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Komm Küssen-Kurzlehrgang:

Geschmackssicherer
Schlagerkenner in 5 Minuten

Gut oder Böse. Egal. Hauptsache interessant. Schlager ist nicht gleich Schlager. Er ist facettenreich wie der Pop, den er ja gerade in den Sechzigern und Siebzigern trivialisiert in die deutschen Wohnstuben gespiegelt hat. Da gab und gibt es die klassische Schnulze, den anspruchsvolleren Chanson-Schlager, den unerträglichen Blödel-Schlager, den NDW-Schlager und - aktuell - den volkstümlichen Schlager oder Blümeleins und Moduls Techno-Schlager - die Liste läßt sich wohl von jedermann beliebig fortsetzen. Jahrelange Recherche auf den Flohmärkten der Euregio gingen dieser beinahe enzyklopädischen Kurzübersicht voran, die erstmals die bemerkenswertesten wie interessantesten, ekligsten wie schönsten Titel vereint... Dabei müssen die gängigen Sachen draußenbleiben, die kennt ohnehin jeder und will keiner mehr hören. UDO JÜRGENNS, TONY MARSHALL, CHRISTIAN ANDERS und Konsorten, wegtreten! 
Disco-Schlager  Beat- und Soulbeat-Schlager  Cover-Schlager  Akzent-Schlager  Kinder-Schlager  Spießer-Schlager  Werbe-Schlager  Blödel-Schlager


Disco-Schlager  
Musik 
Mitte der Siebziger Jahre hängt sich der deutsche Schlager an den internationalen Ausverkauf der Disco. Die Ergebnisse sind erschreckend! Disco-Stomper - auf deutsch! Die Musik bleibt, der Text wird wörtlich übersetzt und dabei absurd verfremdet. Somit eine Spezialabteilung des Cover-Schlagers, aber nicht nur. Denn ein paar Interpreten bringen auch eigene Stücke im Disco-Beat. 
  
Worte 
"Money, Money, Money, Geld ist alles, darauf kannst Du bauen, denn ohne Money Money bist Du nur ein Clown." (YOLANDA) 
"Oh Baby tu´ es! Mir ist danach zu Mut. Oh Baby Tu´ es! Ich weiß, Du machst es gut." (GILLA, "Tu´ es!") 
  
Ausgewählte Stars und Hits 
  • DSCHINGHIS KHAN - Die grauenvolle Kostümtruppe machte als einer der wenigen Künstler Disco-Schlager, die keine Cover waren. Eine Titelliste spare ich mir.
  • GILLA - die ungekrönte Queen der Deutsch-Disco. Die Sexnudel aus Bayern hatte auch Disco-Schlager, die keine Coverversionen waren.

  • Hits: "Tu´ es!"; "Ich brenne!"; "Willst Du mit mir schlafen gehen?" ("Voulez vous couchez avec moi?"; im Bayrischen Rundfunk verboten), "Sunny" (dt.), "Rasputin (dt.), "Machen wir´s in Liebe" ("Girl from Ipanema") 
  • ELFI GRAF - Die Österreicherin feierte einige kleine Hits, unter anderem mit Blondies "Sunday Girl" in deutsch. Macht heute volkstümlichen Schlager.
  • TONY HOLIDAY - Sein größter Hit - heute leider durch - war natürlich auch ein Cover... "Tanze Samba mit mir" (1977) heißt eigentlich "a far l´amore comincia tu" und ist von Raffaella Carra.

  • Auch bei der "Goombay Dance Band" hat er geklaut (selbst schuld): Deren "Sun of Jamaica" geht eigentlich gar nicht schlechter. Tony hat es geschafft: "Nie mehr allein sein" - eins der schrecklichsten Sprechstücke deutscher Zunge. Der Mann ist vor sieben Jahren gestorben. 
  • DUNJA RAITER - vor allem bekannt durch ihr pathetisches Cover von Gloria Gaynors "I Will Survive": "Ich Überleb´s" ist der Gegenhit zu Cake! Damit tritt die Frau noch heute im Sat1-Frühstücksfernsehen auf. Sonst nichts bemerkenswertes.
  • MARIANNE ROSENBERG - Aus dem "Mr. Paul McCartney"-Mädchen (1970) wurde in der zweiten Hälfte der Siebziger die - naja -Hauptvertreterin des deutschsprachigen Philly-Sounds. Mit Titeln wie "Ich bin wie du", „Marleen" oder „Er gehört zu mir" kann ich nicht soviel anfangen - heute ist sie eine Ikone der Schwulenbewegung - das macht ihre Lieder leider auch nicht besser. Auf Cover verzichtete sie weitgehend, trotzdem gefiel sie mir gerade da am besten Mit "Ruf an!" wollte sie sich an den Erfolg von BLONDIE hängen. Hat nicht geklappt. Schade.
  • YOLANDA - weniger als ein One-hit-Wonder 1977. Ihre Coverversion von "Money, Money, Money", war wohl selbst deutschen Schlagerfans zu doof, den besonderen Charme dieser Nummer erkennt wohl keiner.  index

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    Sprech-Schlager
     
     
    Musik 
    Hier plänkeln im Hintergrund ein paar Töne vor sich hin - das ist vor allem für Schlagerstars gedacht, die nicht singen können, weil sie eigentlich Schauspieler oder bloß Synchron-Stimmen sind. Merkwürdigerweise ist das, was man von der Musik versteht meistens Country. 

    Worte 
    "Ich bekam Nachricht aus Los Angeles (USA), daß der König der Westernstars nicht mehr war. Ich schäme mich nicht, auch ich habe geweint, um den größten der Cowboys, meinen Freund" (ARNOLD MARQUIS, "John Wayne") 
    "Sue Ellen, Du mußt die Finger von der Flasche lassen! Vertrag dich mit J.R:, denn John Ross junior gehört auf die Ranch. Und Pamela: Wenn Bobby dich mal venachlässigen muß, denk dran: Besser eine Ewing und 5% von Bobby, als eine Barnes und 100% von gar nichts." (JOACHIM CADENBACH, "Mein Dallas") 

    Ausgewählte Stars und Hits 

  •  JOACHIM CADENBACH - Synchronstimme von Jock Ewing. Durchgeknallter geht´s nicht mehr: Bei "Mein Dallas" spricht der Patriarch von Southfork aus dem Ölmillionär-Himmel sein Vermächtnis.
  • DIETER THOMAS HECK - Der Hitparaden-Onkel kreiert auf einer LP ("Es ist Mitternacht, John...") das Genre des Mysterio-Schlagers. Das Titelstück, "Phantom 4", "Alcatraz", "Henkersmahlzeit" ließen selbst Akte-X-Scully schaudern.
  • JONNY HILL - Sollte in den Siebzigern zum zweiten FREDDY QUINN aufgebaut werden. Ist nicht geglückt. Sein Fernfahrer Mini-Epos "Ruf Teddybär eins-vier" drückt schwer auf die Tränendrüse und ist übrigens eine von mindestens zwei Coverversionen des US-Originals. Sehr schlecht.
  • ARNOLD MARQUIS - Der Mann ist die deutsche Stimme von John Wayne. Als der gestorben ist, hat er eine Trauersingle ("John Wayne") aufgenommen. Wahrscheinlich auch für sich selbst, denn der Mann war zu dem Zeitpunkt ja quasi arbeitslos... (na gut, er spricht ja noch ein paar andere Stars) index

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    Beat- und Soulbeat-Schlager

    Musik 
    Beat! Beat! Beat! Natürlich abgeschwächt, wie das halt im Schlager so üblich war. Trotzdem, diese Abteilung der 60er- und frühen 70er ist so das netteste, was es für mich gibt auf dem Sektor der deutschsprachige Musik ohne Anspruch. Für junge Leute war das damals produziert und das noch nicht mal so schlecht. Leider ist der nie hochgekommen. Denn die Fans hörten lieber den englischen Original-Sound. Einige sind so hübsch, daß ich sie gerne aus der Trash-Ecke herausholen würde, aber das ist wohl utopisch, zumindest im Moment... 

    Worte 
    "Ich sprenge alle Ketten und sage `nein, nein, nein, nein, nein´" (RICKY SHAYNE, "Ich sprenge alle Ketten") 
    "Lange war ich einsam, heut bin ich verliebt, und nur darum ist das so, weil es die Wissenschaft und die Technik und Elektronenhirne gibt" (FRANCE GALL, "Der Computer NR. 3) 
    " Es dreht sich jeder nach mir um und ich weiß ganz genau warum, weil ich sexy bin, ganz einfach so sexy bin. (LILIAN ATTERER, "Weil ich so sexy bin") 

    Ausgewählte Stars und Hits 

  •  LILIAN ATTERER - war Miss Germany ´68 und machte eine Single, "weil ich sexy bin" - Nicht nur Lilian ist sexy, auch das klasse Tanzstück!
  • HOWARD CARPENDALE - der junge Carpendale war noch ein Wilder. Sein erster Hit "Lebenslänglich" ist ein echter Orgelbeat-Stampfer. Und erst "Du hast mich", das Ende Oktober auf dem Get Easy#4-Sampler (Motor) erscheint. Schande auf "Hello again"! (Akzent-Schlager)
  • DRAFI DEUTSCHER - ist der deutsche Beatstar. Er und seine MAGICS waren ausersehen, der Schnulze den Kampf anzusagen (Covertext). Auch wenn "Marmor, Stein und Eisen bricht" schon lange zergrölt wurde, "Das sind die einsamen Jahre", "Keep Smiling" oder "Shake Hands" sind immer noch klasse Stücke. Was letzteres Stück betrifft, zieht Michael die gleichzeitig erschienene Version von TONY TORNADO vor (wer auch immer das ist). Karriereknick, weil ihm ein Sittlichkeitsdelikt vorgeworfen wurde. Davon hat er sich nie richtig erholt. In den Achtzigern Comeback mit MIXED EMOTIONS - zum Heulen.
  • FRANCE GALL - Hat sich ihre Legende durch "Ella, elle l´a" und "Babacar" in den Achtzigern zerstört. Aber: "Der Computer NR. 3" mit seinen witzigen Elektro-Effekten ist mein momentaner Lieblingsschlager. Das muß doch mal irgendwann re-releast werden! Auch ihre gesungene Version von "Music to watch girls by" kann sich hören lassen ("Die schönste Musik, die es gibt"). Und das Selbst-Cover ihres französischen Hits "poupée de cire, poupée de son" ("Das war eine schöne Party") ist absolute Klasse. Danke Frau Gall!
  • GITTE - Man mag ja von der Dänin denken, was man will, aber "Mini oder Maxi" ist einfach ein schönes Beatstück. Sie hätte eine Legende werden können, aber irgendjemand muß ja das Geld nach Hause bringen... ausgezahlt wurde sie in den frühen Achtzigern für „Freu dich bloß nicht zu früh" oder „Die Frau, die dich liebt". naja.
  • RAMONA - Wieder einer dieser C-Stars. Dafür hat sie eine (aber wirklich nur eine)  nette B-Seite besungen. "Ich muß telefonieren" ist smoother Soulbeat. Schön! - und tröstlich für alle Long-Distance-Verliebten mit hohen Telefonrechnungen. Da soll es ja auch welche in der Komm Küssen-Redaktion geben... achso, Ramona war später Mitglied der "Silver Convention" und hatte da mehr Erfolg.
  • RICKY SHAYNE - Der in Kairo geborene Franzose ist auch nicht gerade der größte Star. Das druckvolle "Ich sprenge alle Kette" ist vielleicht gerade deswegen hörenswert, genauso wie seine La Paloma-Version (Gerade bei Trikont auf dem La Paloma-Sampler Vol.2 erschienen).

  • Absoluter Trash, aber zum Einmal-Hören witzig ist sein Elvis-Cover "In Chicago" ("In the Ghetto") index 
      

    Cover-Schlager

    Musik 
    Die Musik ist zweitrangig, denn das Original kennt ja eh jeder . Hier hören wir endlich die deutsch Übersetzung unseres englischen Lieblingshits, und lernen, daß "Only You" auf deutsch "Nur dein Clown" heißt... Manchmal covern die Originalstars ihre Hits selbst - das ist dann besonders charmant. 
      
    Worte 
    "Come on Baby, Zeig mir Locomotion heut´ nacht, der Tanz gefällt mir gut" (DAFFI VON CRAMER, "Locomotion") 
    "Die rote Tür, ich streiche sie ab heute schwarz, denn alles was einst rosarot war ist jetzt schwarz." (KAREL GOTT, "Rot und Schwarz") 
      
    Ausgewählte Stars und Hits 
  • BEATLES - Ihre ersten Hits in Deutschland gab es natürlich auch auf deutsch, von ihnen selbst gesungen. "Komm Gib mir Deine Hand" und "Sie liebt dich" - den Charme hat keine Beatles-Coverband mehr erreicht. Auch nicht Buttermaker.
  • BENNY - ist der deutsche Coverstar: "Skateboard" bereitete das witzige PLASTIC BERTRAND-Cover "Ça plane pour moi" vor. Wichtig! Zu den größten Perversionen des dt. Schlagers gehört allerdings seine Version der Punk-Hymne "If the kids are united" von SHAM 69. Aus dem rebellischen Originaltext wird in der deutschen Fassung eine erschütternde Warnung für alle Jugendliche vor den Folgen des Alkoholkonsums.
  • ADRIANO CELENTANO - Filmschauspieler, die singen, das ist ja immer so eine Sache (Sprech-Schlager). Vielleicht kann sich z.B. noch jemand an HEINER LAUTERBACHs grauenhaften Versuch erinnern "Je t´aime (moi non plus)" zu covern? ADRIANO CELENTANO dagegen kann nicht nur ohne Zweifel singen, auf seinem JERONIMO-Cover "Heya" macht er das auch auf deutsch. Mit einem interessanten Akzent singt er hier einen bewegenden Song über die Frauen an sich, denen er nicht wiederstehen kann, was ihm sein ganzes Leben kaputtmacht.  Taschentücher raus!
  • CINDY UND BERT - covern den ersten Hardrock-Hit der Popgeschichte und machen "Paranoid" von BLACK SABBATH zur unheimlichen B-Seite "Der Hund von Baskerville". Der restliche Kram des zwischendurch zerstrittenen Pärchens ist allerdings nur schwer zu ertragen. Außer „Fieber der Nacht", einem „You´re the one that I want"-Cover... ein netter Gag, Klassen witziger als FEDDERSEN und HALLERVORDEN.
  • PETULA CLARK - Die Engländerin lebt wohl heute noch von "Downtown". Klar, daß es das von ihr auch auf deutsch gab. Ein schönes Stück. Ist gut.
  • DAFFI VON CRAMER - Noch nicht einmal das Schlagerlexikon kennt ihren Namen. Doch ihr "Locomotion"-Cover ist fast ungeschlagen.
  • THE FLYING PICKETS - Das englische Vocal-Sextett verbrät ihr "Only You" nochmal auf deutsch. "Nur dein Clown" wurde allerdings kein Erfolg. Dabei sprechen sie endlich einmal die Frage aus, die den ganzen Trash prägt: "Oder war ich im Vertrauen, nur dein Clown?". Na ja.
  • KAREL GOTT - Wenn der junge Gott covert, ist er am besten. Seine leidenschaftliche Orchesterversion von "Paint it black" ist großartig: "Rot und Schwarz" ("Painted Black") ist schon ein kleiner Hit. Auch ein anderes Cover von Herrn GOTT hat das Zeug zum Hit: "Star meines Lebens" ist eine rasante Interpretation des JOE DOLAN-Klassikers "You´re Such A Goodlooking Woman". Eins verzeiht ihm Michael aber nie: das unsägliche Biene Maja-Selbst-Cover zur dortmunder Borussentruppe. (Akzent-Schlager)
  • TED HEROLD - Im Gegensatz zu den Weichspüler Elvis-Kopien wie PETER KRAUS kam TED HEROLD, der gerade eine neue CD veröffentlicht hat, immer etwas rockiger und verwegener daher. Zu seinen angenehmsten Songs zählt das schmissige "Da doo ron ron"-Cover (THE CHRYSTALS), dessen charmant-naiver Text einige philosophische Betrachtungen über die Liebe enthält wie "Wenn die Liebe nicht so was schönes wär, machte sie uns auch nicht das Leben schwer" oder "Wenn auf dieser Welt keine Liebe wär, wär diese Welt ja schon lange leer". Spitze.
  • ANTHONY MONN - Dieser Mann gehört auch nicht geradezu den bekanntesten Vertretern des Schlagers; sein für Schlagerverhältnisse ungewöhnlich unaufdringliches und sehr nettes "Johnny&Mary"-Cover sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben. Schließlich wurde der Robert Palmer-Hit ja auch schon von in anderen Zusammenhängen bekannten Größen wie THE NOTWIST gecovert.
  • PETER ORLOFF - Der in den Sechzigern durch jede Menge netter, flotter Beat-Schlager mit Ska-Rhythmus bekannt-geworden ORLOFF lieferte in den Siebziger Jahren fast nur noch Schnulzen ab. Trotzdem ist "Die Nacht, als Christina fortlief" ist ein klassisches Stück zum Thema "Das erste Mal" und nebenbei ein SMOKIE-Cover ("Lay back in the Arms of someone"). index

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    Akzent-Schlager

    Musik 
    Die Italien-Sehnsucht des Deutschen, läßt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Der Schlager hat dieses Verlangen nach Exotik auf Holland reduziert und mit Rudi Carrell gestillt. Trotzdem bevölkerten auch andere Akzente die deutschen Charts: Frankreich, Osteuropa und Skandinavien führen die Liste an. 

    Worte 
    "Es tansen Swerge mit Feen, isch ´ab es wirklisch gesehen, Prinsen und Elfen mit bunten Blumen im ´aar. Und isch weiß kaum, ist es Tack oder Traum. Engel begleiden misch ´eut´ an diesem schönen Taak!" (ANTOINE "Hallo Bonjour Salut") 
    "Mir fälld bei dir nischts andres ein, als Tag und Nacht nur brav su sein. Seit Wochen leb isch neben dirr und fühle gar nichts mehr in mirr. Nur dein Geschwäds - so leer und dumm -, ich ´abe Angst, das bringt misch um. Ja! Früher warrst du lieb und schön. Du läßt disch gehn. (CH. AZNAVOUR, "Du läßt dich gehn") 

    Ausgewählte Stars und Hits 

  •  ANTOINE - französischer Althippie. Er ist für mich echter Sympathie-Träger. In Deutschland war er allerdings kaum erfolgreich. Dabei ist sein Selbst-Cover von "Hallo Bonjour Salut" (1968) absolut hittauglich. Hat er das eigentlich selbst übersetzt? (Natürlich nicht) Hört sich an wie ein LSD-Trip.

  • Heute sieht Antoine aus wie Bud Spencer und ist passionierter Weltumsegler. Einmal im Jahr soll er ein Buch veröffentlichen. 
  • CHARLES AZNAVOUR - Der armenien-stämmige Chansonier brillierte 1962 mit seinem schwarzen Chanson-Schlager "Du läßt dich gehn", ein Selbst-Cover, dessen Strophen ABWÄRTS vor ein paar Jahren teilweise für "Alkohol" übernahmen. Ein frauenfeindlicher Text, aber wer kann diesem französischen Akzent  schon böse sein? Sehr charmant, Herr Elefant.
  • HOWARD CARPENDALE - Den Südafrikaner mag ich ja nicht so, außerdem ist er bei Beat schonmal besprochen. Das wahre Ausmaß seiner erworbenen Stimmband-Deformation wurde erst in den Siebzigern deutlich. Deswegen hatte er auch erst da so richtig Erfolg. (siehe Beat- und Soulbeat-Schlager)
  • RUDI CARRELL - ist der Vorzeige-Exot Deutschlands. Sein "Wann wird´s mal wieder richtig Sommer" sehen viele als einen der besten Schlager an, ich nicht. "Goethe war gut" ist erst recht schlecht. Mein Lieblingshit von ihm heißt - glaub´ ich - "Gehen wir nu zu die Suppa-Preis-Pulte"
  • REINHARD FENDRICH - der Vertreter des pseude-lässigen Austro-Schlager. "Schickeria", "Es lebe der Sport", "Macho Macho" - waren seine Hits. Der abgebrochene Jura-Student ist wohl nur wegen seines unangenehmen Wiener Akzents erwähnenswert. Verdient heute sein Geld im Fernsehen.
  • FRANCE GALL - ist sowieso gut. Hier niedlicher Akzent sollte nicht unerwähnt bleiben. (siehe Beat- und Soulbeat-Schlager).
  • KAREL GOTT - nutzt schamlos die Vorliebe vieler Frauen für slawischen Akzent aus und lenkt damit von seinen  - ähem -schwierigen Schnulzen ab. Ganz schön geschickt. Von dem Mann sind nur die frühen Cover gut. (Cover-Schlager).
  • FRANCOISE HARDY - Die charmante Französin hatte ein paar kleinere deutschsprachige Hits. "Peter und Lou" (1963) ist der schönste. Ein Selbst-Cover von "Tous les garçons et les filles". Ist mir manchmal etwas zu ruhig. Aber dieser Akzent... Warum hat sie nur eine Platte zusammen mit UDO JÜRGENS besungen?
  • JOHANN HÖLZEL - Das beste an FALCO ist, daß man sich streiten kann, ob das Schlager oder NDW ist. Sein Wiener Schmäh paßt gut zu ihm "Der Kommissar" war einer der ersten erfolgreichen NDW-Schlager. Hatte auch später noch ein paar Hits: "Maschine brennt", "Rock me Amadeus", "Jeanny (Part 1)", "Coming Home (Jeanny Part 2)".

  • Der Mann ist hier unter seinem Realname hier eingetragen, weil er sonst direkt vor FENDRICH gestanden hätte - und zwei Österreicher auf einmal... hätte nicht so gut gepaßt. 
  • BATA ILLIC - einer der heute gern verhöhnten Stars. Schande. ILLIC tritt heute noch auf und hat sich sein Lampenfieber bewahrt. Das bringt schonmal ein paar Punkte für Credibility. Für seinen Akzent gilt das gleich wie für KAREL GOTT. Leider sind seine Hits nicht so toll. "Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein" (1976) hat einen witzigen Text, aber diese dixielastige Musik ist wirklich unpassend. Für "Mit meiner Balalaika war ich König auf Jamaika" (1977) gebührt ihm aber der Sonderpreis für die abstruseste Titelidee aller Zeiten
  • KIRSTI - Die Norwegerin hatte einen wirklich charmanten Hit: "Ein Student aus Uppsala", ist leider auch schon von der Industrie entdeckt.
  • RADI RADENKOVIC - legendärer Torwart bei 1860 München und Schlagerstar in Personalunion. Gegen seinen slawischen Akzent sind KAREL GOTT und BATA ILLIC Waisenknaben. "Bin i Radi - bin i König" bekommt 10 Akzent- und Text-Punkte. Musikalisch allerdings gnadenlos. Dieser Blasmusikschlager nahm den volkstümlichen Schlager der Neunziger vorweg. Michael träumt manchmal davon, daß es KAREL GOTT dem RADI gleichtut und Torwart wird - am liebsten bei Dortmund.
  • BILL RAMSEY - der forsche US-Amerikaner war einer der Stars der frühen Sechziger. Eigentlich Jazzer verdiente er sich mit "Zuckerpuppe"; "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", "Souvenirs", "Pigalle" oder "Café Oriental" ordentlich was dazu - nichts großes, aber nett. Als seinen Nachfolger schlage ich Erich Schiller aus der Lindenstraße vor.  index

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    Andere Schlager-Typen

     
    Kinder-Schlager 
    Eins der peinlichsten Genres des Schlagers. Musik für enttäuschte Eltern und Großeltern mißratener Kinder. Geldmachen mit dem Kindchenschema. Die Kinderschlager von CONNY FROBOESS "Pack die Badehose ein", "Zwei kleine Italiener", gingen ja noch. Außerdem hat es Frau FROBOESS als eine der wenigen Schlagerstars bis zur Bühnenschauspieler geschafft. Hut ab. Was danach kam, ist indiskutabel, ob HEINTJEs  "Mama" oder ANDREA JÜRGENS´ Scheidungsdrama "Und dabei liebe ich euch beide" - klebrig wie ein SAT-1 Fernsehroman.  index 

    Spießer-Schlager 
    Ein unfreiwillig komisches Genre - nur auf den ersten Blick allerdings: Man male sich mal aus, FREDDY oder HEINO wären Bundeskanzler geworden... FREDDYs „Wir" ist in puncot Bürgerlichkeit kaum noch zu toppen. Nicht so bekannt, aber genauso schlimm: HOLGER THOMAS, der sich eigentlich als KFZ-Mechaniker und Modell für Bravo-Fotolovestories verdingte, sich aber Ende der Siebziger berufen fühlte, den Kids mitzuteilen, daß dem Punkrocker ansich die Freundin ja weglaufen muß, weil er so komische Klamotten trägt... naja („Er hat ne Punkrockband in Oberhausen") Mit so ´ner Einstellung wird man heute übrigens Musikredakteur beim NDR. 
    Auch BENNY muß hier noch einmal erwähnt werden, sein „If the Kids are united"-Cover ist unter aller Kritik (Cover-Schlager). Die Welt wäre schöner, hätte solche Musik keinen Markt gehabt.  index 

    Werbe-Schlager 
    Singles waren prima Werbeträger. Mein Favorit ist die kim-Werbung „kim ist für Männerhand viel zu chic", supertanzbares Easystück! Außerdem: In den Siebzigern versuchte die Bundesbahn junge Leute von der Straße zu holen: „Go easy Go Bahn". Die CDU wollte das auch: Sie nutzte das Vinyl mindestens zweimal als Wahlkampfwaffe („Wir wählen CDU" mit schönem Soulbeat und das glattere „Lied vom politischen Frühling"). Erwähnenswert ist noch das einigermaßen originelle „Besser geht´s mit Coco-Cola" - leider wird das im zweiten Teil zu dixielastig.  index 

    Blödelschlager 
    Eines der furchtbarsten, aber zählebigsten Genres. Häufig sind das Cover wie „Du, die Wanne ist voll" (HELGA FEDDERSEN und DIDI HALLERVORDEN) oder WILLEMs „Wat". Das kennt wohl noch jeder. Es gab aber auch so abstrusen Kram wie ein „Je t´aime... moi non plus" von W. GRUNER und E. ELSNER. „Die 10001. Nacht" ist ein peinlicher Beitrag zum Thema Sex im Alter. 
    Cover sind in diesem Bereich häufig, aber nicht die Regel: Die Doofen („Mief"), MIKE KRÜGER („Der Nippel", „Bodo mit dem Bagger") oder BRUCE UND BONGO („Geil") haben sich für ihren Gedankenschrott noch extra ´ne Melodie ausgedacht...toll!  index 

     
     
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      Schlagereinleitung  Geschmackssicher in 5 Minuten Trashfalle  Interview mit Christian Bruhn  Schlagergeschichte