Das neue Buch von Björn Vedder

Der Freund, von dem wir eine bedingungslose Liebe erwarten, müsste ein Gott sein. Götter und Menschen können aber keine Freunde sein, denn zwischen ihnen kann es nicht jene Gegenseitigkeit geben, die für Freundschaften notwendig ist und die auch dann, wenn in ihnen die steilste Asymmetrie herrscht, zumindest kompensatorisch angestrebt wird.

Einander anzuerkennen bedeutet in Freundschaften zugleich, moralisch zu sein.

Weil sich die moderne Persönlichkeit ihres Selbstwertes durch die Aufmerksamkeit der Freunde versichert, ist sie angehalten, ihren Selbstentwurf nach dem Aufmerksamkeitswert für die Freunde zu gestalten, d.h. unterhaltsam zu sein.

Liebe ist eine emphatische Erfahrung der Fremdheit. Das unterscheidet sie ganz grundlegend von der Freundschaft, die viel reiner ein positives, ungebrochenes Gefühl der Nähe ist.

Ich glaube nicht, dass der Exklusivitätsanspruch der Liebe nur einer kulturellen Norm entspringt, die dem Gefühl der Liebe äußerlich wäre, sondern ich denke, dass in der Struktur dieses Gefühls selbst Gründe für eine exklusive Auffassung der Liebe zu finden sind. Liebe ist wesentlich exklusiv. Das liegt zum einen daran, dass der ihr zugrunde liegende Trieb unbedingt ist und seine Befriedigung nicht teilen mag. "Alle Lust will Ewigkeit", sagt Nietzsche; sie ist in ihrem Anspruch unendlich.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)