1. Die Flucht
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„Harry!.....Haaarrrrrry!“ dröhnte Onkel Vernons Stimme aus der Küche. „Verdammt, wo bleibst du? Kerl!“

„Ich...ich komme!“ rief Harry und stolperte aus seiner Kammer. Er nahm gleich 2 Stufen auf einmal, als er die steile Treppe hinunterhastete. Onkel Vernon klang sehr wütend und Harry wusste aus Erfahrung, dass es besser war, sich zu beeilen, wenn sein Onkel ihn dann rief.

„Hier bin ich, Onkel Vernon.“ keuchte Harry, als er durch die Küchentür schoss. Onkel Vernon saß, fett und groß und breit wie er war, mit hochrotem Kopf auf seinem Platz am Küchentisch. Vor ihm lag die Post des Tages. In seiner Hand hielt er einen Brief aus dunkelblauem Papier und wedelte damit erzürnt in der Luft herum.

„Setz dich!“ fuhr er Harry an.

Harry setzte sich an das andere Ende des Tisches. Er wollte vermeiden, dass er zu nahe an Onkel Vernon herankam. Zum einen beeindruckten ihn die Riesenpranken seines Onkels, die er oft genug schmerzlich auf seinen Wangen gespürt hatte, zum anderen hatte Onkel Vernon unangenehmen Mundgeruch und spuckte oft beim Sprechen, wenn er erregt war. Vor beidem ekelte sich Harry.

„Was ist das?“ brüllte Onkel Vernon.

„Ein Brief?“ fragte Harry leise.

„Ein Brief! Du Blödmann! Das sehe ich selber!....“ Onkel Vernon schnaufte wie ein Stier. ‚Fehlt nicht mehr viel und er scharrt mit den Füßen’ dachte Harry. Immer wieder erwischte er sich dabei, sich über das Verhalten der Dursleys lustig zu machen, auch in Situationen, die wie diese nicht gerade angenehm waren.

„Was für ein Brief!?“

„Ich weiß nicht, vielleicht von Hermine?“

„Wer ist Hermine?“ Onkel Vernon schaute Harry einen kurzen Augenblick unsicher an, nur um sogleich noch wütender zu Blicken.

„Etwa so ein Flittchen aus deiner sogenannten Schule?“

„Hermine ist kein Flittchen. Sie hat ganz normale Eltern. Sie sind Zahn...“ Harry begann sauer zu werden und hatte seine Stimme erhoben.

„Das ist mir scheißegal! Und du sollst mich nicht anbrüllen!“ unterbrach ihn Onkel Vernon und sein Kopf schwoll vor Wut an. Er bemühte sich jedoch gleich wieder, sich zu beruhigen. Er schnaufte tief, lehnte sich zurück und schaute einen Augenblick an die Decke.

Harry war ganz eingeschüchtert. Gegen diese Masse aus Zorn konnte er nichts setzen. Er war zwar im letzten Jahr ziemlich in die Höhe geschossen, immerhin hatte er die 1,70 überschritten und es sah nicht so aus, als ob er aufhören würde zu wachsen. Aber Onkel Vernon erschien einfach so mächtig, weil er immer noch größer war als Harry und dabei breit wie ein Bulle.

„Was ist den das für ein Brief?“ fragte Harry schüchtern.

„Von deiner Scheiß-Schule. Hier lies!“

Er warf den Brief über den Küchentisch. Der Brief schlidderte bis vor Harry und drohte vom Tisch zu fallen. Harry konnte ihn gerade noch auffangen. Es war ein Brief aus Hogwarts, der britischen Schule für Zauberei, die Harry seit seinem 11. Lebensjahr besuchte.

Damals hatte es ihn völlig überrascht, dass er ein Zauberer war. Er war, nachdem seine Eltern Lily und James Potter durch den schwarzen Magier Lord Voldemort getötet worden waren, bei seinen Verwandten, den Dursleys aufgewachsen. Den Überfall auf seine Eltern hatte Harry wie durch ein Wunder überlebt, nicht zuletzt deshalb, weil seine Mutter sich für ihn geopfert hatte. Noch heute zeugte eine blitzförmige Narbe von dem Grauen dieser Nacht. Die Narbe schmerzte jedes mal und schwoll rot an, wenn Voldemort versuchte, ihm zu schaden. Die Dursleys hatten ihn schlimmer als einen Hund behandelt und Harry hatte 11 Jahre in einem Schrank unter der Treppe gelebt. Welche schöne neue Welt hatte sich für ihn aufgetan. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Freunde gefunden. 

Hagrid, der damalige Wildhüter von Hogwarts und heutige Lehrer für die Pflege magischer Geschöpfe hatte ihn aus den Fesseln der Familie Dursley befreit. Seit damals war Hagrid ein ganz besonderer Freund von Harry.

 

Harry faltete den Brief auseinander und begann zu lesen.

 

„Sehr geehrter Herr Potter,

 

leider müssen wir Ihnen mitteilen, daß das Semester in diesem Jahr 2 Wochen später beginnt. Wir bitten Sie deshalb sich erst am 30.September um 9:30 Uhr in der Station Kings Cross auf Gleis neundreiviertel einzufinden.

 

Als Anlage haben wir Ihnen eine Liste der Materialien beigefügt, die Sie bitte für das neue Schuljahr mitbringen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Minerva McGonagall,

Stellvertretende Schulleiterin

Hogwarts, Schule für Zauberei“

 

Harry ließ den Brief sinken. Große Enttäuschung machte sich in ihm breit. Jetzt musste er noch zwei ganze Wochen in diesem Horrorkabinett aushalten. Der Hass der Dursleys auf ihn hatte noch zugenommen, seit sie gemerkt hatten, dass Harrys Pate Sirius Black offensichtlich untergetaucht war. Harry hatte sich zwar mehrfach auf Sirius berufen, wenn die Dursleys es zu arg getrieben hatten, aber es war nichts passiert. Das bestärkte sie in der Annahme, vor Black sicher zu sein. Sie hatten die Daumenschrauben einfach wieder angezogen und Harry die Ferien so unerträglich wie nur möglich gemacht.

‚Aber,’ dachte Harry, ‚dann sind die Weasleys wieder aus dem Urlaub zurück. Vielleicht kann ich ja zu Ron...’

Harry hatte seinen Preis, den er beim Trimagischen Turnier im letzten Schuljahr gewonnen hatte, den Weasley-Zwillingen geschenkt. Diese hatten einen kleinen Teil davon Mrs. Weasley geschenkt und gesagt, dass die ganze Familie davon in Urlaub fahren sollte. Die Weasleys hatten, zumindest konnte sich Ron nicht daran erinnern, noch nie einen gemeinsamen Urlaub mit der ganzen Familie gemacht. Ron Weasley war seit dem ersten Schuljahr auf Hogwarts der beste Freund von Harry. Vater Weasley arbeitete für wenig Geld beim Zaubereiministerium in der Abteilung gegen den Missbrauch von Muggelartefacten und hatte Mühe die die Familie mit 7 Kindern durchzubringen. Da war das Geld natürlich eine willkommene Gelegenheit und ausnahmsweise hatte Mutter Weasley keinen Aufstand gemacht und das Geld angenommen. Gleich zu Beginn der Ferien hatten sie sich alle nach Rumänien aufgemacht, um Charly, den ältesten Sohn zu besuchen, der in Rumänien Drachen studierte. Sie wollten nach dem Besuch noch ein paar Wochen am Schwarzen Meer verbringen.

Harry hoffte, dass sie ihren Urlaub jetzt nicht auch noch verlängerten, denn es war mit Sicherheit anzunehmen, dass sie eine Eulenpost erhalten hatten. Eulen waren ja bekannt dafür, einen Brief bis an das Ende der Welt zu bringen, solange sie auch nur die geringste Ahnung hatten, wo sich der Adressat aufhielt.

„Und was sagst du nun?“ brüllte Onkel Vernon. Harry schreckte aus seinen Gedanken hoch. Es war schmerzlich, wieder in die Realität geholt zu werden.

„Weiß nicht...“ murmelte Harry.

„Das heißt, dass wir dich jetzt noch zwei Wochen länger ertragen müssen.“

„Vielleicht... vielleicht könnte ich zu meinem Freund Ron, wenn sie wieder da sind...“

„Natürlich! Und wer jätet das Unkraut und mäht den Rasen? Die Hecke muss auch noch geschnitten werden. Und du meinst, du kannst dich einfach so verkrümeln?“

„Das hätte ich ja so und so bis zum 15. schaffen müssen. Und das schaffe ich auch noch. Danach liege ich euch doch nur auf der Tasche...“

Onkel Vernon glotzte Harry unverständig an. Langsam klärte sich sein Blick.

„Da hast du recht...“ sagte er eigenartig gelassen. Plötzlich flog ein leichtes Grinsen über sein Gesicht. Dann zog er die Augenbrauen wieder zusammen und stierte Harry streng an.

„Bilde dir bloß nichts auf deine Idee ein. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Und wie du dahin kommst, ist deine Sache. Glaub ja nicht, dass ich dich zu solchem Gesockse hinfahre. Und wehe, die kommen noch mal hier her. Die Nachbarn haben schon beim letzten mal gefragt, was für komische Gammler ich kenne. Ich musste sagen, dass das Bettler waren und dass ich sie weggeschickt habe. Nie mehr wieder so eine Schmach! Kapiert!?“

„Keine Sorge, Onkel Vernon.“ sagte Harry erleichtert. Die Aussicht, die letzten Ferientage vielleicht bei seinen Freunden zu verbringen, ließ ihn die Ödnis der Ferien vergessen. Aufregung erfasste ihn. Hoffentlich waren die Weasleys da. Er musste sofort Hedwig mit einer Nachricht an Ron losschicken.

Harry sprang auf.

„Danke Onkel Vernon. Ich wird bestimmt mit dem Garten fertig..“

„Mach dass du rauskommst.“

Harry faltete den Brief zusammen.

„Kann ich noch die Liste haben?“

„Was für eine Liste?“

„In dem Brief muss noch eine Liste sein, was ich mir alles fürs nächste Schuljahr besorgen muss.“

Onkel Vernon warf ihm den zerknüllten Briefumschlag über den Tisch.

„Tschüs Verni-Schätzchen, ich gehe jetzt mit Dudley einkaufen.“ tönte es aus dem Flur. Harry hörte die Tür ins Schloss fallen. ‚Gott sei dank, die nerven jetzt erst mal nicht mehr.’, dachte er. Er strich den Umschlag glatt und schaute hinein. Drin lag ein zerknitterter Bogen Papier. Harry holte ihn aus dem Umschlag und überflog die Liste. Bei dem Buchtitel ‚Dunkle Kräfte und wie man sich vor ihnen schützt von Wratislav Pendrecki’ blieb sein Blick hängen. Wer mochte wohl dieses Jahr ‚Verteidigung gegen die schwarzen Künste’ geben. Schnell schaute er nach einem Buch, das im Zaubertrank-Unterricht benötigt wurde. Erleichtert stellte er fest, dass es einen Titel gab, der ‚Tränke aus mediterranen Wasserpflanzen von Frederic Karbunkel’ hieß. Dann war Zaubertränke vielleicht doch noch in Professor Snapes Hand und vielleicht gab es Hoffnung, das Remus Lupin wieder an die Schule zurückkehrte...

„Bist du noch nicht verschwunden?“ dröhnte Onkel Vernons Stimme in sein Ohr.

Harry beeilte sich, aus der Küche zu kommen.

 

Zuerst war Harry sehr enttäuscht gewesen, dass die Schule 2 Wochen später anfängt. Aber die Aussicht, diese Tage vielleicht im Fuchsbau zu verbringen, versöhnte ihn wieder. Hoffentlich klappte es! Aufgeregt rannte er die Treppe hoch zu seinem Zimmer. Er musste Hedwig sofort mit einer Nachricht nach Rumänien schicken. Er musste wissen, was seine Freunde planten. Hastig kramte er in dem Loch unter der losen Fußbodendiele nach seinem Schreibzeug. Er holte das Tintenfass, seine Federn und einen Bogen Pergament hervor und breitete alles auf dem Fußboden vor sich aus. Er öffnete das Tintenfass, strich den Bogen glatt, legte sich vor das Blatt und tauchte seine Feder in die Tinte.

„Hallo Ron,...“ schrieb er. Hedwig beäugte ihn von ihrem Käfig aus mit schiefem Kopf. Zufällig sah Harry auf und bemerkte Hedwigs Blick.

„Ja, ja, Hedwig. du darfst verreisen.“ Es schien, als ob Hedwig lächeln würde, jedenfalls schloss sie kurz die Augen und streckte ein Bein und einen Flügel, soweit es in dem engen Käfig ging.

Harry wandte sich wieder dem Brief zu.

„... hast Du auch schon einen Brief von Professor McGonagall bekommen? Ich habe heute erfahren, dass die Schule 2 Wochen später beginnt. Was ist da los? Weis Dein Vater etwas darüber? Ich finde den Gedanken schrecklich, noch 2 Wochen länger bei den Dursleys zu bleiben. Wann kommt ihr wieder nach Hause? Ich würde mich freuen, wenn ich noch ein paar Tage bei Euch verbringen dürfte. Mir ist schrecklich langweilig, auch wenn ich genug zu tun habe. Onkel Vernon ist auf die Idee gekommen, mich während der Ferien arbeiten zu lassen. Er sagt, er könne es sich nicht leisten einen Nutzlosen „Fresser“ durchzufüttern. So’n Quatsch! Seit er diesen Riesendeal gemacht hat, verdient er ne Menge mehr. Ich darf jetzt den Garten Pflegen, Unkraut jäten, rasen mähen, Fensterläden streichen und und und. Dudley lümmelt den ganzen Tag im Garten rum und tut nichts. Er ist sogar zu faul, zum Fernsehen die Treppe hinauf in sein Zimmer zu gehen. Das einzige, was ihm einfällt ist, mich zu nerven. Aber seit dem Würgezungen-Drop piesackt er mich wenigstens nicht mehr. Er hat Angst, dass Ihr ihn wieder in die Mangel nehmt. Von Sirius habe ich auch schon lange keine Post mehr bekommen. Ich bin ja mal gespannt, wann er und Professor Dumbledore zurück kommen. Ich habe von Onkel Vernon die Erlaubnis, die 2 Wochen zu Euch zu kommen. Wenn Ihr das auch wollt und ich darf, würde ich mich riesig freuen.

Ich hoffe, bald von Euch zu hören. Wir müssen uns dann auch Gedanken machen, wie ich zu Euch komme. Wie ihr wisst, hat Onkel Vernon den Kamin zugenagelt. Mit Flohpulver kann ich nicht kommen. Sie wollen auch nicht, dass Ihr mich abholt, das letzte mal hat ihnen gereicht.

 

Viele Grüße, auch an Deinen Vater und Deine Mutter, und an die Zwillinge und Ginny und Charly

 

Dein Harry“

 

Harry überflog den Brief noch einmal. ‚Na ja, mein Stil war schon immer chaotisch’ dachte er. Dann rollte er den Brief zusammen, band eine Schleife darum und stand auf. Hedwig war schon ganz unruhig und flatterte in ihrem engen Käfig, dass sich einige Federn lösten und zu Boden segelten. Harry öffnete den Käfig und Hedwig hüpfte sofort auf seinen Arm.

„Komm, setz Dich auf die Bettkante, wie soll ich Dir denn den Brief an das Bein binden!“ lachte Harry, als sie seinen Arm hinauf zur Schulter kletterte und an seinem Ohr knabberte. Hedwig flatterte auf die Bettkante und reckte ihm ein Bein hin. Sie freute sich sichtlich, eine Aufgabe zu haben und einmal eine Weile fliegen zu können. Harry band den Brief fest. Dann öffnete er das Fenster, Hedwig flatterte auf und hinaus. Sie stieß noch einen langen Schrei aus und erhob sich dann in die Luft. Harry schaute ihr nach, bis sie nur noch ein kleiner heller Punkt am blauen Himmel war. ‚Viel Glück’, dachte er. ‚Hoffentlich findest du Ron!’

Harry verstaute seine Schreibsachen wieder unter dem losen Fußbodenbrett und legte sich dann auf sein Bett. Er verschränkte die Hände hinter seinem Nacken und starrte an die Decke. Er konnte jetzt nur warten. Eine Stunde hatte er sich für eine Pause vorgenommen. In der Mittagshitze konnte er einfach nicht im Garten arbeiten. Kaum hatte er sich in sein Zimmer zurückgezogen, Fenster und Vorhänge geschlossen, war er von Onkel Vernon gerufen worden. Jetzt blieb ihm noch eine halbe Stunde, die er so bewegungslos wie möglich verbringen wollte.

Am Anfang der Ferien hatte er die Mittagspause dringend gebraucht. Die Arbeit war ungewohnt für ihn und alle Knochen hatten ihm weh getan. Inzwischen, nach fast 6 Wochen spürte er die Anstrengung kaum noch und wenn Dudley nicht ständig im Garten wäre, würde ihm die Arbeit sogar Spaß machen. So hatte er wenigstens Ruhe vor den ständigen Meckereien von Tante Petunia.

In den letzten Wochen war es so heiß gewesen, dass der Asphalt im Ligusterweg weich geworden war. Insgesamt hatte es 2 mal geregnet, Sturzbäche von Blitz und Donner begleitet, aber der Rasen wäre ausgedörrt und braun gewesen, hätte Harry nicht ständig den Rasensprenger eingesetzt. Der Apfelbaum hatte ihm ein wenig Schatten gespendet, aber die wenigste Arbeit fand gerade unter dem Baum statt. Vielmehr hatte er in der stechenden Sonne gearbeitet, oft in gebückter Haltung, wenn er Unkraut gejätet hatte. Die Arbeiten hatten ihn inzwischen gestählt. Er fühlte seine Muskeln wachsen. Längst war er nicht mehr der kleine Junge, der mit 11 Jahren nach Hogwarts gegangen war. Zu viel hatte er erlebt. Jetzt war er enorm gewachsen und befand sich mitten im Stimmbruch, der sich schon Ende des letzten Schuljahres angekündigt hatte. Manchmal fand er es Lustig, wie seine Stimme zu einem hohen Kieksen umschlug, aber meistens nervte es ihn. Er wollte jetzt seine tiefe Stimme behalten und hoffte, es würde nicht mehr lange dauern, bis der Stimmbruch abgeschlossen war. Manchmal hoffte er, von den Mädchen etwas mehr beachtet zu werden, besonders von Cho, der Frau, die er anbetete, die zum Haus Ravenclaw gehörte, und die ein Jahr älter war, als er. Er hoffte, sie mit seiner männlichen Stimme etwas beeindrucken zu können. Er baute auch auf seine Größe und es war ihm durchaus recht, dass er auch an Muskeln etwas zugelegt hatte.

Viele Dinge gingen ihm durch den Kopf, als er auf seinem Bett lag. Er dachte an Cho. Wie mochte es ihr gehen? Ob sie den Tod von Cedric inzwischen überwunden hatte? Schließlich hatte er den Eindruck gehabt, dass sie nicht ohne Grund mit ihm auf den Ball gegangen war. War sie in Cedric verliebt gewesen? Harry hatte sich mit dem Unfall abgefunden. Zu wenige Berührungspunkte hatte er vorher mit Cedric gehabt. Sicher, Cedric war ein feiner Kerl, fair und freundlich, aber auch er war halt schon viel älter gewesen. Und Harry fragte sich, ob es überhaupt eine Möglichkeit gegeben hätte, dass Voldemort Cedric verschont hätte. Cedric hatte mit Harry zusammen das Ziel in der letzten der drei Aufgaben des Trimagischen Turniers erreicht und sie wollten gemeinsam Sieger werden. Deshalb hatten sie zeitgleich den Pokal, der von Voldemort in einen Portschlüssel verwandelt worden war, berührt und waren von diesem auf einen alten Friedhof gebracht worden. Kaum waren sie gelandet, hatte Voldemort Cedric durch einen der drei unverzeihlichen Flüche, den Todesfluch, getötet. Harry bedauerte den Tod von Cedric sehr, auch seine Eltern taten ihm leid und er konnte den Schmerz ansatzweise nachfühlen.

Hermine? Hermine war neben Ron die dritte in dem Gespann, das in dem aufregenden Leben in Hogwarts all die Abenteuer erlebt hatte. Hermine war sehr strebsam. Sie kam aus einem „normalen“ Elternhaus, das heißt, Ihre Eltern waren Muggel, Leute, die nicht zaubern konnten. Sie verdienten ihr Geld als Zahnärzte. Hermine schleppte immer so viele Bücher mit sich herum, daß ihre Tasche unter dem Gewicht fast zerriss. Man konnte sie alles Fragen und wenn sie mal, was sehr selten vorkam, keine direkte Antwort hervorsprudeln konnte, wusste sie es mit Sicherheit nach ihrem nächsten Besuch in der Bibliothek. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie zueinander gefunden hatten, aber inzwischen war es sogar so, dass in Hogwarts Gerüchte kursierten, Harry und Hermine seien ein Paar.

Hermine hatte ihm, wie Ron aus Rumänien, zu seinem Geburtstag schrieben. Sie war mit ihren Eltern nach Mallorca gefahren weil sie dort einen Badeurlaub machen wollten. Ansonsten hatte er die ganze Zeit nichts von seinen Freunden gehört. Manchmal wünschte er sich wenigstens einen Besuch von Dobby, dem Hauselfen, den er aus den Klauen der schrecklichen Malfoy-Familie gerettet hatte und der jetzt in Hogwarts in der Küche arbeitete. Dobby hatte, als er Harry zum ersten mal besucht hatte fast dafür gesorgt, dass Harry von der Schule geflogen wäre. Dobby hatte im Ligusterweg gezaubert und Harry hatte eine Verwarnung vom Zaubereiministerium bekommen, weil Minderjährige außerhalb Hogwarts nicht zaubern durften. Wenn er doch wenigstens zuhause zaubern könnte, dann könnte er ein wenig Dudley ärgern.

Dudley! Allein der Name erzeugte ein würgen in ihm. Dieser dumme, verwöhnte, faule Kerl. Das war der Sohn von Onkel Vernon und Tante Petunia. Früher war er so fett gewesen, dass seine Pobacken links und rechts vom Stuhl hingen. Er war faul und vollkommen verzogen, wurde aber von seinen Eltern in jeder Hinsicht verwöhnt. Nie brauchte Dudley auch nur irgendwas im Haushalt tun. Im Gegenteil. Er bekam es hinten und vorne reingeschoben. Dudley hasste Harry und sein einziges Streben war, Harry zu ärgern. Seit fast 2 Jahren machte Dudley eine von der Schulschwester seiner Schule verordnete Diät und hatte in den 2 Jahren fast 20 Kilo abgenommen. Aber erst langsam sah man, dass er wirklich weniger fett war.

In diesem Jahr waren Dudleys schulischen Leistungen so abgesackt, dass er einen Brief zu seinem miserablen Zeugnis mit nach hause brachte. Tante Petunia hatte den Brief gelesen und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

„Oh mein armer Dudders....“ hatte sie in ihrer penetrant kreischenden Stimme gerufen. „Diese dummen, dummen Lehrer erkennen einfach nicht, was für ein intelligenter und braver Junge du bist.“

„Yeah, Mum“, war das Einzige, was Dudley raus bekam.

„Du sollst immer Deine Mitschüler geärgert haben? Das ist nicht wahr, du bist doch so brav. Bestimmt hast du dich nur gewehrt. In solchen Internaten treibt sich auch immer ein Gesindel herum...“

‚Genau’, dachte Harry für sich. Dabei sah er, wie Dudley hinter dem Rücken seiner Mutter feixte und Harry die Zunge herausstreckte.

„Na ja, das mit den Zensuren in Englisch und Mathe liegt bestimmt daran, dass du in der Pubertät bist und dich zu einem richtigen Mann entwickelst“, sagte Tante Petunia und streichelte Dudley über den Bürstenhaarschnitt. Dudley lächelte sie schleimig von unten an.

„Und in Sport..., das kann ja keiner verlangen, dass ein Junge, der seit Monaten auf Diät ist, gute Noten in Sport nach hause bringt. Aber kuck, in Religion hast du eine 2. Ich wusste doch, dass du gute Seiten hast.!“

‚Mir wird gleich schlecht’, dachte Harry. „In Religion haben doch alle eine 2 bekommen...’

Harry hatte es nicht mehr ertragen können. Einerseits die Blindheit von Tante Petunia und andererseits diese freche Dreistigkeit von Dudley! Er hatte sich aus der Küche geschlichen und war in den Garten gegangen.

Sirius hatte ihm auch zum Geburtstag geschrieben. Sirius war der Pate von Harry. Er hatte jahrelang in dem Zaubereigefängnis Askarban gesessen, weil man ihn für einen Anhänger von Voldemort hielt und ihm vorwarf, dass er 12 Menschen getötet hatte. In Wirklichkeit war es Peter Pettigrew gewesen, der einer der treuesten Freunde von Voldemort war und Harrys Vater und seine Freunde an Voldemort verraten hatte. Pettigrew inszenierte den Mord, weil er damit von der Bildfläche verschwinden konnte. Er war ein Animagus, jemand, der sich in ein Tier verwandeln konnte und hatte sich als Ratte aus dem Staub gemacht. Zufälligerweise war Peter die Hausratte von Ron geworden und hatte vor 2 Jahren für eine Menge Aufregung gesorgt.

Sirius war vor 2 Jahren die Flucht aus Askarban gelungen und seitdem kämpften er und Professor Dumbledore, der Schulleiter von Hogwarts um seine Rehabilitation. Sirius hatte in dem Brief erzählt, dass er mit Dumbledore und Hagrid nach Beauxbatons gereist sei um mit Madame Maxime die Strategie zu besprechen, wie man die Riesen auf ihre Seite bekommen könne. Er hatte sich über das schöne Frankreich und die Provence ausgelassen und angekündigt, dass sie in kürze in die Karpaten aufbrechen wollten. Seit dem hatte Harry nichts von ihm gehört, war sich aber sicher, dass ihm in Professor Dumbledores Begleitung nichts passieren würde.

Harry stand auf und stellte sich an das Fenster. Unten sah er den zur Hälfte gemähten Rasen des Vorgartens. Die ganze Straße sah sehr gepflegt aus, halt wie eine typische spießige Vorortstraße. Nur in wenigen Vorgärten war der Rasen braun und vertrocknet, hinter den Häusern sah es schon ein wenig anders aus. Aber da waren hohe Hecken um die Gärten und der Nachbar konnte kaum sehen, wie es um den Zustand des Garten bestellt war.

Die Luft über dem Ligusterweg flimmerte in der Mittagshitze. Harry betrachtete stolz sein Werk. Erhatte den Garten und den Vorgarten in 8-wöchiger Kleinarbeit wieder auf Vordermann gebracht. Das Unkraut war fast ganz entfernt, er hatte gepflanzt und Sträucher entfernt, das Moos aus den Ritzen zwischen den Gehwegplatten entfernt, den Zaun weiß gestrichen und und und. Die Dursleys hatten zwar einen recht hohen Anspruch, und Tante Petunia gab sich auch viel Mühe, aber ein Gefühl für den Garten hatten sie alle nicht. Und da Onkel Vernon sich viel zu schade für die ‚Drecksarbeit’ war und Dudley zu faul, sah der Garten meist nicht sonderlich schön aus. Er erfüllte halt die Mindestbedingungen, ein kurzgeschorener Rasen und ein paar kümmerliche Blumenbeete und als einziges Highlight der Apfelbaum, der bestimmt schon 50 Jahre alt war und noch vom Vorbesitzer gepflanzt worden war. Wie oft war Harry auf den Baum geklettert, wenn er sich vor Dudleys Angriffen in Sicherheit bringen musste oder von den Hunden von Tante Margie gehetzt wurde.

‚Ich werde dann wohl hinunter gehen und weiter mähen...’ dachte er. Sein Blick schweifte hinüber zum Rosenbeet, das links und rechts von dem gepflasterten Weg zur Haustür angelegt war. Etwas erregte seine Aufmerksamkeit. Es hatte sich was bewegt. Er schaute genauer hin. Noch einmal bewegte sich etwas, unscheinbar, wie eine kleine Maus, aber es war keine Maus. Es war auch kein anderes kleines Tier, dafür war es zu unwirklich. Aber was war es? Harry schirmte seine Augen gegen die Sonne ab. Er konnte immer noch nichts genaues erkennen. ‚Meine Brille ist total versaut’ dachte er, nahm seine Brille ab und kramte in seiner Hosentasche nach einem Taschentuch. Er konnte nur ein gebrauchtes finden, aber das genügte, um die Gläser wieder einigermaßen sauber zu bekommen. Nachdem er die Brille wieder aufgesetzt hatte und noch mal auf die Stelle im Rosenbeet schaute, erstarrte er. Im Schatten einer Rose saß ein Gartengnom.

Im Garten der Weasleys hätte es ihn nicht im geringsten gewundert. In jedem anderen Garten hätte es ihn nicht gewundert. Aber das Grundstück der Dursleys war sofort nach Ende des letzten Schuljahres von Dumbledore mit einem Schutzzauber versehen worden und Harry hatte noch nie einen Gnom im Garten der Dursleys gesehen. Harry fröstelte. Was hatte das zu bedeuten? Kein magisches Wesen, das von Harry nicht akzeptiert wurde, konnte das Grundstück der Dursleys betreten ohne sich durch eine Reihe von Fallen und Sperren zu quälen. Dieser Schutz war eingerichtet worden, um Todesser oder gar Voldemort fern zu halten. Es war auch nicht möglich, irgend welche magischen Wesen oder Tiere auf Harry zu hetzen. Der Zauber wirkte wie ein Stromstoß, der stärker wurde, je mehr eine Bedrohung für Harry bestand. Gnome waren von Grund auf feige und hielten sich von Orten fern, die unangenehm für sie waren. Zwar stellten sie keine Bedrohung für Harry dar, aber sie mochten die leichte Spannung, die immer über dem Grund lag, nicht aushalten.

Insofern war es sehr verwunderlich, dass dieser Gnom völlig unbeteiligt im Garten saß und die Ruhe genoss. Harry verließ sein Zimmer und ging die Treppe hinunter. Er ging durch die Verandatür in den Garten und schlich sich um das Haus. Leise näherte er sich dem Gnom von hinten. Als der nur noch einen halben Meter vom ihm entfernt war, bückte er sich schnell und griff beherzt zu.

„Loslassen, loslassen!“ schrie der Gnom, der kaum größer war als Harrys Hand, mit feiner Fistelstimme und zappelte und wand sich, um sich aus Harrys festem Griff zu befreien.

„Was machst du hier?“ fragte Harry.

„Was ich hier mache? Ich sitze friedlich unter der Rose und dann kommst du und packst mich! Was soll das? Ich hab gar nichts gemacht!“ fiepste der Gnom.

„Hier gibt es sonst keine Gnome!“ sagte Harry leise, während er mit dem Gnom in der Hand in den Schatten des Hauses trat. „Du kannst nicht hier sein. Es gibt einen Zauber, der Wesen wie dich hier fernhält!“

„Gibt es nicht!“ rief der Gnom.

„Doch natürlich!“

„Nein, gibt es nicht mehr. Ist seit ein paar Tagen wieder offen!“

Der Gnom grinste frech.

„Wie? Ist wieder offen? Woher weißt du das?“ fragte Harry erstaunt.

„Piekst nicht mehr!“ piepste der Gnom und schien sich wirklich zu freuen.

„Weißt du, wie das gekommen ist?“

„Klar.“

„Und wie?“

„Sag ich nicht!“

„Warum?“

„Sag ich nicht! Lass mich los!“

Wieder begann der Gnom zu zappeln. Harry hob ihn hoch und schaute dem Gnom in sein hässliches, verschrumpeltes Gesichtchen. Der Gnom streckte ihm die Zunge heraus.

„Wirst du nie draufkommen!“ höhnte der Gnom und ließ ein leises Kichern hören.

„Warum bist du so frech zu mir?“ fragte Harry entrüstet.

„Weil du kein Muggel bist!“

„Das ist doch noch lange kein Grund...“

„Dochdochdoch! Muggel sehen uns nicht. Und Ihr packt uns immer uns schmeißt uns aus dem Garten raus. Meinst du, es macht Spaß, so weit zu fliegen?“

„Oh.“

„Nein, es macht keinen Spaß! Und drum sage ich dir auch nicht, dass ein großer Zauberer gekommen ist und den Schutz von eurem Garten genommen hat!“

„Ach, ein großer Zauberer?“ Harry begann neugierig zu werden.

„Ohohoh, Tug hat sich verplappert! Doofer Tug!“

„Tug heißt du also?“

„Ohohoh, Tug hat seinen Namen gesagt!“

Der Gnom war schier entsetzt. Harry wusste, dass Gnomen ziemlich dumme Wesen waren. Aber er hatte sich noch nie sonderlich mit ihnen befasst. Genauer gesagt, er wusste nichts über Gnomen, außer, dass sie die Gärten bevölkerten und, obwohl sie wussten, dass Zauberer ihre Gärten regelmäßig entgnomten, sie sich ausgerechnet und immer wieder in Zauberergärten niederließen. Offensichtlich fühlten sie sich von Magie angezogen, was für ein magisches Wesen ja auch kein Wunder war.

„Ok, Tug, ist ja nicht sonderlich schlimm, dass ich jetzt deinen Namen weiß. Ich heiße übrigens Harry!“

„Ich weiß, ich weiß. Harry Potter, weiß ich.“ Der Gnom verzog sein Gesicht in Falten, so dass es noch zerknautschter aussah. „Drum kam ja auch der große Zauberer!“

„Der kam wegen mir?“

„Jajaja!“

Wieder zappelte der Gnom und versuchte, aus Harrys Hand zu entwischen. Harry hielt ihn aber fest.

„Wer war der große Zauberer?“

„Weiß ich’s?“ antwortete der Gnom unwirsch.

„Ich glaube schon!“

„Nixweissich! Gaaaanix!“

„Oh doch. Und ich glaube, du wirst es mir jetzt sagen!“ Harry wurde langsam ärgerlich. „Sonst erzähle ich jedem Zauberer, dass in unserem Garten ein Gnom mit dem Namen Tug wohnt!“

„Ohneinohnein! Nur nicht erzählen! Sonst kann jeder Tug verzaubern!“

„Ach, und wenn die Zauberer deinen Namen nicht wissen, können sie das nicht?“

„Nein, ätsch!“

Langsam wurde Harry klar, was es mit den Gnomen auf sich hatte. Natürlich, Zauberer sprachen nie mit Gnomen. Man warf sie nur weg. So konnten sie auch nie ihre Namen herausfinden. Und auch nicht, dass man Gnomen offensichtlich nur verzaubern kann, wenn man ihre Namen wusste. Wie dumm dieser Gnom doch war, wenn er all diese Geheimnisse preisgab.

„Also Tug, jetzt sage mir bitte, welcher Zauberer es war.“

„Tug kennt seinen Namen nicht!“

„Dann beschreib ihn mir doch!“

„Der Zauberer hatte einen spitzen Hut!“

„Das hat jeder Zauberer! Wie sah er denn aus?“

„Groß! Alle Zauberer sind groß!“

„Ja, schon, aber unterschiedlich!“

„Nein alle Zauberer sind groß!“

„Was hatte er den sonst an?“

„Einen langen schwarzen Umhang!“

„Das haben auch alle Zauberer an. Du willst es mir nicht sagen, stimmt’s?“

„Wieso? Ich sage dir doch alles, was ich weiß!“

So ging das nicht weiter. Langsam waren Harrys Nerven gespannt wie Drahtseile. Der Gnom ging ihm auf die Nerven.

„Ich denke, ich werde doch allen Zauberern erzählen, dass...“

„Neinnein!“ unterbrach ihn Tug, „Ich sage doch alles was ich weiß!“ Tug schien den Tränen nahe zu sein. „Der Zauberer war groß und hatte einen schwarzen Umhang an. Und da war noch ein Zauberer. Der war auch groß“ sprudelte er hervor. Er schien wirklich Angst zu haben, dass Harry ihn verriet.

„Zwei Zauberer!?“

„Ja, und der Eine sagte immer ‚Lord’ zu dem anderen!“

Harry erschrak. ‚Lord’ wurde nur einer genannt, den er kannte. Das war der ‚dunkle Lord’, Lord Voldemort.

„Hieß der Andere vielleicht ‚Wurmschwanz?“ fragte Harry aufgeregt.

„Weiß nicht...der Erste hat kaum gesprochen. Der hat nur etwas gemurmelt. Und hat etwas verstreut.“

„Was hat der verstreut?“

„Weißes Pulver, um die Hecke. Und das hat geleuchtet!“

„Wann war das denn?“ fragte Harry und fühlte sich mit einem mal sehr unwohl.

„Zwei mal Tag und eine Nacht und noch eine halbe Nacht. Mehr weiß ich aber wirklich nicht.“

Harry ahnte, dass er nicht mehr aus dem Gnom herausbekommen würde. Gedankenverloren setzte er den Kleinen auf die Erde.

„Danke“ piepste es von unten.

„Äh, - was?“

„Danke, dass du mich nicht weggeworfen hast!“

„Äh, - ja!“

Harry wandte sich ab. Mit gesenktem Kopf und völlig in Gedanken ging er zur Veranda und ins Haus. Er bemerkte gar nicht, wie er die Treppe hinauf gekommen war, er fand sich plötzlich in seinem Zimmer und wusste keinen Rat. Wenn es stimmte, dass Voldemort es geschafft hatte, den Schutzzauber von Professor Dumbledore außer Kraft zu setzen, befand er sich in höchster Gefahr. Dann stand ein Angriff von Voldemort unmittelbar bevor. Vielleicht beobachtete der dunkle Lord das Haus um einen geeigneten Zeitpunkt heraus zu finden. Harry brauchte dringend Hilfe, aber wo sollte er diese herbekommen? Dumbledore Hagrid und Sirius waren wohl noch in den Karpaten, die Weasleys waren wohl noch nicht auf dem Weg nach Hause, und wie hätten sie ihm auch helfen können? Wie konnte er Hilfe holen? Hedwig war mit einem Brief unterwegs und es stand kaum zu erwarten, dass sie vor einer Woche ... Um Gottes Willen, wenn Voldemort gesehen hat, dass Harry einen Brief... dann hat er bestimmt Hedwig abgefangen... und weiß, dass keiner da ist...

Harry musste von hier verschwinden, so schnell wie möglich. Und so unauffällig wie möglich. Aber wo sollte er hin gehen. Zu Hermine? Nein, er konnte sie und ihre Eltern nicht mit hineinziehen. Sirius, Dumbledore und Hagrid kamen auch nicht in Frage, er wusste nicht wo er sie finden sollte. Er konnte auch keinen benachrichtigen, solange Hedwig nicht zurück war, wenn er sie jemals wiedersehen würde. Vielleicht sollte er auf gut Glück versuchen in den Fuchsbau zu kommen. Womöglich waren die Weasleys schon da, und wenn Hedwig abgefangen worden war, konnten sie keine Nachricht von ihm erhalten haben. Manchmal verfluchte er die Zaubererwelt, denn nichts wäre einfacher gewesen, als zum Telefonhörer zu greifen, und die Weasleys anzurufen, wenn sie ein Telefon hätten. Vater Weasley hatte zwar einen Telefonapparat, aber er hatte ihn nur vom Müll eingesammelt. Er sammelte ja Muggel-Artefacte, um sie zu studieren. Harry erinnerte sich noch gut daran, wie Ron ihn einmal angerufen hatte und in den Hörer gebrüllt hatte, weil er annahm, dass man am Telefon über diese Entfernung so laut sprechen musste.

Telefon... natürlich! Er konnte wenigstens versuchen Hermine anzurufen und sich mit ihr beraten. Nein! Sie brächte es fertig, sich vor lauter Eifer in Gefahr zu bringen. Er musste versuchen, zu den Weasleys zu gelangen, und das, noch bevor es dunkel würde. Und er musste aus dem Haus gelangen, ohne dass irgendjemand, nicht einmal Lord Voldemort ihn sehen konnte. Vielleicht... Flohpulver...Harry musste in den Kamin der Dursleys gelangen. Das hieß, er musste die Bretter entfernen und ein Feuer machen. Wenn er dann noch seinen Tarnumhang überzog, würde selbst ein mächtiger Zauberer nur einen Wirbel im Rauch sehen. Das war es.

Tante Petunia war mit Dudley einkaufen. Onkel Vernon war das Problem. Bestimmt saß er im Wohnzimmer und las Zeitung. Harry schaute aus dem Fenster. Von Onkel Vernon war nichts zu sehen. Leise öffnete er seine Zimmertür und schlich die Treppe hinunter. Er hörte nichts. Die Tür zum Wohnzimmer war angelehnt. Harry stupste sie leicht an und spähte durch den Spalt. Das Wohnzimmer war leer. Er schob die Tür weiter auf uns sah in das Zimmer. Aha, Onkel Vernon saß auf der Veranda, zum Glück mit dem Rücken zu der großen Glastür und las wirklich Zeitung.

Mit ein wenig Glück könnte es vielleicht klappen. Er würde aber dafür zaubern müssen. Es durfte kein Laut zu Onkel Vernon durchdringen. Aber seine Erfahrung sagte ihm, dass er bisher noch keine ernsthaften Schwierigkeiten bekommen hatte, wenn er in Notsituationen gegen das Jugendzaubergesetz verstoßen hatte. Gut, dass er den Stille-Zauber gelernt hatte.

Harry schlich die Treppe hinauf, in sein Zimmer und löste das lose Brett im Fußboden. Er holte seinen Koffer heraus und warf seine Sachen, die er in den Ferien ausgepackt hatte hinein. Schnell streifte er sich seinen Umhang über und stopfte seinen Tarnumhang in seine Tasche. E nahm den Koffer, der inzwischen durch die Bücher ein beträchtliches Gewicht angenommen hatte und den leeren Käfig von Hedwig und schlich die Treppe wieder hinunter. Im Wohnzimmer angelangt, stellte er den Koffer und den Käfig neben den Kamin und rückte das elektrische Kaminfeuer beiseite. Dann holte er den Zauberstab heraus, schwang ihn durch die Luft und murmelte „Silens Camere“. Augenblicklich herrschte betäubende Stille im Raum.

‚Hoffentlich klappt es jetzt’, dachte Harry. Er richtete den Zauberstab auf das oberste Brett, mit dem der Kamin zugenagelt war und murmelte „Accio Brett“. Fast entgegen seiner Erwartung wurde das Brett herausgerissen und landete in seiner Hand. Es hatte offensichtlich genügt, dass er den Spruch gemurmelt hat, obwohl kein Laut aus seinem Mund gekommen war. ‚Das geht ja einfacher, als ich gedacht hätte’ freute sich Harry. Schnell hatte er die anderen Bretter gelöst und mit „Dividus“ zerkleinert. Er zerknüllte eine Zeitung, die er aus dem Ständer neben dem Kamin genommen hatte und stapelte das Holz darüber. „Incendio“ murmelte er, indem er mit dem Zauberstab auf das Holz deutete und eine kleine Flamme flackerte auf. ‚So, jetzt kann ich die Stille wieder aufheben.’ dachte Harry, schwang seinen Zauberstab und sagte „Finis Silens“.

Auf einmal war der Raum erfüllt mit dem Splittern von Holz, dem Kreischen der Nägel, die aus dem Holz gerissen wurden und dem Gemurmel von Harry „Accio Holz... Accio... Dividus... Incendio“. Nur dass diese Geräusche übernatürlich laut von den Wänden hallten als würden sie sich freuen, aus dem Gefängnis der Stille auszubrechen. Damit hatte Harry nicht gerechnet. Onkel Vernon schreckte hoch. Er sprang auf und starrte durch die Verandatür in das Wohnzimmer. Im gleichen Augenblick stieß Tante Petunia die Tür auf und kreischte „Harry, was treibst du da?!“ Harry hatte keine Zeit mehr, sich zu erschrecken. Schnell griff er in seine Tasche, holte die Dose mit Flohpulver heraus, öffnete sie und warf eine Priese in das Feuer. Es loderte sofort grün auf. Gleich holte er seinen Tarnumhang heraus und warf ihn sich über den Kopf.

„Accio Koffer, accio Käfig“ rief er und die beiden Gegenstände flogen in seine Hände. Mit einem Sprung war er im Feuer und rief „Zum Fuchsbau!“

Während er wie ein Wirbelwind durch den Kamin gesaugt wurde, konnte er gerade noch das Brüllen von Onkel Vernon, das hysterische Gekreische von Tante Petunia und das feige Wimmern von Dudley hören. Dann war um ihn her nur noch ein Sausen und Wirbeln.

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