Facharbeit 4

 

Zu schulischen Ehren kommt neuerdings die bisher eher der Universität vorbehaltene Facharbeit, eine schriftliche Hausarbeit. Sie ersetzt eine Klausur (im Allgemeinen in der Jahrgangsstufe 12.2). Nach den Richtlinien ist es Ziel der Facharbeit, "dass die Schülerinnen und Schüler beispielhaft lernen, was eine wissenschaftliche Arbeit ist und wie man sie schreibt." Die Schülerinnen und Schüler sollen "mit den Prinzipien und Formen selbstständigen und wissenschaftspropädeutischen (in das wissenschaftliche Arbeiten einführenden) Lernens vertraut" (Empf. u. Hinweise, S. 5) gemacht werden. Die Facharbeit soll den Schwierigkeitsgrad einer Klausur haben (Vgl. § 14 Abs. 3 APO GOSt). Die umfassende Erarbeitung eines bestimmten Themas ist nicht Aufgabe einer Facharbeit.

Ähnlich wie das Referat basiert die Facharbeit auf Recherche und Informationsverarbeitung. Ihre wichtigsten Schritte sind:

 

 

Die fertige Arbeit besteht aus:

Deckblatt mit Thema, Name, Schul-, Kurs-, Schuljahrsangabe,
Inhaltsverzeichnis (mit Seitenangaben),
Textteil (8-12 Seiten DIN A 4 1,5 zeilig mit üblichem Seitenspiegel in Schriftgröße 12) mit Einleitung als Entwicklung der Fragestellung,
Hauptteil mit untergliedernden Zwischenüberschriften,
Schlussteil als Zusammenfassung der Ergebnisse,
Literaturverzeichnis,
evtl. Materialanhang mit fachspezifischen Dokumentationen, angefertigten Gegenständen, Objekten auf Tonträgern, Materialien, Grafiken usw.,
Erklärung über die selbständige Abfassung der Arbeit bzw. eines bezeichneten Anteils an einer Gruppenarbeit.

Gerade an der Schule dürften die richtige Themenstellung und die erforderliche Beratung durch Lehrerinnen und Lehrer eine große Rolle spielen, sollen nicht Texte schlicht auch aus dem Internet den angestrebten Lernprozess ersetzen. Das Kant-Gymnasium führt in einer zentralen Veranstaltung pro Jahrgang in die erforderlichen Arbeitsmethoden ein.

Allgemeine Kriterien zur Beurteilung einer Facharbeit:

(Die Abschnitte sind nach ansteigender Bedeutung geordnet)

Vollständigkeit der Arbeit
Sauberkeit, Übersichtlichkeit
Korrekte Zitiertechnik
Einhaltung der vorgegebenen Schreibformate
Richtige Rechtschreibung und Zeichensetzung
Angabe aller verwendeten Quellen (bei Internet mit Datum)
Sachliche Sprache mit Verwendung von Fachbegriffen
Präzision und Differenziertheit des sprachlichen Ausdrucks
Sinnvolle Einbindung von Zitaten und Materialien in den Text
Grammatische Korrektheit
Sichere Verwendung und klare Definition von Fachbegriffen
Beherrschung der fachspezifischen Methoden
Offenlegung (und Reflexion) des Arbeitsprozesses
Deutliche Unterscheidung zwischen Faktendarstellung, übernommenen und eigenen Gedanken
Sorgfältige Begründung von Thesen, klar dargelegte Schlussfolgerungen
Klare und sachlogische Gliederung
Entwicklung einer zentralen Fragestellung
Durchgängiger Bezug zum Thema
Selbstständigkeit im Umgang mit dem Thema und inhaltliche Durchdringung der Zusammenhänge
Angemessenheit der Ergebnisse
Problemlösung und Urteils- und Kritikfähigkeit
 

Nicht immer einfach ist das richtige Zitieren. Folgende Möglichkeiten gibt es, durchexerziert am Beispiel der Frage: Trägt Immanuel Kant eine Mitschuld an der Verschmutzung des Emmerbachs in Münster-Hiltrup?

 

I. Vollzitat mit Fußnotennachweis (Alternative: Siglen im Text)

Über Jahrhunderte hat die Naturphilosophie kaum Erfolge erzielt und wenig bewegt. Dies ändert sich mit der Gestalt Galileo Galileis (1564-1642). Seit Galilei lernen die modernen Naturwissenschaftler: Nur wenn der Mensch durch Experimente aktiv in das Geschehen der Natur eingreift, kann er über die Natur etwas erfahren. Unsere moderne Technik ist eine Folge der Experimente Galileis (vgl. Kreibich 1986, 111 ff.).1 Auf den philosophischen Begriff hat Immanuel Kant (1724-1804) dieses Naturverhältnis in einer berühmten Passage der Vorrede zur zweiten Auflage seiner "Kritik der reinen Vernunft" gebracht:

"Als Galilei seine Kugeln die schiefe Ebene mit einer von ihm selbst gewählten Schwere herabrollen, oder Torricelli die Luft ein Gewicht, was er sich zum voraus dem einer ihm bekannten Wassersäule gleich gedacht hatte, tragen ließ, so ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, dass die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, dass sie mit Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich allein von ihr gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse. Die Vernunft muss mit ihren Prinzipien, nach denen allein übereinkommende Erscheinungen für Gesetze gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das sie nach jenen ausdachte, in der anderen, an die Natur gehen, zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität eines Schülers, der sich alles vorsagen lässt, was der Lehrer will, sondern eines bestallten Richters, der die Zeugen nötigt, auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt".2

II. Auszugszitate zur Integration in den eigenen Satzduktus

Kritiker sagen freilich: Hier beginnt auch ein gewaltsamer Umgang mit der Natur. Wenn heute Industrieunternehmen die Natur verschmutzen, dann ist das letztlich eine Folge dieser Einstellung, die, wie Kant gleich zweimal betont, die Natur "nötigen" will, "auf ihre Fragen zu antworten" und bei der der Naturforscher als "bestallter Richter" auftritt, "der die Zeugen nötigt (sic!), auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt" (KrV B XIII).

Mit solchen Formulierungen und mit seinem Lob für Galilei macht Immanuel Kant sich also mitschuldig, wenn heute eine Firma nach experimentellen Methoden Lacke entwickelt und die Abwässer in den Emmerbach leitet.

 

 III. Indirektes Zitieren

Abwegig ist es dagegen, Immanuel Kant aufgrund einer Passage aus der Vorrede zur "Kritik der reinen Vernunft", der zufolge man die Natur nötigen müsse, um etwas über sie zu erfahren, für heutige Probleme der Umweltverschmutzung verantwortlich zu machen. Außerdem verfügt besagte Firma über eine Kläranlage.

IV Internetzitate

Da Internetseiten häufig geändert werden, soll das Erstellungsdatum der Seite oder notfalls das Funddatum angegeben werden. Damit man das Zitat schnell finden kann, soll nicht die oberste Frameadresse, sondern die tatsächliche Speicheradresse angegeben werden. Runkehl beschreibt das Zitieren im Internet in "http://www.websprache.net/zitat/zitieren.htm - last update: 20.11.2000".

Literaturverzeichnis
 
  1. Badeviel, Eduard: Freizeitmöglichkeiten an Hiltrups schönstem Bach. Sportverlag: Dortmund 1976
  2. Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft. In: Gesammelte Schriften, hrsgg. v. d. Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss, Abt. I: Werke, Bd. V., Berlin
  3. Kreibich, Rolf: Die Wissenschaftsgesellschaft. Von Galilei zur High-Tech-Revolution. Frankfurt: Suhrkamp 1986
  4. Schmitt, Karl-Heinz: Rettet den Emmerbach! Münster: Landwirtschaftsverlag 1999
  5. Runkehl, Jens, Peter Schlobinski und Torsten Siever. Sprache und Kommunikation im Internet. <http://www.websprache.net/zitat/muster/html1/index.htm>. ISSN: 0027-514X. Rev. 2000-01-07.
  6. Runkehl, Jens, Peter Schlobinski und Torsten Siever. Sprache und Kommunikation im Internet - Abschnitt 4: Chatten. <http://www.websprache.net/zitat/muster/htmln/|-
    linguistisches/chatten.htm>. In: Sprache und Kommunikation im Internet <http://www.websprache.net/zitat/muster/htmln/>. ISSN: 0027-514X. Rev. 2000-01-07.

1 Vgl. Kreibich, Rolf: Die Wissenschaftsgesellschaft. Von Galilei zur High-Tech-Revolution. Frankfurt: Suhrkamp 1986, S. 111 ff.
2 KrV B XIII

 

& Karlheinz Uhlenbrock: Referate/Facharbeit. Fit fürs Abi/12. und 13. Schuljahr. Schroedel-Verlag, Hannover 2001

Sehr konkrete, empfehlenswerte Anweisungen: Arbeitsorganisation, Informationsbeschaffung, Zitate und Quellenbelege, Literaturverzeichnis, eigenes Forschen, Sprach- und Stilverbesserung, Aufbau der Facharbeit, Referat. Für Facharbeiten in natur- wie geisteswissenschaftlichen Fächern gleichermaßen hervorragend geeignet, weil praxisnah hilfreich.

& Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW: Empfehlungen und Hinweise zur Facharbeit in der gymnasialen Oberstufe, Soest 1999

© 2001 Reinhard Pelz/Volker Steenblock; Karikatur: Jannis Freund (Jgst. 10), Hi 02.12.2001