Freiherr-vom-Stein Gymnasium |
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Sowohl in England, wie auch in Deutschland betraf die Industrielle Revolution nicht nur das Wirtschaftswesen, sondern vor allem auch das Sozialwesen. Durch sie veränderten sich die Lebensverhältnisse aller Bevölkerungsgruppen.
Während der Industriellen Revolution in Deutschland wuchs die Bevölkerung innerhalb von 100 Jahren um 162%. Einer der Gründe für diesen Anstieg war die Aufhebung der Erbuntertätigkeit und der Heiratsbeschränkung. Ein weiterer Grund war die Einführung von Schutzimpfungen und die hygienischen Verbesserungen. Zudem wurde die Landwirtschaft leistungsfähiger, so dass mehr Menschen ernährt werden konnten. Das Angebot an Arbeit auf dem Lande verringerte sich jedoch aufgrund des Fortschritts und der Mechnisierung.
Zwischen 1810 und 1840 nahm die Zahl der Heimarbeiter im Leinengewerbe, der Spinner und der Weber zu. Sie bekamen jedoch für dieselbe Arbeit immer geringere Löhne. Die Folgen waren Hungernöte, Unruhen, Aufstände und vor allem Armut.
Um 1850 wanderten die Menschen in die Städte, in der Hoffnung, Arbeit zu finden (Urbanisierung). Noch waren viele Menschen im Handwerk oder als Dienstboten beschäftigt. Junge Mädchen waren gezwungen, Arbeit in reichen Familien zu suchen. Die Arbeitsbedingungen war katstrophal. Neben langen Arbeitstagen (meist 14 bis 16 Stunden) und geringen Löhnen waren die Arbeiter abhängig. Erst um 1870 entstanden vermehrt Fabriken, Verkehrsanlagen, Wohngebäude und Unterkünfte für die Arbeiter. Die Menschen fanden Arbeit im Baugewerbe, in den Textilfabriken, Bergwerken, Eisenhütten und Maschinenfabriken. Doch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten und leben mußten, waren schlecht. Da es ein Überangebot an Arbeitskräften gab, konnte jeder jederzeit ersetzt werden. Krankheiten, Unfälle und Tod stürzten Familien ins Unglück, da es keine Unterstützung gab. Oft konnte der Mann seine Familie nicht ernähren. Die Abeitgeber gingen nämlich davon aus, dass der zu zahlende Lohn nur für den einen Angestellten reichen mußte und seine Familie, Frau und Kinder, zählten dabei nicht, sie mußten selbst arbeiten.
Frauen und Kinder bei der Arbeit in einer Baumwollspinnerei um 1835
Es kam zu Hungersnöten, Unruhen sowie zu Aufständen der Arbeiter, die in den Maschinen den Grund für die Arbeitslosigkeit und das Elend sahen.
Die Not der unteren Gesellschaftsschichten zeigte sich insbesondere im Fehlen der Nahrungsmittel. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts bestand die Grundnahrung aus Schwarzbrot, Hülsenfrüchten und Kartoffeln, in der zweiten Hälfte steigerte sich die Qualität der Nahrung langsam. Transporte aus Übersee (Kolonie) verbilligten die Handelswaren; die Konservenproduktion wurde entwickelt. Fleisch, Zucker, Weißbrot und Obst werteten den Speiseplan auf gesunde Weise auf, Krankheiten wie zum Beispiel die Kartoffelkrankheit wurden durch die Nahrungsmittelkontrolle vermieden. Hungersnöte wurden dadurch größtenteils beseitigt.
Baracken obdachlosen Familien am Stadtrand von Berlin (1872)
Durch das explosiosartige Städtewachstum gab es großes Wohnungselend. Oft mußten Arbeiterfamilien zusammengepfercht in provisorische Hütten, langsam verfallenden Altstadtsvierteln oder in Mietskasernen leben. Um wenigstens unter einem Dach zu leben, bauten sich Arbeiterfamilien oftmals einfache Hütten, in denen sie auf engstem Raum zusammen lebten. Beispielsweise wurde 1868 in Hamburg bekannt, daß weit mehr als die Hälfte der Einwohner in Kellerwohnungen, "Unterhäusern", "Buden", "Salen an der Straße", und "Salen in den Wohnhöfen" lebten. Trotz der schlechten Wohnungsverhältnisse waren die Mieten relativ hoch und machte oft 20% der ohnehin geringen Ausgaben aus. In den Großstädten war das Wohnungselend meist schlimmer als in den mittleren und Kleinstädten.
Innerhalb von nur 50 Jahren veränderte sich das bürgerliche Weltbild von Grund auf. Auch deshalb sprechen wir von einer industriellen "Revolution".
Zur Lösung der aus ihr folgenden sozialen Probleme trugen vor allem die Kirche, einige Sozialreformer und die Arbeiter selbst bei.
Bearbeitet: Petra
Danielczyck, Daniela Güttler
Stand: 25.06.1997
Überarbeitet: Lukas Potaczala, Dominik
Bellgard
Stand: 12.3.1998