8. Der Angriff
Impressum Fan Fiction Links Mein neues Buch

Nach oben
1. Die Flucht
2. Düstere Zeiten
3. Auf Perpignans Place
4. Zauberlehrling
5. Hermine
6. Bücherwürmer
7. Spurensuche
8. Der Angriff
9. Eine Entscheidung
Weiter gehts mit...

 

zurück zur Startseite

Kurz vor der Morgendämmerung schreckte Harry hoch. Er war eingenickt, hatte wild geträumt und dann hatte er klar und deutlich eine Stimme neben seinem Ohr gehört.

„Es geht los! Sie kommen!“

Harry brauchte einen Moment, um zu verstehen, was er gehört hatte und woher es kam. Er öffnete die Augen und sah sich um. In der Dunkelheit konnte er nicht viel erkennen, aber er hörte Atemgeräusche neben sich. Da wusste er wieder, wo er war, und er wusste auch sofort um was es ging.

„Hermine?“, fragte er in die Dunkelheit hinein.

„Ja Harry.“, antwortete eine Stimme ganz nah bei ihm. „Hast du das auch gehört?“

„Ich muss wohl geschlafen haben. Wie spät ist es?“

„Es ist gleich vier Uhr in der Frühe, Master Harry.“, tönte eine andere, sehr alte Stimme aus der Finsternis.

„Ach, Arthur, stimmt, sie sind ja auch da. Geht es los?“

„So ist es, Master Harry. Man hat Mr. Voldemort gesehen. Er ist auf dem Druidenhügel angekommen und hat 12 seiner Anhänger mitgebracht. Soweit wir herausgefunden haben handelt es sich unter Anderem um Mr. Malfoy, Mr. McNair, Mr. Pettigrew, Mr. Goyle und Mr. Crabbe. Die anderen konnten wir noch nicht identifizieren, aber wir gehen davon aus, dass es sich um den engsten Vertrautenkreis handelt.“

„Ach du meine Güte!“, entfuhr es Harry. Die Namen, die Arthur gerade genannt hatte, erzeugten äußerstes Unbehagen in ihm. Auch Hermine hatte die Namen mit Schrecken vernommen. Gerade Malfoy, McNair, Crabbe und Goyle gehörten zu den schlimmsten Muggelhassern, die die Zaubererwelt hervor gebracht hatte.

„Sie haben den Hügel verlassen und bewegen sich auf uns zu“, hörten sie eine Stimme sagen.

„Und was werden wir jetzt machen?“, fragte Hermine, an Arthur gewandt.

„Wir werden erst einmal abwarten.“, antwortete Arthur. „Unsere Aufgabe ist, die Augen offen zu halten. Ich schätze, sie werden in einer Viertel Stunde da sein, und dann werden wir sehen.“

„Können wir mal kurz Licht anmachen?“, fragte Harry. „Ich muss mal.“

„Ich auch“, sagte Hermine.

„Nein, auf keinen Fall können wir jetzt Licht machen, das würde verraten, dass wir vorbereitet sind und auf sie warten. Versuchen Sie, im Dunkeln hinaus zu kommen.“

Harry stand von seinem Stuhl auf und tastete sich in Richtung Tür. Ein kurzes Poltern und ein unterdrücktes „Aua!“ war zu hören. Hermine hatte Harrys leeren Stuhl nicht sehen können und sich das Schienbein gestoßen. Harry fand die Tür und schlüpfte auf den Flur. Einen Augenblick später kam Hermine hinterher.

„Hermine, was hältst du davon, wenn wir unsere Sachen zusammenpacken? Ich habe den Verdacht, dass wir heute noch fliehen müssen.“

„Willst du Henry allein lassen?“, fragte Hermine verwundert.

„Nein, so meine ich das nicht. Aber ich hab so ein komisches Gefühl im Bauch. Ich glaube, wir schaffen es nicht lange, gegen Voldemort und seine Leute zu bestehen. Da wäre es doch besser, wenn wir unsere Sachen dabei haben.!“

„Ach so meinst du das.“, sagte Hermine. „Aber du willst doch nicht ständig deinen Koffer mit dir rumschleppen, oder?“

„Nö. Ich hab mir vorhin,“, antwortete Harry und fasste Hermine am Arm, „ als ich gesehen hab, was Arthur mit den Büchern gemacht hat, da hab ich mir gedacht, dass das doch total praktisch ist. Ich kann meinen Koffer in die Hosentasche stecken. Ist doch genial!“

„Hm“, machte Hermine. „Da ist was dran. Vielleicht schafft Arthur es ja auch, Hedwig und Krummbein schrumpfen zu lassen...Ich muss jetzt erst mal. Wir fragen ihn gleich.“

„Ich frag ihn jetzt eben.“, sagte Harry, öffnete noch mal die Tür und steckte seinen Kopf durch den Spalt. „Arthur? Können Sie unser Gepäck auch so klein machen, dass wir es in die Tasche schieben können?“

„Natürlich, Master Potter. Packen war immer schon meine Spezialität.“

„Können sie auch Krummbein und Hedwig und ihre Käfige schrumpfen?“

„Auch das geht. Darf ich fragen was sie vorhaben, Master Potter?“

„Ich dachte nur, wenn wir fliehen müssen, dann möchte ich alle meine Sachen dabei haben, wir wissen ja nicht wohin wir kommen.“

„Dann schlage ich vor, sie packen schnell zusammen und bringen ihr Gepäck hierher. Ich werde es schon in eine handliche Größe bringen.“

„Ok. Danke Arthur.“

Harry schloss die Tür wieder. Hermine wartete schon ungeduldig.

„Und? Was sagt er?“

„Es geht!“, sagte Harry. „Dann lass uns schnell packen, ja?“

Beide gingen auf ihr Zimmer und kamen nach wenigen Minuten voll beladen wieder. Es war nicht einfach, im Dunkeln zu packen.

„Krummbein, dieses Monster!“, sagte Hermine. „Als ich ihn in den Käfig gesperrt habe, hat er mich tierisch gekratzt. Bestimmt blutet es!“

„Gut, dass ich eine Eule habe. Hedwig ist richtig brav von selbst in ihren Käfig gegangen.“ Sagte Harry und grinste schadenfroh. Er hatte nichts gegen Krummbein, aber ab und zu dachte er bei sich, was für ein fettes und selbstgefälliges Vieh er war.

„Sie sind da! Passt jetzt auf!“ ertönte eine Stimme aus dem Dunkel.

Schnell schlüpften sie in das Zimmer, in dem Arthur saß.

„Hier sind unsere Sachen, Arthur.“, sagte Harry.

„Dann darf ich sie bitten, an das Fenster zu gehen und aufzupassen. In welche Tasche soll ihr Gepäck?“

„Hier in die Umhangtasche!“, sagte Harry und hielt sie auf. „Nur die Tasche mit den Tränken nicht, wer weiß, ob wir sie noch brauchen!“

„Ich würde empfehlen, dass sie noch einen Schluck vom Wach-Trank nehmen. Die nächsten Stunden werden sicher sehr unruhig.“, sagte Arthur.

Draußen war es schon ein wenig dämmerig geworden und das Zimmer war auch nicht mehr so dunkel, wie vor wenigen Minuten noch. Hermine und Harry taten, was Arthur gesagt hatte. Der schwang seinen Zauberstab, murmelte etwas und Harrys Gepäck schrumpfte und segelte in die Tasche seines Umhangs. Mit Hermines Sachen verfuhr er genauso.

Plötzlich schien der Hof schwach zu glimmen. Das Glimmen wurde stärker und bald strahlte der Hof in einem eigenartigen düsteren Licht, das gar nicht zu existieren schien. Nur die Umrisse der Bauten, Wege, Bäume und Beete schienen von dem Licht umflossen, es strahlte kaum ab, aber man sah alles.

„Was ist das?“, fragte Hermine.

„Das ist das magische Licht, Miss Granger, das nur Druiden herstellen können. Und nur wir können es sehen. Voldemort sieht es nicht. Er denkt weiterhin, hier sei alles ruhig.“

Draußen auf dem Hof kam Bewegung auf. Druiden huschten herum und ihre weißen Kutten erschienen in dem Licht so durchscheinend, wie die Geister, die auf Hogwarts wohnten. Die ganze Szene wirkte unheimlich und bedrohlich. Aber Hermine und Harry konnten mit einem mal jeden einzelnen Zauberer und jede einzelne Hexe auf deren Positionen erkennen, konnten genau beobachten, was sie taten. Und sie konnten noch etwas sehen. Vor dem schmiedeeisernen Tor, das jetzt geschlossen war, und ebenfalls von dem eigenartigen Licht umflossen wurde, konnten sie durch die Mauern hindurch die Umrisse von Gestalten erkennen, die nicht hier hin gehörten. Da waren sie!

Sie hatten sich rings um das Anwesen aufgestellt. An jeder Seite standen drei Todesser, nur am Tor stand im Hintergrund ein Vierter. Lord Voldemort.

„Verhaltet euch ruhig!“, kam die mahnende Stimme von Henry aus dem Äther. „Wir lassen sie angreifen. Bei der ersten Angriffswelle brauchen wir nichts zu tun, die hält unser Schutzschirm aus!“

„Na, dann lasst sie mal kommen, wir werden ihnen schon einheizen!“, kickerte die Stimme einer Hexe.

„Die haben ja richtig gute Laune!“, bemerkte Harry.

„Sie wissen, was sie können, Master Potter.“, sagte Arthur seelenruhig. „Haben sie beide nur ein gehöriges Auge auf unsere Gegner und warnen sie unsere Kämpfer rechtzeitig, dann wird keinem von uns etwas passieren.“

Die Todesser standen still in einem Abstand von etwa 25 Metern vor dem Gelände. Zunächst schien es, als wollten sie abwarten. Nach einigen Minuten kam dann doch Bewegung in die Vasallen des dunklen Lord. Sie gingen langsam auf die Mauern zu, stoppten jedoch schon nach wenigen Metern.

„Sie sind an den ersten Schutzbereich gekommen, mal sehen, was sie machen!“, hörten sie wieder Henrys Stimme. „Jonathan, Salomo, Flint, Adam aufpassen! Wenn sie angreifen und irgendwo ein Loch brechen seid ihr dran. Versucht es zuerst mit dem Lähmungszauber!“

Er hatte kaum zuende gesprochen, ging es los. Alle Todesser hatten ihre Zauberstäbe gehoben und wie auf ein Kommando begannen sie grelle, rote Blitze gegen die Mauern zu schicken. Die Blizte stoppten an einem unsichtbarenWiderstand und begannen dann, an dieser Stelle wie über eine große Kuppel zu klettern. Bald war das ganze Gelände von einem Netz aus roten, zitternden Linien umschlossen. Aber der Schutz hielt stand. Die Todesser versuchten mehr Kraft in ihre Zauber zu setzen, jedoch ohne Erfolg.

„Greift an!“, kommandierte Henry und im gleichen Augenblick schossen kurze farbige Blitze und Strahlen von den vier Türmchen an den Ecken der Mauer. Die Todesser waren viel zu überrascht, um sofort zu reagieren und die Überraschung hatte zur Folge, dass zwei der Gegner von den Flüchen getroffen zu Boden sanken. Dann setzte eine planlose Flucht unter den Todessern ein. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei.

Jubel brandete durch den körperlosen Raum ihrer Sprachverbindung. Henry ließ sich wieder vernehmen.

„Sie wissen jetzt, dass wir gewarnt und vorbereitet sind. Das nächste mal werden sie sich nicht so dumm anstellen. Also aufgepasst, Freunde!“

Es blieb eine Weile ruhig. Von den Todessern war nichts zu sehen. Harry und Hermine hatten gebannt auf das Geschehen geschaut. Auch sie hatten gejubelt, aber Arthur hatte sie wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

„Freuen sie sich nicht zu früh,“ hatte er gesagt. „Das war erst das Vorspiel. Warten Sie ab, bis der dunkle Lord eingreift. Dann werden wir nichts mehr zu jubeln haben.“

„Warum sollen wir eigentlich nicht mitkämpfen?“, fragte Harry, den es fasziniert hatte, wie die Druiden den Angriff abgewehrt hatten. Auf einmal fühlte er sich sicher und stark. Hermine schaute ihn kritisch von der Seite her an.

„Angeber!“, sagte sie.

„Beruhigen sie sich, Miss Granger. Das hat schon einen Grund. Warum sollte Lord Voldemort wissen, dass sie Beide hier sind? Im Moment vermutet er es nur.“

Mit einem Mal zuckte ein Blitz über den Himmel. Gleichzeitig hob ein ungeheurer Sturm an. Die Bäume wurden geschüttelt und bogen sich, dass man befürchten musste, sie brechen um. Dann platzte ein Wolkenbruch herunter, dass man kaum ein paar Meter weit sehen konnte. Nur die vom magischen Licht beleuchteten Umrisse der Druiden waren zu sehen. Dann kamen die Todesser. Diesmal versuchten sie es von einer Seite. Geballt warfen sie ihre Flüche gegen den Schutzzauber, wieder prallten diese daran ab, aber sie schafften es, die magische Kuppel an ihrer Seite bedenklich einzudrücken.

„Greift an!“, rief Henry und von den zwei Türmen, die an der Seite lagen zuckten Blitze auf die Gegner hinunter. Jetzt trat Voldemort vor. Er schwenkte seinen Zauberstab und eine glühende Glocke spannte sich um die Angreifer. Keiner der Druiden-Flüche schaffte es mehr, einen der Todesser zu erreichen. Voldemort sprach einen Zauber über die großen Bäume, die in der Nähe der Mauer standen. Sie bogen sich herunter und schlugen mit ihren Ästen wie die peitschende Weide auf die Türme und Mauern ein. Ein Turm hielt den schweren Schlägen einer alten großen Eiche nicht mehr stand und brach zusammen. Der Zauberer, der auf dem Turm positioniert war, konnte sich mit einem Sprung von den berstenden Mauern retten. Sogleich suchte er Schutz hinter den Trümmern und warf wieder seine Flüche gegen die Angreifer.

Die Delle in der Schutzkuppel wurde immer tiefer und es sah so aus, als würde sie sich spannen, wie ein Tuch, das kurz vor dem Zerreissen stand. Von den anderen Türmen aus und aus den Zimmern, die mit Druiden besetzt waren wurde mit aller Kraft gefeuert, Blitze durchzuckten den Hof, teilten die Regenschleier für einen kurzen Augenblick, aber die Todesser drangen weiter auf die Schutzhülle ein. Dann hob Voldemort seinen Stab und richtete ihn auf die Delle in der Schutzkuppel. Es tat einen lauten metallischen Schlag und die Kuppel riss von oben bis zum Boden auf. Eine breite Lücke klaffte in der Hülle und die Todesser drangen vor. Die Mauer wurde von mehreren Flüchen getroffen. Sie zerbarst mit lautem Donnerschall und durch die Lücke kamen sie in den Hof.

„Zurück, in die zweite Linie!“, kommandierte Henry, während er ein Sperrfeuer über den Hof legte und das Keuchen laufender Druiden hallte durch den Äther. Die Todesser hatten die Mauer überwunden und bewegten sich nun im Hof. Sie wussten nichts von den Fallen, aber als einer Angreifer in eine bodenlose Spalte stürzte, stoppte ihr Vormarsch für einen kurzen Augenblick. Voldemort trat vor und zog mit seinem Stab, aus dem schwarzer Dampf sprühte, einen Kreis über den Hof. Der Dampf sank auf den Boden nieder und blieb an allen magischen Sperren hängen. Jetzt konnten die Todesser erkennen, wo sich eine Falle verbarg, konnten sie umgehen und schafften es, bis an das runde Rosenbeet vor der Villa vorzudringen.

„Alle, die nichts mit der Verteidigung zu tun haben sammeln sich in der Bibliothek!“, war Henrys Stimme wieder zu hören. Arthur nahm Hermine und Harry am Arm und zog sie mit erstaunlicher Kraft vom Fenster weg.

„Kommen Sie, beeilen wir uns!“, sagte er und ging schnellen Schrittes zur Tür.

Draußen tobte inzwischen ein Unwetter, wie es noch keiner der Anwesenden erlebt hatte. Alle Verteidiger waren nass bis auf die Haut, sie sahen kaum noch etwas durch den Regenschleier, nicht ein mal die ununterbrochen zuckenden Blitze beleuchteten den Hof so, dass etwas erkennbar war. Die Druiden sammelten sich vor der Treppe zum Haus und zogen sich in den zweiten Verteidigungsring zurück. Die Todesser rannten gegen den Schutz an, befeuerten ihn mit Flüchen, konnten aber nichts ausrichten. Mit einem Mal herrschte Stille. Die Blitze hörten von einer Sekunde zur anderen auf, nur der Regen trommelte auf den Boden und sammelte sich in tiefen Pfützen. Die Angreifer standen unter ihrer leuchtenden Glocke, die Zauberstäbe auf die Druiden gerichtet. Die standen abwehrbereit da und warteten, was als nächstes geschehen würde. Aus der Reihe der Todesser trat Voldemort hervor.

„Wo ist Harry Potter?“, fragte er mit kalter Stimme.

Henry trat vor.

„Würden sie bitte die Freundlichkeit haben, mir zu sagen, wer sie sind, und was für einen Grund sie haben, mein Anwesen anzugreifen?“, fragte er mit ausgesuchter Höflichkeit.

„Ich bin Lord Voldemort. Wo ist Harry Potter?“, fragte Voldemort noch einmal.

„Wo soll er sein? Ich nehme an, zu Hause!“, sagte Henry und setzte eine Unschuldsmine auf.

„Ich fragte, wo....“, setzte Voldemort noch einmal an.

„Entschuldigung, aber warum wiederholen Sie sich immer?“ fragte Henry und tat so, als wüsste er gar nicht, was das Ganze hier soll.

Voldemorts Augen glühten unter seiner Kapuze hervor. „Ich mag es nicht, wenn man sich über mich lustig macht!“, zischte er und hob seinen Zauberstab. Sofort richteten die Druiden ihre Stäbe auf ihn.

Voldemort senkte den Stab und machte eine Pause, als müsse er sich erst wieder sammeln.

„Ich fordere Harry Potter von euch, gebt ihn heraus, dann werden wir euch verschonen.“

Henry richtete sich auf. Stolz sah er Voldemort an.

„Was wollt ihr von Harry Potter?“

„Er ist verantwortlich dafür, dass ich 14 Jahre am Rande des Todes geschwebt habe. Ist das kein Grund, seine Herausgabe zu verlangen?“

„Wenn ich mich recht erinnere, an die Geschichte, versuchtet Ihr ihn zu töten, als er ein Baby war. Ihr habt euch selbst an den Rande des Todes gebracht, oder wollt ihr behaupten, ein Baby habe euch besiegt?“

„Schweig du Wurm. Niemand darf es sich erlauben, Lord Voldemort zu beleidigen!“

„Ich frage mich,“, bohrte Henry weiter, „wo da eine Beleidigung ist. Es war eine einfache Frage, auf die ihr keine Antwort wisst. Im Gegenteil, Ihr beleidigt mich, indem ihr ungefragt mein Heim betretet, mit dem Willen, es zu zerstören.“

„Wir wissen, dass Harry Potter hier ist. Lord Voldemort schert sich nicht darum, wessen Haus das ist. Ich habe die Macht, überall dort nach Potter zu suchen, wo ich es will. Wer sich mir in den Weg stellt, den vernichte ich!“

Die Todesser feixten. Sie waren sich ihrer Sache sehr sicher. Henry schien vollkommen ungerührt.

„Ihr glaubt also,“ fuhr er in weiterhin sehr höflichem Ton fort, „dass ihr hier Verfügungsrecht habt. Dass Ihr hier eure Interessen verfolgen könnt, ohne dass ich etwas dagegen unternehme?“

„Ich frage nicht danach, ob du etwas dagegen unternehmen willst. Ich nehmen mir das, was ich haben will. Geh mir aus dem Weg! Wenn du mir Harry Potter nicht auslieferst, hole ich ihn mir.“

Wieder hob er den Zauberstab. Er richtete ihn auf Henry. Wieder richteten die Druiden ihre Stäbe drohend auf den dunklen Lord. Voldemort zögerte. Hatte er Angst vor den Druiden? Wohl kaum. Aber er kannte ihre Fähigkeiten und das furchtlose Auftreten von Henry verunsicherte ihn. Er wusste, fing er einen Krieg mit den Druiden an, indem er Henry und seine Freunde tötete, hatte er eine unübersichtliche und mächtige Organisation gegen sich.

„Ihr werdet nie erfahren, wo Harry sich gerade aufhält.“, sagte Henry. „Ihr legt euch mit einer Macht an, die ihr offensichtlich nicht kennt und die ihr unterschätzt. Ich rate euch, zieht euch zurück und verlasst meinen Grund.“

„Ich kenne euch.“, antwortete Voldemort. „Und ich fürchte euch nicht. Aber ihr wisst nicht, welche Macht ich in der Hand habe. Wir können uns bekämpfen und ihr werdet sehen, dass ihr unterliegen werdet. Aber ich habe kein Interesse an euch. Ich will nur Harry Potter.“

„Gut, dann haben wir Klarheit. Du wirst Harry Potter nicht bekommen. Er steht unter unserem Schutz!“

„Dann bedeutet das Krieg!“, sagte Voldemort höhnisch und wandte sich ab. Für einen Augenblick stand er mit dem Rücken zu den Druiden, wohl um ihnen seine Missachtung zu zeigen. Das nutzte Henry um schnell ein paar Anweisungen an seine Leute zu geben

„So, Freunde“, ließ Henry über ihr magisches System hören. „Macht euch auf einen plötzlichen Angriff gefasst. Eine Schutzglocke wird reichen, dass wir uns ins Haus zurückziehen können. Jonathan, wir beide gehen als letzte und verschließen das Haus. Und dann ab ins Verließ!“

Die Hexen und Zauberer des Druidenordens stellten sich so auf, dass sie binnen kürzester Zeit zur Treppe kamen. Auf ein Kommando Henrys zogen sie gemeinsam einen Halbkreis vor sich, in dem eine Glocke entstand, die der der Todesser sehr ähnelte. Voldemort drehte sich plötzlich wieder um, hob den Zauberstab und schleuderte einen Fluch gegen die Freunde. Ein Blitz traf auf die Glocke und sie wand und drehte sich beängstigend, aber sie hielt und ließ den Druiden Zeit genug, um in das Haus zu kommen.

Voldemort schrie und fluchte, als er sah, wie sie ins Haus entkamen. Henry und Jonathan schlossen die Tür und verriegelten sie mit „Fermata secur!“ Dann eilten sie den anderen nach in die Bibliothek. Von der Halle her hörten sie heftige Schläge gegen die Tür, Voldemort schleuderte Flüche dagegen, aber noch hielt sie stand. Im Haus herrschte nur die spärliche Beleuchtung des magischen Lichtes. Voldemort konnte nicht erkennen, was drinnen vor sich ging. Immer heftiger drang er auf die Tür ein, die ächzte wie ein alter Baum im Sturm. Splitter flogen nach allen Seiten, aber sie war schwer und der Zauber hielt.

Henry öffnete die geheime Tür zu seinem Verlies. Jeder schnappte sich eine Tasche mit Büchern und verschwand im Gang zur Wendeltreppe. Als letzter ging Henry, und auch diese Tür verriegelte er mit „Fermata secur!“

Kaum war die Geheimtür gesichert, konnte man ein splitterndes Krachen vernehmen, welches zeigte, dass es Voldemort gelungen war, die Eingangstür zu sprengen. Harry ließ die Druiden an sich vorbei und wartete auf Henry. Er fragte ihn, wie lange die Geheimtür wohl halten würde.

Henry beruhigte ihn. „Das wird nicht die letzte sein, die Voldemort finden und aufbrechen muß. Und sie halten gut. Stell dir vor, er kommt ins Haus und wir sind weg. Ich schätze, er wird erst einmal ein ziemlich dummes Gesicht machen.“

„Aber, er wird toben. Er wird alles zerstören!“, sagte Harry, während sie die Wendeltreppe hinunter gingen.

„Macht nichts. Hier ist nichts, was wir nicht wieder reparieren können. Du hast es nicht gesehen weil du ein Zauberer bist, aber dieses Haus ist für Muggel eine Ruine, genau so wie Hogwarts. Was kann man schon an einer Ruine zerstören. Und wenn wir nicht mehr hier sind, dann werden wir es wieder in eine Ruine verwandeln, und dann wird Voldemort erkennen müssen, dass er um eine Ruine gekämpft hat. Natürlich wird er toben!“ Henry grinste über das ganze Gesicht.

Vor der Tür zum Labor warteten die Druiden und Hausangestellten auf Henry. Auch sie schienen bester Laune zu sein.

„Na, was meinst Du, Henry,“ fragte ein Druide, von dem Harry in Erinnerung hatte, dass er ihm als Hawk vorgestellt worden war, „wie lange wird er suchen, bis er den Eingang gefunden hat?“

„Ich schätz mal, er wird erst einmal in allen Räumen suchen, oder Henry?“, sagte Bella.

„Schon möglich, dass er es bald findet.“, meinte Henry, „er ist schlau, und er hat eine Ahnung von uns. Vielleicht bald, drum sollten wir so schnell wie möglich weiter.“

Henry öffnete mit einem Zauberstab eine Stelle in der Mauer vor dem Labor. Dahinter lag wieder ein Gang, etwas niedriger, feuchter, mit Moosbewachsenen Steinquadern gemauert. Jetzt ging Jonathan an letzter Stelle und verschloß die Öffnung wieder. So ging es noch einige Male, sie kamen von einem Labyrint in das nächste. Harry hatte schon längst die Orientierung verloren. Er und Hermine sahen nur noch zu, dass sie mit den anderen mit kamen. Der Zug verlief weitestgehend schweigend. Dann, nachdem sie viele Gänge und Gewölbe durchquert hatten, kamen die in einen kreisrunden Raum, der wie ein Dom unendlich hoch zu sein schien. Jedenfalls war keine Decke oder ein Gewölbe zu erkennen. Von hier ging kein Gang mehr weiter. Die Tür wurde von innen verschlossen. Der einzige Ausgang war nach oben. Die Druiden versammelten sich in der Mitte des Raumes. Henry holte aus seiner Tasche eine kleine Steinfigur und stellte sie auf seine umgedrehte Handfläche. Er berührte sie mit seinem Zauberstab, murmelte ein paar Worte, die Harry nicht verstand, und die Figur begann zu schweben. Alle fassten sich an den Händen, dann nahm Henry die Figur in seine Hand. Sie wurden hoch gehoben und immer schneller flogen sie in die Höhe. Der Raum verschwamm, die Wände verloren ihr steinernes Bild und nach wenigen Sekunden schossen sie durch eine Röhre aus Licht.

Irgendwann wurde ihr Flug langsamer. Mit einem Mal kam es Harry so vor, als als würden sie nicht mehr nach oben, sondern genau entgegengesetzt fliegen. Er hatte aber keinen Umkehrpunkt bemerkt und wunderte sich. Es war auch schwer, sich in einem glatten Tunnel aus Licht zu orientieren, besonders, wenn man sich dabei auch noch immer und immer wieder drehte. Der Flug wurde zu einem Fallen, das Licht verdunkelte sich, es wurden wieder Steinwände sichtbar und sie landeten sanft in einem Raum, der dem, wo sie gerade gestartet waren ähnelte, wie ein Ei dem Anderen.

„Sind wir wieder zurückgekommen?“, fragte er erstaunt.

„Nein.“, sagte Henry. Wir sind am anderen Ende angekommen. Es ist eine etwas komfortablere Art zu Reisen, als mit dem Portschlüssel oder Flohpulver. Allerdings geht das nur auf festen Bahnen.“

„Aber dann kann Voldemort ja folgen?“, fragte Harry erschrocken, „Ich mein, wenn das eine feste Verbindung ist?“

„Nein. Selbst wenn er es in dem Labyrinth fände, selbst wenn er sich auf einen Besen schwingen würde oder hinaufklettern, oder was auch immer er versuchen würde, nur diese Figürchen leiten Dich an den richtigen Ort..“

„Wo sind wir?“, fragte Hermine.

„Im Hauptquartier. Wir müssen nur noch ein paar Gänge hinter uns bringen.“

Wieder ging es im Gänsemarsch durch eine Reihe von Gängen und Verließen. Harry wunderte sich nur noch, wie Henry sich hier zurecht fand. Man muss die Wege oft in seinem Leben gegangen sein, um sie zu kennen, und Harry fragte sich, wie oft Henry das wohl getan hatte. Aber eines beruhigte ihn daran. Lord Voldemort würde den Weg nie finden. Sie hatten perfekt ihre Spuren verwischt.

Sie kamen schließlich in einen Gang, in dem Henry und die Druiden stehen blieben. Nirgendwo war eine Tür oder Ähnliches und gerade fragte Hermine zu Harry gewandt, was jetzt wohl los sei, als Henry mit seinem Zauberstab einen Teil der Wand in nichts auflöste. Dahinter sahen sie einen großen Raum, der an einen mittelalterlichen Rittersaal erinnerte. Sie traten durch das Loch in der Mauer. Als der letzte hindurch gegangen war, wurde die Mauer langsam wieder sichtbar.

„Wir sind da.“, sagte Henry zu den Beiden. „hier sind wir sicher.“

Harry schaute sich um. Es war tatsächlich ein als Rittersaal geschmückter großer Raum in einer Burg. Hohe, gotische Fenster ließen einen herrlichen Ausblick über eine bewaldete Landschaft zu. Die Sonne hob sich gerade über den Horizont und leuchtete mit ihren kraftvollen Strahlen in den Saal. Die Wände waren bis unter die Decke mit einer Vertäfelung verkleidet. Gobelins zeigten Szenen alter Sagen, und Harry erkannte einige der Bilder. Er hatte sie in einem Bildband gesehen, den er sich in der Schulbücherei seiner Grundschule angeschaut hatte. Das war zwar schon viele Jahre her, aber er hatte die Geschichten sehr interessant und spannend gefunden. Es war um Drachen, Könige und Schätze gegangen und die Fotos der Gobelins waren als Hochglanzdrucke zwischen die Seiten eingefügt.

Jetzt sah er sie leibhaftig, und er staunte, wie groß sie waren. Sie reichten von der Decke bis zum Boden. In der Mitte des Saales stand eine Tafel, an der mindestens vierzig Leute auf hochlehnigen, geschnitzten Holzstühlen Platz fanden. An einem Ende der Tafel stand ein Stuhl, der besonders schön mit Schnitzereien verziert war von denen einige vergoldet glänzten. Die Lehne war auch höher als die der anderen Stühle und es schien, als sei es der Stuhl eines Königs. In den Nischen der Fenster waren Bänke eingelassen, und Harry konnte sich gut vorstellen, dort zu sitzen und die Landschaft zu genießen.

Die Druiden gingen auf eine niedrige Tür an der anderen Seite der Tafel zu. Sie stand offen und dahinter ging es eine steile Wendeltreppe hinunter. Am Fuß der Wendeltreppe traten sie durch ein steinernes Portal in eine Halle, die allem Anschein nach eine Eingangshalle der Burg war. Hier bat Henry um etwas Ruhe. Er dankte seinen Brüdern und Schwestern, dass sie ihm geholfen hatten, bedauerte, dass man Voldemort nicht mehr hatte ärgern können und bat darum, die Taschen mit den Büchern einfach abzulegen. Arthur würde sich darum kümmern. Die Druiden trennten sich und verstreuten sich in alle Richtungen, und schließlich blieben Henry, Harry und Hermine und die Hausangestellten von Perpignans Place zurück.

„Ich muss euch bitten, hier eine viertel Stunde zu warten. Es wird den Hausherren interessieren, was passiert ist, und ich muss noch klären, was wir jetzt mit euch anfangen. Ich denke wohl, dass ihr hier bleiben könnt. Aber ich möchte natürlich erst einmal fragen, ob das in Ordnung ist.“

„Ich bin hundemüde.“, sagte Harry und gähnte. Er hatte nur wenig von dem Wachtrank zu sich genommen und die Anstrengungen der letzten Stunden hatten ihr übriges getan. Auch Hermine sah nicht mehr besonders fit aus. Sie setzten sich auf eine steinerne Bank, die in eine Mauernische eingelassen war. Henry verschwand durch eine Tür, und nach ein paar Minuten kam er in Begleitung eines alten, weißbärtigen Druiden wieder. Der Druide ging direkt auf Harry und Hermine zu, lächelte freundlich, streckte ihnen die Hand hin und sagte:

„Hallo, liebe Freunde. Mein Name ist Llyr. Henry hat mir alles erzählt. ... Schauen wir erst einmal, wo wir euch unterbringen. Habt ihr Hunger?“

Harry hatte zwar Hunger, aber im Moment sehnte er sich eher nach ein paar Stunden Schlaf. Auch Hermine war viel zu müde, um Hunger zu haben. Dankend verneinten sie beide.

„Ja, kann ich verstehen.“, sagte der alte Druide. „Ich kann mir vorstellen, dass die letzten Stunden anstrengend waren. Dann werde ich euch erst einmal die Zimmer zeigen, und wir können ja gemeinsam etwas essen, wenn ihr ein wenig geschlafen habt.“

Er ging voraus, die breite steinerne Treppe hinauf, wieder einige Gänge entlang, bis sie in einen runden Turm kamen. Dort lagen zwei Kammern nebeneinander, die er Hermine und Harry zuwies. Harry sah nur noch zu, dass er ins Bett kam. Es dauerte auch nicht lange und er schlief tief und fest.

<< vorhergehendes Kapitel  Home  nächstes Kapitel >>