Leserbrief an die Fuldaer Zeitung vom 2.2.2009

Von Pfarrer Ferdinand Rauch

Langsam wird es peinlich für unsere Katholische Kirche und besonders für uns Pfarrer, von denen man im Lebensalltag mit Recht solide Antworten erwartet, wie man zu den derzeitigen Beschlüssen und Ernennungen des Papstes steht. Einstmals jubelte man überschwänglich in unserem Land: "Wir sind Papst!" Doch heute hört man von vielen einfachen Gläubigen, dass sie über dessen Entscheidungen nur den Kopf schütteln. Dann lesen sie im gleichen Atemzug nicht gerade fundierte Ausdrucksweisen zu Moralfragen und dann auch noch die Ernennung eines Weihbischofs mit bekannten Denkmustern, die an Hirnrissigkeit und untheologischem Denken nicht weniger dümmlich sind als die Aussagen des Oberen der Piusbruderschaft, der schreibt, dass Maria durch 1.703.000 Rosenkränze bewirkt habe, die Exkommunikation auf zu heben. Die Gottesmutter wird ganz offiziell für eine Art "Himmelsurteil" vereinnahmt. Es ist für mich schon erschütternd wie sehr der öffentliche Eindruck entsteht, dass unsere Verantwortlichen das Volk Gottes wie blamiert dastehen lassen. Viele Gemeindechristen sagen, dass man durch solches Verhalten in eine Ecke getrieben wird, in die man nie wollte. Sie erwarten klare Standpunkte, mit denen sie sich gemäß dem Evangelium identifizieren können. Schließlich hat das, was der Papst da entschieden hat, nichts mit der Ebene der Unfehlbarkeit zu tun. Und da kann man ruhig mal als katholischer Christ sagen: Da irrt Papst Benedikt XVI. sehr! Er irrt sich, wenn er denkt, diese "theologisch-krankhaft-verwirrten Piusbrüder" würden das gesamte Zweite Vatikanische Konzil anerkennen. Sie bestehen doch nur aufgrund der Anti-Haltung. Und das auch noch auf Kosten unserer älteren Geschwister: der Juden. Wer - wie ich - die Sektenszene kennt, der weiß, dass die Piusbruderschaft die Entscheidung des Papstes als Triumph ihrer schismatischen Ansichten feiert.

Auch ist es ein Irrtum, einen Menschen in Linz zum Weihbischof zu ernennen, der Seelen zu Christus führen soll, aber auch dafür bekannt ist, sie mit schizophrenen Gottesbildern zu traktieren, in dem er z.B. Wirbelstürme zu Gottesurteilen umdeutet und damit Gottes Barmherzigkeit ins Gegenteil verkehrt. Kann denn jeder Idiot unserem guten Gott solche Untaten anhängen und dann noch - wie als Bestätigung - zum Bischof ernannt werden? Ich möchte dazu nicht geschwiegen haben!

Ferdinand Rauch, Pfarrer in Poppenhausen/Wasserkuppe, Sektenbeauftragter der Diözese Fulda, www.Sekten-fragen.de


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)