STUDIENFAHRT


Die für die Oberstufe obligatorische Studienfahrt findet am Kant in der Jgst. 12 statt, gleich zu Beginn des Schuljahres nach den Sommerferien. Die Fahrt machen immer die Tutorenkurse. Aus der bisherigen Praxis lässt sich folgende Feststellung machen:

Die Englischkurse fahren mit schöner Regelmäßigkeit zu Sprachstudien nach London, die Französischkurse nach Paris. Die Biologiekurse zeigen ein breites Spektrum der Studienziele von der Carmargue bis Helgoland. Die Kunstkurse machen ihre Erfahrungen in Italien. Die Mathematikkurse führen ihre Studien nach München oder nach Pisa. Die Deutschkurse reisen nach Prag zu Kafka, die Italienischkurse nach Florenz. Geographiekurse gelangten mit der Bahn bis nach Neapel. .EinzelneFahrtbeschreibungen finden sich in den verschiedenen Schulschriften.


Studienfahrten Jgst. 12

AVIGNON, PRAG, LONDON...
(Martin Kerkmann)

da fällt Berlin schon etwas aus der Reihe. Während man mit den ersten Städten etwa architektonische Schönheit, ausgedehnte Einkaufsbummel und lebendiges Nachtleben verbindet, wirkte unser Kursfahrt-Reiseziel nach Schlagzeilen über Autonomenkrawalle und Russenmafia nicht so einladend. Als zusammengeschrumpfter Teil des sowieso schon kleinen Physik-Leistungskurses mögen wir unter der Schirmherrschaft von Herrn Tüllmann und Frau Leimbach-Lippert beim ein oder anderen Hauptstadtbewohner als kinderreiche Familie durchgegangen sein. Eine Woche Berlin, das bedeutete volles Programm. Und das nicht etwa, um den Begriff "Studienfahrt" zu rechtfertigen, sondern weil es soviel gab, was sich zu entdecken lohnte. Die bewegte Geschichte der lange Zeit geteilten Stadt fand breiten Raum, eine NS-Gedenkstätte, das Konzentrationslager Sachsenhausen, den Cecilienhof, die Museumsinsel und auch die üblichen Postkartenmotive haben wir besucht.

Natürlich waren wir Physiker besonders Feuer und Flamme beim Besuch des Museums für Verkehr und Technik, der Bundesanstalt für Materialprüfung (die verteilen z.B. das BMA-Prüfsiegel auf Knallfröschen und Zisselmännern) oder der Internationalen Funkausstellung. Diese führende Messe der Audio-, Video- und Fernsehtechnik präsentierte innovative Entwicklungen wie terrestrisches Digitalradio oder dreidimensionales Fernsehen, und von der ZDF-Volksmusik bis zur ARD-Aktuell war alles live vertreten, was einem auf dem Bildschirm entgegenflimmert. Der grösste Teil unserer Gruppe ließ sich dieses Event nicht entgehen und eine ganze Menge kosten. Wer danach noch Geld übrig hatte und richtig hauptstädtisch einkaufen wollte, wurde schwer enttäuscht. Die beiden großen, in dem Reiseführer "Berlin für junge Leute" angepriesenen Spezialkaufhäuser "Virgin Mega Store" und "fnac" entpuppten sich als menschenleergefegte, mit Papier ausgekleisterte Objekte, die wieder Mieter suchen. Ein Technikladen, für den in jeder U-Bahn geworben wurde, hatte nur Wühltische mit Baumarkt-Ramschware. 

Das berühmte KaDeWe befand sich im Umbau, kaum jemand wagte es, sich in dieser Baustelle zu verirren. Zum Glück hatte Berlin genug Kneipen und Cafés unterschiedlichster Couleur zu bieten, in denen sich unsere trotz BVB-Netzkarte meist müden Füße ausruhen konnten (Superaussicht von dem Dreh-Cafe auf dem Funkturm Alexanderplatz, leider etwas teuer!). Alles in allem hat die Fahrt Lust gemacht auf mehr Berlin. Spätestens wenn die Baustellen aus der City verschwunden sind und in den leeren Verkaufsräumen neue Mieter eingezogen sind, sollte man wieder vorbeischauen.

Martin Kerkmann


Unterricht vor Ort erlebt (WN 20.09.1995)

Münster-Hiltrup. Der 12. Jahrgang des Kant verlässt traditionell in einer der ersten Schulwochen die Schule, um Unterricht einmal ganz anders zu erleben. Mediterrane Flora, Steineichenwald und Macchie muß man riechen und fühlen - so erfuhr es der Biologie-Leistungskurs in Südfrankreich in der Garigue, am Pont du Gard und in der Camargue. Fachübergreifendes Erleben und Lernen ergab sich auch durch die gemeinsame Sache mit dem Kunst-Leistungskurs.

Bietet doch die südfranzösische Region kunsthistorisch Bedeutendes von der Antike bis zur Gegenwart, so ist das immerwährende Wechselspiel von Natur, Kunst, Kultur und Gesellschaft anschaulich erfahrbar. Naturwissenschaft und Technikgeschichte erlebte der Physik-Leistungskurs im Berliner Museum für Verkehr und Technik. Doch nicht nur Historisches stand auf dem Programm, sondern moderne Forschung in der Bundesanstalt für Materialprüfung. Berlin wurde hautnah erfahren, als Brennpunkt deutscher Geschichte, als Zentrale des nationalsozialistischen Terrors und des gescheiterten Widerstandes, als Symbol deutscher Teilung und Wiedervereinigung. 

Ein Englisch-Leistungskurs will natürlich Sprachkenntnisse vertiefen und englischsprachigen Kulturraum erforschen: London wurde angeflogen. Historische Highlights, aber auch weniger Spektakuläres, doch stadt- und gesellschaftspolitisch Interessantes stand auf dem Programm. Eine Begegnung mit Schülern in der Public School Harrow zeigte einmal wie Schule in England ganz anders sein kann. Eine Litera-Tour unternahm der Deutsch-Leistungskurs nach Prag, auf Spurensuche zu Kafka, Kisch, Hasek, Werfel: fühlbare Literaturgeschichte an der Moldau. Doch auch eine Berührung mit dunkleren Tagen einer Geschichte vermittelte ein Ausflug nach Theresienstadt.


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