Münster / Kultur / Phantastische Kunst, Musik und Literatur


Münsters alternative Seite - Clubs, Kammertheater, Poetry Slam und Flohmarkt

Wer von einer multikulturellen Universitätsstadt reges geistiges und kulturelles Leben erwartet, wird in Münster nicht enttäuscht. Viele Studenten aber auch andere Intellektuelle und Künstler kommen aus anderen Städten und Ländern nach Münster und brereichern mit ihren Ideen die lokale Szene. Dass diese einiges zu bieten hat bewies zuletzt Deutschlands jüngste Fantasy-Autorin Clara Schoeder ("Die Träger der Hoffnung") die inzwischen weltweit bekannt ist.

Science-Fiction Fans, deren Lieblingslektüre wegen geringer Auflagen oft vergriffen ist, wissen den sommerlichen Flohmarkt unter den Bäumen der Promenade am Aasee und zahlreiche antiquarische und Second-Hand Buchläden in Münster zu schätzen. Außerdem trifft man in Cafes, Kneipen, Uni und Stadtbücherei ebenso gleichgesinnte Geister wie auch in den Programmkinos. Das Cinema wurde bereits mehrmals als eins der besten europäischen Programmkinos ausgezeichnet. So waren in Münster unter anderem seltene japanische Real- und Zeichentrickfilme auf der großen Leinwand zu sehen, und auch die Filmklassiker Ghost in the Shell von Mamoru Oshii und Prinzessin Mononoke von Hayao Miyazake waren kurz nach ihrem Erscheinen im Programm. Solaris, der berühmteste Roman des 2006 verstorbenen polnischen Science-Fiction-Autors Stanislaw Lem wurde nicht nur in der neuen amerikanischen, sondern auch erneut in der epischen russischen Verfilmung gezeigt.


Skulpturen, Bilder und Worte

Die bildende Kunst ist in Münster nicht zuletzt mit der auf das gesamte Stadtgebiet verteilten Skulpturen-Ausstellung verbunden - Kunst im öffentlichen Raum, deren bekannteste Vertreter die überdimensionalen Billardkugeln am Aasee darstellen. Weiter im Südwesten der Stadt in Richtung Allwetterzoo, Freichlichtmuseum und Planetarium, steht ebenfalls am Ufer dieses Sees der Wewerka-Pavillon, der im Wechsel von unterschiedlichen Menschen mit Kunst gefüllt wird. Der Umbau der ehemaligen Reiterkaserne zum Leonardo-Campus bot der Kunstakademie Münster ein neues Zuhause, die vor vielen Jahren als "Ableger" der durch Joseph Beuys berühmt gewordenen Düsseldorfer Akademie begonnen hatte. Neues Aushängeschild der Stadt ist inzwischen das Picasso-Museum, ein eher kleines aber feines und gut besuchtes Haus direkt in der Münsteraner Innenstadt, beinahe in Sichtweite vom Skateboardladen Titus, der einen ganz anderen, aber im Grunde ebenso kunstvollen Aspekt der Stadt repräsentiert. Wortgewaltig präsentieren sich Dichter und Denker(innen) auf den Bühnen beim Poetry Slam (s.u.). Die Skater sind wie die Studenten und Fahrräder aus dem Stadtbild nicht wegzudenken, und das macht letztlich die besondere Atmosphäre aus, die Münster von anderen Städten des oft traditionellen und ländlichen Münsterlandes deutlich unterscheidet.


Musikszene: DJs, Bands und Liedermacher aus Münster

Ingo Pohlmann: "Wenn jetzt Sommer wär", singt er, dann würde er raus, aufs Rad und an den Dortmund-Ems-Kanal zum baden gehen. Der Liedermacher ist nicht der einzige Künstler, den es nach Münster zieht oder zog. Neben bekannten Größen wie H-Blockx und dem eigentlich gar nicht aus Münster stammenden Udo Lindenberg, dem man in seiner westfälischen Heimat Gronau inzwischen ein Museum errichtet hat, ist die Stadt voller Musiker, DJs, Kabarettisten, Poetry Slammer und bildender Künstler(innen). Dabei entstehen mitunter Lieder, die viel über diese Stadt, ihre Menschen und ihrer Orte erzählen, von der Suche nach einem "Parkplatz in Münster" oder vom Gleis 22, einem der vielfältigsten kleinen Clubs des Landes. "Wir gehn ins Gleis" existiert als Roots Reggae und als Ragga-Remix.

"Eine Stadt ohne Drum'n'Bass ist keine Stadt" hieß es vor Jahren auf einem Party-Flyer. "Aber Münster ist doch eine Stadt?" Mit diesem Motto wurde die Breakbeat-Szene nach mehrjährigem Winterschlaf erfolgreich wachgeküsst und an alte Ultrabazz-Traditionen angeknüpft. Seitdem haben neben Minimal, Electro und House (auch nach Abriss des Dockland und Schließung der Luna Bar) auch die gebrochenen Rhythmen wieder ihren festen Platz in Monasteria. Funk, Jazz Reggae und Latin-Klänge waren hier nie in Gefahr, und Psychedelic Trance, auch als "Goa" bekannt, hat es über Jahrzehnte geschafft, abseits von Mainstream und schnelllebigen Trends zu erklingen. Techno-Fans werden sich außerdem an die langjährige Partyreihe des englischen Techno-DJs Steve Mason erinnern.

Ebenfalls nicht tot zu kriegen sind die dunklen Seiten der Rock- und Popmusik, die gern mit der Ästhetik von Tod und Verderben spielen. Wave, EBM, Hardrock und Metal haben am Hawerkamp ihren festen Platz im Tryptichon und vor allem in der Sputnikhalle. Im Sommer findet auf dem Gelände das Vainstream Rock Festival statt.

Underground und etablierte Kultur

Münster ist eine Stadt mit vielen Gesichtern - für ihre beschauliche Größe ungewöhnlich, allerdings ist die Stadt auch ein Anziehungspunkt weit über ihre Grenzen hinaus. Nicht zuletzt der exzellente Ruf der Westfälischen Wilhelms Universtität, aber auch Menschen wie der umstrittene und inzwischen verstorbene FDP-Politiker Jürgen Möllemann prägten über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, ein konservatives Bild der Stadt. "Münster-Tatort" und Wilsberg-Krimis reiten auf der gleichen Welle.

Die Stadt bemüht sich inzwischen, auch in ihrer Selbstdarstellung das "andere Münster" mehr zu würdigen. So schreibt das Kulturamt wörtlich: »In den letzten [...] Jahren hat sich im deutschsprachigen Raum die zweitgrößte Poetry Slam Szene der Welt entwickelt. Der münstersche TatWort Poetry Slam zählt dabei mittlerweile zu den größten und besten Dichterwettstreiten in Deutschland.« Neben TatWort und "Gemüsekultur" ist das Leben auf den Bühnen der Stadt vielfältig und lebendig. Poetry Slam, Impro-Theater, Kammertheater und großes Haus decken auch hier ein breites Spektrum an Interessen und Interpretationen ab.

Industrie und Industriekultur in Münster

Münster wird zwar traditionell eher als "Schreibtisch Westfalens" bekannt ist, doch auch hier hat sich im Laufe der Zeit Industrie angesiedelt. Alte Industriegebäude und Gelände wie Hawerkamp und Osmo-Halle, die nicht nur wegen ihrer Architektur vor dem Abriss bewahrt wurden, sind inzwischen zum Anziehungspunkt für Kultur und Nachtleben geworden. Von der Tischlerei bis zum Stahlhandel sind also auch in der westfälischen Metropole Industrie und Handwerk zu finden. Und dort werden durchaus nicht nur Skate-Anlagen hergestellt.


Links

Nützliche Links für Münsteraner und Münster-Fans

Kultur, Nachtleben und Sport in Münster
Echo Münster: News-Blog von der ehemaligen Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung
Flohmarkt Münster: Info, Termine und Händler-Anmeldung
Hansaviertel Münster: Nachtleben, Kultur und kleine Läden
Münster: Studenten, Skater und Fahrräder
Kammertheater "Der kleine Bühnenboden"





Impressum: Ingo Steinke - Portrait von Ingo Steinke