Zusammenfassung:
Fremdsprachenkenntnisse helfen doch weiter. Auch Chaos ist berechenbar. Idioten gibt es überall, sogar in sonnigen Ländern. Manche Leute verstehen es, sich unsympathisch zu machen.
Im Gespraech mit Studenten machte ich mit meinen Italienischkenntnissen
immer einen sehr guten Eindruck und erntete Lob von allen Seiten, auch wenn
es noch weit davon entfernt ist, ueber mehrere Saetze hinweg fluessig und
fehlerfrei zu sein. Hier ist man sich schon bewusst darueber, dass
Italienisch fuer einen Deutschen eine relativ schwere Sprache sein muss, was
oft daran liegt, dass die umgekehrte Erfahrung gemacht wurde. Ich wirke
wohl auch ungewohnt hoeflich fuer einen Deutschen (bin mehrmals fuer einen
Englaender gehalten worden). Interesse an der italienischen Sprache zu
zeigen und zu versuchen, sie zu sprechen heisst fuer viele Sizilianer auch,
an ihnen und ihrer Kultur Interesse zu haben und sie kennenlernen zu wollen.
Umgekehrt fuehrt dies dazu, dass auch alle ein wenig Deutsch lernen wollen
(ich habe ihnen erst einmal "Moin!" und "Hau wech!" versucht beizubringen).
Oder es werden zu einem frueheren Zeitpunkt erlernte Woerter ausgegraben,
wobei es sich angenehmerweise nicht um die ueblichen Schimpfwoerter handelt,
sondern um Saetze wie "Guten Tag!", "Wie geht's?" etc..
Mehr als eine Fremdsprache zu kennen, macht einen unglaublich gebildeten
Eindruck. Mit meinem Englisch und dem Franzoesisch, dass ich noch kann,
wirke ich wie ein Weltenbummler. Als ich auf der Treppe an der Bar einen
Brief auf Esperanto schrieb, schauten mir nach wenigen Minuten mehrere
Personen, u.a. der Wirt, ueber die Schulter, und wir kamen ins Gespraech
ueber Esperanto. Meine Vorgehensweise, das Interesse auf dieses Thema zu
lenken, hatte also geklappt! Bis auf eine Person, die ungefaehr wusste, was
es ist, hat noch nie jemand von Esperanto gehoert. Allerdings ist man dieser
auf den ersten Blick exotischen und etwas verrueckten Idee sehr positiv und
aufgeschlossen gegenueber eingestellt. Ich werde also nicht als Spinner
oder so angesehen, sondern respektiert. Das Esperantoalphabet haben sich
schon mehrere Leute spasseshalber angesehen.
Nur ein Mann etwa Mitte fuenfzig reagierte sehr fanatisch: In sehr schlecht
zu verstehendem Englisch und noch undeutlicherem Italienisch teilte er mir
sehr aufgebracht mit, das sei ein gescheitertes Projekt, schliesslich sei
Englisch die internationale Verkehrssprache. Ausserdem seien wir Deutschen
doch sowieso dafuer verantwortlich, dass Englisch ueberall regiere. Erst
haetten wir zwei Weltkriege begonnen und dann, als Krieg nicht mehr
moeglich war, die EU gegruendet, um die anderen Laender unter unsere
Herrschaft zu bekommen etc.. Dieser Mann wirkte auf die anderen sehr
unhoeflich, hatte er doch grundlos den netten Deutschen beschimpft.
Abschreckend wirkte auf mich ausserdem eine Begegnung mit einem
Niederlaender, der - schon fast typisch - sofort mit fliessendem Englisch
begann, anstatt Italienisch zu reden, obwohl ich meinerseits auf Italienisch
begonnen hatte und er wusste, dass ich aus dem ihm bekannten grenznahen
Muenster kam.