![]()
Immanuel Kant (1724-1804)
Kant wurde 1724 in Königsberg geboren, wo er sein ganzes Leben verbrachte, wurde dort Universitätsprofessor und starb 1804. Er war ein Mensch mit unglaublich regelmäßigen Gewohnheiten und ein fast genauso regelmäßiger Produzent von Aufsätzen und Büchern. Die Leute in Königsberg pflegten ihre Uhren nach ihm zu stellen, wenn er zu seinem täglichen Spaziergang aufbrach. Seine Publikationstätigkeit wurde jedoch unterbrochen, als er zwischen 1770 und 1781 überhaupt nichts publizierte. Wahrscheinlich deswegen, weil er äusserst angestrengt über sein großes Werk, >Die Kritik der reinen Vernunft <, nachdachte, von der man sagt, sie habe Kant zum "größten Philosophen der Neuzeit" gemacht.
In Kants Leben ist absolut nichts vorgefallen, das man als interessant beschreiben könnte; er hat nicht einmal geheiratet, eine ernsthafte Erkrankung gehabt oder ein Haustier gehalten. Die einzige Abweichung scheint sich ereignet zu haben, als er zum ersten Mal Rousseaus Buch >Emile< las und einige Tage Zuhause blieb, um ihn noch einmal zu lesen, so dass die Leute in ganz Königsberg sich verspäteten.
Sein frühes Werk war wissenschaftlich und naturalistisch, einschließlich der Dissertation über das Feuer, der Schriften über Erdbeben und Winde und seiner >Allgemeinen Naturgeschichte< und >Theorie des Himmels<.
Während dieser Zeit wurde Kant von den Ideen der Aufklärung, vom Empirismus und, ganz wichtig, von den wissenschaftlichen Ideen Newtons beeinflusst. Ihn beunruhigte die Unfähigkeit des Rationalismus, Existenzbeweise zu liefern, ähnlich wie Descartes. Der hatte aber noch geglaubt, selber welche geliefert zu haben. Außerdem beunruhigte ihn die Unfähigkeit des Empirismus, zu beweisen, wie aus Erfahrung Erkenntnis werden kann.
Es schien, als hätte die ganze Philosophie keine solide Grundlage, und die wollte er schaffen. Nach seinem zehnjährigen "Schweigen" (1770-1781) kamen die drei großen Kritiken: die > Kritik der reinen Vernunft<, die >Kritik der praktischen Vernunft< und 1790 die >Kritik der Urteilskraft<.
Kant meinte, dass das Problem der wissenschaftlichen Erkenntnis und das Problem der metaphysischen Erkenntnis solch abstrakter Ideen wie Freiheit oder Moral sich als sehr ähnlich erweisen. In der Wissenschaft wie in der Metaphysik geht der Mensch von Gegebenheiten aus, die bearbeitet werden und ein Urteil hervorrufen, wobei der Vorgang jeweils gleich ist.
DIE GRENZEN DES DENKENS: In seinen kritischen Werken stellte er die Frage noch präziser: Kann die Metaphysik als Wissenschaft bestehen?
Die Metaphysik war, wie Sie sich erinnern, der Versuch, die ganze Welt, das Universum in seiner Totalität, zu verstehen, über die Wissenschaft und ihre gesonderten Tatsachen hinauszugehen und Erklärungen auszuarbeiten. Eine Menge Leute vertraten wie Hume die Ansicht, dass die Metaphysik unmöglich sei. So machte sich Kant in seiner >KRITIK DER REINEN VERNUNFT< daran, den wahren Umfang und die Grenzen des Denkens ausfindig zu machen.
EMPIRISMUS:
RATIONALISMUS:
Alle Erkenntnis stammt aus der Erfahrung.
Erkenntnis stammt aus der logisch rationalen
Deduktion.
Es gibt keine angeborenen Ideen.
Die einzige sichere Grundlage der Erkenntnis
bilden die angeborenen Ideen.
Hat Probleme, die logische Notwendigkeit
von Erfahrungsgesetzen zu beweisen.
Hat Probleme, seine logische Gewißheit mit
der Realität zu verknüpfen.
Synthetische Urteile
Erkenntnis a posteriori
Analytische Urteile
Erkenntnis a priori
![]()
Kant will den Empirismus mit dem Rationalismus verbinden. Er gebrauchte dazu die traditionelle Unterscheidung von analytischen und synthetischen Urteilen. Analytische Urteile erläutern nur Wörter - z.B."Billardkugeln sind rund". Synthetische Urteile gehen darüber hinaus - z.B."Die weiße Billardkugel, so gestoßen, lässt ursächlich die schwarze Kugel in die angezeigte Richtung rollen."
Kant fügte dem zwei weitere Ausdrücke hinzu: Erkenntnis a priori definierte er als eine von der Erfahrung unabhängige, aus bloßem Nachdenken stammende Erkenntnis und Erkenntnis a posteriori als eine aus der Erfahrung stammende Erkenntnis. Kant betonte, daß synthetische Urteile a priori möglich seien "Man könne mit Sicherheit wissen, welche Richtung die Billardkugel nehme".
Erkenntnis stammte für Kant aus einer Synthesis von Erfahrung und Begriffen: Ohne die Sinne wären wir uns keines Gegenstandes bewusst, ohne den Verstand aber würden wir uns keine Vorstellung von ihm bilden. Die Erkenntnisgewinnung war ein einheitlicher Vorgang, der Wahrnehmung, Einbildungskraft und Verstand mit einbezog: Sinnlichkeit und Verstand standen in Wechselwirkung.
Kant erklärte dann genau, wie seiner Meinung nach der Vorgang ablief. Zuerst, sagte er, seien jedermann Raum und Zeit als reine Anschauungen a priori gegeben. Sie seien absolut - den Sinneseindrücken vorausgehend und von ihnen unabhängig. Zweitens schlug er Kategorien des Denkens vor, die unsere Art der Wirklichkeitserfassung strukturieren. Sie waren eine Art von grundlegendem Begriffsapparat, um Sinn in die Welt zu bringen.
Kant hatte mit der Existenz der optisch/haptischen Realität z.B.. eines Steines keine Probleme: "Das bloße Bewußtsein meines eigenen Daseins beweiset das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir".
Aber er setzte der Erkenntnis Grenzen. Er unterschied zwischen Erscheinung (der Welt der >phainomena<) und Realität (der Welt der >noumena<) . Er sagte, daß die mysteriöse Substanz des Steins, was er als >Ding an sich< bezeichnete, nicht erkennbar sei. Der Versuch, über die Welt der Erscheinungen hinauszugehen, Begriffe außerhalb der ihnen durch ihren empirischen Gebrauch gesetzten Grenzen zu gebrauchen, führe unentrinnbar in Paradoxien, Fehlschlüsse und tatsächliche Widersprüche.
Kant vertrat die Ansicht, dass alle traditionellen metaphysischen Argumente in bezug auf die Seele, die Unsterblichkeit, Gott und die Willensfreiheit die Grenzen der Vernunft überschritten. Das rechtmäßige Arbeitsfeld der Vernunft beim Erkennen der Welt sei die praktische Sphäre.
ETHIK: Nachdem er das fundamentale Problem der Grundlegung der Erkenntnis gelöst zu haben behauptet hatte, machte sich Kant in seiner "zweiten Kritk" und in der >Grundlegung zur Metaphysik der Sitten< daran, die Rolle der Vernunft in der Ethik festzulegen. Er deduzierte einen elementaren Grundsatz für moralisches Verhalten:
>Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte!<
Kant nannte seinen Grundsatz den KATEGORISCHEN IMPERATIV. Für Kant ist das ein universelles Prinzip, das alle Menschen bindet. Kant glaubte im besonderen, daß eigennützige Handlungen nicht rechtschaffen sein können. Einzig eine Handlung, die dem vernünftigen Moralgesetz, das auch eine Pflicht ist, gehorcht, kann rechtschaffen sein. Der KATEGORISCHE IMPERATIV war für Kant ein ehernes Gesetz. Im Nachdenken über die Moral war dies ein großer Umschwung. Kant gibt keine Liste von Handlungen vor, die gut oder Böse sind, sondern nur das innere Vernunftprinzip, aus dem wir immer handeln müssen.
ÄSTHETIK: In seiner "dritten Kritik" versuchte Kant eine objektive Grundlage für das ästhetische Urteil zu entwickeln, die an die ethische Theorie angepasst sein sollte. Er war sich sicher, dass sein Denken in der Moral objektive universell gültige Ideen zutage fördert, doch in bezug auf die Ästhetik hatte er das Gefühl, etwas mehr ins Subjektive gehen zu müssen. Er sagte, mehr oder weniger, dass die ästhetischen Urteile zwar nicht objektiv gültig seien, wir sie uns aber so denken sollten, als ob sie es wären.
Um das klarer zu machen, gebrauchte er zur Beschreibung dessen,wonach er in der Kunst suchte, die Wendung "Zweckmäßigkeit ohne Zweck". Kant sah im ästhetischen Urteil auch einen Weg zu einem höheren Endzweck, dieser Weg besteht darin, dass die Erkenntnis einer Zweckmäßigkeit in der Kunst und in der Natur eine auf eine höhere Vernunft gerichtete Eingebung bewirkt. Diese Ideen hatten auf die nachfolgenden Diskussionen über Ästhetik einen großen Einfluß.