MUSICAL
"OLIVER"von Lionel Barth

Glanzvolle Premiere am Samstagabend in der ausverkauften Hiltruper Stadthalle begeisterte
"Oliver Twist a magical Kant-musical!"
Von HELMUT P. ETZKORN WN vom . . 1989
Hiltrup. "A joyous evening" mit einem "magical musical" in einer ausverkauften Hiltruper Stadthalle: "Oliver" - wahrhaft ein Bühnenerlebnis mit Ausrufezeichen! Humorvoll und sozialkritisch setzten Schüler und Lehrer des Immanuel-Kant-Gymnasiums einen Bestseller in Szene, der erst vor knapp drei Jahren den Sprung von der britischen Insel in die deutschen Bühnenhäuser schaffte. In München und Berlin feierte das Publikum die Aufführung, Hiltrup erlebte nun die besondere Premiere: Unter der Regie von Werner Coenen und Dirk Elfers beschäftigte sich eine ganze Schule monatelang mit der Geschichte des Jungen aus dem Armenhaus; der tosende Beifall zum Abschluss eines tollen Abends war die verdiente Quittung für eine bravouröse Gesamtleistung.
Warten auf den großen Augenblick: Monatelange Vorbereitungen, Mütter haben die Kostüme genäht, die Generalprobe am Freitagabend nahm das Lampenfieber. Samstagabend, Punkt 19.30 Uhr, Vorhang auf! Katrin Keller ist Oliver Twist. Bei der nächsten Aufführung wird es Nina Puttlitz sein. Viele Rollen sind doppelt besetzt. Katrin hat Glück, darf die Hauptfigur am ersten Abend spielen.
Wirbelwind Katrin Ihre Stimme und die unkomplizierte Art , wie sie über die Bühne wirbelt, machen sie gleich zu einem Publikumsliebling. Da wirkt nichts gekünstelt oder überzogen, sie meistert Ihre Aufgabe spielerisch. Da ist Fagin, ein Hehler Er bildet die Kinder zu Dieben aus. Sie sollen den Reichen Geld und Wertsachen aus der Tasche ziehen. Jean-Claude Seferian verkörpert die Rolle des Fagin perfekt. Für viele ist er der Star des Abends. So, nur so, muss dieser Fagin Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch die dunkel-nebligen Straßen Londons gehüpft sein.
Ehe Oliver, der nach seiner Flucht aus dem Armenhaus nur wenig Erfolg als Taschendieb in Fagins Bande hat, ein glückliches Zuhause bei seinem Großvater Mr. Brownlow (hervorragend gespielt vom Schulleiter Winfried Borgmann) findet, muss er sich mehrmals aus den Griffen der Bosheit befreien. Der Schurke Biel Sykes (Kai Dunkelmann) und Fagins Meisterschüler "Artful Dodger "(Christian Engelking) machen es Oliver nicht leicht, zurück den rechten Pfad der Tugend zu finden. Nancy, erst Entführerin dann so etwas wie eine Freundin des kleinen Oliver, besticht durch ihre gesanglichen Darbietungen. Sonderbeifall für Katrin Espey. "Oom-pah-pah" erklingt später nochmals in der Zugabe.
"Saubere Einheit" Das begeisternde Orchester ist mehr, als nur eine musikalische Begleitung des Bühnengeschehens. Musik und Schauspiel ergänzen sich, sind eine saubere Einheit. Die kleinen Akteure auf der Bühne betrachten die ganze Halle als ihre Spielfläche, verlagern das Geschehen zwischen die Sitzreihen des Publikums. Da tanzen Schornsteinfeger, Zeitungsjungen und Lausbuben. Rund 100 Schülerinnen und Schüler, vereint in drei Chören, bereichern ungemein die Kant-lnszenierung. Es gibt keine ruhige Sekunde, die Bühne lebt. Immer bewegt sich et was, kaum eine Atempause für die Zuschauer.
Reife Leistung
22.10 Uhr. Das Licht der Bühne verlöscht, ein Spiel ist aus. Die nächsten 15 applausträchtigen Minuten gehören den vielen Kant-Akteuren, die "Oliver" realisiert haben. Sie sahen ein Musical, das sich beständig zum krönenden Abschluss hin steigerte. Eine reife Leistung, die an die tollen Vorführungen vergangener Jahre nahtlos anknüpfte. Wen wundert es da, wenn auch weit nach Mitternacht noch fröhliche Töne aus dem Schulgebäude zu vernehmen waren: Ausgelassen feierten alle den schönen Erfolg
