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SCHÜLERBETRIEBSPRAKTIKUM
Nach
dem allgemeinen Teil der Richtlinien "Gymnasium Sekundarstufe I" soll
das Gymnasium die Schüler/innen auch auf die Berufs- und
Arbeitswelt vorbereiten".
Im Erlass des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung (23.09.1999) wird das Schülerbetriebspaktikum in der Sekundarstufe I für alle Schulformen verbindlich festgelegt.
Im Schülerbetriebspraktikum in
der Jgst. 10 sollen die Schüler/innen die Berufs- und
Arbeitswelt unmittelbar kennenlernen, deren soziale Wirklichkeit
erfahren und sich mit ihr kritisch auseinandersetzen.
Entstehung
des Projekts
Im Schuljahr 1982/83 wurde im Politikunterricht der Jgst. 10 - im Rahmen einer Unterrichtsreihe zur Berufsorientierung - von den Schülern/innen der Wunsch nach einem Betriebspraktikum geäußert. Dieses Anliegen wurde in den Mitwirkungsorganen der Schule diskutiert und von allen Beteiligten positiv aufgenommen. Nach Genehmigung durch das Schulkollegium Münster wurde das erste Schülerbetiebspraktikum am Kant-Gymnasium vom 30.1.1984 bis 10.2.1984 durchgeführt. Die positiven Erfahrungen sprachen dafür, das Projekt weiter- zuführen.
Das
Schülerbetriebspraktikum als Schulprogramm
Vorbereitung und Auswertung des Praktikums liegen schwerpunktmäßig im Politikunterricht der Jgst. 9/10. Die Aspekte Bewerbungsschreiben/Lebenslauf werden in der Jgst. 9 im Deutschunterricht behandelt. Die erste Information über Ziele und Ablauf des Praktikums sowie über Hilfen für die selbständige Auswahl des Praktikumsplatzes erhalten die Schüler/innen durch den Koordinator in der zweiten Hälfte der Jgst. 9.
Durchführung
Das Praktikum findet jeweils über 2 Wochen von Montag bis Freitag statt (10 Arbeitstage). Die Samstage sollen zur Erstellung der Praktikumsmappe genutzt werden. Während des Praktikums werden die Schüler/innen in der Regel einmal von einem Betreuungslehrer besucht.
Auswertung
Die Praktikumsmappen werden - nach einer Durchsicht durch den Betreuungslehrer - abschließend vom Politiklehrer bewertet.
Bei der Auswertung des Praktikums im Politikunterricht werden - unter Hinzuziehung der Pratikumsmappen - folgende Aspekte berücksichtigt: - Vergleich der Erwartungen mit den eigenen Praktikumserfahrungen - Austausch der Erfahrungen und ihre Relativierung - Erfahrungen im sozialen Bereich - Belastungen an unterschiedlichen Arbeitsplätzen - Vergleich Arbeitswelt - Schule - Hilfen zur Berufsorientierung.
Bei der Auswertung müssen auch Fehleinschätzungen von Arbeits- und Berufswelt infolge singulärer Beobachtungen durch die Diskussion im Klassenverband relativiert werden und die Schüler/innen zu einer kritischen Distanz zu den eigenen Erfahrungen gebracht werden.
Aus
den bisherigen Praktika lassen sich folgende Erfahrungen
ableiten:
Hinsichtlich der Berufsorientierung wird bei den Schülern/innen eine verstärkte Beschäftigung mit der eigenen beruflichen Zukunft festgestellt. Das BIZ (BildungsInformationsZentrum) wird z.T. auch selbständig als Informationsquelle genutzt. Auch die Präsenztage der Mitarbeiter des BIZ im Kant-Gymnasium werden von der Jgst. 10 verstärkt genutzt.
Die in der Jgst. 10 anstehende Fächerwahl für die Oberstufe wird bei einem Teil der Schüler/innen aufgrund des Praktikums kritischer angegangen. Für einzelne Fächer ergibt sich ein Motivationsschub. Beispielsweise bewirkte die Erfahrung, dass englische Sprachkenntnisse oder Kenntnisse der Datenverarbeitung beim Praktikum in einer Versicherung erforderlich waren, bei dort tätigen Schülern ein verstärktes schulisches Engagement in den betr. Fächern.
Von vielen Schülern/innen wird als positive Erfahrung aus dem Praktikum genannt, dass ihre Arbeitsleistung im Betrieb gewürdigt und ihnen Vertrauen entgegengebracht wurde, Aufgaben selbständig zu lösen. Weiterhin findet sich in den Praktikumsmappen der Hinweis, dass nach dem Praktikum die Schule stärker als Chance empfunden wird, dieses Bildungsangebot zu nutzen.
Auf der Basis der in der Jgst. 10 gemachten Erfahrungen nehmen viele Schü ler/innen im Verlauf der Oberstufe die Beratungsangebote des Berufsberaters des Arbeitsamtes in unserer Schule wahr.
Weiterentwicklung
Die bisher durchgeführte Erkundung eines Industriebetriebes kann durch die Aspekterkundung eines Dienstleistungsbetriebes ergänzt werden. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt/BIZ ist erweiterungsfähig, damit die Schüler/innen der Jst. 10 die Beratungsmöglichkeiten verstärkt nutzen, die der Berufsberater des Arbeitsamtes an den Präsenztagen in unserer Schule anbietet. Der Prozess der Berufsorientierung, der durch das Praktikum in der Jgst. 10 eingeleitet und durch ein Praktikum in der Jgst. 12 vertieft wird, könnte in der Oberstufe durch Informationsveranstaltungen zu methodischen und inhaltlichen Aspekten der Berufswahl fortgeführt werden.
Im Frühjahr 1995 nahmen zum ersten Male 6 Schülerinnen an einem Praktikum in Hull, England, teil. Organisatorische und finanzielle Gründe lassen ein Auslandspraktikum z.Zt. nur für wenige Schüler zu, es wird besonders empfehlenswert für Schüler/innen des bilingualen Zweiges.
© 2001 Dieter Große, Hi 05.10.2001