Künstler sind nicht überflüssig 


FUNNY VAN DANNEN 

In unserer Reihe „Ein Mann & seine Gitarre" präsentieren wir Ihnen heute den Berliner Maler, Autor und Songwriter Funny van Dannen. Was ist das Geheimnis dieses Mannes und seiner Songs? Sind es verwegene Reime wie: „sie fragte ihn als ich pissen ging: / ‘sag mal, ist das Easy Listening?’" oder liegt sein Erfolg darin begründet, daß er ebenso witzige wie gefühlvolle Lieder schreiben kann? 
Funny van Dannen hat es auf jeden Fall geschafft, ähnlich wie beispielsweise Tocotronic, seinen Songs eine eigene Art von Sprache und damit ein eigenes Bewußtsein zu geben. Im Funny-van-Dannen-Kosmos sehnen sich Butterkekse nach Liebe, scheitert Jesus bei den Frauen, weil die auf starke Männer statt auf Wunder abfahren und man kann von alten Zeiten träumen, ohne daß es kitschig wird. In seiner Art ist der fröhliche van Dannen, der auf sympathische Weise auch gerne über sich selber lacht, trotz des eher konventionellen Gitarrenspiels unvergleichlich: Kein Moralapostel, kein pädagogischer Schlaffi wie Reinhard Mey, aber auch kein Mann der großen Gesten wie Bernd Begemann. 
Neben drei CD’s („ClubSongs", „Basics", „Info 3"; alle: Trikont / Indigo) hat er auch einige Bücher veröffentlicht mit wunderbar unterhaltsamen Kurzgeschichten, stilistisch seinen Songs ähnlich. Zuletzt erschien vor kurzem „Der Tag als Rosie kam" (Verlag Antje Kunstmann). 

Du veröffentlichst CD’s und Bücher, außerdem malst du noch. Hast du da nicht Probleme, das alles unter einen Hut zu bekommen? 
Eigentlich nicht. Ich komme in letzter Zeit selten zum Malen. Neulich erzählte mir jemand vom Gespräch eines älteren Pärchens in Hamburg: „Da spielt einer, der heißt Funny van Dannen. Ich hab ein Buch gekauft von einem, der heißt Funny van Dannen. Wenn das mal kein Ärger gibt." (lacht) 

Die neue CD ist erstmals nicht live vor Publikum aufgenommen worden... 
Ist ja auch mal was anderes. Als die Frau von der Plattenfirma hörte, daß wir unser drittes Kind kriegen, da meinte sie, laß uns mal schnell noch ‘ne CD machen, bevor du in der Versenkung verschwindest. 

Naja, die Gefahr besteht wohl in nächster Zeit nicht. Dafür hast du schon zu viel Öffentlichkeit. 
Die Öffentlichkeit hat sich halt mit der ersten CD eingestellt. Da ging es mit der Pressearbeit los bei Trikont, und wie der Erfolg so läuft. Das hat nix mit mir zu tun, ich mach meinen Scheiß ja schon lang genug. Das läuft nicht mehr mit Mund-zu-Mund; sobald du was machst, wo Leute investieren, dann muß sich das rentieren, dann wird gearbeitet und dann gibt’s auch Erfolg. 

Deine Konzerte sind ja in letzter Zeit ganz schön gut besucht. Hier in Münster war z.B. ausverkauft. Hat sich dein Publikum verändert? Und wie ist das Verhältnis zwischen jüngerem und älterem Publikum? 
Da kommen viele Leute mittlerweile, die so Mitte 20 sind. In den Studentenstädten wohnen ja auch erfährungsgemäß viele Studenten. Die älteren sind eher stiller, mit Gitarre verbinden die auch vor allem Bob Dylan, Leonard Cohen und Reinhard Mey. Die jungen Leute sind da viel offener. In Freiburg war es so, daß vorne die ganzen jungen Leute waren, und hinten saßen dann die älteren auf Bänken und Tischen. 

Bei dir fällt auf, daß du nicht mit anderen Songwritern verglichen wirst, was ja positiv ist und zeigt, daß du auch wirklich dein eigenes Ding machst. Hast du denn heimliche Vorbilder, an denen du dich orientierst? 
Überhaupt nicht. 
 
Was hörst du denn privat so? 
Gar nichts. Seitdem wir die Kinder haben, hör ich so gut wie nichts, weil, du hast einfach genug zu tun. Und ich hab ganz wenig Ruhe, und wenn ich die Ruhe habe, mache ich mein Zeug. Ich bin da zu unruhig zu, um Musik zu hören; ich kann auch nicht lesen. 

Wie lang brauchst du denn, um einen Song zu schreiben? 
Das ist sehr unterschiedlich. „Gutes tun" ging zum Beispiel ziemlich schnell, da habe ich eine Stunde für gebraucht. Aber da kommt ja noch die Vorarbeit zu, das ist immer mehr ‘ne Impuls-Geschichte bei mir, das ist bei meinen Bildern und meinen Geschichten auch so. Manchmal haut’s auch nicht so hin, dann bleibt ein Song erstmal liegen und dann stöpselt sich das so zusammen mit der Zeit. 

Es fällt auf, daß du oft über Religion singst. Hast du eine bewegte kirchliche Vergangenheit? 
Ja, ich bin ja katholisch erzogen worden, daher hat sich da schon ein gewisser Fundus ergeben.  Religion ist auch eine sehr dankbare Geschichte, da wird auch viel mit Bildern gearbeitet. Wenn du was über Jesus schreibst, brauchst du den Jesus nur in einen anderen Zusammenhang stellen, und schon ist es witzig. Der Effekt ist schnell da. Ein alter Künstlertrick. Das sollte man nicht so überbewerten, dieReligionsgeschichten. 

Die Personifizierung von Gegenständen spielt bei dir auch eine große Rolle. Bist du jemand, der auch mit Pflanzen redet? 
Die Pflanzen gieße ich jetzt die letzten Jahre, weil sich sonst keiner drum kümmert. Aber sonst habe ich mit Pflanzen eigentlich nicht so viel zu tun. Diese Songs kannst du ja von zwei Seiten sehen: Wenn tausend Dinge Liebe brauchen, kann man das ja so verstehen, daß man wirklich was für Dinge übrig hat, man kann es aber auch ironisch sehen, wenn Leute ihr Auto putzen und vielleicht mehr Zärtlichkeit an ihrem Auto aufwenden als für ihre Ehefrau. Das habe ich letztens auch diesem komischen Kameramann vom ZDF erklärt. Der war ganz fasziniert von seiner Kamera und der Technik. Da hab ich ihm gesagt, du gehst mit deinem Apparat da sensibler um als mit deiner Redakteurin. Da meinte er nachher, ist ja gut, daß mir das mal einer sagt. 

Guckst du eigentlich Lindenstraße? In der WG von Klausi Beimer werden ja schon beim Badezimmer putzen deine Songs gesungen... 
Das haben mir Leute erzählt. Selber gucke ich das nicht. Aber von mir aus sollen die ruhig meine Sachen singen, wenn’s wen erreicht... 

Wie gefallen dir denn die neuen Bands wie Tocotronic? 
Ach, Tocotronic find’ ich gut, und Fettes Brot find’ ich auch gut. 

Und was ist mit anderen Songwritern wie Bernd Begemann? 
Das finde ich zu anstrengend. Die Art zu singen finde ich schon zu aufgesetzt. Den Begemann finde ich persönlich sehr sympathisch, aber was er so macht, das ist mir zuviel Attitüde. 

Es gibt mittlerweile viele, die Songs von dir covern, z.B. die Lassie Singers, Udo Lindenberg und Dackelblut, wobei ich vor allem das Stück von Dackelblut klasse finde... 
Das finde ich auch gut. 

Bei den Lassie Singers hast du ja selber mal mitgewirkt als Gründungsmitglied. Warum bist du da ausgestiegen? 
Es war so, daß die Lassie Singers ziemlich schnell Erfolg hatten. Ich hatte damals schon ein Baby und hätte die ganzen Touren gar nicht mitmachen können. 

Udo Lindenberg hat versucht, mit deinen Songs „Nana Mouskouri" und „Gutes tun" Hits zu landen. Wie lief das mit Lindenberg denn ab? 
Udo Lindenberg brauchte ja einen Hit. Ich habe denen gleich gesagt, daß das nicht funktionieren wird, aber er sagte halt: „Ich muß jedes Jahr ‘ne CD machen",  und ich frag ihn: „Wieso mußt du denn jedes Jahr ne CD machen?" - „Ja, Verträge, Verträge...". Mit 50 Jahren und mit der  Karriere muß er dann ‘ne CD machen... Dann ermich: „Weißt du denn, ob die 16jährigen noch Nana Mouskouri kennen?",  ich sag’ ihm: „Weiß ich auch nicht." Ich finde das ziemlich blöd; ich hab’ ihm auch gesagt: „Schreib’ doch mal lieber für deine Genration, warum stehst du nicht dazu, daß du 50 bist?" Ich bin mir sicher, wenn der Sachen schreiben würde, für die Leute in seinem Alter oder über etwas, was ihn wirklich bewegt, was jetzt sein Thema ist im Leben, dann hätte er auch wieder mehr Erfolg. Der hat auch keinen, der ihm mal Bescheid gibt, da sind nur so ein paar Schleimer um ihn rum und er spielt seine Figur voll durch. Es gibt ja keinen Udo Lindenberg privat. Aber ich hab da mit dem kein Mitleid, der hat die Mittel, das zu ändern. Für den „Spiegel" habe ich mal mit so’nem Jungen von Tocotronic und dem Lindenberg gesprochen, da hatten sie wohl gehofft, daß wir den Udo Lindenberg anpinkeln. Alter Sack und so. Aber der Junge von Tocotronic war’n ganz netter, und wenn ich dem Lindenberg was zu sagen habe, sage ich das nicht so’nem Spiegel-Wichser oder irgendwelchen blöden Journalisten, die nur Leute anpinkeln wollen, die mal was gutes gemacht haben. Und da denke ich ja gar nicht dran. Das Gespräch wurde dann nie abgedruckt, weil es nicht kontrovers genug war. 

          Interview: Michael Brandes