7. Spurensuche
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7. Spurensuche
8. Der Angriff
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Die nächsten Tage waren erfüllt mit Lernen. Henry gestaltete seinen Unterricht so spannend, dass Harry sogar die Abende in der Bibliothek zu schätzen lernte. Die Stunden, die sie im Labor verbrachten gestalteten sich immer spannender. Harry hätte nie geahnt, dass das Herstellen von Zaubertränken und andren Mittelchen, das er sonst nur aus Snapes Gewölbe kannte, so interessant sein konnte. Henry hatte sich eine Liste angefertigt, auf der er genau aufgeführt hatte, welche Tränke Harry in einem Kampf gegen Voldemort nützlich sein konnte. Inzwischen besaß Harry ein ganzes Arsenal an braunen Fläschchen, darunter ein Trank, der über vierundzwanzig Stunden wach machte, ein Trank, der sein Körpergewicht reduzierte, ein Trank, der ihn auf Gnomgröße schrumpfen ließ und natürlich auch den Gegentrank, einen Trank, der sein Gehör so schärfte, dass er sich wie eine Fledermaus in vollkommener Dunkelheit orientieren konnte und viele mehr.

Auch verschiedene Pulver gehörten zu seiner Sammlung, unter Anderem auch eines, das, wenn man es in die Luft warf, undurchdringlichen Nebel erzeugte, oder eines, das, auf einen trockenen Boden gestreut, diesen in tiefen, klebrigen Morast verwandelte. Das alles waren nur Hilfsmittel, und sollten ihm helfen, Voldemort das Leben und den Kampf so schwer wie möglich zu machen.

Manchmal testeten sie die Elexiere an sich selber. Mit dem Schrumpf-Trank verbrachte Harry einen sehr vergnüglichen Vormittag, in dem er auf dem Labortisch herum stolzierte und wie ein Waldarbeiter Kräuterstengel schulterte und in den brodelnden Topf warf. Ein besonderes Erlebnis war der Leichtigkeits-Trank. Harry hatte etwas zu hoch dosiert, so dass er wie ein Ballon in die Luft schwebte. Zuerst hatte Hermine ihn angestubst, und er segelte quer durch das Labor. Dann war er ein paar Runden an der Decke herumspaziert und hatte unter hemmungslosem Gekicher versucht, zu springen und dabei von oben an Hermines Kopf zu stoßen. Nur als er den Gegentrank zu sich nehmen wollte, bekam er Schwierigkeiten, er schaffte es nicht, ihn kopfstehend zu schlucken. Henry war gezwungen, ihn mit dem Zauberstab herunter zu holen. Hermine hielt ihn fest und Harry konnte trinken.

„Das ist ein sehr gefährlicher Trank, Harry,“, hatte Henry gesagt. „Normalerweise ist er nur dazu da, um das Gewicht auf ein nötiges Maß zu reduzieren, um zum Beispiel höher springen zu können oder über ein zerbrechliches Brett zu balancieren. Wenn sie unter freiem Himmel eine Überdosis zu sich nehmen, besteht die Gefahr, dass sie immer höher in den Himmel schweben und, wenn die Wirkung nachlässt, wie ein Stein herunterfallen.“

Harry bekam einen gehörigen Schrecken und verdünnte den Trank soweit, dass er einen vollen Schluck nehmen konnte und nur 5 Kilo verlor.

Harry hatte ein Notizbuch von Henry erbeten und notierte akribisch die Rezepturen, um jederzeit in der Lage zu sein, die Essenzen noch einmal herzustellen. Hermine war ebenfalls Feuer und Flamme, erhielt genau so eine Sammlung von Mittelchen wie Harry und schrieb und schrieb, um nur ja nichts zu vergessen.

Die Nachmittage, die sie auf der Lichtung verbrachten, begannen meist damit, dass Henry vom Weg abwich und mit den Beiden durch das dichte Unterholz streifte. Sein Wald erwies sich als wahre Fundgrube für Kräuter, Heilpflanzen und magische Gewächse. Vor allen Dingen gab es hier Mengen an Pilzen und Harry staunte immer wieder über ihre Farben und Formen. Von all denen, die er hier kennen lernte, hatte er noch nie etwas gesehen oder gehört. Nicht einmal im Botanik-Unterricht von Professor Sprout waren ihm solche Pflanzen untergekommen. Jeder trug auf den Ausflügen eine Tasche bei sich und sammelte die Pflanzen und Pilze, die Henry ihnen zeigte. Im Labor brachte Henry ihnen bei, wie sie die Materialien zu trocknen und vorzubereiten hatten. Manche Pflanzen beduften einer besonderen Behandlung, um ihre magische Wirkung voll zu entfalten, so mußten einige gefriergetrocknet, manche mit Aklohol aufgegossen und destilliert werden und andere wiederum wurden frisch verarbeitet. Auch hiervon legten sich Harry und Hermine eine reichhaltige Sammlung an.

Am spannendsten waren die Unterrichtsstunden auf der Lichtung im Wald. Henry legte gezielt Wert darauf, Harrys Magid-Fähigkeiten zu trainieren. Er sagte immer wieder, wie wichtig es sei, bestimmte Flüche und Zauber ohne Zauberstab durchzuführen. Er erinnerte Harry daran, in welcher Zwickmühle er gewesen war, als Tom Riddle ihm in der Kammer des Schreckens den Zauberstab entwendet hatte und Harry, der mit Grauen daran zurückdachte, mühte sich, so gut er konnte. Natürlich waren seine Fähigkeiten erst im Aufblühen, er war nachweislich zu jung, um ein fähiger Magid zu sein, aber als Harry seinen ersten Kiesel ohne Zauberstab zu sich befohlen hatte, platzte er fast vor Stolz. Jetzt endlich merkte er, dass er es konnte, begriff die Feinheiten der Magid-Zauberei und von Stund an machte er große Fortschritte. Selbst sequenzielle Zauber und den schwierigen Expelliarmus-Spruch beherrschte er bald. Hermine freute sich über die Fortschritte und stellte sich gerne als Versuchsperson zur Verfügung.

Henry war auch sehr zufrieden und nachdem sie sich fast 2 Wochen lang auf die Magid-Zauberei konzentriert hatten, ging er wieder auf die Arbeit mit dem Zauberstab über. Jetzt galt es, wirkungsvolle Schutz- und Schirm-Zauber zu erlernen. Harry lernte, den Boden unendlich tief zu spalten, eine Käseglocke aus Energie um sich aufzubauen, durch die kein normaler Zauber, geschweige denn ein Mensch dringen konnte. Natürlich erwähnte Henry immer wieder, dass diese einfachen Schutz-Zauber dem Zauberstab von Salazar Slytherin nur begrenzten Widerstand leisten konnten, aber zunächst war ihre Strategie darauf ausgelegt, Voldemort Steine in den Weg zu legen, Zeit zu gewinnen und vielleicht auf eine Erschöpfung des Gegners zu bauen. Außerdem konnten diese Schutz-Zauber verhindern, dass Todesser, die Voldemort mit Sicherheit zur Unterstützung mitbrachte, hinterrücks eingreifen und Harry ablenken konnten.

Eines Abends war dann Hedwig aufgetaucht. Sie sah etwas zerzaust und mitgenommen aus, was nicht verwunderte, da sie über eine Woche unterwegs gewesen war und eine so weite Strecke hinter sich gebracht hatte. Harry freute sich unbändig über die Nachricht von Ron, der ihm allerdings mitteilte, dass nur sein Vater, der ja wieder arbeiten musste, nach Hause gereist sei. Er und der Rest der Familie blieben in Rumänien, zumal Charly sich ihnen angeschlossen und mit an das schwarze Meer gekommen war.

Hedwig durfte sich nun einer besonderen Pflege erfreuen. Nicht nur Harry verwöhnte sie mit besonderen Leckereien, auch Arthur hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für Hedwig zu sorgen. Durch seine direkten Kontakte mit der Küche hatte er immer eine kleine Leckerei für sie übrig, mal ein Stückchen Gänseleber, mal Tartar vom Feinsten. So gingen die Tage hin und Harry und Hermine schienen zu vergessen, warum sie hier waren.

 

***

 

Lucius Malfoy war ungewöhnlich aufgeregt. Nahezu zwei Wochen lang hatte er alles getan, um eine Spur zu finden, langsam, Stück für Stück hatte er sich vorgearbeitet und jetzt war er dem Ziel zum Greifen nahe. Jeden Tag war er beim dunklen Lord erschienen und hatte seinen Bericht abgegeben. Jeden Tag hatte Voldemort ihn mehr unter Druck gesetzt. Den Verlust zweier Agenten hatte er verschmerzen können. Er hatte sich ohnehin geärgert, dass Voldemort ihm ausgerechnet diese zwei unzuverlässigen Trottel zugewiesen hatte. Zwar bestand sein Team jetzt nur noch aus 3 Leuten, aber allein durch die Tatsache, dass er nicht ständig auf die Beiden aufpassen musste, waren sie gut voran gekommen.

Viele schlaflose Tage und Nächte hatte er jeden Strohhalm ergriffen, der auch nur eine geringe Chance bedeutete, einen Weg zu Harry Potter zu finden. Mr. Ollivanders Laden war eine der Hauptspuren gewesen und er und seine beiden Agenten hatten sich im Wechsel abgelöst und den Laden rund um die Uhr beobachtet. Eines Tages war Lucius der kleine Junge aufgefallen, der jeden Tag unauffällig auf der Mauer gesessen hatte. Ab und zu war er in Ollivanders Laden gegangen, was nicht unbedingt etwas Besonderes bedeuten mußte. Dennoch hatte der Junge Malfoys Aufmerksamkeit erregt und er hatte ihn genauer beobachtet.

Dann war ihm aufgefallen, dass der Junge jedesmal den Laden betrat, wenn Todesser in seiner Nähe gestanden oder an ihm vorrüber gegangen waren und sich unterhalten hatten. Mit einem Mal wurde Lucius klar, dass dieser Junge ein Spitzel der Muggelfreunde und Ollivander ein Mittelsmann für Leute im Hintergrund sein mußte. Bestand da etwa eine Verbindung zu Dumbledore? Hatte Ollivander vielleicht sogar Potter und die kleine Granger zu Dumbledore geschickt?

Jedenfalls war der Junge einer der Schlüssel zum Erfolg und Malfoy beschloß, ihn sich vorzuknöpfen. Kurz vor Acht Uhr abends verschwand der Junge meistens in dem Haus, in dem er wohl wohnte. Dazu mußte er durch eine enge Seitengasse, an deren Ende sein Zuhause lag. Malfoy postierte seine beiden Agenten am Anfang der Gasse und kurz vor dem Ende, jeweils in Hauseingängen, so dass sie nicht gesehen werden konnten. Sie hatten die Aufgabe, den Weg abzuschneiden, wenn Lucius, der selber in einem Eeingang wartete, sich den Jungen geschnappt hatte. Sie sollten dann kommen und ihn gemeinsam fortschaffen.

Lucius versteckte sich und wartete. Schon nach wenigen Minuten hörte er Schritte, die die Gasse entlang kamen. Er drückte sich in den Schatten und zog seinen Hut tief ins Gesicht. Die Schritte kamen näher und einen Augenblick lang konnte Lucius sehen, wie der kleine Junge vorbei ging. Er trat in die Gasse und pfiff leise. Am Ende der Gasse sah er, wie sein Agent aus dem Versteck trat. Der Junge hatte den Pfiff gehört und sich umgedreht. Als er Lucius erblickte, erschrak er, wandte sich um und wollte fortlaufen. Aber der Agent war schon da, packte den Jungen und hielt ihm den Mund zu. Ein erstickter Laut war zu hören, ein dumpfer Schlag, dann wurde er von den drei Männern fortgeschleift.

 

***

 

Hermine, Harry und Henry saßen gemütlich in der Bibliothek. Heute Abend hatten sie nicht vor, Bücher durchzuarbeiten. Sie hatten sich eine Pause gegönnt, da Harry gute Fortschritte gemacht und auch Hermine eine Menge gelernt hatte.

Dann kam ein Anruf von Mr. Ollivander. Arthur kam mit sorgenvollem Gesicht in die Bibliothek und flüsterte Henry etwas ins Ohr. Henry sprang sofort auf und eilte hinaus in den Teesalon zum Kamin, an dem Mr. Ollivander schon wartete. Mr. Ollivander war totenbleich und hatte schwarze Ringe unter den rot geränderten Augen.

„George!“, rief Henry erschrocken aus. „Was ist passiert?“

„Henry! Ich habe nicht viel Zeit. Hör zu. Harry und Miss Granger müssen verschwinden. Malfoy war hier, mit zwei seiner Vasallen. Sie haben John gepackt und ausgequetscht. John geht es nicht gut. Er liegt in einer Hochsicherheitsabteilung in der Ministeriums-Ambulanz. Sie haben ihn ziemlich übel zugerichtet.“

„Was hat John erzählt?“

„John hat weitestgehend dicht gehalten, aber sie hatten ihn einige Tage beobachtet und herausgefunden, dass er oft bei mir ist. Er hat ihnen gesagt, dass Hermine Granger nicht mehr aus meinem Laden gekommen ist, aber von Harry hat er nichts gesagt.“

„Hm, und meinst du sie ziehen Rückschlüsse von Hermine auf Harry?“

„Ist von auszugehen. Sie wissen auch von dem Buch. Sie haben meine ganze Wohnung auf den Kopf gestellt. 3 Tage waren sie hier und haben alles verwüstet. Ich hab kein Auge zugetan. Zum Glück konnte ich die Vergessens-Pillen rechtzeitig schlucken, hab vorgeschoben, dass ich meine Gicht-Tabletten nehmen muss. So konnten sie mir auch mit Veritas-Serum nichts rauslocken. Aber sie haben das Buch.“

„Gut, dass sie nicht direkt auf meinem Anwesen ankommen. Was machst du jetzt?“

„Ich werde in unser Headquarter reisen. Ich denke, da kann ich mich in Ruhe nach einem Unterschlupf umsehen. Jedenfalls kannst du mich da ab heute Abend erreichen!“

„Tu mir bitte einen gefallen. Hör dich unter unseren Brüdern um, ob wir die beiden irgendwo unterbringen können, je weiter weg, desto besser, vielleicht irgendwo in Irland oder Norwegen. Wir werden noch ein paar Tage aushalten. Und wenn es geht, schick mir ein paar unserer Kameraden, ich glaube, wir können Hilfe brauchen.“

„Ist in Ordnung, Henry. Sobald ich da bin, melde ich mich wieder.“

Mit einem Plopp wurde die Verbindung unterbrochen und Mr. Ollivanders Kopf verschwand aus dem Kamin.

Henry ging zurück in die Bibliothek, wo Hermine und Harry schweigend und gespannt warteten.

„So Leute, jetzt wird es ernst.“, begann Henry. Ich habe von George die Nachricht, dass Voldemort kurz davor steht, heraus zu finden wo ihr seid. Wir müssen jetzt einige Dinge vorbereiten, um einen ersten Angriff abzuwehren. Aber vorher möchte ich mit euch noch etwas besprechen.“

Harry hielt die Luft an. Wieder schlich die wohlbekannte Angst seinen Rücken empor.

„Ich kann euch helfen, aber nur wenn ihr eine Bedingung erfüllt.“

„Welche Bedingung?“, fragte Harry.

„Das ist ein wenig heikel. Ich muss euch in ein Geheimnis einweihen. Aber ich denke, wir haben uns in den letzten zwei Wochen kennengelernt, und zumindest ihr Name und ihr Leumund, Harry, sagen mir, dass ich es riskieren kann. Und ich bin auch überzeugt, dass sie, Hermine, die sie ja nun eng mit Harry befreundet sind, den geeigneten Leumund mitbringen. Ich weiß auch, dass Dumbledore sich für sie beide verbürgen würde. Also...

Die Hilfe, die ich plane, wird in Form von ein paar alten, ich sag mal Freunden, oder Kampfgefährten kommen. Wir gehören einer Organisation an, die nicht öffentlich agiert. Meine Freunde werden euch aber nur helfen, wenn auch ihr der Organisation angehört. Nur sehr wenige kennen diese Organisation und ich muss, bevor ich euch davon erzähle, sicher sein, dass nie auch nur ein Wort über eure Lippen kommt. Zu niemandem!“

„Kein Wort!“, sagte Harry hastig.

Hermine nickte stumm.

„Freunde, nur euer Wort allein ist in diesem Falle leider nicht genug. Ihr werdet das Geheimnis mit ins Grab nehmen müssen. Nur ganz wenige von uns dürfen überhaupt Anderen gegenüber davon sprechen, ich bin einer der wenigen. Um das Geheimnis zu bewahren, muss ich euch mit einem Zauber belegen, der denjenigen sofort tötet, der unbefugt darüber spricht. Solltet ihr nicht damit einverstanden sein, muss ich euch binnen der nächsten  Stunden von Perpignans Place wegschicken, um Voldemort den Grund zu nehmen, hier anzugreifen. Es wird dann immer noch schwierig sein, ihm klar zu machen, dass er hier nichts finden wird, und ich werde dann trotzdem die Hilfe meiner Freunde in Anspruch nehmen müssen, aber ich kann euch dann wenigstens einen genügenden Vorsprung verschaffen.“

Harry und Hermine sahen sich an.

„Gut, ich will euch noch eine halbe Stunde allein lassen. Überlegt gut, es ist eine große Verantwortung, und und jede Form von Verrat, auch erzwungener, endet tödlich. Ich nehme es euch also nicht übel, wenn ihr ablehnt, nur müssen wir dann schnell einen anderen             Ort finden, zu dem ich euch schicken kann.“

Er blickte Hermine und Harry ernst an, nickte dann mit Wohlwollen und stand auf.

„Ich werde jetzt mein Personal zusammenrufen. Wir müssen alle Sicherheitsmaßnahmen in Gang setzen. Ich bin in einer halben Stunde wieder da.“

Damit verließ er die Bibliothek.

Nach einer halben Stunde kam er wieder. Er hatte seinen Hausangestellten Anweisungen gegeben und gemeinsam hatten sie alle, die schon vor Jahrzehnten eingerichteten Fallen und Schutzzauber aktiviert. Henry sah zufrieden aus, als er die Bibliothek betrat.

„Na, habt ihr euch Gedanken gemacht?“, fragte er fröhlich. „Wir sitzen jetzt in einer Festung. Voldemort wir es nicht einfach haben, hier herein zu kommen. Wie ist eure Entscheidung?“

„Wo würden Sie uns hinschicken, wenn wir uns dagegen entscheiden?“, fragte Hermine.

„Tja, das ist schwer zu sagen. Ich denke, das Beste wäre, euch zu Dumbledore zu schicken, nur weiß ich nicht, wo er sich gerade aufhält. Rumänien ist groß. Das Tal der Riesen liegt irgendwo in den Karpaten, und wenn Dumbledore es nicht geschafft hat, die Riesen auf seine Seite zu bringen, wäre es fatal, euch genau dorthin zu schicken. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es im Moment nicht weiß. Am liebsten wäre mir, wenn ich euch das Geheimnis offenbaren könnte, denn dadurch werdet ihr unter den Schutz einer sehr mächtigen Gemeinschaft gestellt.“

„Vertrauen Sie uns denn?“, fragte Hermine.

„Ja. Ich habe euch kennen gelernt. Ich habe euch schon viele Dinge gezeigt, die ich sonst niemandem zeigen würde. Ich vertraue euch.“

„Gut,“, sagte Harry. „Ich glaub’, Hermine und ich sind uns einig. Sie können den Zauber ausführen.“

„Dann kommt mal mit!“, sagte Henry und öffnete die Tür zum Labor. Sie stiegen die Wendeltreppe hinunter. Im Gewölbe wies Henry sie an, sich vor den schweren Holztisch zu stellen. Er ging zu einem Schrank und holte eine weiße Kutte heraus. Er streifte sie über und verschloß sie mit einer bronzenen Fibel, dann griff er nach einem alten, ledereingebundenen Folianten und legte ihn an der anderen Seite der Tafel vor sich hin. Nachdem er die Seite, die er gesucht hatte, gefunden hatte, ließ er das Buch aufgeschlagen vor sich liegen. Harry warf einen Blick auf die aufgeschlagenen Seiten und erkannte das Bild eines Menhiren, der über und über mit Runenzeichen verziert war. Es ähnelte dem Bild, das er bei Mr. Ollivander gesehen hatte, jedoch hatte der Stein eine andere Form. Auf die anderen Seite waren nur wenige Runenzeichen geschrieben. Henry murmelte „Fluorescenca“ und die Fackeln begannen wieder in dem schwarzen Licht zu leuchten. Diesmal reflektierte die Kutte von Henry das Licht so stark, dass Hermine und Harry davon geblendet wurden. Die Fibel leuchtete grell und beschien das Buch.

Dann hob Henry beide Hände und hielt sie wie ein betender Priester über das Bild. Er begann in einer unverständlichen Sprache zu murmeln. Während er aus dem Buch vorlas, wurde das Licht dunkler, bis schließlich nur noch die leuchtende Kutte und die Fibel zu sehen war. Dann richtete sich Henry auf und blickte die Beiden an.

„Hermine!“ sagte er in befehlendem Ton. „Schwörst du den heiligen Eid der Druiden, dass du still schweigen wirst, über alles, was du über den Orden der Druiden erfährst, jetzt und bis an dein Lebensende? Schwörst du, dass du mit deinem Leben bezahlen wirst, wenn auch nur ein Wort über deine Lippen kommt?“

Hermine war bleich geworden, man sah es in der Dunkelheit nicht, aber sie fühlte es. Sie hatte keine Angst, sie war vor Ehrfurcht erstarrt. Es dauerte einen Augenblick, bis Henrys Worte in ihr Bewusstsein drangen, aber als sie den Sinn verstanden hatte, brannten sich diese Worte für immer in ihr Gedächtnis.

„Ja, ich schwöre!“, sagte sie laut. Ein Schauer durchlief sie. Jetzt hatte sie es gesagt. Mit einem Mal fühlte sie sich leicht und stark und unbesiegbar.

„Harry!“ wandte er sich an Harry. „Schwörst du den heiligen Eid der Druiden, dass du still schweigen wirst, über alles, was du über den Orden der Druiden erfährst, jetzt und bis an dein Lebensende? Schwörst du, dass du mit deinem Leben bezahlen wirst, wenn auch nur ein Wort über deine Lippen kommt?“

Auch Harry brauchte einen Augenblick, bis er begriff.

„Ja, ich schwöre!“ sagte er erfürchtig.

„Dann hört. ... Ihr seid in den Orden der Druiden aufgenommen. Ihr werdet euren Brüdern und Schwestern beistehen in ihrer Not, wie sie euch beistehen werden in eurer Not. Ihr werdet die Macht der Druiden erfahren und sie in Zukunft nur für das Gute und gegen das Böse verwenden. Besiegelt das mit eurem Blut!“

Er holte ein kleines goldenes Messer aus seinem Ärmel und reichte es Harry. Er bedeutete ihm, seine Hand einzuritzen und einen Tropfen Blut auf den Menhir im Buch fallen zu lassen. Harry tat, wie ihm befohlen. Das Blut tropfte auf das Bild, wurde aufgesogen und verschwand in dem Stein. Hermine tat es ihm nach. Henry klappte das Buch zu und befahl dem Licht, wieder zu leuchten. Die Fackeln flackerten auf und erleuchteten den Raum mit ihrem hellen, strahlenden Licht. Henry zog die Kutte aus und verstaute alles an seinem Platz im Schrank.

„So, meine Lieben. Ihr seid jetzt Schwester und Bruder des Druidenordens. Herzlich willkommen.“

Er nahm von beiden die Hand und drückte sie.

„Ihr seid auf Gedeih und Verderb mit uns verbunden. Nicht einmal der Tod trennt uns, denn alle Druiden werden in das ewige Reich der Götter eingehen. Diese enge Bindung heißt, dass wir Du zueinander sagen, egal welches Standes oder Ranges wir sind. Wir halten zusammen und helfen einander. Und nur dadurch hat sich unsere Macht über viele Jahrtausende gegen alle Angriffe behaupten können. Unser gemeinsamer Feind Voldemort mag vielleicht viele von uns töten, besiegen kann er uns nicht. Und wenn wir alle Druiden der Welt zusammen trommeln, ist er einer solchen Macht nicht gewachsen.“

Hermine und Harry schwiegen. Sie konnten nichts sagen. Sie hatten die Macht gespürt und sie klang in ihnen nach.

„Kommt.“, sagte Henry und lächelte. „Lasst und rauf gehen. Es gibt noch viel zu besprechen.“

Oben, in der Bibliothek fragte Harry dann, was es denn mit den Göttern auf sich habe. Er könne sich nicht vorstellen, dass es verschiedene Götter gäbe. Henry lächelte.

„Die Christen glauben. Wir wissen.“, sagte er geheimnisvoll.

„Wenn wir den Orden verraten und sterben, kommen wir dann auch zu den Göttern?“, fragte Hermine, die den Gedanken sehr altmodisch und ein wenig lustig fand. Henry bemerkte den leicht ironischen Unterton in ihrer Stimme und sagte mit strengem Gesicht.

„Meine liebe Hermine. Es ist verständlich, dass du nicht daran glaubst. Aber du kannst mir glauben, dass du es bald wissen wirst. Die Sache mit dem Verrat ist so: Wenn du deswegen stirbst, dann hast du keine Chance mehr, in den Kreis der Druiden zurück zu kehren. Vielleicht hast du Glück, und es gibt den Christengott und du kannst dort unterkommen, aber würde ich es darauf ankommen lassen?“

Harry wurde die Unterhaltung zu philosophisch. „Ich weiß nicht, was ich wissen, oder glauben soll. Ist mir auch egal. Ich finde es wichtig, dass wir ein Versprechen abgegeben haben, und ich finde, ein Versprechen muß man halten!“

„Eine schöne Einstellung, Harry. Aber jetzt lasst uns noch ein bisschen entspannen, ich erwarte meine Freunde etwa um Mitternacht. Bis dahin haben wir noch genug Zeit, Kräfte zu sammeln, denn ich denke, es wird eine turbulente Nacht.“

***

 

„Das hast du gut gemacht!“, sagte Voldemort kaum hörbar. Lucius verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, die ein Lächeln darstellen sollte.

„Danke Herr!“, sagte Malfoy. „Hier ist das Buch.“

Er legte es auf den Tisch und schob es zum dunklen Lord hinüber. Voldemort nahm das Buch und betrachtete es.

„Es ist eine perfekte Imitation. Sehr interessant. Ein völlig harmloses Buch, aber mit dem Schlüssel zu Harry Potter. Hast Du ihn schon gefunden, Lucius?“

„Nein Herr.“, antwortete Malfoy und blickte zu Boden. Er wagte es nicht, seinen Herrn und Meister direkt anzusehen. Er fürchtete den Blick aus den roten Augen, obwohl er zu einem der engsten Vertrauten Voldemorts gehörte. Seit dem Abend, an dem sein Herr die Macht zurück erhalten hatte, war Malfoy stets bemüht, ihm seine unbedingte Treue zu beweisen. Zu oft musste an die Angst denken, die er gehabt hatte, als Voldemort um den Kreis seiner Anhänger geschritten war, vor Malfoy stehen geblieben war und ihm gesagt hatte, dass die Zukunft seine wahre Treue zeigen würde. Voldemort hatte sich jeden der zurückgekehrten Todesser an diesem Abend vorgenommen und festgestellt, dass alle, bis auf zwei, die sich für ihn aufgeopfert hatten, feige gewesen waren und ihn verraten hatten. Auch Lucius hatte er zu den Verrätern gezählt, die sich ein schönes Leben während seiner Abwesenheit gemacht hatten und nun, da er wieder da war, angeschlichen kamen um seine Gunst nicht zu verlieren. Er hatte jedem noch eine Chance versprochen, bedingungslose Treue zu zeigen und hatte fürchterliche Rache für einen weiteren Verrat geschworen.

Jetzt hatte Lucius die Chance, seine Treue zu beweisen, seinen Status wieder herzustellen, vielleicht sogar Wurmschwanz von seinem Prinzenstuhl herunter zu stoßen. Denn eines wusste er, Peter Pettigrew war feige und das einzige, das ihn an der Seite von Voldemort hielt, war seine Angst. Auch Malfoy hatte Angst, aber er bewahrte immer einen klaren Kopf und konnte selbst in den schwierigsten Situationen noch kaltblütig handeln. Und er hatte zudem noch einen Trumpf in der Hand. Seinen Sohn Draco. Bei dessen Geburt hatte Voldemort Draco unter seinen besonderen Schutz gestellt, denn Draco war ebenfalls ein Magid und er versprach sich davon, einen mächtigen Streiter an seiner Seite zu haben, wenn Draco volljährig würde. Er musste noch 3 Jahre warten, drei quälend lange Jahre, die aber nicht sinnlos verstreichen sollten. Sein Ziel war es, Harry Potter zu vernichten. Und Lucius Malfoy wusste das.

Voldemort blätterte in dem Buch. Plötzlich hielt er inne. Er drehte das Buch zu Malfoy und zeigte ihm die aufgeschlagene Seite.

„Weißt du was das ist?“

Lucius beugte sich vor und betrachtete die Seite.

„Es ist das Bild eines Menhiren. Ich habe das Buch angeschaut aber es ist mir nicht aufgefallen...“

„Du hast noch viel zu lernen, Lucius. Betrachte es genau!“

Lucius nahm das Buch von Voldemort entgegen und besah sich die Radierung. Sie war abgegriffen, teilweise verwischt und speckig und es fiel auf, dass die anderen Seiten sauber und fast unbenutzt schien.

„Es scheint,“, überlegte Lucius laut, „als wäre diese Seite die einzige im Buch, die jemals benutzt wurde....“

„Was kann der Grund sein, nur eine einzige Seite in einem Buch zu nutzen, Lucius?“

„Sollte das etwa...ein Portschlüssel...“

„Es ist ein Portschlüssel!“ sagte Voldemort und sah Lucius mit seinen rot glühenden Augen an. „Es ist der Schlüssel, der uns zu Potter führt...“

Lucius sah seinen Meister unsicher an. Einerseits hatte er ihm einen sehr wertvollen Fund gebracht, andererseits hatte er nicht erkannt, worin der Wert bestand. Was dachte Voldemort jetzt von ihm.

„Ein Druidenstein...Es ist ein Druidenstein....“. Voldemort stützte nachdenklich seinen Kopf auf die Hand.

„Meint ihr Herr, dass Ollivander...zum Orden der Druiden gehört?“

„Ich meine es nicht. .... Ich weiß es. Gib mir das Buch!“

Lucius reichte es ihm über den Tisch. Voldemort legte es geöffnet vor sich hin. Er holte seinen Zauberstab hervor, richtete ihn auf das Bild und sagte:

„Visualis portas“

Das Bild verschwamm und es wurde der Hügel, der in der Nähe von Perpignans Place lag, sichtbar. Voldemort hob den Zauberstab etwas und das Bild folgte seiner Bewegung. Jetzt ließ sich der Horizont erkennen, und als er den Zauberstab nach links und rechts drehte, wanderte das Bild mit.

„Siehst du den Wall aus Steinen, Lucius?“

„Ja, Herr. Es ist ein Steinkreis, wie ihn die Druiden benutzen. Wir haben es tatsächlich mit dem Orden zu tun.“

„Gut. Du hast einen Fehler gemacht, Lucius.“, sagte Voldemort ungerührt mit ausdrucksloser, kalter Stimme. Malfoy erbleichte. „Du hättest Ollivander töten müssen. Aber du hast den Schlüssel nicht erkannt und ich halte dir zu Gute, dass du mit den Druiden noch nichts zu tun hattest. Du konntest nicht wissen, von welcher Bedeutung diese Entdeckung ist, daher werde ich von einer Bestrafung absehen.“

„Danke Herr.“, sagte Malfoy, dem der kalte Schweiß auf der Stirn stand.

„Du wirst es wieder gutmachen. Hole meine zehn treuesten Anhänger zusammen. Heute um Mitternacht treffen wir uns auf dem Friedhof. Wir werden diese Festung knacken, werden Potter vernichten und die Druiden ausschalten!“

 

***

 

Mitternach war vorbei. Die Standuhr in der Eingangshalle hatte 12 mal geschlagen. Harry hatte sich mit dem Gedanken abgefunden, dass es heute Nacht keinen Schlaf geben würde. Sie saßen in der Bibliothek und warteten schweigend. Arthur hatte mehrmals starken Tee gebracht und inzwischen hatten sie so viel getrunken, dass ihre Runde immer wieder von Toilettengängen unterbrochen wurde. Henry hatte ihnen das Nötigste über die Druiden erzählt. Es hatte ein wenig beruhigt, zu wissen, dass die Druiden genügend Macht hatten, Voldemort aufzuhalten, auch wenn noch nicht sicher war, wie sich die Kraft des Zauberstabs von Slytherin auswirken würde.

Harrys Narbe hatte kurz vor Mitternacht angefangen zu pochen. Er ahnte, dass Voldemort seine Witterung aufgenommen hatte. Er hatte Angst.

„Sie werden gleich da sein.“, sagte Henry. „Bleibt anfangs bitte im Hintergrund, am Besten wartet ihr hier. Ich werde meinen Brüdern und Schwestern von Euch berichten, und euch dann vorstellen. Wir reden uns nur mit Vornamen an, aus Sicherheitsgründen. Nennt also bitte nur eure Vornamen, ja? Natürlich werde ich sie darüber unterrichten müssen, wer du bist, Harry, aber lasst uns die Form wahren.“

Hermine und Harry nickten schweigend. Henry stand auf und verließ die Bibliothek. Hermine schaute besorgt auf Harry.

„Schmerzt deine Narbe wieder?“, fragte sie. Sie hatte beobachtet, dass er mit der Hand immer wieder über seine Stirn gefahren war.

„Ja.“, sagte Harry. „Ich glaube, Voldemort ist sehr nah.“

„Hast du Angst?“, fragte sie.

Harry nickte. Er streckte sich, weil er die Spannung nicht mehr aushalten konnte.

„Ich wollte, er würde jetzt angreifen. Dann wüssten wir wenigstens, woran wir sind.“

„Das Warten macht mich auch verrück.“, sagte Hermine.

„Ja, das ist genau so, wie damals, als ich gegen den Drachen antreten mußte. Ich bin furchtbar nervös, aber wenn es dann so weit ist, bin ich wieder ruhig.“

Hermine stand auf und ging zum Fenster. Sie starrte in die Nacht. Draußen schien es ruhig zu sein. Zu ruhig, wie die Ruhe vor dem Sturm. Wie würde Voldemort angreifen? Sicher hatte er seine Anhänger bei sich.

„Wir haben ja Hilfe.“, sagte Hermine, mehr um sich selber etwas Sicherheit zu geben. Auch sie hatte Angst und die Ereignisse in der Winkelgasse, die sie nur zu gut in Erinnerung hatte, trugen nicht gerade dazu bei, sie zu beruhigen.

Draußen, in der Halle wurde Stimmengemurmel laut. Nach ein paar Minuten öffnete Henry die Tür zur Bibliothek und rief Hermine und Harry. Sie gingen in die Halle und sahen sich einer Gruppe von 15 Zauberern und Hexen gegenüber, die alle weiße Kutten trugen, wie Henry inzwischen auch. Das waren also die Brüder und Schwestern, Druiden des Ordens. Die Leute blickten neugierig auf Harry und Hermine, und als die beiden eher schüchtern in die Halle kamen, konnte sie sehen, dass die Gesichter freundlich wurden. Henry stellte sich hinter sie, legte ihnen die Hand auf die Schulter und sagte:

„Liebe Schwestern und Brüder, ich habe euch von meinem Besuch und seinen Sorgen erzählt, darf ich euch nun Hermine und Harry vorstellen, unsere jüngsten Mitglieder des Ordens?“

Wohlwollendes Gemurmel ertönte, und als es wieder still war, fuhr Henry mit der Vorstellung der Beiden fort. Er ging von Einem zum Nächsten und sagte deren Vornamen. Harry versuchte, sie sich zu merken, aber als er den sechsten gehört hatte, wusste er den ersten schon nicht mehr. Hermine hatte es da besser. Sie hatte von Natur aus ein besseres Namensgedächtnis. Oft brauchte sie nur etwas zu hören, schon konnte sie es sich merken. Das kam ihr natürlich in der Schule besonders zu Gute, da ihr dadurch das Lernen sehr leicht fiel, während Harry und auch Ron sich mit dem Stoff abmühten und dann doch wieder die Hälfte vergaßen.

Hermine und Harry gingen den Halbkreis ab und schüttelten jedem die Hand. Harry genoss es, nicht sofort als der Harry Potter angesprochen zu werden, obwohl er merkte, dass jeder der Gäste direkt auf seine Stirn schaute. Aber man war sehr diskret. Die Begrüßungen reichten von „Sehr erfreut“, über „Habe schon viel von Dir gehört“ bis zu einem freundlichen „Guten Tag“.

Nachdem die Zeremonie beendet war, begaben sie sich in den Teesalon und nahmen an der großen Tafel Platz. Arthur hatte noch ein paar Stühle geholt, so dass sich alle an dem Tisch setzten konnten, der sonst nur für ein dutzend Anwesende gedacht war. Henry hatte sich an das Ende der Tafel gesetzt und wartete, bis alle saßen. Dann erhob er sich. Es wurde still. Henry schaute zufrieden in die Runde und begann zu sprechen.

„Liebe Schwestern und Brüder! Wir haben uns hier und heute versammelt, weil wir uns einer Bedrohung entgegenstellen wollen, die mit großen Schritten auf uns zu kommt. Jeder von euch kennt den dunklen Lord. Viele von uns fürchten ihn. Aber ihr, liebe Schwestern und Brüder seid gekommen, um euch zu wehren. Wir akzeptieren nicht, dass sich einer aus purem Machtwillen gegen die Gemeinschaft der Zauberer stellt.“

Beifälliges Stimmengewirr erhob sich. Rufe wie „Jawohl, recht hat er.“ oder „Niemals!“ ertönten. Henry wartete, bis sich die Zuhörer wieder beruhigt hatten, dann fuhr er fort.

„Zwei aus unserer Mitte sind besonders bedroht. Ihr alle habt schon von Harry Potter gehört, und wisst, dass Voldemorts derzeitige Bestrebung ist, Harry aus dem Weg zu schaffen. Seit heute gehören Harry und Hermine zu uns. Deshalb bitte ich euch, uns Dreien bei der Verteidigung von Perpignans Place beizustehen!“

Er machte eine Pause um eine Zustimmung abzuwarten. Einstimmig kam die Antwort:

„Wir helfen!“

„Ich danke euch!“, sprach Henry weiter. „Wir erwarten Voldemort und eine unbestimmte Anzahl seiner Anhänger noch heute Nacht. Vermutlich wird er im Morgengrauen angreifen. Die wichtigsten Positionen werden durch meine Leute beobachtet. Es steht zu vermuten, dass sie den Portschlüssel von unserem Bruder George, dem Zauberstabhändler entdeckt haben und verfolgen. Sie werden also im Steinkreis auf dem Druidenhügel eintreffen. Sobald meine Leute ihre Ankunft bemerken, werden wir benachrichtigt. Dann haben wir noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis sie zu  diesem Anwesen vorgedrungen sein werden. Wir werden jetzt die Verteidigungspositionen festlegen. Jeder der hier Anwesenden kennt die Gebäude und das Gelände, ich brauche es also nicht noch einmal erklären.

Salomo, Jonathan, Adam und Flint, Ihr werdet die Türme besetzen. Sie sind durch den äußeren Verteidigungskreis geschützt. Ihr habt die meiste Erfahrung im Verteidigungskampf und werdet versuchen, sie so lange wie möglich draußen zu halten. Natürlich werden wir euch unterstützen. Solltet ihr die Türme aufgeben müssen, begebt euch in den Hof, in den zweiten Kreis. Aber achtet auf die Fallen, ja? Wir können es uns nicht leisten, Leute durch eigene Fehler zu verlieren. Hier werden dann Miranda, Hawk, Bella, Thomas und ich postiert sein. Der Rest verteilt sich im oberen Stockwerk des Hauses. Von hier aus könnt ihr den Kampf beobachten und helfend einschreiten. Ihr beobachtet vor allen Dingen die Türme, die ja nur von jeweils einem besetzt sind. Wir werden mit Hilfe des Telelingua-Zaubers kommunizieren.

Harry und Hermine, ihr kennt diesen Zauber noch nicht. Ich werde ihn an euch vornehmen. Er hat den Vorteil, dass wir innerhalb unserer Truppe über weite Strecken flüsternd sprechen können.

Sollte der zweite Verteidigungskreis fallen, ziehen wir uns in das Haus zurück. Dann kommt ihr auch aus den oberen Stockwerken herunter. Die Bibliothek ist dann der Treffpunkt. Von hier aus können wir uns ins Labor zurückziehen und im Notfall durch die Gänge fliehen.

Übrigens, eine Bitte habe ich. Arthur arbeitet gerade in der Biliothek und verpackt meine Bücher. Ich bitte euch, wenn wir fliehen müssen, dass sich jeder ein Bündel schnappt und mitnimmt. Mir liegt viel daran, sie zu retten, sie waren sehr teuer und sind, im Gegensatz zu allem Anderen hier, nicht ersetzbar. Keine Sorge, sie werden verkleinert und es ist nur eine Tasche, die jeder nehmen muß. Ach ja, noch etwas. Wenn jeder seinen Platz erreicht hat, werden wir Perpignans Place verdunkeln. Voldemort soll denken, wir ahnten nichts und würden schlafen. Also... Noch Fragen?“

Allgemeines Kopfschütteln zeigte, dass alle Bescheid wußten.

„Gut. Dann jeder auf seinen Posten. Hermine und Harry, kommt ihr mit?“

Die beiden waren ziemlich beeindruckt von den Geschehnissen. Schweigend folgten sie Henry, der geradewegs die Bibliotkek aufsuchte. Arthur war gerade dabei die Bücher zu verstauen. Es sah wunderlich und leicht aus. Arthur hatte eine Tasche in der Hand und schwang mit der Anderen seinen Zauberstab. Regalboden für Regalboden flogen die Bücher durch die Luft, schrumpften auf Streichholzschachtelgröße und verschwanden in der Tasche. War eine Tasche voll, nahm er die nächste und das Spiel ging weiter.

„Arthur ist Spezialist fürs Packen“, meinte Henry und grinste Hermine und Harry an. „Ihr solltet mal sehen, wenn ich auf Reisen gehe. Er bringt alle Kleider, Bücher, Kessel und was ich sonst noch brauche in einer kleinen Handtasche unter.“

„Mr. Perpignan übertreibt, junge Herrschaften.“, sagte Arthur und lachte. „Es ist nur die richtige Anwendung von ein paar kleinen Zaubern, mehr nicht.“

Wieder war ein Regal leer, eine Tasche gefüllt und Arthur nahm sich eine weitere Tasche. Er hatte schon drei viertel der Regale leer geräumt.

„Brauchen sie noch den Schreibtisch, Mr. Perpignan?“, fragte Arthur und zwinkerte Harry und Hermine zu.

„Arthur, lassen Sie die Scherze. Aber, da sagen Sie was. Ich muss dringend noch an die Unterlagen denken.“

Er ging zum Schreibtisch, öffnete ihn und holte einen Stapel Pergamente heraus, die er in einen Briefumschlag steckte und Arthur reichte. Der deutete nur mit dem Zauberstab auf den Umschlag, schon schrumpfte auch dieser und verschwand in der Tasche.

Jetzt wandte sich Henry wieder Hermine und Harry zu.

„So, jetzt werde ich euch an unser Kommunikationssystem anschließen. Bitte einmal den Kopf hoch.“

Sie hoben den Kopf. Er nahm seinen Zauberstab, deutete auf sie und murmelte „Teleportis lingua“. Im gleichen Moment vernahm Harry ein leises Gemurmel im Hintergrund. Es war, wie als würde man in einem Klassenzimmer in Hogwarts sitzen, vor dem Unterricht, und alle Schüler würden leise durcheinander reden.

„Ihr steht jetzt mit allen hier im Haus in Verbindung. Wenn ihr jetzt zu jemandem etwas sagen wollt, tut dies einfach und konzentriert euch entweder auf den Ort, wo er sich befindet oder auf einen Namen oder einfach auf das Gesicht, das ihr in Erinnerung habt. Ihr könnt es gleich testen, wenn ich aus der Bibliothek hinausgegangen bin.“

„Was sollen wir bei dem Kampf machen?“, fragte Harry, dem diese Frage schon eine Weile auf der Zunge lag.

„Verhaltet euch erst mal ruhig. Ihr könnt zu Arthur gehen, er wird euch dann mitnehmen zu seinem Beobachtungspunkt. Dann könnt ihr den Kampf beobachten und wenn euch auffällt, dass einer von uns hinterrücks angegriffen wird, könnt ihr ihn warnen. Arthur hat nicht mehr die besten Augen, ich denke, da könnt ihr ihn ein bisschen unterstützen, ja Arthur?“

Arthur sah sich um, nickte und sagte:

„Es wird mir ein Vergnügen sein, mit den beiden jungen Herrschaften aufzupassen.“

„Gut, Hermine, Harry, ich werde euch jetzt verlassen, Arthur weiß Bescheid.“

Henry verließ die Bibliothek. Hermine und Harry halfen Arthur noch bei den letzten Regalen, dann stellten sie die Taschen in einer Reihe auf den Boden, damit im Falle einer Flucht jeder schnell sein Päckchen schnappen konnte. Sie verließen die Bibliothek und folgten Arthur, der die Treppe hoch in das obere Stockwerk ging. Sie betraten ein Zimmer, das direkt neben der Treppe zum Hof hin lag. Es war genau so luxuriös eingerichtet, wie die anderen, nur dass es kein Bett enthielt. Sie setzten sich in die Nähe des Fensters, Arthur löschte das Licht und dann begann wieder das Warten.

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