noch die Dinge wie das Schultrikot und die Trainingsbesen zu klären.“

„Ja, vielleicht...“, sagte Harry.

„Dann bis heute Nachmittag.“, sagte sie und ging zur Treppe.

Harry atmete tief durch.

„Wir sehen uns!“, nickte er Roger zu, dann lief er hinter Ron her zum Eingangsportal.

 

Eine viertel Stunde später versammelte sich Harrys Jahrgang von Gryffindor vor der Hütte von Hagrid. Die Slytherins waren erwartungsgemäß nicht erschienen und die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Neben Hagrids Hütte stand eine 2 Meter hohe, aus rohen Brettern zusammengezimmerte und mit Luftlöchern versehene Kiste. Durch die löcher konnte man ein feinmaschiges Gitter erkennen. Innen war es vollkommen dunkel, jedoch konnte man ein eigenartiges, dumpfes Poltern hören, und ab und zu zitterte die Kiste ein wenig.

„Was mag da drin sein?“, fragte Parvati.

„Bestimmt wieder so ein Riesenmonster!“, meinte Dean Thomas. Er ging zur Kiste hin und klopfte vorsichtig mit der Faust dagegen. Sofort wurde es still, aber nach ein paar Sekunden polterte und quiekte es aus der Kiste heraus, dass Dean erschrocken zurück sprang.

„Halt, halt!“, war nun die vertraute Stimme von Hagrid zu vernehmen, der gerade aus seiner Hütte getreten war. „Ihr dürft sie nicht erschrecken. Sie sind etwas empfindlich, und außerdem sind sie noch aufgeregt, weil sie heute erst geliefert wurden.“

„Wer...sie?“, fragte Hermine.

„Na, die Woolwoodys!“, brummte Hagrid und zog ein verschmitztes Gesicht. „Habe mir gedacht, dass ihr auch mal wieder Spaß braucht. Die Kröter waren schon ein bisschen heftig.“

Er ging zu der großen Kiste hinüber und legte seine Hand darauf.

„Hier sind sie drin.“, sagte er mit Stolz und tätschelte leicht auf die Bretter. Sofort war wieder dieses Poltern und Quieken zu hören.

„Hat mich einige Anstrengungen gekostet, sie zu bekommen. Wisst ihr, in unserem Land gibt es sie nicht, und ich habe erst im Ministerium anfragen müssen, ob ich sie einführen darf. Kommen aus Kanada. Sie leben dort in den Wäldern, ziemlich weit weg von den Menschen. Hat irgendeiner von euch schon mal von ihnen gehört?“

Hagrid blickte in die Runde und, als er sah, dass ihn alle nur erwartungsvoll ansahen, grinste er zufrieden und fuhr fort:

„Gut. Dann werde ich euch mal etwas über die kleinen Kerle erzählen. Woolwoodys sind nicht ganz einfach zu halten. Sie sind sehr selbständig. Das einzige, was sie an Pflege brauchen, ist klares Wasser und hin und wieder etwas frisches Holz. Also, in der Stadt wird es schwierig mit ihnen, aber hier haben wir genügend Vorräte. Vielleicht haben einige von euch schon gesehen, dass ich Holz geschlagen habe. Habe einen Haufen hinter meiner Hütte aufgeschichtet. Vielleicht sollten wir uns alle mal ein Scheit holen.“

Dabei wies er mit der Hand auf seine Hütte. Zögernd setzten sich die Schüler in Bewegung und folgten Hagrid. Hinter seiner Hütte war ein hoher Stapel frisch geschnittenen Holzes aufgestapelt. Harry und Ron nahmen sich je einen Knüppel und gingen zurück zur Kiste.

„Schwarzerle fressen sie besonders gerne.“, erzählte Hagrid weiter, als sie sich alle wieder mit Knüppeln in der Hand an der Kiste versammelt hatten. „Wenn ich gleich die Kiste öffne, dann werden sie herausklettern. Stellt euch einfach im Kreis um die Kiste herum und haltet das Holz vor euch hin. Die Woolwoodys werden auf euch zu kommen und sich das Holz greifen. Im Prinzip habt ihr dann schon bei ihnen gewonnen, sie werden euch dann als so eine Art Partner akzeptieren und auf euren Arm klettern, um am Holz zu nagen. Keine Sorge, sie sind im Großen und Ganzen harmlos.“

„Hat er das bei den Krötern nicht auch gesagt?“, flüsterte Ron. „Ich möchte mal wissen, was er als gefährlich bezeichnet.“

„Wahrscheinlich fressen sie einem nur die Ohren ab.“, bemerkte Harry hinter vorgehaltener Hand.

„So, dann werde ich sie mal raus lassen.“, kündigte Hagrid an. Er ließ ein Schloss aufschnappen und hob den laut quietschenden Deckel. Alle starrten gebannt auf die Kiste. Das Poltern hatte vollkommen aufgehört. Dann kam am oberen Rand der Kiste eine magere, langfingrige Hand zum Vorschein. Sie legte sich um die Kante. Dann kam eine zweite Hand hervor und schließlich schob sich ein eigenartiger, hellblauer Wollknäuel heraus. Das Wesen, das nun sichtbar wurde, sah aus wie ein Fußballgroßer Bommel einer Pudelmütze. Zwei große schwarze Murmeln, welche die Augen zu sein schienen wanderten neugierig hin und her. Eine Nase war nicht zu erkennen, aber unter den Augen zog sich ein lippenloser Mund von einer Seite der Kugel zur anderen. Das Verrückteste an dem Wesen waren seine Arme und Beine. Sie waren lang, unendlich lang und spindeldürr. Seine Arme maßen fast zwei Meter und waren noch ein Stück länger, als die Beine, und als es auf den Boden hinab geklettert war, stand es vor ihnen, wie ein Affe, der sich auf seine Hände stützt. Wenn es sich streckte, konnte es ohne Schwierigkeiten an Hagrids Bart ziehen.

„Nein, wie niedlich!“, kreischte Parvati. Ron stand mit bleichem Gesicht hinter Harry und rührte sich nicht.

„Spinnen!“, stammelte er und hielt sich an Harrys Ärmel fest.

„Quatsch!“, sagte Harry. „So sehen doch keine Spinnen aus!“

Nach und nach kletterten etwa zehn dieser Wollknäuel aus der Kiste, und als für jeden der Schüler ein Woolwoody herausgekommen war, schloss Hagrid die Kiste wieder. Die Woolwoodys standen unschlüssig herum und beäugten die Schüler neugierig. Das Erste, das anscheinend auch das mutigste war, löste sich aus der Gruppe und kam mit langsamen Bewegungen auf Harry zu. Dicht vor ihm blieb es stehen, knickte die Beine ein und hockte sich hin. Vorsichtig näherte es sich dem Ast, den Harry in der Hand hielt und schnupperte daran.

„Na los, Harry!“, sagte Hagrid sanft. „Gib es ihm!“

Harry hielt dem Wesen das Holz hin.

„Mimimi!“, machte es. Dann hob es einen Arm und nahm Harry das Holz mit spitzen Fingern aus der Hand. Es führte den Ast zu seinem Mund, streckte eine lange, himmelblaue Zunge heraus und begann den Ast genüsslich abzulecken. Mit einem Mal wurden lange, spitze Zähne sichtbar, das Woolwoody schob den Ast in sein Maul und begann, schnell wie eine Fräse, das Stück Holz in kleinste Stückchen zu zerraspeln. Harry wich erschrocken einen Schritt zurück. Als nichts mehr davon übrig war, leckte es sich zufrieden die nicht vorhandenen Lippen, fiepste leise und kletterte dann auf Harrys Arm, wo es sich feste an seine Schulter schmiegte.

Harry war einen Schritt zurück gewichen. Jetzt stand er da und schaute unsicher in die Runde. Er wusste nicht, ob er lachen, oder das Woolwoody abschütteln sollte. Hagrid lächelte wohlwollend.

„Siehst du, Harry“, brummte er glücklich, „ist doch halb so schlimm gewesen. Es hat dich als Freund akzeptiert. Du kannst ihm jetzt einen Namen geben.“

Dann wandte er sich an die anderen und sagte:

„Sie sind etwas schüchtern. Geht auf sie zu, gebt ihnen euer Holz!“

Ron, der gesehen hatte, dass die Woolwoodys nichts mit Spinnen gemein hatten, bekam wieder etwas mehr Farbe im Gesicht. Nachdem Hermine und Dean sich als Erste an die Tierchen getraut hatten, fasste er Mut und ging auf ein Woolwoody zu. Wenig später hatten alle eines der Wollknäuel auf dem Arm.

Hagrid freute sich, dass diese seltsamen Wesen so eine gute Aufnahme gefunden hatten. Er war sich dessen nicht sicher gewesen, als er sie in Kanada bestellt hatte. Er kannte sie selber nicht und hatte sich das, was er den Schülern über sie erzählte, nur in Büchern angelesen, die er vor den Ferien bestellt und zugesandt bekommen hatte. Für dieses Jahr war ihm von Dumbledore die Aufgabe gestellt worden, außereuropäische magische Wesen vorzustellen, und er hatte lange in der Bibliothek gesucht, bis er in einem Buch aus dem achtzehnten Jahrhundert auf einen eigenartigen Reisebericht eines Zauberers Namens Thomas Vanderbildt gestoßen war, der im Auftrag des Ministeriums den neuen Kontinent bereisen und beschreiben sollte. Daraufhin hatte er sich an das Kanadische Zaubereiministerium gewandt und war von einem alten indianischen Schamanen beraten worden. Dieser hatte ihm dann auch die Unterlagen zukommen lassen.

Hagrid erzählte den Schülern mit leuchtenden Augen für den ganzen Rest der Stunde, was es für Besonderheiten an den Woolwoodys gab. So sollten sie zum Beispiel von außerordentlicher Sensibilität für die Gefühle anderer Lebewesen sein. War ihr Gegenüber traurig, kamen sie an und schmusten ganz intensiv mit ihm. Auf Menschen, die böse Absicht hatten, reagierten sie mit schrecklichen Wutausbrüchen, wobei sie mit ihren dünnen Armen und Beinen erstaunliche Kräfte entwickeln konnten. Diese Kräfte brauchten sie auch, um junge Bäume abzubrechen, denn junges und frisches Holz war für sie die Leib- und Magenspeise.

In der Dunkelheit war ihre Farbe hellblau, was ihnen das Aussehen kitschiger Plüschkissen gab. Im Hellen behielten sie diese Farbe, sofern sie sich sicher wähnten. Waren sie aber gezwungen, sich zu verstecken, dann konnten sie die Farbe ihrer Umgebung annehmen, was zu einer perfekten Tarnung führte. Es war sehr schwer, sie in freier Wildbahn zu fangen, und die letzten wild lebenden Tiere waren noch im letzten Jahrhundert in die Fallen gegangen. Die Exemplare, die Hagrid von dem Schamanen erhalten hatte, stammten allesamt aus einer domestizierten Familie, die seit fast einhundert Jahren im privaten Zoo der Schamanenfamilie gezüchtet wurden.

„Und passt auf sie auf, rate ich euch!“, schloss die Unterrichtsstunde. „Sie haben einen verflixt eigenen Kopf. Wenn sie sich an jemanden gewöhnt haben, kann es sein, dass sie ihm nicht mehr von der Seite weichen. Und noch etwas. Sie treiben gerne Schabernack. Aber ich bin sicher, ihr werdet eine Menge Spaß mit ihnen haben. So, und nun zurück in die Kiste mit ihnen!“

Es war nicht einfach, sie wieder in die Kiste zu bugsieren. Einige der Tiere, so auch Harrys, klammerten sich ihre neuen Freunde. Sie waren nur mit viel gutem Zureden dazu zu bewegen, unter lautem Protestgepiepse in die Kiste zu klettern.

„Wenn ihr wollt, dann könnt ihr mir jeden Abend helfen, sie zu füttern!“, rief Hagrid den Schülern hinterher, als sie schon auf dem Rückweg über die große Wiese hinauf zum Schloss waren.

Den Nachmittag verbrachte Harry damit, sich auf die Suche nach Mitspielern zu machen. Zuerst suchte er Roger auf und teilte ihm mit, dass er gerne mitmachen könne. Einfach war es, Angelina Johnson und Katie Bell zu gewinnen. Sie erklärten sich sofort bereit, Jägerinnen in der neuen Schulmannschaft zu werden. So hatte er zwei Jägerinnen und einen Treiber. Er selbst würde natürlich den Sucher – Posten übernehmen.

Aber aus vier Leuten kann man kein Quidditch-Team bilden. Man brauchte schließlich nicht nur die aktiven Feldspieler, sondern auch eine Reservemannschaft, und es sah so aus, als könne er fast jeden fragen, der in irgend einer Weise auf Hogwarts mir Quidditch zu tun hatte. Über all dem schwebte wie das Schwert eines Henkers die Aufgabe, auch die Slytherins anzusprechen. Harry hatte eine Heidenangst davor und er schob es so weit wie möglich nach hinten.

Zuerst wollte er in den Häusern Ravenclaw und Hufflepuff vorsprechen, wobei er den Leuten aus Hufflepuff allenfalls einen Platz auf der Reservebank zusprach. In den letzten Jahren war es mit dieser Mannschaft stetig bergab gegangen und in den Schul-Turnieren hatten sie immer den letzten Platz belegt. Sicher, einzelne Spieler aus Hufflepuff hatten gewisse Qualitäten gezeigt, aber es fehlte ihnen der Biss. Die Ravenclaws waren da schon ein wesentlich ernst zu nehmenderer Gegner gewesen.

Am Abend jedoch, als er bei Madame Hooch an die Tür ihres Büros klopfte, war er nicht wesentlich weiter gekommen. Zwar hatte er noch kurz mit Kevin Withby von den Hufflepuffs gesprochen, aber Kevin war ein Anfänger und für eine Schulmannschaft überhaupt nicht zu gebrauchen.

Madame Hooch öffnete die Tür, begrüßte Harry freundlich und bat ihn herein. Professor McGonagall saß bereits auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch und hatte eine Tasse Tee in der Hand.

„Schön dass sie kommen, Potter.“, sagte sie und stellte die Tasse wieder auf den Schreibtisch.

„Setzen sie sich!“, forderte ihn Madame Hooch auf. „Möchten sie auch einen Tee?“

Harry dankte und nahm auf dem zweiten Stuhl vor dem Schreibtisch platz. Nachdem Madame Hooch eine Tasse aus ihrem Schrank geholt, sie auf den Tisch gestellt und aus einer großen, bauchigen Tasse mit dampfendem Tee gefüllt hatte, setzte auch sie sich und fragte:

„Nun, Mister Potter, wie stehen die Dinge mit der Schulmannschaft?“

„Na ja, im Moment noch nicht so gut.“, sagte Harry etwas verlegen. „Bisher habe ich nur vier Spieler gefunden, die mitmachen wollen.“

Madame Hooch sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

„Vier?“, fragte sie erstaunt. „Ich dachte immer, dass die Spieler sich um eine Position in der Schulmannschaft reißen würden. Wen haben sie denn gewinnen können?“

„Roger Davies, Angelina Johnson und Katie Bell.“, sagte Harry und blickte verlegen zu Boden. „Und dann habe ich noch bei den Hufflepuffs gefragt, aber die ganzen guten Spieler sind letztes Jahr abgegangen. Ich wüsste nicht, wer aus Hufflepuff mitmachen könnte...“

„Hm. Da haben sie recht, Hufflepuff hat nur sehr junge Spieler. Aber was ist denn mit Slytherin?“

Jetzt sah auch Professor McGonagall ihn erwartungsvoll an. Harry wand sich. Er wusste nicht, was er zu den Slytherins sagen wollte. Niemals würde er freiwillig hingehen und fragen. Dazu hatte er einfach zu schlechte Erfahrungen mit Draco, Crabbe und Goyle gemacht, und auch die meist sehr unfairen Quidditch-Spiele waren ihm noch in guter Erinnerung.

„Muss denn Slytherin auch dabei sein?“, fragte er unsicher. „Ich meine, sie spielen doch unfair, das hat man doch bei den letzten Turnieren gesehen. Außerdem streiken sie.“

Froh über seinen letzten Einfall, entspannte er sich ein wenig und ließ sich gegen die Lehne des Stuhls sinken.

„Sie werden doch hoffentlich Schüler aus Slytherin beteiligen!“, sagte Professor McGonagall streng. „Das soll eine Schulmannschaft werden, aber wie es im Moment aussieht, wird es eine fast reine Gryffindor Mannschaft. Potter, das kann ich nicht zulassen.“

„Beruhige dich, Minerva.“, sagte Madame Hooch und hob beschwichtigend die Hände. „Das was Mr. Potter zum Schluss gesagt hat, ist das eigentlich wichtige. Gerade, weil die Slytherins zur Zeit einer besonderen Belastung ausgesetzt sind, müssen wir sie einbeziehen. Das sehen sie doch ein, Mr. Potter, oder?“

Harry schluckte, aber er nickte. Es klang logisch.

„Aber vielleicht“, fuhr Madame Hooch fort, „Vielleicht sollten wir unserem jungen Freund ein wenig den Weg ebnen. Was halten sie davon, Minerva, wenn sie vorab einmal mit Professor Snape reden. Ich bin mir sicher, er freut sich über unser Ansinnen, und wird veranlassen, dass die Quidditch-Spieler von Slytherin für eine kurze Zeit ihren Streik unterbrechen und mit Mr. Potter über die Schulmannschaft reden. Ich möchte gar nicht so weit gehen, aber insgeheim hege ich die Hoffnung, dass das der Anlass für die Slytherins sein könnte, den Streik zu beenden. Das wäre doch das Symbol für sie, dass sie dazu gehören.“

Professor McGonagall nickte anerkennend. Dann sah sie Harry erwartungsvoll an.

„Sicher, das ist bestimmt eine gute Idee!“, beeilte Harry sich zu sagen, auch wenn er davon überhaupt nicht überzeugt war. Insgeheim beschloss er, die Gespräche mit den Slytherins so weit wie möglich hinaus zu zögern.

Zu seiner Erleichterung wurde er bald entlassen. Auch wenn er Professor McGonagall im Prinzip mochte, sie war eine sehr gerechte Lehrerin, aber er fühlte sich unter ihrer strengen Ausstrahlung nicht wohl und war immer froh, wenn er ihr entgehen konnte.

Das Wochenende nahte. Hermine verabschiedete sich jeden Abend, um zu Hagrid zu gehen. Sie und Parvati waren die einzigen Gryffindors, die Hagrids Aufruf gefolgt waren, und sich um die Woolwoodys kümmerten. Harry nutzte die Mahlzeiten, um sich nach dem Essen an die Tische von Ravenclaw und Hufflepuff zu setzen und mit ihnen über Quidditch und die Schulmannschaft zu sprechen. Roger schlug einen Schüler aus der zweiten Klasse vor, Linus Lonnigan, einen Nordiren. Er war beim Besenunterricht dadurch aufgefallen, dass er durch nichts von seinem Besen herunter zu bekommen war. Er konnte die unmöglichsten Verrenkungen machen, in den Ästen eines Baumes landen, aber er fiel niemals herunter. Roger meinte, dass das die perfekten Eigenschaften für einen Hüter wären, und dass man ihn nur ordentlich trainieren musste. Er würde ihn auf jeden Fall in das Ravenclaw-Team aufnehmen. Harry fühlte eine unbeschreibliche Dankbarkeit für Roger und nahm sich vor, ihn auf jeden Fall als aktiven Spieler für das Freundschaftsspiel Durmstrang – Hogwarts einzusetzen.

Mit den Hufflepuffs war es weitaus schwieriger. Mit dem Weggang von fünf Spielern am Ende des letzten Schuljahres war ihre Mannschaft zusammen gebrochen. Sie waren noch nie besonders gute Quidditch-Spieler gewesen, das letzte Mal, dass sie den Pokal gewonnen hatten, lag schon 2 Jahrhunderte zurück, und in den letzten Jahren war die Mannschaft nur mit Mühe und unter dem persönlichen Einsatz von Cedric Diggory am Leben gehalten worden. Cedric war im letzten Jahr, nach der letzten Aufgabe des Trimagischen Turniers von Lord Voldemort  ermordet worden. Da im ganzen letzten Jahr kein Quidditch-Spiel stattgefunden hatte, hatte sich auch niemand mehr um das Team gekümmert und die meisten aktiven Spieler hatten ihre Abschlussprüfung gemacht und waren abgegangen.

Nur unter den Viertklässlern der Hufflepuffs war jemand, der Harry interessant schien. Geoffrey Rondstadt hatte vor zwei Jahren einiges Talent gezeigt, als Hufflepuff gegen Gryffindor gespielt hatte. Harry erinnerte sich noch gut daran, dass Geoffrey mehrmals den Klatscher ziemlich zielgerichtet auf ihn getrieben hatte, so dass ihm einige Chancen genommen wurden, den Schnatz zu fangen. Geoffrey hörte sich Harrys Wunsch in aller Ruhe an, dann jedoch sagte er:

„Dein Interesse ehrt mich. Du weißt aber sicher, dass das Quidditch-Team von Hufflepuff neu aufgebaut werden muss. Und ich fürchte, dass das als neuer Kapitän meine ganze Kraft in Anspruch nehmen wird.“

„Das verstehe ich schon“, meinte Harry, „aber ich muss aus jedem Haus mindestens einen Spieler dabei haben. Das sagt zumindest Professor McGonagall. Und ich kenne außer dir keinen von Hufflepuff, der so viel Ahnung von Quidditch hat, dass er in der Liga spielen könnte.“

„Liga? Hast du Liga gesagt?“ Geoffrey klang neugierig. Harrys Herz machte einen kleinen Hüpfer. Hatte er zufällig das Stichwort gesagt, mit dem er Geoffrey für seine Sache gewinnen konnte?

„Jaa!“, sagte er gedehnt und setzte einen leicht überlegenen Blick auf. „Wir machen zuerst ein Testspiel gegen Durmstrang, und dann wollen wir für die Liga trainieren. Professor McGonagall ist sich sicher, dass wir es schaffen. Sie hat schon mit Leuten vom NVQ gesprochen.“

Geoffrey sah ihn misstrauisch an. Der NVQ war der nationale Verband der Quidditch-Vereine. Er organisierte die jährlichen Spiele zum Britischen Pokal.

„Na, ich weiß nicht.“, meinte Geoffrey. „Selbst wenn wir das schaffen sollten, was meinst du, was für eine Arbeit das ist, für die Liga zu trainieren. Da wären wir ja nur noch auf dem Feld. Nein, Harry, beim besten Willen nicht. Das ist nichts für mich.“

Sofort bereute Harry seine Angeberei. Die Liga war zwar im Gespräch gewesen, aber lange nicht so, wie er es dargestellt hatte. Dass Professor McGonagall schon mit der britischen Quidditch - Organisation gesprochen hatte, war schlichtweg erfunden. Harry machte noch einen Versuch:

„Du kannst ja aufhören, wenn es dir zu viel wird.“, sagte er zaghaft. „Es geht mir ja erst einmal darum, dass wir das Spiel gegen Durmstrang machen können. Was meinst du?“

„Ich werde darüber nachdenken.“, antwortete Geoffrey etwas genervt. Er hatte keine Lust mehr darüber zu reden. Seiner Meinung nach, hatte er Harry deutlich zu verstehen gegeben, dass er kein Interesse hatte.

Harry ging deprimiert in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors zurück. Viel hatte er nicht erreicht, und bis auf  Roger und Linus von den Ravenclaws bestand das Team nur aus Gryffindor-Spielern. Professor McGonagall würde nicht sehr begeistert sein.

Die schlimmste Aufgabe stand Harry noch bevor. Er musste zu den Slytherins gehen, si in ihrem Gemeinschaftsraum aufsuchen, denn wegen ihres Streiks stand kaum zu erwarten, das er einen von ihnen irgendwo anders in dem Schloss treffen würde. Aber er schob es immer weiter hinaus. So verstrich das Wochenende, ohne dass er neue Ergebnisse vorzuweisen hatte.

Am Sonntag besuchten Ron, Hermine und er noch einmal Hagrid, verbrachten einige gemütliche Stunden bei Tee und den tellergroßen Plätzchen von Hagrids Mutter, und spielten ausgelassen mit den Woolwoodys, die in Hagrids Hütte frei herum turnten. Die Tiere hatten eine Menge Unsinn im Kopf, und wenn sie nicht so haarsträubend seltsam ausgesehen hätten, konnte man fast meinen, sie seien kleine Äffchen, die einen ausgeprägten Spieltrieb besäßen.

Als eines kopfüber an einem Deckenbalken baumelnd die Teekanne vom Tisch vom Tisch geangelt hatte und den Tee durch die ganze Hütte gespritzt hatte, stand Hagrid auf und schimpfte laut, aber mit einem lachenden Auge. Daraufhin zeigte sich, dass die Woolwoodys Meister in der Tarnung waren.

Der Übeltäter schwang sich zur Tür, öffnete sie und ließ sich nach draußen plumpsen. Wie ein Ball rollte er sich mit eingezogenen Armen und Beinen auf die Wiese und wurde langsam grün. Es sah aus, als würde es unsichtbar, es war nur noch an seinen Bewegungen zu erkennen, und als es schließlich liegen blieb, war es nicht mehr von der Umgebung zu unterscheiden. Die anderen hatten sich in die Ecken und Winkel gedrückt und imitierten Hagrids buntgecheckte Tagesdecke oder  einen der Balken, mit denen die hohe Decke des Raumes abgestützt wurde. Über eine Stunde lang suchten sie nach dem Ausreißer, und wäre Ron nicht zufällig über die gut versteckte, grüne Kugel gestolpert, sie hätten es nie gefunden. Hagrid nahm das Woolwoody auf den Arm und sprach mit nie gehörter weicher Stimme auf das Kleine ein, bis es sich schließlich in den dicht verfilzten Bart kuschelte und leise fiepte.

Die drei waren begeistert. Ron konnte es nicht lassen, eine bissige Bemerkung zu Krummbein, Hermines Kater, zu machen.

„Magst du nicht so ein Tier zu deinem Haustier machen?“, fragte er mit ernster Miene. „Das würde uns das Leben um einiges leichter machen, als dein Katzenmonster!“

„Ron!...“, wollte Hermine aufbrausen, aber als sie sah, dass er plötzlich provokant grinste, stieß sie ihn heftig in die Seite und lachte mit.

Am Abend machte sich Harry noch einmal daran, seinen Bericht zu Ende zu schreiben. Hermine hatte das bislang fertig Geschriebene gelesen und sich im Großen und Ganzen damit einverstanden erklärt. Es sei nur viel zu ausführlich und würde ja schon fast ein Roman sein, sagte sie, betonte aber, dass sie es mit großem Vergnügen gelesen hätte. ‚Wenn nur Snape auch Vergnügen daran finden würde!’, dachte Harry, als er eine neue Rolle Pergament aus dem Koffer kramte und die Schreibsachen auf seinem Bett ausbreitete. Den ganzen Abend lag er da und dachte an seine Erlebnisse in Rumänien, und als die Anderen aus dem Gemeinschaftsraum heraufkamen, um zu Bett zu gehen, kratzte die Feder gerade die letzten Worte auf das Pergament. Harry betrachtete das Werk mit gewisser Zufriedenheit, dann rollte er es zusammen, legte es zu der anderen Rolle und ging zu Bett.

Am nächsten Morgen begegnete er in der Pause Professor McGonagall. Zuerst versuchte er, sich in einer Schar von Schülern zu verstecken, aber dem scharfen Blick der Lehrerin konnte man so leicht nicht entgehen.

„Potter!“, rieft sie mit ihrer schneidenden Stimme quer über den Flur. „Warten sie doch bitte, ich habe ihnen etwas mitzuteilen.“

Harry blieb stehen und ließ die Schüler an sich vorbei gleiten. Unsicher sah er die Professorin an.

„Guten Morgen erst einmal!“, sagte Professor McGonagall, als sie ihn erreicht hatte. „Ich habe gute Nachrichten für sie.“

„Das freut mich...“, presste Harry hervor. Er hatte eine Ahnung, was für gute Nachrichten das waren.

„Ich habe heute Morgen mit Professor Snape gesprochen. Über die Quidditch – Schulmannschaft. Wie weit sind sie denn damit gekommen?“

Harry berichtete in kurzen Worten von seinen Gesprächen. Er betonte dabei, dass die Schüler von Ravenclaw nicht geeignet waren und Geoffrey Rondstadt kein Interesse habe.

„Gut“, sagte Professor McGonagall mit einem leichten Seufzer. Sie legte Harry die Hand auf die Schulter und schob ihn mit leichtem Druck auf das Klassenzimmer zu. „Gerade eben habe ich von Professor Snape die Auskunft bekommen, dass sie morgen Nachmittag bei den Slytherins vorsprechen können. Arthur Bletchley und Draco Malfoy haben sich interessiert gezeigt. Ich denke, wenn wir diese Beiden noch für unsere Mannschaft gewinnen können, dann sollte es auch kein Risiko mehr sein, wenn wir in der zweiten Klasse der Hufflepuffs noch jemanden rekrutieren können. Was halten sie davon?“

Harry hatte kaum zugehört. Allein die Tatsache, dass er bei den Slytherins auftauchen und mit Malfoy und Bletchley verhandeln musste war schon schlimm genug. Aber dass das auch noch nach dem Unterricht von Professor Snape stattfinden sollte, war für ihn schlicht grauenhaft.

„Harry?“

Die schneidende Stimme von Professor McGonagall riss ihn aus seinen Gedanken.

„Ja, könnte sein!“, sagte er mit abwesendem Blick. Sie hatten nun die Tür zum Klassenzimmer erreicht.

„Ich muss jetzt in die Stunde!“, entschuldigte er und beeilte sich, den Raum zu betreten.

„Sie berichten mir, was das Gespräch ergeben hat?“, rief Professor McGonagall ihm noch hinterher. Dann kam zum Glück Professor Flitwick und schloss die Tür.

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