Zusammenfassung:
Was tun ohne Adresse? Jede Eigeninitiative bleibt erfolglos. Selbst eine Telefonnummer hilft nicht weiter.
Im Grunde ging das Abenteuer schon zu Hause los. Es erwies sich als schwierig (fast unmöglich), überhaupt mit der Università di Catania in Kontakt zu
treten. Weder das Akademischen Auslandsamt (AAA) noch der betreuende Professor (bzw. seine Mitarbeiterin) in Paderborn verfügten über eine gültige
Adresse der für mich offiziell zuständigen Stelle in Sizilien, dem "Ufficio relazioni internazionali" (U.R.I.), das italienische Äquivalent des AAA. (Was dieses
"offiziell" wert ist, das habe ich dann ja später vor Ort sehr schnell erfahren: nichts. Aber dazu nachher mehr.)
Da ich auch nach mehreren Monaten keinen
Begrüßungsbrief o.ä., bekam, wie er umgekehrt für Studenten, die nach Paderborn kommen, üblich ist, wurde ich doch etwas nervös. Sollte der Brief
mit meinen Daten etwa gar nicht in Catania angekommen sein? Ich mußte doch unbedingt meine Ankunft ankündigen, um für die Zeit meines Aufenthaltes ein Zimmer
im Studentenwohnheim zu bekommen! Meine beiden Briefe, die ich zu diesem Zweck sowohl an die alte als auch inzwischen in Erfahrung gebrachte neue Adresse geschickt hatte,
blieben ohne Antwort. Der betreuende Professor in Catania, der auf Anfrage dafür sorgte, daß ich immerhin schon die neue Adresse sowie ein Vorlesungsverzeichnis vom
letzten Jahr bekam, verwies mich ansonsten aufs U.R.I..
Da auf postalischem Wege nichts zu machen war, mußte ich es telefonisch versuchen. Doch bei der inzwischen nicht mehr
gültigen Telefonnummer meldete sich nur eine Frau, die sagte, daß das U.R.I. jetzt umgezogen sei, sie aber nicht die neue Telefonnummer habe. Eine Suche auf den
Internetseiten der Universiät von Catania blieb ebenfalls erfolglos. Schließlich wurde ich dann doch noch fündig: Die internationale Telefonauskunft gab mir die
allgemeine Telefonnummer der Uni und am anderen Ende der Leitung konnte man mir diesmal weiterhelfen. Jetzt hatte ich sowohl eine neue Telefon- als auch Faxnummer. Also schickte
ich den Brief, der übrigens dank der Hilfe von einigen italienischen Esperantofreunden in lupenreinem Italienisch verfaßt war, nochmal an die neue Faxnummer (an die alte
war er schon lange vorher gesandt worden). Selbstverständlich rief ich jetzt auch an. Das Gespräch lief dann folgendermaßen ab: Ich sagte, daß ich
Ausländer sei und u.a. wissen wollte, wann der italienische Sprachkurs für die Erasmusstudenten beginne. Sofort wurde ich unterbrochen und man antwortete mir
"JadaswissenwirjetztauchnochnichtwirsagenIhnenBescheidwenndasDatumstehtklick" (aufgelegt). Meinen Namen hatte ich noch gar nicht genannt - man wollte mich
ganz offensichtlich abwimmeln.
So kam es, daß ich am 14. September 1999 praktisch ohne irgendwelche Informationen eine Reise ins Blaue antrat, nur mit der Adresse des U.R.I. ausgestattet. Ich konnte mich natürlich nicht darauf einstellen, was mich dort unten erwarten würde und ich wußte nicht, was ich besonders brauchen würde und deswegen unbedingt mitnehmen sollte. Die erste Prüfung zur Eignung für dieses Jahr hatte ich da aber bereits durch meinem Aufbruch bestanden: Ich hatte genügend Abenteuergeist bewiesen, um dort unten zu überleben!