Drei Punkte zum Studium an der FST in Berkeley, Kalifornien

Die FST

Die GTU

Die Stadt Berkeley

I. Die FST



Festlich geschmückte Tafel für eine der offiziellen Parties an der FST im Schulgebäude.
Im Hintergrund sieht man die Flügeltür zur hauseigenen Küche.

Die FST habe ich als eine sehr gastfreundliche Schule erlebt. Ich wurde vom Flughafen abgeholt, der Koordinator für die Studierenden, Dale Gilson, hatte mir ein günstiges Wohnheimzimmer besorgt, und es gab eine Orientierungswoche. Bei allen Problemen gab es Leute, die mir hilfreich und freundlich zur Seite standen. Und Probleme gab es für mich genug, wie diverse Reibereien mit dem Bafögamt und mit anderen Formalitäten des Auslandsaufenthalts, wie z.B. das Besorgen einer Social Security Number, um die Möglichkeit zu erhalten, auf dem Uni-Campus zu arbeiten, was für Ausländer mit Studentenvisa möglich ist. Ansonsten ist legale Arbeit nur mit der berühmten Greencard möglich.

Das Verhältnis zum Staff, den Hauptamtlichen an der FST, hat sich über das Jahr als sehr gut gestaltet. Ein vertrautes Verhältnis zu den Professoren und Professorinnen gehörte wie selbstverständlich dazu. Zudem gab es diverse Schulveranstaltungen und Feiern (Semerstereröffnung, Semesterabschluß, Weihnachtsfeier, u.a.), die gut vorbereitet waren und intensiv gefeiert wurden. Die FST ist für diese Art von Festlichkeiten bekannt. Auch die Gastfreundschaft der FST ist berühmt an der GTU. So hatten etwas alle deutschen Studies dort (es gab 6!) des öfteren Besuch von Deutschland, der immer herzliche Aufnahme fand.

Das liegt sicher zum einen daran, dass die Schule um ihre Studentenschaft intensiv werben muss und insbesondere die Deutschen viel Geld einbringen, zum anderen auch an der kalifornischen Höflichkeit und Unkompliziertheit. Aber es ging über das übliche Maß hinaus und ist sicher eine der Stärken der FST.

Eine weitere Stärke liegt in der Internationalität dieser Schule. Ungefähr ein drittel der Studentschaft (insgesamt ca. 100) waren aus dem Ausland. Die meisten aus lateinamerikanischen Ländern, aber auch aus Kanada, Deutschland, Afrika und Asien. Ich hatte Kurse in denen Leute aus den verschiedensten Ländern repräsentiert waren.

Ein weiterer Schwerpunkt der Schule liegt in seiner praktischen und pastoralen Ausrichtung. Für mich eine willkommene Ergänzung zum Studium in Münster. Selbst Dogmatik wurde sehr praktisch behandelt. In Christologie bei Kenan Osborne, einem Schüler von Karl Rahner, etwa hatten die Perspektiven lateinamerikanischer Befreiungstheolgie einen breiten Raum. Außerdem war die Dimension persönlicher Glaubenserfahrung und der Bedeutung der Überlieferung für die Gegenwart oft ein zentrales Anliegen der dortigen Theologie. So wurde etwa Ethik zumeist an Praxisbeispielen erörtert. Ich hatte einen Kurs bei Richard Gula, dem Fachmann für die kath. Kirche in den USA für die Euthanasie und Sterbehilfedebatte, die ja auch bei uns zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ein weiteres Anliegen der FST ist die Vorbereitung der Studies auf die Arbeitswelt. So gab es eine Karriereberatung an der Schule, Angebote zu Praktika und Stellenausschreibungen hingen am schwarzen Brett aus. Dadurch lässt sich auch der vornehmlich pastorale Ansatz der Schule erklären.


 

II. Die GTU (Graduate Theological Union)



Die Skizze zeigt den GTU Campus, an den sich im Süden der UC Berkeley Campus anschließt. Die PLTS liegt etwas weiter östlich am Berghang, die SFTS in San Francisco und die ABSW Richtung Oakland.

Die GTU ist eine private Universität, deren Campus sich direkt neben der University of California, Berkeley, (Cal) befindet. Theologie wird in den USA nur an privaten Universitäten gelehrt. Es gibt aber Verträge mit der Cal, so dass die umfangreiche Bibliothek der Cal (mehr als 1.000.000 Bände) auch von GTU Studierenden genutzt werden kann.

Bedingung für die Aufnahme an den Mitgliedsschulen der GTU ist ein akademischer Grad - im allgemeinen ein Bacholer Degree oder das Vordiplom. Das Studium des Master Artium dauert zwei Jahre, das des Master of Divinity - die Voraussetzung für ein pastorales Amt - meistens drei Jahre. Während eines Semesters müssen zwischen 9 und 12 credits belegt werden, was etwas 4 Kursen entspricht. Credits werden entsprechend dem Studienaufwand für einen Kurs vergeben. Auch für Praktika gibt es credits. Die Kurse entsprechen in etwa unseren Seminaren. Es gibt aber auch so etwas wie Seminarvorlesungen, d.h. Vorlesungen, die mit einer Klausur oder Hausarbeit abschließen. Die Hausarbeiten werden noch innerhalb des Semesters geschrieben. Während der Semesterferien wird meistens gejobbt. In den Sommersemesterferien (Mitte April bis Mitte August) fahren die meisten Studierenden nach Hause. Viele Studierende haben bereits die erste Karriere hinter sich und können so ihr Studium finanzieren. Andere werden von ihren Gemeinden unterstützt, erhalten Stipendien oder beziehen Lawns, festverzinsliche Kredite für Studierende.

An der GTU werden neben den Graduates auch Doctoral Students ausgebildet, die zumeist ein PHD (Doktor der Philosophie) machen. Ein solches Programm dauert meistens zwischen 4 und 7 Jahren, ist also umfangreicher als bei uns, was daran liegt, dass hier einiges nachgeholt wird, was bei uns bereits im Diplomstudiengang vorhanden ist, wie Sprachstudien (je nach Bereich der Promotion alte Sprachen, auf jeden Fall aber eine zusätzliche neue Sprache, meistens deutsch oder französisch) und Seminare in den verschiedensten theologischen Bereichen. Mit der Doktorarbeit selbst wird dann erst nach zwei Jahren des PHD-Studiums begonnen.

Zur GTU gehören 9 Mitgliederschulen, dazu diverse Institute. Die Mitgliederschulen sind im Einzelnen:

- Drei kath. Ordenshochschulen: die FST, die Schule an der ich studiert habe mit einem stark pastoralen und mulitikulturellen Schwerpunkt, die JSTB mit einem stark philosophischen und politischen Ansatz und die DSPT mit einem dogmatischen-konservativen Schwerpunkt.

- Die PLTS (Pacific Lutheran Theoligical Seminary), die Schule der Lutheraner

- Die CDSP (Church Divinity School of the Pacific), die Schule der US-Amerikanischen Anglikaner, i.e. eine Abspaltung der englischen Kirche

- Die ABSW (American Baptist Seminary of the West), die Schule der Baptisten, mit einer starken Orientierung bezüglich der African-Americans

- Die SKSM (Starr King School for the Ministry), die Schule der Unitarian Universalist Church, die es - soweit ich weiß - nur in den USA und in Transsilvanien gibt. Diese Kirchengemeinschaft ging aus dem Calvinismus hervor und ist in den USA eine Gemeinschaft, die die verschiedensten Glaubensbekenntnisse in sich vereinigt - wie auch Buddhismus, Hinduismus usw.

- Die PSR (Pacific School of Religion) bildet Theologen/innen verschiedener protestantischet Konfessionen aus (meist für die Disciples of Christ und die United Church of Christ)

- Die SFTS (San Francisco Theological Seminary), eine Schule mit einem mehr religionsphilosophischen Ansatz in San Francisco

Dazu kommen dann mehrere Institute: The Center for the Arts, Religion, and Education (CARE), The Center for Ethics and Social Policy (CESP), The Richard S. Dinner Center for Jewish Studies (CJS), Center for the Study of Religion & Culture (CSRC), The Center for Theology and the Natural Sciences (CTNS), The Center for Women and Religion (CWR), The Institute of Buddhist Studies (IBS), New College Berkeley (NCB), The Pacific and Asian American Center for Theology and Strategies (PACTS), The Patriarch Athenagoras Orthodox Institute (PAOI), The School of Applied Theology (SAT). Eine Schule zum Islam befindet sich im Aufbau. Es gibt bereits mehrere von Moslems geleitete Kurse zu islamischen Themengebieten.

Als Student der GTU hat man die Möglichkeit Klassen an den verschiedenen Schulen und Instituten zu belegen. Zudem lässt sich auch eine Klasse pro Semester an der University of California, Berkeley, belegen. Allerdings müssen meistens die Hälfte oder gar zwei Drittel der Kurse an der Schule belegt werden, an der man eingeschrieben ist. Das gilt nicht für Special Students, was mein Status gewesen ist, da ich in keinem Degree Program gewesen bin, und auch nicht für Doctoral Students, da sich diese nicht an einer Mitgliedsschule einschreiben müssen, sondern direkt an der GTU eingeschrieben sind, was für MA Students nicht möglich ist.

Dadurch ergibt sich also eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Den 1500 Studierenden der GTU stehen in etwa 150 Professoren und Professorinnen gegenüber mit weit über 200 verschieden Kursen. Dadurch ergibt sich eine intensive Betreuung und ein gutes Verhältnis zum Lehrkörper.

III. Die Stadt Berkeley


Das Foto zeigt Berkeley und die Bayarea. Schwach im Hintertergrund ist Alcatras zu sehen und dahinter
befindet sich (hier leider nicht mehr erkennbar) die Golden Gate Bridge. Links im Hintergrund, jenseits
der Oakland Bay Bridge befindet sich San Francisco. Oakland ist demgemäß im linken Bereich angesiedelt
und Berkeley im mittleren und rechten Vordergrund. Der GTU Campus ist unterhalb der großen
Gebäudekomplexe, die mit zu University of California, Berkeley, gehören, angesiedelt.

Meine Vorstellungen von Berkeley waren geprägt durch die 68iger und das, was ich davon gehört hatte über Studentenproteste und Anti-Vietnam-Movement. Ich dachte, in Berkeley pulsiert das Leben, dass die Leute sozial- u. gesellschaftskritisch sind, dass die Atmosphäre politisiert ist und ein breites Maß an Freiheit herrscht: „Make sex not war!" usw. Entsprechendes habe ich auch - wenn auch in abgewandelter Form - von den theologischen Schulen Berkeleys erwartet.

Diese Erwartungen sind zum Teil bestätigt und teilweise enttäuscht worden. Amerika der 60iger Jahre ist nun mal anders als Amerika der 90iger Jahre. Ich bin noch ein paar Alt-68igern begegnet. Die waren entweder im Kneipen- o. Imbissbusiness oder hatten den Anschluss an die Gesellschaft verpasst und lagen irgendwo auf der Straße herum. Einfluss auf die Gegenwart hatten sie jedenfalls nicht mehr. Da überkam mich eher ein Gefühl von Nostalgie.

Berkeley ist in dem Sinne ruhiger geworden. Es gibt noch immer eine gewisse politische und soziale Sensibilität, aber sicher nicht mehr so, wie es einmal war. Diese Sensibilität äußert sich darin, dass die Stadt Berkeley etwa eine der wenigen Städte war, die sich entgegen der öffentlichen Meinung in den USA-Medien gegen eine Irakinvasion zur Zeit der letzten Golfkrise ausgesprochen haben. Zudem wird der Tragik des fortschreitenden Sozialabbaus mehr Widerstand entgegengesetzt als in anderen US Städten. Aber von einer politisierten Studentenschaft war nichts mehr zu spüren. Diese ist weitgehend unpolitisch und an sozialen Fragen nicht interessiert.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, weshalb das so ist. Ich denke, das liegt an folgenden Gründen:
- die hohen Studiengebühren ($7100 an der GTU, $2000 an der University of California, Berkeley, (Cal) für Kalifornier und $7000 für Nicht-Kalifornier, da die Cal eine öffentliche Universität ist) zwingen zu einem schnellen Studienverlauf
- viel Zeit muss aufgewandt werden, um durch Jobs Geld zu verdienen
- die Studienverläufe sind im Vergleich zu Deutschland kurz: 4 Jahre für einen Bachelor und zwei Jahre für einen Master Artium
- die gesellschaftliche Maxime „Jeder ist seines Glückes Schmied" hat sich auf für die Studentenschaft durchgesetzt
- die vornehmlich aus der Oberschicht und oberen Mittelschicht stammenden Studierenden sind nicht an einem politischen oder sozialen Gesellschaftswandel interessiert
- es gibt eine weitgehende Politikverdrossenheit, u.a. genährt auch durch das US-Amerikanische System, das Einflussnahme von der Basis ausgehend kaum möglich macht. Zudem sind politische Strukturen in der Studentenschaft als Antwort auf die 68iger erschwert worden
- der hohe Druck, beste Noten zu erhalten, um Stipendien zu bekommen oder die Chance zur erhalten zu promovieren
- es gibt viele ausländische Studierende, diesen ist aber jede Beteiligung an politischer Arbeit oder an politischen Protesten per Visa-Verordnung untersagt

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