3. Auf Perpignans Place
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1. Die Flucht
2. Düstere Zeiten
3. Auf Perpignans Place
4. Zauberlehrling
5. Hermine
6. Bücherwürmer
7. Spurensuche
8. Der Angriff
9. Eine Entscheidung
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Harry nutzte die Pause, um sich und seine Wunden auf Vordermann zu bringen. Er hatte noch etwas Wundsalbe für kleinere Verletzungen, die man sich bei Madame Pomfrey, der Krankenschwester von Hogwarts in beliebigen Mengen holen konnte. Harry hatte immer einen kleinen Vorrat, denn er kannte sich nur zu gut. Aus seinem Koffer suchte er sich einen sauberen Umhang und zog den zerrissenen aus. Mr. Ollivander brachte ihn direkt in den Müll. Nach ein paar Minuten sah Harry fast wieder normal aus. Die Wunden begannen schon zu heilen und der Ruß war von seinen Kleidern, Händen und dem Gesicht entfernt.

Nach einer halben Stunde ertönte die Türglocke. Einen Augenblick später kam ein verschwitzter, vielleicht zehnjähriger Junge mit hochrotem Kopf durch die Tür ins Büro. Er schleppte eine Stofftasche, die prall mit Büchern und Päckchen gefüllt war.

„Hallo Mr. Ollivander!“, sagte der Junge, liess die Tasche auf den Boden sinken und schnaufte tief. „Mächtig heiß heute!“

„Hallo John!“, sagte Mr. Ollivander, stand auf und klopfte dem Jungen auf die Schulter. „Setz dich erst mal. Möchtest du etwas trinken?“

„Oh ja!“, sagte John und ließ sich in den Schreibtischstuhl fallen. Seine Beine reichten nicht ganz bis zum Boden. Er legte seine Hände in den Schoß, baumelte mit den Füßen und sah Harry neugierig an.

„Das ist John,“, sagte Mr. Ollivander zu Harry gewandt, „er macht immer mal wieder Besorgungen für mich. John, darf ich dir Harry Potter vorstellen?“

„Das ist Harry Potter? Hallo Mr. Potter! Freut mich!“

Johns Gesicht leuchtete auf. „Ich kanns nicht fassen...“, murmelte er.

„Hallo John.“, sagte Harry und streckte ihm die Hand hin. „Vielen Dank. Du hast ja ganz schön zu Schleppen gehabt.“

Mr. Ollivander verließ das Büro um etwas zu Trinken für den Jungen zu holen. Aufgeregt starrte John Harry an. Harry fühlte sich etwas unwohl. Er kannte den Jungen nicht, hatte aber das Gefühl irgend etwas sagen zu müssen. Fieberhaft überlegte er, was er mit dem Jungen reden konnte.

„Gehst du auch schon nach Hogwarts?“ fragte er.

„Nö, aber ich hab schon einen Brief bekommen und werde dieses Jahr eingeschult. Sind Sie auch in Hogwarts?“

„Ja!“

„Mönsch, das ist ja toll. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Sie sind echt berühmt. Echt stark...“

Harry grinste. Zum ersten mal machte es ihm nichts aus, wegen seines Namens bewundert zu werden. Der Junge brachte das einfach zu drollig, und er war Harry auch viel sympathischer als Collin Creevy, einem etwas penetranten Bewunderer aus Hogwarts

„Wie Sie da auf dem Friedhof den ‚Sie wissen schon wen’ fertig gemacht haben...“

„Halt, halt. Ich habe ihn nicht fertig gemacht. Immerhin ist er jetzt wieder mit aller Macht da!“

„Ja, stimmt....War aber trotzdem toll. Ich hab alles gehört. Ich hätte Schiß bis unter die Achseln gehabt, wenn...“

„Das habe ich auch gehabt!“

„Das glaube ich nicht. Sie sind doch der große Harry Potter....“

„Nee! Ich bin auch nur ein Schüler. Ich habe verdammt viel Glück gehabt, daß ich da wieder rausgekommen bin.“

„Werden Sie ‚Sie wissen schon wen’ jetzt jagen?“ fragte John und sah Harry begeistert an.

„John, ich bin kein Held. Ich habe eher die Befürchtung, das Voldemort mich jagen wird.“

Der Junge erschrak bei der Nennung des Namens.

„Das dürfen Sie nicht sagen“, flüsterte er.

„Keine Sorge, das hat mir noch nie geschadet, dass ich den Namen gesagt habe. Wie ist denn die Stimmung da draußen?“ fragte Harry und nickte in Richtung Tür.

„Och, ist schon komisch. Die Leute reden nicht mehr so laut wie früher. Und sie huschen nur noch von einem Laden zum nächsten. Früher war hier noch gut was los. Wenn ich an die Eisdiele denke, da hat man doch sonst nie einen Platz bekommen. Jetzt stehen alle Tische leer. Ich hab immer auf der Mauer da Gegenüber gesessen und zugeschaut. Da hab ich alle möglichen Storys gehört. Aber jetzt... „

„Hast du Todesser in der Winkelgasse gesehen?“

„Klar Mann. Drum ist das hier ja so. Aber auf so nen Jungen wie mich achten die kaum. Da kann ich schon was mitkriegen. Die stehen immer zusammen, und tuscheln miteinander, oder gehen in die Gassen zwischen den Häusern. Einmal hab ich gehört, wie sie sagten ‚Bald gibt es keine Schlammblüter mehr hier.’ Und ganz fies gelacht ham se.“

„Hast du keine Angst vor den Todessern?“

„Vor denen? Ich kenn mich hier aus. Und wenn die mich fangen wollen, kriegen die mich nicht. Ich kenn hier so viele Verstecke...“

Mr. Ollivander kam mit einer Flasche Mineralwasser und einem Glas zurück.

„Hier mein Junge, trink erst mal was!“ sagte er und stellte die Flasche und das Glas auf den Schreibtisch. „Schauen Sie bitte nach, ob Sie alles zusammenhaben, Mr. Potter. Ich denke, es ist nicht ratsam, wenn Sie noch mal in die Winkelgasse zurückkehren, um etwas zu besorgen. Lassen Sie uns das lieber jetzt machen.!“

Harry öffnete die Tasche und verglich den Inhalt mit der Liste. Es fehlte nichts.

„Hier haben Sie das Restgeld.“, sagte John und hielt Harry eine Handvoll Sickel und Knuts hin.

„Nein, John, behalte es. Du hast etwas für mich riskiert, ich brauche es nicht.“

„Ich will es nicht.“, sagte John und legte das Geld auf den Schreibtisch. „Aber vielleicht können Sie mir ein Autogramm...?“

„Na klar. Aber mir fällt da was ein. Ich weiß nicht, ob du das tun willst, aber... du hast vorhin erzählt, daß du immer mal wieder was hörst.“

„Ich höre jeden Tag was. Die sind so dumm, die Todesser, daß sie sich ständig selber erzählen müssen, wie toll sie sind. Ich weiß schon einiges.“

„Hmmm, Mr. Ollivander, gibt es eine Möglichkeit, Nachrichten dorthin zu übermitteln, wo ich jetzt hingehe?“

„Sie haben ja gesehen, wie es geht, Mr. Potter. Das ist absolut sicher, die Verbindung besteht nur zwischen den beiden Gesprächspartnern und kann nicht abgehört werden. Und zur Sicherheit kann ich den Raum mit einem einfachen Zauber schützen. Was haben Sie vor?“

„Naja, ich dachte, ich will nicht, dass John jetzt die Todesser belauscht, aber wenn er ohnehin was mitbekommt, vielleicht sind ja wichtige Informationen dabei...“

„Das kann ich machen Sir!“, rief John begeistert. „Ich kann Mr. Ollivander alles erzählen, was ich höre und Mr. Ollivander kann das an Sie weitergeben. Klar helfe ich Ihnen.“

„John, ich möchte nicht, dass du dich in Gefahr begiebst. Nur wenn du zufällig was hörst, ja?“

„Mr. Potter! Ich hab doch gesagt, dass mich keiner kriegt. Machen Sie sich mal keine Sorge um mich.!“

„Sind Sie damit einverstanden, Mr. Ollivander?“

„Ich denke, Sie können sich auf John verlassen. Und wir bleiben dann in Kontakt, und wenn etwas wichtiges ist, rufen ich Sie an.“

Harry atmete auf. Die Ereignisse schienen sich ja durchaus positiv zu entwickeln. Er öffnete seinen Koffer und kramte nach einem Photo, das Collin Creevy gemacht hatte, als er beim Quiddich-Training zugesehen hatte. Er hatte das Photo später Harry geschenkt. Endlich hatte Harry eine gute Verwendung dafür gefunden. Er öffnete das Tintenfaß und schrieb mit der Feder seinen Namen drunter. Der Harry auf dem Photo kam auf seinem Besen angeflogen und versuchte herauszufinden, was Harry dort machte. Als er nichts sehen konnte, flog er enttäusche ein paar Loopings und zog sich in den Hintergrund des Photos zurück. John war begeistert. Er dankte Harry überschwenglich und steckte das Photo in eine zerfledderte Brieftasche, die er aus seiner Hosentasche geholt hatte.

„Sei vorsichtig,“, sagte Harry. „Wenn sie Dich mit dem Photo erwischen, könntest du Schwierigkeiten bekommen.“

„Nene, ich hab ein gutes Versteck dafür. Finden die nie!“

„Hier, und das Geld behältst du auch, ja?“

John wackelte mit dem Kopf hin und her, überlegte kurz und steckte dann das Geld ein.

„Ja, dann gehe ich mal...“, sagte John und ging zur Tür. Dort drehte er sich noch mal um und winkte Harry zu.

„Tschüß, Mr. Potter. Sie können Sich auf mich verlassen, bestimmt!“

Er grinste freundlich und verschwand durch die Tür.

„Vielen Dank, John!“, rief Harry hinterher.

Mr. Ollivander ging zum Bücherregal und suchte nach einem bestimmten Buch.

„So, Mr. Potter, dann werden wir mal Ihre Abreise vorbereiten. Ich hab mir gedacht, es ist schneller und einfacher, wenn wir einen Portschlüssel nehmen. Mit Flohpulver wären Sie doch einige Zeit unterwegs und ich weiß, wie sehr man durchgeschüttelt wird.“

Harry nickte und begann die neuen Schulsachen in seinen Koffer zu quetschen. ‚Ich glaub, ich werde einige Sachen in der Schule lassen, der koffer wird langsam zu schwer.’ Dachte er bei sich. Mr. Ollivander hatte das Buch gefunden, was er suchte und blätterte darin herum.

„Hier ist es.“, sagte er und legte das Buch auf den Schreibtisch. „Sehen Sie, Mr. Potter, dieses ist mein persönlicher Portschlüssel, der mich nach Perpignans Place bringt. In der letzten Zeit habe ich ihn zwar nicht mehr benutzt, sie wissen, Reisen wird in meinem Alter langsam anstrengend, aber er wird funktionieren. Und in den tausenden von Seiten wird niemand auf die Idee kommen, daß sich dort ein Portschlüssel zu Ihnen befindet.“ Er wies miet weiter Geste auf das Bücherregal.

„Legen Sie einfach eine Hand auf das Bild, dann geht es los.“

Harry betrachtete das Bild. Es zeigte die Radierung eines alten Menhiren, der über und über mit Runenzeichen verziert war. An einigen Stellen schien das Bild etwas abgenutzt und speckig. Es mußte wohl schon oft benutzt worden sein.

„Sie waren oft in Perpignans Place?“, fragte Harry.

„Ja. Henri und ich sind sehr gute Freunde. Ist es da ein Wunder, dass man sich oft besucht? Und es ist sehr erholsam dort. Sie werden es sehen.“

„Ich danke Ihnen, Mr. Ollivander. Sie tun sehr viel für mich.“

„Das hat Tradition in unserer Familie. Schon damals, 1944...“

Harry reichte ihm stumm die Hand. Mr. Ollivander drückte sie mit beiden Händen.

„Viel Glück!“, sagte er.

Harry nahm mit einiger Mühe seinen Koffer und den Käfig in die linke Hand und legte seine Rechte auf die Zeichnung. Sofort hatte er das Gefühl, er würde mit einem Haken an seinem Bauchnabel gezogen. Das Büro verschwamm und begann sich rasend schnell zu drehen. Harry wurde empor gehoben und raste mit unglaublicher Beschleunigung durch eine farbige Spirale. Für einen Augenblick meinte Harry, die Sinne würden ihm schwinden, aber da wurde seine Fahrt schon langsamer und ehe er sich versah, landete er hart mit den Füßen auf dem Boden. Koffer und Käfig fielen aus seiner Hand und Harry überschlug sich. Benommen setzte er sich auf. Nachdem er seine Brille, die ihm von der Nase gerutscht war, wieder ertastet und aufgesetzt hatte, blickte er sich um.

Sein Koffer war aufgesprungen und hatte seinen Inhalt über einen Grasbuckel verstreut, der die Spitze eines Hügels bildete. Rings um den Grasbuckel waren Steine im Kreis zu einem niedrigen Wall aufgehäuft. Harry stand auf. Er hatte eine wunderbare Fernsicht. Wolken zogen wie eine Schafherde über den blauen Himmel. Unter ihm breitete sich eine kahle, hügelige, grasbewachsene Landschaft aus, und erst in einiger Entfernung sah er niedrige Hecken und Steinwälle, die offensichtlich Weiden begrenzten. Auf einer dieser Weiden graste eine Herde Kühe und das leise Läuten von Kuhglocken wurde durch den leichten Wind herüber getragen.

Am Horizont erkannte er einen jähen Felsenabbruch, hinter dem sich eine glatte Fläche auftat, die im schwachen Dunst lag. Es schien das Meer zu ein. ‚Ein Paradies’, dachte Harry, der noch nicht viel von der Welt gesehen hatte. Nie hatten ihn die Dursleys in Urlaub mitgenommen, meist waren sie nach Sussex gefahren und hatte ihn bei einer Nachbarin untergebracht. Vor Hogwarts war seine weiteste Reise in die Innenstadt von London gewesen, wenn es mal dringend erforderlich war, einen Arzt aufzusuchen, oder wenn er ausnahmsweise mal mit in den Zoo gehen durfte. Sonst war er ständig im Ligusterweg und der näheren Umgebung geblieben und war lange Zeit davon ausgegangen, daß die Welt aus gepflegten, spießigen Vorstadtsiedlungen bestand. Erst Hogwarts hatte ihn aus der kleinen Welt herausgerissen und gezeigt, dass es auch noch andere Landschaften gab. Oft hatte er sich gedacht, wenn er mit dem Hogwarts-Express zur Schule oder in die Ferien fuhr und die Landschaft an ihm vorbei zog, ‚Hier möchte ich mal hin.’.

Harry begann, seine Sachen wieder in den Koffer zu stopfen. Der Besen, den er unter die Lederriemen geschoben hatte, war Gott sei dank unbeschädigt. ‚Was nun?’, dachte Harry. Weit und breit war kein Haus oder irgendeine Person zu sehen. Hatte Mr. Ollivander ihn in die Wüste geschickt, um ihn los zu werden? Das konnte Harry nicht glauben. Er setzte sich auf den Koffer und wartete. Er genoß die Ruhe. Irgendwo in der Umgebung zirpte eine Grille und der Wind raschelte im hohen Gras. Es war warm, aber bei weitem nicht so heiß, wie in London. Das gleichmäßige Zirpen machte ihn schläfrig. Er versuchte dagegen anzukämpfen, aber er fühlte sich durch die ganze Aufregung sehr erschöpft. Die Augen fielen ihm zu. Er stützte seinen Kopf  in die Hände. Es war unbequem. Er stieg von seinem Koffer und legte sich in das Gras. Wolken zogen über ihm hinweg. Irgendwann war er eingeschlafen.

„Mr. Potter?“

Eine tiefe Stimme ließ ihn hoch schrecken. Harry setzte sich auf und blinzelte in die Sonne. Vor ihm stand der Schatten eines großen Mannes mit Bart.

„Sie haben geschlafen. Entschuldigen Sie, dass ich Sie so lange warten ließ, eine Kuh hat gekalbt und ich mußte noch etwas helfen. Ich hoffe, Sie haben sich keine Sorgen gemacht. Mein Name ist Henri Perpignan.“

Der Mann streckte ihm die Hand hin. Harry rappelte sich hoch und nahm die Hand zur Begrüßung. „Harry...Harry Potter, sehr angenehm.“, stotterte er. „Guten Tag. Ich muß wohl wirklich eingeschlafen sein.“

„Kommen Sie, Mr. Potter. Bei mir zu Hause wartet eine heiße Tasse Tee, es ist kurz vor Fünf und wir werden noch eine Strecke fahren müssen. Darf ich Ihnen etwas abnehmen?“

„Äh,...Nein, das geht schon. Der Koffer ist schwer...“

„Gut, dann nehme ich den Käfig. Wo ist denn die Eule, die dort hineingehört? Ist sie auf der Reise verloren gegangen?“

„Nein, ich habe sie mit einem Brief nach Rumänien geschickt. Sie wird wohl noch ein paar Tage unterwegs sein.“

Sie stiegen über den kleinen Wall und folgten einem schmalen Trampelpfad den Hügel hinab. Unten stand ein zweirädriger Einspänner. Das Pferd graste friedlich. Als es die Beiden bemerkte, hob es den Kopf und schnaubte leise. Henri Perpignan stellte den Käfig auf ein schmales Brett hinten am Wagen und nahm Harry den Koffer ab. Harry stieg auf den Wagen und einen Moment später folgte Mr. Perpignan. Er nahm die Zügel in die Hand, schnalzte mit der Zunge und das Pferd setzte sich in Bewegung. Der Weg war sehr holperig, daher ging die Fahrt zunächst langsam, als sie dann aber in der Senke auf einen breiteren Weg stießen, trabte das Pferd an und der Wagen wackelte fröhlich durch die Landschaft. Mr. Perpignan begann ein Liedchen zu pfeifen.

Harry betrachtete Mr. Perpignan. Er war groß, größer als Harry. Sein Gesicht war zerfurcht von Falten, die aber eher Lachfalten zu sein schienen. Lediglich auf der Stirn war eine Falte, die nicht ganz in das Bild hineinzupassen schien. Ein dunkler Vollbart, durchzogen mit grauen Strähnen, umrahmte das Gesicht und hing auf die Brust. Er trug eine Kord-Knickerbocker und hohe, braune Lederstiefel. Über einem wollenen Hemd hatte er eine graue Weste aus grobem Stoff mit vielen Taschen angezogen. In denen steckten verschiedene Dinge, wie eine Brille, ein Kuli, ein Klappmesser und vieles mehr, was man schnell zur Hand haben wollte. Sei Kopf wurde von einer Tweed-Mütze bedeckt.

Die Fahrt verlief weitestgehend schweigsam. Schließlich kamen sie in Sichtweite eines größeren Gehöftes, Mr. Perpignan unterbrach sein Flöten und meinte:

“Da vorne ist es.“

„Schön haben Sie es hier!“ sagte Harry, weniger, um ein Kompliment zu machen, als überhaupt irgendetwas darauf zu erwidern. Mr. Perpignan nickte.

„Meine Vorfahren hatten Geschmack.“, sagte er, nicht ohne Stolz.

Der Weg führte jetzt an einer hohen Hecke entlang, die die Sicht auf das Haus verdeckte. Auf der anderen Seite des Weges standen uralte Kastanien. Der Wagen bog in eine Einfahrt ein, die durch ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor verschlossen werden konnte. Harry konnte hinter der Hecke eine Mauer aus Feldsteinen erkennen. Vor ihnen breitete sich ein Parkähnlicher Garten mit altem Baumbestand aus. Mitten in diesem Park stand eine Villa mit Türmchen und Zinnen, überwuchert mit Efeu. Zwei gewaltigen Kletterrosen wuchsen links und rechts der Haustüre. Rechts neben dem Haupthaus sah Harry eine offene Wagenremise, in der mehrere alte Kutschen und ein wunderschönes dunkelgrünes altes Auto mit viel blitzendem Chrom stand. Auf der linkes Seite des Hauses schlossen sich ziegelsteinerne Stallgebäude mit bogenförmigen, grün-weiß gestrichenen Toren an. Vor dem Hauseingang machte die Kiesauffahrt einen weiten Bogen um ein rundes Rosenbeet, deren Rosen in den herrlichsten Farben blühten und in dessen Mitte eine weiße Marmorfigur im hohen Bogen Wasser in eine große Muschel spie.

Der Wagen folgte dem Kiesweg und hielt vor der Haustür an. Die Tür wurde geöffnet und ein steinalter Mann in Livree kam aus dem Haus. Perpignan sprang mit einer für sein Alter erstaunlichen Beweglichkeit vom Kutschbock und sagte zu dem alten Diener:

„Arthur, das ist Harry Potter. Sorgen Sie bitte dafür, dass sein Koffer in sein Zimmer gebracht und im Salon der Tee serviert wird. Und sagen Sie Rattle, er soll das Pferd versorgen.“

Der alte Mann machte einen steifen Diener und sagte zu Harry:

„Willkommen auf Perpignans Place, Master Potter. Ich freue mich, Sie hier begrüßen zu können. Nennen Sie mich bitte Arthur, und wenn Sie irgendeinen Wunsch haben, wenden Sie sich ruhig vertrauensvoll an mich. Ich glaube, es gibt keinen Wunsch, den wir Ihnen nicht erfüllen können.“

Harry war sprachlos. Damit hätte nicht gerechnet. Er hatte einen mehr oder weniger alten Bauernhof erwartet, aber das kam ja einem Schloss gleich und er wurde behandelt wie ein kleiner Lord.

„Guten Tag, Arthur,“, sagte Harry ehrfurchtsvoll und verbeugte sich ebenfalls. Perpignan lachte, als er das sah.

„Mein lieber, junger Freund. Sie sind Gast in diesem Hause und brauchen sich bestimmt nicht zu verbeugen. Kommen Sie, ich zeige ihnen das Haus. Dann werden Sie sich schnell zurechtfinden.“

Er winkte Harry, ihm zu folgen. Harry starrte immer noch auf Arthur, dann ließ er seinen Blick über die ehrwürdige Fassade des Hauses gleiten und wäre fast über die erste Stufe der ausladenden Treppe zur Haustüre gestolpert. Dann hastete er die Treppe hinauf, hinter Mr. Perpignan her und in die hohe Eingangshalle der Villa. Harry kam aus dem Staunen nicht heraus. Auf beiden Seiten der Halle führte eine weit geschwungene Treppe mit Verziertem steinernen Geländer hinauf auf eine Galerie, von der mehrere Türen in verschiedene Zimmer führten. Links und rechts standen hohe Flügeltüren offen und ließen einen Blick in fürstlich eingerichtete Räume zu.

Mitten im rechten Raum stand ein schwerer Tisch mit reich verzierten Stühlen. Dahinter schoss sich eine Flucht aus weiteren Zimmern an. Der Tisch war mit feinstem Porzellan gedeckt und auf einer silbernen Schale waren köstlich aussehende Cakes und Biskuits angerichtet. Mit einem mal verspürte Harry einen immensen Hunger. Er hatte heute Morgen um 7 Uhr gefrühstückt, eine Schüssel mit Cornflakes und etwas Milch. Seitdem hatte er noch nichts außer den paar Tassen Tee bei Mr. Ollivander zu sich genommen.

„Zunächst werde ich Ihnen Ihr Zimmer zeigen.“, sagte Mr. Perpignan und ging voraus die gewundene Treppe hinauf. Oben wandte er sich in den linken Gang und ging bis zur letzten Tür, die in einen Raum zur Vorderseite des Hauses führte. Der Raum war prachtvoll eingerichtet. Eine Wand wurde beherrscht von einem riesigen Himmelbett, das mit schweren, bestickten Brokatstoffen behangen war. Die Säulen des Bettes waren kunstvoll gedrechselt und mit dünnen vergoldeten Fäden umwirkt. Das Kopfteil des Bettes wurde von einer geschnitzten Holztafel gebildet, die eine Jagdszene zeigte. Neben dem Bett stand ein Nachtischchen mit Intarsienarbeit aus vielen verschiedenen Hölzern und Elfenbein.. Vom gleichen Stil waren auch ein Schrank und ein Sekretär, die an den anderen Wänden standen. An den Wänden hingen Portraits und Jagdszenen in Öl mit breiten stuckverzierten goldenen Rahmen. Durch die hohen Fenster fiel das weiche Licht des späten Nachmittags. Unten im Hof konnte Harry den Pferdeknecht sehen, der das Pferd, das sie hierher gebracht hatte, mit Stroh abrieb. Perpignans Place machte einen sehr gemütlichen und auch sehr reichen Eindruck auf Harry. Am liebsten würde er sich sofort in das weiche Himmelbett fallen lassen, aber sein Gastgeber hatte ihn doch zum Tee eingeladen und Harry hatte großen Hunger.

„Hier geht es zu Ihrem Badezimmer.“, sagte Mr. Perpignan und öffnete eine fast unsichtbare Tür in der Wandvertäfelung. Harry warf einen kurzen Blick hinein und konnte feststellen, dass der Luxus sich auch im Kabinett fortsetzte. Marmor und Gold oder Messing gaben hier den Ton an.

„Gefällt es Ihnen?“

„Oh ja!“, sagte Harry mit ehrlichem Staunen. „Ich werde mich hier sehr wohlfühlen.“

„Wenn Sie etwas wünschen, dann ziehen Sie einfach nur an der Kordel,“, sagte Mr. Perpignan und deutete auf eine aufwendig geknüpfte Schnur mit dickem Quast am unteren Ende, die neben dem Bett von der Wand hing. „Arthur oder eines der Zimmermädchen wird dann kommen und Ihre Wünsche erfüllen. Keine Sorge, alle kommen aus Zaubererfamilien und egal was Sie sich wünschen, sie werden es Ihnen erfüllen.“

„Vielen Dank, Mr. Perpignan“ Harry sprach den Namen mit englischem Akzent aus. Mr. Perpignan lächelte verständnisvoll.

„Ich weiß, mein Name ist im Englischen etwas schwierig. Er wird Perpinjong ausgesprochen. Ich glaube, das Beste ist, wenn Sie mich Henry nennen. Ich bin das gewohnt. Darf ich Sie Harry nennen?“

„Natürlich, Mr. Per... äh Henry.“ Es war ungewohnt für Harry, einen so würdigen älteren Herren bei seinem Vornahmen zu nennen.

„So, Harry, ich denke, wir gehen jetzt hinunter und setzen uns zum 5-Uhr-Tee. Sie haben sicher Hunger, stimmts?“

„Ja.“

Sie gingen hinunter, in den Saal und setzten sich an den Tisch. Arthur hatte inzwischen eine Kanne mit dampfend heißem Tee, Toasts, gebackene Eier und weiße Bohnen und eine Platte mit gebratenem Speck aufgetischt. Es roch köstlich. Arthur stand im Hintergrund, eilte aber sofort herbei um den Beiden die Stühle zurecht zu rücken. Harry saß Henry gegenüber am Ende des länglichen Tisches. Er schenkte Harry den Tee in eine feine Porzellantasse und fragte dann, was er ihm servieren könne.

Harry wählte Speck und Bohnen und einen Toast, was ihm von Arthur kunstvoll auf dem Teller drapiert wurde.

„Lassen Sie es sich schmecken, Harry.“, lud Henry ihn ein. Da sich Harry ließ nicht zweimal sagen und bald saß er da und mampfte mit vollen Backen. Das Essen selber wurde schweigend vorgenommen. Doch immer wieder lächelte Henry Harry zu und forderte ihn auf, noch einmal zu nehmen. Nach dem dritten Teller und der vierten Tasse Tee war Harry zum Platzen satt und musste bei einer neuerlichen Aufforderung dankend ablehnen.

„Nach dem Tee ziehe ich mich gewöhnlich in die Bibliothek zu einer Zigarre zurück. Wenn Sie mir Gesellschaft leiten wollen, würde ich mich sehr freuen. Ich bin auch neugierig auf Ihre Geschichte. Ich hoffe doch, sie werden sie mir erzählen?“

„Ja sicher, ich glaube, das bin ich Ihnen schuldig.“

Sie standen auf und gingen durch die Einhangshalle in den linken Saal. Hier waren die Wände bis unter die Decke mit Bücherregalen verkleidet. Wie in Ollivanders Laden gab es auch hier eine Schiene, die um die ganzen Regale führte, dass man mit einer Leiter an die oberen Regalböden gelangen konnte. Die Bücher waren durchweg mit Leder gebunden und hatten alle die gleiche Farbe und eine Beschriftung aus Goldprägung. An einer Seite der Bibliothek war in der Nähe des Fensters ein Schreibtisch in die Regale eingelassen und in der Mitte stand auf einem ausladenden Teppich eine kleine, sehr bequeme Sitzgruppe.

Henry bot Harry einen Platz an und setzte sich in den anderen Sessel. Er öffnete eine Klappe des Rauchtischchens und holte sich eine lange dunkle Zigarre heraus. Mit einem Knipser schnitt er ein Stück des geschlossenen Endes der Zigarre ab. Arthur kam mit einem brennenden Span in der Hand in die Bibliothek und nahm die Zigarre in Empfang. Er hielt sie mit der Spitze eine Zeit lang über die Flamme und drehte sie zwischen seinen Fingern. Bald kräuselte ein dünner, blauer Rauchfaden von der Zigarre hoch und die Spitze begann, einen Anflug von grauer Asche zu bilden. Henry erhielt die Zigarre zurück, führte sie zu seinen Lippen und zog langsam daran. Genüsslich ließ er eine Rauchwolke durch seine Lippen entweichen und zog sie durch die Nase wieder ein. Entspannt lehnte er sich zurück und sah Harry an.

„Dann erzählen Sie mal.“, begann er die Unterhaltung.

Harry hatte die Zeremonie aufmerksam verfolgt. Es war ihm vollkommen fremd, wie ein Mensch sich so dem Genuss hingeben konnte. Entsprechend war er nicht ganz bei der Sache, als er begann, fand aber schnell den roten Faden und nach ein paar Sätzen erzählte er ohne Unterbrechung die ganze Geschichte seit dem letzten Wettkampf im Trimagischen Turnier. Henry gab ihm zu verstehen, dass er die Vorgeschichte Harrys einigermaßen kannte und so konnte Harry sich auf die Zeit während der Ferien und die Ereignisse des heutigen Tages beschränken. Wie Mr. Ollivander war Henry ein guter Zuhörer, er unterbrach höchstens um einen Sachverhalt genauer nachzufragen und nickte zwischendrin immer wieder.

"Sie haben gegen das Zauberverbot verstoßen. Das wird Ärger geben.", sagte Henry, als Harry von seinem plötzlichen Aufbruch vom Ligusterweg erzählte.

"Ich weiß, aber was sollte ich machen? Ich musste doch annehmen, dass der dunkle Lord mich töten wollte."

"Sicher, Sie haben in einer Notsituation gehandelt. Mal sehen, ich habe einige gute Beziehungen zum Ministerium. Vielleicht kann ich etwas erreichen. Ich werde morgen mal anrufen."

"Das wäre klasse!", freute sich Harry. Er erzählte weiter. Als er John erwähnte, sagte Henry:

„Es war eine gute Idee, den Jungen um Informationen zu bitten. So sind wir immer auf dem Laufenden, was draußen in der Welt passiert und können, wenn es brenzlig wird, schnell reagieren. Ich kenne John, er passt auf. Ich habe den Eindruck, dass der dunkle Lord mit viel Bedacht vorgeht und sich Zeit lässt. Wenn wir aber rechtzeitig informiert werden, können wir genauso viel Ruhe in eine Gegenstrategie stricken. Aber ich gehe davon aus, dass wir hier erst einmal ungestört sind.“

„Was können wir den machen, wenn Lord Voldemort mich hier findet? Er hat diesen neuen Zauberstab und ich fürchte, dass ich nicht dagegen halten kann.“ Harry hatte den Namen ausgesprochen, doch zu seiner Verwunderung reagierte Henri nicht darauf.

„Schauen Sie sich um, Harry. Was sehen Sie?“

„Jede Menge Bücher!“, antwortete Harry verblüfft.

„Eben. Wissen Sie, ich war früher mal international Tätig in magischen Angelegenheiten. Meine Dienste waren sehr gefragt und ich musste mir auch nach der Schule noch eine Menge Wissen aneignen. Ich glaube, außer in Hogwarts gibt es weltweit keine Bibliothek, die so gut sortiert ist. Es hat mich zwar ein Vermögen gekostet, diese zum Teil einzigartigen Werke der magischen Wissenschaft aufzutreiben, aber ich brauchte sie für meine Arbeit.“

„Was haben Sie denn gearbeitet?“

„Nun, sagen wir, ich war in geheimen Missionen unterwegs. Ich hatte unterschiedliche Auftraggeber, viele meiner Aufträge erhielt ich durch einen Mittelsmann vom Zaubereiministerium.“

„Das war sicher sehr gefährlich!“, sagte Harry naiv.

Henri lächelte. „Doch, mitunter durchaus. Aber wenn man gut vorbereitet ist, kann man die Gefahr kalkulieren und umgehen.“

„Waren Sie beim Geheimdienst?“

„Nicht so, wie es die Muggel verstehen. Ich habe immer allein gearbeitet. Kennen Sie Madeye Moody? So ähnlich, nur dass ich mich nicht mit den Todessern befasst habe. Ich war sozusagen Freiberufler. ...Aber Sie sprachen den Zauberstab an. Habe ich das richtig verstanden, dass es der Zauberstab von Salazar Slytherin ist?“

„Ja, so hat es Mr. Ollivander erzählt.“

„Tja,...da haben Sie ein Problem. Gut, ich habe noch nicht alle meine Bücher von vorne bis hinten gelesen, dafür bräuchte ich zehn Leben,...aber ich habe noch kein Mittel gefunden, mit dem man diesem Zauberstab entgegentreten kann, zumal er in der Hand eines sehr mächtigen Zauberers ist. Schon Merlin – Sie wissen wer Merlin ist?“ Harry nickte. „Also, schon Merlin konnte sich damals nur vor der Macht des Stabes retten, indem er einen Zeitsprung in die Vergangenheit, in die Zeit vor der Herstellung des Stabes, machte. Es war ein genialer Trick, aber einen Zeitsprung, das bringe ich nicht fertig. Ich glaube, nicht einmal Dumbledore kann das.“

„Hmm.“, machte Harry. Er schaute etwas ratlos drein. Sein ganzer Körper hatte sich verkrampft und Angst kroch seinen Nacken hoch. Henry war jedoch so gelassen, wie Harry ihn den ganzen Nachmittag schon erlebt hatte.

„Seien Sie beruhigt. Morgen werden wir uns einmal mit den Büchern befassen. Sicher finden wir etwas, was uns weiter hilft. Schlafen Sie heute erst mal in Ruhe. Hier sind Sie fürs Erste sicher. Man darf meine Dienerschaft und mich nicht unterschätzen. Selbst wenn es Voldemort gelingen würde, Ihren Aufenthaltsort herauszufinden, würden wir ihm das Hereinkommen schon ziemlich schwer machen.“

Harry atmete auf und entspannt sich wieder. Er ließ seinen Blick über die Bücher schweifen. Eigentlich hasste er Bibliotheken. Sie waren für ihn immer mit der quälenden Suche nach Lösungen für ein drängendes Problem verbunden. Er hatte immer unter Druck gestanden, wenn er in Hogwarts in die Bücherei gegangen war, sei es, weil er etwas für eine Aufgabe im Trimagischen Turnier gesucht hatte, oder für eine Prüfung lernen musste. Nie hatte es ihm Spaß gemacht, Bücher zu wälzen, ganz im Gegensatz zu Hermine.

„Ich glaube, Hermine würde sich hier wohlfühlen.“, sagte er unvermittelt, als sie in seinen Gedanke auftauchte.

„Wer ist Hermine?“, fragte Henri.

„Ach, das ist eine Freundin von mir, aus Hogwarts. Sie hat mir immer suchen geholfen, wenn ich für das Trimagische Turnier nicht mehr weiterwusste.“

Harry begann von Hermine zu erzählen. Die Unterhaltung wurde immer lockerer und oft lachte sie über Situationen, die Harry damals lange nicht zum Lachen fand, die sich aber mit dem großen Zeitabstand lustig erzählen ließen. Besonders die Geschichte mit dem Vielsafttrank, mit dem sich Hermine in eine Halb-Katze verwandelte ließ sie hemmungslos lachen und kichern und so wurde der Abend noch recht vergnüglich. Irgendwann schlug die Standuhr in der Eingangshalle an und Harry musste mit Schrecken feststellen, dass es schon nach ein Uhr Nachts war.

„Ich glaube, ich muss schleunigst ins Bett.“, sagte er uns streckte sich in seinem Sessel.

„Ja, ich glaube auch, dass es an der Zeit ist.“, meinte Henri und trank seinen letzten Schluck Scotch.

Harry stand auf und ging auf die Tür zu. Dann blieb er stehen, drehte sich noch einmal um und fragte:

„Darf ich Sie noch etwas fragen?“

„Immer!“

„Ihr Name, das ist doch ein französischer Name, nicht war?“

„Ja, das stimmt. Mein Ururururgroßvater kam aus Frankreich. Ein echter Beauxbatons. Er kam zum letzten Trimagischen Turnier, das siebzehnhundertirgendwas stattfand. Er verliebte sich in eine liebreizende Schülerin aus Hogwarts. Sie war leider an das Land gebunden, denn sie war die Letzte in einem großen Zauberergeschlecht. Da hat er beschlossen, sie zu heiraten und war hier geblieben. Dieses Haus und das Land hat er mitgeheiratet. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Er hieß übrigens auch Henri, wie mein Vater und dessen Vater und drum trage auch ich diesen Namen. Beantwortet das Ihre Frage?“

„Ja, natürlich. Gute Nacht!“

„Gute Nacht. Und machen Sie sich keine Sorgen. Wir finden schon einen Weg.“

Harry ging die geschwungene Treppe hinauf und in sein Zimmer. Er wollte seinen Koffer öffnen und seine Schlafsachen herausholen, musste aber feststellen, das Arthur oder ein Zimmermädchen bereits alle fein säuberlich auf den Schrank, den Sekretär und das Badezimmer verteilt hatte. Ein ungewohnter Luxus.

Er putzte sich die Zähne, wusch sich noch flüchtig und ließ sich dann in die weichen Federn fallen.

‚Was für ein Tag!’, dachte er. Aber er war zufrieden und hatte sich wieder beruhigt. ‚Es geht alles weiter’ war seine letzte Erkenntnis, bevor er in einen tiefen, erholsamen Schlaf fiel.

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