"Selbstmord ist die abscheulichste Sünde, mein Kind!"
Aus: Schiller, Kabale und Liebe, Fünfter Akt

Seit Augustinus galt, dass der Suizid unter allen Umständen verboten ist (Nullam esse auctoritatem, quae Christianis in qualibet causa ius voluntariae necis tribuat).
Das 1. Konzil von Braga (561) bestimmte, dass Selbstmördern die kirchliche Bestattung versagt werden soll.
Papst Nikolaus I. erklärte 860 n. Chr. den Suizid zur Todsünde: Selbstmördern erwartete die sofortige ewige Verdammnis.
Das Konzil von Nimes (1184) folgte dieser Lehrmeinung.
Das Verbot, einen Selbstmörder kirchlich zu bestatten (vgl. noch c. 2350 § 2 CIC/1917), wurde erst im CIC von 1983 aufgehoben - nach 1422 Jahren kirchlicher "Tradition".
Zur Lehrmeinung von Papst Johannes Paul II. vgl. Evangelium vitae und KKK.
Auf welche Äußerung des Lehramtes kann sich die von dem Vatikan-Berater Manfred Lütz vertretene Auffassung, dass ein Suizid unter Umständen kein "Selbstmord" ist (vgl. hier und hier), stützen? Kannte die "traditionelle" katholische Moraltheologie etwa einen Suizid, der kein Selbstmord ist, also die Unterscheidung zwischen "Suizid" und "Selbstmord"?
Handelt es sich bei der Position von Lütz um eine durch neue humanwissenschaftliche Erkenntnisse notwendig gewordene und v.a. im Hinblick auf die Angehörigen der Suizidenten heilsame Relativierung oder gar Korrektur katholischer Lehre? Oder würde Lütz jegliches Moment freien Willens bei Enke bestreiten, um seine Position noch in Einklang mit dem kirchlichen Lehramt bringen zu können?
Die "traditionelle" katholische Position findet sich z.B. im "Lehrbuch der katholischen Moraltheologie" von Ferdinand Elger (Regensburg 1851): hier
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