10. Eine wunderbare Arena
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Prolog
1. Das seltsame Fest
2. Snapes große Stunde
3. Neville
4. Streik
5. Die Schulmannschaft
6. Die erste Prophezeihung
7. Halloween
8. Mad Eye
9. Johns Begabung
10. Eine wunderbare Arena
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Noch am selben Abend brach über Britannien ein verheerender Schneesturm nieder. Für solche Schneemassen war es noch zu früh, normalerweise lag die britische Insel im Einfluss des Atlantiks und es war eher so, dass der ganze Winter vergleichsweise milde ausfiel. Sicher, im Norden, dort wo Hogwarts lag, gab es jeden Winter Schnee, was schlichtweg an der Höhe lag.

Aber dass ganz Britannien einer solchen Schneekatastrophe schon im November ausgesetzt war, wurde von vielen Kommentaren im Fernsehen dem nahenden Klimawechsel zugeschrieben. Der Theorie nach sollte es nämlich in Europa nicht wärmer, sondern kälter werden, da durch die sich verändernden Strömungen im Meer der Golfstrom zusammenbrechen würde.

Hogwarts wurde gänzlich von der Umwelt abgeschnitten. Nicht einmal nach Hogsmead konnte man gelangen, der Schnee, der über Nacht gefallen war und am nächsten Tag immer noch in dichten Flocken vom Himmel herunterrieselte, lag schon einen halben Yard hoch, und der Weg nach Hogsmead war steil, und wenn man nicht ausrutschte und im Schnee versank, dann hatte man es mit unüberwindlichen Schneeverwehungen zu tun.

Für die Bewohner von Hogwarts war es nicht weiter schlimm. Da es immer mal wieder vorkam, dass das Schloss eingescheit wurde, hatte man rechtzeitig in diesem Herbst genügend Vorräte beschafft, dass die ganze Schule und sogar Teile des nahen Dorfes über Wochen ausreichen versorgt werden konnte. Die Schüler saßen am Abend in ihren durch gemütliche Feuer erwärmten Gemeinschaftsräumen und drückten sich an den Fenster die Nasen platt, um das Naturereignis zu beobachten.

Draußen im Park bogen sich die Bäume im Sturm und sie sahen alle aus wie die Peitschende Weide, wenn man ihr zu nahe kam. Aber Langsam wurden die Äste unter der Schnee- und Eislast immer schwerer und hingen schließlich unter dem Gewicht fast bis zur Schneedecke herunter.

Harry und seine Begleiter waren durch den Portschlüssel schnell und sicher wieder in Professor Dumbledores Büro gelandet. Als Harry aus dem Fenster sah, hatte der Sturm schon begonnen und ein dichtes Schneetreiben hatte sich wie ein Vorhang über den Park gelegt. Obwohl es erst mitten am Nachmittag war, hatte die Dämmerung schon eingesetzt und begrenzte zusätzlich den Horizont. Harry war froh, dass sie einen Portschlüssel für die Reise gewählt hatten. Mit Schaudern stellte er sich vor, sie würden jetzt da draußen auf ihren Besen sitzen und mühsam, wahrscheinlich ohne jede Orientierung, gegen Wind und Schnee ankämpfen.

„Ja,..., das sieht ja nicht gut aus“, sagte Dumbledore mit einem Blick auf die zufrierenden Fensterscheiben. „Ich fürchte, wir werden uns heute nicht mehr um das Haus in Hogsmead kümmern können. Ich schlage vor, wir fragen unseren Mr. Filch, ob er nicht eines der freien Gästezimmer vorübergehend in ein Quartier verwandeln kann. Es ist zwar nicht sehr komfortabel, aber sie haben es warm. Wir schauen dann in den nächsten Tagen mal nach Hogsmead.“

„Danke, das ist sehr freundlich von ihnen.“, sagte Mrs. Atado, die schon befürchtet hatte, jetzt noch eine Stunde durch dieses Sauwetter marschieren zu müssen. Professor Dumbledore ließ Mr. Filch rufen und wies ihn an, für die beiden Gäste ein Zimmer her zu richten. Filch knurrte unwillig mit Blick auf John und fragte:

„Soll der jetzt mitten im Jahr bei uns anfangen? Aber man kann mir ja jeden Verrückten zumuten in dieser verdammten Schule!“

„Mein lieber Mr. Filch“, wies Dumbledore ihn mit hochgezogenen Augenbrauen zurecht, „an ihrer Stelle würde ich nicht so viel Worte darum machen. Wenn es diese Schule nicht gäbe, würden sie wohl als Hilfsarbeiter bei Vauxhall arbeiten. Und jetzt kümmern sie sich bitte um unsere Gäste.“

Filch grunzte zornig, winkte den beiden dann aber und verschwand mit ihnen. Dumbledore blickte ihnen mit einem Kopfschütteln hinterher. Magister Baumann, die sich nach der Ankunft zur Erholung auf einen Stuhl gesetzt hatte, stand jetzt auf und ging zur Tür. Sie nahm die Klinke in die Hand, dann drehte sie sich aber noch einmal um.

„Ich verstehe eines nicht.“, begann sie. „Mr. Moody ist doch Zauberer und es wäre für ihn doch ein Leichtes, sich von einem guten Zaubererarzt wieder heilen lassen. Warum tut er das nicht?“

Dumbledore sah sie erstaun an.

„Er ist ein alter Kämpfer.“, sagte er. „Er hat so viel hinter sich gebracht, dass er seine Blessuren wie Orden trägt.“

„Also, ich verstehe das nicht. Es muss doch unbequem sein, den ganzen Tag mit einem Holzbein herum zu laufen. Und diese Narben in seinem Gesicht. Man kann ja noch nicht einmal sagen, ob er früher einmal  gut ausgesehen hat oder nicht!“

„Sie können mir glauben, Miss Baumann“, lächelte Dumbledore, „er war früher ein durchaus attraktiver Mann. Aber wissen sie, oft ist es so mit uns Männern, dass wir, wenn wir jung und stark sind, ziemlich schwere Aufgaben zu lösen bekommen. Und Männer sind stolz darauf, wenn sie das schaffen. Und sie zeigen es gerne. Schönheit ist für Männer nur wichtig, wenn sie diese an Frauen sehen.“

Magister Baumann wurde leicht rosa im Gesicht. Sie hob keck das Kinn und sagte:

„Ich werde es bestimmt nie verstehen, warum Männer so verrückt sind. Schönen Abend noch!“

Sie verließ das Büro. Hagrid legte seine Hand auf Harrys Schulter.

„Komm Harry“, sagte er. „Ich glaube für uns wird es auch Zeit.“

„Nein, Rubeus, wenn ich dich bitten darf, mir Harry noch ein paar Minuten hier zu lassen...“

„Wie sie meinen, Professor.“ Hagrid zuckte die Achseln. „Ich jedenfalls muss mich noch um meine Woolwoodys kümmern. Und ich muss Hermine ablösen. Die wird jetzt auch genug davon haben, in meiner Hütte zu sitzen und darauf zu warten, dass ich zurück komme. Das ist nämlich ganz schön anstrengend, auf die kleinen Kerlchen aufzupassen.“

Als Hagrid gegangen war, bot Dumbledore Harry einen Platz an. Harry wunderte sich, was der Schulleiter noch von ihm wollte. Dumbledore kam auch schnell zum Thema.

„Ich hab in den letzten Tagen etwas nachgedacht.“, begann er. „Mir geht diese Sache mit Draco und dir nicht aus dem Kopf.“

Harry beeilte sich zu sagen, dass überhaupt nichts passiert sei. Dumbledore winkte ab.

„Weiß ich doch, Harry.“, sagte er. „Aber seit diesem Tag findet zwischen euch beiden eine vorsichtige Annäherung statt. Und jemand, der seine Schüler so kennt, wie ich, der bemerkt so etwas. Weißt du, ich habe das Gefühl, dass euch diese komische Geschichte mit dem sprechenden Hut verbindet. Und ich habe den Verdacht, dass diese vermaledeite Sache mit dem Zauberstab damit zu tun hat. Was heiß Verdacht? Die Geister dieses Hauses diskutieren offen darüber und ich glaube, dass sie gar nicht so weit entfernt sind von der Wahrheit.“

„Aber ich kann doch nichts dafür, dass der Zauberstab vernichtet wurde. Wir haben doch alle gemeinsam überlegt, wie wir ihn...“

„Gemach, gemach, mein lieber Harry.“, Dumbledore hob abwehrend die Hände. „Ich mache dir mitnichten einen Vorwurf. So wie es gelaufen ist, war es vollkommen in Ordnung, es hat leider niemand geahnt, was für Auswirkungen es hat. Liege ich mit meiner Vermutung richtig?“

Harry zögerte, nickte dann aber.

„Gut.“, sagte Dumbledore und lächelte. „Meist du, dass ihr beide die Geschichte wieder ins lot bringen könnt? Oder hast du nur ein schlechtes Gewissen?“

„Ich weiß nicht...“, murmelte Harry. „Irgendwie schon...“

„Hm. Ein schlechtes Gewissen zu haben für eine Sache, die man nicht verschuldet hat, ist keine gute Sache. Jemandem aber aus einer Not zu helfen das ist sehr ehrenvoll. Nicht zu wissen wie, ist ein Problem, das man lösen kann. Ich habe selbst keine Ahnung, wie man das Problem lösen kann, aber ich habe auch wenig Zeit, mich damit zu befassen. Schließlich bin ich Schulleiter und muss in dieser Geschichte immer noch die Gemüter beruhigen. Du glaubst nicht, wie viel Zeit ich in den letzten Wochen mit Gesprächen verbracht habe, um aufgeregte Lehrer und aufgeregte Eltern, geschweige denn aufgeregte Schüler wieder zu beruhigen.“

Harry schwieg.

„Ich habe mir gedacht, dass du und Draco mir dabei helfen könntet. Und ich glaube, der Phoenix dort, der hat sich das gleiche gedacht.“

„Woher wissen sie...?“, fragte Harry erstaunt. Er hatte niemandem gesagt, was er nach seinem schmerzhaften Besuch bei den Slytherins geträumt hatte.

„Wissen tu ich gar nichts. Aber ich kenne Fawks. Normalerweise ist er so aufregend wie ein Schlaftrunk. Aber wenn irgendetwas mit dir ist, dann wird er lebhaft. Und wenn er mit jemandem spricht, dann kann er mir mit seinem Herumgeflattere ganz schön auf die Nerven gehen, vor allen Dingen, wenn er mir mit seinen Flügeln wichtige Pergamente vom Tisch wedelt. Magst du mir etwas davon erzählen?“

Harry überlegte. Dumbledore machte es ganz schön geschickt. Harry hatte das Gefühl, dass er nicht anders konnte, als Dumbledore alles zu erzählen, auch wenn er sich geschworen hatte, niemanden einzuweihen. Also gab er sich einen Ruck und berichtete Professor Dumbledore von den nächtlichen Ereignissen, als er immer wieder wach wurde und den Gesang des Phoenix gehört hatte. Und die hässliche Szene im Gemeinschaftsraum der Slytherins erzählte er auch, wenn er auch versuchte, das Ganze zu entschärfen. Dumbledore hörte aufmerksam zu und nickte hin und wieder, als verstünde er jetzt einiges besser.

„Gut.“, sagte er, nachdem Harry seinen Bericht beendet hatte. „Ich kann im Moment noch nicht viel dazu sagen. Aber vielleicht hilft dir dieses hier ein bisschen weiter.“

Er griff in die Schublade und holte einen alten Folianten hervor. Es war ein großes, schweres Buch, ganz in Schweinsleder eingebunden und mit goldenen Lettern und Ornamenten verziert. An vielen Stellen war der Einband schon abgenutzt und das Leder war rissig und grau geworden. Es musste sehr alt sein.

„Es ist eine Handschrift eines Zauberers, der zu Zeiten von Merlin hier an der Schule ‚Geschichte von Hogwarts’ gelehrt hat. Man nannte ihn Richard den Gelehrten. Er hat viel über die vier Gründer geforscht, und sein besonderes Interesse galt Salazar Slytherin. Vielleicht findest du darin einen Hinweis. Ich habe es aus der verbotenen Abteilung geliehen. Behandle es sorgsam, sonst bekomme ich Ärger mit Madame Pinch.“

Harry nahm das Buch entgegen. Er war überrascht, dass Dumbledore ihm nur ein Buch gab. Er hatte eigentlich erwartet, dass der Schulleiter ihm jetzt diesen oder jenen Tipp geben würde, aber ein Buch? Immerhin schien es ein sehr interessantes Werk zu sein und vielleicht wirklich den entscheidenden Hinweis zu enthalten. Vielleicht fügte sich damit ein weiterer Stein zu dem Puzzle, ganz so wie das, was George Ollivander ihm heute Nachmittag erzählt hatte.

„Sehen wir uns beim Abendessen?“, fragte Dumbledore.

„Ja. Danke für das Buch. Darf ich es Hermine zeigen?“

„Ich denke, das geht schon in Ordnung. Sie hat dir ja sonst auch immer geholfen.“

Harry klemmte sich den alten Schinken unter den Arm und ging hinaus. Leise schloss er die Tür.

Als er im Gemeinschaftsraum ankam, saß Hermine am Kamin. Sie schien vollkommen erschöpft und begrüßte Harry mit einem müden Lächeln. Sie hatte sich den ganzen Tag um Fang und die Woolwoodys gekümmert. Die kleinen Wollknäuel hatten dem armen Hund mit ihrem Spiel arg zugesetzt und ihn getriezt und geärgert, wo es nur ging. Irgendwann war es Fang zuviel geworden und er hatte sich auf die Bande gestürzt, die blitzschnell nach allen Seiten weggespritzt war und dann oben in den Balken von Hagrids Hütte gesessen hatte und frech von dort oben herunter gegackert hatte. Fang hatte sich nur mühsam beruhigen lassen, stundenlang hatte er auf der Lauer gelegen, nur um eines der kleinen Biester zwischen seine Pfoten zu bekommen und es nach Saurüden-Manier zurecht zu weisen.

Hermine hatte den ganzen Tag nichts anderes zu tun gehabt, als diese beiden Parteien voneinander zu trennen. Dann war noch der Schneesturm hinzu gekommen und sie hatte mit Sorge beobachtet, dass sich zwischen der Hütte und dem Schloss dicke Berge von Schnee auftürmten. Die ganze Zeit überlegte sie, wie sie wohl wieder in die Schule kommen würde und kramte in ihrem Gedächtnis nach irgendeinem Zauber, der ihr eine Gasse in die weißen Massen grub.

Hagrid erlöste sie gerade noch rechtzeitig, bevor sie einen Koller bekam. Er hatte eine breite Spur hinterlassen, fast einen Hohlweg durch die Berge von Schnee getreten, und Hermine war heilfroh, als sie durch das Portal in die Sicherheit des Schlosses zurückkehrte. Sie war fertig, nicht nur mit den Nerven, sondern auch körperlich. Seit heute früh, war es ihr nicht gelungen, sich auch nur fünf Minuten hinzusetzen und Luft zu holen.

Ron wollte von Harry alles über den Besuch in London wissen. Er freute sich, dass Harry die Besorgungen für ihn erledigt und darüber hinaus sogar noch ein paar Comics und etwas Süßes mitgebracht hatte.  Nach dem Abendessen saßen sie noch ein paar Stunden vor dem Feuer, umringt von Gryffindors, und Harry musste immer wieder von dem Spiegelzauber und von John berichten. Besonders Hermine wollte trotz ihrer Müdigkeit alles über John erfahren.

Der Schneesturm legte sich erst nach drei Tagen. Harry verbrachte sie mit Müßiggang. Das alte Buch hatte er in seinen Koffer gelegt. Er verspürte keine Lust, es aufzuschlagen. Und hätte Hermine es nicht zufällig bemerkt, als er es aus Dumbledores Büro mitgebracht hatte, hätte er es wahrscheinlich vollkommen vergessen. Hermine jedoch bat Harry, es ihr zu zeigen, und als sie sah, dass es sich um eine Frühgeschichte von Hogwarts handelte, lieh sie es sich aus.

Hagrid hatte sich in den drei Tagen in seiner Hütte vergraben und die Hauptarbeit bestand darin, für ein ordentliches Feuer zu sorgen und Fang vor allzu heftigen Angriffen der Woolwoodys zu schützen. Als schließlich die letzten Schneeflocken vom Himmel gefallen waren, der Sturm sich in eine leichte Briese verwandelt hatte und ein eiskalter, aber strahlender Morgen angebrochen war, lag die Landschaft um Hogwarts unter einer meterdicken Schneedecke. Alles war dick überzuckert und die Bäume bogen sich unter der Last des Schnees. Vom See war nichts mehr zu entdecken, als eine große weiße und glatte Fläche. Er war in den drei Tagen zugefroren und mit einer weichen Decke bedeckt worden.

Harry stand am Fenster seines Schlafsaales und sah gedankenverloren auf die weiße Pracht hinunter. Er beobachtete, wie die Woolwoodys auf dem weiten Schneefeld herumtollten. Ihnen schien die Kälte nichts auszumachen. Sie hüpften auf ihren langen Beinen in die Luft und ließen sich in den weichen Schnee fallen. Überall dort, wo die in den Schnee geplumpst waren, entstand ein Loch und die Wiese vor dem Schloss war bereits von Löchern übersäht.

Mit einem mal schlich sich eine Erinnerung in sein Bewusstsein. Damals, als er auf  Durmstrang war, hatte er mit Viktor Krum eine Trainingsstunde durchgeführt. Dazu waren sie in die Quidditch-Halle gegangen, die tief unter der Burg in einer gigantischen Höhle lag. Das Besondere an dieser Halle war, dass der Boden für Trainingszwecke mit einer meterdicken, gepolsterten Schicht versehen werden konnte, so dass man, wenn man bei einem allzu waghalsigen Flugmanöver vom Besen fiel, weich landete.

Die dicke Schneeschicht, die sich nun über das Land gezogen hatte, erinnerte Harry an eben dieses Polster, denn er hatte bei seinen Versuchen, den Wronski-Bluff  zu erlernen mehrmals die Bekanntschaft mit dem Boden gemacht. Wenn man noch ein paar Tage wartete, dann hatte sich der Schnee so weit gesetzt, dass man wie von einem Federkissen aufgefangen wurde. Aufregung ergriff ihn. Jetzt hatte er plötzlich eine Trainingsstunde vor Augen, wie er sie sich vor wenigen Tagen nicht hatte träumen lassen. In seinem Kopf  beschrieb er Kurven und Manöver über dem Quidditch-Feld und es formten sich Spielzüge, die er noch nie bedacht hatte.

„Wenn nur die Besen kämen“, murmelte er halblaut vor sich hin. Er wandte sich entschlossen vom Fenster ab und ging hinunter in die Halle. Aber es war Nachmittag und die meisten Schüler hielten sich in ihren Gemächern auf. Aus dem geplanten Team der Schulmannschaft traf er niemanden an. Wie sollte er seine Leute zusammentrommeln? Bei den Gryffindors hatte er kein Problem, denn sie konnte er irgendwann im Gemeinschaftsraum abpassen. Aber wie sollte er auf die Schnelle Roger Davies von den Ravenclaws auftreiben? Oder gar die Jungs von Slytherin? Er hatte keinen Zugang zu ihren Gemeinschaftsräumen, und wie die Sache aussah, konnte er sich heute die Beine in den Bauch stehen, und warten, bis mal einer die warme Stube verließ.

Enttäuscht wandte sich Harry um und ging wieder in den Gemeinschaftsraum zurück. Hermine war inzwischen hereingekommen und hatte es sich in einem der Sessel vor dem knisternden Feuer bequem gemacht. Auf ihren Knien lag das Buch und sie studierte es so eifrig, dass sie nicht hörte, wie Harry an das Feuer trat.

„Oh, Hermine, hast du dir das Buch vorgenommen?“, fragte er eher um etwas zu sagen, als aus Interesse.

„Huch! Mann, was habe ich mich erschrocken!“, sagte Hermine und blickte auf. „Ach du bist es, Harry. Das ist total spannend. Du glaubst ja gar nicht, was damals alles geschehen ist!“

„Ach ja?“, fragte Harry und hob mit gespieltem Interesse eine Augenbraue. Hermine kam ihm jetzt vollkommen ungelegen. Mit seinen Gedanken war er ganz bei dem Training und konnte ihre lehrmeisterhafte Art gar nicht gebrauchen.

„Weißt du, was ich gerade gelesen habe?“, fragte Hermine und sie wirkte ziemlich aufgeregt. Harry schüttelte den Kopf. Ohne eine Reaktion Harrys abzuwarten redete Hermine weiter.

„Stell dir vor, der Zauberstab von Slytherin war damals in der ganzen Zaubererwelt bekannt. Und Slytherin war der einzige, der ihn berühren konnte. Aber das Beste kommt noch. Kannst du dich an die Kammer des Schreckens erinnern?“

Harry lachte tonlos vor sich hin. Natürlich konnte er sich an die Kammer des Schreckens erinnern. Hatte sie ihn doch fast das Leben gekostet, als er von dem Giftzahn des Basilisken verletzt wurde.

„Hier steht drin, dass die Kammer des Schreckens schon im Jahre Elfhundertachtundachtzig entdeckt worden ist. Und dieser Richard, der das Buch geschrieben hat, der will herausgefunden haben, dass diese Halle, in der du gegen den Basilisken gekämpft hast, nur das Tor zu den geheimen Gewölben von Slytherin sein soll.“

„Das kann jeder sagen.“, antwortete Harry lakonisch und hob die Schultern. „Ich hätte es damals doch sehen müssen, dass es irgendwo weiter ging. Aber es war einfach eine Felsenhalle, die nur den einen Eingang hatte. Nicht einmal da, wo ich Ginny gefunden habe, war irgendetwas zu entdecken.“

„Aber Harry, hier steht es drin. Und Richard der Gelehrte ist ein anerkannter Historiker des zwölften Jahrhunderts. In vielen Büchern wird er zitiert. Ich bin mir sicher, dass er das nicht erfunden hat. Harry, vielleicht finden wir da unten die Lösung für die Slytherins!“

„Was interessieren mich die Slytherins?“, sagte Harry genervt. „Sie können doch selber da hinunter, wenn sie meinen, dass sie damit ihr Haus retten können. Ich habe jetzt ganz andere Probleme.“

Hermine sah Harry kopfschüttelnd an.

„Harry! Ich verstehe dich nicht. Ich dachte immer, dass dir das mit den Slytherins nahe gegangen ist. Was ist denn los?“

„Ich kann das nicht mehr hören. Immer muss ich für andere die Kohlen aus dem Feuer holen. Immer muss ich meinen Kopf hinhalten, wenn es gefährlich ist. Ich will endlich mal meine Ruhe haben und mich um das kümmern, was mir Spaß macht.“

Harry ärgerte sich über sich selbst. Er wollte Hermine gegenüber nicht so barsch sein, aber im Moment war es wirklich so, dass er von dieser Slytherin-Geschichte nichts wissen wollte. Ungeduld brannte in ihm, denn er wollte jetzt endlich mit der Schulmannschaft anfangen. Das war das, worauf er sich seit Wochen freute, und diese Slytherins drängten sich einfach mit ihrem Ärger zwischen ihn und seinen geliebten Sport.

Hermine sah ihn immer noch an, aber ihr Blick hatte etwas von Mitleid.

„Ich kann dich verstehen.“, sagte sie, schlug das Buch wieder auf, das sie geschlossen hatte und starrte auf die Buchstaben. Harry stand vor ihr. Mit einem Mal fühlte er sich elend. Er hatte das dringende Bedürfnis, sich bei Hermine zu entschuldigen.

„Es tut mir leid...“, murmelte er. „ich wollte dich nicht anfahren.“

Jetzt sah Hermine auf und so etwas, wie ein Lächeln überzog ihr Gesicht. Sofort wurde sie wieder ernst.

„Ist schon in Ordnung.“, sagte sie. „ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Es muss schlimm sein, sich für etwas verantwortlich zu fühlen, das man eigentlich nicht verursacht hat.“

Harry schwieg. Was hätte er darauf sagen sollen. Im Prinzip hatte sie mit wenigen Worten all seine Gefühle zum Ausdruck gebracht. Aber sie verstand bestimmt nicht, dass im Moment in seinem Kopf  nur Platz für Quidditch war. Wie sollte sie es auch begreifen, wo sie sich nur für Bücher, die Sorgen anderer und überhaupt nicht für Sport interessierte. Aber er irrte sich.

„Denkst du über die Schulmannschaft nach?“, fragte sie und sah zu ihm auf. Wieder klappte sie das Buch zu und legte es auf das Tischchen, das neben dem Sessel stand. Harry war überrascht.

„Ja...“, sagte er verwundert. „Wie kommst du darauf?“

„Ich weiß nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, ich kann es in deinem Gesicht lesen. Wenn du an Quidditch denkst, dann hast du einen ganz eigenartigen Blick. Ach Harry, es tut mir leid, das ich dich aus deinen Gedanken gerissen habe. Aber irgendwann müssen wir auch in dieser Geschichte weiter kommen. Du kannst es nicht einfach verdrängen.“

Harry wollte wieder ärgerlich werden, aber Hermine sah ihn so sorgenvoll an, dass er es vergaß.

„Ich weiß.“, sagte er. „Aber zwischendrin muss doch auch etwas Platz für mich sein. Sieh mal, die Slytherins sterben doch nicht, wenn ich mir ein bisschen Zeit für mich lasse. Sie werden nur weniger...“

Hermine lächelte.

„Weißt du, Harry, ich würde dir sehr gerne helfen. Vielleicht ist es wirklich besser, wenn du dich erst einmal um die Schulmannschaft kümmerst. Vielleicht ist es ganz gut, wenn du etwas Abstand bekommst, und dann wieder etwas mehr Raum für diese Geschichte hast. Was hältst du davon, wenn ich mich schon mal auf die Suche mache. Vielleicht finde ich etwas heraus, was uns weiter bringt. Und du hast etwas mehr Zeit für deine Sachen!“

Innerlich krampfte sich alles in Harry zusammen. Das war sie wieder, diese besserwissende, aber absolut hilfsbereite Hermine, die es immer wieder schaffte, sein Gewissen zu quälen, ohne dass er ihr ernsthaft böse sein konnte. Er sah sie nachdenklich an. Es störte ihn gewaltig, dass sie diese Größe besaß und ihm einfach etwas schenkte, und er nichts weiter zustande brachte, als ihr Angebot anzunehmen, nur um seinen Egoismus durchzusetzen.

„Danke.“, sagte er. Und nach einer Weile: „Du bist echt in Ordnung.“ Und dann wurde ihm klar, dass er ganz vergessen hatte, an Quidditch zu denken. Und er fühlte sich auf einmal so leicht. Er zog einen Sessel ans Feuer und setzte sich.

„Was meinst du denn, was ich jetzt tun soll?“, fragte er.

„Wir.“, korrigierte sie ihn.

„Was?“, fragte Harry, der nicht verstand, was sie sagen wollte.

„Wir, Harry! Ich habe dir doch gesagt, dass ich dir helfen will. Wir haben doch bisher alles gemeinsam gemacht und ich finde, wir sind ein tolles Team.“

„Stimmt. Ich glaube du hast recht. Was sollen wir denn deiner Meinung nach jetzt tun?“

Hermine überlegte kurz. Dann sagte sie:

„Meist du es würde schaden, wenn wir noch einmal in die Kammer des Schreckens gehen würden und sie uns ansehen? Ich meine, der Basilisk ist doch tot, und er kann uns nicht mehr gefährlich werden. Vielleicht hast du ja doch etwas übersehen...“

„Ich weiß nicht. Sicher, schaden kann es uns nicht...Aber ich habe das Gefühl, dass Draco mit müsste...“

„Draco?“ Hermine war verblüfft. „Wieso Draco?“

Harry war sich unschlüssig, ob er ihr von dem Traum erzählen sollte. ER hatte den Eindruck, dass es eine Sache war, die nur ihn und Draco etwas anging, vor allen Dingen, weil er niemals zugeben würde, dass er mit Draco Händchen gehalten hatte. Wenn das heraus käme...die ganze Schule würde sich über sie lustig machen. Harry hörte sie schon hinter sich herrufen: „Ist Draco dein Schatz?“ Er würde sich ohne ein Wort auf denjenigen stürzen und ihn in Grund und Boden stampfen. Auf der anderen Seite war es wichtig, Hermine ins Vertrauen zu ziehen, denn nur so konnte sie ihm wirklich helfen. Er gab sich einen Ruck und begann zuerst stockend, dann immer aufgeregter von den Ereignissen zu erzählen. Hermine hörte ihm aufmerksam zu, dann schwieg sie einen Moment. Schließlich sagte sie:

„Vielleicht müssen wir noch einmal in Dumbledores Büro. Ich glaube, der Phoenix hat dir noch nicht alles gesagt.“

„Daran habe ich auch schon gedacht. Meinst du, wir sollten uns nachts hineinschleichen?“

„Genau das meine ich. Heute Nacht! Ich bin dabei.“

„Nicht heute. Lass uns das am Sonntag machen. Ich möchte erst mit meiner Mannschaft trainieren. Dann bin ich wieder klarer im Kopf. Abgemacht?“

„Abgemacht!“

Der Nachmittag war schneller vergangen, als Harry befürchtet hatte. Beim Abendessen traf er alle Spieler, die er auf die Liste für die Schulmannschaft gesetzt hatte. Nacheinander klapperte er die vier Tische ab und verabredete für den nächsten Nachmittag, den Samstag, das erste Training. Am Tisch der Slytherins wurde er zu seiner Überraschung freundlich begrüße und Bletchley, der ihn neben sich auf einen Stuhl zog schlug sogar noch zwei aus der Slytherin-Mannschaft vor, die Treiber werden könnten. Ein eigenartiges Gefühl von Glück und Zufriedenheit durchströmte Harry.

Am Samstag Morgen begann er nervös zu werden. Es war immer noch kaum möglich, sich draußen vor dem Schloss zu bewegen, zu tief war der Schnee. Hagrid hatte einen Hohlweg zwischen seiner Hütte und dem Eingang geschaufelt. Der Schnee, den er links und rechts neben den Weg geworfen hatte, erweckte nun den Eindruck, dass die Schneedecke noch höher lag, als sie in Wahrheit war. Hagrid sah Harry unruhig durch die Halle laufen.

„Was ist los Harry?“, rief er ihm zu. „Haste ne Verabredung?“

„Ach Hagrid..., nee, ich mach mir Gedanken, wie wir heute auf das Spielfeld kommen. Der liegt ganz schön hoch, der Schnee.“

„Na, du kannst doch fliegen, nimm deinen Besen!“

Klar! Warum war Harry noch nicht selber darauf gekommen. Es lag ja so nahe. Dankbar grinste Harry seinen Freund an.

„Was willst du denn auf dem Spielfeld?“, fragte Hagrid. „Du willst doch bei der Kälte nicht trainieren?“

„Doch, gerade jetzt. Ich will mit ihnen den Wronski-Bluff üben. Und mir sind noch so ein paar Ideen gekommen. Stell dir vor, es fällt einer vom Besen und er tut sich nicht weh. Besser kann es gar nicht sein, wie heute!“

„Wollt ihr echt trainieren, heute? Darf ich zuschauen?“

„Klar, Hagrid. Hab ich dir doch versprochen!“

Das Mittagessen registrierte Harry kaum. Er war nervös, wie vor dem Abschlussspiel eines Schuljahres. Mehr aus Vernunft stocherte er ein paar Kleinigkeiten in sich hinein. Gleich, nachdem das Essen beendet war, rannte er hinauf in den Schlafsaal, kramte unter dem Bett nach seinem Besen und war Augenblicke später in der Halle. Natürlich war er der Erste und die Minuten, die verstrichen, bis die Anderen eintrudelten, waren eine Höllenqual für ihn.

Schließlich umringten ihn Katie Bell und Angelina Johnson von den Gryffindors, Roger Davies und Linus Lonnigan von den Ravenclaws, Arthur Bletchley, Millicent Bulstrode und Draco Malfoy  und sogar Geoffrey Rondstadt, der sich so abgeneigt gezeigt hatte, war erschienen und hatte den kleinen Kevin Withby mitgebracht.

„Er hat Talent!“, sagte er, nachdem er den verwunderten Blick von Harry bemerkte. Alle hatten ihre Besen dabei, die Slytherins ihre Nimbus 2001, die Ravenclaws und die Hufflepuffs ihre privaten Sauberwischs und auch Kevin hatte sich einen Schulbesen geliehen.

„Wer wird denn was?“, fragte Draco, diesmal allerdings ohne den ihm eigenen sarkastischen Unterton. Harry zuckte die Schultern.

„Das weiß ich noch nicht genau.“, sagte er. „Ich glaube, wir sollten erst einmal ein paar Stunden allgemeines Training machen, damit wir sehen können, wer für welche Aufgabe geeignet ist.“

Das ‚Wir’ hatte er bewusst gewählt. Er wollte nicht als Chef gelten. Er war überzeugt, dass, wenn er ein guter Trainer war, er von den Anderen auch als Kapitän der Mannschaft akzeptiert werden würde.

„Und wo wollen wir trainieren?“, fragte Kevin etwas schüchtern.

„Stimmt!“, fiel Geoffrey ein. „Das Feld ist doch total zu. Sollen wir hier in der Halle fliegen?“

„Moment!“, wehrte Harry ab. „Ich habe gestern eine Idee gehabt. Ich habe mir gedacht, dass wir draußen auf dem Feld trainieren, weil der Schnee wie ein weiches Polster wirkt. Ich habe das in Durmstrang gesehen, da haben sie für das Training auch ein Polster.“

„Was, du warst in Durmstrang?“, fragte Linus, der die Geschichte offensichtlich noch nicht gehört hatte. Harry nickte, hatte aber keine Lust, davon mehr zu erzählen.

„Du spinnst doch!“, krächzte Millicent Bulstrode. „Ich frier mir da draußen doch den Allerwertesten ab. Und wenn ich in den Schnee falle, läuft es mir hinten und vorne rein.“

„Welch schöne Vorstellung!“, grinste Draco. „Aber ich glaube, Harrys Idee ist gar nicht so schlecht. Lasst uns raus, an die frische Luft!“

„Ey Draco, zauber mir mal ne Besenheizung!“, rief Arthur und lachte. „Na los ihr Weicheier, traut euch!“

Harry war ganz verwirrt über die gute Laune, welche die Mannschaft hatte. Er hatte mit Streit und gehässigen Worten gerechnet, aber das was er hier sah, hätte er nie geglaubt, wenn es ihm jemand erzählt hätte. Draco war bereits zur Eingangstür gegangen und hatte sie aufgezogen. Ein Schwall kalter Luft schwappte in die Halle und ernüchterte Harry augenblicklich. Er nahm seinen Besen fest in die Hand, trat vor das Portal und schwang sich hinauf. Wie auf Kommando erhoben sie sich fast gleichzeitig in die Luft und flogen übermütig ein paar Runden über die große Wiese.

Dann bogen sie um das Schloss herum und waren einen Atemzug später auf dem Spielfeld. Harry bremste den Besen ab und blieb in der Luft stehen. Die anderen stellten sich in einem Halbkreis um ihn herum auf und sahen ihn erwartungsvoll an.

„Schieß los, Großmeister des Quidditch!“, rief Roger. Harry räusperte sich. Dann holte er tief Luft, schaute in die Runde und sagte:

„Also, ich finde es klasse, dass ihr alle gekommen seid. Und ich freuen mich auch, dass du, Geoffrey doch mitmachst. Und mit Kevin, das finde ich auch gut. Wir brauchen jeden, der mitmachen will.“

Er überlegte, was er als nächstes sagen wollte.

„Ja..., das mit dem Schnee...“, fuhr er nachdenklich fort. „Wie ich eben gesagt habe, auf Durmstrang haben sie so eine Matte auf ihrem Feld, die verhindert, dass man sich weh tut, wenn man runterfällt. Ich habe dort mit Viktor Krum geübt, und er hat mir gezeigt, wie der Wronski-Bluff geht.“

Ein Raunen ging durch die Gruppe. Man sah sich an und hier und da wurde anerkennend ein ‚Krum’ gemurmelt.

„Also“, fuhr Harry fort. „Ich glaube zwar nicht, dass jeder von uns den Wronski-Bluff können muss, aber die Jäger und die Sucher auf jeden Fall. Drum habe ich mir überlegt, dass die Treiber und Sucher mit mir zusammen und die Jäger und die Hüter heute Angriffe auf das Tor üben.“

„Wer soll den jetzt was machen?“, fragte Draco.

„Mach einen Vorschlag“, sagte Harry herausfordernd.

Draco zuckte überrascht zurück.

„Wieso ich? Du bist der Kapitän!“, entgegnete er.

„Bin ich das wirklich?“, fragte Harry. „Gut, wenn ihr das meint...“

Er sah in die Gesichter der anderen, konnte aber nirgendwo Ablehnung erkennen.

„Ich habe vorhin schon gesagt, dass ich noch nicht weiß, wer welche Position spielen soll. Eigentlich bräuchten wir für jede Funktion immer einen Ersatzspieler. Aber wir sind nicht so viele... Ich habe mir das so gedacht:

Linus könnte Hüter werden. Dafür braucht man gutes Sitzfleisch, und was du mir erzählt hast, Roger... Ja, und Arthur Blechley hat auch schon Erfahrung darin. Aber Arthur fliegt gut, und drum würde ich ihn lieber als Treiber sehen. Du, Draco solltest einer der beiden Sucher werden, aber wir brauchen noch mehr Treiber. Wärest du einverstanden, wenn du Treiber und Ersatzsucher wirst?“

Draco verzog das Gesicht.

„Wenn schon, dann möchte ich Jäger werden.“, meinte er. „Ersatzsucher..., na ja, aber ab und zu mal will ich dann auch mal drankommen.“

„Angelina und Katie sind eigentlich hervorragende Jägerinnen. Sie sind leicht und schnell...“

„Ich könnte ja einen der Treiber machen.“, meldete sich Geoffrey. „Lass Malfoy doch Jäger werden. Dann tut er wenigstens niemandem weh!“

Dabei grinste er zu Draco hinüber, der aber so tat, als hätte er es nicht gehört. Eine ganze Weile lang diskutierten sie hin und her, bis Millicent anfing zu maulen.

„Hätten wir das nicht drinnen besprechen können?“, fragte sie genervt. „Mir wird kalt. Und eines sage ich euch, wenn das Training nur aus diskutieren besteht, dann bin ich ganz schnell wieder raus aus dem Team.“

„Hast Recht.“, sagte Harry. „Wir sind ja auch fast durch. Den Rest besprechen wir heute Abend. Lasst uns anfangen.“

Die Spieler teilten sich in zwei Gruppen. Malfoy wollte natürlich beim Suchertraining dabei sein. Harry hatte nichts dagegen. Inzwischen hatte sich Hagrid durch den Schnee zum Spielfeld gekämpft und setzte sich, nachdem er ein Fell auf einen der Sitze gelegt hatte, auf die Tribüne. Harry erklärte, was beim Wronski-Bluff zu beachten war, führte den Zug vor, und als er meinte, alles gesagt zu haben, war er wusste, ließ er Draco einen Versuch machen. Draco zog viel zu früh wieder nach oben, und so oft er es auch wiederholte, er traute sich nicht, den Sturzflug bis knapp über den Boden zu ziehen. Harry erinnerte sich, was Viktor Krum damals gemacht hatte.

„Draco, du zieht viel zu schnell wieder nach oben. Lasst uns doch mal vom Besen springen. Ich glaube nämlich, dass du kein Vertrauen hast, dass der Schnee weich ist. Schaut, ich springe!“

Er schwang sein Bein über den Besenstiel und sprang. Nach einem kurzen Flug landete er im weichen Pulverschnee und hinterließ ein tiefes Loch. Er holte seinen Besen, der ganz ruhig in der Luft stehen geblieben war wieder zu sich herunter, schlug sich den Schnee aus den Kleidern und schwang sich wieder hinauf.

„Jetzt ihr!“, forderte er die anderen auf. Draco konnte es sich nicht nehmen lassen. Er flog noch einen Meter höher, um Harry zu zeigen, dass er Mut hatte, dann zögerte er aber.

„Na los, spring!“, rief Harry.

Draco schob sein Bein über den Besenstiel, schloss die Augen und sprang. Als er unten im weichen Schnee gelandet war, jauchzte er.

„Das macht voll Spaß!“

Jetzt fassten auch die anderen Mut und sprangen und als auch sie begriffen hatten, dass sie sich nicht verletzten, wiederholten sie den Sprung. Immer wieder ließen sie sich von ihren Besen in die Luft tragen und sprangen. Immer höher wurden sie von ihren Besen getragen, bis sie schließlich eine Höhe erreicht hatten, von der es nicht mehr ungefährlich war, herunter zu springen.

Jetzt musste Draco den Sturzflug wiederholen, und dieses Mal klappte es erheblich besser. Auch die drei Treiber, Geoffrey, Arthur und Millicent versuchten ihr Glück und waren begeistert, als Harry sagte, sie seinen gar nicht so schlecht.

Als nächstes versuchten sie sich mit einer Verfolgungsjagd. Sie hetzten hintereinander her, stellten sich gegenseitig in den Weg, tauchten untereinander weg und purzelten immer wieder in den Schnee. Keinem war mehr kalt. Alle hatte rote, glänzende Gesichter und lachten und freuten sich. Hagrid klatschte Beifall, wenn einer besonders geschickt ausgewichen war und feuerte die Verfolger lautstark an. Den ganzen Nachmittag tobten sie sich aus, und als es dämmerig wurde, und sie vor der Eingangshalle landeten und von den Besen stiegen, sagte Geoffrey:

„Hätte nie gedacht, dass das so viel Spaß macht. Das war eine gute Idee von dir, Harry, den Schnee als Polster zu nutzen.“

Harrys Gesicht glänzte vor Stolz. Er hatte es geschafft. Er hatte das erste Training der Schulmannschaft hinter sich gebracht und es hatte allen Spaß gemacht. Sogar Millicent Bullstrode, dieses Monstermädchen aus Slytherin, die ohne Weiteres eine Schwester von Crabbe oder Goyle hätte sein können, sah ihn freundlich an.

Hagrid stapfte durch den Schnee heran und trat sich an einer Treppenstufe die Füße ab.

„Klasse, Kinder.“, lobte er sie. „Hat eine Freude gemacht, euch zuzusehen. Wenn ihr so weiter macht, dann werdet ihr die Durmstrangs fertig machen. Freu mich schon darauf.“

Er klopfte Harry auf die Schulter, dass dieser fast unter den schweren Händen zusammenbrach. Aber Harry machte es nichts mehr aus. Und in seinem Hinterkopf  fühlte er, dass ihm eine schwere Last von der Seele genommen war und nun ein wenig mehr Platz diese vermaledeite Geschichte mit den Slytherins war.

 

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