Auslandsstudium in Catania (Sizilien)


Überblick -> Catania (Sizilien) -> Erste Eindrücke, Teil 3

wissen2.txt (Dienstag, 28. September 1999)

Zusammenfassung:
Fremdsprachenkenntnisse helfen doch weiter. Auch Chaos ist berechenbar. Idioten gibt es überall, sogar in sonnigen Ländern. Manche Leute verstehen es, sich unsympathisch zu machen.

Im Gespraech mit Studenten machte ich mit meinen Italienischkenntnissen immer einen sehr guten Eindruck und erntete Lob von allen Seiten, auch wenn es noch weit davon entfernt ist, ueber mehrere Saetze hinweg fluessig und fehlerfrei zu sein. Hier ist man sich schon bewusst darueber, dass Italienisch fuer einen Deutschen eine relativ schwere Sprache sein muss, was oft daran liegt, dass die umgekehrte Erfahrung gemacht wurde. Ich wirke wohl auch ungewohnt hoeflich fuer einen Deutschen (bin mehrmals fuer einen Englaender gehalten worden). Interesse an der italienischen Sprache zu zeigen und zu versuchen, sie zu sprechen heisst fuer viele Sizilianer auch, an ihnen und ihrer Kultur Interesse zu haben und sie kennenlernen zu wollen. Umgekehrt fuehrt dies dazu, dass auch alle ein wenig Deutsch lernen wollen (ich habe ihnen erst einmal "Moin!" und "Hau wech!" versucht beizubringen). Oder es werden zu einem frueheren Zeitpunkt erlernte Woerter ausgegraben, wobei es sich angenehmerweise nicht um die ueblichen Schimpfwoerter handelt, sondern um Saetze wie "Guten Tag!", "Wie geht's?" etc..

Mehr als eine Fremdsprache zu kennen, macht einen unglaublich gebildeten Eindruck. Mit meinem Englisch und dem Franzoesisch, dass ich noch kann, wirke ich wie ein Weltenbummler. Als ich auf der Treppe an der Bar einen Brief auf Esperanto schrieb, schauten mir nach wenigen Minuten mehrere Personen, u.a. der Wirt, ueber die Schulter, und wir kamen ins Gespraech ueber Esperanto. Meine Vorgehensweise, das Interesse auf dieses Thema zu lenken, hatte also geklappt! Bis auf eine Person, die ungefaehr wusste, was es ist, hat noch nie jemand von Esperanto gehoert. Allerdings ist man dieser auf den ersten Blick exotischen und etwas verrueckten Idee sehr positiv und aufgeschlossen gegenueber eingestellt. Ich werde also nicht als Spinner oder so angesehen, sondern respektiert. Das Esperantoalphabet haben sich schon mehrere Leute spasseshalber angesehen.

Nur ein Mann etwa Mitte fuenfzig reagierte sehr fanatisch: In sehr schlecht zu verstehendem Englisch und noch undeutlicherem Italienisch teilte er mir sehr aufgebracht mit, das sei ein gescheitertes Projekt, schliesslich sei Englisch die internationale Verkehrssprache. Ausserdem seien wir Deutschen doch sowieso dafuer verantwortlich, dass Englisch ueberall regiere. Erst haetten wir zwei Weltkriege begonnen und dann, als Krieg nicht mehr moeglich war, die EU gegruendet, um die anderen Laender unter unsere Herrschaft zu bekommen etc.. Dieser Mann wirkte auf die anderen sehr unhoeflich, hatte er doch grundlos den netten Deutschen beschimpft.

Abschreckend wirkte auf mich ausserdem eine Begegnung mit einem Niederlaender, der - schon fast typisch - sofort mit fliessendem Englisch begann, anstatt Italienisch zu reden, obwohl ich meinerseits auf Italienisch begonnen hatte und er wusste, dass ich aus dem ihm bekannten grenznahen Muenster kam.


letzte Änderungen: 2003-09-18 (ISO 8601).
Kontakt: siehe Hauptseitedes Berichtes.