Facharbeit 4
Zu schulischen Ehren kommt neuerdings die bisher eher der Universität vorbehaltene Facharbeit, eine schriftliche Hausarbeit. Sie ersetzt eine Klausur (im Allgemeinen in der Jahrgangsstufe 12.2). Nach den Richtlinien ist es Ziel der Facharbeit, "dass die Schülerinnen und Schüler beispielhaft lernen, was eine wissenschaftliche Arbeit ist und wie man sie schreibt." Die Schülerinnen und Schüler sollen "mit den Prinzipien und Formen selbstständigen und wissenschaftspropädeutischen (in das wissenschaftliche Arbeiten einführenden) Lernens vertraut" (Empf. u. Hinweise, S. 5) gemacht werden. Die Facharbeit soll den Schwierigkeitsgrad einer Klausur haben (Vgl. § 14 Abs. 3 APO GOSt). Die umfassende Erarbeitung eines bestimmten Themas ist nicht Aufgabe einer Facharbeit.
Ähnlich wie das Referat basiert die Facharbeit auf Recherche und Informationsverarbeitung. Ihre wichtigsten Schritte sind:

Die fertige Arbeit besteht aus:
Gerade an der Schule dürften die richtige Themenstellung und die erforderliche Beratung durch Lehrerinnen und Lehrer eine große Rolle spielen, sollen nicht Texte schlicht auch aus dem Internet den angestrebten Lernprozess ersetzen. Das Kant-Gymnasium führt in einer zentralen Veranstaltung pro Jahrgang in die erforderlichen Arbeitsmethoden ein.
Allgemeine Kriterien zur Beurteilung einer Facharbeit:
(Die Abschnitte sind nach ansteigender Bedeutung geordnet)
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Nicht immer einfach ist das richtige Zitieren. Folgende Möglichkeiten gibt es, durchexerziert am Beispiel der Frage: Trägt Immanuel Kant eine Mitschuld an der Verschmutzung des Emmerbachs in Münster-Hiltrup? I. Vollzitat mit
Über
Jahrhunderte hat die Naturphilosophie kaum Erfolge
erzielt und wenig bewegt. Dies ändert sich mit
der Gestalt Galileo Galileis (1564-1642).
Seit Galilei lernen die modernen
Naturwissenschaftler: Nur wenn der Mensch durch
Experimente aktiv in das Geschehen der Natur
eingreift, kann er über die Natur etwas
erfahren. Unsere moderne Technik ist eine Folge der
Experimente Galileis (vgl. Kreibich 1986, 111
ff.).1 Auf den philosophischen Begriff
hat Immanuel Kant (1724-1804) dieses
Naturverhältnis in einer berühmten
Passage der Vorrede zur zweiten Auflage seiner
"Kritik der reinen Vernunft" gebracht: "Als Galilei seine
Kugeln die schiefe Ebene mit einer von ihm selbst
gewählten Schwere herabrollen, oder Torricelli
die Luft ein Gewicht, was er sich zum voraus dem
einer ihm bekannten Wassersäule gleich gedacht
hatte, tragen ließ, so ging allen
Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, dass
die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach
ihrem Entwurfe hervorbringt, dass sie mit
Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen
Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen
müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber
sich allein von ihr gleichsam am Leitbande
gängeln lassen müsse. Die Vernunft muss
mit ihren Prinzipien, nach denen allein
übereinkommende Erscheinungen für Gesetze
gelten können, in einer Hand, und mit dem
Experiment, das sie nach jenen ausdachte, in der
anderen, an die Natur gehen, zwar um von ihr
belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität
eines Schülers, der sich alles vorsagen
lässt, was der Lehrer will, sondern eines
bestallten Richters, der die Zeugen nötigt,
auf die Fragen zu antworten, die er ihnen
vorlegt".2 II.
Auszugszitate zur Integration in den eigenen
Satzduktus Kritiker sagen
freilich: Hier beginnt auch ein gewaltsamer Umgang
mit der Natur. Wenn heute Industrieunternehmen die
Natur verschmutzen, dann ist das letztlich eine
Folge dieser Einstellung, die, wie Kant gleich
zweimal betont, die Natur "nötigen" will, "auf
ihre Fragen zu antworten" und bei der der
Naturforscher als "bestallter Richter" auftritt,
"der die Zeugen nötigt (sic!), auf die Fragen
zu antworten, die er ihnen vorlegt" (KrV B
XIII). Mit solchen
Formulierungen und mit seinem Lob für Galilei
macht Immanuel Kant sich also mitschuldig, wenn
heute eine Firma nach experimentellen Methoden
Lacke entwickelt und die Abwässer in den
Emmerbach leitet. III.
Indirektes Zitieren Abwegig ist es
dagegen, Immanuel Kant aufgrund einer
Passage aus der Vorrede zur "Kritik der reinen
Vernunft", der zufolge man die Natur nötigen
müsse, um etwas über sie zu erfahren,
für heutige Probleme der Umweltverschmutzung
verantwortlich zu machen. Außerdem
verfügt besagte Firma über eine
Kläranlage. IV
Internetzitate Da Internetseiten
häufig geändert werden, soll das
Erstellungsdatum der Seite oder notfalls das
Funddatum angegeben werden. Damit man das Zitat
schnell finden kann, soll nicht die oberste
Frameadresse, sondern die tatsächliche
Speicheradresse angegeben werden. Runkehl
beschreibt das Zitieren im Internet in
"http://www.websprache.net/zitat/zitieren.htm -
last update: 20.11.2000". |
& Karlheinz Uhlenbrock: Referate/Facharbeit. Fit fürs Abi/12. und 13. Schuljahr. Schroedel-Verlag, Hannover 2001
Sehr konkrete, empfehlenswerte Anweisungen: Arbeitsorganisation, Informationsbeschaffung, Zitate und Quellenbelege, Literaturverzeichnis, eigenes Forschen, Sprach- und Stilverbesserung, Aufbau der Facharbeit, Referat. Für Facharbeiten in natur- wie geisteswissenschaftlichen Fächern gleichermaßen hervorragend geeignet, weil praxisnah hilfreich.
& Landesinstitut für Schule und Weiterbildung NRW: Empfehlungen und Hinweise zur Facharbeit in der gymnasialen Oberstufe, Soest 1999
© 2001 Reinhard Pelz/Volker Steenblock; Karikatur: Jannis Freund (Jgst. 10), Hi 02.12.2001