musikproduzent ekki maas über
the making of
erdmöbel-
erste worte nach bad mit delfinen
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köln, den1.12.98
meine lieblingsproduktion in diesem jahr war diese langspielplatte mit markus berges alias erdmöbel. er lebt in köln kalk und ist musiker und poet, und er verdient die grösstmögliche beachtung, denn was er für den deutschsprachigen song tut ist das, was jetzt für ihn getan werden muss. die arbeit an dieser platte ist darüber hinaus ein gutes beispiel für obsessives arbeiten an einer vision von musik - grundvoraussetzung für eine gute produktion.
1. das beste von osten: eine aufnahme, bei der wir in der alten version zunächst den unglaublichen sound des demos imitiert haben. die akustikgitarren verzerrten und hatten keinen bauch, der bass aus dem proteus dröhnte, ansonsten war alles sehr hoch-mittig. dieser sound entstand bereits bei unserer aufnahme durch missbrauch der anwesenden elektronik und ist immer noch vorherrschend. hinzukamen ein extra bass aus der bass-station für den attack, weitere flöten aus meiner tin-whistle-sample-sammlung, ein percussion-synth ersetzte die künstliche hammond und zwischen den strophen erklingen die schon früher so heissgeliebten 2 telecaster-schrammelgitarren. beim mixen ging es uns dann aber doch um andere sachen als ein 4-spur-demo zu kopieren, aber saubere sounds sucht man hier vergeblich (aber wer sucht die schon?).
2. ich weine: der drumtrack besteht aus drei selbstgemachten und stark veränderten loops: christian trommelt, ich sample. für dieses stück hat markus seine alte trompete und ich meine fleckige posaune wieder ausgepackt - haben wir nicht letztes jahr beide weinend den film brassed off gesehen? ich spiele desweiteren eine komische tele mit p-90 pick-up. der mittelteil ist ein versehen und deshalb so schön. eigentlich war ein vehementer jazzrock part vorgesehen und sollte reingeschnitten werden, aber alle haben sich nicht verkneifen können an der stelle weiter zu spielen. markus und ich haben dann noch schlittenglocken und zymbeln druppjespeelt. der ultra-tiefe bass ist - man glaubt es kaum - mafs rickenbacker mit gedämpften saiten.


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3. wie ich es mir wünsche: eine vorsichtige annäherung an die verhassten 80er. the cure, style council und konsorten waren ja nicht komplett scheisse, aber mehr muss im augenblick noch nicht. wieder trompeten und posaunen und ein komischer sound auf den überstehenden saiten einer vollresonanz-e-gitarre. der hochklingende plektrumbass ist mafs rickenbacker. das posaunen thema ist aus der melodie des gitarrensolos entstanden, was mir gottseidank verboten wurde. ich spiele unter anderem meine 12-string-rickenbacker und singe mit mir selbst im chor.
4. trost im stich: markus' arrangement basiert auf einem sample in verschiedenen geschwindigkeiten, von dem ich annehme, dass ich es aus einem roxymusikstück gesamplet habe. wir haben es aber noch nicht wiedergefunden. die berühmten tremolo-geigen aus dem s-330 und im refrain noch ein stereo-melotron. im mittelteil kann man sehr schön hören, wie ich den alten federhall reindrehe. ich spiele posaune, und am schluss zirpe ich noch herrlich auf meiner sitar-gitarre.
5. vergiss mich lieber woanders: ein stück, das das original arrangement von markus behalten hat. ändern mussten wir lediglich die gitarren verzerrung. früher fand in den lauten teilen eine fuzzorgie statt, aber wie so oft war der effekt keineswegs eine steigerung der lautstärkeempfindung. wieder der meister des besenspiels christian und eine tolle basslinie von maf im refrain.
6. wette unter models: das studio arrangement entstand unter zuhilfenahme von samples aus dem radio. ich weiss nicht was für musik es war, aber ich habe sie so verfremdet und verändert, dass sicher keiner den ursprung erkennt - also egal. enthalten ist ein total müllig klingendes klavier, im refrain eine kurze wehende orchesterpassage, die durch die harmonien geführt wird und ein mit dem diktiergerät aufgenommener proberaumschnipsel von christians drums. bass und gitarren sind gespielt und bringen gleichzeitig emotionen und zusätzliche monotonie. bewusst haben wir alle entwicklungen im stück sehr langsam und unmerklich stattfinden lassen. eine sehr meditative Atmosphäre.
7. remscheid: in der ersten bandversion dieses stückes wurde noch versucht härte reinzuprügeln, aber letztendlich siegte die eigentlich freundliche Atmosphäre. das drumloop mit dem loch ist ein teil des von christian gespielten tracks, sie hören also den künstler selbst. als nächstes der von maf gespielte music-man-bass, und die beiden gitarren wurden von markus und mir eingespielt. einen halben tag verloren wir dadurch, dass wir mir eine mundharmonika kaufen mussten. ich hatte keine ahnung, wie teuer die dinger geworden sind in den letzten 15 jahren. die investition hat sich gelohnt, denn nach dieser langen zeit, in der ich nicht praktizierte, hatte sich wohl die schöne melodie angestaut, die ich beim first take spielte und für die ich jetzt ein paar autoren credits bekomme. auch über das tolle harpsolo muss ich mich wundern. hier war früher mein gitarrensolo. in den refrains spielt dr. pro alias wolfgang sein wurlitzer-piano, welches ich mit einer röhrenvorstufe verzerrte. der mittelteil hatte eine komplizierte taktaufteilung. er hat sie immer noch, aber der in drum&bass-manier verfremdete drumloop entspricht so sehr den heutigen hörgewohnheiten, dass es nicht mehr hakt. netter effekt.
8. lachen in moll: wir sind björk-fans, und das kommt dabei raus. ich spiele eine kleine elektrische reisekonzertgitarre. der drumtrack ist daraus entstanden, dass wir versucht haben, das drumcomputergewitter nachzuempfinden, was markus anschleppte. christian spielt die sperrmüllbongos, liegengebliebene schellenkränze, schlittenglöckchen und schliesslich snare und toms. dann haben wir die übliche 909bdr und den essensgong von oma herzebrock. wahrscheinlich kriegen einige menschen in ostwestfalen hunger, wenn sie das stück hören. sitar-gitarre ist auch wieder dabei.
9. onkel goldesser: ein song, der mehrere metamorphosen durchgemacht hat. ursprünglich ein uptempo gitarrenpopstückchen der sonnigen sorte, drehte ihn markus erst durch die joni-mitchell-mühle, daraufhin entwickelte die band im proberaum ein arrangement, das stärkere dissonanzen durch ein howling-wolf-gitarrenriff von mir und eine captain-beefheart-basslinie von maf bezog. ein scheppriges halftimeschlagzeug komplettierte die proberaumversion, die im studio die grundlage bildete. um eine etwas statischere Atmosphäre zu erzeugen, wurde bei der aufnahme dann schliesslich fast alles gesamplet und neu zusammengesetzt. wir verwendeten stückchen aus dem proberaumtape, das mir christian netterweise übers telefon ins studio überspielte (ein traumsound für die strophe), seltsame fills und ein altes funkloop, wo einer immer yes indeed sagt. die sachen, die gespielt klingen, sind bis auf die akustikgitarre auch gesamplet. das drumpattern im mittelteil wurde aus abfall des ursprünglichen drumtracks, eines verlangsamten und deshalb eierigen loops von b.bönniger und einem saitenquietscher des ersten taktes zusammengesetzt. am ende habe ich noch beim mastern in eine schleife crossgefadet, die ich meer genannt hatte, von irgend einer alten freddy-single kommt und auf meiner festplatte nur darauf wartete, goldessers rauschen im sarg darzustellen.
 10. so küsste sie: live gespielt! naja sogut wie. sollte ein demo sein, aber der rough-mix hatte die magie die der song brauchte, und ich habe sie nur noch digital gemastert. ich danke dr. pro dafür, dass er mich zwang ein e-bow zu kaufen, mit dem ich diesen seltsamen gitarrensound bekomme. also gitarrensound: epiphone-halbresonanz-gitarre, e-bow, wah-wah-pedal und billiger arion-flanger. das gitarrensolo ist konventionell gespielt und das einzige auf der ganzen platte, also geniesst es in diesen gitarrensololosen zeiten. christian spielt wieder mal hervorragend besendrums, gelernt ist gelernt - beherscht er doch die 137 arnheim'schen arten des besenspiels. der gute schlagzeugsound geht also auch auf seine kappe, und der gesang ist first take aus zeitmangel und scheints deshalb besonders intensiv (markus vielleicht besoffen? habs vergessen).
11. knabe im bauch: das arrangement hat markus mit dem atari-computer und einem geliehenen s-330 sampler aus meinen alten abgelegten drumloops und sounds grundgelegt. ich kann mich leider nicht mehr erinnern, woher die drums stammen aber sie sind super. die besensounds sind tatsächlich von christian, aber das ist egal, weil 10 jahre her und angenehm uninstrumentalistisch programmiert. der gesangssound entstand durch ein altes tonbandmikro aus den 60ern, das durch meinen berühmten arion-flanger lief. dadurch auch das wohlklingende modulierende rauschen und der unterwassereffekt im zwischenteil. mein scratching debüt auf schallplatte! von einer alten glen miller platte stammt das gescratchte stück musik, welches durch den wandernden synthi-filter geschickt wird. bass ist von maf gespielt und kein schlagzeug? doch: unter der git-inst-passage: original christian wuebben first-take-drums, aufgenommen mit einem schlechten mikro. die generalpausen habe ich am pc gesilencet. knabe im bauch am schluss bin ich.
12. tätowiert von innen: das schlagzeug wurde von christian gespielt aber dann gesamplet. so entstand wie oft durch das sampeln eine gleichmässigkeit, die sehr gut zu der merkwürdigen und verzweifelten stimmung des songs passt. hier funktionieren auch die lauten rat-verzerrer-orgien, und für den mittelteil steuerte ich eine john-lennon-gedächtnis-picking-gitarre bei - natürlich stilecht gedoppelt. ein highlight der produktion ist die kirmeshammond gespielt von dr. pro mit schönen chromatischen rolls

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