4. Streik
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
Weiter gehts mit...

 

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Der Tisch der Slytherins blieb auch leer, als bereits das Mittagessen aufgefahren wurde. Kaum ein Schüler bediente sich an den reich belegten Platten. Auch am Lehrertisch fehlte jemand: Professor Snape. Dumbledore jedoch schien sich nicht im Mindesten darüber aufzuregen. Er unterhielt sich lächelnd mit Professor McGonagall. Dann stand er aber doch auf und klopfte mit der Gabel gegen ein Glas. Die Schüler, die aufgeregt miteinander diskutierten, verstummten.

„Meine lieben Schülerinnen und Schüler!“, begann Professor Dumbledore. „Sie werden sich sicher gewundert haben, dass der Tisch des Hauses Slytherin leer ist. Keine Sorge, sie sind nicht verschwunden. Jedoch in Anbetracht der Ereignisse, die vorgestern Abend geschehen sind, haben sich die Schüler von Slytherin für einen Streik entschieden. Ich verstehe ihre Argumente zwar nicht, aber ihre Aufregung ist durchaus nachvollziehbar.

Leider kann ich noch nichts genaues über den Grund für die Ereignisse von vorgestern sagen. Wir verfolgen einige Hinweise, aber für eine Aussage ist es noch zu früh. Ich bitte sie daher, sich nicht in unnötigen Diskussionen zu verstricken. Sobald wir etwas genaues wissen, werden wir sie darüber informieren.

Eine Bitte habe ich noch: Verhalten sie sich den Schülern von Slytherin gegenüber vollkommen normal. In der derzeitigen Situation können unbedachte Bemerkungen und Fragen zu einer unnötigen Eskalation führen. Da wir annehmen, dass sich das Problem in den nächsten Tagen lösen wird, wäre ein Streit zwischen den Häusern nur Zeitverschwendung.

So, und jetzt wünsche ich ihnen einen guten Appetit.“

Dumbledore setzte sich wieder. Seine Rede hatte jedoch nicht zu einer Beruhigung geführt. Jetzt brandete wieder eine Diskussion auf. Wofür sollte ein Streik nützen?. Was wollten die Slytherins damit bezwecken?. An einigen Tischen kamen Gerüchte auf, der Blutige Baron solle die Slytherins gefangen halten. Snape hätte gekündigt. Das Haus Slytherin würde aufgelöst und die Schüler auf die anderen Häuser verteilt.

Harry hatte seinen eigenen Verdacht, und dieser Verdacht gab ihm keinesfalls ein gutes Gefühl. Irgendwie musste das mit dem Zauberstab zusammenhängen, der bei seinem Kampf mit Lord Voldemort vernichtet worden war. Sollte es etwa so sein, dass diese „Reliquie“ für den Erhalt des Hauses Slytherin lebenswichtig war?

Hermine beobachtete Harry, der langsam und nachdenklich aß. Sie ahnte, womit er sich in seinen Gedanken beschäftigte. Schließlich dachte sie, genau so wie er, an das eigenartige Gespräch mit der Maulenden Myrthe, das ja nur wenige Stunden zurück lag.

„Wollen wir gleich ein bisschen spazieren gehen?“, fragte sie unvermittelt. Sie hatte das Gefühl, dass sie und Harry miteinander reden sollten. Harry fuhr aus seinen Gedanken auf und starrte sie an. Dann schien er die Frage verstanden zu haben.

„Ja, ich glaube, das sollten wir.“, sagte er tonlos.

Hermine, immer noch glaubend, dass sie zu dick sei, hatte sich nur etwas Salat genommen und war bereits fertig mit dem Essen. Sie lehnte sich zurück und wartete, dass auch Harry seinen Teller leer gegessen hatte.

„Vielleicht können wir ja zum See hinunter gehen.“, meinte Harry, als er sein Besteck zusammengelegt und den Teller von sich geschoben hatte.

„Wollen wir losgehen?“, fragte Hermine.

Harry nickte. Sie standen auf, gingen in den Gryffindorturm, um sich festes Schuhwerk und winddichte Kleidung anzuziehen, dann wanderten sie durch das Portal und über die große Wiese hinunter zum See. Es war kalt geworden und der Sturm von gestern Abend hatte das restliche Laub von den Bäumen gefegt. Es stürmte zwar nicht mehr, aber der immer noch starke Wind trieb dunkle Wolken über den Himmel. Aus den Kaminen des Schlosses wurde der Rauch auf die Wiese hinuntergedrückt und die Luft mischte sich mit dem Geruch verbrannten Holzes. Harry mochte den Geruch, denn er erinnerte ihn daran, dass Weihnachten nicht mehr lange auf sich warten ließ. Jetzt kam die Zeit der gemütlichen Stunden vor dem Kamin, des heimeligen Kerzenscheins und der leckeren Vorweihnachtsplätzchen, die die Hauselfen jeden Morgen in einer großen Schale auf den Tisch im Gemeinschaftsraum stellten. Es war aber auch die Zeit, in der die Mannschaften sich auf dem Quidditch-Feld trafen um zu Trainieren.

„Denkst du an den Zauberstab?“, fragte Hermine. Sie hakte sich bei ihm unter.

„Ja!“, sagte Harry und seufzte. „Wenn der Zauberstab wirklich diese Reliquie ist, dann sehe ich schwarz für die Slytherins. Er ist unwiderruflich zerstört.“

„Aber es kann doch nicht sein, dass Slytherin untergeht, nur weil der Zauberstab nicht mehr existiert. Ich frage mich, welches Haus noch so eine Reliquie hat, und was mit Hogwarts passiert, wenn diese auch zerstört werden...“

„Gryffindor hat so etwas, glaube ich.“, sagte Harry. „Damals als ich in der Kammer des Schreckens war, habe ich das Schwert von Godric Gryffindor in der Hand gehalten. Kann sein, dass es auch so etwas ist.“

Hermine lächelte. „Das kann wenigstens nicht so leicht kaputt gehen.“, sagte sie.

Sie kamen unten am Wasser an. Der See sah unheimlich und schwarz aus. Der Wind fegte kalt vom anderen Ufer herüber und ließ Wellen an das Ufer klatschen. Sie schwenkten auf den Pfad, der am Ufer entlang führte. Jetzt blies ihnen der Wind ins Gesicht, und sie schwiegen eine Weile.

Etwa auf halbem Weg um den See kommt eine Felsengruppe, die von ein paar windschiefen Kiefern umgeben ist. Hermine und Harry steuerten darauf zu, um sich ein wenig in den Windschatten der Felsen zu setzen. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf das Schloss, das stolz und majestätisch über dem See am Hang thront. Sie erreichten die Felsen und suchten sich einen trockenen Platz unter einem Überhang. Sie setzten sich auf einen langen Steinbrocken, der wie eine Bank da lag. Dort saßen sie auch oft im Sommer, meist Abends, wenn die untergehende Sonne das graue Schloss mit einem sanftroten Schimmer überzog.

„Was können wir den überhaupt machen?“, fragte Harry. „Wenn das Weiterbestehen von Slytherin von diesem Zauberstab abhängt, dann werde ich das Gefühl nicht los, einen Teil Schuld daran zu haben, wenn es bald nicht mehr existiert.“

Hermine legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Arm.

„Das siehst du falsch, Harry.“, sagte sie leise. „Nur Voldemort trägt, wenn überhaupt, eine Schuld. Er war es doch, der den Zauberstab und den Drachenstein angefasst hat. Er war es doch, der dich mit dem Zauberstab vernichten wollte.“

„Schon, aber...“ Harry schüttelte den Kopf. „Ich habe nicht bemerkt, wie ich den Stein verloren habe. Ich war es, der den Stein in seine Hände gespielt hat. Wenn die Slytherins das erfahren, dann werden sie mich umbringen.“

„Sie werden dich doch nicht umbringen!“, rief Hermine empört. „Harry, mach dich nicht verrückt! Du kannst nichts dafür.“

„Das weiß ich doch, Hermine. Aber du kennst Draco und seine Freunde. Sie denken nicht nach, wenn sie einen Grund finden, jemanden fertig zu machen. Und ich mache mir außerdem Sorgen, dass Snape, wenn er den Bericht von mir liest, das alles brühwarm erzählt und sie gegen mich aufbringt. Für Snape ist das doch auch ein gefundenes Fressen, du weißt, wie sehr er mich hasst.“

Hermine schwieg. Insgeheim hatte sie genau so gedacht. Und sie hatte keine Argumente, um Harrys Sorgen zu entkräftigen.

„Weißt du, Harry, egal, was passiert, ich werde zu dir halten. Wenn schon, dann gehen wir gemeinsam da durch!“

Harry sah sie an und lächelte.

„Das ist sehr lieb von dir, Hermine.“, sagte er und machte eine kurze Pause. „Ich glaube auch nicht, dass ich Angst habe. Professor Dumbledore steht auf unserer Seite und Sirius und Lupin. Aber ich befürchte, dass die nächsten Wochen ganz schön schwierig werden. Ich bin froh, dass ich nächsten Dienstag nach London reise. Dann bekomme ich wenigstens nicht die erste Welle ihrer Wut mit.“

„Vielleicht musst du auch nicht alles aufschreiben. Kannst du nicht schreiben, dass Voldemort dir den Drachenstein weggenommen hat?“, fragte Hermine mit einem leisen Schimmer von Hoffnung in ihrer Stimme.

„Dann muss ich es selbst schreiben.“, meinte Harry. „Wer garantiert, dass die flotte Schreibefeder sich nicht irgend einen Mist ausdenkt, oder sich genau an die Wahrheit hält? Ich glaube, es ist egal. Snape wird es so interpretieren, wie er es braucht. Um den Ärger kommen wir nicht herum.“

Dann schwiegen beide lange. Jeder ging seinen Gedanken nach. Nach einer viertel Stunde fühlte Harry, dass es ihm kalt wurde. Er musste sich wieder ein bisschen bewegen.

„Wollen wir weitergehen?“, schlug er vor.

„Ja, ist gut.“, sagte Hermine und stand auf. „Mir wird auch langsam kalt. Wollen wir zurück, oder ganz um den See gehen?“

„Wenn wir weiter gehen, kommen wir an Hagrids Hütte vorbei. Wäre doch eine Gelegenheit, uns zum Tee einzuladen, oder?“

„Gute Idee!“

Sie gingen um den Felsen herum. Zufällig wandte Harry noch einmal den Kopf, um einen Blick auf das Schloss zu werfen. Er blieb stehen. Hermine bemerkte sein Zögern und drehte sich um.

„Was ist?“, fragte sie.

„Kennst du den?“, fragte Harry zurück. „Draco! Er muss uns belauscht haben! Verdammt!“

Draco Malfoy schlenderte am See entlang, auf dem Pfad, den sie gekommen waren zurück zum Schloss. Er schien es nicht eilig zu haben.

„Komisch...“, meinte Hermine. „Wenn er uns belauscht hätte, dann würde er sich doch beeilen, es seinen Freunden zu erzählen, oder?“

„Hm, vielleicht...“

Harry überlegte.

„Ich möchte zu gerne wissen, wo er gesteckt hat.“, sagte er dann. „Komm, lass uns nachschauen, das Gras müsste plattgetreten sein, an der Stelle, wo er gestanden hat.“

Er ging wieder zu der Felsengruppe zurück und untersuchte den Boden. Langsam bewegte er sich um die Felsen herum immer den Blick auf das Gras gerichtet. An einem Spalt blieb er stehen.

„Hier, hier hat er gesessen. Siehst du den Abdruck?“, sagte er und winkte Hermine herbei. Sie kam und betrachtete die Stelle. Überall lagen kleine Pergamentschnipsel herum.

„Hier kann er uns nicht gehört haben.“, sagte sie. „Hör doch, wie der Wind in den Bäumen rauscht. Weißt du was, ich glaube, er ist hierher gekommen, um ungestört eine Nachricht zu lesen. Schau mal, diese Schnipsel auf dem Boden.“

Sie hockte sich nieder und hob ein größeres Stück davon auf. Sie betrachtete es. Es war ein Teil eines Briefes, mit strengen und gleichmäßigen Buchstaben beschrieben. ‚Krank’, konnte sie entziffern und ‚...hause’ stand darunter.

„Das scheint ein Brief gewesen zu sein.“, meinte Harry, der ihr über die Schulter geschaut hatte. „Vielleicht von seinem Vater?“

„Ja, von einer Frau ist es nicht, die hat bestimmt eine andere Schrift. Und es muss von einem Erwachsenen sein...“

„Mensch Hermine, vielleicht steht da etwas drin von Voldemort. Meinst du, wir können die Fetzen aufsammeln und wieder zusammenfügen?“

Hermine sah Harry missbilligend an.

„Möchtest du, dass man deine Briefe von Sirius liest? Harry! Das macht man nicht!“

„Na ja, aber immerhin ist Dracos Vater ein Todesser. Das CI5 liest auch private Post, wenn es um Terroristen geht, oder? Und Voldemort und die Todesser sind doch auch so etwas wie Terroristen!“

Harry begann einige Schnipsel aufzusammeln.

„Was machst du da?“, fragte Hermine. „Harry, ich habe da kein gutes Gewissen.“

„Ich will doch nur sehen, ob da irgend etwas von Voldemort steht, oder von den Todessern. Ich lese ja nicht den ganzen Brief, ich schau doch nur, ob ich etwas finde. Wenn ich nichts finde, dann schmeiße ich sie wieder weg.“

Hermine seufzte. Aber sie half ihm, die Zettel aufzuklauben. Harry schaute sich die Worte an. Die Fetzen, die ihm unwichtig schienen, legte er schön sauber auf einen trockenen Platz in der Felsspalte.

„Da! Ich hab es doch gewusst. Schau hier! Da steht eindeutig ‚Lord...’! Siehst du. Damit kann nur Voldemort gemeint sein. Ich muss den Brief lesen.“

Hastig klaubte er die Stücke des Pergamentes zusammen, suchte noch einmal den Boden im näheren Umkreis ab, und als er nichts mehr fand, steckte er sie in seine Tasche. Hermine reichte ihm unsicher die Stücke, die sie noch in der Hand gehalten hatte.

„Ich habe kein gutes Gefühl dabei. Wir sind nicht der Geheimdienst. Wenn, dann sollten wir das Professor Dumbledore geben, und er sollte entscheiden, was damit gemacht wird.“

„Nee, das ist auch nicht gut.“, sagte Harry. „Wenn da wirklich nichts dran ist, dann blamieren wir uns bis auf die Knochen. Lass uns bis heute Abend darüber nachdenken. Ist dir das recht, Hermine?“

„Ja. Ich weiß es einfach nicht. Ich bin ... ja, ist Ok! Aber jetzt lass uns zu Hagrid gehen! Mir ist wirklich kalt.“

Sie gingen auf den Pfad zurück und folgten ihm um den See. Bald hatten sie den Wald erreicht und wenige Schritte weiter standen sie vor der Tür zu Hagrids Hütte. Harry klopfte. Drinnen hörten sie ein Poltern, dann schwere Schritte und die Tür wurde geöffnet.

„Harry, Hermine!“, brummte Hagrid freundlich. „Das ist ja nett, dass ihr mich besuchen kommt. Habe mir fast schon so etwas gedacht und einen Tee aufgesetzt. Habe euch auf der anderen Seite des Sees gesehen. Ron ist auch schon da. Na dann kommt mal rein!“

Sie betraten die Hütte. Am Tisch saß Ron und grinste sie an.

„Ich habe euch weggehen gesehen und habe mir gedacht, ich besuche mal Hagrid.“, sagte er.

„Hallo Ron.“, sagte Harry und quetschte sich auf die Bank.

„Das ist ein Ding, mit dem Streik.“, meinte Hagrid, der Wasser in die große Teekanne goss. Er stellte sie auf einem Untersetzer auf den Tisch und holte Tassen aus dem Schrank. „Hoffe, es gibt keine Krawalle. Ich trau dem Braten nicht so ganz.“

„Wieso streiken die denn? Weißt du etwas mehr darüber?“, fragte Harry.

„Ich glaube, sie haben Angst.“, antwortete Hagrid. Er setzte sich auf den Hocker. „Angeblich schieben sie das auf die nicht reinblütigen Schüler. Sie sagen, das vergiftet die Atmosphäre im Schloss, und da die Slytherins ausschließlich Reinblütler sind, sind sie als erste betroffen. Sie werden nicht mehr am Unterricht teilnehmen, in dem auch, wie sie sagen ‚Schlammblüter’ sitzen. Wenn ihr mich fragt, ich finde das reichlich überzogen.“

„Das kommt bestimmt von Malfoy.“, meinte Ron. „Ich wette, er hat sie alle geimpft.“

„Oh nein, Ron.“, sagte Hagrid. „Der Blutige Baron hat das schon vor vierzig Jahren verbreitet. Unser lieber Draco hat es von ihm.“

„Ich weiß noch, wie der Baron abgezischt ist“, bemerkte Hermine, „als Slytherin keine Neuen bekommen hat. Der war so etwas von stinksauer!“

Harry stand auf und griff nach der Teekanne. Fragend hielt er sie Ron hin, der auffordernd nickte. Harry goss der Reihe nach die Tassen voll und setzte sich wieder hin.

„Sind die Slytherins in Hungerstreik getreten?“, fragte Ron. „Sie waren heute nicht einmal beim Essen!“

„Sie essen in ihrem Gemeinschaftsraum.“, sagte Hagrid. „Sie wollen nicht einmal mehr mit Gemischtblütigen zusammen speisen. Dumbledore hat die Hauselfen angewiesen, sie zu versorgen.“

„Die spinnen doch total!“, rief Ron. „Was wollen die damit bezwecken?“

Hagrid zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wollen sie Aufmerksamkeit erregen.“, meinte er.

„Sollen wir von heute früh erzählen?“, flüsterte Harry zu Hermine. Sie überlegte kurz und nickte dann.

„Wir haben heute früh ein interessantes Gespräch mit der maulenden Myrthe gehabt.“, begann Harry. Dann erzählte er in knappen Worten, was Myrthe über den blutigen Baron gesagt hatte. Als er die Reliquie erwähnte, hob Hagrid eine Augenbraue.

„Hm“, brummte er. „Wenn das wirklich mit dem Zauberstab von Slytherin zusammenhängt, dann sieht die Sache verdammt schlecht aus. Könnte eine Menge Ärger geben, wenn das heraus kommt.“

„Aber Harry kann doch gar nichts dafür!“, sagte Hermine.

„Ich weiß es, und du weißt es.“, sagte Hagrid nachdenklich. „Aber ob die Slytherins das so akzeptieren...?“

„Siehst du, Hermine!“, meinte Harry und machte ein sorgenvolles Gesicht. „Hagrid sieht das genau so, wie ich.“

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Dann müssen wir es ihnen erklären.“, sagte sie.

„Ich glaube, die lassen es sich nicht erklären. Oder willst du dich vor sie stellen und sagen: ‚Nun passt mal auf, so wie ihr denkt ist es falsch?“, bemerkte Ron mit finsterem Blick.

„Das Schlimme ist“, sagte Harry, „dass ich für Snape einen genauen Bericht schreiben muss, was in Rumänien vorgefallen ist. Da muss ich auch schreiben, wie der Zauberstab vernichtet wurde. Wenn die Slytherins das erfahren, dann habe ich eine Menge Ärger am Hals.“

Hagrid nickte. „Das kann sein. Bis wann musst du denn den Bericht abgeben?“

„Nächsten Dienstag, wenn wir wieder Verteidigung gegen die dunklen Künste haben. Snape will seinen Unterricht darauf aufbauen. Mann, bin ich froh, dass wir nächsten Dienstag nach London fahren.“

„Du, Harry“, begann Hagrid und es war ihm anzusehen, dass er etwas schweres auf dem Herzen hatte. „Ich befürchte, dass wir am Dienstag nicht nach London reisen können. Der Streik, weißt du? Dumbledore will, dass ich da bleibe...“

Harry starrte ungläubig auf Hagrid. „Nicht nach London...?“, fragte er fassungslos.

„Ja, sieh mal, Harry, wir wissen nicht, in welcher Richtung der Schuss los geht. Wenn die Slytherins vor haben, Ärger zu machen, dann müssen alle Lehrer da sein...“

„Aber... was kannst du dabei machen?“, fragte Harry aufgeregt. „Ich meine, wieso ausgerechnet du? Du hast doch sonst nicht so viel mit dem Unterricht zu tun. Sollst du dann magische Wesen auf die Slytherins hetzen?“

„Nein, das nicht.“ Hagrid konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Aber wir Lehrer, egal welches Fach wir geben, müssen zusammenstehen. Dumbledore redet gerade mit Snape. Er will ihn dazu verpflichten, auf der Seite der Lehrerschaft zu stehen.“

„Das wird er nie schaffen. Snape ist doch der schlimmste Hetzer, wenn es um Harry geht.“, sagte Ron. „Und er ist der Hauslehrer!“

„Ich frage mich, wie ich den Dienstag überleben soll.“, sagte Harry niedergeschlagen. „Die Slytherins warten doch nur auf einen Grund, über mich herfallen zu können.“

„Kopf hoch, Harry!“, brummte Hagrid. „Wird schon nicht so schlimm werden. Vielleicht haben sie ja bis dahin ihren Streik beendet, dann fahren wir nach London. Dann bist du erst einmal aus der Schusslinie. Und außerdem, ich bin überzeugt, dass Snape vernünftig ist. Er wird das nicht einfach herausposaunen.“

„Dein Wort in Gottes Ohr.“, murmelte Harry.

Es begann bereits zu dämmern, als sie schließlich Hagrids Hütte verließen. Sie hatten noch lange diskutiert, bis Hagrid schließlich gesagt hatte, dass es keinen Sinn habe weiter zu spekulieren. Als die Drei sich zum Abendessen in den Saal begaben, herrschte hier einige Aufregung. Wie zu erwarten, war der Tisch der Slytherins auch diesmal leer. Allerdings schwebte ein schwarzen Transparent über dem Tisch, auf dem mit giftgrünen Buchstaben geschrieben stand:

„Schlammblüter raus aus Hogwarts!“

Über den Tisch tanzten verschiedene Plakate auf denen Sprüche wie „Schlammblut verdirbt Slytherin“ oder „Für ein reinblütiges Hogwarts!“ oder gar: „Wir speisen nicht mit Schlammblütern“. Natürlich sorgten diese Plakate besonders bei den Erstklässlern, und besonders bei denen, die nicht reinen Blutes waren, und das waren immerhin die Mehrzahl, für enorme Aufregung. Die Kleinen wandten sich ängstlich an die Größeren ihrer Häuser und wollten wissen, was das ganze solle, aber die älteren Jahrgänge wussten auch nicht mehr und machten sich in zum Teil ärgerlichen Äußerungen Luft. Argus Filch, der die Tumulte mitbekommen hatte – Miss Norris, seine Katze hatte ihn sicherlich herbeigeholt – versuchte, die Plakate einzufangen. Diese jedoch wichen ihm geschickt aus, so dass Filch schließlich schwer atmend und mit hochrotem Kopf auf einen Stuhl sank. Nach einem kurzen Augenblick fluchte er laut, sprang auf und stürmte durch die Tür, durch die die Lehrer den Saal immer betraten, hinaus.

Minuten später kam er laut schimpfend und auf Professor Dumbledore, den er an einem Ärmel hinter sich herzog, einredend, wieder.

„Schauen sie sich diese Sauerei an, Professor! Das ist eine Schande für die Schule!“

Wieder versuchte er nach einem Plakat zu greifen, doch er fasste in Leere.

„Die Schüler werden immer unverschämter! Es wird Zeit, Professor, dass sie drakonische Maßnahmen ergreifen!“

„Nun beruhigen sie sich doch erst einmal.“, sagte Dumbledore freundlich. „Diese Plakate machen doch nichts schmutzig oder kaputt.“

„Sie beschmutzen die Ehre Hogwarts!“, rief Filch. Sein Gesicht war zornesrot. Dumbledore zog seinen Zauberstab aus dem Ärmel und schwang ihn durch die Luft. „Finite corso!“ rief er. Die Plakate hörten auf zu tanzen und fielen auf den Tisch, wo sie liegen blieben. Das Transparent schwebte, wie eine Feder hin und her pendelnd, herunter und bedeckte die Plakate.

„So, mein lieber Mr. Filch. Ist der von ihnen gewünschte Zustand dieser Schule wieder hergestellt?“

„Hrmpf!“, schnaubte Filch. Er raffte die Plakate und das Tuch zusammen und wollte es sich unter den Arm klemmen.

„Nein, bitte, Mr. Filch.“, sagte Dumbledore und streckte eine Hand aus. „Würden sie das bitte mir geben? Ich denke, ich muss mich mal mit Professor Snape unterhalten, und da würde ich es ihm ganz gerne zeigen.“

Mr. Filch starrte Dumbledore mit zusammengekniffenen Augen an. Dann gab er sich einen Ruck, warf Dumbledore die Sachen in den Arm und stampfte wütend davon. Dumbledore runzelte die Stirn. Er schaute sich im Saal um und sah hundert Augenpaare auf sich gerichtet. Er besann sich kurz, lächelte dann und schlenderte auf die Lehrertür zu.

Natürlich gingen die Diskussionen auch während des Essens weiter. Harry hielt sich aber mit Äußerungen zurück. Er wollte nichts unbedachtes sagen, das ihn vorzeitig ins Spiel bringen konnte. Nach dem Essen zog er sich mit Hermine und Ron in ein leeres Klassenzimmer zurück. Er holte die Pergamentschnipsel aus seiner Tasche und erklärte Ron, was vor ihrem Besuch bei Hagrid passiert war. Ron war sofort Feuer und Flamme und ließ sich von Hermines Einwänden nicht beeindrucken. Während Harry und Ron eifrig damit beschäftigt waren, die Stücke des Briefes zusammen zu puzzeln, saß sie nur unbeteiligt neben ihnen und sah zu. Nach einer geraumen Zeit hatten Harry und Ron die Teile so zusammen gelegt, dass ein fast vollständiger Brief daraus wurde. Es fehlten zwar noch einige kleine Teile, aber der Text war lesbar. Der Brief war tatsächlich von Lucius Malfoy und an seinen Sohn gerichtet. Harry las vor.

„Mein lieber Sohn,

Deine Äußerungen bei deiner Abreise auf dem Bahnsteig von Gleis neundreiviertel haben mich zutiefst schockiert. Ich weiß, wie sehr Du Deine Mutter liebst. Ihr seid Euch auch viel näher, als Du mir, was ich oft bedauere. Dennoch ist es falsch, zu behaupten, ich und nur ich allein sei schuld an der Krankheit Deiner Mutter. Als sie krank wurde, war ich mit dem Lord in Rumänien, was auch Du weißt. Deine Mutter und ich haben uns vorher nicht gestritten, wir sind im Frieden auseinander gegangen.

Sie ist auch erst ein paar Tage vor meiner Rückkehr krank geworden. Und, wie du weißt, habe ich alles getan, um sie wieder genesen zu lassen. Nachdem die Ärzte keinerlei körperliche Krankheit festgestellt hatten, habe ich sie mit ihrem Einverständnis auf eine nervliche Krankheit untersuchen lassen, was ebenfalls negativ ausgefallen ist. Sie selbst sagt, dass sie nicht weiß, warum sie so krank geworden ist.

Du siehst also, mein lieber Draco, man kann nicht einfach ein Urteil über jemanden sprechen, ohne die genauen Umstände zu kennen. Es betrübt mich, dass du nicht auch den Weg gehen willst, den ich gehe. Der dunkle Lord wird für uns alle bessere Zeiten schaffen. Ich halte Dir zu Gute, dass du noch jung bist, und dich erst einmal orientieren musst. Aber dass Du so vehement gegen meine so wichtige Arbeit sprichst, verstehe ich nicht. Ich denke, wir sollten in den Weihnachtsferien noch einmal ausführlich darüber sprechen. Hoffentlich geht es Narzissa dann besser.

Viele Grüße

Dein Vater“

Harry war enttäuscht. Ein wenig rührte sich auch sein Gewissen. Es war doch ein sehr persönlicher Brief, und die Informationen, die er sich erhofft hatte, standen nicht darin. Jetzt hätte er es am liebsten ungeschehen gemacht. Auf eine andere Art war der Brief jedoch sehr aufschlussreich. Harry begann, über Draco nachzudenken. Er begann ihn mit etwas anderen und nicht so sehr von Abneigung gelenkten Augen zu sehen. Bislang hatte er sich nicht vorstellen können, dass Draco fähig war, Gefühle zu haben. Aber offensichtlich ging ihm die Krankheit seiner Mutter sehr nahe, was für eine tiefe Liebe sprach. Und da hatte Draco Harry, zumindest bis zu seinem 13 Lebensjahr einiges voraus. Harry kannte bis zu dem Augenblick, an dem sich Sirius als freund seiner Eltern und als sein Pate herausstellte dieses Gefühl nicht.

Harry wunderte sich auch, dass Draco seinen Vater angriff, weil dieser ein Anhänger Voldemorts war. Er hatte bisher fest daran geglaubt, dass Draco ebenfalls auf der dunklen Seite stand. Und, wenn er nachdachte, deuteten auch alle Handlungen und Aussagen, die von Draco kamen, darauf hin. Sollte Draco etwa seine Meinung geändert haben? Sollte das vielleicht mit der Krankheit seiner Mutter zusammenhängen? Was war das für eine seltsame Krankheit, die nicht körperlich und auch nicht psychisch zu sein schien?

All diese Gedanken schossen durch seinen Kopf, als er jäh von Hermine unterbrochen wurde.

„Harry!“, sagte sie harsch. „Ich hoffe, du hat ein schlechtes Gewissen. Ich habe es dir gleich gesagt, dass dieser Brief nur Draco etwas angeht.“

Harry sah sie unverwandt an. Dann nickte er langsam.

„Du hast recht, Hermine.“, antwortete er. „Es war nicht gut. Aber es ist nun einmal geschehen. Und ich muss sagen, dass der Brief auf seine Weise wichtig für mich ist. Ich glaube, ich habe Draco bisher ziemlich unterschätzt.“

„Hey, wirst du jetzt auch ein Slytherin?“, fragte Ron. „Harry Potter und Draco werden Busenfreunde. Das wäre doch die Schlagzeile für den Tagespropheten!“

Harry lächelte Ron mitleidig an.

„Du verstehst nichts, Ron.“, sagte er nur. Er fegte die Pergamentschnipsel zusammen in seine Hand und steckte sie wieder in seine Tasche. Als sie zurück im Turm der Gryffindors waren, nahm er sie und warf sie in die Flammen des Kamins.

Am Abend zog Harry sich in den Schlafsaal zurück. Er wollte mit seinem Bericht für Snape beginnen. Nachdem er aus seinem Koffer eine Rolle Pergament geholt und diese auf seinem Bett ausgerollt und mit Schuhen am oberen und am unteren Ende beschwert hatte, damit sie sich nicht mehr zusammenrollte, öffnete er sein Schreibmäppchen und holte die Feder heraus. Fast beschwörend sah er sie an und dachte:

‚Bitte schreib keinen Blödsinn! Snape soll nicht merken, dass ich es nicht selbst geschrieben habe! Und bitte! Denk dir etwas aus, wie der Zauberstab zerstört wurde. Bring mich nicht zu sehr ins Spiel.“

Dann setzte er die Feder auf das Pergament, legte sich daneben auf sein Bett und schloss die Augen. Er wanderte zurück in den Sommer, in die heißen Tage im Ligusterweg Nummer 4, als Onkel Vernon ihn aus der Küche gerufen hatte. Neben sich hörte er das Kratzen der Feder, die emsig Wort für Wort auf das Pergament schrieb. Als er sich an den Gartengnom erinnerte, musste Harry grinsen. Irgendwie war dieser kleine Kerl, so dumm wie er war, ziemlich drollig gewesen. Dann zogen die Bilder der Reise mit dem Flohpulver und seine Landung im Laden von Mr. Ollivander vor seinem geistigen Auge vorüber.

Mit einem Mal fuhr Harry hoch und die Feder hörte auf zu schreiben.

‚Stopp!’, dachte er. ‚Ich muss vorsichtig sein. Wenn die Feder irgendetwas zu den Druiden schreibt, dann bekomme ich Schwierigkeiten. Mal lesen...’

Harry nahm das Pergament, auf dem die Feder geduldig wartete und begann zu lesen.

 

„ Bericht über die Ereignisse am Ende der Ferien

 

’Harry!.....Haaarrrrrry!’ dröhnte Onkel Vernons Stimme aus der Küche. ‚Verdammt, wo bleibst du? Kerl!’

‚Ich...ich komme!’ rief ich und stolperte aus meiner Kammer. Ich nahm gleich 2 Stufen auf einmal, als ich die steile Treppe hinunterhastete. Onkel Vernon klang sehr wütend, und ich wusste aus Erfahrung, dass es besser war, sich zu beeilen, wenn mein Onkel mich rief....“

 

‚Mann, das liest sich ja wie ein Buch!’, dachte Harry. Er las weiter und fand, dass die Feder alles, was er erlebt hatte sehr detailliert aufgeschrieben hatte. Sogar das Gespräch mit John war erstaunlich genau aufgeschrieben. Etwa die Hälfte des Pergamentes war bereits verbraucht.

‚Wie viele Rollen werde ich noch benötigen?’, fragte er sich. ‚Aber von mir aus soll sie ruhig so weiter schreiben. Je länger der Bericht wird, um so länger braucht Snape, um ihn zu lesen. Vielleicht habe ich dann noch ein paar Tage Ruhe...’

Wieder legte sich Harry auf seinen Rücken und lenkte die Gedanken in die Vergangenheit. An der Stelle, wo es zu ersten Mal um die Druiden ging, setzte er sich auf und öffnete die Augen. Gebannt verfolgte er, was die Feder schrieb:

 

„Mit einem Plopp wurde die Verbindung unterbrochen und Mr. Ollivanders Kopf verschwand aus dem Kamin.

Henry ging zurück in die Bibliothek, wo Hermine und ich schweigend und gespannt warteten.

‚So Leute, jetzt wird es ernst.’, begann Henry. ‚Ich habe von George die Nachricht, dass Voldemort kurz davor steht, heraus zu finden wo ihr seid. Wir müssen jetzt einige Dinge vorbereiten, um einen ersten Angriff abzuwehren’...“

 

Dann, auf einmal machte die Feder eine Pause. Sie schien zu überlegen, oder in sich hinein zu horchen. Sie streckte sich kurz, als hätte sie eine Idee gehabt und fuhr fort zu schreiben.

 

„Hermine und ich starrten ihn gebannt an. Henry grinste. ‚Ich habe mir überlegt, dass ich daraus ein Fest für meine alten Freunde machen werde’, fuhr Henry fort. ‚Wisst ihr, wir haben damals auch gerne zusammen gearbeitet, wenn wir schwierige Aufgaben zu lösen hatten. Sie alle sind erfahrene Kämpfer...’“

 

Harry atmete erleichtert auf. Dankbar blickte er auf die Feder hinunter, die einen Moment inne gehalten hatte. Als sie sein Einverständnis fühlte, machte sie einen kurzen Hüpfer und flog dann wieder über das Pergament. Inzwischen näherte sich die Rolle, die immerhin fast vier Meter lang gewesen war, ihrem Ende. Harry stieg vom Bett und holte eine weitere Rolle aus seinem Koffer, die letzte. Er würde sich wohl von Hermine noch eine leihen müssen. Was Snape wohl sagen würde, wenn er so viele Meter von Harry bekam. Hoffentlich würde er nicht misstrauisch werden. ‚Ich sage einfach’, dachte er,  ‚ich habe sowieso immer Tagebuch geführt, und das sei es halt. Dann kann ich ihn auch noch ein wenig ärgern.’

Irgendwann gingen ihm aber die Erinnerungen aus. Er wurde müde und konnte sich nicht mehr so gut konzentrieren. Draco Malfoy schlich sich in seine Gedanken. Immer wieder ertappte sich Harry dabei, wie er über Dracos Mutter nachdachte, und fuhr jedes Mal erschrocken hoch und starrte auf das Pergament. Aber die Feder ließ sich nicht beeindrucken, kam eine Unterbrechung, dann wartete sie geduldig, und sobald Harry sich wieder auf den Bericht konzentrierte, schrieb sie weiter.

Dann aber ging es nicht mehr. Harry nahm die Feder, bedankte sich bei ihr und steckte sie wieder in sein Schreibmäppchen. Zufrieden betrachtete er die Rollen, die dicht an dicht mit Zeilen gefüllt waren, und die sich wie ein spannender Roman lesen ließen.

‚Sollte ich irgendwann einmal nichts werden, dann werde ich Schriftsteller.’, dachte er. ‚ ‚Diese Feder hat einen verdammt guten Stil...’

Von unten, aus dem Gemeinschaftsraum drangen Stimmen und Gelächter. Es war anscheinend noch nicht so spät wie er dachte, und Harry beschloss, noch einmal hinunter zu gehen. Er rollte die Pergamentstreifen zusammen und klemmte sie sich unter den Arm. Hermine sollte sie lesen, und ihr Urteil dazu abgeben.

Als er die Treppe hinunter gegangen war und den Gemeinschaftsraum betrat, stand ein Pulk von Gryffindors um den Tisch. Sie schwatzten fröhlich durcheinander. Mitten drin konnte Harry Fred und George ausmachen. Sie hatten glänzende Gesichter und wurden von allen Seiten mit Fragen bestürmt. Harry bahnte sich eine Weg durch die Menge. Als er vor dem Tisch stand, sah er, was die Aufregung verursacht hatte.

Auf dem Tisch stand ein Karton mit allerlei Scherzartikeln, die Fred und George in der letzten Zeit entwickelt hatten. Direkt neben dem Karton tobte eine kleine Figur, die einen Zauberer mit weißem Rauschebart darstellte. Grelle Blitze schossen aus seinem winzigen Zauberstab hervor, und wen diese Blitze trafen, der bekam entweder eine dicke Nase, oder Fledermausohren oder Haare, die verdächtig nach Spaghetti mit Parmesan aussahen. Nach einigen Sekunden verschwanden die Missbildungen wieder, und die Schüler, die um den Tisch herum standen riefen immer wieder den Namen der kleinen Figur. Jedes mal, wenn Merlin gerufen wurde, fuhr die Figur herum und blitzte den Rufer mit einem Zauber an. Je nachdem, was für ein absonderliches Ergebnis dieser Zauber hatte, brachen die umstehenden in tobendes Gekicher aus.

„Hey, Harry, da bist du ja!“, rief Fred, als er Harry erblickte. „Schau, wir haben Wort gehalten.“

Harry bestaunte den kleinen Zauberer. Entzückt nahm er ihn in die Hand, hob ihn hoch, um ihn genauer zu betrachten und ehe er sich versah, hob der Kleine den Stab, richtete ihn auf Harry und schickte einen Zauber los. Harry wurde an der Stirn getroffen und bekam eine Beule, die fast auf Fußballgröße anschwoll und poppig bunt gestreift war. Ein kurzes Zischen ertönte und die Beule fiel flatternd in sich zusammen. Alle lachten. Auch Harry grinste und fühlte nach seiner Stirn. Es war aber alles wieder so wie vorher.

„Der ist klasse!“, sagte er lachend. „Wie seid ihr auf die Idee gekommen?“

„Eigentlich wollten wir Snape explodiert mal etwas realistischer machen.“, erklärte George. „Aber meinst du, wir hätten Snape hingekriegt? Wir haben bestimmt zwanzig Figuren gemacht, keiner hatte so ein mieses Gesicht und so fettige Haare, wie Snape.“

„Und dann hatten wir mitleid mit den armen Kerlen“, fuhr Fred fort. „Wir haben abends im Garten gesessen und haben über den Unterricht gesprochen. Irgendwie sind wir dann auf Bubotubler Eiter gekommen. Der macht doch so schöne Beulen im Gesicht. Na ja, dann haben wir die Sache immer weiter gesponnen, und schließlich ist Merlin daraus geworden.“

„Wir haben uns gedacht“, sagte George, „weil du uns die Geschichte mit dem Drachenstein erzählt hast, sollst du den ersten Original Weasleys Dussel-Merlin bekommen. Und, schau mal in der Kiste!“

George griff in den Karton und holte ein paar Päckchen heraus. In einer Klarsicht-Tüte lagen seltsame, grüne und flauschige Kugeln. George öffnete die Tüte und legte eine Kugel auf den Tisch. Zunächst passierte nichts, doch dann gab es einen Knall und die Kugel zerbarst. Einen Augenblick später waren alle Umstehenden mit einem ekligen, übelriechenden Schleim bekleckert. Alles schrie durcheinander, doch die Schleimfetzen glitten an ihnen herab und krochen, wie eine Schar von grünen, pelzigen Raupen zurück zu der Stelle, an der die Kugel gelegen hatte. Sie vereinigten sich und dann lag die Kugel, so als wäre nichts geschehen, friedlich auf ihrer Stelle. Schnell nahm George sie vom Tisch und ließ sie wieder in die Tüte fallen.

„Erinnert mich an die Stinkbomben, die Dudley immer und überall fallen gelassen hat.“, sagte Harry. „Aber die Dinger sind viel besser. Ich glaube, ich werde Dudley mal eine ins Bett stecken.“

Die anderen Päckchen enthielten nette Erfindungen von Fred und George. Es war zum Beispiel ein Kartenspiel dabei, das mehrere Spieler bei Snape explodiert ersetzen konnte. Für einsame und lange Reisen, bemerkte Fred. Ein kleines Büchlein war auch dabei. Als Harry es aufschlug, sah er, dass es voller herrlicher Zaubererwitze war.

„Es erfindet immer neue Witze.“, kommentierte George.

„Und das alles ist für mich?“, fragte Harry ungläubig und wühlte in dem Karton.

„Natürlich!“, sagte Fred. „So ganz uneigennützig ist das ja auch nicht. Viele Sachen konnten wir noch nicht richtig testen. Das einzige, was wir wissen ist, dass sie harmlos sind. Aber wir möchten zu gerne wissen, ob sie auch ankommen. Magst du sie für uns testen?“

„Hm. Wenn Ron und die anderen mithelfen dürfen?“, meinte Harry.

„Was du damit machst, ist deine Sache. Erzähl uns nur ab und zu, was du damit angestellt hast. Wir wollen auch ein bisschen lachen.“

An dem Abend war Harry sehr zufrieden. Noch lange hatten sie sich mit den Scherzartikeln befasst und sich überlegt, wen sie alles als Opfer nehmen würden. Professor Snape stand in der Liste ganz oben, nur als es darum ging, wer den ersten Schritt machen, und ihm einen solchen Scherzartikel unterschieben sollte, waren plötzlich alle unbeteiligt.

Kurz bevor sich die Gruppe zerstreute und ins Bett ging, gab Harry Hermine noch die beiden Rollen Pergament, die seine Feder vollgeschrieben hatte. Hermine versprach, es am nächsten Tag zu lesen. Sie würden viel Zeit haben, denn es gab Vormittags nur zwei Stunden Geschichte der Zauberei, bei der sowieso kaum einer zuhörte und am Nachmittag würden sie Pflege magischer Geschöpfe haben. Harry freute sich schon auf den nächsten Tag.

So. Das war es mit dem vierten Kapitel. Im nächsten wird Harry ziemlich schlecht träumen...

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