3. Neville
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
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Am nächsten Morgen, direkt nach dem Aufwachen, fiel Harry ein, dass er vollkommen vergessen hatte, sich mit Hermine am verabredeten Punkt zu treffen. Schnell kleidete er sich an und lief in den Saal hinunter. Als er sie am Frühstückstisch antraf, murmelte er eine Entschuldigung.

„Wofür?“, fragte Hermine.

„Ich hab dich gestern sitzen lassen.“, sagte er.

„Ach!...Ja!“ Hermine schlug sich vor die Stirn. „Nein, Harry, ich habe dich sitzen lassen!“

„Wie, du warst auch nicht da?“

„Nein. Das habe ich völlig vergessen! Das ist mir noch nie passiert!“

Sie sahen sich an und lachten.

„Wollen wir das gleich noch machen?“, fragte sie.

„Wir haben doch gleich Zaubertränke. Schaffen wir das denn in der Zeit?“

Hermine überlegte kurz. Dann sagte sie:

„Ich denke schon. Es sind nur ein par Worte, und ich habe es schon mal gemacht. Sollte eigentlich kein Problem sein.“

„Wenn das nur ein paar Worte sind“, fragte Harry verwundert, „Warum können wir es denn nicht auch im Gemeinschaftsraum machen?“

„Willst du, dass es irgendjemand mitbekommt? Stell dir vor, das macht die Runde und Snape erfährt es. Ich glaube, dann hast du ein Problem.“

„Hm...“ Harry kratzte sich am Kopf. „Na ja, ich meine, mir ist es egal. ... Gehen wir direkt nach dem Frühstück?“

„Ja, ist, glaube ich, das Beste.“

Direkt nachdem sie ihren Frühstückskakao ausgetrunken hatten, machten sie sich auf den Weg. Das Klo der Maulenden Myrthe lag im dritten Stock. Es war ein heruntergekommenes Mädchenklo, in das niemand freiwillig ging. Es wurde von dem Geist eines Mädchens bewohnt, das vor fast fünfzig Jahren dort ums Leben gekommen war. Es war Myrthe, die hier damals dem schrecklichen Basilisk begegnet war. Ein Blick des Basilisken hatte sie getötet. Seit dem spukte oder wohnte sie in dem Mädchenklo, und weil sie ständig jammerte und sehr schnell beleidigt war, hieß sie ‚Die maulende Myrthe’. Und weil eben dieses Klo aus den unterschiedlichsten Gründen nie besucht wurde, eignete es sich hervorragend für Dinge, die nicht jeder mitbekommen sollte.

Harry und seine Freunde Ron und Hermine hatten Myrthe schon vor langer Zeit kennen gelernt, damals, als sie herausfinden wollten, wer der Erbe Slytherins ist, und wer die Kammer des Schreckens geöffnet hatte. Sie hatten Draco Malfoy in Verdacht, und Hermine braute in einer der Klo-Kabinen den Vielsafttrank, mit dem man sich für eine Stunde in eine andere Person verwandeln konnte. Sie wollten Draco aushorchen, indem sie sich in Crabbe und Goyle und Millycent Bulstrote verwandeln wollten. Das Ganze war ein Flop, einerseits für Ron und Harry, weil sie nichts herausfinden konnten, andererseits für Hermine, die sich durch einen tragischen Fehler in eine menschliche Katze verwandelte. Noch heute mussten Harry und Ron heimlich grinsen, wenn die Sprache darauf kam.

Als Hermine und Harry, die zuvor noch eben eine Feder aus Harrys Schreibmappe geholt hatten, das Klo betraten, hörten sie in der letzten Kabine ein entsetzliches Wimmern. Hohl und unheimlich klang es.

„Das ist Myrthe!“, flüsterte Hermine.

„Die ist ja wieder drauf heute!“, flüsterte Harry zurück.

„Hey, Myrthe, wir sind’s!“, rief er und öffnete die Tür zur Kabine. Myrthe war nicht zu sehen, aber aus der Kloschüssel tönte ein lautes:

„Waaas wollt ihhhihr? Wollt ihr mich auch quälen?“

Harry schaute Hermine an, die sich gerade ebenfalls in die Kabine gezwängt hatte.

„Nein, Myrthe“, sagte sie. „Wir quälen dich doch nicht. Wir wollen dich besuchen.“

„Laaaaast mihich in Ruhe!“, heulte Myrthe und ihr Gejammer wurde durch die Kloschüssel wie durch ein Megaphon verstärkt. Es klang schauerlich. Hermine trat an die Schüssel und schaute hinein. Myrthe hatte sich in dem Abfluss zusammen gekauert und die Arme schützend über den Kopf gelegt.

„Was ist los Myrthe?“, fragte Hermine mit sorgenvoller Stimme. „Ist etwas nicht in Ordnung?“

„Nihichts ist in Ordnung!“, jammerte sie.

„Komm erzähl!“, sagte Harry. „Was ist denn passiert?“

„Der blutige Baron war hier!“, jammerte Myrthe und zog ihren Kopf ein.

„Was hat er denn gemacht?“, wollte Hermine wissen.

„Er hat fürchterlich getobt. Er hat über den sprechenden Hut geschimpft. Und er hat alle Lehrer und Schüler verflucht. Und dann hat er mich gesehen und hat all seine Wut an mir ausgelassen. Aber mit Myrthe kann man das ja machen! Er hat mich in das Klo gestopft und abgezogen!“

„Aber Myrthe, dir tut das doch nicht weh, außerdem sitzt du selber ziemlich oft im Klo. Und ab und zu landest du im See, wenn jemand abzieht.“, versuchte Harry zu beruhigen.

„Aber dann, dann will ich es selber. Weil mir langweilig ist. Aber der blutige Baron...“

Wieder heulte Myrthe laut auf

„Können wir irgendetwas tun, damit du dich wieder beruhigst?“, fragte Harry.

„Jaaa! Lasst mich in Ruhe...“

„Das geht nicht so schnell, wir müssen noch ein wenig zaubern.“, sagte Hermine. „Aber wenn es dir hilft, dann gehen wir in eine andere Kabine. Komm Harry!“

Sie schlossen die Kabinentür hinter sich. Im benachbarten Kabinett klappte Hermine den Deckel herunter und forderte Harry auf,  seine Feder darauf zu legen. Dann holte sie ihren Zauberstab heraus, machte eine schreibende Bewegung über der Feder und murmelte:

„Ecrivate analogon!“

Mit einem Mal kam Leben in die Feder. Sie glühte hell auf und tauchte die Umgebung in grelles rosa Licht. Übermütig hüpfte sie hoch und fuhr an der Wand entlang. Mit unglaublicher Geschwindigkeit kritzelte sie allerlei Unsinn an die Wand und hörte erst auf, als kein Flecken mehr in der Kabine frei war. Dann fiel sie erschöpft und mit bebendem Kiel auf den Klodeckel zurück.

„Verstehst du jetzt, warum ich das unbedingt hier machen wollte?“, fragte Hermine.

Harry nickte. „Aber, warum macht sie das?“

Hermine lächelte.

„Sie tragen das ihr Leben lang mit sich herum. Jede Feder kann das und wartet nur darauf, dass man es mit dem Spruch aus ihr herausholt. Dann ist sie so überschwänglich, dass sie sich erst einmal all die Jahre von der Seele schreiben muss, die sie nicht selber schreiben kann. Wenn genügend Platz ist, kritzelt sie stundenlang. Drum sollte man immer möglichst kleine Räume nehmen, sonst muss man so lange warten, bis man weiter machen kann.“

„Wie, das war noch nicht alles? Sie schreibt doch?!“

„Wir müssen sie noch mit deinen Gedanken verbinden. Wie soll sie sonst für dich schreiben?“

Das sah Harry ein, auch wenn er sich noch gar nicht vorstellen konnte, wie das geschehen mochte. Von oben war ein leises Kichern zu hören. Harry sah hoch und erblickte das runde, durchsichtige Gesicht von Myrthe.

„Das ist toll! Diese Feder hat das ganze Klo vollgemalt. Ich kann es nur nass machen!“, kicherte sie.

„Ach, Myrthe, bist du jetzt doch heraus gekommen?“, fragte Hermine.

„Was macht ihr da?“, fragte Myrthe neugierig und schwebte nun langsam in die Kabine hinein.

„Wir machen eine ‚Flotte schreibe Feder’.“, antwortete Harry. Dann wandte er sich wieder an Hermine.  „Wie geht es weiter?“

„Nimm die Feder in die Hand, aber sein vorsichtig. Sie könnte sich wehren!“

„Wie? Eine Feder ist doch nicht gefährlich!“, lachte Harry und griff hin.

„Au!“, rief er und betrachtete erstaunt einen kleinen roten Punkt an seinem Finger. Die Feder hatte sich hochgeschnellt und ihn in seinen Finger gestochen.

„Du blödes Ding du!“, rief er erbost und griff beherzt zu. Die Feder wand sich in seiner Hand und versuchte, sich zu befreien. „Schnell, Hermine, ich habe sie!“

„Augenblick!“, sagte Hermine gelassen, hob ihren Zauberstab und murmelte:

„Telegenesis!“

Augenblicklich wurde die Feder ruhig. Sie schien sich in Harrys Richtung zu neigen, gerade so, als würde sie ihm zuhören.

„Du solltest sie jetzt in die Tasche stecken.“, meinte Hermine und schob den Zauberstab wieder in den Ärmel. „Sonst fängt sie bei jeder Gelegenheit an zu schreiben und schreibt Dinge, die du gar nicht willst. Wenn du ihr den Auftrag gibst etwas bestimmtes zu schreiben, dann hol sie heraus und denke an das, was sie schreiben soll. Dann geht sie hin, und sammelt alles in deinen Gedanken, was damit zusammenhängt. Und das schreibt sie in ordentlicher Form auf. Natürlich in deiner Handschrift.“

„Danke, Hermine. Du hast mir echt geholfen.“

„Keine Ursache. Du hast mir auch schon geholfen. Eine Hand wäscht die andere.“

Dann wandte er sich um und sah Myrthe, die neugierig auf die Feder blickte.

„Wieder alles in Ordnung?“, fragte er. „Was hat denn der blutige Baron gehabt? Er ist zwar ein finsterer Geselle, aber ich habe noch nie gesehen, dass er so ausrastet.“

Myrthes Gesicht verdüsterte sich.

„Wisst ihr denn nicht, was mit Slytherin passiert ist?“, fragte Myrthe erstaunt.

„Doch, na klar, wir waren doch dabei!“, antwortete Harry. „Ist der denn immer noch sauer deswegen?“

„Natürlich. Stell dir vor, was das für Slytherin bedeutet.“, sagte Myrthe. „Er schrie, ‚Es wird zuende gehen mit Slytherin. Wir werden nie mehr neue Schüler bekommen’!“

„Na, ganz so schlimm wird es doch nicht werden.“, sagte Hermine.

„Oh doch!“ Myrthe hob den Finger und schaute sie wie ein Lehrer an, der etwas ganz wichtiges zu erzählen hatte. „Es ist der Anfang vom Ende. Der Blutige Baron hat etwas von einer Reliquie gesagt, die nun ein für alle mal vernichtet sei. Wisst ihr nicht, dass jedes Haus einige Gegenstände von seinen Gründern aufbewahrt? Gryffindor hat zum Beispiel das Schwert von Gothrick Gryffindor, und Hufflepuff besitzt noch das alte Kräuterbuch von ihr und noch einige Gegenstände. Es gibt aber auch Dinge, die nicht hier auf Hogwarts sind, sondern irgendwo da draußen. Und von Salazar Slytherin gab es wohl auch noch etwas, das da draußen war, und das es jetzt nicht mehr gibt. Der Erhalt von den Häusern wird aber von den Reliquien bestimmt.“

„Der Zauberstab!“, entfuhr es Harry.

„Was für ein Zauberstab?“, fragte Myrthe.

„Ich glaube, es ist besser, wenn wir noch nichts sagen.“, mischte sich Hermine ein. „Wir sollten erst einmal mit Professor Dumbledore reden.“

„Ich sehe schon.“, sagte Myrthe beleidigt. „Mir braucht man es ja nicht zu erzählen!“

„Ich würde sagen, es ist zu deinem Schutz.“, meinte Hermine. „Wenn du es nicht weißt, dann kann der Blutige Baron es auch nicht aus dir herausprügeln. Und wir wissen ja auch noch nicht, ob unsere Vermutung stimmt.“

„Ach so..., wenn ihr meint...“

„Was hat denn jetzt diese Reliquie mit dem Baron zu tun?“

„Der Blutige Baron glaubt, dass eine der Reliquien zerstört wurde, und nun wird Slytherin keine Schüler mehr bekommen. Was soll denn ein Hausgeist machen, wenn er kein Haus mehr hat. Er wird zum Nichts, so wie ich. Jeder kann mit ihm machen, was er will, sogar Peeves wird keinen Respekt mehr vor ihm haben. Und noch mal sterben kann er auch nicht. Was soll er denn machen?“

„Hm“, machte Harry, „meinst du denn, dass das damit zusammenhängt? Kann es nicht ein Zufall sein, dass dieses Jahr kein neuer Schüler für Slytherin ausgewählt wurde?“

„Nein, Harry.“, sagte Hermine. „Die Statistiken der letzten sechshundert Jahre haben gezeigt, dass immer fast genau die gleiche Anzahl für jedes Haus bestimmt ist. Hast du das denn nicht letztes Jahr in Geschichte von Hogwarts gehört?“

„Da bin ich nicht gewesen. Geschichte interessiert mich nicht. ... Aber es kann doch mal eine Ausnahme geschehen. Zufall oder so etwas. Die Schüler müssen doch auch in die Häuser passen, oder?! Schau dir Malfoy, Crabbe und Goyle an, würdest du jemals einen von den dreien in ein anderes Haus als Slytherin stecken?“

„Darum geht es, glaube ich, nicht.“, sagte Hermine. „Ich glaube, dass die Schüler in dem Augenblick für das Haus geschaffen sind, wenn der Hut es ihnen sagt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da etwas dran ist, was Myrthe sagt.“

„Wir sollten echt mit Dumbledore reden...“, meinte Harry. Dann schlug er sich mit einem Mal vor den Kopf. „Mensch, Hermine, wir müssen los. Die Stunde hat ja schon angefangen!“

„Ohwei!“, sagte sie. „Ich bin noch nie zu spät gekommen! Und das ausgerechnet in der ersten Stunde! Was wird sie für einen Eindruck von uns bekommen? Myrthe, wir müssen los. Wenn du noch etwas davon hörst, erzählst du es uns?“

„Ja, mache ich. Ich freu mich auf Besuch. Vielleicht kommt ihr ja dann öfter!“

„Tschüß, Myrthe!“, sagte Harry, packte seine Tasche und lief los. Sie rannten zum Treppenhaus und die vier Absätze hinunter, in den Keller, in dem das Labor für Zaubertränke lag. Die Gänge waren ausgestorben und aus den Klassenzimmern drangen leise Stimmen.

„Wie spät haben wir es denn schon?“, fragte Hermine außer Atem.

„Keine Ahnung! Meine Uhr ist doch kaputt.“

Sie erreichten die Tür und rissen sie auf. Magister Baumann unterbrach ihren Vortrag und sah sie erstaunt an.

„Oh, da sind ja noch zwei Schüler! Guten Morgen!“, sagte sie freundlich.

„Es tut mir leid, dass wir zu spät kommen!“, keuchte Hermine. Sie und Harry drückten sich auf zwei noch freie Plätze. „Wir waren noch im... wir mussten noch dringend etwas erledigen und sind aufgehalten worden. Soll nicht wieder vorkommen.“

„Gut, ich freue mich, dass sie es doch noch geschafft haben. Ich bin übrigens Johanna Baumann, die neue Lehrerin für Zaubertränke. Mit wem habe ich das Vergnügen?“

„Ich heiße Hermine Granger.“, antwortete Hermine.

„Ach, Miss Granger. Es freut mich. Ich habe schon einiges von ihnen gehört. Sie sollen eine sehr gute Schülerin sein.“

Hermine wurde rot. Sie wusste nicht, was sie darauf sagen sollte.

„Dann sind sie Harry Potter?“, wandte sich Magister Baumann an Harry. Der nickte nur.

2Auch von ihnen habe ich schon gehört. Man erzählte mir, dass sie einer der besten Quiddich-Spieler der Schule sind?“

Wieder nickte Harry. Er war etwas abgelenkt, denn als er sich umsah, bemerkte er, dass kein Slytherin-Schüler an dem Unterricht teilnahm. Hatten sie die beiden Häuser getrennt? Er beugte sich zu Hermine hinüber und flüsterte leise:

„Hast du schon bemerkt, dass Draco und seine Konsorten nicht da sind?“

Hermine schaute sich um und zuckte die Schultern.

„Stimmt“, flüsterte sie zurück. „Vielleicht liegt es daran, dass Snape nicht mehr Zaubertränke gibt. Nur, warum sind sie dann nicht in ‚Verteidigung gegen die dunklen Künste’?“

„Keine Ahnung.“, meinte Harry. „Aber ich finde das voll in Ordnung so.“

Hermine grinste. Der Unterricht würde auf jeden Fall entspannter ablaufen, wenn sie nicht ständig den Angriffen der Slytherins ausgesetzt waren.

„Ich denke, wir werden gut miteinander auskommen.“, fuhr Magister Baumann fort. „Wo waren wir stehen geblieben?“

Neville Longbottoms Finger schnellte nach oben.

„Mister Longbottom?“

„Sie erzählten und von der Wirkungsweise der Schattenpilze.“

Neville wirkte gar nicht unsicher. Er hatte zwar den gleichen roten Kopf, wie immer, wenn er aufgerufen wurde, aber er stotterte überhaupt nicht und er wirkte eher aufgeregt. Einige Schüler feixten, aber Magister Baumann strafte sie mit einem strengen Blick.

„Das ist richtig, Mr. Longbottom. Vielen Dank. Also gut. Ich habe gerade erzählt, dass es in unseren Breitengraden verschiedene Pilze gibt, die magische Fähigkeiten ausbilden. Einige davon sind normale, allen bekannte Speisepilze, die von Muggeln wie von Zauberern gerne gegessen werden. Nehmen wir nur den Steinpilz, der sehr schmackhaft ist. Wenn er jedoch mit den richtigen Methoden behandelt wird, kann man die magischen Fähigkeiten aus ihm herausziehen und für wertvolle magische Tränke verwenden. Es ist jedoch sehr schwierig, seine Magie zu extrahieren, es kommt auf die absolut genaue Rezeptur an, und nur erfahrene Zauberer können mit dem Pilz umgehen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, mit wesentlich eindeutiger magischen Pilzen anzufangen. Und zwar sind das die Schattenpilze. Weiß jemand, was Schattenpilze sind?“

Zwei Arme schnellten hoch. Es waren die Arme von Hermine und...Neville. Harry staunte nicht schlecht. Er kannte Neville nur als jemanden, der sich möglichst hinter dem Rücken seiner Mitschüler versteckte, wenn ein Lehrer eine Frage stellte. Wenn er aufgerufen wurde, dann stotterte er sich etwas zusammen, was kaum verstanden werden konnte, und aus diesem Grund wurde er nur noch aufgerufen, wenn zum Beispiel Professor Snape wieder einmal ein Opfer brauchte.

Sicher hatte Neville eine besondere Vorliebe für Pflanzen. Im letzten Jahr hatte ihm Barty Crouch Junior alias Madeye Moody ein Buch über Wasserpflanzen des mediterranen Bereiches geschenkt. Zwar war seine Absicht dabei nicht, Neville eine Freude zu machen, sondern er versuchte damit Harry bei der Lösung einer schwierigen Aufgabe für das trimagische Turnier zu helfen, aber damals hatte Harry zum ersten mal erfahren, dass es etwas gab, für das sich Neville interessierte, und wovon er offensichtlich Ahnung hatte. Aber das hätte niemals ausgereicht, Neville dazu zu bringen, freiwillig den Finger zu heben. Es musste wohl etwas mit der neuen Lehrerin zu tun haben.

Harry betrachtete sie. Sie war eine große, schlanke Frau mit einem dicken, geflochtenen Zopf aus blondem Haar. Ihr Gesicht war sehr ebenmäßig und ihre blauen Augen hatten schon eine gewisse Ausstrahlung. Sie war, bei genauer Betrachtung sogar eine schöne Frau. Sie verstand es auch, ihren himmelblauen Umhang mit Eleganz zu tragen, und den spitzen Hut hatte sie keck in den Nacken geschoben. Nur ihr Akzent war grauenhaft. Diese Deutschen konnte einfach kein vernünftiges Englisch sprechen. Es klang hart und abgehackt, fast tonlos, und es passte gar nicht zu der angenehmen Stimme von Magister Baumann.

„Mister Longbottom?“, fragte sie freundlich.

„Die Schattenpilze sind die einzigen rein magischen Pilze, die hier wachsen. Sie sind normalerweise unsichtbar. Man kann sie in Neumondnächten sammeln, indem man ein magisches Licht erzeugt, unter dem sie anfangen zu fluoreszieren. Sie werden für bestimmte Verwandlungstränke und für Tränke benutzt, die die Kampfkraft erhöhen sollen.“

„Sehr gut, Mr Longbottom. Ich hätte es kaum besser erklären können. Sie interessieren sich für Pilze?“

„Schon, aber auch für magische Pflanzen...“ Nevilles Gesichtsfarbe wurde noch dunkler, als sie ohnehin schon war.

„Das ist gut. Was halten sie davon, wenn sie mit in diesem Schuljahr assistieren? Ich bräuchte für die Vorbereitung der Stunden noch einen Schüler, der mir hilft die leider sehr leicht verderblichen Pilzessenzen herzustellen und zu konservieren. Möchten sie mir helfen?“

„Sehr...sehr gerne, Magister Baumann!“, stotterte Neville und strahlte über das ganze Gesicht.

Magister Baumann nickte ihm freundlich zu und begann dann, über die Schattenpilze zu erzählen.

„Wie Mr. Longbottom schon erwähnte, sind die Pilze unsichtbar. Man benötigt ein magisches Licht, um sie zu finden. Das allein ist die Schwierigkeit, denn das magische Licht ist nicht ganz einfach herzustellen. Ich würde vorschlagen, dass wir es einmal versuchen. Der Spruch lautet „Fluoreszenca“. Er wandelt jede künstliche Lichtquelle, wie diese Fackeln an der Wand in Lichtquellen des benötigten magischen Lichtes um.“

Harry erinnerte sich die Stunden im Labor von Henry Perpignan. Er hatte damals einen Brief an Hermine geschrieben und Henry hatte mit Hilfe des magischen Lichtes den Brief versiegelt und unsichtbar gemacht.

„Wer möchte es einmal versuchen?“, fragte Magister Baumann in die Runde. Wieder wurden zwei Hände gehoben, nur dass es diesmal die von Hermine und Harry waren. Neville kauerte sich ein wenig zusammen, denn er wusste, dass er im Zaubern eine äußerst klägliche Figur abgab.

„Mr. Potter! Wenn sie bitte nach vorne kommen würden, damit wir alle sehen, wie sie es machen.“

Harry erhob sich und ging nach vorne.

„Nehmen sie den Zauberstab, machen sie eine schwingende Bewegung und sagen sie ‚Fluoreszenca’, genau so wie ich es ihnen jetzt vormache.“

Sie hob ihren Zauberstab und schwang ihn durch die Luft. Als sie ‚Fluoreszenca’ sagte, knisterten die Fackeln kurz auf und wurden dunkel. Der ganze Raum war in schwarzes Licht getaucht, nur die Gegenstände und die Personen erhielten eine schwach bläuliche Aura. Auf dem Lehrerpult, auf dem eine kleine Schachtel gestanden hatte, begannen plötzlich mehrere Pilze hell zu leuchten.

„Sie sehen, wenn man das Licht einmal erzeugt hat, dann ist es überhaupt kein Problem mehr, die Pilze zu finden. Wir werden in der nächsten Woche einmal mit den Fackeln hinaus gehen. Sie werden sehen, dass die ganze Wiese voll mit Schattenpilzen steht. So, ich werde es jetzt wieder hell machen, und dann sind sie dran, Mr. Potter. Fin Fluores!“

Es wurde wieder hell im Raum.

„So Mr. Potter“, begann Magister Baumann aufs Neue, „jetzt nehmen sie den Zauberstab in die Hand, konzentrieren sich, beschreiben einen kreisförmigen Bogen durch die Luft und sagen ‚Fluoreszenca’. Dann werden wir sehen.“

Harry war sich sicher, dass er es schaffen würde. Er zog seinen Stab aus dem weiten Ärmel seines Umhanges und richtete ihn nach oben und schwang ihn durch den Raum. Dann sagte er mit lauter Stimme:

„Fluoreszenca!“

Augenblicklich begannen die Fackeln wieder zu knistern, flackerten noch einmal hell auf und wurden dunkel.

„Sehr gut, Mr. Potter!“, rief Magister Baumann erstaunt aus. „Das hat ja gleich beim ersten Mal geklappt! Ich bin erstaunt. So, dann machen sie es bitte wieder hell.“

Auch das klappte auf Anhieb. Nach Harry konnten es noch einige andere Schüler versuchen, die es mehr oder weniger gut zustande brachten.

„Wenn sie nichts dagegen haben, gehen wir in der nächsten Woche, am Abend vor der Zaubertrank-Stunde hinaus auf die Wiese vor dem Schloss und suchen dort nach Schattenpilzen. Bis dahin wäre es gut, wenn jeder von ihnen den Zauber beherrscht. Sie können sich ja immer zu zweit zusammentun und ihn üben. Wichtig dabei ist, dass sie selbstzündende Fackeln benutzen.“

Sie schaute kurz auf die Uhr.

„Ja, jetzt haben wir noch zehn Minuten. Ich würde vorschlagen, wir machen für heute Schluss. Es lohnt sich nicht, wenn ich ihnen noch mehr über die Pilze erzähle, es dauert schon eine Weile, bis ich die grundlegenden Fähigkeiten abgehandelt habe. ... Ich habe noch etwas. Meine Leidenschaft sind nicht nur die Zaubertränke, sondern auch das Kochen. Ich habe vor in den Nachmittagsstunden eine AG anzubieten. Wenn sie Interesse haben, würde ich mir gerne mit einigen Schülern das Thema ‚Magisches Kochen mit deutschen Rezepten’ vornehmen. Besteht bei ihnen das Interesse?“

Zögernd nickten einige Schüler, nur Neville entfuhr ein freudiges „Natürlich!“

„Gut.“, sagte Magister Baumann. „Wenn ich genügend Schüler zusammenbekomme, dann werde ich einen Zettel unten in der Halle aushängen. Dort können sie sich dann eintragen. So, für heute wünsche ich ihnen noch einen schönen Tag. Wir sehen uns dann am Dienstag Abend, ja?“

 

„Welch ein Unterschied!“, sagte Harry, als sie die Treppe zur Halle hinunter gingen. „Da könnte Zaubertränke ja durchaus mein Lieblingsfach werden.“

„Nevilles Lieblingsfach ist das schon.“, stellte Ron mit einem Grinsen fest.

„Was mag es wohl zu bedeuten haben?, dass die Slytherins nicht mehr am Unterricht teilnehmen?“, fragte Hermine.

„An Snape kann es wohl nicht liegen.“, meinte Harry. „Dann würde er sie mit in die ‚Verteidigung gegen die dunklen Künste’ genommen haben. Ich glaube eher, dass sie die Klasse verkleinert haben, weil die Baumann noch neu ist.“

Der Speisesaal war noch leer. Sie setzten sich an den Tisch der Gryffindors. Die Karaffen mit Wasser und Säften standen schon bereit und Harry nahm sich ein Glas und schenkte sich ein.

„Noch jemand?“, fragte er und hielt die Karaffe hoch.

„Ja, ich!“, sagte Ron. Er hielt Harry ein Glas hin.

„Das mit dem Kochkurs ist ja auch eine verrückte Idee.“, sagte Harry, während er einschenkte. „Wer will denn schon kochen lernen, wo wir doch den besten Service der Welt haben?“

„Neville!“, meinte Ron.

„Ich mache da auch mit!“, sagte Hermine. „Ich finde kochen sehr spannend. Und vielleicht bringt sie uns ja ein paar tolle Tricks bei, wie man ohne Herd kochen kann.“

„Kochen ist ja auch eher was für Mädchen!“, sagte Ron und schaute Hermine frech ins Gesicht.

„Hör mal, Ron!“, sagte Hermine ärgerlich. „Ich habe deine ewigen Sticheleien satt. Kochen ist nicht nur etwas für Frauen. Die Männer sind nur zu faul dafür. Nimm dir ein Beispiel an Neville. Ich habe vollen Respekt davor, dass er offen zugibt, gerne zu kochen. Das kommt nur, weil deine Mutter dir alles in den Hintern schiebt!“

„Neville ist doch nur bis über beide Ohren verliebt!“, verteidigte sich Ron. „Ich wette, er stellt sich beim Kochen genau so doof an, wie beim Zaubern.“

„Könnt ihr mal aufhören zu streiten?“, mischte sich Harry ein, dem das Herumgehacke auf Neville langsam auf die Nerven ging. „Lasst ihm doch seine Freude!“

Langsam füllte sich der Saal und ein Gewirr von Stimmen und Lachen schwirrte durch den Raum. Die Schüler verteilten sich an die Tische und schwatzten fröhlich miteinander. Bald wurde der Strom von Schülern, die durch die großen Flügeltüren hereinkamen dünner. Und das Schwatzen wurde leiser und leiser, bis es schließlich ganz verstummte. Betroffenheit machte sich auf den Gesichtern breit. Alle starrten zum Tisch der Slytherins hinüber. Er war leer.

 So, das war es mit dem dritten Kapitel. Was ist mit den Slytherins? Befindet sich das Haus Slytherin in Auflösung?

Ihr erfahrt mehr im nächsten Kapitel... 

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