FST-Reunion 2002 in Geiselhöring

16 Personen hatten dieses Jahr den Weg zur Reunion nach Geiselhöring (in der Nähe von Regensburg) gefunden, unter ihnen Kenan Osborne als Gast aus Berkeley. Interessanterweise hatte sich in diesem Jahr der Personenkreis gegenüber unserem letzten Treffen stark verändert, die meisten waren zum ersten Mal da oder nach einer Pause wieder. Der Zeitpunkt für unser Treffen war offensichtlich sehr günstig gewählt, da genau von Freitag Nachmittag bis Sonntag Vormittag das schlechte Wetter eine Pause einlegte und stattdessen strahlender Sonnenschein auf uns wartete.

Wie immer gab es viel zu reden, viel zu essen und viel zu trinken. Der Freitag stand ganz im Zeichen der Anreise, der Ankunft und des ersten Austausches. Am Samstag wurde ausgiebig gebruncht, wobei besonders Michael die bayrischen Weißwürste zusagten. Gegen Mittag fuhren wir nach Regensburg um uns die Stadt anzusehen und das schöne Wetter zu genießen.

Der eigentlich theologische Teil, den wir ja in diesem Jahr erstmals ein wenig betonen wollten, fand dann am Nachmittag statt. Zunächst referierte Kenan, dann diskutierten wir gemeinsam  über die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche in den USA. Der Skandal um die pädophile Priester ist wirklich tragisch und ihre Verfehlungen seien schlimm, doch das eigentliche, längerfristige Problem ergibt sich aus den daraus resultierenden Konsequenzen für die kirchlichen Autorität. Zum einen erhielten die Schwächsten in dieser Situation, die Opfer, lange Zeit zu wenig Aufmerksamkeit und Beachtung. Zum anderen wussten die amerikanischen Bischöfe um die pädophilen Neigungen und Praktiken einiger Priester, verschweigen diese aber der Öffentlichkeit gegenüber lange Zeit und verspielten damit ihre moralische Glaubwürdigkeit. Wer will von jemandem moralische Gebote annehmen, die dieser selbst nicht befolgt? Momentan sei die Situation davon gekennzeichnet, dass deswegen auch die bischöflichen Aussagen zu anderen brennenden Themen (z.B. den Kriegsplänen im Nahen Osten) kaum noch Beachtung finden. Dieser verloren gegangene Kredit sei nur sehr schwer zurückgewinnen. Neue Wege müssten hierfür gegangen werden. Die verstärkten Bemühungen von Laien, auch ihrer Stimme Gehör zu schaffen, müssen überdacht und unterstützt werden. Es ist dringend nötig, ihre Bedeutung wie auch die Stimme der „einfachen“ Priester in der katholischen Kirche zu überdenken und aufzugreifen, z.B. in der Frage, wie Bischöfe ernannt werden. Dies sei jedoch, so Kenan, nur über eine Entwicklung der gegenwärtigen Theologie möglich.

Am Samstag Abend wurde dann gegrillt und wir saßen lange zusammen und redeten. Am Sonntag morgen gab es noch einmal ein ausführliches Brunch und eine FST-Liturgie in bekannter Form. Kenan betonte in seiner Predigt, dass es für jeden Christen Dinge geben muss, die für ihn ‘nicht verhandelbar’ sein dürfen, da sie zum Herzen des Christentums gehören, z.B. die Zuwendung für Arme, Kranke, Drogenabhängige oder sonstige Gruppierungen, die oftmals übersehen und in der Seelsorge vernachlässigt werden. Nach dem Gottesdienst brachen die meisten auf und machten sich auf den Heimweg.

Die Reunion hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich bereits auf das nächste Jahr. Michael Mann hat sich bereits erklärt, sich für das erste Augustwochenende 2003 nach einem Haus in oder bei Bonn umzusehen und die nächste Reunion zu organisieren. Wir haben ausgemacht, uns wieder von Freitag bis Sonntag zu treffen, weil Samstag/Sonntag für viele aufgrund der langen Anreise zu knapp sein dürfte.

Bedanken müssen wir uns auf jeden Fall noch einmal bei Kenan Osborne und der FST, die wieder einmal sehr, sehr großzügig war und uns auch finanziell kräftig unterstützten.

Alexander

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