Das neue Buch von Volkmar Sigusch:
Das Sex-ABC

Ist der Liebe wie dem Sexuellen seelisch und sozial die Funktion zugewiesen, gesellschaftliche Leere zu überbrücken, Lücken aufzufüllen, Sinn vorzutäuschen, Lebendigkeit einzublasen, die Menschen überhaupt noch etwas Menschliches spüren zu lassen, so tun beide eben dies alles. Denn wir wollen alle lieben und geliebt werden, auf dass unsere kleine Welt voller erregter Harmonie sei und die große wenigstens augenblicklich in Ordnung.

Will die Katholische Kirche angesichts ihrer seelenzerstörenden Seelsorger in Zukunft als moralische Instanz in Sachen Sexualität mitreden, muss sie sich zunächst einmal selbst geißeln und dann begreifen, dass das Sexuelle zum Menschen gehört wie das geistige Phantasieren und das körperliche Verdauen und dass es als solches nichts Böses ist. Sollte sie das eines Tages tatsächlich begreifen, wird sie im Einklang mit den heiligen Schriften den Zölibat abschaffen, Frauen zu Priesterinnen weihen, Geschiedene und Homosexuelle nicht mehr diskriminieren und die Pädosexuellen in ihren Reihen mit Herzensgüte und Respekt in abstinente Pädophile verwandeln. Und die heute heimlich mit einer Frau oder einem Mann zusammenlebenden Priester könnten sich als Hetero- oder Homosexuelle zu ihrer Liebe bekennen. Oh, mein Gott.

Das Kapital ist heute das moderne Goldene Kalb, um das getanzt wird. Es ist das Ineffabile, das das Tabu und Gott abgelöst hat. Der Kapitalismus ist bei uns zur Allerwelts- und Staatsreligion geworden. ... Parteien haben sich zu einem Kartell der An- und Vorbeter vereinigt.

Papst Franziskus sorgte gegen den Widerstand seiner Umgebung dafür, dass jetzt in der katholischen Liturgie auch Frauen zum Ritual der Fußwaschung zugelassen werden dürfen. Selbst Frauen! Was für ein unglaublicher Akt der Humanisierung! Sie dürften jetzt bedient werden! Von Männern! Donnerwetter!


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)