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7. Spurensuche
8. Der Angriff
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Da immer noch leichter Regen in der Luft hing, verbrachten die Drei den Nachmittag in der Bibliothek. Hermine staunte über die Anzahl und die Auswahl der Bücher. Ihre Augen leuchteten und als Henry nach einem gemeinsamen Beschluss seinen Selectio-Zauber mit dem Wunsch, alles über Drachensteine zu erfahren ausübte, war sie schier nicht mehr zu bremsen. Hermine stürzte sich auf die Bücher. Sie wusste nicht, mit welchem sie zuerst anfangen sollte.

Harry hielt sich etwas zurück. Er schnappte sich wahllos ein Buch und begann die Seiten, die durch grüne Merkzettel markiert waren, zu studieren. Es kam ihm einigermaßen entgegen, dass alle mit Lesen beschäftigt waren, so konnte er Hermine beobachten und sich Gedanken machen, wie er auf sie zugehen konnte. Viele persönliche Worte hatten sie noch nicht miteinander gewechselt, aber Hermine benahm sich ganz natürlich und langsam begann Harry, in ihr die Hermine wieder zu erkennen, die er aus Hogwarts kannte.

Seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Er hatte es nicht leicht, sich zu konzentrieren. Hier und da fanden Henry oder Hermine eine interessante Stelle, die vorgelesen und diskutiert wurde. So erhielten sie immer mehr Hinweise darauf, dass gegen den Zauberstab von Salazar Slytherin kein Kraut gewachsen war. Allein die Macht eines Drachensteins war so immens groß, dass ein Kind, hätte es die Fähigkeiten, den Zauberstab überhaupt zu nutzen, gigantisches hätte zaubern können. Er stellte eine große Macht dar, die in den Händen eines Zauberers wie Voldemort schier unüberwindlich schien. Sie überlegten hin und her, zogen in Betracht, ob es möglich wäre, Voldemort den Stab zu entwenden, verwarfen die Idee wieder und kamen schließlich zu der Überzeugung, dass es wirklich nur eines gab, was man für Harry tun könne. Er musste seine Magid-Fähigkeiten trainieren und wirksame Verteidigungszauber erlernen.

„Ok, Harry,“, sagte Henry. “Lassen sie uns mal zusammenfassen, was wir alles wissen. Wir sollten es aufschreiben, dann vergessen wir nichts. Wollen Sie...?“ Er sah Harry auffordernd an.

Harry kräuselte die Mundwinkel, erklärte sich aber einverstanden. Er ging zum Schreibtisch hinüber, setzte sich und nahm von dem Stapel ein Pergament. Tinte und Feder standen in einem Kästchen bereit.

„Was soll ich schreiben?“, fragte er auffordernd.

„Ja,..., gestern haben wir herausgefunden, dass der Zauberstab erstens Voldemort nicht entwendet werden kann. Zweitens ist er speziell für Kämpfe entwickelt.“

Harry schrieb diese Punkte auf die Liste. „Ist es wichtig, dass Slytherin den Drachenstein nicht selber erobert hat?“, fragte er und wandte sich zu Henry um. Hermine blätterte weiter in einem Buch, Henry hatte sein Buch beiseite gelegt und überlegte.

„Es schadet nichts, es aufzuschreiben, glaube ich.“, meinte er. Also flog Harrys Feder über das Pergament.

„Vielleicht sollten wir auch aufschreiben, dass nur mächtige Zauberer überhaupt in der Lage sind, mit dem Zauberstab umzugehen. Wir sollten prüfen, ob man dafür Magid-Fähigkeiten braucht.“, fuhr Henry fort.

„Wie hieß denn noch mal der Typ. Der den Zauberstab hergestellt hatte?“, fragte Harry. „Vielleicht können wir etwas erfahren, wenn wir nach seinem Namen suchen?“

„Warten Sie, Rubin,...,Rob..., Rob...,Rubenko. Wladim Rubenko! Guter Hinweis, Harry!“

„Ja, und Parsel ist wichtig!“ Harry wurde langsam aufmerksam. Er verstand, dass die analytische Vorgehensweise von Henry durchaus Sinn machte. ‚Parsel’ kritzelte er auf das Pergament.

„Sollten wir uns nicht auch mal mit den Eigenschaften eines Drachensteins befassen?“, fragte Hermine aus dem Hintergrund. Sie hatte das Buch offen auf ihrem Schoß liegen und sah Harry fragend an.

„Hast du was gefunden?“, fragte Harry und deutete auf das Buch.

„Ja, Ich habe da einen Bericht von einem Dr. Cäsarius, der im 14. Jahrhundert als Magister der weißen Magie gegen ein Monster namens Kynaps angetreten ist. Hier ist eine Beschreibung:

‚Lapis draconis, Drachenstein, ist ein taubenei- bis gänseei-großer Kristall, der einer fünfeckigen Pyramide mit abgeschliffener Spitze gleicht. Er hat eine milchige Oberfläche und sein Inneres leuchtet bläulich. Er befähigt den Besitzer, Tieren und Pflanzen zu befehlen. Er verleiht Macht über den Wind und die Wolken. Die Eigenschaften des Drachen, wie Stärke, Unverletzbarkeit und die Zerstörungswut gehen auf den Besitzer des Steins über. Diese Eigenschaften treten jedoch nur auf, wenn willentlich mit Hilfe des Steins Zauber betrieben wird. Zur Verwendung des Lapis draconis sind spezielle Formeln nötig, die jedoch in Vergessenheit geraten sind...’ “

„Aha! Im 14. Jahrhundert schreibt dieser Dr. Cäsarius, dass die Formeln verschwunden sind...“, unterbrach Henry sie nachdenklich.

„Schon“, meinte Harry, „aber Tom Riddle, ich meine Voldemort, hat ja auch herausgefunden, wie man die Kammer des Schreckens öffnet. Vielleicht hat er eine Quelle, wo er das alles erfahren hat. Vielleicht Notizen von Slytherin?“

„Möglich...Lesen Sie bitte weiter, Hermine!“

„Moment, wo war ich..., ach hier! Wird ein Drachenstein pulverisiert dargereicht, entfaltet er seine Wirkung dahingehend, dass das Opfer Anzeichen des Wahnsinns zeigt. Hier kommt die Zerstörungswut als Eigenschaft des Drachens vollkommen zur Geltung und führt dazu, dass sich das Opfer nach einem gigantischen Amoklauf schließlich selbst zerstört.“

„Hatten wir nicht vor fünfzig Jahren so einen Wahnsinnigen, drüben in Deutschland?“, fragte Harry und grinste.

„Hab ich gerade auch gedacht.“, grinste Henry zurück. „Das würde einiges erklären.“

„Ich bin noch nicht fertig!“, meldete sich Hermine. „Es ist zwar nicht mehr viel, aber hier steht: Nach alten Überlieferungen ist es einem Rumänen einst gelungen, die Kräfte des Drachenstein in einem Zauberstab zu bündeln. Dabei sollen einige der herausragensten Fähigkeiten des Steines abgeschwächt und kontrollierbar gemacht worden sein.

Einziger Schutz vor dem unter Verwendung des Drachensteins begangenen Zauber ist, einen Drachenstein der gleichen Spezies als Amulett zu tragen. Dadurch werden Zauber auf den Stein gelenkt und neutralisiert. Der Stein des Angreifers wird mit jedem ausgeführten Zauber geschwächt und verliert am Ende seine Kraft.“

„Gut, dann haben wir ja wieder Stoff für unsere Liste. Harry, schreiben Sie wieder auf?“

„Ja.“, sagte Harry und schrieb weiter. Henry und Hermine diktierten. Schließlich hatten Sie eine ansehnliche Sammlung von Fakten.

„Jetzt sollten wir uns Gedanken machen,“, überlegte Henry, „was wir stand jetzt auf unserer Seite an Mittel haben. Wie sieht es denn mit Ihrem Zauberstab aus, Harry. Was für Eigenschaften können wir beschreiben?“

„Es ist ein Zauberstab mit der Feder des Phoenix...“, sagte Harry nachdenklich.

„Was für Eigenschaften hat ein Phoenix?“

„Jaah, ...er verbrennt und dann wird er wieder geboren...“

„Genau, Harry. Und das sind zwei ganz wichtige Eigenschaften. Wenn wir sie mal auf den Zauberstab übertragen, und das müssen wir, denn das sind genau die Stärken ihres Stabes, dann...“

„Dann,“, fiel ihm Hermine ins Wort, und sie wirkte auf einmal wieder so, wie in Hogwarts, wenn sie etwas wusste, das die anderen Schüler nicht wussten, „dann heißt das, dass Harry damit zerstören kann und etwas wiedererstehen lassen kann. Oder?“

„Ja und nein. Der Phoenix zerstört sich selbst..., aber das will Harry bestimmt nicht. Vielleicht sollten wir es so deuten, dass Harry sich vor den Augen anderer selbst zerstören kann und auch neu erstehen kann.“

„Hä?“, fragte Harry, dem das sehr abstrus vorkam.

„Sagen wir, es könnte einem Gegner die Überzeugung geben, er hätte Sie getötet, weil Sie einen dramatischen Abgang vorspielen. Wenn der Gegner sich dann in Sicherheit wiegt, können sie ihn plötzlich wieder angreifen. Wäre das eine Möglichkeit der Deutung?“

„Schon, aber wie soll das gehen?“

„Gibt es dafür bestimmte Zauber?“, fragte Hermine.

„Wir können nachsehen. Aber nicht jetzt, mir fällt da noch eine Eigenschaft ein. Wissen sie, was die Tränen des Phoenix bewirken?“

„Heilung...,“ überlegte Harry. „Stimmt, damals, als ich vom Basilisken verletzt wurde, kam Fawks und hat geweint. Die Wunde ist verheilt und ich bin auch nicht an dem Gift gestorben...“

„Eben. Und die Tränen des Phoenix können nicht nur jemand anderen heilen, sondern auch ihn selbst. Ich habe den Verdacht, dass wir damit auch ein gewisses Maß an Unverletzbarkeit zustande bringen, wenn es uns gelingt, diese Eigenschaft zu nutzen.“

„Der Phoenix kann auch singen, das hat mir geholfen, den Mut nicht zu verlieren. Aber was fangen wir damit an?“

„Denken sie mal nach. Ich glaube, es ist nicht nur das Singen, sondern allgemein die Gegenwart des Phoenix. Sie gibt ihnen die Sicherheit, das Richtige zu tun. Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass sie ziemlich zielgenau die richtige Antwort auf einen Zauber hatten?“

„Ja, hmm, schon möglich. Aber wenn ich mir meinen Zauberstab anschaue, was kann ich mit seinen Eigenschaften dann gegen einen Drachenstein ausrichten?“

„Zunächst einmal nichts gegen den Drachenstein. Ich glaube, wir sind uns einig, dass der Drachenstein ein Problem darstellt, das wir noch nicht gelöst haben.“

Harry und Hermine nickten.

„Aber wir haben jetzt eine Ahnung, auf welche Weise wir ihre Zauberkräfte unterstützen können, dass sie Voldemort Hindernisse in den Weg legen und nicht mehr so angreifbar sind.“

„Aber die Macht des Drachensteins kann er nicht überwinden!“, warf Hermine mit sorgenvollem Blick ein.

„Da hat sie recht!“, stimmte Harry zu.

„Ich fürchte, um gegen Voldemort bestehen zu können, kommt Harry nicht drum herum, sich einen Drachenstein zu besorgen.“, meinte Hermine und schaute abwechselnd von Einem zum Anderen

Harry, nachdem Hermine gemeint hatte, er müsse wohl oder übel einen Drachen töten, war ärgerlich und hilflos zugleich. Er konnte sich nicht vorstellen, noch einmal gegen einen Drachen anzutreten. Zu klar hatte er noch das Bild der ersten Prüfung im Trimagischen Turnier vor sich. Er roch förmlich die schwefligen Ausdünstungen des Hornschwanzes und hörte das wütende Gebrüll und er fühlte sich klein und schwach. Es ärgerte ihn auch, dass Hermine, diese Wichtigtuerin, diese Meinung vertrat, musste sie doch gewiss nicht gegen einen Drachen antreten. Und was war schlimmer? Durch einen Drachen gebraten oder zerfleischt zu werden oder einfach durch den Todesfluch dahin zu scheiden? Dennoch nahm der Gedanke in der Dreiergruppe immer mehr Gestalt an.

„Ich kämpfe nicht gegen einen Hornschwanz!“, wehrte sich Harry.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass sie keine Lust darauf haben,“, sagte Henry. „Vor allem, wo sie wissen, was auf sie zukommt. Und wo sollen wir einen hernehmen?“

Hermine, die den Gedanken sehr spannend fand, versuchte Harry bei seinem Stolz zu packen.

„Harry, du warst so glücklich, als du das goldene Ei in der Hand hattest. Du hast es auch klasse gemacht, wie du den Drachen mit deinem Besen ausgetrickst hast.“

Harry erinnerte sich, wie seine Sicherheit wiedergekommen war, als er auf seinem Feuerblitz saß.

„Schon, aber da waren ja auch Drachenwärter, die geholfen hätten, wenn mir was passiert wäre.“, sagte er kopfschüttelnd. „Wer sagt überhaupt, dass ich den Drachen töten muss. Kann das nicht ein Anderer tun? Slytherin hat den Drachen für seinen Zauberstab ja auch nicht selbst getötet.“

„Natürlich kann man die schwierigen Aufgaben jemand anderem überlassen,“, schaltete sich Henry ein. „aber wenn sie allem aus dem Weg gehen, wie wollen sie dann gegen Voldemort antreten?“

„Ich will gar nicht gegen Voldemort antreten!“, sagte Harry aufgebracht. Um seine Worte zu untermauern, schlug er das Buch zu.

„Ich glaube, es liegt gar nicht in Ihrer Entscheidung, ob sie wollen oder nicht. Früher oder später stehen sie Voldemort gegenüber. Meinen sie, er verzichtet darauf, sie zu töten, nur weil sie es nicht wollen?“

„Harry, wir helfen dir, so gut es geht.!“, sagte Hermine, legte ihre Hand auf seinen Arm und sah ihm ernst in die Augen. Wieder durchfuhr Harry ein Schauer, aber er mochte die Berührung und lächelte.

„Hören sie, Harry. Wir haben gestern auf der Druiden-Lichtung ein paar einfache Zauber geübt. Mit meinem Wissen, ihrer Phantasie und Hermines Belesenheit sollte es möglich sein, sie so vorzubereiten, dass sie sich ohne Gefahr einem Drachen stellen können. Was halten sie davon, wenn ich ihnen das nötige Rüstzeug verpasse?“

Zaubern machte Harry Spaß. Nur das Lernen war ihm zuwider, vor allen Dingen, wenn es unter Druck stattfand. Andererseits war Henry ein guter Lehrer, die Stunden auf der Lichtung waren nicht nur wie im Fluge vergangen, Harry hatte auch einiges gelernt, ohne dass er sich dabei angestrengt hatte. Was konnte so falsch daran sein, wenn er zunächst einmal ja sagte. Mit Voldemort hatte Henry recht, das hatten Harry die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt. Die Sache mit dem Drachen musste ja nicht sofort entschieden werden.

„Gut. Ich weiß noch nicht, ob ich gegen einen Drachen kämpfen will.“, sagte er. „Aber ich glaub auch nicht, dass es schadet, wenn ich was lerne. Vielleicht finden wir ja einen anderen Weg.“

Hermine nickte zustimmend.

„Wir sind ja erst am Anfang, Harry,“, sagte sie. „Wir haben bestimmt noch nicht alles herausgefunden, was es über den Zauberstab zu wissen gibt.“

„Das beruhigt mich maßlos.“, grinste Harry.

„Was halten Sie davon, wenn wir für heute Schluss machen?“, schlug Henry vor. Harry und Hermine stimmten zu. Harry hatte im Moment keine große Lust mehr, sich mit der Sache zu befassen. Hermine hätte zwar gerne noch ihren Wissensdurst gestillt, aber sie sah, dass Harry sich unwohl fühlte. Es war noch etwas Zeit bis zum Tee und Hermine fragte Harry, als sie die Bibliothek verließen, ob er noch etwas Lust hätte spazieren zu gehen. Der Regen hatte aufgehört und an einigen Stellen war die Wolkendecke aufgerissen. Es war merklich kühler geworden und die Luft, die in den letzten Tagen staubbeladen und trocken gewesen war, roch frisch und angenehm. Durch die Feuchtigkeit schienen sich auch Gerüche besser auszubreiten, jedenfalls hing der Duft der Rosen schwer in der Luft. Durch die Wolkendeck fiel weiches, weißes Licht und dämpfte die Farben etwas. Von den alten Bäumen fielen dicke Tropfen, die jedes Mal klatschten, wenn sie auf dem Boden auftrafen. Die Vögel, die sich während des Unwetters zurückgezogen hatten, begannen jetzt mit macht zu singen und das Gezwitscher erfüllte den Hof wie das Stimmengemurmel in einer Kathedrale.

Zuerst gingen Hermine und Harry schweigsam nebeneinander her. Sie folgten dem Fahrweg und gingen durch die Weiden und Felder, die sich rings um das Anwesen ausbreiteten. Hermine unterbrach das Schweigen.

„Fühlst du dich nicht wohl, Harry?“, fragte sie und sah ihn besorgt an.

Harry fühlte sich erst durch die Frage unwohl. Er hatte es genossen, in Hermines Begleitung einfach nur zu gehen.

„Doch.“, antwortete er. „Vielleicht muss ich mich erst einmal wieder daran gewöhnen, Menschen um mich zu haben. Zu Hause bin ich ja die meiste Zeit allein.“

„Ich habe den Eindruck, du bist traurig.“, sagte Hermine. „Vermisst du Ron?“

"Ja, schon.", sagte Harry kurz. "Aber ich bin nicht traurig. Eher...na ja, eher verwirrt."

Harry wurde rot, merkte es und schaute zur Seite. Hermine sah ihn an. Natürlich entging es ihr nicht, dass Harry verlegen war.

"Verwirrt?", fragte sie. "Wie meinst du das?"

Harry wand sich. "Ja,..., du..., du verwirrst mich,...ein bisschen."

"Habe ich irgendetwas falsch gemacht?", fragte Hermine erschrocken.

"Nee, das ist es nicht." Harry blickte zum Boden und überlegte fieberhaft, wie er sich ausdrücken sollte.

"Ich meine, ..., zum Beispiel deine Frisur. Du bist so anders, äh, geworden. Du erinnerst mich irgendwie,..., an Cho..., na ja, nicht so, du siehst anders aus, ganz anders, aber... oh verdammt!"

"Harry..." Hermine klang etwas hilflos.

"Na ja, du weißt doch, was ich für Cho empfunden habe..."

"Harry!" Hermine erschrak, als ihr klar wurde, was Harry meinte. "Hast du dich... in mich..."

"Jaaa." Harry wurde noch eine Stufe roter im Gesicht. Hitzewellen liefen über seinen Körper und er wünschte sich jetzt, in diesem Augenblick, allein zu sein. Er wusste, was Hermine darauf antworten würde und er wollte es nicht hören.

"Harry, du weißt doch, dass ich mit Viktor gehe."

"Nö, ich weiß nur, dass ihr zusammen zum Ball gegangen seid!"

"Aber ich habe dir doch erzählt, dass Viktor mich eingeladen hat und...ich mag ihn wirklich sehr!"

"Weiß ich, ich kann auch nichts dafür..."

Hermine berührte ihn vorsichtig am Arm. Harry konnte die Berührung nicht ertragen und zog seinen Arm weg,

"Harry, es tut mir so leid. Wir sind doch gute Freunde. Ich habe mich so gefreut, dich zu sehen, aber ich mag nun mal Viktor..."

Es war genau das eingetreten, was Harry befürchtet hatte. Auf eine Art war ihm wohler, denn er hatte es ihr gesagt, auf der anderen Seite war er deprimiert, wie schon lange nicht mehr.

"Schon gut.", meinte er. "Ich werd' schon damit fertig. Wollen wir umkehren?"

Er wollte allein sein, nachdenken. Hermine fühlte sich sehr unwohl. Sie mochte Harry, kannte ihn fast wie einen Bruder, aber eben wie einen Bruder. Sie war ratlos, spürte aber, dass es das Beste wäre, ihn mit seinen Gedanken allein zu lassen, ihm Zeit zu geben. Vielleicht war das Pflänzchen seiner Verliebtheit noch nicht so gewachsen, dass er es überwinden konnte. Sie war ja erst ein paar Stunden hier.

"Lass uns später noch mal in Ruhe darüber reden, ja?", sagte Hermine, teils auch um sich selber ein wenig Zeit zu verschaffen.

Harry sah Hermine an, dann nickte er. Auf einmal fühlte er sich stark. Er hatte sich selbst besiegt. Zumindest einen Teil von sich. Der andere Teil hatte gnadenlos verloren, aber eben nur ein Teil. Auf einmal war er zuversichtlich, dass er damit klar kommen würde.

Der Rückweg verlief schweigend. Auf der Treppe zum Haus hatte Hermine noch das Gefühl, etwas sagen zu müssen.

„Harry?“, fing sie an.

Er machte eine wegwerfende Bewegung.

„Lass gut sein“, sagte er und betrat das Haus.

 

***

 

Irgendwo, im Osten Londons trafen sich fünf düstere Gestalten in einem verlassenen Lagerhaus. Sie saßen schweigend in einem Büro und warteten. Jeder von ihnen sah in dem Dämmerlicht, das durch die verstaubten Scheiben fiel, bleich aus. Sie hatten schwarze Umhänge und schwarze, spitze Hüte an, was ihre fahle Gesichtsfarbe nur noch unterstrich. Hinter dem Schreibtisch saß ein sehr hagerer Mann, der die vier Anderen fortwährend mit finsterem Blick musterte. Er schien der Vorgesetzte der Truppe zu sein, denn die anderen Männer hatten sich mit ihren Stühlen im Halbkreis vor dem Schreibtisch gruppiert. Zwei der fünf Männer rauchten ruhig eine Zigarette und blickten unbeteiligt in Richtung Fenster. Zwei andere schienen sehr nervös, sie schwitzten trotz der Kühle, die in London seit den Gewittern der letzten Tage herrschte. Einer der beiden war lang und dürr, der andere klein und dick.

Sie rutschten unruhig auf ihren Stühlen hin und her, warfen immer wieder Blicke zur halb offen stehenden Bürotür und zuckten bei jedem Geräusch zusammen, das von außen in das Büro drang.

„Angst?“, fragte der Hagere hinter dem Schreibtisch und grinste hämisch.

„Nein, ..., Mister Malfoy.“, stotterte der Dicke, rieb sich aber nervös die Hände.

„Wann wollte er kommen?“, fragte der Lange mit aschfahlem Gesicht.

„In ein paar Minuten.“, knurrte Malfoy. „Ihr habt also noch ein wenig Zeit, euch eine Erklärung zurecht zu legen.“

Die Minuten schienen zu schleichen. Immer wieder warfen die Beiden ängstliche Blicke zur Tür. Kalter Schweiß stand in ihren Gesichtern. Sie wussten, worum es ging. Sie waren von Malfoy in die Mangel genommen worden. Sie hatten den Fehler gemacht, vor Malfoy mit der Geschichte in der Winkelgasse zu prahlen. Malfoy hatte nachgefragt, und herausbekommen, dass eine ihm nur zu bekannte Person an dieser Geschichte beteiligt war. Hermine Granger. Er hatte gebrüllt und getobt, warum sie sie nicht festgehalten hätten. Sie wussten doch, dass die kleine Granger eine Freundin von Potter war, dem ärgsten Feind des dunklen Lord.

Und nicht nur, dass sie sie laufen gelassen hatten, nein, sie hatten auch noch ihre Spur verloren, die vielleicht zu Potter geführt hätte.

Schritte waren zu hören. Schritte von zwei Menschen, langsame, aber feste Schritte. Sie kamen näher. Der Dicke begann nach Luft zu schnappen. Er sprang auf und setzte sich wieder, als er von Malfoy einen vernichtenden Blick empfing.

Die Tür zum Büro wurde aufgestoßen. Herein kam zunächst ein kleiner hibbeliger Mann mit rattigem Gesicht, der die Tür aufhielt. Ihm folgte ein hochgewachsener Zauberer in schwarzem Seidenumhang mit Kapuze, auf den ein giftgrüner Totenkopf gestickt war, aus dessen Mund sich eine Schlange wand. Lord Voldemort. Die Kapuze verbarg sein Gesicht durch ihren Schatten. Die beiden Delinquenten wimmerten auf und duckten sich in ihren Stühlen. Malfoy war sofort aufgestanden, als er die Ankömmlinge hereinkommen sah. Jetzt herrschte er die anderen Wartenden an, sich zu erheben. Zitternd vor Angst standen der Dicke und der Lange vor ihren Stühlen und starrten entsetzt auf den dunklen Lord. Malfoy kam um den Schreibtisch herum, dienerte vor Voldemort und schob ihm den Stuhl hin. Voldemort setzte sich. Der Rattengesichtige stellte sich schräg hinter Voldemort, Malfoy tat es ihm nach.

Dem Dicken versagten die Beine und er sank langsam auf seinen Stuhl zurück.

"Wer hat dir erlaubt, dich zu setzen?", fragte Voldemort leise.

"Niemand...", quiekte der Dicke und erhob sich mühsam. Ein widerwärtiger Gestank ging jetzt von ihm aus. Vor lauter Angst hatte er nicht mehr an sich halten können.

"Lucius?", wandte sich Voldemort mit kaum hörbarer Stimme an Malfoy. "Würdest du mir bitte noch einmal erzählen, was vorgefallen ist?"

"Ja, Herr." Malfoy ging um den Schreibtisch herum. "Verehrter Lord, heute Mittag habe ich erfahren, dass zwei meiner Agenten kläglich versagt haben. Sie hatten Hermine Granger in ihrer Hand und haben sie laufen lassen. Sie haben es nicht für nötig gehalten, ihre Spur zu verfolgen."

"Danke, Lucius." Ein paar Sekunden sagte Voldemort nichts, sondern ließ seinen Blick einen Moment auf jedem einzelnen der Agenten ruhen. Seine Augen leuchteten rot aus dem Schatten der Kapuze.

"Du!", sagte er, indem er den Dicken fixierte und mit der Hand auf ihn zeigte.

"Ja, Herr...", keuchte der Dicke und zitterte wie Espenlaub. Seine Hände hatten sich ineinander verkrallt und er hielt sie vor seiner Brust.

"Erzähle du!"

"Ja, Herr,....,", begann der Dicke stotternd, "Hank und ich, ... wir waren heute Vormittag auf Patrouille. Und....und...da haben wir bei Eyelops gehört, wie die Verkäuferin zu einer Kundin 'Miss Granger' gesagt hat. Wir haben sofort gewusst, dass sie ein Schlammblut ist, und dann...dann haben wir sie verfolgt." Er atmete heftig und stoßweise. Seine Hände machten eine fahrige Bewegung und verkrallten sich dann wieder ineinander „Wir haben sie, haben sie...“

„Hör auf zu stottern!“, fauchte Voldemort.

„Herr, ich...ich...ich kann nicht, Herr! Bitte Herr!“

„Weiter!“ sagte Voldemort und glühte ihn mit seinen roten Augen an.

„Ja, Herr..., wir haben sie festgehalten und ihr gesagt, dass sie hier unerwünscht ist und nicht...nicht mehr wiederkommen soll. Wir haben sie ein bisschen gequält, hehe..., und dann, dann haben wir sie ziehen lassen.“

„So. .... Ihr habt sie ziehen lassen. Warum?“

„Herr, bitte Vergebung, Herr, wir...“ Seine Beine gaben nach und er rutschte auf die Knie. Er hob seine Hände wie zum Gebet. Sein Partner, der Lange, hielt sich so weit wie möglich im Hintergrund. Vielleicht hatte er die Hoffnung, der Zorn des Lord würde sich am Dicken austoben.„Herr, wir wussten nicht, dass sie uns zu Harry Potter führen konnte. Wir haben gedacht...“

„Gedacht...habt ihr!“, fiel Voldemort ihm ins Wort. „Du!“

Der Lange erschrak maßlos. Auch seine Beine drohten weg zu knicken und seine Hand suchte Halt an der Stuhllehne.

„Ja, Herr...“, sagte er erbleichend mit zitternder Stimme.

„Was habt ihr dann gemacht?“, fragte Voldemort drohend.

„Herr, als wir unseren Fehler bemerkt haben, da sind wir ihr hinterher gegangen. Sie ist zu Ollivander rein, haben wir gehört. Wir sind dann auch zu Ollivander, da haben wir sie aber nicht mehr gefunden. Herr...bitte, geben sie uns eine Chance, das wieder gut zu machen. Wir werden sie finden, bestimmt.“ Seine Stimme wurde zu einem ängstlichen hohen Kreischen.

„Schweig!“, herrschte ihn Voldemort an. „Ihr habt beide versagt. Wer so grobe und dumme Fehler macht, hat in meinen Kreisen nichts mehr zu suchen. Ihr seid ausgestoßen!“

Erleichterung machte sich auf ihren Gesichtern breit. Auch die anderen beiden Agenten, die diese Angst nur zu gut nachfühlen konnten, atmeten auf.

„Ihr werdet noch ein kleines Abschiedsgeschenk von mir erhalten. Wurmschwanz?!“

Der Rattengesichtige trat vor.

„Ja Herr?“

„Zeige ihnen, welches Geschenk du mit deiner neuen Hand geben kannst.“

„Herr bitte!“, riefen die beiden Agenten und nun sank auch der Lange auf die Knie. „Habt erbarmen, wir werden den Fehler wieder gut machen...!“

Wurmschwanz trat mit einem gehässigen Grinsen auf die Beiden zu. Er hob seine leuchtende, silbrige Rechte und deutete auf den Dicken. Ein greller Strahl schoss aus der Hand und wickelte einen glitzernden Faden wie ein Spinnennetz um den Körper des Agenten. Augenblicklich schrie dieses Bündel aus Angst und Schmerz gellend auf. Auf seiner Haut bildeten sich an den Stellen, an denen sie von dem Spinnennetz berührt wurde, Blasen und Pusteln, Dampf und Rauch stieg auf und unter grauenvollen Qualen brach der Agent zusammen. Er japste und brüllte und wand sich. Seine Bewegungen wurden schwächer, sein Schreien leiser, bis er nur noch wimmerte und schließlich tot auf dem Boden lag.

Der Lange hatte entsetzt zugeschaut, drückte sich an die Wand, versuchte zu entkommen, bettelte um sein Leben, aber es ereilte ihn das gleiche Schicksal. Als er auch tot war, starrten die verbleibenden Agenten auf die beiden Leichen. Sie wurden vom Grauen geschüttelt. Auch Malfoy war aschfahl geworden. Wurmschwanz grinste befriedigt und zog sich wieder auf seinen Platz zurück.

„Seht genau hin.“, sagte Voldemort leise. „Sie haben nicht nur versagt. Sie haben mir und meiner Bewegung großen Schaden zugefügt. Merkt es Euch! ... Lucius?“

„Ja Herr.“, sagte Malfoy mit rauer Stimme und trat vor.

„Sorge dafür, dass wir herausfinden, wohin diese kleine Schlampe gegangen ist. Ich erwarte morgen um die gleiche Zeit hier deinen Bericht.“

„Ja Herr.“, sagte Malfoy wieder.

Voldemort erhob sich und verließ ohne Gruß das Büro. Wurmschwanz wieselte hinter ihm her. Im Hinausgehen warf er Lucius Malfoy einen triumphierenden Blick zu, den Malfoy finster erwiderte.

 

***

 

Gegen Abend war eine Eule auf Perpignans Place angekommen. Sie hatte einen Brief des Ministeriums zugestellt. Der Brief war an Henry gerichtet. Nachdem Henry ihn gelesen hatte, ließ er Harry durch Arthur in die Bibliothek bitten.

„Setzen Sie sich bitte.“, sagte Henry freundlich. „Ich habe Nachricht vom Ministerium.“

„Was schreiben sie?“, fragte Harry gespannt.

„Sie schreiben,“, antwortete Henry, „dass es Schülern von Hogwarts nicht erlaubt ist, außerhalb der Schule zu zaubern. In diesem besonderen Fall sieht das Ministerium von einem Schulverweis ab, besteht jedoch auf einer angemessenen und harten Bestrafung während des Semesters. In Anbetracht der besonderen Situation möchte es das Ministerium dem Lehrergremium überlassen, eine Entscheidung über die Art der Bestrafung von Ihnen zu fällen.“

Zuerst wusste Harry nichts mit der Information anzufangen.

„Dann können wir das Üben ja vergessen“, sagte er resigniert.

„Nein.“, meinte Henry. „Das Ministerium ist gezwungen eine solche Stellungnahme zu machen. Ich habe gestern noch mit einem alten Freund gesprochen, der mir ein Schreiben dieser Art angekündigt hat. Es musste so ausfallen, damit das Ministerium sich absichert. Sie kennen doch Professor Dumbledore, Harry. Würde er es jemals zulassen, sie zu bestrafen?“

„Nein, da haben sie recht, Henry.“

„Ich würde also erst einmal weiter machen. Sollten sie Schwierigkeiten bekommen, wenden sie sich an mich. Ich kenne Dumbledore zwar nicht persönlich, aber er kennt meinen Namen und weiß etwas mit mir anzufangen. Ich rede dann mit ihm, auch wenn ich überzeugt bin, dass das gar nicht nötig ist.“

Harry war erleichtert. Die Agumente von Henry hatten ihn überzeugt. Er wünschte sich nichts lieber, als von Henry zu lernen. Er ahnte auch, dass es ihn von seinen Sorgen mit Hermine ablenken könnte.

Hermine hatte sich nach ihrem Gespräch auf ihr Zimmer zurückgezogen. Sie sah sehr unglücklich aus, als sie sich in der Eingangshalle getrennt hatten, das hatte Harry noch festgestellt. Er wollte ursprünglich nicht so rüde sein und das Gespräch auf diese Art beenden. Er fühlte Reue und beschloss, so schnell wie möglich noch einmal mit ihr zu reden. Seine Gefühlswelt war zwar noch nicht im Lot, aber er hatte nachgedacht und war zu dem Schluß gekommen, dass es keinen Zweck hätte, jetzt in Depression zu verfallen. Und abgesehen davon, dass er sich verliebt hatte, fühlte er immer noch eine tiefe Freundschaft zu ihr, und die wollte er nicht gefährden. Zu oft hatte er seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen gehabt, um nicht zu wissen, dass er auch mit dieser Situation fertig werden würde.

Hermine ließ zunächst auf sich warten. Sie war nicht zum Tee erschinen und Arthur hatte sich zu ihrem Zimmer begeben, um sie zu fragen, ob sie ihren Imbiss dort zu sich nehmen wollte. Hermine hatte sich eine Kleinigkeit kommen lassen, sie war gerade dabei, einen Brief an ihre Eltern zu schreiben und wollte ihn noch heute fertig bekommen. Sie war unkonzentriert, musste immer wieder über ihr Gespräch mit Harry nachdenken, und so dauerte es einige Zeit, bis sie zufrieden war und das Pergament versandfertig zusammenrollte.

Es war fast acht Uhr, als sie dann in die Bibliothek kam. Sie schaute zuerst etwas unsicher in die Runde, als sie aber feststellte, dass Harry sie freundlich ansah, beruhigte sie sich und nahm auf dem freien Sessel platz.

Die beiden hatten gerade über das Ministerium gesprochen und Hermine hatte noch den letzten Satz mitbekommen.

„Gibt es Probleme mit Professor Dumbledore?“, fragte sie.

„Nein, keine Sorge.“, sagte Harry. „Ich habe ein bisschen Ärger mit dem Ministerium, weil ich während der Ferien gezaubert habe. Aber Henry hilft mir. Ich glaube, dass wir das in den Griff bekommen.“

„Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht“, meinte Hermine. „Ich darf ja auch nicht zaubern....“

„Entspannen sie sich, Hermine.“, warf Henry ein. „Ich werde mich darum kümmern, dass sie Beide“, und er betonte ‚Beide’, „keinen Ärger bekommen. Ist das in Ordnung?“

„Ja, ich würde schrecklich gerne etwas bei ihnen lernen.“, sagte Hermine und lächelte Henry dankbar an.

„Gut. Was wollen wir morgen machen?“, fragte Henry in die Runde.

„Wollen wir noch mal auf die Lichtung gehen?“, fragte Harry hoffnungsvoll.

„Haben wir denn alles über Drachensteine herausgefunden?“, wollte Hermine, die sicherlich sehr an den Büchern interessiert war, wissen.

Henry überlegte kurz. Dann sagte er:

„Nein, bestimmt noch nicht alles. Aber mit den ersten Informationen können wir schon etwas anfangen. Und ich glaube - zumindest geht es mir so - dass zu viel Theorie auf einmal die Lust schwinden lässt. Aber vielleicht sollten wir den Vormittag im Labor verbringen. Es gibt einige Mittelchen, die ihnen, Harry, im Kampf Vorteile verschaffen können. Ich denke da zum Beispiel an einen Trank, der sie nicht müde werden lässt. Es ist besonders bei langen Auseinandersetzungen wichtig, dass sie die Konzentration behalten können. Was halten sie von dem Vorschlag?“

Harry war einverstanden und auch Hermine nickte. Konnte sie dieses Wissen doch vielleicht im Zaubertränke-Unterricht bei Profesor Snape verwenden.

„Dann sollten wir durchaus den Nachmittag verwenden, um praktischen Zauber zu üben.“, fuhr Henry fort. „Allerdings werden wir auch einige Nacht-Übungen machen müssen. Voldemort wird sie nicht am Tage angreifen, er wird den Schutz der Nacht für die Überraschung nutzen. Und da sollten sie firm sein. Abends haben wir dann immer noch Zeit, uns mit den Büchern zu befassen. Selbstverständlich,“, und dabei blickte er Hermine an, „können sie jederzeit die Bibliothek nutzen. Ich werde ihnen morgen früh zeigen, wie der Selectio-Zauber funktioniert.“

Hermine lächelte Henry dankbar an. Auch Harry war zufrieden. Der Vorschlag entsprach durchaus seinen Vorstellungen, zumal die Theorie nur einen kleinen Teil des Programms ausmachte.

Den weiteren Abend verbrachten die Drei mit einer lockeren Unterhaltung. Harry fiel zwar auf, dass Henry nur wenig von sich erzählte, vor allen Dingen kaum etwas über seine Tätigkeit als Zauberer in geheimer Mission, aber er akzeptierte es durchaus, zumal es ja auch geheim war. Um so mehr hatten Hermine und Harry zu erzählen, viele Anekdoten aus Hogwarts wurden zum Besten gegeben und die Zeit flog dahin. Als dann die Standuhr in der Eingangshalle elf Schläge hören ließ, und Harry schon mehrmals gegähnt hatte – der Tag war sehr anstrengend gewesen – löste man die Runde auf. Harry ging neben Hermine die Treppe hinauf. Oben blieb er stehen, denn sein Zimmer lag im anderen Flügel der Villa und er wollte Hermine noch etwas mit auf den Weg geben.

„Hermine?“, fing er an.

„Ja Harry...?“ Hermine sah Harry unsicher an.

„Hermine, es tut mir leid. Ich glaub, es war nicht fair von mir, dich heute Nachmittag so stehen zu lassen.“

Hermine atmete erleichtert auf.

„Harry, mir tut es auch leid. Ich mag dich wirklich sehr...“

„Ich weiß, du brauchst nichts weiter zu sagen. Ich komm schon damit klar!“

„Das erleichtert mich, Harry. Wir bleiben Freunde, ja?“

„Ja. Gute Nacht.“

„Schlaf gut Harry.“

Sie trennten sich. Beide waren erleichtert, dass es keine Spannungen mehr gab. Beide lagen noch eine Weile wach und dachten nach. Und beide schliefen mit dem Gedanken an den Anderen ein.

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