Freiherr-vom-Stein-Gymnasium |
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In den ersten Jahren des 19.Jahrhunderts hätte man sich kaum denken können, daß zwischen Ruhr und Emscher bald das größte Industrierevier Europas entstehen würde - das Ruhrgebiet. Die Städte waren zumeißt sehr alt, nach ihrer Blütezeit inzwischen verfallen, noch fehlten Fabriken und Schornsteine im Stadtbild.
Insgesamt werden wohl um die Wende vom 18. zum 19.Jh. wenig mehr als 300 000 Menschen auf dem Gebiet des heutigen Ruhrgebiet gelebt haben. Die größte Stadt war Duisburg mit 5300 Einwohnern. Mülheim hatte fast 5000 Einwohner und war damit zu damaligen Zeit größer als Essen mit 4500 Menschen. Bochum mit knapp 2100 Einwohnern war kleiner als Bottrop mit 2200 Einwohnern. Gelsenkirchen mit 500 Einwohnern oder Herne mit 750 Einwohnern waren eher Dörfer als Städte, Lünen, gleichwohl noch ein Dorf, hatte 1815 immerhin schon 1300 Einwohner. Mit den Städten des Rheinlandes, z.B. Köln oder Krefeld, konnte es jedoch keine Ruhrgebietsstadt aufnehmen, ganz zu schweigen von Berlin und Frankfurt.
Natürlich hatte sich auch in den Städten des Ruhrgebiets allmählich eine Gewerbestruktur, erste Manufaktur und private Unternehmen entwickelt. Aber von einer Industrialisierung konnte man kaum sprechen. Ende des 18.Jahrhunderts gaben Fachleute dem Ruhrgebiet keine Chance zu einer (industriellen) Entwicklung.
Noch streitet man sich, ob man zur Zeit der Wende schon von
"Ruhrgebiet", ja überhaupt von einer "Region" im eigentlichen
Sinne sprechen kann, d.h. von einem Raum mit besonders engen
politischen, historischen, kulturellen oder wirtschaftlichen
Verflechtungen. Davon trifft nichts auf das damalige Ruhrgebiet zu.
Außerdem hatten die Städte kaum eine gemeinsame
Geschichte. Man muß eher von der westfälischen und
rheinischen Geschichte sprechen. Bis zum Wiener Kongreß war das
spätere Ruhrgebiet noch in 10 Herrschaftsbereiche unterteilt.
Erst mit dem Anschluß an Preußen war die Geschichte des
Ruhrgebiets politisch und wirtschaftlich sicher:
Eine Quelle des späteren wirtschaftlichen Wohlstandes wurde
bereits im 13.Jahrhundert genutzt - die Kohle. Im 16.Jahrhundert
dehnte sich der Kohlebergbau in den Westen aus. Im 18. Jahrhundert
hatte sich der preußische Staat die Kohle genommen, weil 1738
das Märkische Bergamt in Bochum gegründet wurde und so zum
Nutzen der Preußen wurde.
Mit der Erschließung der Ruhr als Schiffahrtsweg Ende des 18 Jahrhundert wurde auch die Verkehrsinfrastruktur verbessert. Zwar war die Schiffahrt nur 7 Monate im Jahr möglich, aber vorher hatte man die Kohle mit Pferde- und Maultierkarawanen transportieren müssen, was sehr schwer und langsamer war.
1748 lieferte das Ruhrgebiet schon Kohle in die Niederlanden und die Schweiz. Wie wichtig die Ruhr für die Industraliesierung war, wird auch daran deutlicher, daß selbst noch im Jahr 1850 fast 45% der Kohleförderung über die Ruhr verschifft wurden. Die Ruhr war in diesen Jahren einer der am dichtesten befahrensten Flüsse Deutschlands.
Am Ende des 18.Jh. war es immer noch Raubbau die Kohle abzubauen. Jeder nahm sich Kohle, wie und wo es ihm gerade paßte. Ein systematischer Abbau fand nirgendwo statt. Von Zechen konnte keine Rede sein. Im 19.Jahrhundert hatte man in der Nähe von Bochum erste Tiefbauschächte errichtet.
1801 war auf der Zeche Vollmond in Bochum die erste Dampfmaschine im Ruhrgebiet installiert worden. Nur so ließen sich unterirdische Wasserzuflüsse bewältigen. 1808 wurde eine Tiefe von 46 m erreicht. 1837 jedoch gelang der Zeche Kronprinz eine Tiefe von 130 m. Nun konnte man nicht nur ertragreichere Flöze ausbeuten, sondern durch die für die Verkokung besonders gut geeignete und daher bevorzugte Fettkohle fördern. Wenn man so will, war dies die Geburtsstunde des Ruhrgebiets, denn jetzt konnte sich die Verbindung von Kohle und Eisen herausbilden. Ab den 40er Jahren des 19.Jahrhunderts begann die Kohleförderung und Eisenproduktion zu wachsen. 1839 überschritt die Kohleförderung im Ruhrgebiet erstmalig die Millionentonnengrenze. 1858 wurden es schon 2 Millionen Tonnen. Aus dem Nebenerwerb von Bauern und Handwerkern war eine richtige Industrie geworden und auch die Bevölkerung nahm rapide zu. Mitte des 19. Jahrhunderts stieg sie auf eine halbe Millionen an, bis 1871 noch einmal um die gleiche Zahl.
Auch die politische und wirtschaftliche Umwelt änderte sich. 1808 entstand das Unternehmen von Franz Haniel und Heinrich Huyssen. 1811 gründete Friedrich Krupp sein Unternehmen und 1818 gelang ihm die Herstellung von Tiegelguß. Zur gleichen Zeit begann der wirtschaftliche und technische Anschluß an England. 1822 wurde nach englischen und französischen Vorbildern der "Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes" gegründet, ein staatlich angeregter Zusammenschluß zum Transfer von Informationen über die technischen und ökonomischen Neuerung aus aller Welt.
Allmählich entstand auch im Ruhrgebiet die "kritische Masse" für die Industrialisierung: Man förderte genügend Kohle und es entstanden Verkehrsanbindungen.
Der preußische Gesandte, der anläßlich der Weltausstellung 1851 in London noch bezweifelte, daß das Ruhrgebiet jemals England würde einholen können, weil es gar nicht genügend Kohle zu fördern gäbe, bewies wenig wirtschaftliche Weitsicht. Der Anblick des Ruhrgebiets, wo der Fördertum allmählich zum beherrschenden Zeichen in der Landschaft geworden war, hätte ihn spätestens einige Jahre danach eines besseren belehrt.
Bearbeitet: Stefanie Jahnke, Gerit
Jürgens, Sandra Kittler, Tim Renker
Stand: 26.3.1998