Examensarbeit

Das Thema meiner Arbeit lautet "Alte Geschichte und Internet - Vergleichende Untersuchung von Unterrichtssequenzen in der gymnasialen Oberstufe am Beispiel Rom". Die Idee zu der Arbeit ist aus Beobachtungen zum Einsatz des Internet im Unterricht entstanden. Sowohl in England als auch in hier in Deutschland ist mir aufgefallen, dass das neue Medium Internet kaum und wenn dann ineffizient eingesetzt wird. Häufig wird es lediglich zum planlosen Surfen und so zur Überbrückung ungeliebter Vertretungsstunden be-nutzt.
Meiner Überzeugung nach muss das Internet jedoch gewissenhaft in den schulischen Kontext eingeführt werden, wenn es als nutzbringendes Medium dauerhaft etabliert werden soll. Mit meiner Arbeit möchte ich an dieser Stelle ansetzen, indem ich sowohl technisch realisierbare Nutzungsmöglichkeiten darstelle, jedoch auch eine konkrete Praxisanwendung durchf&uum;hre und evaluiere. Die Arbeit beleuchtet somit vor dem Hintergrund heute gegebener schulischer Rahmenbedingungen die Einsetzbarkeit des Internet als Medium im planmässigen Unterricht am Beispiel einer Reihe zu Rom im Geschichtsunterricht zweier elfter Klassen. Die Ergebnisse der Evaluation lassen Tendenzen erkennen, ob und in wie weit der Interneteinsatz im Unterricht sinnvoll ist.
Einige Hauptergebnisse faßt ein Aufsatz zusammen, der auf meinem, im Rahmen von Herrn Dr. Krölls Hauptseminar "Audiovisuelle und elektronische Medien im Geschichtsunterricht" im Wintersemester 98/99 am Institut für Geschichte und ihre Didaktik gehaltenen Gastvortrag beruht. Der Text der Examensarbeit steht als Download-Version im Word '97-Format zur Verfügung. Literaturhinweise zu diesem Thema habe ich nocheinmal gesondert aufgeführt. Der interessierte Leser kann sich so nach Belieben in die Thematik vertiefen. Dabei wünsche ich ihm/ihr genausoviel Spass, wie ich selbst bei meinen Untersuchungen gehabt habe :o)
Wenn Sie Anregungen oder Kommentare zu meiner Arbeit geben möchten, senden Sie diese bitte per Email an mich. Ich freue mich über Zuschriften.

Übersicht


Internet und Unterricht am Beispiel einer Unterrichtsreihe zu Rom

Im Zuge der Diskussion um die Wandlung unserer Umgebung von der Industrie- zu einer Informationsgesellschaft werden gerade auch im schulischen Bildungsbereich Änderungen in bezug auf die Vermittlung von Schüsselqualifikationen gefordert. Der Umgang mit sogenannten Neuen Medien wie dem Internet gilt in diesem Kontext als wichtiges Handwerkszeug für den Schüler von heute, um erfolgreich und flexibel auf die Aufgaben von morgen reagieren und diese bewältigen zu können. Daher sollen im folgenden die heute zumindest technisch möglichen Anwendungsformen des Internet in der Schule dargestellt werden. Anschließend sollen Ergebnisse einer Unterrichtsreihe mit Internet Tendenzen zum Interneteinsatz im Unterricht aufzeigen und ein kritisches Abwägen des Verhältnisses von Theorie und Praxis ermöglichen.


Inhalt






Theoretische Anwendungsmöglichkeiten des Internets in der Schule

1. Das Internet als Informationsmedium

Das Internet kann dazu benutzt werden, mit Hilfe eines Browsers Informationen zu allen erdenklichen Themen zu finden und das weltweit. Die Benutzung einer Suchmaschine (z.B. Altavista, Yahoo, Lycos, etc.) ermöglicht eine freie Suche zu einem beliebigen Thema. Durch das Eintippen eines oder mehrerer Stichworte erhält man eine lange Liste facettenreicher Links zu seinem Thema. Mit speziellen Suchstrategien vermag man eine Suche zielgerichteter durchzuführen, jedoch müssen Suchstrategien ähnlich denen von Bibliothekskatalogen (z.B. Trunkierungen, etc.) erst erlernt werden.
Bei fast allen Suchmaschinen ist heute jedoch meist auch eine geleitete Suche möglich. Hier kann man sich anhand vorgeschlagener Kategorien oder Themenfelder (z.B. sport, education, business, etc.) ‚durchhangeln' und so seine Suche sinnvoll eingrenzen. Eine sicherlich sinnvolle Hilfestellung nicht nur für den ungeübten Internetnutzer.
Neben Suchmaschinen erreicht man über das Internet unzählige Bibliothekskataloge (OPAC= Online Public Access Catalogue) in denen online eine Literaturrecherche betrieben werden kann. Somit stehen praktisch die Bibliotheken der Welt rund um die Uhr zur Literatur- und Quellensuche zu Verfügung.
Für den Lehrer/ die Lehrerin hilfreich sind sog. Bildungserver (z.B. schulweb , educat, zum, etc.) auf welchen Informationen rund um Schule und Unterricht abgelegt sind. So können sich LehrerInnen Unterrichtsmaterialien aus dem Netz herunterladen, Anregungen für Unterricht im Netz finden und selbst Material für KollegInnen im Internet zugänglich machen.

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2. Das Internet als Kommunikationsmittel

Neben der Informationsbeschaffung vermag man mit dem Internet auch synchron oder asynchron zu kommunizieren. Eine Form der synchronen, also zeitgleichen Kommunikation ist das "Chatten", wobei sich zwei oder mehrere Gesprächspartner in einem virtuellen Raum treffen. Jeder sieht auf seinem Monitor in einem separaten Dialogfeld, was der andere gerade schreibt und kann simultan antworten. Technisch möglich ist mittlerweile auch, online zu telefonieren.
Asynchrone Kommunikationswege sind Email, Newsgroups und Mailinglists. Beim elektronischen Briefeschreiben (E-mailen) kann ein Sender seine Nachricht in digitaler Form an einen oder mehrere Adressaten schicken. Mit kurzer Zeitverzögerung kommt die Nachricht dann beim Empfänger an. Die Möglichkeit, eine Nachricht an beliebig viele Empfänger senden zu können machen sich die Mailinglists und Newsgroups zu nutzen. Eine Mailinglist ist ein elektronischer Postverteiler, bei dem ein Redakteur eingesendete Beiträge zu einem bestimmten Thema auswählt und in regelmäßigen Abständen die Abonnenten der Mailinglist mit Post versorgt. Im Gegensatz dazu ist die Newsgroup ein Diskussionsforum an dem jeder Interessierte per Email teilnehmen kann und zwar ohne die ordnende oder filternde Hand eines Redakteurs.

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3. Das Internet als Projektionsmittel

In Form von Hypertextdokumenten und Homepages kann man eigene Ideen ins Internet projezieren und darstellen. Dazu muß ein Dokument (ruhig auch mit Bildern) in ein HTML (Hypertext Markup Language) Format editiert werden und kann dann, entweder als Hypertextdokument in eine bestehende Homepage eingebunden oder etwa durch Ablegen auf einem Bildungsserver der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Auch in Form einer eigenen Homepage können HTML- Dokumente veröffentlicht werden, allerdings muß dann der Weg über einen eventuell kostenpflichtigen Netzanbieter gegangen werden.
Diese grob dargestellten Möglichkeiten bietet die Nutzung des Internet. Inwiefern diese aber schon unter den heutigen schulischen Gegebenheiten realisierbar sind, wurde in einem Unterrichtsprojekt im Fach Geschichte praktisch erprobt und anschließend evaluiert.

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Die Unterrichtsreihe

In zwei elften Klassen wurden insgesamt 42 SchülerInnen zum Thema Rom unterrichtet. Die Behandlung des Unterrichtsstoffes teilte sich in zwei Sequenzen: von der Gründung Roms bis zum Ende des 3. Punischen Krieges wurde ‚herkömmlicher' Geschichtsunterricht durchgeführt. Die Krise und der Untergang der Römischen Republik bauten anschließend mit einem biographischen Ansatz auf Informationen aus dem Internet auf. Je zwei SchülerInnen bildeten eine Gruppe und arbeiteten an einem Rechner. Auf einem Arbeitsblatt erhielten sie einerseits einige Links zu der von ihnen gewählten römischen Person (Gaius und Tiberius Gracchus, Marius, Sulla, Crassus, Pompeius, Caesar) und andererseits Links zur allgemeinen Information zur römischen Geschichte sowie zu den übrigen Personen. Arbeitsauftrag war es, eine Biographie der gewählten Person zu erstellen. Dazu sollten die SchülerInnen ein Thesenpapier anfertigen und ein Kurzreferat (Zeitlimit: 10 min.) vorbereiten. Die SchülerInnen hatten drei Schulstunden zum Surfen im Internet. Ausgangsbasis waren dabei die vom Unterrichtenden angegebenen Links, von denen fortführend dann über Hyperlinks das Wissen über die Person erweitert werden konnte, je nach Interesse. Im Anschluß an die Internetphase wurden die Referate von einzelnen SchülerInnengruppen gehalten, und zwar in chronologischer Reihenfolge des Auftretens der Personen. Alle Thesenpapiere wurden vervielfältigt und ausgeteilt, so daß für die Schüler eine Vergleichsmöglichkeit bestand. Zudem wurden alle Thesenpapiere von dem Unterrichtenden schriftlich kommentiert. Die sich im Verlauf der Referate ergebenden Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen wurden erklärt und geschichtliche Wechselwirkungen verdeutlicht. Dazu wurde nach den ersten drei Referaten (Ti. und G. Gracchus, Marius und Sulla) eine "Sammelphase" eingelegt, in der eben diese Zusammenhänge und Abhängigkeiten auf einem Arbeitsblatt zusammengefaßt und verdeutlicht wurden. Das gleiche geschah nach den letzten drei Referaten. Mit einem Schaubild zur Wirkung des Triumvirats erfuhr die Unterrichtsreihe ihre thematische Abrundung.

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Evaluation des Unterrichtsprojekts

Eindrücke des Unterrichtenden

Mit Beginn der Internetphase erfolgte ein krasser Wechsel von bis dato überwiegend lehrerzentriertem Frontalunterricht zu schülerzentriertem Unterricht, in welchem die SchülerInnen explorativ, kooperativ und individuell arbeiteten. Mit dem Moment des Surfbeginns fiel von dem Unterrichtenden die Last des "Erklärenmüssens" schlagartig ab und sowohl für den Lehrer, als auch für die SchülerInnen ergaben sich Freiräumen welche jene zum individuellen Arbeiten und der Unterrichtende zur individuellen Betreuung einzelner SchülerInnen nutzten. Die Arbeitsatmosphäre war äußerst kooperativ. Technische Fragen der SchülerInnen konnten zumeist untereinander gelöst werden. Es entstanden inhaltliche Diskussionen innerhalb der Kleingruppen aber auch untereinander, zwischen Gruppen mit gleichen zu behandelnden römischen Personen als auch zwischen solchen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Einerseits schienen somit Erkenntnisse verglichen zu werden, andererseits aber wurden bei Fragen an Gruppen mit anderer Themenstellung Hintergründe und Zusammenhänge mit der eigenen Person geklärt. Die SchülerInnen arbeiteten konzentriert und Abgleiten auf themafremde Seiten blieb die Ausnahme. Die Qualität der Thesenpapiere und Referate spiegelt den während der Internetphase gewonnenen Eindruck wieder. Es läßt sich ein sehr positives Fazit ziehen, gerade auch in Anbetracht der Tatsache, daß diese Arbeitsform für SchülerInnen der 11ten Klasse in der hier verlangten Weise neu ist und erst noch gelernt und geübt werden muß.

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Anhand des Schülerfragebogens

Die Anworten der SchülerInnen geben Aufschluß über ihre Eindrücke des Interneteinsatzes im Unterricht. 42% der SchülerInnen hat die Arbeitsweise mit dem Internet, also das Zusammensuchen, Zusammenstellen und Auswählen von Informationen mittelmäßig, 36% viel und 12% sehr viel Spaß gemacht. Auf die Frage, wieviel ein/e SchülerIn seiner/ ihrer Meinung nach glaubt, während der Internetsequenz über die Krise und den Untergang der römischen Republik gelernt zu haben antworteten 70% mit "durchschnittlich viel", 24% mit "viel" und 3% "sehr viel". Nur zwei SchülerInnen (6%) meinten, sie hätten "wenig" gelernt. Hingegen hat 64% der Unterricht mit Internet "mehr", 15% "viel mehr" und 21% "gleich viel" Spaß gemacht als herkömmlicher Unterricht. Betrachtet man diese Angaben in Zusammenhang mit den Klausurergebnissen zu dieser Unterrichtsreihe und den Ergebnissen der ersten Klausur kann man folgendes Resümee ziehen: obwohl die Motivation der SchülerInnen für eine zweite, außerplanmäßige schriftliche Leistungsmessung im ersten Halbjahr der elften Jahrgangsstufe als eher gering zu bewerten ist, liegt der errechnete Durchschnitt der zweiten leicht, wenn auch unbedeutend über dem der ersten verpflichtenden Klausur (Note: 3). Auch wenn die SchülerInnen in der Mehrzahl den Eindruck hatten, durchschnittlich viel im Vergleich zu herkömmlichen Unterricht gelernt zu haben und ihnen die verwendete Methode für sich betrachtet mittelmäßig bis überdurchschnittlich Spaß gemacht hat, so haben doch fast 80% der Lerner den Internetunterricht als "spaßbringender" empfunden. Bei zumindest gleichbleibender Leistung (bezogen auf die Noten und unter Berücksichtigung der veränderten Bedingungen) scheint die Motivation der Schüler durch das Medium bedeutend gesteigert worden zu sein. Diese könnte bei genauerer Untersuchung eventuell auf die vom Schüler/ der Schülerin geforderte andere Arbeitsweise zurückzuführen sein. Jedenfalls wurde während der Internetsequenz entdeckendes, forschendes, assoziatives Lernen von den SchülerInnen erwartet und das in einer kooperativen Arbeitskonstellation, nämlich in Partnerarbeit. Dazu gaben 76% der Lerner an "inhaltliche Diskussionen", 70% "mehr Ideen" und 79% "gegenseitige Hilfe" gehabt zu haben. Lediglich 24% hatten durch die Partnerarbeit während der Internetphase "zeitliche Verluste" und 18% "Abspracheprobleme".

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Fazit

Das Internet ist theoretisch sicherlich schon vielfältig einsetzbar und auch technisch gibt es für Internetanwendungsmöglichkeiten kaum Grenzen. Das theoretisch Machbare ist mit den praktischen Realitäten jedoch nicht deckungsgleich. Die derzeitigen schulischen Voraussetzungen begrenzen daher die Einsetzbarkeit des neuen Mediums im lehrplanmäßigen Fachunterricht. Eine mögliche Form, das Internet in den Unterricht einzubinden ist dessen Nutzung als Informationsmedium. Die Ergebnisse der Reflexionen aus Unterrichtenden- und der SchülerInnenperspektive (anhand der Fragebögen) zusammen mit einer Betrachtung der Klausurergebnisse befürworten den Einsatz des Internet im Fachunterricht. Dies kann insbesondere deshalb behauptet werden, da die exemplarische Untersuchung positive Tendenzen in einem Fach gezeigt hat, welches für Unterricht mit Internet eigentlich wenig geeignet erscheint. Insofern dürfen die gewonnenen Erkenntnisse begründeten Anlaß zur Hoffnung geben, daß diesem Beispiel weitere praktische Konzepte für Interneteinsatz im regulären Fachunterricht folgen werden.

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