Das neue Buch von Zygmunt Bauman

Die Botschaft des Buches Hiob ist, dass Gott, in einem seiner seltenen Gespräche mit einem menschlichen Wesen, klar sagt, ich stelle die Fragen, und du bist da, um zu antworten. Gott weigert sich, irgendeine Erklärung zu geben zu dem, was er tut. Gott zu sein heißt, einem menschlichen Wesen keine Erklärung schuldig zu sein.

Ich muss gestehen, ich selber bin keine religiöse Person. Aber im Verlauf meines Lebens sehe ich mehr und mehr, wie wichtig Religion ist. Was Glaube und Transzendenz bedeuten. Ohne dies, finde ich, ist Humanität nicht vorstellbar. Nicht jeder von uns kann ein Heiliger sein, aber wir wären auch nicht menschlich, wenn es keine Heiligen unter uns gäbe. Sie weisen uns den Weg, führen uns vor Augen, dass er gangbar ist.

Meine Überzeugung, auf der alle meine Gedanken zur Religion gründen, ist die, dass Gott zusammen mit der Menschheit sterben wird. Anders gesagt, ich glaube, dass die Menschheit ohne die Idee Gottes unvorstellbar ist. Solange wir leben, brauchen wir Gott.

Ich denke, ich bin Atheist. Ich glaube nicht, dass es so etwas wie einen persönlichen Gott gibt. Aber ich glaube an die Unverzichtbarkeit von Gott für unser Überleben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschheit leben kann ohne Gott. Der Mensch ist ein intelligentes Tier. Im Unterschied zu diesem realisiert er, dass er ungenügend ist, dass ihm etwas fehlt. Wie kühn und wagemutig wir auch immer sind, wir kommen stets an Grenzen und fragen uns, was hinter dieser Grenze ist.

Gott wird sterben, aber mit ihm wird auch die Menschheit sterben.

Die Tatsache, dass ich limitiert bin, verweist darauf, dass es etwas gibt jenseits dieser Limitierung. Wir alle produzieren im großen Stil die Nachfrage nach Religion. Wir brauchen keine Priester, die das für uns tun.

Das natürliche Habitat einer moralischen Person ist die immerwährende Unsicherheit.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)