Mit Stress im Bus ist Schluss!

 

Fahrzeug- bzw. Busbegleiter

 

Zur Vorgeschichte

Immer wieder teilten vor allem jüngere Schüler und Schülerinnen der Droste HS ihre Ängste und Sorgen bei den täglichen Schulbusfahrten mit. Dies war Anlass für eine engagierte Kollegin, die Schule dazu zu motivieren sich dieser Problematik aktiv anzunehmen und Lösungswege zu finden.

So wurden bereits 1999 direkte Kontakte mit den Busunternehmen und mit den Nachbarschulen des Schulzentrums (Realschule Roxel und Augustin-Wibbelt-Schule) geknüpft und recherchiert, was andere Schulen in NRW zur Verhinderung von Gewalt im Bus bereits gemacht haben. Ergebnis: das Fahrzeugbegleiterprojekt der BOGESTRA aus Gelsenkirchen, das in mehren Schulen im nördlichen Ruhrgebiet läuft, erschien uns aus vielerlei Gründen auch für unser Schulzentrum erfolgversprechend und nachahmenswert.

Auch die Suche nach geeigneten Kooperationspartnern verlief erfolgreich: Ausbilder der BOGESTRA, zukünftige Ausbilder und Ansprechpartner der Stadtwerke Münster, das Kommissariat Vorbeugung – Jugendprävention - der Polizei, unsere Sozialarbeiterin und je eine Kollegin der Droste HS und der Realschule waren bereit, sich konkret für das Projekt zu engagieren. Materielle Unterstützung fand sich darüber hinaus bei den Stadtwerken, beim Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, bei anderen an den Schulfahrten beteiligten Busunternehmen und nicht zuletzt beim Förderverein der Droste HS.

 

Das Projekt

Ziel des Projektes ist es, die Sicherheit in den Bussen zu erhöhen und zwar so, dass sich die Schülerinnen und Schüler während der Schulbusfahrten wohl fühlen. Dabei soll auch der Vandalismus in den Bussen eingeschränkt werden.

Dazu sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, in Zweier- oder Dreierteams auf besondere Situationen im Bus zu reagieren und ermutigt werden, Zivilcourage zu zeigen. Dadurch wird soziales Verhalten im Bus (und anderswo) gestärkt.

In jedem Schuljahr sollen ca. 18 Fahrschüler und Fahrschülerinnen der 8. Jahrgänge aus den drei genannten Schulen ausgebildet werden, die dann zwei weitere Schuljahre lang als Busbegleiter tätig sein können. So erhält sich der Kreis der Busbegleiter über mehrere Schuljahre, ihre Anzahl nimmt anfänglich stetig zu und bleibt auf die Dauer konstant.

Das Projekt ist keine einmalige Aktion, zeitlich nicht begrenzt, es unterliegt deshalb einer mittel- bis langfristigen Dynamik.

Angestrebt wird eine Verteilung von Busbegleiterteams auf alle Schulbuslinien des Schulzentrums.

 

Die Ausbildung

Für die Ausbildung angesprochen werden interessierte Fahrschüler und Fahrschülerinnen der 8. Jahrgänge, die zunächst zu einer Informationsrunde eingeladen werden, in der die zukünftigen Aufgaben und die Inhalte der Ausbildung von den Trainern selbst dargestellt und bewusst gemacht werden.

Obwohl es kein formales Auswahlverfahren gibt, müssen die Schüler und Schülerinnen einige grundlegende Eigenschaften mitbringen: freiwillige Teilnahme an der Ausbildung und die Bereitschaft oder das Interesse sich für andere einzusetzen.

Die Busbegleiter erhalten keinerlei Vergünstigungen oder Bezahlung für ihr Engagement.

Die Ausbildung selbst erstreckt sich zunächst auf einen ganzen Tag (Programm: Ohne Gewalt stark, Kommissariat Vorbeugung) und mindestens 3 x 2 Unterrichtsstunden in einem Trainingsbus (Ausbilder zunächst BOGESTRA, dann Stadtwerke Münster und Polizisten des Kommissariats Vorbeugung). Der Zeitraum verteilt auf von ca. 4 bis 8 Wochen.

 

Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung sind:

Eine erfolgreiche Ausbildung schließt mit der Vergabe der Zertifikate und Ausweise ab.

 

Die Projektbegleitung

Die anschließende Tätigkeit als Busbegleiter wird von den jeweils zuständigen Lehrern bzw. Lehrerinnen der teilnehmenden Schulen aktiv begleitet. Dazu gehören:

 

Bisheriger Verlauf und Ergebnisse des Projekts

 

Schuljahr 2000/2001

Im ersten Durchgang schlossen 18 Schülerinnen und Schüler der Droste HS und der Realschule, die ab März diesen Jahres in 5 Teams organisiert waren, die Ausbildung erfolgreich ab und 5 Busrouten waren so mit Busbegleitern versehen.

An diese 5 Teams wurden extrem hohe Erwartungen gestellt und manch einer glaubte gar, die vielfältigen Probleme seien nun in allen Schulbussen behoben.

Die Realität sieht anders aus:

Es gibt mindestens 10 (Schul-)Buslinien, die unser Schulzentrum anfahren. Ausgebildet werden konnten anfänglich nur 5 Teams, wovon momentan nur noch 3 tätig sind. Ein Team hat sich aufgelöst (fahren jetzt mit Mofas zur Schule), eine andere Gruppe kann deshalb nicht kontinuierlich arbeiten, weil ihre Busroute mittlerweile von 2-3 Bussen abgedeckt wird, die z.T. unterschiedliche Strecken abfahren und das Team so oft auf unterschiedliche Fahrzeuge verstreut ist.

Andererseits kann ein einzelnes Team aus 4 Busbegleitern nicht immer in jedem Bus ihrer Linie anwesend sein, das machen schon die unterschiedlichen Stundenpläne der einzelnen Schüler und Schülerinnen unmöglich, die mal nach der 4., mal nach der 6. oder 8. Stunde enden. Die Jugendlichen haben gelernt, nur im Team, niemals alleine aktiv zu werden, eine Grundvoraussetzung ihres „Jobs“, an die sie gebunden sind.

Noch ist die Anzahl der Busbegleiter zu gering, um stets präsent sein zu können.

 

Schuljahr 2001/2002

Am 28. November erhielten weitere 18 Busbegleiter ihre Zertifikate und werden sich in Kürze in die bereits bestehenden Teams integrieren bzw. zwei neue Teams gründen. Ihre Ausbildung erfolgte diesmal unter der Leitung eines Trainers der Stadtwerke Münster und des Fachmanns vom Kommissariat Vorbeugung der Polizei. Besonders erfreulich war die erstmalige Teilnahme der Augustin-Wibbelt-Schule an dem Projekt: Ein Schüler nahm mit Erfolg teil und ist nun fester Partner im Team.

Die Zertifikate verbleiben bis zur Schulentlassung in der Schule und werden nach erfolgreich durchgeführter 2-jähriger Tätigkeit als Busbegleiter an die Schüler und Schülerinnen ausgegeben. Für Bewerbungen können jederzeit Kopien angefordert werden.

 

Schuljahr 2002/2003

Für dieses Schuljahr bemerkenswert war das große Interesse der Schülerinnen und Schüler aller drei Schulen an dem Projekt. Über 50 Fahrschüler und -innen der 8. Jahrgänge nahmen an der einführenden Veranstaltung teil, in der die Stadtwerke und die beteiligten Lehrerinnen das Projekt, die Ausbildung und die Anforderungen an die Teilnehmer vorstellten. (September 2002, DHS). Nach einer Bedenkzeit von ca. einer Woche meldeten sich von unserer Schule noch 30 Anwärter, 12 davon kamen in die engere Auswahl (mit Zustimmung der Klassenlehrer), brachten die Einverständniserklärung ihrer Eltern bei und meldeten sich definitiv an. Aus dieser Gruppe wurden mit Schwerpunkt auf die Buslinien Gievenbeck und Mecklenbeck/Albachten geeignet erscheinende Kandidaten für die Ausbildung ausgewählt.

Besonders erfreulich war, dass die Augustin Wibbelt Schule in diesem Jahr vier Schüler/Innen melden konnte. Die Ausbildung begann Anfang Oktober 2002 und wurde wie im Vorjahr durchgeführt. Gemeinsame Teamtreffen alter und neuer Busbegleiter sowie Evaluierungen konnten erfolgreich durchgeführt werden.

Auch in diesem Schuljahr wurde unter den Fahrschülern der Droste Hauptschule eine schriftliche, anonyme Umfrage zu den Busbegleitern durchgeführt. Durch diese Fragebogenaktion wird einerseits noch mal auf die Existenz des Projekts aufmerksam gemacht, alle Schüler und Schülerinnen setzen sich mit dem Projekt auseinander, zu dem ihre persönliche Meinung und ihre Beobachtungen gefragt sind, andererseits ist das Ergebnis der Umfrage ein wichtiges Element zur Evaluierung des Projekts, sowohl für die Betreuer als auch für die Busbegleiter selbst. Eine knappe Zusammenstellung der wichtigsten numerischen Ergebnisse beider Umfragen befindet sich weiter unten.

Angeregt durch die Umfrageergebnisse und neue Angebote zur Erweiterung der Ausbildung standen ebenso Treffen der beteiligten Ausbilder und Lehrerinnen zur konzeptionellen Weiterarbeit an.

 

Schuljahr 2003/2004

Ausgebildet wurden insgesamt 20 Schülerinnen der Klassen 8 der Droste Hauptschule  und der Realschule. Leider konnte die Augustin-Wibbelt-Schule in diesem Schuljahr keine geeigneten Kandidaten benennen. Dadurch, dass vom Kommissariat Vorbeugung ein weiterer Kollege für die Arbeit mit den Busbegleitern abgestellt wurde, konnten zwei Ausbildungsgruppen parallel arbeiten, wodurch die Trainingseinheiten intensiviert wurden.

Als Konsequenz aus den o.g. Umfrageergebnissen wurden in diesem Schuljahr Vorstellungsbesuche der aktiven Busbegleiter in den Klassen 5 und 6 veranstaltet mit dem Ziel, den persönlichen Kontakt zwischen Begleitern und Fahrschülern zu intensivieren.

Darüber hinaus führten die Stadtwerke erstmalig ein Bussicherheitstraining für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 durch, das durchweg positiv aufgenommen wurde und nun fester Bestandteil des Projekts ist.

 

Schuljahr 2004/2005

Im 5. Jahr des Projekts konnte sich die Augustin-Wibbelt-Schule wieder mit diesmal 6 Schülern beteiligen. Insgesamt wurden 21 Fahrzeugbegleiter des Schulzentrums trainiert. Wie im vergangenen Jahr konnten die Trainingseinheiten in zwei Parallelgruppen durchgeführt werden. Neu dabei war der Einsatz von Videoaufnahmen während der Rollenspiele, was die Kontrolle und Auswertung des Verhaltens in Konfliktsituationen effektiver gestalten lässt. Zunehmend wurden die Busbegleiter von Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 auf Hilfe in unterschiedlichsten Stresssituationen im Schulbus angesprochen, die entweder eigenständig durch Mediation von den Fahrzeugbegleitern geregelt werden konnten oder auch durch Mithilfe der Betreuungslehrer. Schulübergreifende Kontakte waren dabei erfreulicherweise häufig zu beobachten.

 

Schuljahr 2005/2006

Dadurch dass die Ausbildung im vergangenen Schuljahr aus personellen Gründen verspätet beendet wurde, fand die Teambildung und Integration der neuen Busbegleiter in die Arbeit erst zu Beginn dieses Schuljahres statt. Auftakt dazu war ein zweistündiger Erfahrungsaustausch innerhalb der Teams. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit ist unten angefügt.

Erstmalig wurde im Oktober 05 die Vorstellung der Busbegleiter in neuer Form organisiert: Die Begleiterteams jeder der neun Buslinien, die das Schulzentrum anfahren, errichteten einen „Infostand“ in der Halle der Droste-Hauptschule, der nacheinander von den Klassen 5 und 6 der drei am Projekt beteiligten Schulen besucht wurden. So konnte mit relativ geringem Zeitaufwand (2 Unterrichtsstunden) gewährleistet werden, dass sich Fahrschüler und Busbegleiter eines Busses persönlich kennen lernen und miteinander ins Gespräch kommen konnten. Gleichzeitig konnten bisher ungeklärte Konfliktsituationen vor Ort gemeinsam angegangen werden. Der Betreuer der Stadtwerke, die Betreuenden Lehrerinnen und die jeweiligen Klassenlehrer standen hierbei selbstverständlich zur Verfügung.

Auch in diesem Schuljahr meldeten weit mehr Schülerinnen und Schüler der aktuellen Klassen 8 aller drei Schulen für die Ausbildung zum Busbegleiter Interesse an. Die Ausbildung wird im November 05 vorwiegend im Nachmittagsbereich beginnen und im Februar abgeschlossen sein.

 

Resume

Überblick über die Anzahl der Teilnehmer am Busbegleiterprojekt

 

 

 

 

 

 

 

Droste HS

Realschule

Aug.Wibbelt S

Summe

 

2000/01

6

9

0

15

 

2001/02

9

8

1

18

 

2002/03

9

12

4

25

 

2003/04

10

10

0

20

 

2004/05

8

7

6

21

 

Total

42

46

11

99

 

 

 

 

 

 

Die Anfangsschwierigkeiten des Projektes sind überwunden, viele alltägliche Stresssituationen im Bus werden mit Hilfe der Busbegleiter unter den beteiligten Schülerinnen und Schüler selbständig gelöst. Ist dieses in Einzelfällen nicht möglich, stehen fest etablierte Hilfen durch die Betreuungslehrer der drei Schulen und durch den verantwortlichen Mitarbeiter der Stadtwerke, Herr Wegener, zur Verfügung. Durch diesen direkten Kontakt lassen sich auch Probleme in den Bussen der Subunternehmer der Stadtwerke regeln. Bislang wurde das Kommissariat Vorbeugung noch nicht in konkrete Vorfälle in den Bussen eingeschaltet. Die Beteiligung der Polizei an diesem Projekt liegt schwerpunktmäßig in der Ausbildung und der Bereitstellen von Unterstützung bei eventuellen besonderen Härtefällen. Für die Durchführung der Trainingseinheiten in den Bussen ist die Mitarbeit der Polizisten sehr wichtig. Welche Bedeutung die Polizeibehörde selbst diesem Projekt beimisst zeigt sich auch daran, dass sie mittlerweile zwei Mitarbeiter für die Busbegleiterausbildung abstellt.

Verglichen mit den Erfahrungen ähnlicher Projekte an anderen Orten geht es in „unseren Bussen“ in der Regel relativ normal zu. Die Art und Häufigkeit von Stress-situationen betrifft in erster Linie die Schüler und Schülerinnen der 5. und 6. Klassen. Auf diesem Hintergrund hat es in erster Linie präventiven Charakter.

Die Ergebnisse der jüngsten Evaluierung durch die Busbegleiter selbst (s.u.) zeigt aber auch deutlich, dass sich diese Situation in den Bussen stetig verbessert.

In den vergangenen Jahren hat es von anderen Schulen oder Schulzentren Münsters Interesse an der Einrichtung eines Busbegleiterprojekts gegeben. Leider konnte es bisher noch an keiner anderen Schule nachhaltig etabliert werden. Momentan wird am Schulzentrum Hiltrup ein ähnliches Projekt geplant, das hoffentlich ebenso erfolgreich und dauerhaft sein wird wie das der Roxeler Schulen.

Das Projekt ist nicht nur ein Gewinn für Schulgemeinschaften, sondern ist auch für jeden Einzelnen, der an der Ausbildung teilnimmt, ein persönlicher Gewinn:

 

Perspektiven

Geplant ist grundsätzlich mit den Ausbildungen fortzufahren. Alle aktiv Beteiligten sind sich darin einig, dass das Projekt nur dann weiterhin nachhaltig erfolgreich bleiben kann, wenn in den kommenden Schuljahren kontinuierlich weiter ausgebildet wird und weitere Teams organisiert und begleitet werden.

Zu wünschen ist, dass die Bereitschaft und Motivation der Schülerinnen und Schüler Busbegleiter zu werden, auch dann anhält, wenn die Trainingseinheiten außerhalb der Unterrichtszeit am Nachmittag stattfinden.

Ihre Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit an dem Projekt ist sowohl von den beteiligten Einzelpersonen als auch von den aktuellen Kooperationspartnern (Schulen, Stadtwerke, Kommissariat Vorbeugung) erklärt worden.

Ansprechpartnerin an unserer Schule für die Busbegleiter ist Frau Holthues-Potthoff.